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Philipp

Kasse

ge­

wählt.

Kreis Schotten.

durch

den

15. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

sprach er, ihm den

rw - Amtliche Personalnachrichten. Am 31. August 1922 wurde der Hilfswärter Wil­helm Baumann Darmstadt vom 1. August 1924 ab zum Hauswart ernannt. Am 1 Sept 1922 wurde der Geometer 1. Klasse Friedrich Heinrich Weber zu C-ießen vom 1. April d. Z ab Mm Oberlandmesser ernannt. Entlassen

Leben Sie wohl, Frau Algeter," seinen Hut ergreifend.

Sie antwortete nicht und kehrte Rücken zu.

sk. Reiskirchen, 3. Sept. 3n der heu­tigen außerordentlichen Generalversammlung der h'esigen DezirkSsparkasse wurde an Stelle des im vergangenen Sommer verstorbe­nen Direktors dessen Sohn Schomber zum Direktor der

Schotten. 4. Sept. Die letzten Brand zerstörten Fabrikgebäude des Likör- fabrilanten Adolf Heß werden gegenwärtig in großartigem Maßstab wiederhergestellt, nachdem dieser Herr einen großen Teil deS alten Fried-

Dann schloß sich die Tür hinter ihm, fein Schritt verklang.

Die Lene lauschte angespannt, schnellte in die Höhe, stellte sich dicht vor die Sant' hin:

»Das hast du gemacht, du du, du . .

Sie brach zusammen, den Kopf hart auf den Boden schlagend, mit der wütenden Hand alle von Frau Algeter gepackten Sachen aus den Kartons reißend so als könne sie sich gar nicht Ge­nüge tun im Zerwühlen, Zerstören. Vernicht en.

Frau Algeter faltete die Hände.

Wer hält* jetzt das In dem Kind gesucht 7" Eine edlere Wallung gab ihr die Idee ein. Heinz nachzueilen, ihn zurückzuholen, meinetwegen um Verzeihung zu bitten damit das Kind nur wieder zufciwen sei.

Aber Heinz Güldewin war schon weit fort.

nach dauerndem Genuß solcher Marmelade (Lat­werge) empfindliche Gesundheitsstörungen, sogar auch Lebensgefahr, eintreten können, w a r n t d a s Amt dringend, Obsteinkochungen in zinkhaltigen Kesseln vorzunehmen oder Latwerge und dergleichen in zinkhaltigen Gefäßen aufzubewahren.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Kath. V?rein Haus, 81 4 ilhr: Vortrag überIst Deutschlands Zagend noch Deutsch airds Zukunft?" Astoria-Lichtspiele:Das Rätsel der Sphinx" undDer Mord in der Greenüreet". Licht­spielhaus. Bahnhofstraße:Schamlose Deelen".

Der D e u t s ch n a t i o n a l e Hand- lungsgehilfen-Derband hält heule abend im Kaufm. Vereinshaus die 1. Monats­versammlung ab Herr Schultz-G eßen spricht überDie beendeten Tarifverhandlungen". und Herr K a r s ch von der Geschäftsstelle Mainz überSozialversicherung". Näheres siehe An­zeige.

Zu einem öffentlichen Vortrag über das Thema:Ist Deutschlands Ou ge n b noch Deutschlands Zukunft?" ist für hrute abend der Geschäftsführer des Deut- sch?n Lch erbundrs gegen den AtrohollsmusFran- ziskus H ä ch n e l gewonnen, der, wie wir gestern be testeten, Mr Zeit Aufklärungsvorträge an den höheren Schulen Hessens häll. (Siehe Anzeige.)

Eine Hauptversammlung der Landbewerber des Kreises Gießen findet am Sonntag vormittag im Hotel Hopfeld statt. (Sieche Anzeige.)

Landkreis Gieren.

ne. Bellersheim, 5. Sept. Rach Deselli- gung mancher Hindernisse ist die Fertigstellung e nes Denkmals für unsere Gefallenen endlich gelungen. Nächsten Sonntag, den 10.<5ept, wird die Einweihung stattfinden. Es ist vor der Kirche aufgestellt worden. Den Entwurf lieferten die Architekten Nikolaus und Fischer aus Gießen. Das Modell der krönenden Figur schuf Bildhauer Ohly aus Frankfurt. Von Kennern wird die Figur als ein erstklassiges Kunstwerk bezeichnet. Bildhauer Werner aus Hungen hat es verstanden, das Werk in Muschel­kalk in bewundernswerter Weise auszuführen. Die Mittel für das Denkmal wurden durch frei­willige Spenden, durch Beiträge unserer Mark­genossenschaft. unserer Gemeinde, bei- Feuerwehr, unserer Vereine und des Kirchenchors Friedberg aufgebracht.

Tie Sant kniete gerade neben einem ihrer braunen Pappkartons, den sie verschnürte - da klopfte es kurz und hart an die Tür, und Heinz marschierte herein, ohne erst lange zu sackelu

Frau Algeier sah: er wußte alles. Sie wappnete sich mit Trotz. Er warf seinen Hut auf den Tisch Lene nicht beobachtend, die nichts begriff von allem, was vorging.

"Sie sind beim Direktor gewesen, Madame!" brach er los, nach jsdem Wort die Zähne auf- einanderbeißcnd.Sie können Gott danken, daß mir als Quittung für Ihre Taktlosigkeit nicht sofort der- Stuhl vor die Tür gesetzt worden ist. Mit welchem Recht erlauben Sie sich, den Spion zu spielen und mich vor meinem Chef und den Kollegen lächerlich zu machen?"

Frau Algeier zitterte vor Wut.

So! Hetzt zeigt er seine wahre Natur! So. Lene! Hetzt siehst du, was du In der Ehe zu er­warten hast! So!"

Heinz hatte sofort feine kalte Ruhe wteder- gewonnen.

Nein, Madame, das ist vorbei! Ihre heu­tige Heldentat hat mir gezeigt, daß uns zu- sammenzubringen grab solch' ein Unbing sei, als toollten Sie die Sowie und den Mond zugleich am Tage scheinen lassen. Es tut mir leid, Lene bedank' dich bei dieser Frau dafür ich kann mein Wort nicht einlösen! Verzeih' es mir! Wir waren glückliche Kinder, das ist vorbei ich dank' dir noch für alles Gute! Und sei zufrieden, daß dich der Herrgott vor dem Los bewahrt hat die Frau eines Künstlers zu werden. Du wirst es mir noch danken, Lene. Bald schon. Ich wär' kein Mann für dich. So voller Fehler und Zweifel! Und nur die Arbeit im Kopf"

Schöne Ardell," zischte die Tante, sich vom Boden erhebend.Abends hinstehen und den Leuten was vormachen, schöne Arbeit das! Und daß du's nur weißt! Ich Hütt' dir gleich von Karlsiuh' aus abgeschrieben, das war eine aus­gemachte Sache! Die Lene kriegt zehn für einen! Fertig!"

Die Lene begriff nur allmählich, was vorging DaS Schreckliche wollte ihr nicht in den Kopf. Die Zerstörung ihres Hugendtraums, die Blamage vor den Freundinnen daheim, die fertige Aus­steuer.

wurde am 31. August die Lehrerin an der Höheren Mädchenschule in Offenbach Elisabeth Gräber auf ihr Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Sept. 1922 an aus dem Schuldienst.

"Silberne Hochzeit feiern morgen die Eheleute Adam Büttner und Frau Wil­helmine geb. Dreckow, Gießen. Landmannstr. 12.

** Die Kohlenpreife erfahren nach einer Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils eine weitere beträchtliche Erhöhung.

** Der Eisverkauf im städtischen Schlachthof wird heute in einer Bekanntmachung neu geregelt.

** Reue 500 Mark-Reichsbank-- n o t c il Die Reichsbank bringt eine neue 500- Mark-Banknote heraus, deren Ausgabe be­reits vor längerer Zeit beschlossen war. Es handelt sich um einen künstlerisch hochwertigen Schein, einen sogenannten Zwölfdruck, dessen Herstellung sehr kompliziert und zeitraubend war, so daß, da inzwischen ein lebhafter Be­darf nach 500-Markscheinen sich geltend machte, die bekannte 500-Mark-Danknote in der Scheckform, die sehr schnell hergestellt wer­den konnte, ausgegeben wurde. Der neue 500° Markschein präsentiert sich in einem handlichen Format und gefälliger Ausführung, die auch in künstlerischer Hinsicht einen Fortschritt dar­stellt. Die Banknote ist auf eigens präparier­tem doppelfarbigem Wasserzeichenpapier in Zwölffarbendruck hergestellt. Die Vorderseite zeigt als charakteristisches Merkmal in der rech­ten oberen Ecke das Bild eines Hunkers, die Kopie eines Gemäldes aus dem Baseler Mu­seum, das von einem unbekannten Künstler stammt, und zweimal die Zahl 500 in hellen und dunklen Farben. Die Rückseite trägt Inder Mitte über die ganze Länge des Scheines die Wertbezeichnung In Buchstaben und je zwei­mal die Zahl 500 in dunklem und hellem Druck. Von der neuen Banknote gingen bereits 25 Millionen Mark in die Provinz, während in Berlin etwa 10 Millionen in den Verkehr kamen.

** D i e neue Gebührenordnung für dlehessischen Hebammen ist in der gestri­gen Ausgabe, des Amtsverkündigungsblattes ab- gedruckt. Sie erfetzt die Gebührenordnung vom 18. April. Die Neuregelung gilt mit Wirkung vom 1. April ab: sie soll bis aus weiters viertel­jährlich, Mm erstenmal zum 1. Oktober ds. Hs, unter Zuziehung von Hebammen aus Stadt unb Land zur Angleichung an den jeweiligen Teue- r-ungszustand nachg.prüft werden. Für bie meisten Dienstleistungen der Hebammen sind Mindest- und Höchstsatz bestimmt. Dir Mtt.d<stätze.sen bei Wenigbemittelten und in allen Fällen, in denen eine Staats-. Kreis- ober Gcmeindekasse ober eine milde Ortung für die Zahlung der Ge­bühren aufaufummen hat, beregnet werden. He nach dem Einkommen der Familie können die höheren Sätze Platz greifen. Die Hebamme muh auf Verlangen der Zahlungspflichtigen ihre For­derung durch eine Rechnung begründen, in der btc verschiedenen beruflichen Leistungen einzeln aufgesührt und nach ihrer Zeitdauer angegeben finb. Außer den Gebühren hat die Hebamme keine weitere Vergütung zu beanspruchen, ins­besondere kerne Taufgeschenke. Patengcschenke uso?

Trotz allem empfand er eine Leere. So wenig die Lene ihm In den letzten Zeiten gewesen war, so bedeutete ihr Verlust doch eine Lücke In seinem Leben. Gr erinnerte sich, daß in seinem Kinder­zimmer das war vor zwanzig Zähren ein­mal em ganz kleines Bild von der Wand gefallen war, das niemand beachtet hatte Run es aber fehlte, vermißten es alle, bis der Vater kam unb dex alten Gewohnheit zuliebe das unscheinbare Ding wieder an sein Plätzchen nagelte.

Heinz muhte daran denken. Er trauerte um sein armes, kleines Bildchen, das er selbst ver­worfen hatte.

AuSmerzen konnte er das Erlebnis nicht. Es hatte einmal eine Lene für ihn gegeben. Damals, als sie noch nicht eingeengt und vergewühnlicht war durch das stete Zusammensein mit jener Frau, die sich auch in ihren Kreisen durch ihre verbitterte Engherzigkeit eine traurige Sonder­stellung geschaffen. Seine Mutter war auch eine Lehrersfrau gewesen! Wieviel .Sonne Halle er angetroffen in den friedlichen Schulhäusern, die er von Hugend auf kannte! Wieviel Milde unb Güte unb still toaltenbe Weisheit!

Aber blefe Frau war die verkörperte Zucht­rute. Hei, war sie dazwischengefahrem wenn Die Buben an ihren plumpen Sohlen die halbe Dorf- straße auf bte Stiege trugenI Hei, wie sorgte sie für Ordnung! Unb wie still wurde ihr Mann, der mit seinen Bienen, Blumen unb Büchern ein Traumbasein führte, immer stiller, bis er unter dem Summen seiner Immen an einem goldenen Hunitage hinüberschlummerte.

Heinz entsann sich jeder Kleinigkeit aus diesen entschwundenen Zetten. Und plötzlich, mitten in seiner Trauer, die ihn gut unb weich stimmte, gewann ein Schatten Gestalt unb Leben, der wie ein Rebel im Grunde seiner Seele geschlafen .hatte. Der Schatten wurde Mm Vorwurf. Wäre alles so gekommen, auch wenn der schwarze Hut nicht gewesen wäre?

Gr stöhnte laut. Vielleicht hatte er doch schlecht an der Lene gehandelt.

Wieder folgte ein Tag der Dunkelheit, die schneeschweren Wolken drängten an die Fenster, ifnb Heinz war spät aufgestanden. Gr halle g<> habet, fein ganzes Zimmer duftete nach Fichten­nadeln, im Teekessel brodelte das kochende Wasser, mit seiner Kraft den Deckel lüftend, daß er flirrte wie heller Hammerschlqg.

In der kurzen, schwarzverschnürten Hausjoppe und mit dem bartlosen Gesicht sah er schlank unb geschmeidig aus, über seiner Stirn leuchtete etwas von der lustgewohnten Helligkeit des Soldaten.

Seine Wirtin Nopfte an, sehr geheimnisvoll unb wichtig, unb reichte ihm eine Visitenkarte.

Ich war beim Trcppenpuhen ein sehr nobler Herr unb bte Treppe muhte gerade schwimmen! Und er hat Lackstiebeln an!"

Heinz sprang auf und las: Geheimrat von Wengern.

Kopfschüttelnd las er noch einmal. Gr zau­derte. Das Zimmer war in Ordnung aber bastig rückte er noch einiges zurecht, immer ver­wundert:Wer ist denn das? Was kann denn der von dir wollen?"

Da vernahm er ein diskretes Räuspern unb sprang unwillkürlich selbst zur Tür, sie weit öffnend.

Die Wirtin 50g sich gaffend zurück und ver­folgte mit weit aufgeriffenen Augen den statt­lichen Herrn im vornehmen Pelz.

Heinz verbeugte sich.

Der Geheimrat hatte den Zylinder abgenom­men, der geöffnete Pelz gab die hohe Figur eines Sechzigers frei Er grüßte sehr höflich, sehr offi­ziell fast zu höflich solch einem jungen Dachs gegenüber unb wiederholte seinen Namen.

Heinz klappte die Hacken noch einmal zu­sammen. Dann schob er einen bequemen Sessel herbei.

Wollen Herr Geheimrat nicht Platz neh­men?"

Danke." Das Wort kam klingend unb laut, wie von einem Redegewandten, der seiner Zu­hörerschaft sicher ist.

Der Geheimrat setzte sich auf einen Stuhl in einiger Entfernung von Heinz. Dieser wollte ihm den Zylinder abnehmen, doch der Geheimrat zog hörbar die Luft durch die Nase, dankte wieder tönend unb stemmte seinen Hut auf baS rechte Knie.

Heinz hielt dem scharfen Blick des Herrn stand, in dessen Gesicht eine abweisende Kälte die Herrschaft hielt. Keine Miene zuckte darin.

Es dürfte Ihnen nicht ganz unbekannt sein, welche Angelegenheit mich zu Ihnen führt, Herr Herr Güldewin," begann der Geheimrat In wohlunterstrichenen Worten, nach jedem zweiten ober dritten eine Pause einfügenb.

Heinz' erstaunter Blick ying fragenb an ihm.

Das störte den alten Herrn etwas.

Es ist in ber Tat eine sehr delikate An­gelegenheit bei beiderseitigem Entgegenkommen Dürfte uns vigl Peinliches erspart bleiben ich hoffe darauf, es bei Ihnen zu finden! Sie kennen meine Tochter?"

(Fortsetzung folgt)

Unb ohne es zu merken fast, ganz insgeheim, hatte sie doch auch von dem feinen Gift gekostet, das die Theaterluft durchsetzte.

Was! Sie sollte nichts mehr mit dem Theater M schasten haben, ihr Leben lang am Tisch der Sant Handarbeiten machen und wissen, daß da b-tauften ein goldener Tempel lockte, den sie nie betreten durfte - sie hörte den Beifall, sah Heinz sich verneigen eine bittere Eifersucht packte sie.

Heinz," stammelte sie schwer und sank willen­los an seine Brust.

Güldewin setzte sie behutsam auf das Sofa, löste sanft ihre Arme von keinem Hals.

Schämst du dich nicht?" schalt die Sant', dem üa nachzulaufen?"

Ste Lene schwieg. Die Wallung war vorüber. Sie sah gehorsam da, gehorsam unb so unschön, die Füße etwas nach einwärts gebogen das sah Heinz sogar jetzt . . .

Frau Algeier fuhr im Zimmer herum, in einen der noch offenen Kartons schleudernd, was ihr unter die Hände kam.

Da fühlte Heinz, daß es nun ganz aus sei unb bah er nun gehen müsse.

Leb' wohl, Lene," sagte er einfach.

Sie schauerte noch mehr in sich zusammen.

Willst du mir die Hand nicht geben?"

Scheu reichte sie ihm bie kalte unb feuchte Rechte.

Es war ein verlegener Augenblick, ohne tra» gische Größe, so wie ihr ganzes Verhältnis ge­wesen war.

Hoss von der Gemeinde angekauft hat. Belm Ausgraben ber neuen Grundmauern für die Fabrikgebäude fand sich im westlichen Teil dieses Friedhofs in einer Tiefe von einem Meter ein Hausen von kreuz und quer durcheinander Ilegen- oen Gebeinen, eine llnmasse von Schädeln, Arm- unb Deinröhren usw. Es ist möglich, daß wir bie Opfer ber Pest aus dem 30er Jahren des 17. Jahrhunderts vor uns haben. Man hatte damals keine Zell zur ord­nungsgemäßen Beerdigung unb mußte bie vielen . Leichen bi Gruben bestatten. Vielleicht aber ist es auch ber ileberreft desalten Kerners", deS früheren Deinhauses, worin bie beim Um« graben der alten Gräber gefundenen Toten- gebeinc wieder gesammelt wurden: man grub in früheren Zeiten viel früher als heute die Gräber wieder um, öfter nach 1520 Jahren. Die jetzt beim Fundamentieren der Fabrikgebäude aufge­fundenen Totengebeine tourben sorgfällig gesam­

melt unb in einer tiefen Grube wieder gebor­gen. Der östliche Teil des alten Fried» Hofs, ber sich bis zur Hauptstraße, gegenüber der Stadtschule, ausdehm, hat sich, seitdem die Baume herangewachsen sind, zu einer sehr stim­mungsvollen Anlage von landschaftlichem Reiz entwickelt. Glücklicherweise ist das alte Wohn­haus ber Firma Adolf Heß, das Muster eines alten Bürgerhauses, bei jenem Brande stehen geblieben. Dieses Haus ist daS Geburtshaus des allbekannten Volks- manns unb Freiheitkämpfers Gust. F e n b t. ber an ber Revolution von 184849 sehr tätigen Anteil nahm: später war er Re­dakteur berNeuen Hessischen Volksblätter", bei ..Hessischen Landeszeitung", dem jetzigen Organ der Deutschnationalen Partei Hessens. Er ist schriftstellerisch sehr tätig gewesen. Dein Haupt­werk sind seineErinnerungen aus Verlaus und folgen einer akademischen unb politischen Revo­lution". Diese Erinnerungen sinb sehr anziehend l"sch aoschmeben unb enthalte«., eine Fülle wertvollen Stoffs. Besonders anziehend Ist der ^^aoenrenausgug auf den Staufenberg geschrie­ben. Man plant eine Gedenktafel an Fendts Ge­burtshaus.

_. □Som oberen Wettertal, 4. Sept. Sie Hühnerjagd, die am 1. September auf­gegangen ist, hat bis jetzt sehr geringe Ergebnisse geb acht. Die Hüh erketten sind sehr schwach und ungemein selten. Das Raubzeug Hai zu sehr überhand genommen. Auch streifen zuviel Katzen im Feld herum. Außerdem wird offenbar viel gewildert: öfter hort man Schüsse, ohne daß man seststellen kann, wer sie abgegeben hat.

Starkenburg uuo Rheinhessen.

fpd. Neu-Isenburg, 5. Sept. Im Ver­laufe emes Streites schoß der Arbeiter Heine mit einem Karabiner auf seine Frau und ver­letzte sie durch Schüsse an Kopf und Brust schwer. Sodann brachte er sich selbst einen tödlichen Schuß in die Brust bei.

Offenbach, 4. Sept. Mit seiner heu­tigen Ausgabe hat derOffenbacher Generalanzeiger" (bte Morgenausgabe derOffenbacher Zeitung") sein Erscheinen eingestellt.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M, 5. Sept. Unter Berücksichtigung ber fortschreitenden Teue­rung sind alle Polizeiorgane erneut angetoie- sen worden, auf die genaueste Durchführung bei Bestimmungen über den Preisaushang in den einzelnen Geschäften zu achten und bie Kauf­leute, die gegen diese Bestimmung fehlen, zur Anzeige zu bringen. Wie wir hören, soll in Zukunft auch der V i e h m a r k t durch Polizei­beamte in ber Richtung beaufsichtigt werden, oatz gegen Viehhändler, die Preise weit über bie übliche Marktlage fordern, vorgegangen wird. Sinter der Eisenbahnbrücke an ber Hanauer Lanb- straße sprang heute vormittag der Arbeiter Max Seibel von einem Kohlenfuhrwerk ab unb ge­riet unter einen Kraftwagen, der das Gespann überholen wollte. Seibel wurde so schwer verletzt, daß er bereits auf bem Wege nach bem Krankenhause verstarb. Die Kriminal- Polizei hob in der vergangenen Nacht im Hause Klingerstraße 27 eine S p i e l e r g e s e l l s ch a f t auö, die sich aus Angehörigen aller Stände zusammensehte. Bei jedem Spiel betrugen bie Einsätze nach den polizellichen Feststellungen tau­sende von Mark. Es konnte eine erhebliche Summe ' beschlagnahmt werden.

][ Marburg, 4. Sept. Wie von amtlicher Selle mitgeteUt wird, ist die spinale Kin­derlähmung im Kreise Marburg heute in insgesamt 27 Fällen akuter Erkrankungen fest- gestellt, und zwar sind ange^eigt: in Eölbe, Woll­mar, Argenstein, Niederwetter unb Roßberg je ein Fall, in Dreihausen. Michelbach unb Münch­hausen je zwei Fälle, in Ockers Hausen unb Lohra je fünf Fälle, in der Stadt Marburg sechs Fälle. In ber Sitzung ber Gesundheitskommission wurde festgestellt, daß fett dem 29. Mai in der Stadt 21 Fälle vorgekommen sind, von denen 5 tödlich verlaufen, 9 gehellt sind, so daß zur Zeit noch

Aus Stabt und Land.

G ie ßen, den 6. Sept. 1922.

Höhere Anfbcwahrunqsgebühren für Handgepäck.

W. T. D. meldet: Die Aufbewah- vungsgebühren (für Handgepäck müssen ab 1. Oktober, ebenso wie bte Per­sonen-- und Gepäcktarife, eine Erhöhung erfah­ren. Bei dem jetzigen Satze von 3 Mk. für je» ben Tag der Aufbewahrung müssen bei ber heutigen Preissteigerung bereits Zuschüsse zur Miete, der Heizung und Beleuchtung der Räume, die für die Gepäckaufbewahrung nö­tig sind, sowie zum Lohn der erforderlichen Arbeiter geleistet werden. Es läßt sich deshalb eine Erhöhung auf das Doppelte nicht umgehen, so daß die Aufbewahrungs-- aebühren für Handgepäck ab 1. Oktober sechs »Mark für jeden Aufbewah­rung s t a g betragen werden.

Eine überaus unzeitgemäße RtihegehaltSaufbesserung wird üns aus unserem Leserkreise unter Vor­legung des amtlichen Bescheides zur Kenntnis gebracht. DieseAufbesserung" beziffert sich auf ganze 3,45 Mark (drei Mark und 45 Pf.) pro Monat Der damit Bedachte ist ein 67 Jahre alter Bürgermeister l. R. in einem Nachbarorte von Gießen, bie pensionsberechtigte Gesamtdienst- zelt dieses Mannes beläuft sich auf rund 28/? Jahre. Die auf Grund des Reichsgesehes vom 4. Juli 1921 aufgestellte Berechnung dieses Ruhe­gehalts dürfte weitere Kreise interessieren. Hier ist sie: Das Ruhegehalt berechnet sich mit Wir­kung vom 1. April 1920 ab mit 63 Proz. aus 2725 Mk. auf jährlich 1717,20 Mk. Der seit­herige Ruhegehaltssatz betrug * 1689,60 Mk., so daß sich also ein jährliches Mehr von 2 7,60 Mark ergibt. Die Erhöhung des Ruhe­gehalts bedingt auch eine Erhöhung der zu zah­lenden Teuerungszulage. Diese beträgt vom 1. April 1921 an jährlich 1734 Mk., sie betrug bis dahin 1720,20 Mk., mithin jährlich mehr 13,80 Mk. Die beiden Mehrbeträge (27,60 Mk. 4- 13,80 Mk.) ergeben eine Gesamt­summe von 41,40 Mk. jährlich mehr = 3,45 Mark pro Monat gesteigerte Ein­nahme. Die Tatsache, daß dem alten Herrn mit 281/» Dienstjahren eine einmalige Nachzahlung an Ruhegehalt unb Teuerungszulage für bie Zell vom 1. April 1920 bis Zull 1922 in Höhe von 82,80 Mk. ausgezahlt wurde, wirb bei ihm sicher­lich nicht das bittere Gefühl auslöschen können, in biofer Zeil einer wahnsinnigen Preissteigerung für alle Bedarfsartikel mll ganzen 3,45 Mk. monatliche Ausbesserung abgespeist zu werden. Die Gesamtzuwendung an Ruhegehalt und Teue­rungszulage Beziffert sich bei diesem Pensionär jetzt auf 3451,20 Mk. jährlich -- 287,60 Mk. monatlich. Es ist ja Wohl anzunehmen, daß er als ehemaliger ßanbbürgermeiffer auch noch einige andere Möglichkeiten zur Bestrellung ber erforderlichen Lebensbedürfnisse haben wird. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß eine Ruhegehaltsbemessung wie diese nach 28'/« Dienst­jahren im höchsten Maße ungenügend unb un­sozial Ist.

Die Tl-ueruttqszahScn in den fünf flröfotcii hessischen Städten.

berechnet auf Grund der Preise vom 9. und 2V. August (5. und 19. Juli) betrugen für ^010$ 6658 (4699), Darmstadt 6484 (4728), Offenbach a. M. 6628 (4586), Worms 6529 (4805), und G iehen 6351 (4584). Im Mo­nat August hat demnach eine neue Teuerungs­welle eingesetzt.

Baalsfempel.

Roman von Margarete v. Oerhen- 5 ü n f g e I b.

Zinksalze in Marmelade. Nach Mitteilung des Chemischen älntersachungsamts für bie Provinz Starkenburg in Darmstadt wurde in letzter Zeit zu wiederholten Malen die Beob­achtung gemacht, daß Latwerge und ähnliche Obft- elnkochungen, welche In P.i.athaushaltungeu her­gestellt worden sind, nicht unbeträchtliche Men- aen von Zinkverbinbungen enthalten. Dies ist daraus zurückzuführen, daß die Latwerge isw. entweder in zinkhaltigen Kesseln hergestellt ober in zinkhaltige«« Gesäßen aufbewahrt wurde. Durch den Säuregehalt des ObsteS irerben die Zink­salze in Losung gebracht und gelangen hierdurch in die Latwerge. Da die Zinksatze in Marmelade, je nach der Art und der Menge des Salzes, ! im Organismus ätzend, brechenerregend und gis- I 11 g wirken können, und da unter älmständen