Ausgabe 
6.6.1922
 
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Ken polnischen Minister Sthda, welche zulag len, daS Mögliche zu tun,

3n der letzten Dacht war die Lage etwas ruhiger, auch in Kattvwitz. Dagegen werden Stö­rungen des Eisenbahnverkehrs aus Dvbreck und Mocgenrokh gemeldet. DeanttL Passagiere und Züge wurden durch Beamten belästigt. Sn der Dacht ist ein Transport von 300 Italienern nach Dybnik abgegangen. Wie in Hohen!inde, so wur­den auch in Dobreck verschiedene deutsche Be­amte überfallen und beraubt. Heute morgen wurde M)breck von Engländern besetzt,

Demission des polnischen Kabinetts.

Warschau, 3. Juni. Ministerpräsident PouikowSki überreichte dem Staatschef PllsudSki die Demission des Kabi­netts. Die heutigen Morgenblätter melden, daß die Demission nicht angenommen werden wird, und daß die Meinungsverschiedenhei­ten, die zur Aeberreichung der Demission ge­führt haben, in der Dienstagssitzung des Mi- irrsterrats, die unter dem Vorsitz beß Staats- chefs angesagt ist, ausgeglichen werden.

Der Wojwode für Oberschlefien.

Warschaus. Juni. (WTV.) Die p o l - Nische Negierung hat den Abgeordneten Sosef Dymer zum schlesischen Woj­wode n, und den DegierungSlommisiar in Teichen, Turawskh, zum stellvertretenden schlesischen Wojwoden ernannt.

Deuthen, 5. 3unt (WTV.) Die pfingstfeiertage sind in den Kreisen Kattowitz, Laurahütte, Tarnowitz und Pleh ruhig verlaufen. Sn Birkenhain sind deutsche Beamte verjagt, aber später wieder aufgefordert worden, den Dienst wie­der aufzunehmen. Sn Charley und Birkenhain ^wurden an den Feiertagen die Grenz- pfähle entfernt bzw. umgestürzt. Das Gerücht, daß in Neustrelitz sämttiche pvliti- Ischen Gefangenen befrett worden seien, ent­spricht nicht den Tatsachen. Sn Beuthen wur­den nachts am Hotel Lomnitz die polnischen Hoheitszeichen von unbekannter Hand ent­fernt.

Die Polonisierung Danzigs.

Allenstein, 4. Ount (Wolff.) Auf der Tagung des Deutschen Schutzbundes in Allenstein wurde bei Besprechung der Lage im Osten auch der Freistaat Danzig, über den immer noch vielfach völlige .Unklarheit herrscht, von Dr. Wagner -Danzig näher be­leuchtet. Wie hier trotz einer überwiegend deut­schen Bevölkerung infolge des passiven Verhal­tens des Völkerbundes die Polen immer mehr Fuß fassen, geht schon daraus her­vor, daß in Zoppot 40 Prozent des besten Ter­rains sich in polnischen Händen befinden und im Danzig in der Langgasse polnische Snschristen wie Pilze aus der Erde wachsen. Um der lieber- foemöung Einhalt zu tun, hat der Senat ein Ge­setz angenommen, nach dem jeder beabstchtiate Verkauf eines Grundstücks der Genehmigung be­darf. Daß die Eisenbahn sich in polnischer Ver­waltung befindet und Danzig dem polnischen -Zollgebiet einverleibt ist, hat den Deutschen wei­tere grobe Dachtelle gebracht. Das Anschlägen Hon Zeitungen mit Hetzartikeln war eine Zeitlang beliebt, ist aber jetzt allgemein ebenfalls durch ^Gesetz verboten. Obgleich im Völkerbundsstatut "betont wird, dah Danzig kein Kriegshafen und fein Flottenstützpunkt fein dürfe, haben die Polen für sich das Recht in Anspruch genommen, den Holm, eine Insel im Hafen, zu einem Muni- twnsstapelplay zu machen. Redner betonte zum Schluß, dah im Reich das Märchen verbreitet werde, Danzig sei keine deutsche Stadt mehr. Gr verwahrte sich energisch dagegen und gab das Versprechen, dah das deutsche Danzig stets auf dem Posten sein werde.

Ein Sd)Ia?anfan Lenins.

Berlin, 3. Juni. (Wolff.) Wie der »D. Z." von zuverlässiger Seite bestätigt wird, er­litt Lenin gestern einen Schlaganfall. In» folge dieser auf drahtlosem Wege in Berlin ein- getretenen Dachricht eilten Litwinow, Ra - d e t und der gesamte Stab Litwinows sofort nach Moskau.

Kritische Lage der Sowjets.

T e r i j o t i, 3. Juni. Wie der Berichter­statter des Ost-Expreß zuverlässig aus Moskau erfährt, sind die Sowjetführer im Kreml zu einer dringenden Sonderberatung zusammengetreten, die die Anord­nung außerordentlicher Maßnah­me n zum Gegenstände hatte. Diese Maßnahmen ind durch folgende Umstände veranlaßt: durch die bevorstehende vollständige Entwertung des im Umlauf befindlichen Sowjetgeldes: durch das massenhafte Ausscheiden von Beamten aus den Provinzbehörden, die sich geweigert haben, wei- terym unentgeltlich zu arbeiten, da ihnen die ohnedies unzureichenden Gehäller vielfach nicht oder mit großer Verspätung ausgezahtt werden: durch den offen geäußerten Protest der Arbetter- chaft und die unzufriedene Stimmung in der Roten Armee. Alle diese Umstände haben eine Sachlage geschaffen, die zu ernster Sorge in den Kreisen der Sowjetregierung Anlaß gibt In Moskau zirkulieren zahlreiche alarmierende Ge­rüchte. Bezeichnend tft, daß sogar eine in der Prawda" (Dr. 112) veröffentlichte Zuschrift auf die trostlose materielle Lage der roten Soldaten hinweist, die eine Desorganisation in die Rote Armee trage: schleunige praktische Abhilfe sei unerläßlich.

Tschitscherin in Berlin.

Berlin, 5. Sunt DemD. 51 zu­folge ist Tschitscherin vorgestern abend in Berlin eingetrvffen.

Die ungarischen Wahlen.

Budapest, 3. Juni. (Ungar. Telegr.- Korr.-Dureau.) Dach dem bisherigen Wahl­ergebnis hat die Regierungspartei 129 Mandate erhcllten, darunter 102 Mandate der Einheitspartei, während 8 Mandate der Ein­heitspartei noch in die Sttchwahl kommen. Die Gesamtzahl der oppositionellen Mandate beträgt 44.

Englisches Vorgehen gegen Irland.

Belfast, 4. Juni. (Wolff.) Havas meldet: Infolge der militärischen Vorbereitun­gen, die mit Eifer von England gegen Ulster unternommen werden, sind SnfanieriebataiHonc und Artillerie heute angekommen. Die englischen Truppen ersetzen die Polizisten an den Grenz­punkten, wo die Truppen Südirlaackrs einen Ein­fall versuchen könnten.

London, 4. Juni. (Wolff.) Havas. Die englische Regierung ist entschlossen, jeder repu­blikanischen Opposition und der d e Va- leras gegen die von der englischen Regierung geforderten Abänderungen entgegenzutre­ten. Die englisch? Req'erung verlangt, dah die Cßebingungen des X^glisch-irischen Vertrages an­gewandt werden. Dd^ Kabinett wird nutzt er­lauben. dah die geringste Abweichung borfommt.

London, 5. Juni. Don der Grenze der irischen Grafschaften Fermanagh und Do­negal wird gemeldet: Britische Truppen wur­den beim Einmarsch in Pettigv angegriffen; es wurde Artillerie eingesetzt, der Angrei­fer wurde aus dem Orte vertrieben und ihre An­führer gefangen genommen. Gin Polizist wurde getötet. Später räumten die Aufständigen Delleck und das Schloß Wagherameena. Bei den Kämp­fen bei Pettigo platzte eine britische Granate in einer Gruppe der Aufständischen, wovon sechs Mann getötet wurden, die anderen, einschließlich der Führer ergaben sich samt Waffen und Mu- nttivn.

Attentat auf Scheidemann.

Kassel, 5. Juni. (Wolff.) Oberbürgermeister Scheidemann wurde während eines Aus­fluges, den er gestern nachmittag in Begleitung seiner Tochter und Enkelin nach Wilhelms ho he unternommen hatte, auf dem Wege nach dem Aussichtspunkt Möllers°R rh von einem etwa 20» bis 22-jährigen Mann überhott, der ihm einen etwa 12 Zentimeter hohen Gummiball mit fünf Zentimeter langer Srrahlspriye ans Gesicht hielt unb ihn mit Flüssigkeit bespritzte, dann den Ball von sich warf und entfloh. Der Oberbürger­meister schoß aus einer Mehrladepistvle zwei­mal hinter dem Flüchtigen her, unmittelbar vor Abgabe des zweiten Schusses fühlte Scheidemann Schwäche aufsteigen und brach nach Abgabe des Schusses zusammen. Dach einer etwa eine Viertel­stunde andauernden Bewußtlosigkeit tarn er wieder

zu sich und konnte in ferne Wohnung geführt wer­den: er hat keinerlei Verletzungen da­vongetragen. Die Art der Flüsiigkeit konnte iroch nicht fesigestellt werden. Die sofort auf genommene Verfolgung des Täters, der nach Angabe von Zeugen ben besseren Ständen angehört und aaf der Flucht einen schweren Eichenbergstock mit Spatenzwiage fortgetoorfen hatte, ergab, daß er den Dergabhang hinunter auf Rebenstraßen nach dem Bahnhof Wilhelmshöhe zugelaufen und von dort nach Lösung einer Fahrkarte vierter Klasse in der Achtung nach Wabern gefahren ist. Auch in Kassel selbst wurden Streifen veranstaltet, ohne daß sie bisher zur Ergreifung des Täters führten, auf beffen Ermitteln.7g der Regierungs­präsident 5000 Mark Belohnung aus­gesetzt bat.

Kassel. 5. Mai. (WB.) Oberbürgermeister Scheidemann, der geftern abend noch ante*, den Einwirkungen der Flüssigkeit, mit der er be­spritzt worden war, zu leiden hatte, befindet sich heute wieder wohlauf und unternahm im Laufe des Tages eine Ausfahrt im A ttomobst Von einer Sette wird vermutet, daß es sich bei der Flüssigkeit entweder um Blau säure oder um Ae t h e r gehandelt habe. Irgendwelche Verletzungen Hal der Oberbürgermeister nicht da­vongetragen. Bisher sind bte Dachforschungen nach dem Täter erfolglos geblieben.

Aus dem Keichs.

Das DeichSbahnfinanzgesetz.

Berlin, 5. Huni. Der in der Oeffentlichtell vielfach erörterte Referent enentwurf zu einem Reichsbahnfinanzgesetz wird zur Zeit im ReichSverkehrsMinisterium umgearbettet. Dabei werden die von der öffentlichen Krttll und bei den Sonderberatungen gegebenen Anregungen be­rücksichtigt werden. Dor allem soll dem Reichsrat und dem Reichstag gegenüber den als allzu ein­schränkend empfundenen Vorschlägen des bisheri­gen Entwurfs eine erhebliche stärkere Heber* wachung und Einwirkung auf die Verwaltung der Reichsbahn gewahrt bleiben, unbeschadet der wün­schenswerten Entlastung dieser Körperschaften von den Cinzelfragen der lausenden Verwaltung. Die Befugnisse des Verwaltungsrats sollen erweitert werden. Den Wünschen der Eisenbähngewerkschaft hinsichtlich des aktiven und passiven Wahlrechts der Personalvertretung im Derwaltungsrat will man entgegenkommen. Konflikte zwischen dem Reichsverkchrsminister und dem Derwaltungsrat sollen zur Schichtung dem Reichstag unterbreitet werden. Di' Ct 3 Iüfiimmungen über bi? ^inanz- gebarung werden kürzer und deh.aingsfähiger ge­faßt, um die Anpassung an die jeweiligen Ver­hältnisse zu erleichtern. Auch soll die Festsetzung des Anlagekapitals nicht einem besonderen Aus­führung sgesetz Vorbehalten bleiben, sondern tn dem Reichsbähnfinanzgeseh selbst erfolgen. Es besteht die Absicht, den neuen Entwurf noch in diesem Monat mit den früheren Eisenbahnländern zu erörtern und nach endgültiger Feststellung durch das Kabinett ohne Verzug dem Reichsrat und dem Reichstag vorzulegen.

Kongreß der katholischen Gesellenvereine.

Köln, 5. Sunt Hier ist an den Pfingst­tagen die erste internationale Tagung katho­lischer Gesellenvereine zusammen getreten. Außer sämllichen katholischen Gesellenvereinen Deutschlands einschließlich des Saargebiets. Danzigs und Oberschlesiens waren die öster­reichischen, tschechischen, jugoslawischen, schwei­zerischen, holländischen und norbamedfani» scheu Gesellenvereine vertreten. Die Zahl der Teilnehmer betrug etwa 15 000.

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Aus Sladt und Land.

Gießen, den 6. 3«ini 1922.

Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 22. Mai der Ergänzungs­richter bei der Kammer für Handelssachen in Mainz Kaufmann Dr. Fritz P r i (f e n in Mainz zum Handelsrichter bei dieser Kammer, der Fa- brilant Albert Gastell in Mainz und der Fa­brikdirektor Kommerzienrat Albert Zimmer­mann in Mainz zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen in Mainz, alle für die Zeit bis zum 31. Dezember 1924. Ernannt wur­den am 30. Mai der Gerichtsvollzieheraspirant Friedrich D i ck e l in Homberg zum Gerichtsvoll­zieher bei dem Amtsgericht Homberg mit Wirkung vom 15. Juni 1922 und der Känzleigehilse Karl

Michael Gabelmann in Darmstadt zum Kanz­listen bei dem Landgericht der Provinz Starken­burg mit Wirkung vom 1. Juni 1922 ab. Er­nannt wurde am 1. Juni 1922 der geschäftsleitende Sustizinspektor bei dem Amtsgericht Seligenstadt Konrad Fleischhauer zum geschäftsleitenden Iustizinspettor bei dem Amtsgericht Schotten. Ernannt wurde am 1. Juni 1922 der geschäfts­leitende Iustizinspektor bei dem Amtsgericht Schotten Heinrich Dilling zum geschäftsleiten­den Sustizmspettor bei dem Amtsgericht Seligen- stadt. Oberstencrinspektor Heinrich Strauch zu Darmstadt wurde auf seinen Antrag vom 1. September d. Is. unter Anerkennung für lange treu geleistete Dienste in den Ruhestand versetzt. In den 'Ruhestand wurde versetzt am 29. Mai 1922 der Oberjustizsekretär Ludwig Kratz bei dem Amtsgericht Fürth auf sein Dach suchen mit Wirkung vom 1. Oktober/ 1922 ab. Durch Be­schluß des Landesamtes für das Dillfungswesen wurden die Studienreferendare HermanN'Dort, Gießen, Dr. Karl F l ö r i n g, Darmstadt, Dr. Ludwig G r e b e r t, Darmstadt, Dr. Heinrich Gutheil, Darmstadt, Friedrich Kämmerer, Gießen, Dr. Heinrich Kauter, Gießen, Dr. Heinrich Klenk, Mainz, August Mayer, Gie­ßen, Phllipp Stellwagen, Worms, Phllipp Wittersheim, Groh-llmstadt und der Lehrer Dr. Georg W a 11 e.r zu Kelsterbach mit Wirbmg vom 1. April 1922 ab zu Studienassessoren ernannt " Ernannt wurde der Obersteuersekretär

Georg Hambach (Bezirkskasse Gießen) * *um Steuerinspektor mit Wirkung vom 1. April d.S

** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post erfolgt in der Woche vom 5.11. Juni dS. IS. zu dem gegen die Vorwoche herabgesetzten Preise von 1100 Mk. für ein ZwanziAmark stück, 550 Mark für ein Zehnmarkstück. Für ausländische Goldmünzen werden enispcechende Preise g^ahlt Dec Ankäus von Reichssilbermünzen durch die Reichsbank und Post findet unverändert zum 21 fachen Betrage des Dennwertes statt.

Mit dem Anlagenkonzert beschäftigen sich verschiedene Zuschriften, die uns dieser Tage zugingen. Die Einsender rügen übereinstimmend daß durch die Verlegung des Konzertes auf Don­nerstag mittag vielen Musikfreunden die Mög­lichkeit genommen ist, sich das Konzert anzuhören, und bitten, die Anlagemusik am Sonntag ab­zuhatten. Wir gaben von dieser 2Inregung zwei an die zuständige Stelle weiter.

fT rtinti^en.

Tageskalender für Dienstag. Astoria-Lichckp.ele, ab heute:Kurfürstendamm- undScherben".

Welche Gefahren drohen in nächster Zeit unserem Volks- und WirtschastSleben? Diese Frage wird am 8. d. Mts. im (Safe Leib Dr. Eroll-Berlm im Rahmen der 3. IahreLtagung ter Landesgruppe Westdeutschland der Liga zum Schatze der d-tt- schen Kultur, die am 8. mb 9. d. Mts. hier statt- findet, behandeln. Dec Redner, der als führen­der Wirtschaftspolitller Deutschlands gilt, darf daher für seine Ausführungen doppeltes Sntereffa beanspruchen. (Siehe Anzeige.)

Landkreis Gietzen.

wa. Odenhausen, 3. Juni. Am 1. Iuü fand die Eröffnung des hiestgen Bauxitwerkes statt. Als Ehrengäste waren erschienen Dergrat Hund von Damrstadt so­wie Direktor S i e b e l -- Lardeillxrch. D':e beiden Gemeinden Rüddingshausen und Oden ha ife-n waren durch ihre Bürgermeister vertreten. Außer anderen eingeladenen Gästen waren sämttiche Ar­beiter des Werkes erschienen.

- Watzenborn-Steinberg, 4. Juni. Ein Gewitter mit wolkenbruchartigen Regen- und Kieselergüssen entlud sich gestern über unsere^ Gemarkung. Der Blitz schlug in die Kirche ein und beschädigte den Glockenstuhl. Die durch den Einschlag außerordentlich gefährdeten Glocken sind jedoch unversehrt geblieben. Die Regenwasser hoben an manchen Stellen der Gemarkung nicht ' unerhebliche Schäden verursacht. An verschiedenen Plätzen wurde der Ackerboden strichweise voll­ständig weggeschwemmt, die Saatkartoffeln mit sich reißend, ergossen sich diese Schlammwassermassen dann sich ihrcct natürlichen Weg suchend, über Getreide und Wiesengras. Da es sich fast durch­weg nur um einzelne grabenförmige Wasserläufe handelt, ist ein größerer Sachschaden vermieden worden. In Steinberg mußte die Feuer­spritze in Tätigkeit gesetzt werden, um. das in die tiefer gelegenen Hofreiten eingedrungene Wasser heraits zu pumpen. Ob die Wasserergüsie

Mein Vetter Jolus.

Romttn von Richard Skowronnek.

3. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

ilnfer plötzliches Erscheinen brachte in den wohlgeordneten Zug natürlich eine Stockung. Die Brautjungferchen steckten neugierig die Köpfe zu­sammen, der glückliche Bräutigam hielt an und sperrte die Augen wett auf, denn er hatte von unsrem Kommen kerne Ahnung gehabt. Schliesstich ließ er feine Schwiegermutter stehen, tarn auf ins zu, küßte und imarmte uns, und indem er immer und immer wieder unsre Hände drückte, fragte er uns wohl ein halbes dutzendmal:Kinder, ist's denn zu glauben, seid ihr wirklich (Selten? Dabei liefen ihm die Hellen Freudentränen nur so die Backen herunter.

»Ra, wir zogen nun mit in die Kirche, und in der Sakristei erfolgte die allgemeine Vor­stellung. Der Brautvater, übrigens, wie sich nachher herausstellte, ein ganz umgangbarer and jovialer alter Herr er trank noch am selben Abend mit uns Schmollis umarmte ind küßte uns, wie sein Schwiegersohn, und dann wurden wir den Dvautjungserchen vorgeführt. Die mach­ten ganz vergnügte und erwartungsvolle Gesichter, während die zu ihnen gehörigen Drautjüngling: aus der Verwandtschaft ziemlich Veteppert drein- schauten. Es mochte ihnen dämmern, daß wohl der eine oder andre nachher bei der Hochzeits­tafel zu unsren Gunsten depossediert werden würde . . .

»Der jungen Braut, die unter ihrem Myrten- tränjlein ganz entzückend aussah, und die hart­näckige Werbung des Doktors begreiflich erscheinen ließ, überreichten wir das Bukett, dessen Schleife sie sich sofort an die Schalter heften ließ, und dann aing's unter dröhnenden Orgelllängen durch das schmale Kirchenschiff vor den Attar, wo em Amtsbrader des Herrn Oberpfarrers bereits unsrer harrte.

»Das Brautpaar trat vor die Siufen. wir gruppierten uns za beiden Setten, and^die heilige Handlang begann. Hinten, im dämmernden KirchenrOltme, durch den ein vereinzelter Sonnen

stvahl gitterte, drängte sich die Menge der Reu- gierigen und Teilnehmenden. Da blieb mein Auge an einem zierlichen Gesichte in der Schar der Brautjungfern haften, das mir vorhin, bet der allgemeinen Vorsiel ung, merkwürdigerweise gar nicht ausgefallen war. Ein 5köpfchen, so rührend lieblich in feiner klassisch reinen Linienführung, und doppelt aktziehend durch die hingeb rngsvvlle Andacht, die sich darauf ausprägte. Der Glanz der Altarkerzen wob um die krausen blonden Stttnhaare und die hochausgesteckten, schweren Flechten eine Art von Heiligenschein, dazu die in erster, zarter Iugendfülle prangende schlanke Ge­stalt, die in zierlichen blauen AtlasschuhÄ stecken­den Füßchen . . . also, ich sage dir, mtr wurde mit einemmal ganz fromm und andächtig zum de. Ich stand und sah und sah, bis sich meine A rgen sattgetrunken hatten an dieser Offenbarung herr­licher Schönheit, ilnb kein Wunsch und kern Be­gehren stieg in mir auf, nur der leise Schaner des Entzückens, der mich vor jedem Schönen er­saßt, sei es ein Kunstwerk oder eine tiefempfun­dene Dichtung ober ein vollkommenes Menschen­kind, rieselte mir durch die Rerven . . .

Die Trauung war zu Ende. Die Worte, die für immer zwei Menschenschicksale aneinander binden, waren gesprochen, und unter den brau­senden Klängen eines Iubelchorals drängle sich die Menge der GlückwünschAtt>en am das junge Paar. Da legte sich mit eine Hand auf die Schulter, und eine freundliche Stimme es war die des Herrn Oberpsarrers raunte mir ms Ohr: .Rur los, Herr Studiosus, greifen Sie za, dann können Sie den Gegenstand Ihrer Be­wunderung nachher auch zu Tische führen! Er heißt Helene und ist das eiiizige Töchterlein meinet Amtsbruders Dähne aus Halle/

»Mit einem dankerfüllten Blicke drückte ich dem freundlichen allen Herrn und Seelsorger die Hand and steuerte auf das junge Mädchen los. Bei meinem Rahen stieg ihr eine feine

leise Röte an Hals und ICangeu empor, denn

! trotz ihrer Andacht war's ihr doch wohl nicht

I entgangen, daß ich sie vorhin angestarrt hatte

j wie eine Erscheinung aus höheren Regionen. Für j gezollte D^wu-Berung hac die Weiolichkett be­kanntlich ein ganz besonders scharfes Auge . . .

Ich machte also den schönsten Diener, über den ich überhaupt verfügte, und sagte, gerade noch zeitig genug, um einem der vorhin er­wähnten Iüngttnge die Angriffsfront abzuschnei­den: .Mein gnädiges Fräulein, ich werde mit gütiger Bewilligung des Herrn Oberpfarrers die Ehre haben. Sie zu Tisc^ zu führen."'

Die warf dem zu spät gekommenen Jüng­ling einen bedauernden Blick zu, für den ich ihn in diesem Augenblick hätte aufhängen mö­gen, sagte im übrigen gar nichts, sondern legt: nur mit einem leichten Reigen ihres Köpfchens die Hand in meinem Arm."

Aus dem Rückwege zum Pfarrhofe, der wieder in wohlgeordnefom Zuge vor sich ging,

hätte ich sie nun gern zum Sprechen gebracht, am ihre Stimme zu hören, aber es fiel mir nichts Bemerkenswertes ein, und mit irgend einem Gemeinplatz der älnterhaltung zu beginnen, h.elt ich damals für unter meiner Würde. Später wird malt ja in dieser Beziehung anspruchs­loser . .

Dieses Suchen nach einer geistvollen Ein­leitung brachte mich schließlich so weit, daß ich so etwas wie ein eichenes Brett vor den Kops bekam, überhaupt nichts mehr herausbrachte, und wir beide, ohne ein Wort zu wechseln, den Rück­weg machten. Sie muß mich damals für einen rechten Stockfisch gehalten haben."

»Bei Tisch war es zu Anfang ebenso, Mir begann schon auf der Stirn ein gelinder Schweiß auszubrechen, ich belegte mich innerlich mit den ehrenrührigsten Ti ulaturen, aber es hals alles nichts, ich war wie auf den Mund geschlagen, ilnb Labei gatt ich sonst unter meinen Korps- brühern für einen Mann, der, wie es in dem alten Chargenverse heißt, .eine weihe Weste trägt und auch mit Damen umzugehen versteht^

Endlich, als wir schon beim zweiten Gange waren, brach s i e das Schweigen, und zwar mit der ebenso einfachen als rraheliegenden Frage, ob ich ein Korpsbruder des Herrn Doktor Schleh­dorn sei."

Ich bejahte eifrig, gewann nach der glilck- lrch überftouhenen Einleitung meine alte Sicher­heit, und so entspann sich allmählich zwischen

uns eine ganz angeregte und lebhafte Unter­haltung. Rach einer halben Stunde plauderten; und scherzten wir miteinander, als hätten wir von Kind aus zusammen im Sande gespielt, und ganz allmählich, ohne daß ich es merkte, stahl, sie mir das Herz aus der Brust, das freilich schon seit dem Augenblicke, da ich sie in der Kirche gesehen, nur ganz locker drinnen sah."

Hnfre ungezwungene Hei.erteil wirkte bald so anregend auf die Gesellschaft, daß es darinnen summte, wie in einem Bienenschwarm, und jogar hie offiziellen Trinksprüche neben dem erforder­lichen Ernste einen Stich ins Lustige bekamen. Schließlich stand ich auf, um das Wohlsein der Damen auszubringen."

Das war nun von jeher meine Spezialität gewesen, aber damals überbot ich mich irlbst in den blühendsten Bildern und waghalsigsten! Dergleichen und erregte geradezu stürmische Heiterkeitsausbrüche. So sehr mir das nun in meiner damals zweiundzwanziLährigen Eitettett schmeichette, so war es mir eigentlich doch nur um den Beifall meiner Rachdarin zu Un; um ihr silberhelles Lachen, das zwischen all den andern Stimmen herauszuhören war, wie das Triangel aus dem Orchester."

Als ich geendet und der allgemeine Trubel sich etwas gelegt hatte, sah sie mich schelmisch an und sagte: ,Das hätte ich Ihnen vorhin in der Kirche nicht zugetraut, Herr . .

Zch erwiderte lachend mit dem allen Satze, daß manch einer es eben innerlich hätte, wie der Pfanntuchen, und ergänzte die Anrede, da ich aus der suchenden Betonung des ,Herri ge­merkt hatte, daß sie loie üblich, meinen Ramev bei der Vorstellung nicht behalten hatte.

»Hosua Daumlehner?" wiederhotte sie,da­ist ein merkwürdiger Ryme."

Ich erklärte ihr nun, daß wir ostpreutzr- Üben Salzburger mit einer gewissen Zähigkeit an den aus der alten Heimat mttgebrach en Ge­bräuchen festhielten, und daß ich 'diesem ihn- siande den seit mehr als dreihundert Jahren in unsrer Familie für den Zweitgeborenen üblichen (Hamen Josua verdankte."

^Fortsetzung |olgt.)

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