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der R eichsgewerkf chaf r touren, nicht totebergctoahlt au den.

De clin, 6. Ap.i'.. Nach den Neuwahlen zum DorstaTid dec Reichte wer tschüst beutchec ©tfen$a:?nbeamten and QL.UDitiec yi-rlt auf der Hauptversammlung Der Reich^geverckchaft der ge­wählte erste Vocsi^e ide Menne eine Rebe, in der er der Regierung und dem Deutschen Be° QMtenbund s ch ä r f ft e n Kampf a n f a g t e. Er erklärte, folonge er das Steuer der Reichsgewerb- schäft in Händen habe, werbe nicht ein ein­ziger Gemaßregelter auf der Strecke blei- den. Die Rerch^gewerkscha, t toecce durch Kampf Las erreiche.:, uai^ i;r au| dem Verhandlungswege verweigert werden soll. Ec werde dafür sorgen, Latz auJ> der Deutsche Dearntenbund s.ine bis­herige Neutralität auf geben und sich auf den Kampf einftdlen werde. Tue dec Beamtenbund Las nicht, dann solle er zum Teufel gehen. Die Tagung der Hauptversammlung wurde nach der Rede Mennes geschlossen. Die Wiederwahl Men° rteä wird einer Korcefpondenz zufolge zu einer Spaltung in der Eisenbahnbeamten- schaft führen. Eine Anzahl von Gewerkschaften hat bereits erklärt, daß sie unter der Leitung Mennes der Reichsgeweclschcrft nicht mehr an­gehören würden.

Die sozialistische Konferenz in Berlin.

DemVorwärts" zufolge tagte heute mor­gen die Exekutive der 2. Internationale für sich allein. Die allgemeine sozialistische Konfe­renz wurde nachmittags um' 3 Mhr fortgesetzt. Wie Las Blatt meldet, geht die Konferenz jeden­falls noch heute zu Ende.

Die neuen Feiertage in Sachsen.

Dresden, 5. April. (Wolff.) Der Land­tag hat nach erregter Aussprache einen von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf über die Anerkennung neuer Feiertage in dritter Lesung mit 49 Stimmen der drei Links­parteien gegen 45 bürgerliche Stimmen ange­nommen. Iwei bürgerliche Abgeordnete haben bei der Abstimmung gefehlt. Danach gelten von jetzt ab der I. Mai und der 9. November in Sachsen als gesetzliche Feiertage.

Aris dem besetzten Gedier.

Der Abzug der amerikanischen Truppen.

Paris, 6. Aprils (WTD.) Rach einer Mel­dung aus Mainz kündigt die amerikanische Heeresleitung an, daß in den Monaten Mai und Juni je vier Truppentransporte mit sämt­lichen amerikanischen Truppen den Rhein verlassen würden. Rur wenige Mann würden zurückbleiben, um die vollständige Liqui­dation durchzuführen. Man studiert bereits die Frage des Verkaufs der Heeres lager.

Aus Stadt und Land.

G i e tz e n, den 6. April 1922.

Adreßbuch

der Stadt Gießen 1922.

Dom Freitag, dem 7. April bis einschließlich Montag dem 10. April liegt ein Abdruck der

Buchstaben 8 bis Z

, des alphabetischen Einwohner- und Firmenverzeichnisses in unserer Geschäfts­stelle auf. Wir bitten um Einsichtnahme und Eintragung etwaiger Berichtigungen. Spätere Beanstandungen können nicht mehr berück­sichtigt werden.

Adretzbuchverlag, Schulstraße 7

** Eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen findet am 8. April vormittags 8^/2 Mhr im Sitzungssaals des Degierungsgebäudes zu Gießen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Wilhelm Paulzen und seiner Ehefrau in Koblenz-Lühel gegen das Kreisamt Gießen we­

gen Versagung des Wandergewerbescheins für 1922. 8V2 Uhr. 2. Antrag des Kreisamts Fried­berg auf Entziehung des Prüfungszeugnisfes der Hebamme Johanna Heil in Ober-Mörlen. 8V0 lUjr. 3. Klage des früheren Gemeinde- cechners Rau von Ober-Gleen auf anderweite Regelung seines Gehalts jür die Zeit vom 1. April bis 30. November 1920. 9 Uhr. 4. Klage des Hermann Baum in Geilshausen gegen das Kreis- amt Gießen wegen Versagung der Legitimutions- karte. 91/2 Uhr. 5. Klagen des Johannes Weck, Johannes Dahmer und Heinrich Dahmer III., sämtlich zu Hopfmannsfeld, gegen die Gemeinde Hopfmannsfeld wegen Iahrholzberechtigung: hier. Berufungen gegen das Mrteck des Kreisausfchusses des Kremes Lauterbach vom 25. Rovember 1921. 10 Uhr.

* Zahlung an Eisenbahn-Rühe- gehaltsempfänger. Ersenbahn-Rnhe- gehalts- nii> Wartegeldempfänger, sowie Witwen» geldempfängerimren erhaben auf die demnächstcge Neufestsetzung ihrer gesetzliche Ver,orgungs- gebüh misse einen einmaligen Vorschuß. Die Aus­zahlungen finden ab Freitag, den X. April d. Hs. bet der Eisenbahn-Stations taste Gießen statt. Rentenempfänger bleiben jedoch vorerst noch unberücksichtigt.

* Eheverkündigungen. Da die Ver­kündigungen der Aufgebote viel Zeit beanspruchen und ein Teil der Gläubigen den Hauptgottesdienst nicht besucht, wird in einer Anzahl Gemeinden in Zukunft das Aufgebot durch Anschlag an den Kirchentüren erfolgen. Die Eheverkündigungen durch Anschlag sollen stattsinden: in Mainz mit Einschluß der eingemeinbeten Orte, Darmstadt, Offenbach mit Bürgel, Worms mit Hochheim, Gießen, Dingen, Alzey, Viernheim, Heppen­heim, Bensheim, Bürstadt 21eu-Isenburg, Bü­dingen.

** Grabschänder. Auch wieder ein Zei­chen unserer Zeit und offenbar durch die hohen Metallpreise hervorgerufen ist es, daß sich Diebe nicht einmal scheuen, die Grabdenkmäler der Ver­storbenen dadurch zu schänden, daß sie das daran befindliche wertvolle Metall entwenden. So wurde in den letzten Tagen von zwei solchen Denkmälern des hiesigen Neuen Friedhofes die Dronzever- zierung im Werte von mehreren Tausend Mark gestohlen. Von dem einen entwendeten bis jetzt noch unbekannte Täter einen 80 Ztm. langen und 23 Ztm. breiten Dronzestreifen, der eine Verzierung mit blühenden Rosen trägt und einen ebenfalls aus Bronze bestehenden 65 Ztm. lan­gen, 12 Ztm. breiten und 15 Ztm. hohen Blu­menkasten und von dem anderen einen ebensolchen Dronzestreisen mit berfeiben Verzierung und Dlumenkasten. mit roher Gewalt abgerissen. Da diese Metallteile zweifellos an Allhändler oder solche Geschäftsleute abgeseht wurden, die sie wieder in ihren Betrieben verwenden, wird hier­mit nachdrücklichst vor dem Anlauf gewarnt und ersucht, der Polizei im Falle eines Angebots um­gehend Nachricht zukommen zu lassen, damit man der Täter möglichst bald habhaft wird.

** Straßensperrung. Wegen Vor­nahme von EniwäsferungSarbellen ist die Ver- brndungsstraße zwischen der Rodheimer Straße und der Weserstraße entlang der MainWeser- Dahn bis auf weiteres für jeden Fuhr- und Rad- fahrverkehr gesperrt.

* Den Kleinkinderbewahranstal- ten konnten von den am 23. und 24. März d. I. auf Veranlassung des Wartburgvereins im Kon­firmandensaal der Iohanneskirche veranstalteten Konzert des Mandolinen- und Guitarrenvereins Neapolita" als Reinerlös 800 Mk. überwiesen werden.

** Der Dezirk Gießen Gabelsber- gerscher Stenographen hielt seinen dies- jäbrigen Frühjahrsberti eleriaq in Wetzlar ab, der aus allen Teilen des Dezircks gut besucht war. Mit der Tagung war ein Wettschreiben verbun­den, an dem sich in den Abteilungen 60220 Silben etwa 200 Personen beteiligten. Industrie und Bürgerschaft der Stadt Wetzlar hatten hierzu zahlreiche Ehren- und Wanderpreise zur Ver­fügung gestellt. Die Vorstandsmahl hatte folgen­des Ergebnis: 1. Dors. Karl Fischer, Verein Wiescck: 2. Vorst Friedrich Kopp, Ges. Gießen; Schrisls. Karl Kolb, Der. Wicseck: Rechner Lud­wig Gravelius, Ges. Gießen. 2m Wettschrei» den wurden folgende Ergebnisse erzielt: 220 Sil­ben: Wilh. Steinbach, Wetzlar, 1. und Ehren­

preis. 180 Silben: Ellh Dingel, Ges. Gießen, Georg Wahl, Ges. Gießen, Ernst Kreger, Bad-Nauheim, 1. und Ehrenpreise. 160 Silben: Lina Wahl, Der. Gießen, Johanna Gilbert, Marie Müller und Anna Köhler, Wetzlar, 1. und Ehrenpreise. 140 Silben. Else Michel, Ges. Gießen, Heinrich Müller, Mlrichstein, Wilh. 2 l g e, Mr. Gießen, und Johanna D e s ch. Wetzlar, 1. und Ehrenpreise. 120 Silben: Emilie Dörner. Heuchelheim, Sophie Reinhäkel, Ges. Gießen. Marie Schmieder, Friedberg, Kurt Jahn, Der. Gießen, und Ernst Reitz, Butzbach, 1. und Ehrenpreise. ICO Silben: Her­mann Schirmer, Ct.iLe Treser, Hans H 0 - nig, Gest Gießen, Rich. Schäfer, Gcotzen-Lin- 6en, und Emil Martin, Wetzlar, 1. und Ehren­preise.

Borrrotizcn.

Lageskalender für Donners- t a g. Astoria-Lichtspiele, ab heute bis einschl. Sonntag:Lady Hamilton". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:Die Abenteuer des Dr. Kircheisen" undDas Ende der Falschmünzer".

D ieGustav Dockstiftung" veran­staltet am Montag, dem 10. April, im Stadtth eaier einen musikalischen Dortrag über R ich. WagnersM etft e r f t n g er. Sie hat dafür Geheimrat Pro«. Stern­feld aus Berlin gewonnen. Der Redner wird sich nicht nur auf eine Erklärung durch das Wort allein beschränken, sondern feixe Darstellung auch durch den Vortrag der Themata und Leitmotive auf dem Klavier erläutern. Die Veranstal­tung dürfte für Musikfreunde (für die Aufführung stehen Freikarten zur Verfügung) von großem 2n= tereffe sein.

Jordans M ei st erbild er- An­dacht en finden auch in Klein-Linden, Wieseck. Friedberg und L i ch statt. (Nähe­res siehe Anzeige.)

Landkreis Gießen.

tt. Treis a. L, 5. April. 2m Auftrage der Ligazum Schuhe der deutschenKultur hielt gestern abenö Dr. Falckenberg- Gießen einen Lichtbildervortrug über die französische Fremdenlegion. Der Redner schilderte das entsetz­liche Leben und die unmenschliche Behandlung der Legionäre unb warnte mit ernsten Worten die zahlreich anwesende Jugend vor dem Eintritt in diese Regimenter, die leider zu Z0 Prozent aus Deutschen bestehen, die meist glauben, dort kriege­rische Ehren und gute Versorgung sich erwerben zu können, aber schon wenige Wochen nach ihrem Eintritt sehen, daß sie sich in ihren Erwartungen getäuscht haben.

Kreis Alsfeld.

I. Eudorf, 5. April. Hier und in der benachbarten Filialgemeinde Elbenrod fand die feierliche Einweihungder neuen Glocken statt. Beide Feiern waren stark besuchst Be­sonders eindrucksvoll wirkten die vorgetrogenen Lieder. 2m Anschlust an die Einweihung fanden in beiden Gemeinden später noch besondere Fa- milienad ende stall, ber denen gesangliche Darbie­tungen und lebende Bilder miteinander abwech­selten.

Kreis Friedberg.

:: Pohl-Göns, 5. Aprist Der hiesige Gemeinderat hat den dankenswerten Beschluß gesaßst von einer größeren H vlz v e rst eig e- rung abzusehen und in Anbetracht der Kohlennot das Brennholz zum größten Tml unter die Haushaltungen zu entsprechendem Geldansatze zu verteilen, nachdem bereits jeder Ortsbürger 11/2 Rm. Kiefernholz völlig unentgeltlich er­halten hast

Kreis Sürotten.

wg. Gedern, 5. April. Gest em abend fand im großen Saale des Bergwirtshauses die Schll'ßfeier des Gustav-Adolf-Frauen- vereins und des Jungfrauen Vereins statt bei vollzähliger Beteiligung der Mitglie­der beider Bercine. Gedichte und Klaviervor­träge sowie gemeinsame Gesänge umrahmten die von den Mitgliedern des Iungfrauenvereins meisterhaft zur Darstellung gebrachten Auffüh­rungen, die allgemeinen Beifall fanden. Mll Kaffee und Kuchen fand der wohlgelungene Abend seinen Abschluß. Der hiesige Zweig­verein des Vogelsberger Höhen­clubs stiftete aus Anlaß seines 40. Stiftungs­

festes als Iubiläumsgabe für die geplante Kne- gcrgedenktafel in der Kirche den Betrag von K0 Mark.

ck. Gonterskirchen. 5. April. 2m dicht besetzten Saale der Gastwirtschaft Graf fand ein Theaterabend des hiesigen Gesangvereins ftatt. Es gelangten zur AufführungDer wilde Mathias",Der Scholle entrissen" undLeonore". Die Hauptrollen lagen in guten Hänien, und sämtliche Darsteller ernteten reichen Beifall. Zur Begleitung der Gesänge hatte Pfarrer Hoh- graefe sein Harmonium zur Verfügung gestellt. Die hiesige Musikkapelle unter Führung ihres Kapellmeisters Kröll tat ihr Möglichstes, die einzelnen Pausen geschmackvoll auszusüllen Reger Besuch von auswärts zeigte,_ daß die hiesigen Theateraufführungen auch über die Grenzen unseres Ortes bekannt und beliebt sind.

We tterfeld. 4. April. Gestern abend gegen 5 Mhr brach hier ein Hageb-wetter mit heftigem Sturm und elektrischen Enlladungen los und verbreitete sich über dem oberen Wetter­en st Nach ein-'r halben Stunde beruhigte sich die Wut der Elemente wieder. Größerer Schaden wurde nicht angcrichtet. Allen Anzeichen nach scheint uns ein nasser Sommer bevorzu- stehen.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. D a r m st a d t, 5. April. Die V e r t r e - ter der deutschen Presse, die heute in der Zahl von 25 Journalisten auf ihrer Fahrt nach Südwestdeutschland auch in Darmstadt halt machten, wurden auf dem Bahnhof von der Stadt­verwaltung, der Darmstädter Presse und dem Empfangslomitee begrüßt und mir Sonderwagen der Straßenbahn nach der Hochschule gelellet, wo ber Rektor magn. Dr. Petersen eine An­sprache hielt, worauf sehr lehrreiche Vorführungen über drahtlose Telegraphie, über Materialprüfun­gen usw. bei einem Rundgang durch die -Räume gezeigt wurden. 2lach einem Gang zur Schule derWeisheit" hiell dort Graf Kayserling einen beifällig auf genommenen Vortrag über die Grund­zuge seiner Wissenschaft, dem sich um IV2 ^hr ein von der Stadt gegebenes Mittagessen anschloh. Hier yielten Ansprachen der Oberbürgermeister Dr. G l ä s s i n g, Dr. W a l d ä st e l für die Darm­städter Presse und Dr. Albrecht für die aus­wärtigen Pressevertreter. Mm 3'/_. Mhr erfolgte die Fahrt wieder mit Sonderwagen nach den Hirschköpfen und Schloß. Später wurde das Kleine Haus des Landestheaters besucht, wo der 1. Akt der Operette Cosi fan tutte zur Aufführung kam Mm Mhr ging man zum großen Haus zur Ausführung desSpiel des Lebens" von Knut Hamson.

fpd. Darmstadt, 5. April. Vor mehreren Wochen brach aus bem Zuchthaus Butzbach der 26jährige Strafgefangene Friedrich Riedel aus. Er treibt sich seitdem im Lande herum. Dem Riedel wird jetzt auch der große Villen- einbruch in Darmstadt in der Nacht zum 14. März zur Last gelegt, bei dem Schmuckstücke von bedeutendem Wert gestohlen wurden.

tob. Mainz, 5. April. Die Weinprvbc zu der Natur wein Versteigerung der hessischen Weinbaudomänenvertoallung in Mainz nahm heute in dem Probesaal des Vertoallungs- gebäudes ihren Ansang. Es stehen im ganzen 159 Halb stück eigenes Wachstum aus den Ge­markungen Bodenheim, Nackenheim, Nierstein Dienheim, Ludwigshöhe, Bingen, Rübeshrim, Kempten, Auerbach, Bensheim und Heppenheim zur Probe. Der zweite Prvbetag findet aro 12. April statt.

Hessen-Nassau.

Sie Frankfurter Messe.

fpd. F r a n t f u r t a. M., 5. April. Die Kauf­lust auf der Messe hält bei starkem Andrang der Käuferfcharen unvermindert an. Fast aus­nahmslos find die Verkäufer auherordenllich zu- frieben unb haben auf Monate hinaus mehr als reichliche Bestellungen erhallen. Die Zahl ber Besucher hat die 100 000 überschritten. Am meisten begehrt sind Textil- und Konfektrons- waren, dann Leöerbelleibung, Weihwaren sind in fast allen Ständen ausverkauft. Die weitaus größten Warenmengen verbleiben im 2nlanbe, da die Fabrikanten auf dem Standpunkt stehen, sich neben ihrer bisherigen Kundschaft einen Kreis guter deutscher Kunden neu zu erobern.

Mürrischer Wiener Frühling. Don Dr. Max Preis.

Wien, Ende März.

Vom Kahlenberg herunter, läuft der Friih- lingswind auf kalten Sohlen in die Stadt Wien. Das ist bei einer Temperatur von 6 Grad Cel­sius keine erfreullche Aufgabe für ein streb­samesMailüsterl" und nimmt ihm auch die Lust, die Knospen der Bäume und Sträucher in den wunderschönen Wiener Gärten zu ent­zünden. Wenn sich dieser Frühlingswind die Füße wärmen wollte, mühte er sich ein Paar Stiesel laufen. Die kosten aber in Wien 35 000 Kronen. Mnb wenn derselbe Frühling abends, feiner illuminierenden Tätigkeit müde, in einem nicht mal erstrangigen Hotel übernachten wollte, würde er feine Zimmer bekommen: gelänge es ihm aber doch, bann würde ihn dieses Ver­gnügen an 12 000 Kronen kosten. Der Früh­ling. seitdem der Stefansturm steht, außer dem heurigen Wein sicherlich die meist besungene aller jährlich wiederkehrenden Angelegenheiten, findet überhaupt eine völlig veränderte Situation vor.

Mnb das kam fo. 2m holden Mrvorgestern der Friedenszeit war die Wienerstadt eine Speziali­tät. Eine Festung, um die Wall und Graben von Eigenarten unb Vorurteilen, von sympathi­schem Rückstand und erquickender Mnelastizität gezogen waren. Man kannte die Tugend der Anpassung nicht und pochte stolz darauf, daß sich alles, was in diese Stadt strömte, auto­matisch unb sehr beglückt ihrem freundlichen Rhhtmus fügte. Dann kam ber Mmsturz. Wien wurde international. Durch die barocken Straßen schwirrten alle Vokabeln aller Weltsprachen, Wie­nerisches drückte sich scheu hr verschwiegene Nischen und beherrschte doch mit der Macht seiner Kultur die Eindringllnge. Aber Wien schien nur international, war es aber nicht. Es war Wien. Alle Valuten der Welt feierten hier Orgien, setzten bescheidene Beträge der Heimat in unendliche Kronenziffern um, lebten köstlich und ohne Sorge. Wien war billig. Es lockte die 2nternatiDnaIität, hatte aber sein eigenes Profil bewahrt. Das ist mit einem Schlage an­ders geworden. Wien ist relatiti und absolut eine furchtbar teure Stadt geworden. Das 2nternationale wird nicht mehr ins Wienerische, Wien wirb in die Sprache, der internationalen Valuten übersetzt. Auf diesem sellsamen Mm- toege ist es international geworden, hat cs die

Beziehung zum Weltmarkt genommen. Vorher erschrak man über die Wiener Ziffern, jetzt fühlt man sie. Früher sparte man an der phan­tastischsten Wiener Zahl, nun zahlt man bei ihr darauf. Denn eine Viertelmillion der österreichi­schen Kronen für einen Paletot aus gutem Stofs nach Maß wird wohl kaum jemand als eine Segnung empfinden, die er in seinem Lande nicht haben könnte. Es wäre verfehlt, an die Wiener Preise russische Maßstäbe zu legen. Die innere Kaufkraft der Krone ist eine gar nicht so geringe. Die Kursverschiebungen der letzten Wochen, die aus dem Marksturz herriihren, ver­schärfen die Konjunktur wesentlich. Vor vierzehn Tagen Noch war etwa der Preis für eine Fleisch­speise in einem guten Restaurant wesentlich bil­liger als in Berlin. 600 Kronen entsprachen damals etwa 18 Mk., heute sind sie gleich 25 Mk., decken sich also vollkommen mit Ber­liner Preisen, ja überschreiten sie oft. Eine Straßenbahnfahrt kostet 80 Kronen, was wieder mehr als 3 Kronen ist. Mnb wer nach 11 Mhr nachts sich einer Wiener Elektrischen anvertraut, muß tief in die Tasche greifen und darf 250 Kronen zahlen. Daß die Wiener ihre Schweine höher bewerten als die Reichsdeutschen, erhellt aus der Tatsache, daß man in Wien ein Kilo Schweinefleisch mit 22002400 Kronen einschäht. Diese wenigen Beispiele illustrieren die Wiener Teuerung.

Die Folgen der Meberspihung aller Preise hat sich drastisch bei der Frühjahrsmesse gezeigt, die eben sang- und llanglos geschlossen wurde. Mit tausend Masten schiffte die Wiener 2ndustrie in den Ozean des Weltverkehrs: still, auf rettendem Strohhalm kehrt sie heim. Diese Wiener Frühjahrsmesse war ein Fiasko. Das lag nicht an mangelhafter Organisation, nicht an ' i) isch-toienrrischec Mnlüchtigkeit. es tag aus­schließlich daran, daß der für bie Fcemben bis­her wesentlichste Anreiz, bie erstaunliche Billig­keit, fehlte. Wien war bisher eine Fremdenstadt, weil es die billigste Stadt ber Welt war unb weil man den Fremden noch mit dem unbezahl­baren Geschenk der Höflichkeit, ber Aufmerksam­keit bedachte, die leise aufzuckenden Wünsche von den Augen absieht. Vielleicht beginnt damit ein Gesundungsprvzeß daß man bie Fcemben nicht mehr mit ber Billigkeit, sondern mit den Ge­schenken wienerischen Wesens, mit dem Reiz der Stadt unb ihrer Art, an sich lockt. Mm gefunb

zu werben, muß man Schmerzen erlaben. Der erste Schmerz war die Wiener Frühjahrsmesse.

Diese Meberspannung aller Preise schürt an den Mnterströmungen. Oeben Tag kann bie Lava des Wiener Vulkans ins Kochen kommen. Nie­mand weih, wo sich der Krater öffnen wird. Denn nichts ist so verborgen wie das Wiener Elend. Nicht das passive, schlachtviehgeduldige Elend des Mittelstandes, nicht das betriebsame Elend, bas wie ein ornamentaler Einfall in das elegante Strahenbild gezirkelt ist, bas offizielle, mit Taufenden von Kronen Tagesverdienst ar­beitende Bettelelenb, sondern jenes verborgene, lauernde Desperado-Elend, das längst die Hand erhoben hat, man weiß nur nicht, wann sie niedersausen wird, und nicht, auf wen. Wer sanft und still und wie verzaubert von der uner­schütterlichen Anmut des Wiener Rhythmus durch die Straßen geht, in den Lokalen weilt, wer zusieht, wie die Tausendkronennoten viertelpfund- weise aus den Taschen fliegen, der muß den Eindruck gewinnen, daß es nichts Erstrebenswerte­res für einen Staat geben kann, als eine fleißige Danknotenpresse. All diese Leute haben alles, sie sind gut gekleidet, sie essen gut. Sie bringen dem Bruchteil eines Hundertkronenscheines eine un­nachahmliche Verachtung entgegen. War Wien früher von zerlumpten Gestalten bis zur Mner- träglichkeit durchwirll: so ist es jetzt sauberer, äußerlich entproletarisieri. ^)ie Frau mit dem nicht ganz sauberen Mmhängetuch, der Mann im bedreckten Kittel, sie haben beide daheim ihr Huhn im Topf. Nur ihre grundkonfervative Ge­sinnung hindert sie daran, sich in Jumper und Cut zu hüllen. Das wahrhaftige Wiener Elend, das längst aus den arrivierten Arbeiterbezirken ausgewandert ist, steht hinter ben Kulissen, es wartet auf sein Stichwort.

Gießener Konzertverein.

Sonderkonzert: Heinrich Hensel.

Einer der ganz Großeix unter Deutschlands Sängern war geftern bei uns zu Gaste: er fang vor einer Kunstgemeinde, ber er einen unvergeß­lichen Genuß bot, unb die ihn im Gedächtnis behalten wird. Man weiß nicht, was man mehr bewundern unb rühmen soll, Heinrich Hen­sels wundervolles Stimmaterial, ferne schlacken­reine Tongebung, seine fabelhafte Technik oder fein liebevolles Einfühlen in den Geist der Meister, deren Werke er Bot Eine Probe reifsten Künstler­tums war es, die er gestern ablegte.

Richard Strauß, Franz Liszt und Richard Wagner war der Abend geweiht, von dem man einzig vielleicht das anders gewünscht hätte, daß er nicht gleich so, wie es geschah, medias in res geführt hätte. Wenn beispielsweise die Lieder Selles' am Anfang gestanden^ hätten, wäre ber Anstieg gleichmäßiger, die Fühlungnahme zwi­schen Sänger- und Zuhörem leichter gewesen. Daß es Hensel, trotzdem er sofort an hohe Auf­gaben beranging, doch gelang, schon mit dem ersten Liede sein P.iblikum in seinem Bann zu zwingen unb zu immer gesteigerter Anteilnahme fortzureißen, beweist nur noch üb erzeugen ber, welche künstlerischen Qualitäten ihm zuzusprechen sinb.

Von den drei Liedervorträgen sei besonders die entzückend feine Wiedergabe von Richard Strauß'Zueignung" genannt.

Sein Bestes gab Hensel bann, als er zu feinem ureigensten Element als 2nterpret Wag- nerfcher Tondichtungen kam. Die Gralserzählung krönte als vollendeter Höhepunkt den Abend

Wenn der Frühling im Prater Einzug halten wird, ich weih nicht, ob er dieses Jahr ein lachen­der Lenz sein wird. Vielleicht wird er den Witz ver­stehen, den man jetzt hier erzählt. Der Witz lautet so: Ein Ausländer fragt einen Wiener, warum auf den Spitzen ber katholischen Kirchentürme in Wien oft anstatt eines Kreuzes ein Hahn an­gebracht ist. Da lacht ber Wiener und sagt: Ja, wissens, bei uns fan hall immer Vieher an der Spitze, und das is unser Kreuz." Den Witz dürfte der Wiener Frühling verstehen. Mnb wenn bie Schwalben wieder kommen, die werden schauen ... '&> wecken schauen. .

Am Flügel: Michael Rosfert. feinfühliger Begleiter und Solist von vollendetstem Können zu­gleich. Liszts Melodien gewannen unter feinen Händen klangreichstes Leben. -r.

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Einstein in Pari«.

P a r i s, 5. April. (WB.) Die b r i t t e V 0 r- lesung Einsteins famb heute nachmittag tm College be France statt. Es wohnten ihr nur einme Gelehrte unb Mniversitätsprofessoren bei

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