Aus Hessen^
Dem Landtag
ist wieder eine Reihe von Anträgen und Re° gierungSvv.lagen zugegangen. Abgeordnete der Deutschen Volkspartei beantragen, der Landtag wolle die Regierung ersuchen, in der Provinz Oberhessen, wie sie in den beiden anderen Proviirzen bereits bestehen, eine Daugewerk- schule zu errichten. 3n der Begründung wird gesagt, der Bolksstaat Hessen besitze zur Zeit drei Baugewerkschulen, davon befinden sich zwei in der Provinz Starkenburg und eine in der Provinz Rheinhessen, während die größte Provinz die Prov. Oberhessen keine besitzt. Es wäre nun ein leichtes, in der Provinz Ober- Hessen eine Baugewerkschule zu errichten. Wir haben in den Städten Gießen und Friedberg größere neugebaute Gewerbeschulhäuser mit dreikmssigem Aufbau. Eine dieser Schulen wäre zu einer Daugewerkschule durch Anhängen der beiden letzten Klassen leicht umzugestalten. Die Gebäude zur Hinterbringung sind vorhanden. Beide Städte liegen an Eisenbahnknotenpunkten. An beiden Schulen ist ein Stamm Lehrpersonal vorhanden.
Dieselben Abgeordneten beantragen, die Regierung zu ersuchen, die hessische Barordnung, welche schon seit mehreren Jahren vor dem Krieg abgeändert werden sollte, da sie den seinerzeit'gen Verhältnissen nicht rn:hr entsprochen hatte, und für die heutigen Verhältnisse erst recht keine Anwendung mehr finden kann, abzu- ändern.
Ein Zentrumsantrag betrifft die Ortsklassen- Einteilung. Die dem Landtag trotz der kürzlich getroffenen Reuregelung wieder in großer Zahl vorliegenden Anträge auf anderweite Einstufung von Orten In das Ortsklassen-Berzeichnis ließen erkennen, daß jene Regelung in weiten Kreisen nicht befriedigt hat. Änter diesen älmständen wird beantragt, die den Beamten usw. gewährten Teuerungszulagen für alle Orte gleichmäßig festzusehen, die Höhe des eigenllichen Wohnung^g'ld-Zuschusses dagegen nach höchstens drei Ortsklassen zu bemessen.
3n einer Regierungsvorlage,
Unterstützung notleidender Kleinrentner betreffend, heißt es:
Die Rot der Kleinrentner, die von den Einkünften eines geringen Vermögens leben, ist bekannt. Schon seit langer Zeit schwebten Verhandlungen zwischen den zuständigen Stellen, die sich nunmehr zu einer Hilfsaktion für die Kleinrentner verdichtet haben. Hiernach sollte das Reich für die Zeit vom 1. Oktober 1921 bis 31. März 1922 lOOOOOOCO Mk. xur Verfügung stellen unter der Bedingung, daß die Länder und Gemeinden mindestens das Doppelte des Reichszuschusses aufwendeten. Der Reichsrat hat jedoch kürzlich diese Bestimmung dahin geändert, daß die Länder und Gemeinden nur den gleichen Betrag des Reichszuschusses aufzubringen haben, so daß eine Drittelung der Kosten nach Reich, Land und Gemeinde entsteht. Die Reichsregierung hat in der Reichsratssitzung die Erklärung abgegeben, daß diese Fassung für sie unannehmbar sei. Um aber . eine einstweilige Auszahlung der Beträge zu ermöglichen, ist bann vom Reichsrat beschlossen worden, bis zum Zustand k:mme i endgrligec Richtlinien den Herrn Rcichsarbrttsrninister zu ermächtigen, aus dem im Rach trag zum außer- 1 ordentlichen Hu'halt für das Rcchnungs ahr vor- j gesehenen Mitteln den Ländern auf Antrag vorläufig Zuschüsse za solchen Unterstütz ingen za ; gewähren, die den beigeschlossenen Richtlinien entsprechen Di.se Ermächtigung soll sich bis zum Betrage von 50 000 OCX) Mark erstreiken. Der hiernach für Hessen in Betracht dämmende Anteil an den 50 000 000 Mart beläuft sich, auf 1021378 Mark, der uns unter der Bedingung zur Verfügang steht, daß das Land und die Gemeinden zusammen den doppelten Betrag cruswenden. Der Berechnung li gt noch d.e alle Ortskiasfeneinteilung su-runbe; die neue wird erst bei späterer Vectei ung berücksich ig'.
Wir gestalten uns doh r, den Land ag zu Bitten, den gleichen Betrag also 1021 373 Mark, zu La en des Re chnu-g: Wahres 1922 zu bewilligen. Wir werden alsdann die.en Betrag in den Voranschlag von 19.2 einstellen und gehalten uns vor, über den für bas kommende Rechnungsjahr genötigten Betrag dem Landtag Vorlage zu machen. Arußerst erwünscht wäre es uns in Anbetracht der außerordentlichen Rot der Kleinrentner, wenn der Fi- nanzausschaß des Landtages uns zu dieser Ausgabe gemäß Artikel 56 dec hessischen Verfassung vom 12. Dezember 1919 ermächtigen würde, damit die Auszahlungen an die notleidenden Kleinrentner alsbald beginnen könnten.
Die Verteilung der Mittel beabsichtigen wir in der Weise vorzunehmen, daß wir den Gemeinden aus Landes» und Reichsmitteln für den Kops der Bevölkerung 1,30 Mark für diesen Zweck zur Verfügung stellen. Bei einer Bevölke
rung von nahezu 1300 000 Einwohnern wurde hierfür ein Betrag von 1 690 000 Mark einzusetzen fein. Den Rest von 352 756 Mark werden wir zunächst als Reservefonds zurückvehalten, um solchen Gemeinden, die mit diesen Mitteln nicht auskommen» Zuschüsse zu gewähren. Eine derartige pauschalmäßige Regelung erscheint uns am Platze, da irgendwelche Unterlagen über die Zahl der zu unlerstühenden Kleinrentner gemäß den aufgestellten Richllinien noch nicht vorhanden find und erst jetzt gewonnen werden, und ferner, well die ganze Regelung nur eine vorläufige ist. Die Aufstellung endgültiger Richtlinien durfte in den nächsten Monaten zu erwarten sein.
Das Landesamt für das Bildungs- wesen schlägt dem Landtage vor, daß die Hälfte des zu erwartenden und besonders nachzuweisenden Fehlbetrages dec „Ausstellung deutscher St u n ft Darmstadt 1 922“ auf die Staatskasse unter der Bedingung übernommen werde, daß der Beitrag des Staates nicht höher ist als derjenige, den die Stadt Darmstadt für dieses Unternehmen zur Verfügung stellt. Die Stadt hat bis jetzt die Bewilligung eines Beitrages von 50 000 Mark beschlossen.
Gin sozialdcrnolratischer Antrag will die Re- ?lierung ersuchen, alsbald dem Landtag eine Vor-. age vorzulegen, wonach die Pflegegelder für Waisenkinder den Sätzen der Kriegswaisenrente angeglichen werden.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 6. Fedr. 1922.
** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 30. Januar die Pvlizeiwacht- melfter auf Probe Peter Kaiser aus Hausen (Kreis Offenbach), Valentin L ü h r i n g aus Frankfurt a M, Peter Pfeifer aus Knoden (Kreis Benshe.m), Philipp Schröder aus Groß- Bieberau (Kreis Dieburg), Richard Weber aus Bobenhausen (Kreis Büdingen) zu Polizeiwachtmeistern bei dem Pvlizeiamt Reu-3senburg: Georg E m i ch aus Wald-Michelbach L O. zum Pollzei- wachtmeister bet dem Polizeiamt Offenbach a M. mit Wirkung vom 1. Januar 1922 an; Sebastian Grimm aus Bieber (Kreis Offenbach) zum Poli- zeiwachtmeister bei dem Polizeiamt Offenbach a Main mit Wirkung vom 15. Januar 1922 an. — Zu Zollbetriebsasfistenten wurden ernannt: die Zolloberwachtmeister Heinrich Hartmann und Karl Schierzu Darmstadt, Karl F r o b ö s e und Wilhelm Schrödter zu Mainz, Heinrich M i t s ch zu Bingen. — Mit Wirkung vom l.April d. I. ab wurden übertragen: dem Zollinspektor Eckhardt zu Mainz die Stelle des Zollinspektors des Bezirks Gießen 2 mit dem Standort Gießen, dem Zollinspektor Roll zu Mainz die Stelle eines Zollinspektors bei dem Hauptzollamt Offenbach. — Dem Zollinspektor Lenz zu Mainz wurde mit Wirkung vom 1. April d. I. an die Stelle eines Zollinspektors beim Hauptzollamt Offenbach übertragen.
* Die Rechnung der Kreiskasse des Kreises Gießen für 1918 schließt in Einnahme mit 5 159 367,66 Mk., in Ausgabe mit 4 974 327,17 Mk. ab, so daß sich ein Rest von 185 040,49 Mk. ergibt.
* Sonderbriefmarken für die Deutsche Gewerbeschau. Für die Deutsche Gewerbeschau München 1922 hat der ReichSpostminister die Ausgabe von Sonderbriefmarken genehmigt, die an allen deutschen Postämtern verkauft werden sollen. Deutschland erhält dadurch seine ersten Ausstellungsbriefmarken. Zur Erlangung von Entwürfen für diese Marken hat die Leitung der Deutschen Gewerbeschau sechs deutsche Künstler, die sich als Marlen-Graphiker bereits einen Ruf erworben haben, zu einem engeren Wettbewerb eingeladen. Die letzte Entscheidung über die Ausführung der vorgeschlagenen Entwürfe hat der ReichSpostminister. Geschaffen werden sollen die Werte zu l1/« Mark in Grün, 2 Mark in Rot, 4 Mark in Blau und ein oder mehr höhere Werte.
•’ Vom Ortsverein der S. P. D. werden wir um Abdruck folgender Mitteilung gebeten: Die Funktionäre dec S P. D., Ortsverein Gießen, haben fid> tn der St ang vom 4. Februar mit dem ©ifenbaß^er^reit kescha t gt und an den Porte ivor stand D ilin felge, des Telegramm ge.ichlet: 1. Unverzüglich bei der Reichs- regierung vorstellig zu werden, damit der Greifer laß des Rcichskabineits zu:ückgenommen wird, 2. der Parteivorsiand'seinen ganzen Ein laß geltend macht, damit die Verhandln gen sofoct ausgenommen werl-en, um weitere Se.iäd'gangen des Wirtschaftslebens za verhüten, 3, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß berech igte Forderungen der Eisenbahner erfül t werden.
Die Blüchermchten.
Roman von HannSvonZobeltitz.
21- Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Am Abend stellte sich hohes Fieber ein. Ter Arzt kam noch einmal, hatte bebe k iche Miene. ■Sie Patientt i wimmerte u au h r ich sprach in wilden Phantasien. Don dem Fest bei dem russischen Botschafter. von dem Alleinsein mit dem Geliebten untereinander im Wintergarten und wie er sie tu ch dir Flammen getracen. Wirr, ohne Zusammenhänge, alles durcheinander. Aar sein Rarne Hang immer wieder schmerzerfüllt aas und dann ein jäher Schrei: „Alles vorbei" — „Alles vorbei".
Tage und Rächte hat sie so gelegen. Sie sah nicht mehr die Blumen, die er sandte S(e Hörle nicht mehr seine Stimme, wenn er leise an bie Tür pochte. Rur baß sie manchmal nach den Händen der Gräfin haschte, sie fest, wie hilfesuchend, umklammerte. Ganz schmal war ihr Gesicht geworben, und die rote Branbwunte über die sich allmählich ein dunkler Schorf b eiietc, lag noch unheimlicher und entstelle ider über Wange und Hals.
llndlich sind kurze lichte Momente gekommen. Sie hat die Umgebung erkannt, hat auch ein rat den Strauß auf dem Tisch neben ihrem Bett gesehen, hat nach ihm gefaßt, aber die Hand gleich wieder zurückgezcgrn. Verlangte ein andermal nach einem Spiegel, so start, daß die Gräfin sich schließlich nicht mehr weigerte. Doch als |ie den Spiegel in Händen hielt, wagte sie nicht hinein- zuschauen, ließ ihn fallen. „Rie — nie, nie!"
3mme. trie'.er sprach ihr die gütige Gräfin gut zu, kam die zierliche Frau von Dachl oeden.
ihr Trost zu bringen. Immer wieder lächelte sie trübe und brach dann in Tränen aus. „Rie — nie — nie!" wiederholte sie. Rie darf er mich Wiedersehen I"
„Kind, schätzt du meinen Franz denn so fletn ein?" fragte die Gräsin e d ich ernst. „Rirnmfr du an, daß er nur deine Schönheit geliebt hat? Wie unrecht tust da ihm. Ein Mann wie er liebt nicht das Gesicht. Die Seele liebt er, den ganzen Menschen!"
Doch sie schüttelt den Kops.
„Sieh, liebe Tochter, Schönheit ist immer vergänglich. Armselig, wer sich an sie allein hängt. Wir Frauen müssen uns daran gewöhnen, daß wir altem, daß die Schönheit verblüht. Oft bleibt der Mann jünger. Weh beiden, wenn darüber das Glück zerbricht. Cs darf nicht bre chen. Auch die alternde Frau, mein' tch, hat immer Mittel und Wege, sich ihres Mannes Liebe zu erhalten. Seine treue Kameradin wird sie halt — und das ist bas Höchste."
Doch Luise schüttelte den Kopf.
„Ein paar Tage noch, und du wirst aif- stehen können, Luise. Drüben auf dem Lehnstuhl sollst du sitzen und ihn empfangen, den Franzi. Dann wirst du sehen, wie er dich liebt Jetzt and für immer.“
Da schlug sie die Häinde vor das Gesicht: „Riel Rie: Er darf mich nie mehr sehenI"
„Geliebtes Kind, verleih: du sie. eist. Als eine Prüfung eurer Lieb?, von Gott gesendet, solltest du's nehmen. And sieh: es bleibt doch auch nicht so, wie es ist. Die Wunde heilt ja schon ab. Eine Rarbe wird bleiben, aber sie ble cht aus, sagt dec Kaiserliche Rat" S^e versuchte, zu scherzen. „Maß dich der F anzl halt von der andern Seite anschnuen, toeim er etwas besonders Schönes sehen will.“
’ * Arbeitsjubiläum. Die Anzahl der Vierzigjährigen, d. h. derjenigen, die ununterbrochen vierzig Jahre und darüber in der Brühl'schen Dructerei tätig sind, hat einen erfreulichen Zuwachs erfahren durch denHllss- arbeiter Mandler aus Krofdorf, den wir am Samstag zu dieser seltenen Feier der Arbeit und Anhänglichkeit beglückwünschen und ihm kräftig die Hand schütteln konnten. — Herr Mandler war uns immer ein treuer, gewissenhafter und sehr geschätzter Mitarbeiter, der hoffentlich die Strecke Krofdorf—Gießen und umgekehrt zur Brühl'schen Druckerei noch recht oft in Gesundheit 'zurücklegt. Wieviel Kilometer und Schritte er in diesen vierzig Jahren von und zur Arbeitsstelle gegangen ist, mögen Leser mit viel Zeit ausrechnen.
Das Fest der silbernen Hochzeit und zugleich das 25. Geschäftsjubiläum feiern am Dienstag die Eheleute Gastwirt Fritz T e i g l e r und Frau Luise, geb. Vogel, An Den Bahnhöfen20.
** Preußisch-Süddeutsche Klassen- Lotterie. Die Lose zur dritten Klasse müssen unter Vorlegung des Vorklassenloses bis zum Mittwoch, 8. gebruar, abends 6 Ußr, eingelöst werden.
** Im Stadttheater hatte gestern an Stelle des erkrankten Frl. Wissen- dorf Frl. Gisela Wanner die Rolle der Malwine im „Schwarzwaldmädel" übernommen, eine Dereilwllligkeit, die um so mehr anzuerkennen ist, als nur eine Probe statt- finden konnte. Die Darstellerin fand bei den Zuhörern starken Deifalll
** ® i e LiterarischeGesellschaflldie gestern abend ihren vierten Dichterabend beran- ftaltcn wollte, mußte unter dem Streik der Eisenbahnbeamten leiden. W. v. Scholz, der Stuttgarter Dichter, konnte nicht kommen. An seiner Stelle hat Dr. v. Faber Balladen gesprochen von Bürger, Schiller, Goethe und Heine. Seine Art zu sprechen ist von der Dante-Feier im vergangenen Jahre in guter Erinnerung. Besonders die grausigen düsteren Stimmungen gelingen ihm. Die schlichten Töne aber gehen häufig in zu schwerer Gewandung einher. Als Dichterabend war es eine glückliche Lösung der Enttäuschung mit W. von Scholz, daß unsere Meisterballaden erklingen durften. Diese altbekannten Worte haben ihre unerschütterlichen Werte. Warum aber hat man sie nur als Lückenbüßer herangeholt? -f-.
” Der Reichsbund für Kriegsbeschädigte-, Hinterbliebene und ehemalige Kriegsteilnehmer hielt am Sams lag seine d.e jährige außerorbenttidje Generalversammlung verbunden mit Vorstands wähl ab. Es wird uns hierüber berichtet: Leider waren von ten 400 Mitgliedern mir 67 erschienen. Rach Beriefen des Protokrlls durch den Schriftührer P. Heß erstattete Kamerad Köhler, Sekretär der Ortsg ruppe Gießen, den Geschäftsbericht. 3n dem verslos er.en Jahr wurden 133 sch islliche Anträge erleb gt, davan 30 Hinterbliebene: 46 Te.ufungen beim Der- fDtgungSamt, davon wurden 14 Proz f e verhandelt, hiervon 6 gowonnem 2 verdaut, 6'cbgctokfen, der Rest schwebt noch. 3n etwa 300 Fällen wurde mündliche Auskunft erteilt. 183 älnterffüf unggge- suche (Kriegsbeschädigte) und 57 für Hinterbliebene bewilligt, 3 Entschließungen an die Stadt Gießen gerichtet zwecks Belle,e'-ung von Holz, Kartoffeln und Darlehen, die vollen Erfolg hatten. Den Kassenbericht erstattete Kamerad Ranz. Das Rechnungsiahr schloß ab mit einer Einnahme von 62 000 Mk. Aus dem Fest (Volksfest Os- waldkgarten) wurde die Einnhme von 4? C0) Mart ei zull. An Au. gaben für Gau-, Dund.es- leitung, Unter bewirt, Ortsgruppe and tUntcr- stühungen sind 56 000 Mk. entstanden. Unter Punkt 4 gingen verschiedene Anträge em, die er- le itzt wurden. Ein A trän auf Entlastung des Vorstandes wurde gegen 1 Stimme a: genomm n. Man schri t dann zur Vorstand.'Wahl. Da d e Vereinigung mit dem Einheit verband bevorsteht, wurde der Vorstand öarmb.bert. Als 1. Vorsitzender wurde Kamerad I a n z mit 3D gegen 25 Stimmen gewählt: 1. Sch if!f Ihrer K merad Heß und als 1. Kassierer Ranz einstimmig w.cd.rg w hlt. B is he K m? atz Walldorf, Schua)avdt und Luh, 2 Hinterbliebene, Frau 2a u n und Frau R i ck. K'sfenrevi'oren: Kamerad P f e f f e r und Schneider: Ge chäftsführer Kamerad Köhler. Unter Verschiedenes lag nichts Wichtiges vor, so daß Kamerad I a n z jmn 1 ülhr die Sitzung schloß. Der seitherige erste Voi sitzende, Äameiab Burkhardt, mußte sein Amt aus geschäftlichen Gründen Niederlagen, da er nach Ridda verzieht. 3hm fei für feine Opfer- Willigkeit nochmals gebanft, ebenso allen Gießener Spendern, die zur Bescherung dec Kinder bei der Weihnachtsfeier beigetragen haben.
△ Eine große allgemeine Kaninchen-Ausstellung fand gestern in der Turn
halle des Gymnasiums statt. Es war dies die erst» Veranstaltung des Germania-Silber- Klubs für Oberhefsen und angrenzende Gebiete. Die Ausstellung kann in allen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden. Man konnte wahre Prachtexemplare aller Kaninchencassen sehen. Die Bewertung dec Tiere lag in den Händen des Preisrichters M. Schmall-Gießen. Zahlreiche Ehrenpreise und Geldpreise waren gestiftet, z. D. von den Vereinen Gießen, Schotten, Launsbach, Heuchelheim, Dorlar, Kinzenbach und vpm Kreis- vecband Wetzlar. Aus dem Ergebnis der Preisverteilung heben wir folgendes hervor: Sieger- Ehrenpreise: H. Schne i de r-Dorlar (Französische Widder), P h. Schäfer-Gießen, Schmidt-Kinzenbach (2) (Groß-Silber), 5t. Weimer- Gießen, I. D e ch e r t - Aklen-Buseck, K Horst- Gießen. K. Philipp- Steinberg- (Klein-Silber), Otto Pfaff- Launsbach (Blaue Wiener), H. S ch n e i d e r - Gießen ^(Holländer), H. Matern- Dorlar und K. P h i ft p p-Stein- berg (Hermelin). Ferner erhielten Preise: I. Deutsche Riefenschecken: L. Keil- Klein-Linden, Feuerstein -Gießen und W. W a l d s ch m i d t - Heuchelheim: 11. Weiße Riesen: G. S ch e 11 h aa s - Gießen (2); III. Groß-Silber: Ehrenpreise B. Arnold- Heuchelheim (2), H Kreuter - Gießen (2); IV. Klein-Silber: Ehrenpreis K Dietz- Dorlar, F. Hofmann -Heuchelheim, L. Vieh- m a n n-Kinzenbach, K W e i m e r - Gießen: V. Blaue Wiener: Ehrenpreis Häußner- Gießen: VI. Weiße Wiener: 1. und 2. Preis Hans George-Großen-Linden: VII. Havanna, Ehrenpreis K Stork- Launsbach: VIII. Hasenkaninchen: 1. Preis R. Wen- zel-Heuchelheim, K Schoch-Gießen: IX.Mar» Bürger Feh: Zwei 1. Preise L. K e i l-Klein- Linden: X. Schwarz- und Blau-Loh. Ehrenpreise PH. 3immermann = Oioßen^ Linden, H. Rainstädter- Dorlar, K. H o ck - Klein-Linden (2); XL Holländer: Ehrenpreis Deuker- Rodheim: XII. Hermelin: Ehrenpreis H. Mattern -Dorlar: XH1. Jungtier« klasse: Ehrenpreis K List-Gießen: XIV. @r- Zeugnisse: für Pelze und Schuhe aus Kanin zwei erste Preise Wilhelm Schultheiß-Lollar.
Vornotizen.
** Tageskalender für Montag: Stadttheater, 7 älßr: Gastspiel des Petz-Kainer- Dallctts. — 8 ilßr abends: Monatsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr bei Kamerad Schmid. — Aftoria-Lichtspiele: »Die fremde Frau" und »Goliath Armstrong", 6. Teill — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Dergkahe" und „Der Dagno- fträfling".
— Die Liga zum Schutze der deutschen Kultus veranstaltet morgen im (Safe Leib einen öffentlichen Lichtblldervvrtrag. Reg.-Rat Dr. v. Papen spricht über die Fremdenlegion.
— „Gefährdete Jugend". Der für heute abend angekündigte Vortrag über ,Dll gefährdete Jugend", veranstallet von den Gießener Frauenvereinen, muß wegen des Eisenbahnerstreikes ausfallen.
Wettervoraussage
für Dienstag:
Wollig, leichte Schneefälle, Frost, nörblidje Winde.
Es ist noch keine wesentliche 2fenberung in der Wetterlage eingetreten, so daß das Frost- Wetter anhalten wird.
Die Temperatur sank in der heutigen Rach unter den Aullpunkt: 3n Gießen auf 18 Gcad, Lauterbach 23 Grad und Darmstadt 15 Grad C.
Landkreis Gictzen.
* Grünberg, 4. Febr. Im Schweiß- raum der Amendschen Werkstatt ereignete sich, dem „Gründ. Anz." zufolge, gestern gegen 11 Ahr ein Explosionsunglück. Durch einen kleinen Schaden war dem Schweißappa^ rat Acetylengas entströmt, hatte sich aus-- gebreitet und schließlich am Schmiedefeuer entzündet. Im Augenblick war der Raum in Flammen gehüllt, der am Apparat beschäftigte Besitzer zu Boden geschleudert und das Glasdach hinausgedrückt. Ein im gleichen Raum befindlicher Arbeiter trug Brandwunden am Kopfe davon, während Herr Amend außerdem durch den Sturz am Kopfe verwundet wurde. Die .herabprasselnden Glasscherben richteten glücklicherweise nur Kleiderschaden an. Bei der Gewalt der Explosion ist eö überhaupt nur einem glücklichen Zufall zu danken, daß kein größeres ülnhell angerichtet wurde.
Kreis Büdingen.
b Aus dem oberen Ridde rtal, 4. Febr. Mit dem Brennen des elektrischen Lichts scheint es tn diesem Winter nichts mehr zu werden. Rxtz längst nicht alle Häuser sind
„Riel. Rie! Rie!" Sie stöhnte auf. .Er feil sich nicht zwingen. Er würde sich zwingen, <irtx das ertrug ich nicht!"
Wenige Tage später war es. am 7. März. Da kam der Graf schon in der Morgenstunde in das Haus der Mutter gestürzt. „Das Unglaubliche ist wahr geworden. Rapoleon ist aus Elba entflohen," rief ec in höchster Erregung. ,Heit' nacht ist die Rach richt cingetroffen. Ich maß gegen Absud mit Depeschen zur Armee!"
S:e hat ihre Arme zärttich um die beiden Schultern des Sohnes gehegt. „Der Unfeltgei Reuen Krieg wird er über Europa herauf» beschworen!"
^Pah, Mama, man wird ihn halt gefangen nehmen, sobald er das Festland betritt. Ich zweifle nicht daran. Aber das ist mir gleichgültig — Luise will ich sehen und sprechen!"
„3ch erwartete nichts anderes. Gestern abend ist übrigens die Mutter elngetroffen — sie ist bei ihr. Ganz gefaßt.“
„Mama, es alt!"
„So warte hier — und erschrick nicht allzusehr."
Sie hatten so oft und so viel über Luise und ihr Aussehen und all die Furcht und Sorge gesprochen, daß er hätte ruhig bleiben sollen. Aber nun, unmittelbar b?r dem Wiederfchauen überfiel ihn eine heczbstlemmerde Angst. Wohl war er seiner selbst sicher. Doch, wähcenb er, von ün- .'Uhe gepeitscht, im Zimmer auf und ab schritt kam immer wieder die Frage: „Wie wird bte liebe 2lrmc, Aermste au Zsehen? 3ft wirk ich all
hender Jugendfrische — das Gesicht — dies geliebte Gesicht —
Die gute, gütige Mama stand in der £ür. „Komm!" sagte sie leise, ülnd wie er sich wandte, legte sie noch einmal die Arme um seine Schulter: »Cs wird ihr so schwer, Franz . . ."
Luise sitzt in einem tiefen Lehnstuhl, neben ihr stand ihre Mutter, lieber die verletzte Ge» sichtshälste httten mitleib ge Hän^e eine Schleier- Hülle gezogen. Hoch oben im Haar war sie mit einer Agraffe der Gräfin festgcsteckt, unten am Halse verlief sie in einem Spitzenluch.
Sie faß tiefgebeugt. Als dec Geliebte eintrat, schreckte sie auf, hob die Arme ihm entgegen, ließ sie gleich wieder sinken. Wie hoffnungslos, mit einem leisen, zitternden Wehlaut.
Er stürzte ihr zu Füßen, riß ihre Hände an sich, bedeckte sie mit h.ijen Küssen. Richtete 'ich auf, streichelte sanft ihre linke Wange, strich ihr über das schöne Haar. Sagte dann, leise und zärtlich: „Meine liebe, liebe Luise! Wie mußt du gelitten haben . . Und noch einmal: ,Da
liebe, liebe Luise!"
Wieder war sie in sich zusarnmenges unken, duldete seine Zärtlichkett, aber erwiderte fein Wort, lehnte den Kopf matt an einen der beiden eeltcnj gel des ttef .n S uhls.
Es war, als kämpfe sie einen schweren tm ncren Kampf.
Bis sie plötzliche jach rief: „5X1 soll stdich nicht tärfchen. Ich wlll dich nicht täuschen. Da mußt es sehen!"
ülnd sie riß den mitleidsvollen Schleier her- ab —
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36 Desiyern jedoch ^eute €le haben 31 des alten D tyungen eil tyten 3'tiieru wirb das Seid (3. Februar» i Aiüeilberechtigl hch verlost: d gen Diesen, f aus dem Lat lcüher um 10 um 2 Uhr. 1] Kaffee mit ( Eierte ßanbö ^ultheih der 1 « i[i leit 50 Z ßolmfer ’ M^ihen ein ft-!obann W, baß s
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ihre Schönheit hin, zerstört? Zerstört in einem Er taumelte zurück. Trotz aller Vorderei» grausamen Augenb ick!" Ec sah ie wieder vor tung, trotz aller Selbstbeherrschung stöhnte er sich, Prangend Im dusttgen Ta rzlleitze mit dem 1 schwer aus.
entblößten schneeigen Halse: das Gesicht tn blü-l ^Fvrrsetzung folgt.)
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