Ausgabe 
5.12.1922
 
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Deutscher Reichstag.

275. ©ißung. 2 HHr.

Berlin. 4. Dez. 1922.

-StaÄ Suu8 erledigt zunächst eine 'Itex'ge. kleiner Borlagen durch Hefevtoeifung an dir zuständigen Ausschüsse und nimmt den sechsten Aachtvagsetat zum AeichShaushalt über die Er­höhung der Beamtengehälter in allen drei Lesungen an.

Sodann wird die Beratung der neuen Geschäftsordnung des Reichstages beim Paragraphen 87 über die Teschränku ig ,tec Redezeit auf SA Stunden fortgesetzt. Die Demokraten und die Bvlkspartei beantragen eine weitere Herabsetzung auf 1/2 Stunde, die Kommu­nisten dagegen unbegrenzte Redezeit.

2Tbg. Geher (60z.) tritt für einftxLibige R^>ezeit ein, Abg. Schmidt - Sachten (Soz.) da­gegen gemüf; den Ausschustbeschlüssen für eine A Künftige Redezeit. Die Abstimmung wird zu­ruckgestellt.

Die Paragraphen 91 und 92 geben dem Prä­sidenten die Ermächtigung, Abgeordnete, welche die Ordnung 'gröblich verletzen, aus einer Sitzung auszuschliehen. Fügt sich der ausgeschlossene Ab­geordnete den Anordnungen des Präsidenten nicht, so kann der Ausschluß auf acht und bei 'ariedebholter Weigerung auf 20 Sitzungstage aus­gedehnt werden.

Abg. Eichhorn sKomrn.) sieht in diesen Bestimmungen eine Versassungsverlehung und fordert Streichung der beiden Paragraphen.

Abg. Karl (D. Vpt) ist gegen jede Milde­rung oder Aufhebung dieser Ordnungsbestim­mungen. Reichstag und Präsident mühten gegen Terror und Unarten einzelner Mitglieder geschützt werden. In anderen Ländern, auch in England, seien weit schärfere Mahregeln gegen Orbnunge­höret zulässig Selbst der verstorbene Sozialisten - führer Paul Singer habe erklärt, dah er für eine Erweiterung der Rechte des Parlaments gern eine verschärfte Geschäftsordnung in den Kauf nehme. Der Redner hält auch die Forderung der Abgeord­neten Pfeiffer (3.) und Braun (S.), für den Fall, dah ein gemaßregelter Abgeordneter sich zu Be- ainn der nächsten Sitzung entschuldigt, eine Mil­derung der Ausschlu-p. esiimmungen eintreten zu lassen, für nicht angebracht.

Abg. Hol lein (5t) protestiert gegen den Versuch- mit solchen Haustnechtsparagraphen die Opposition gegen doZ in der Reparationsnote auf das Proletariat verübte Attentat zu unterdrücken. Aber seine Partei werde sich auch in Zukunft durch nichts hindern lassen, in dieser Schwahbude von Reichstag in ihrer Art für das Proletariat zu lämpsen.

Aachdem Abg. Kopsch sich nochmals gegen die Milderungsan träge gewandt hat, wird die Ab­stimmung über diese Punkte ebenfalls vertagt, ebenso diejenige über einen Antrag Kahl (D. Bpt.). welcher fordert, dah bei Beschlüssen, welche eine Verfassungsänderung betreffen, der Präsident regelmäßig festzustellen hat, dah bei dem Beschluß Zweidrittel der QKitgneber des Hauses gestimmt haben und dah der Beschluh mit Zweidrittelmehr­heit zustande gekommen ist.

.In der Abstimnumg wird schliehlich die Be­schränkung der Redezeit gemäß einem so­zialdemokratischen Dermittlungsvorschlag a u f eine Stunde festgesetzt. Die Ordnungs­bestimmungen der Paragraphen 91 und 92 werden in ter Ausschuhfassung angenommen unter 21b- leMung sämtlicher Milderungsvorschläge. An­genommen totrb ferner der Antrag Kahl wegen ausdrücklicher Feststellung der Zweidrit­telmehrheit zum Paragraphen 93. Auf Vor­schlag des Präsidenten soll eine zweite Lesung der Geschäftsordnung stattfinden.

Hm 3, >6 Hhr vertagt sich das Haus auf morgen nachmittag 2 Uhr. (7. Aachtragsetat und Ruhe­gehalt des Reichspräsidenten.)

Aus dem besetzten Gebiet.

fpd. Wiesbaden, 4. Dez. Der poli­tische Dezernent bei der hiesigen Regierung, Assessor Dr. Prange, der erst vor einigen Wochen von den Franzosen verhaftet wor­den war, dann aber wieder freigelassen wurde, ist am SamStag nachmittag abermals feft- genommen worden. Heber die Beweggründe, die zu der erneuten Verhaftung geführt ha­ben, verlautet nichts Bestimmtes.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. Dezember 1922.

Schutz vor Frostschäden.

Bon führender Hausbesiherseite wird uns geschrieben:

3m vorigen Winter 'hat der Frost in Ge­bäuden in Gießen einen Schaden von über 250 000 Mark verursacht. Wenn sich diese Schäden in diesem Winter im gleichen Mähe wieder­holen, würde sich bei den jetzigen Preisen eine Schadenssumme vom me'frr als ,10 Mill. Mark ergeben. Diese Zahlen sollten jeden Wohnungs- Inhaber zur doppel teil Vorsicht mahnen.

Hm sich vor Schaden schützest, sind nach- stehende Ver^lltungsma siegeln zu beachten. Bei eintretenöem Frostwetter sind sofort alle Fenster in den Räumen zu schließen, in denen sich Wasserleitungsrohre befinkea. Weiter hat der Wohnungsinhaber, in dessen Kel.ec sich bie Ab- stellvorrichtung wib der EntleerungsHahn befin­den, die Abstellung des Wassers und die (Snt- leerung der Steigrohre zu besorgen. Zur voll­ständigen Entleerung der Ro , e ist erforderlich, daß in irgendeinem Stocklverk das Zapfventil leicht auf geb reibt wird, da sich r?ur hierdurch eine vollständige Entleerung der Rohre bis in den Keller ermöglichen läßt. Bei flaifem Frost ist das Wasser nur sdundenweise aufzu Zellen und nachher gleich wieder zu entleeren. Werden btefe VorsichtÖmaßnahmen von dem zur 'Abstellung dos Wassers Verpflichteten befolgt, dann kann ihn keine Schadenersatzpflicht treffen, da die übrigen Bewohner für ihren Teil, als zur Woh­nung ge'horig^ selbst haftbar sind.

Jeder Woh^'Ungsinhabar muß besorgt s in, daß der Spülkasten das Klosetts vollständig ent­leert wird. Bei ftarfer Kälte muß, um das Einfrieren der Klosettschüs'el zu verhüten, jeden Abend starkes Salzwasser in die Schussel ge­schüttet werden, evtl, muh mah auch eine alte wollene Decke, oder ein altes Kleidungsstück üb->r die Schüssel hängen. Bei sehr kalt gelagerten Klosetts, die beispielsweise ouhe^hakb bet ge­schlossenen Wo'h-nung liegen ist le andere Vor­sicht am Platze. Hier muß bei starkem Frost das Wasser vpllständig abgest-M, oder nur auf einige (Shinften in Betrieb bleiben; das Salz­wasser und das Zühängen der Schüssel darr nie außer Acht gelassen werden. Wer aber ganz sicher gehen will, sehe einen Holzkasten um die Schüssel und fülle den Hohllxmm mit Säge- späncn aus.

Der Glaube mancher Wohnungsinhaber, lediglich der Hausbesitzer sei der Grsahpslicht.ge, ist irrig. Jeder ist für das ihm anvertraute Gut haftbar und ist verpflichtet, dieses vor der Zerstörung zu schützen, gerade so gut, wie jeder­mann seine eigener Sachen vor der Zerstörung zu schützen sucht. Deshalb der Mahnruf an alle: Schuh gegen Frostschaden!

Zur Aufklärung über ftc Hobe der heutigen Tagespreise für die bei Frostschäden beso.iders in Betracht kommenden Mn richtungsgeo,erstände diene folgende Auszählung: 1 Klosettschüsfel kostet 12 000 Mk. J Spülkasten kost« KOO Mk., 1 Metw Wasserleitungsrobr kostet 2000 Mk., 1 Zapfventll tostet 1200 Mk. Hierzu kommen dann noch die nicht unwesentlichen Arbeitslöhne. Diese Zahlen dürsten wähl mehr als Worte zur Vorsicht mahnen.

Neuer Milchpreis.

Mit Wirkung von heute. 5. Dezember, ab tritt ein neuer M i lchp reis In Kraft. Da­nach kostet jetzt das Liter 140Mark. Näheres ist aus der amtlichen Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil ersichtlich.

Die Erhebung einer 5. Schnlgeldrate in Höhe einer BlerteljahrSzahlung ist jetzt vom Landesamt für das BilftungS- wesen den Direktionen der höheren Lehranstal­ten und den Kuratorien der Höheren Mäd­chenschulen und Höheren Bürgerschulen zur Pflicht gemacht worden. Die Einziehung die­ser Rate kann zusammen mit der Erhebung der Nachzahlungen auf Grund der endgültigen Schulgeldfestsehung erfolgen.

L.H. Bon der Landesuniversi- t ä t. Der neuernannte Lektor für Spanisch, Dr. Ruppert h Hjaravi, wird in dieser Woche seine Hebungen aufnehmen. Diese sind unentgeltlich und auch Nichtstudierenden zu­gänglich. Dr. Phil. E. R e u n i n g, Assi­stent am Mineralpetrographischen Institut, der sich für das Fach der Mineralogie zu habi­litieren wünscht, wird morgen, Mittwoch nach­

mittag 6 Hhr, im Hörsaal des Minerawglfcy- pettographischen Institutes seine öffentliche Probevorlesung überDie Konzentration der Schwermetalle und seltenen Elemente in den leichtflüssigen Bestandteilen des Magmas und ihre lagerftättenkundliche Bedeutung- Halten. t _

* Die Denkmalpflege. Du ch Ent­schließung des Lande, amis für teS Dlldungsweien ist das durch den Tod des Professors Dr. Atthes erledigte Amt des D.nkmalfflezers für dis Ai er- tümer sowie des Vorstands des Denkmalarchivs mit Wirkung vorn 1. Dezember ab wie folgt besetzt worden: 1/ Durch nebenamtliche Hebertragung der Amtlobliegenheiten des Denkmalpflegers für die Altertümer in den Provinzen R b e in­dessen und Starkenburg an das Römisch- Germanische Zentralmufeum in Mainz, 2. durch nebenamtliche Bestellung des Studienrats Pro­fessor Dr. Helmke zu Gieße.» zum Denk­malpfleger für die Altertümer in der Provinz Oberhessen, 3. durch nebenamt­liche Bestellung des Kustos am Landesmuseum Dr. ' Feigel zu Darmstadt zum Vorstand des Denkmalarchivs.

** Regierungsbauten in Ob ?r- Hessen. In Regierungsvorlagen an den Land­tag werden, für den Neubau von Dienst- und Wohngebäuden für die Vermessungsämter Gießen, Grünberg und Lauterbach 20 Millionen Mark zur Materialbeschaffung an- gefolgert. Zur Begründung wird angeführt: Da­bei stellt die Stadt Lauterbach Dau ü ah und Bausteine aus cigei-em Bruch zu Selbstkosten- preisen zur Verfügung, und auch die von den Städten Grünberg und Lauterbach zugefagten Hnterftütjungea find ganz erheblich Nur h erdarch ist es möglich, die vorgesehenen Neubauten für den veranschlagten Betrag von 31 150 000 Mark auszuführen. Von der Stadt Grünberg wer­den neben dem Bauplatz beispielsweise 100 Fest- meter Nutzholz yur Verfügung gestellt die allein einen Wert von vier Millionen Mark darftellen. In Grünberg sind die Amtsräume völlig un­genügend. Dort steht dem Vermessungsamt als Dienst raum nur ein Ehemaliger Bäckerladen zur Verfügung. Das Vermessungspersonal hat keine geeigneten Arleitsplätze und die Akten können nicht sachgemäß aufbewahrt werden. Die in dor­tiger Gegend uu3§ufü'ören6en vielfachen Kataster- vrrmessungsarbeiten müssen von Gießen aus er­ledigt werden, was um so verteuernder wirkt, je mehr die Feldlersinigungen und mit ihnen die Katasteiwermessungen nach dem Vogelsberg zu fortschreiton.

** Schülerferienkarten für die Weihnachtsferien. Studierende erhal­ten Sck.ülerferienkarten außer zum Beginn und zum Schluß der Semester nunmehr auch zu den Weihnachtsferien.

"DasGewerbeblattfürHessen hat sein Erscheinen eingestellt. Die Nummer vorn letzten Mittwoch bringt an der Spitze folgende Notiz: Wegen mangelnder Mittel ist ein weiteres Er­scheinen des Gewerbeblattes nicht zu erwarten." Das Gewerbeblatt, die Zeitschrift des hessischen Landesgewerbevereins, das Amtsblatt der Zen­trale für die Gewerbe und der Handelskammer zu Darmstadt, diente 85 Jahre hindurch den Inter­essen des Gewerbestandes.

* * Oberhes-sischer Kun st verein. Die Ausstellung ist morgen, Mittwoch, außer von 111 Hhr mittags auch am Nachmittag von 35 Hhr geöffnet. Donnerstag und Frei­tag bleibt die Ausstellung wegen teilweiser Aenderung geschlossen. Es kommt u. a. eine Kollektion Aquarelle von PrvfessorP.Woltze- Weimar zur Ausstellung.

** Anlagcnmusik findet morgen, Mitt­woch mittags 12 Hhr, am Liebig-Denkmal durch die Kapelle des 1. (Hessischen) Bataillons des 15. Infanterie-Regiments nur bei günstiger Wit­terung statt. Die Musikfolge ist: 1. Barataria- Maisch nach Motiven der OperetteDie Gon­doliere", A. Sulliwan: 2. Vorspiel zur Märchen­operHänsel und Gretel", E. Humperdinck: 3. Ouvertüre zur OperDer König von Vvetot" A. Adam: 4. 'Walzer aus Gounvds OperFaust" (Margarethe), Frz. v. Liszt, 5. Marsch a. d. Oper Garmen", G. Diset.

** D i e Iugendgruppe der Deut- s ch e n Volkspartei hat seit einigen Wochen Arbeitsabende im Gewerbehaus in der Kirche strafte eingerichtet, an denen für die bedürftigen Kinder der Stadt Gießen Weihnachtsgeschenke angefertigt werden. Aus Kisten und Kasten, Keller und Voden werden Abfälle der verschie­densten Materialien mitgebracht, aus denen in interessanten und abwechslungsreichen Arbeits­stunden ansehnliche Spielzeuge und Gebrauchs­

Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.

53. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sie sollen," nahm der Präsident das Wort, Ihr kaufmännisches Hrteil über die Führung der Ziegeleien abgeben, die Sie früher geleitet haben. Damals schien es doch zu gehen, ohne daß man unaufhörlich Geld hiaeinsteckte, und es wurden jedes Frühjahr Prozente gezahlt, wenn auch niedrige. Wie kommt denn das?"

Damals und heute, das kann man gar nicht vergleiche, Herr Präsident. Damals waren die Löhne halb so hoch und die Arbeiter in Eppen­hausen waren auch ohne elektrisches Licht und Vadewanven selig. Die Lebensmittel waren billiger

Nur die Ziegel nicht," warf der Staats­anwalt ein.

Die Eppenhaufener Ziegelei stand von jeher mit ihren Preisen konkurrenzlos da."

WlnterichZ Kops wurde bunfelrot. Er haßte die Durren samt und sonders, daß sich aber ein Staatsanwalt Geschäftskenntnisse anmahen wollte, das ging ihm doch über die Hutschnur. Er wür­digte den smarten Herrn gar keiner Antwort, son­dern fuhr gegen die Richter gewandt hustend und dellend fort:Die hohen Preise haben die Ziegelei schließlich ruiniert. Hnd das war es, was ich voraussah und weshalb ich mein Amt nieterlegte. Ich habe oft genug Herrn von Herwegh gewarnt, aber er hat nicht hören wollen.

Del uns haben nur die Arbeiter etwas ver­dient. Aber sonst hat jeder, der nur an Eppen- fcdufen roch, Geld verloren.' Herwegh hatte sicher im besten Glauben an die Fabrik das Geld seiner Klienten hineingesteckt, und er, Winterlch. behaupte heute noch, trotz der Gegenmeinungen, daß dieses Geld nicht verloren fei, sondern daß man erst einmal die neue Anlage in Schwung

bringen müsse, dann würde alles noch gut wer­den, und die Leute bekämen Ihr Geld zurück. Damit setzte sich Herr Winterich, und andere Zeu­gen traten auf.

Herbert entging kein Wort, keine Bewegung, kein Vorgang, und er behielt dabei seinen Bruder im Auge, ter sich im Gegensatz zu dem unruhigen Kommen und Gehen im Saal, dem Rascheln, Fußscharren, Verbeugen unb Sehen, Ausstehen und Reden ter anderen unbeweglich verhielt. Auf sein feines, ruhevolles Profil, das einer Statue anzugehören schien, siel das Licht und lieh es hell wie Marmor leuchten, und die Sonne wob um fein blondes Haar eine flimmernde Aureole. Wahrscheinlich bereitete er feine Rete vor.

Diese Rete, auf die die ganze Mainzer Straße wartete! Nur ruhig Blut, Emst! dachte Herbert. Wenn nur die entsetzliche Hitze nicht gewesen wäre im Saal. Herbert machte sich etwas Luft, indem er die kleine Frau mit dem wippen­den Feder Hut vor ihm nach ter Heizung drückte, woraus sich diese zurückwandte und den schwiven- ten Bademeister neben ihm beschuldigte, er habe sie gestoben.

Der schnaubte los:Was, ich Sie geftoben? Da Horts doch uff! Den ganzen Morgen hab' ich mich noch nicht gerührt, weil man sich einfch nicht rühren kann. Haben Sie Worte?" wandte er sich an Herbert.

Sie band erregt ihren Kapotth-ut fest.Neh- mben Sie sich gefälligst in acht, Sie stoßen einem ja den Hut vom Kopf."

Dann nehmen Sie Ihren Deckel doch ab," sagte der Lümmel,ich hab' ja meinen auch in der Hand." Darüber tourte die kleine Frau fuchs­teufelswild, wie alle Frauenzimmer, wenn man an ihre Hüte rührte, und er überhörte die Ein­führung Ser nächsten Zeugin

Es war die blonde KapitänleutnantSwitwe, die schöne Edeltraud Die lajrnte er ganz genau. Er hatte mehr als einen Brief von ihr vom Hauptpostamt abgeholl unter »Nixe 102". -3a-

wohl . . . Grüne Augen unb immer in Trauer und seidenen Strümpfen.

Der junge Erler hatte sie einst heiß verehrt, und nach ihm Lutz. Aber sie waren nicht die einzigen gewesen. Der Ruf der Dame hatte ziem­lich gelitten. Seitdem befand sie sich meist außer­halb. Sie sprach so leise, daß die Richter an­gestrengt lauschten, die Rumpf hielt sich die Hör- trompete ans Ohr und die schwarzen Augen Kollins begannen zu glitzern. Die schöne Witwe hatte offenbar kein Interesse daran, ihre internen Angelegenheiten der ganzen Stadt bekarmtzu- machen. Sie erklärte sich für befriedigt, wenn man Ihr Geld, das in Ziegclciaktien angelegt war, herauszog, aber es eilte ihr nicht damit.

Sie ift bei Kasse, dachte Herbert.

Denn zu solchen Papieren, die man auf keinem Kurszettel fand, hatte sie kein Zutrauen.

Es wurde ihr erklärt, daß das mit allen Aktien, die frei gehantelt würden, der Fall sei, und die Witwe senkte den Kopf. Das war kein Gebiet, das sie beherrschte . . .

Es wäre mir allerdings lieber, wenn ich vorher noch einmal mit Herrn von Herwegh dar­über sprechen könnte," fügte sie unsicher hinzu, mit einem sanften Blick nach dein Angeklagten.Ich habe Immer 'Vertrauen zu ihm gehabt. Gr hat mich sonst stets gut beraten . . ."

Sonst hatte sie nichts BeMstentes auszusagen und schritt erleichtert auf ihren Platz zurück, um einem Postbeamten Platz zu machen Dieser war ft elfer: und schilderte unter vernehmlichem Räuspern sein ausgezeichnetes Verhältnis zu dem Herrn RechtSanwall und daß er persönlich nur das Beste über ihn sagen könne.

Sie beklagten sich damals, daß Ihnen der Angeklagte versprochen habe," unterbrach ihn ter Richter,die ErbschastSsumme Ihrer Fvau sicher anzulegen, und sie bann in Eppenhaufener Aktien gesteckt hat. Waren Sie denn damit einverstan­den, daß Ihr Geld überhaupt in Industriepapie­ren angelegt wurde?"

gegenstände hergestellt werten. Dieses schöne Bei­spiel tatfroher Fürsorge ter Jugend sei zur Nachahmung empfohlen.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag Stadttheater, 7 Hhr:Wallensteins Lager" und Die Piccolomini". Astoria-Lichtspiele:Die Nacht ter tausend Seelen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das Weib des Pharao".

Gießener Hausfrauen-Verein. Morgen, Mittwoch, nachmittags 4 Hhr, finden im Saale des Hotel Schütz praktische Back- und Koch-Dorführungen mit Hefe statt. Veranstalter ter Vorführungen ist der Hefeverband. Die Dack- und Kochproben werten in einem Grudeherd zu- bereitet, den die Firma Emil Pister Rachf. zur Verfügung gestellt hat. (Siehe Anzeige.)

- I n der Vortrags-Vereinigung wird am Donnerstag Odwmrat Professor Dr Schmid-Burgk aus Aachen einen Vortrag halten über: Alt-RümbergsVlütetage. Der Vortragende wird sein an und für s-lch schon fesselndes T'henra an Hand von zahlreichen far­bigen Lichtbildern noch besonders anschaulich machen. (Sieche heutige Airzeige.)

Kreis Büdingen.

nb. Nidda, 2. Dez. Gestern waren 25 Iahre verflossen, seitdem Sparkafsenrech:rer L Ringshausen hier sein Rechreramt beEIeb tet. Dem Iubilar tourten vom Vorstand der Kasse und aus allen Schichten der hiesigen Ein toohnerschaft und Yon vielen Detovhnern des Sparkassenbezirks die herzlichsten Glückwünsche übermittelt. Einer feiner Freunde in Frankfurt, ein geborener Nidoaer, übersandte ihm 10 000 . Mark, die Herr Ringshausen zur Hälfte für die neuen Glocken und zur Hälfte für den Fonds teS Kriegerdenkmals bestimmte.

Starkenburg und Rheinhessen.

* Darin stadt, 3. Dez. Ein g roßet Silberdieb st ahl wurde hier verübt. Die Diebe entwendeten: 2 Brotkörbchen, oval, glatt, am Rand leicht verziert; 2 Konfektkörb­chen, oval, tief, am Rand ourchbrochen; 1 Gar- diniere, oval, ohne Boden, ganz durchbrochen; 8 Salzfähchen, oval, ohne Boden, ganz zise­liert; 3 Tabletts; 2 Milchkännchen; 1 Zucker­dose; 24 Mokkalöffel; 12 Eislöffel; 12 Obst­messer; 12 Obstgabeln; 29 Kaffeelöffel; 28 große Messer; 12 Obstmesser mit Perlmutt­griffen; 28 große Gabeln; 22 kleine Gabeln; 22 kleine Messer; 41 große Löffel; 6 Fischga­beln; 6 Fischmesser urtf) verschiedene andere Bestecke; 1 Zigarettenetui. Ferner 1 grünlich- blaue Tischdecke, innen gelb gefüttert, und eine braune Rindsledec-Aktenmappe. Fast alle Ge­genstände sind StilLouis XV. und S. T. verschlungen gezeichnet. Auf die Wiederbe- schaffung der Gegenstände ist eine Belohnung von 250 000 Mark ausgesetzt worden.

Hesien-Rassau.

fpd. Frankfurt a. M^ 4. Dez. Die Gasgesellschaft ist an den Magistrat mit dem Ersuchen um Erhöhung teS Preises für ba<= Leuchtg aS von 85 auf 1 53Mark pro Ku­bikmeter herangetreten. Die Kriminal^ Polizei hatte sich im Monat November mit 3001 Fällen zu befassen, und zwar dreimal wegen Mordes, viermal wegen Tvt- schlagsversuches, zehnmal wegen Raubes; fer­ner in folgenden Fällen: 457 einfache Dieb­stähle, 301 Einbruchsdiebstähle, 914 kleinere EigentumSvergehrn, 164 Betrügereien, 145 Hnterschlagungen, 80 Sittlichkeitsverbrechen, 295 Wucherfälle, 201 Schleichhandelsfülle, 52 Nahrungsmittelfälschungen. Insgesamt wur­den 772Personen fest genommen, dar­unter 50 steckbrieflich Gesuchte. Die von der Stadtverordneten - Versammlung eingesetzte Kommission zur Auffindung eines geeigneten Platzes für den NamenPlatz der Republik" hat sich nunmehr für die Hmbenennung des HohenzollernplatzeS inRe- publikplatz entschieden. Der Magistrat hat sich diesem Vorschlag angeschlossen.

*Frankfurta. M., 2. Dez. Im Gebiet der Frankfurter Messe st a d t wird zur Zeit ein besonderer Güterbahnhof errich-

Heutiger Stand des Dollars

10 Hhr vormittags:

Berlin 8150, Frankfurt a. HL 8250.

»Doch, im allgemeinen wohl, denn die machten schöne Zinsen," erwiderte ter Postbeamte,und bie hat er mir auch immer pünktlich ausbezahlt. Als ich einmal in Verlegenheit war, hat er sie mir schon am fünfzehnten gegeben und mir dafür nichts berechnet. Hnd es ist nicht wahr, dah ich je gesagt haben soll, er wäre ein Betrüger."

Es steht aber In den Vernehmungsakten" Der Richter schlug eine Seite auf.Sie heißen Erkelenz. Hier . . . Sie haben damals das Ge­richt beschuldigt, es zögere viel zu lange mit der Verurteilung Herweghs.Man wird diesen Schurken sicher noch entweichen lassen. QUit den Reichen macht man Hmftänte, mit uns keine. In einem demokratischen Staat hätten sie Herwegh schon längst eingelocht und so weiter."

Im Publikum entstand Hnruhe.

Herr Präsident, wenn ich das gesagt haben soll, so ist das in der ersten Hitze geschehen!" sagte ter Veamte sichtlich terlegen,und ich nehme es hiermit zurück. Ich hatte damals nur Angst um mein Geld."

Hnd Hie glauben jetzt, daß Sie es wieder- bekommen?"

I<r, das glaube ich. denn der Herr Herwegh ist ein Ehrenmann. Der hat noch fernen sitzen lassen. Ich glaube, daß er es schaffen wird, sobald er erst einmal die Arme frei hat Aber wenn man ihn mitten aus seiner Arbeit hevausholt und ihn ins Gefängnis schafft, und fremde Leute sich über die Geldfchränke hermachen"

ES sind vom Gericht bestellte Beamte," ver­wies ihn der Richter,und es steht Ihnen nicht an, das Gericht anzugreifen. Sie sollen nur aus- fagen, wonach Sie gefragt sind."

Aber man läßt mich ja nicht aussprechen." wandte sich ter Mann erregt an das Publikum, man hat auch die Damen vorhin nicht ausreden lassen."

(Fortsetzung folgt)

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Schlicht»»^

Jerhandß Mit den Dcw S ba Dau lammen^*

Lohnerhöhung für bart S«r Durchft trug hiernach 6Z°

Vabenau pahA an. Der Fort chn Arbeiter von sam erhvhung für die f fordern. §er Schl Schiedsfpmch eme Mir auf /ede^chi tont 16. 30. M

HMchnittSlK/ unteren Mersllasst Sin Drittel der Da LttemberentlohMn, anderes vereinbare sollen diese alsbald 3n der Lohnst der Hotel-, Man: des Derbandes der industrie und v genfer Echiedssprn Arbeitgebervereinik nicht ausgeführt hc für das Hotel- u AafeLaufeim vom sähe der Fcstbelolde fer HvteLemnlen u und Hilfspersonals; dienungspersvnals Oktober um 100 Pi vember 1922 sind l löhne des TarifeS zu erhöhen (entspn und ab 1.12.1922

In diesen feite die Hlreilleile eine über Ämiahne ob fDaiM

Ser Detriebsro Sisenbahn-AU spruchle das Aecht T fllieber in den Aussi senden. Der Äusiich Den Detaeb führt G. m.b.H. ohne Verträge ter Angel -verlangen ter 2K abgeschlossen. ÄM Lenz & Lv. laut D beitnehmer em, sühi kaffe und entläht sie deren Dahnen, die mgekehri. Der Lchl fM Dezirkslvirlscha

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