Ausgabe 
5.10.1922
 
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8. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

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l Fortsetzung folgt.!

wer- aus-

Aus dem Reiche.

Die Wahl des Reichspräsidenten.

baldigen Regelung der Repara- tivnsfrage im Interesse des britischen Handels hinzuweisen. Der Schatzkanzler ver­sprach, die Ansichten der Abordnung einer sorgfältigen Erwägung zu unterziehen.

Die Dersicherungspflicht für Angestellte.

Berlin, 4. Oft. (Wolff.) Der Sozial­politische Ausschuß des Reichstags nahm bei der Beratung über die Aenderung des B e r - sicherungsgesetzes fürAnge st eilte entsprechend dem Antrag der Deutschnationa­len und der Deutschen Dolkspartei den Grund­satz an, daß die V e r d i e n st g r e n z e für die Bersicherungspflicht überhaupt fallen solle. Es wurden aber folgende Personen für ver­sicherungsfrei erklärt, sofern der Jahres- arbeitsverdienst 500 000 Mark übersteigt: Be­vollmächtigte Betriebsleiter und Geschäfts­führer bei Gesellschaften mit beschränkter Haf­tung. Alle anderen Angestellten sind also ohne Rücksicht auf die Höhe des Zahres- arbettsverdienstes versicherungspflichtig.

Weitere Preiserhöhung für Holzstoff.

Berlin, 4. Oft. (Wolff.) Das Reichs- wirtschaftsministerium setzt durch eine in den nächsten Tagen im Reichsgesetzblatt veröffent­lichte Verordnung den Höchstpreis für H o l z - stoff mit Wirkung vom 1. Oktober neu fest. Der Höchstpreis wird für 100 Kilo Fichten­holzschliff, lufttrocken, ab Bahnstation des Erzeugers 4000 Mark betragen. Für Fein­schliff, Dampfschliff und gebleichten Holzschliff läßt die Verordnung einen Zuschlag bis fünf Prozent zu. Veräußerungsverträge, die vom 1. bis 14. September abgeschlossen wurden, unterliegen keinem Höchstpreise, sofern bk Lie­ferung bis zum 14. September erfolgte. Im übrigen sind die Preise des für die Herstellung von Zeitungsdruckpapier benötigten Zellstoffes von Mk. 67.50 auf 76.00, und des ZeitungSdruckpapierS von Mk. 68.50 auf 83.00 für das Kilogramm erhöht worden. Die Er­höhung der Preise ist gerechtfertigt durch die Steigerung der Frachten, die beim Zeitungs­druckpapier allein eine Verteuerung von 10 Mark für das Kilogramm verursacAn, sowie durch die Erhöhung der übrigen Produktions­kosten.

Dornotizen.

Tageskalender für Donners- tag. Astoria-Lichtspiele, ab heute:Das Stra­ßenmädchen von Berlin" undDie Dorflumpen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Luise Mille- rin". Palast-Lichtspiele:Die Schande der Orlygssons".

Die Pala st- Lichtspiele beginnen am kommenden Freitag mit der Vorführung der FilmoperJenseits des Stromes", die von Ludwig Czerny eigens für den Film ge­schaffen ist. Die Musik ist ein Werk des bekannten Tondichters Prof. Ferdinand Hummel Die äußerst phantastische Handlung führt ins Reich der Toten und läßt von dort aus das Leben auf der Erde beobachten, das der verstorbenen Gattin aber so trübe Bilder von dem Schicksal ihres treu­losen Mannes zeigt, daß sie nun selbst um den Lethetrant bittet, den sie erst schaudernd vergoß. In der Darstellung sind mehrere namhafte Der liner Künstler beschäftigt.

Landkreis Gießen.

t. Ettingshausen, 3. Oft. Nachdem eine zeitweilige Besserung eingetreten war, sind die Zustände auf der Butzbach Licher Eisenbahn hinsichtlich der Ver­spätungen geradezu trostlos geworden. Heute hatte der Nachmittagszug schon nach einer Fahft von 11 Kilometern, für die eine halbe Stunde Fahrzeit vorgesehen jft, eine Verspätung von 1V< Stunden. Alle Beschwer­den an die Verwaltung haben bisher nichts geholfen. Daß der Personenverkehr bei die­sen Zuständen leiden muß, ist ganz klar. Da­bei ist ein Zugpaar morgens und um die Mit­tagszeit schon zur Bewältigung des Güter­verkehrs bestimmt, so daß man nicht versteht, weshalb auch bei dem Nachmittagszug ab 2.44 Ahr in Lich solch unhaltbare Zustände herrschen müssen. Vielleicht könnten die inter­essierten Gemeindeverwaltungen die Aebernahme der Fehlbettäge und die Zinsen­nachlässe von einem geregelten Verkehr der Züge abhängig machen.

>XWieseck, 4. Oft. Der erste Vorsitzende des Bezirks Gießen und der hiesigen Steno- graphen-VereinigungGabelsberger", Herr Karl Fischer, bestand neben vier anderen Teilnehmern aus dem Reich vor dem Steno­graphischen Landesamt Braunschweig die staatliche Stenographen-Lchrer- Prüfung mit gutem Erfolg.

Kreis Büdingen.

* Nidda, 4. Oft Di- Aepfetverstei­ge rung der Stadt brachte rund 183030 M:. ein gegen 64 000 Mk. im Vorjahre. Es wurden etwa 1400 Zentner versteigert. Aus dem Verkauf des anderen Ob st es wurde gelöst: für Fall­obst 6000 Mk., Birnen 15 000 Mk., Zwetschen 30 000 Mk., Kirschen 10 000 Mk., Mirabellen 40 000 Mk., Nüsse 7500 Mk.

* Nidda, 4. Oft Die Arbeiten zu dem Kriegerehrenmal am Iohanniterturm sind im Gange. Wan hofft, das Denkmal noch vor Beginn des Winters anbringen und einweihen zu können. Am für die mittlerweile stark ge° tiegenen Kosten Deckung zu schaffen, soll am näch­ten Sonntag nochmals eine Haussammlung ver- anstaltet werden.

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Heutiger Staub des Dollars

10 Ahr vormittags:

Berlin 2050, Frankfurt 20752080.

Verkauf auf Lager oder in seinem Geschäfts- lokal hat, ohneweitereDedingungen in den handelsüblichen Mengen an dieKundschaftabgeben. Er darf höch­stens bei Warenknappheit die Menge im Cin- zelfalle beschränken. Die Geschäftsleute den auf diese Rechtsgrundsätze hiermit drücklich hingewiesen.

Berlin, 5. Ott. Mehrere Blätter ersah-- über die gestrigen Besprechungen der Reichsregierung mit den Parteiführern über die Frage des Termins f»r die Reichs- Präsidentenwahl, daß die Meinung vorgeherrscht habe, die Wahl bereits An­fang Dezember stattfinden zu lassen. Die endgültige Festsetzung des Termins soll in weiteren Beratungen mit den Parteiführern erfolgen. Das Reichskabinett wird sich heute mit der Frage beschäftigen.

Die kühle Liane ging mit ihrer Lorgnette toortloS von einem Gegenstand zum ani ste langweilte sich entsetzlich

Dieses Festmahl endete trotz Ernsts trüber öttnunung noch sehr lustig, und der musikalische

keiner Zett war Deutschlands ausführbarer Aeber- schuß genügend, um es in den Stand zu sehen, die in dem Londoner Ultimatum geforderten Iahres- -ahlungen zu leisten. Daß Deutschland dies jetzt tun kann, ist völlig ausae-

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 5. Oktober 1922.

Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenftände dürfen nicht zurückgchaltcn werden.

Die Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen teilt folgendes zur Warnung mit:

Wie wir in Erfahrung gebracht haben, be­stehen Zweifel, ob das Zurückhalten von Nahrungsmitteln oder von Ge­genständen des täglichen Bedarfs zum Zwecke der Erzielung höherer Preise noch unter Sttafe gestellt ist. Die Bestimmungen hierüber sind nicht aufgehoben. Wir verweisen auf die Reichsverordnung wegen Preistrei­berei vom 8. Mai 1918, § 1, Abs. 3. In dieser Vorschrift ist gesagt, daß das Zurückhalten von Gegenständen des täglichen Bedarfs, un­ter die auch alle Lebensmittel fallen, v er­bot e n u n d st r a f b a r ist. In gleicher Weise ist es v e r b o t e n u n d st r a f b a r, den Ver­kauf von Waren davon abhängig zu machen, daß eine andere Ware.'die ge­ringwertiger oder teuerer ist, gleichzeitig mitgekauft werden soll. Nach der Recht­sprechung wird ein solches Geschäftsgebahren ata unlautere Machenschaft angesehen. Zeder Geschäftsmann muß die Waren, welche er zum ***"tt nriimm- uiiibiihimiwiiwimwnrrwnm»1.__

erproben,aus der Sonntagskiste, aus der ich leden Tag rauche", der Lümmel bezog von den neuen Verwandten Zirkuskarten odermoney, um das Kjno oder eine Kirmes zu besuchen.' Er hatte sich erboten, Frau Koltinin allen Lebenslagen" auszuhelfen, und wenn er die elek­trische Klingel wieder gehend gemacht oder einen Schrank mit dem Dietrich geschickt geöffnet hatte, ließ er es sich dementsprechend bezahlen. Ernsts ehemalige Schüler ließen es sich nicht nehmen dem Brautpaar ein Ständchen zu bringen Die ganze Sekunda und Prima tpar mitgekommen schon um die schöne Liane zu sehen, die sich in einem seegrünen Kimono mit rosa gefütterten Aer> mein, eine Rose in der Hand, über das Dalkon- gitter neigte Oie sah aus wie ein Bild von Manet. Die Gymnasiasten schwentten ihre Mühen und sangen die ganze Mainzer Straße lag im Fenster, und faulem Schmidt war darüber so gerührt als ob man ihr das Ständchen ge­bracht habe.

Der Derlobungstag hatte eine Annäherung zwischen chr und der Familie Kollin gebracht Sie war bis in die Tiefen dieses Haushalts ge- xn,Ur d-s Hefte berichtens Alles in Ordnung und so gediegen." Frau Kollin rtJnner .altmodischen Rheinländerinnen, üte dem Gast noch in der blauen Schürze die Tür ostneten teS Morgens ihre Nippsaä)en eigen- Küch^hiAtm^E^ unb aus eine gute rheinische Spaß""* Gretemachte es vorläufig noch keinen

Beamtenschein für Schwerkriegsbeschädigte.

Der Reichsarbeitsminister hat durch Er­laß vom 25.' Juli 1922 unter Aufhebung der bisher entgegenstehenden Bestimmungen an­geordnet, daß der Beamtenschein (vorläusiger Ausweis an Stelle des Deamtenscheins) bei Erfüllung der Voraussetzungen auf Anttag auch solchen Schwerkriegsbeschädigten zu ge­währen ist, die auf Grund des Anstellungs­scheins nach § 17 des Mannschaftsversor­gungsgesetzes von 1906 bereits planmäßig an­gestellt sind. Bestimmend hierfür waren die Vorschriften der neuen Anstellungsgrundsätze vom 26. Juli 1922; danach können Inhaber eines Deamtenscheins, die ttotz Eignung für die Wahrnehmung einer Stelle höherer Be­soldungsgruppen, d. h. bis einschl. Besol­dungsgruppe VII, in der Beamtenstelle einer niederen Besoldungsgruppe planmäßig an­gestellt sind, sich bis zum Ablauf von drei Monaten nach Inkrafttreten der Anstellungs- grundsätze (1. September 1922) auch bei an­deren Anstellungsbehörden noch um Stellen höherer Besoldungsgruppen bewerben und vormerken lassen.

Reichtum bezahlen könne, den sie außerhalb ihres eigenen Landes aufgehäuft habe, sei auch auf alle übrigen internationalen Schulden anwendbar. Der einzige Schuldner, der über einen großen Vorrat auswärtiger Werte verfüge, sei England. England besitze immer noch genügend ausländische Wert­papiere, um seinen Schulden an die Vereinigten Staaten zwei- oder dreimal zu begleichen. Aber weder Frankreich noch Italien verfügten über gleiche Reichtumsreserven. Es sei daher Weisel- hast, ob diese beiden Länder genügend besitzen, um mehr als einen unbedeutenden Teil ihrer aus- toärtigen Schulden zu begleichen. Frankreich würde ferne Schuld nur abtragen können, wenn es Waren in sehr großem Umfange erzeugen und ausführe, und zwar weit über die normale For­derung des Handels hinaus.

** Amtliche Personalnachrich- t e n. Ernannt wurde am 28. September die Schulamtsanwärterin Rosine Schmidt aus Darmstadt zur Lehrerin an der evangelischen Volksschule zu Lampertheim, Kreis Bensheim. In den Ruhestand versetzt wurden: am 29. September der Rektor an der Volksschule zu Groh-Steinheim, Kreis Offenbach, Franz Paulin, auf sein Nachsuchen unter Aner­kennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 16. Oktober 1922 an; am 22. September der Lehrer an der Volksschule zu Büdingen, Hermann Becker, und de»- Lehrer an der Volksschule zu Neu-Isenburg, Kreis Offenbach, Georg Reinig, auf ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 an.

** Der Wochen markt beginnt vom nächsten Samstag ab morgens um 8 Ahr. Kraut, Kartoffeln und Obst auf Wagen­ladungen dürfen von diesem Tage ab nur auf Oswaldsgarten verkauft werden.

«x f Teuerungszuschlag zu den Gebühren der Vermessungsämter ist brs auf netteres von 600 auf 900 v. H evhbht wor- Ixm. Die Erhöhung gilt mit Wirkung vom 1 Ok­tober ab.

** ?Dn der Polizei. Das hessische Mlnisterium des Innern hat angeordnet, daß demnächst an den großen staatlichen Polizei- amtern (Darmstadt, Offenbach, und Mainz) Lehrgänge für Mitglieder der kommunalen Ortspolizei eingerichtet werden. Die seither an der Hessischen Landespolizeischule in Darmstadt abgehaltenen Lehrgänge werden mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Anter- bringung der Teilnehmer eingestellt.

** Fe st genommen wurde am Bahn­hof ein auswärtiger junger Mensch, der einem Bewohner von Leihgestern, nachdem ihm die­ser Nachtquartter gewährt hatte, aus der Brieftasche 400 Mk. entwendet hatte. Ferner wurde in seinem Besitz ein Fahrrad vorgefun­den, welches in der Nacht zum 4. ds. Mts. aus dem Hose Schloßgasse 16, dahier, gestohlen worden war. Das Rad, sowie die 400 Mk., konnten den Geschädigten wieder ausqehändigt werden.

** Fahrraddieb stahl. Gestern vor- mlttag gegen 88/4 Ahr wurde ein vor der Stadtkasse, Gartenstt. 2, aufgestelltes Fahr­rad, MarkeAllright", Nummer unbekannt, mit schwarzem Rahmenbau und gelben Felgen im Werte von etwa 15 000 Mk. gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt.

**FürdieHeizungder Züge hat die RetchSeisenbahnverwaltung bestimmt, daß Höhepunkt bestand in dem Doppeladlermarsch mit einem an das Pedal befestigten Zigarrenlästchen, das diesen schneidigen Morsch täuschend mit- trommelte, nachdem Ernst die untere Klavier- Wand ausgehoben hatte.

Ra, Ernst" meinte Herr Kollin,wenn's mal mit der Praxis schief geht, bleibt dir immer noch die Mausicke."

*

Eines Abends, als das Brautpaar gerade in die neblige Kurallee einbog, begegnete ihnen die Konservatorist in. Die Hände in den Taschen ihres verknitterten Regenmantels, eine Wagnerkappe aus braunem Samt über das Haar gestülpt, gina ste mit spöttischem Lächeln an dem Brautpaar vorbei.

Das war ,sie', Ernst," sagte Grete.

Dieser warf einen erschreckenden (Seiten- blick auf dieses Gespenst, das ihm wie die ver- korperte Mahnung an die Vergänglichkeit weib­licher Reize erschien. Die hatte er also angebetet, ihretwegen hatte er sich nasse Füße und Erkäl­tungen geholt und an satten Wintertagen in seinem dünnen Havelock unter ihren Fenstern aus­geharrt. Das Leben war oft witzig.

. »^ton Gott," sagte Grete,nsmm es doch nicht so tragisch, es ist doch die Hauptsache, daß man sich liebt, gelt Ernst? Ich will mir Mühe geben, zu lernen, ich übe drei Stunden am Tag. nur damit ich Dach spielen lerne."

Mit dieser Verwbung war die ganze Mainzer Sttahe einverstanden. Frau von Herwegh fühlte sich einer großen Sorge enthoben, sie sah ihren Sohn schon als Rechtsanwalt am Gericht plä- oieren, Lutz machte es Vergnügen, wacker mit Herrn Kollin zu zechen und seine Zigarren zu

Du wirst mir auch später nie einen Vor­wurf machen, Ernst, gelt?"

Nein, das werde ich nie."

Sie gingen Arm in Arm in den Salon, denn Ernst sollte etwas fingen, der Schwiegervater hatte es gewünscht.

Nach dem Kaffee kam die Musik, das muhte so sein bei Herrn Kollin.

Das Klavier war mit Nippsachen bedeckt, die erst abgeräumt werden mußten, und Grete brachte ihren Notenschah herbei, der aus der Klavierschule für Anfänger, dem Klavierauszug oesTrompeters von Säckingen" und einem dicken Band, deralles" enthielt, bestand,Ernstes und Heiteres ans dem Reich der Töne". Ernst durch­blätterte ihn wortlos. Es war gewiß vieles da. M $aS? a la Tur ^s denRuinen von Athen bis zum neuesten kölnischen Fialerlied auch für den Gesang war gesorgt:Gib mein Herz, du süßes Leben" von Franz Abf Karl Löwe und Mendelssohn waren vertreten aber für Srnsts Wunden fand sich nichts. Nach einem schwermütigen, gedankenverlorenen Präledium ang er das DrahmsscheVeilchen".

Das Klavier war weniger schlimm tote sein Aeuheres. und bei den ersten Tönen legte sich der Sttmmenschwall der Gäste im Nebenzimmer mb legte sich auch Ernsts Groll.

Musik. . .

m Dem Londoner Ultimatum geforderten Iahres- zahlungen zu leisten. Daß Deutschland dies jetzt tun kann, ist völlig ausge­schlossen. Es stehe außer Frage, daß Deutsch­land in den letzten drei Iahren jede Anstrengung unternommen habe, um seinen Außenhandel zu entwickeln. Es werde erklärt, daß das deutsche Volk nicht genügend besteuert sei und daß, wenn eS dieselben Lasten übernehmen würde, wie andere butsche Regierung in der Lage sein würde, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Mac Memta sagte, es fei sicher, daß in England meist schwerere Steuern erhoben würden als in Deutsch­land. Er neige jedoch der Ansicht zu, daß die Engländer zu hoch besteuert seien und daß eine zu hohe Belastung nur die internationale Produktion vermindere.

Zu der Frage übergehend, was Deutschland bezahlen könne, erklärte Mac Kenna, Deutsch land könne gewiß etwas bezahlen, obgleich nicht in der Form oder unter den Bedingungen, die man jetzt Deutschland aufzuerlegen unternehme. Zahlreiche Deutsche besähen Auslandwerte, seien es Kapitalsanlagen oder Guthaben aus ausländi­schen Banken, und es wäre ein vollkommen durch­führbares Verfahren für sie, wenn sie diese Werte der deutschen Regierung verkauften, die sie bann ber Reparationskommission aushändigen könnte. Es sei jedoch eine wesentliche Bedingung einer solchen Transaktion, daß die Besitzer der Aus­landwerte bereit seien, sie zu verkaufen. Keine Regierung könne bei der heutigen Lage Deutsch­lands einen zwangsweisen Verkauf durch­setzen. Was könne ohne diese Zustimmung ge- sahtt werden? Wenn die Werte verkauft werden könnten für einen sicheren Gewinn, so würden bie Inhaber ohne Zweifel bereit fein, ne abzutreten. Man dürfe nicht verkennen, daß diese Werte zu einem beträchtlichen Maße den Ertrag von Verkäufen in Mark barftetfen. bie von Deutschen auf den ausländischen Markt geworfen wurden unter der woylbegründeten Befürchtung, daß der Druck der Reparationszahlungen ihren Wert rasch vermindern würde. Mac Kenna sagte: Beseitigt diesenDruck. und die Mark wird sichsofort verbessern. Mac Kenna erklärte, er schätze den Gesamtbetrag der auslän­dischen Werte auf nicht weniger als eine Milliarde Dollar. Wie hoch aber auch immer dieser Betrag fei, Deutschland könne ihn zahlen, vorausgesetzt, dah der Sturz der Mark aufgehalten werde Aber es würde eine Ded i n g u n g dieser Zahlung fein, baö für lange Zeit nichts mehr von Deuts chland verlangt werde. Die Gläu­biger würden gewinnen, wenn sie den Versuch aufgeben, andere Geldzahlungen für ehren Zeit­raum von wenigstens drei Zähren zu erhalten Sicher würde auch die Welt als Ganzes außer­ordentlich viel gewinnen durch eine a 11 g c m e i ne Stabilisierung der Wechselkurse

' Mac Kenna fuhr fort: Er habe den Wunsch, die gerechten Forderungen der Alliierten. gegen Deutschland zu verkleinern, und er erkenne die ernsten polttischen Schwierigkeiten an, bie einer Verminderung im Wege stehen. Eine Lösung des Reparationsproblems sei aber nicht möglich, wenn fi$ politische Erwägungen nicht wirtschaftlichen Tatsachen unterordnen würden. Ob Deutschland zahlen könne, sei vielleicht keine einfache Frage. Es sei jedenfalls keine Frage, die beantwortet werben Jonne. Leider stehe die Antwort auf diese Frage volkstümlicher Hoffnung, volkstüm­licher Leidenschaft und, was noch mächtiger sei, einem volkstümlichen Gefühl natürlicher Berechtig- tat gegenüber, welches der Ansicht fei. daß der üeschlagene Feind, der den Krieg veranlaßt, den von dem Angegriffenen und Sieger erlittenen Schaben wieder gutmachen soll. So werde, falls keine mahgebende Antwott erteilt werde. Europa tn den Ruin treiben. Mac Kenna sagte, derselbe Grundsatz, dah eine Nation, ausgenommen soweit sie einen ausführbaren lieber- schuh besitze, ausländische Schulden nur aus dem Reichtum bezahlen könne, den sie außerhalb ihres

London, 4. Okt. (Wolff.) Eine Word- nung desVerbandesbritischerHan- delSkammern sprach gestern nachmittag beim Schatzkanzler vor, um die Regierung nachdrücklichst auf die Notwendigkeit einer

Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von 2ie8 bet Dill.

vom 15. September bis 15. Mai alle Per­sonenzüge so ausgerüstet sein müssen, dah je­derzeit geheizt werden kann. Ohne besondere Anweisung des Amtes oder der Direktion ab­zuwarten, sollen die Zugbildungs-, Abgangs­oder auch Anterwegsbahnhöfe die Heizung an­ordnen. Bei Frost ist für genügende Vorhei­zung zu sorgen. ES soll aber auch eine Aeber- heizung unbedingt vermieden werden.

"Eine herrenlose Iagdhü-:- d i n ist beim Polizeiamt eingeliefert word^M Das Tier kann gegen Zahlung der Ankos^n dort abgeholt werden.

Wettervoraussage

für Freitag:

Wolkig, trüb, Regenfälle, westliche Winde, mild.

Eine ausgedehnte Depression^äm Westen beeinflußt bereits unsere Witterung völlig. Eme Besserung des Wetters wird nicht ein- treten.

(Sr fang das LiebAn ein Veilchen" ergrei- fenb tote noch nie.Birg die Tränen der Weh­mut, daß bie Tropfen in deinem blauen Kelche aiiS der Seele bes treu'sten Iünglings flössen, der sein Leben verweint und ben Tob ben Tob wünschet . . .

Dann würbe stürmischMeine Liebe ist grün verlangt.

Emst wollte gerabe beginnen, als vom dritten Stock herab plötzlich ein perlender Lauf erflana urtb eine Händelsche Chaconne herabtönte, klar und entzückend, er erkannte den temperamentvollen Anschlag der unsichtbaren Spielerin beim ersten Akkord. . . Das warsie".

»As Donnerwetter soll diese Person holen " sagte Kollin. bet auf seinen kurzen dicken Beinen mit der Zigarrenkiste durch bie Zimmer ging »Hut sie nicht genug daran, mir an ben Wochen­tagen ben Kaffee zu versalzen"

Unb bie Großmutter, bie in einer schwarzen Spitzenhaube auf dem Sofa thronte unb deren Deist nicht mehr ganz ftisch war. erhob sich um ihrer Mitbewohnerin zu sagen, bah ihr Spiel heute störe.

Kurz barauf schwieg bas Klavier im oberen Stock.

m fcm Wänden hingen die Früchte von Gretes Malstudien, in Oel- unb Wasserfarben, auf Seilern von Blech unb Biskuit, unb ein Ofen- toinn mit leuchtenden Mohnblumen bewies, daß Grete an ben Farben nicht gespart hatte