Aus Stabt und Lund.
Dietzen, den 5. Mai 1922.
2.1 L Von der Landesuniverfi- tat. Die erste feierliche Jmm.atrikula- ' t i d n findet am SarnStag, mittags 12 Ahr, pünktlich, im Groszen Hörsaale der Universität statt.
** 21 m tlidje Personalnachrichten. Ernannt wurde am 28. April 1922 der Schularnts- anlvärter Franz Dohr aus Berlin zum Lehrer an der Volksschule zu Bürstadt, Kreis Densheim. — Ernannt wurde am 28. April der Schulamtsan Wärter Adam Dalh aus Gadernheim zum Lehrer an der Volksschule zu Elmshausen Kreis Densheim a. d. D. — Entlassen wurde am 13. April die Lehrerin Anna Zimmermann zu Aierstein auf ihr Rachsuchen aus dem Schuldienst mit CEBirfung vom 1. Mai 1922 ab. — 3n den Ruhest and verseht wurde am 27. April der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Theodor K n e l l auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staat geleisteten Dienste vom 1. Mai 1922 an. — 3n den Ruhestand verseht wurde am 28. April der Rektor an der Volksschule zu Gießen Heinrich Knauf) auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staat während mehr als 50 Jahren geleisteten Dienste vom 1. Mai 1922 an. — In den Ruhestand verseht wurde am 29. April der Lehrer an der Volksschule zu Reu- Isenburg im Ki-eise Offenbach Friedrich E l l - r ich auf sein R ch ucheu unter Anerkennung seiner dem Staat während mehr als 50 Jahren geleisteten Dienste vom 1. Mai 1922 an. — In den Ruhestand verseht wurde am 29. April der Lehrer an der Volksschule zu Offenbach Heinrichs ch n e t- de r auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staat geleisteten Dienste vom 1. Mai 1922 an.
** Gießener Hvchschulgesell- schaft. In einem Aufsatz des Gießener Anzeigers über „Deutschland und Holland" war vor einiger Zeit davon die Rede, welche Bedeutung die Niederlande für Deutschland haben. Bei dieser Gelegenheit wurde darauf hin- aewiesen, daß zwei hervorragende, im öffentlichen Leben stehende Holländer in der Hochschulgesellschaft sprechen werden. Am 21. Februar hielt Herr Dom van Rombeek, Direktor des AuLkunftSbureaus für den indischen Dienst beim- Kvlonialministerium im Haag einen Bortrag, der sehr stark besucht war. Am Freitag, den 12. Mai, abends 81/« Ahr, spricht Professor Dr. Bruins im großen Hörsaal der Aniversität über „die Grundlagen der niederländischen Freihan- delspvlitik und die jetzige Wirtschaftskrise". Der Bortragende ist Professor der Volkswirtschaft an der Handelshochschule in Rotterdam. Er ist der Begründer dieser Hochschule und war ihr erster Rektor. Als Mitglied einer Staatskommission für Wirtschaftsangelegenheiten steht er in dauernder Verbindung mit dem Wirtschaftsleben. Der Vortrag ist allgemein zugänglich. Die Kreise deS Handels und der Industrie seien besonders auf den Vortrag hingewiesen.
** Reusprachliche Kurse für Hörer aller Fakultäten. In diesem Semester werden an der Aniversität wieder Sprachkurse abge- hdlten, die für Hörer aller Fakultäten in Betracht kommen. Der Lektor des Englischen, Privatdozent Ä?. S p i r a hält englische Kurse ab für Abiturienten von Gymnasien (Mittwoch 4—6 Ahr und Donnerstag 6—8 Ahr). Die niederländische Lektorin Frl. Ramondt kündigt an: Rieder- ländisch für Anfänger und für Vorgeschrittene. Prof. Dr. Franz lehrt Spanisch für Anfänger (Mittwoch und Freitag 7—8 Ahr), Privat- öozent Dr. K a r st i e n lehrt Russisch für Anfänger und für Vorgeschrittene. — Im Praktischen Seminar für Englisch soll ein Kurs unter der Leitung von Dr. S p i r a und I. Stephens M. 21. für Richt-Philologen eingerichtet werden. — Dr. Dlamyeck hält eine Vorlesung In französischer Sprache: „De Montesquieu ä Jean Jacques Rousseau" ^Donnerstag 7—8 Ahr), I. Stephens M. 21 eine Vorlesung in englischer Sprache: „Englisch Landscapes, People and Cu- stoms", mit Lichtbildern (Freitag 4—5 Ahr, Hörsaal 2). Beide Vorlesungen sind Hörern aller Fakultäten zugänglich.
** Sonntagsfahrkarten werden außer den seither ausgegebenen nach Bad- Rauheim, Laubach (über Hungen), Lich, Nidda, Schotten (über Nidda) vom 6. d. M. an auch nach Wetzlar, Braunfels und Katzenfurt verabfolgt.
**AmtstagedeSKreisamts. Mit Rücksicht auf die großen Kosten, die der Bevölkerung bei Reisen nach Gießen entstehen, wird das Kreisamt am 12. Mai 1922, vormit
DieSakramentshex., Roman von Marie Kerschen st einer.
12. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„Go, Line." sagte die Kolath endlich, „im Rainen von allen guten Geistern, steh letzund auf! Der Schwarze selber vermag nix mehr über dich! Steh auf und tu, was ich dir anbefehl': Auf dem ersten Kreuzweg, der dir unter die Fütz' gerät, bleibst du stehen, bis dir ein Vogel über den Kops fliegen tut. Hernach speist du dreimal hinter dich und gehst deiner Weg. Gehst zum Waldsacker und machst ihm den Standpunkt klar. 2kilangft, das) er den Balg aus dem Dorf schafft, damit die Zauberei ein End' niftunt!“
»Der gibt dir das Mädle nit raus," meinte die Schlupfline kleinlaut. „Schon uns zum Tuck nit. — Wenn du nix Gescheiteres wcitzt, Kolath
„Probiert geht alleweil übet studiert. Du bist doch kein feuriger Has nit, Line, und hast das Maul auf'm rechten Fleck!"
„Sagst dem Bauern, datz das ganze Dorf es verlangen tat! Wir lassen uns das nit nehmen." So der Tischlerandres.
Die Line machte Kehrum und watschelte durch den Schnee.
„Ich ging nit da nauf, nit um ein schecketes Kühle!" sagte eines der Weiber. Dann wurde es wieder still. Mit langen Hälsen sahen ftc der Schlupfline nach, die am Kreuzweg stand und nach dem Himmel guckte. AVer die Vögel traten schon schlafen gegangen. Es dauerte eine Weile, bis endlich ein verspäteter Rabe mit lautem Krahkrah über sie wegflog. And bald Darauf verschwand sie um Dunkeln. Aber es währte nicht lange, da tauchte sie auch schon wieder auf. Wie ein schweres Geschütz im Sturm tarn sie daher.
tags 9V4 Ähr beginnend, aus dem Rathause zu Grünberg, und am 19. Mai, vormittags 9V2 Ahr beginnend, auf dem Rathaus zu Hungen Amtstage abhalten. Die Einwohner derjenigen Gemeinden des Kreises, die zu den AmtSgerichtSbezirken Grunberg, Homberg und L a u b a ch gehören, können auf dem Amtstag in Grün.berg vvrsprechen, diejenigen aus Gemeinden, die zu den Amts- gerichtsöezirken Hungen, Lich und Nidda gehören, auf dem Amtstage in H u n g e n.
*i' Von der Flüchtlingsfürsorge- st e l l e wird uns mitgeteilt, daß sämtliche ausgewiesene Saarländer, die noch auf die Rückreiseerlaubnis warten, an ihren früheren Wohnort zurückkehren können. Nähere Auskunft erteilt die Flüchtlingsfürsorgestelle, Gar- tenstrahe 2.
** 500 Mark Belohnung. Für die Ermittelung der Diebe und Herbeischaffung der in der Nacht zum 20. April d. Js. aus einem Garten in der Nähe des Triebs gestohlenen Mistbeetfenster, 3 Bäumchen und des Handleiterwagens sind 500 Mk. Belohnung ausgesetzt. — Gestern wurde aus einem Wartezimmer eines hiesigen Arztes ein feldgrauer Aeberzieher gestohlen, ferner aus dem Hausflur eines hiesigen Zahnarztes ein Fahrrad, Marke „Anion", mit schwarzem Rahmenbau und noch fast neuer Bereifung im Werte von 1000 Mk.
** De r Mieter verein hielt gestern abenb eine sehr stark besuchte Versammlung im Katholischen Vereinshause ab. Der Vorsitzende gab feiner Freude über das Interesse der Gießener Mieter an der wichtigen Tagesordnung Ausdruck und stellte den Redner des Abends, den Vorsitzenden des Hessischen Landesverbands der Mieterschutzvereine, Wolff (Mainz), der Versammlung vor. Dieser begann alsbald mit seinem Vortrag über „Reichsmietengeseh und Mieterschuhgese tz". Die Hausbesitzer wollten Aushebung Der Zwangswirtscha,t. .Für die ^Regierung sei es schwer gewesew das zu treffen, was für die Allgemeinheit das Richtige sei. Etwa drei Dutzend Entwürfe hatten die Ausschüsse passiert, bis endlich das heutige Gesetz entstanden sei. DaS Gesetz bedeute unstreitig einen Fortschritt gegen den bisherigen ziemlich unsicheren Zustand. Der Redner wendet sich gegen, Den Vorwurf der Hausbesitzer, das Gesetz bedeute eine Enteignung des Eigentums. Er führt vielmehr aus, durch das Gesetz würde das vielfach vernachlässigte Eigentum — nämlich die Häuser — vor Dem Verfall und Untergang bewahrt, da das Gesetz die Inst andhaltungsarbeiten der Wohnungen genau festlege. Betriebskosten, Hausverwaltung und Instandsetzung seien geregelt. Für Hessen empfiehlt der Redner allen Mietern die Einführung Der gesetzlichen Mieten an Stelle Der bisherigen Mietverträge. Die Mieter müssen unbedingt das Mit- kontrollrechl bei den Reparaturen fordern. Weiterhin erläuterte der Referent die Feststellung des Mietpreises nach der Friedensmiete und spricht über Die verschiedenen geplanten oder schon festgelegten Zuschläge und Abzüge. Am Schlüsse des mit sehr starkem Beifall aufgenommenen Vortrags fordert der Redner alle Mieter zum Eintritt in Den Mieter verein auf, denn nur durch die Masse sei erfolgreiche Wirksamkeit zum Wohle der Mieter und damit zum Besten der Dolks- gesundheit möglich — Rach kurzer Aussprache und dem Schlußworte des Redners meldete sich eine Anzahl weiterer Mieter zu Mitgliedern des Vereins an.
f. Die Turmschwalben, auch Mauersegler genannt, sind wieder da. Vereinzelt lieh sich auch der Kuckuck hören, obwohl seine Ankunftszeit in die Mitte des April fällt. 3m Mai kommt noch die Wachtel und der leider so selten gewordene Psingstvoqel, der Pirol. Mit der Wachtel zusammen wird auch der rotrückige Würger, im Volksmund Neuntöter genannt, und die Turteltaube kommen.
** Aus der Deutschen Volkspartei wird uns geschrieben: Eine sehr gut besuchte Versammlung Der Frauen der D. V. P. sand im Schützenhaus statt. Die 1. Vorsitzende, Frau Pfaff, machte die Anwesenden auf Den bevor- stehenDen Parteitag aufmerksam und bat um recht zahlreiche Anmeldung von Nachtquartieren für auswärtige Parteifreunde. Frl. Clara Birnbaum berichtete über die Tagung des Frauenausschusses Der D. V. P. in Darmstadt, der sie als Vertreterin des Gießener Frauenausschusses beigewohnt. — Hierauf ergriff Frl. Maria Dirn» bäum M. d. L., das Wort und sprach zuerst kurz über die Tätigkeit des Landtages und ihre persönliche Stellung zu einigen wichtigen Fragen. Dann erstattete sie Bericht über die Tagung Der weiblichen Abgeordneten der D. V. P.. die in Dresden stattgesunden hat. — An Die Ausführungen beider Rednerinnen, die außerordent
lich viel Interessantes boten, schloß sich eine kurze Aussprache an. Den Schluß der Veranstaltung bildeten einige von Frau Schudt und Frau Z i e p r e ch t gelungene Duette.
** Fern 21 n D r a spielt die Hauptrolle in dem großen Filmwerk „Des Lebens und der Liebe Wellen", das bis einschließlich Sonntag im Li cht spiel hause in der Bahnhofstraße gegeben wird. Man bekommt mit diesem Film sowohl in Technik wie Ausstattung etwas Außergewöhnliches zu sehen; außer einer Reihe prächtiger Naturaufnahmen sind besonders interessant Die Bilder aus Dem Berliner Stadion mit ihrem Massenaufgebot -an Mitwirkenden und den darin gebotenen zirzensischen Vorführungen, an denen auch das Ballett der Berliner Staatsoper hervorragend beteiligt ist.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag: Neue 2lula, 8 Ahr: Lichtbildervortrag des Marinevereins. — Astoria-Lichtspiele: „Das Panzer-- geschoß", 4. Teil: „3m Wasser unter der Erde" und „Die Abenteurerin von Monte Carlo", 3.DÜI, „Der Mordprvzeß Stanley".
— DeutscheZeltmissioninGießen. Vom 7. bis 28. Mai ist das große Zelt der Deutschen Zeltmission in Gießen auf Oswaldsgarten. Allabendlich finden Volksvorträge statt über das Generalthema: „Die Toten und das Jen'eils". Das Zelt saßt büer 3000 Menschen und ist in anbenn Städten meist jeden Abend übervoll gewesen. Die Packenden Themata der Abende und vor allem Die so sehr volkstümliche Art des Vortrages ziehen die Massen an. Wer einmal gehört Hai, muh immer wieder kommen, das ist die Erfahrung der Deutschen Zeltmission. Die Vortragsthemen sind von Interesse für jedermann, denn alle müssen sich einmal auseinandersehen mit den Fragen: Gibt es Beweise für das Dasein Gottes? Wie ist es mit der Ansierblichkeit der Seele? Welches ist der Zustand nach dem Tode? u.s.f. Diese Fragen sucht Prediger Volkmann aus Berlin in Der ersten Woche zu beantworten. (Siehe Inserat).
Landkreis Gietzen.
* Garbenteich, 5. Mai. Das Fest der goldenen Hochzeit begehen heute in noch recht körperlich und geistiger Frische die Eheleute Heinrich Lang I. und Frau Katharine geb. Ruhl.
ri. Niederbessingen, 4. Mai. 3m 85. Lebensjahre ftarb heute hier nach längerem Leiden Johann Georg Pein II. Der Verstorbene, ein Glied der Familie Pein, die vor über einem Jahrhundert hier einwanoerte und als Müller aus der noch heute so genannten „Peine-Mühle" tätig waren, war jahrzehntelang Gemeinde- und Kirchenrechner und als solcher auch über die Grenzen unseres Dorfes hinaus bekannt.
Kreis Büdingen.
)( Büdingen, 4. Mai. Gestern vormittag verstarb im Alter von 80 Jahren der Fürst Alfred zu Isenburg und Büdingen, geboren am 31. Dezember 1841. Er war Kgl. Preuß Oberstleutnant a la suite der Armee, hatte den Ktteg von 1866 und 1870 mitgemacht, trat 1876 als Adjutant der 21. 3nf.-Dev. in Frankfurt a. M. in den Ruhestand. Aus seiner Ehe mit der Gräfin Luitgard zu Kastell-Rüdenhausen gingen 3 Kinder hervor, von denen der älteste Sohn nach dem Tode des kinderlos verstorbenen Fürsten Wolfgang nach Verzicht seines Vaters als Fürst Karl die Atandesherrschast übernahm. Die Beisetzung findet am Samstag von der Schloßkapelle aus statt.
Hessen-Nassau.
15jÄhrige Einbrecherinnen.
fpd. Frankfurt a. M., 4. Mai. 3m Stadtteil Dvckenheim wurden zwei 15jährige Mädchen dabei überrascht, als sie in der Leipziger Straße eine Wohnung . ausräumen wollten.
*
fpd. Frankfurt a. M., 5. Mai. Die Tatsache, daß im freien Handel Zucker nur noch als Auslandszucker zu 22 Mk. das Pfund zu haben ist, hat die Polizei zu durchgreifenden Nachprüfungen sämtlichergrö- ßeren Zucker bestände in hiesigen Geschäften veranlaßt. Sämtliche auf Lager liegenden Zuckervorräte sind zunächst beschlagnahmt worden. Augenblicklich wird an der Hand der Einkaufspapiere Herkunft und Preis deSZuckersnachgeprüft.Bisher konnte die Beschlagnahme nur in einigen Fällen aufrecht erhalten werden. Wo der Zucker der Beschlagnahmung verfiel, wurden die Papiere der Staatsanwaltschaft übergeben.
Kirche und Schule.
Ein Arbeitsprogramm des Evang. Bundes.
Der Evangelische Bund hat auf seiner Eisenacher Generalversammlung zu Himmel-
I fahrt 1921 ein Arbeitsprogramm beschlossen, das unter Berücksichtigung der her* änderten Zeitumstände seine Arbeitsziele und' -aufgaben neu entwickelt und feststellt. Boran stellt das Programm als Einleitung die Hauptgedanken: „Der Evangelische Bund will das Erbe der Reformation wahren und mehren. Er sieht in dem Evangelium das höchste ewige Gut, die Kraftquelle und den Gesundbrunnen jedes Bvlkstums, und in dem deutschen Volkstum das höchste zeitliche Gut. Er stellt seine ganze Arbeit unter das Lutherwvrt: „Für meine lieben Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen", und hält fest an dem in Luthers Person und Werk vollzogenen Bund zwischen Evangelium und deutschem Geist."
Aus diesen Grundsätzen ergibt sich die Stellungnahme im einzelnen. Wir können nicht auf alles eingehen, was das vier Setters'lange Arbeitsprogramm bietet. Es ist eine Fülle von richtunggebenden Gedanken und Arbeitsfeldern. Hervorheben möchten wir aus dem politischen Abschnitt vor allem den Satz, daß der Evangelische Bund dem deutschen Protestantismus als einer unveräußerlichen Grundlage deutscher Kultur, die ihm im öffentlichen Leben gebührende Geltung verschaffen will. Der konfessionelle Friede soll dadurch nicht gestört, sondern im Gegenteil gefestigt werden. Das Programm sagt darüber: „Nachdem deutsche, evangelische und katholische Volksgenossen im Weltkrieg ihr Blut gemeinsam für das Vaterland vergossen haben, betonen wir umso nachdrücklicher, daß sie miteinander durch das Band des Christentums und des Volkstums verbunden sind, und erstreben friedliches Einvernehmen und Zusammenarbeiten auf den Gebieten des sittlichen und nationalen Lebens."
Das Programm läßt keinen Zweifel, daß dem Evangelischen Bund die Stärkung der evangelischen Position durch Mitarbeit auf allen Gebieten praktischer Arbeit voransteht. Er will „im Kampf um die Weltanschauung der evangelischen Welt- und Lebensauffassung unter volkstümlicher Verwertung der wissenschaftlichen Forschung Geltung verschaffen, bekämpft, wie sich von selbst versteht, die KirchenauSttittSbewegung, und unterstützt alle Bestrebungen, die dem evangelischen Christentum Entfremdeten wieder zu gewinnen. Der Bund ruft alle Evangelischen auf, sich in ihrem Kreise und in der Oeffentlichkeit in Wort und Wandel zu ihrem evangelischen Glauben und zu ihrer Kirche zu bekennen, fordert insbesondere die evangelische Frauenwelt auf, sich in den Dienst der evangelisch-christlichen Liebes- tätigkeit zu stellen, wie auch die Schwesternschaft des Evangelischen Bundes dem evangelischen Haus evangelische Pflege gewährt.
* Heber Die Zulassung von Lehrern und Lehrerinnen an Volks- schulenzumHochschulstudium erläßt das Landesamt für das Bildungs wesen in Ergänzung Der Vorschrift vom 1. September 1921 folgende Verordnung: Richthessische Lehrer und Lrhverrn- nen können zu Den in § 2 Der Verordnung Dont 1. September 1921 vorgesehenen Ergänzungsprüfungen nicht zugelassen werden. Haben fiel in ihrem Heimatsstaat eine Ergänzung^Prüfung abgelegt, Die Dort in Verbindung mit Dem Zeugnisse Der Schlußprüfung oder Der Seminar- entlassungsprüfung als vollwertiges Reist-zeugnis gilt, so steht ihrer Zulassung zum ©taDium an Den hessischen Hochschulen nichts im Wege. Siei erwerben jedoch durch 2tblegung einer Prüfung an Der Landesuniversität keinen Anspruch aif. Verwendung im hessischen Staatsdienst. Gegen- die Zulassung mchthrssischer Lehrer md Lehrerinnen zu Dem in § 1 Der Verordnung vorgesehenen ©InDium der Pädagogik an Der hessischen Landes^ Universität bestehen Feine Bedenken. Hessische Lehrerinnen, die an Dem Seminar für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt ihre erste Prüfung abgelegt haben, können nur Dann zu Den in- tz 2 Der Verordnung vom 1. September 1921 vorgesehenen Ergänzungsprüfungen am Gymnasium oder am Realgymnasium zugelassen werden, wenn sie zuvor durch eine Prüf mg an einem. Lehrerseminar nachgewiesen haben, daß sie Den im Lehrplan für Die Lehrerseminare vor geschriebenen Lehrstoff in Der Mathematik beherrschen. Der Nachweis Darüber ist bei 'der Meldung zur Ergänzungsprüfung vorzulegen. Nur solche Lehrer und Lehrerinnen können zu einer Ergänzungsprüfung zagelassen werden, die bei Der Ent-
Einer um Den onDcrn duckte sich hinter Dia. Hecken und schlich im Schuh der Finsternis davo»
Kirchweihfteber war tn Die Dörfler gefahrenl 3n aller Herrgottsfrühe schon trieben sie sich, des Feierns ungewohnt, gelangweilt im Dorf herum und wußten nicht wie Die Zeit totschlagen. Der Pfarrer des Marktfleckens wurde zum Gottesdienst erwartet, denn seit Schlossers Tod besaß das Heidedorf keinen eigenen Pfarrer mehr. Vorder Messe aber wurde im Krug nicht an gezapft und weil es eine ausgemachte Sache war, daß am Kirchweihtag kein Streich geschafft wurde, ließ man Den Herrgott einen guten Mann sein.
Trotzdem war man froh, daß es letzten Endes noch zu dieser Kirchweih gekommen war. Rach jenem Austritt im Frühjahr hatte Der Walds- acker er nämlich den Krug geschlossen und sir hatten sich den Sommer über tatsächlich mit Wasser behelfen müssen. Der Waldsackerer kannte seine Leute! Er wußte, daß passiver Widerstand das beste Erziehungsmittel für die Dörfler war. Hätte er durch Aufbegehren ihnen neue Gelegenheit zum Raufen gegeben, Dann würde er ihnen Den größten Gefallen erwiesen haben. So waren sie um Den Krug herumgeschlichen, ohne recht zu wissen, wie sie mit Dem Waldsackerer Dran waren. Ader jeder hatte Den stillen Wunsch gehegt, wieder in ein besseres Einvernehmen mit Dem Krugwirt zu kommen, und ihm deshalb in allen Stücken seinen Willen getan, kurzum gesucht, sich ihm so angenehm wie möglich zu machen. Das war auch Lene zugut gekommen, vor der man sich zunächst in acht nahm. Rur die Weiber hatten ihre aufreizenden Sticheleien nicht ganz unterdrücken können, wenn sie auch toeniger wie sonst mit Dem Pfarrmädel in Berührung gekommen waren.
, .(Fortsetzung folgte
»Seh' ich nit recht, oder kommt sie wirklich alleinig?" Die Kolath war's, Die so fragte.
„So alleinig, wie unser Herrgott am
Schöpfungstag!" bekräftigte einer.
-Und als die Line näher kam, heiliger Donnerblih! wie sah Die aus! Wutverzerrt, zum Fürchten böse.
„Eine Saubere bist!" fauchte ske Die Kolath an. „Machst ein Getu', und wenn's rauskommt, dann taugt Dein Zeug nix und wieder nix. Kein Tüpfele Mores hafs die da droben gelehrt. 3m Gegenteil! Denn was tut der Waldsacker, wie ich tlym sag', was ich begehr? — Lachen tut er. Lachen wie nie bei Trost. Lind das Mädle, sagte er, wär' bet ihm und wer es wollt', der müßt' es von seinem Tisch eweg holen!"
Flüche und Drohungen fielen.
„Und Die Waldsackerin?" fragte einer.
..Die steht Dabei und is euch ganz weiß, aber reD't nix und Deut' nix dazu. — Ja, Diel Die is lang nit mehr so großmäulig, wie selbiges Mal, beim Psarr' seiner Leich'! Die hat mittler- weil das Mädle kennen gelernt, wenn sie auch aus Stolz nix verlauten läßt! Aber der Walds- ackerer —"
„3s behext!" meinte Die Kolath. Aber Der AnDres überschrie sie.
„Hast ihm, zum Donnerkeil nit vermeld', daß das ganze Dors seinen Willen ihm funDiut? Ja, auf ein Weibsleut wenn sich einer verlassen tut, Dann —"
„Vermeid'! hab ich's wohl!" gab sie giftig zurück. „llnD besonderltch von Die Mannsteut hab' ich gereb’t, aber er hat halt gemeint, das Dorf, das wär' ihm ein Rarrenhous!"
Das traf.
3m Ru stand Der Aufruhr hoch.
Wie Der Blitz Mr Der Jähzorn in Die
Köpfe, riß die Besinnung aus Den Gemütern, I daß nichts Darin stehen blieb, wie Die nackte Raserei. Ha, der Waldsackerer! Der seine Macht sie beständig fühlen ließ! Es Dem einmal heimzuzahlen ! Was erdreistet er sich doch! Drauf auf ihn: Zu geschlagen i Den roten Hahn auf sein Dach!
Johlend, schreiend wälzte sich die Rotte aus Dem schmalen Schultor. Auf Den WalDSacker zogen sie los. Was sie unterwegs an lärmgebenden Gegenständen erwischen konnten, wurde mitgeschleppt und Drauf losgewütet. Ein Höllenspektakel war's, von Dem Die Heide erzitterte und Dec Eiberg dröhnend das Echo zurückwarf. Die schwache (SinfritDigung des Waldsackergärtchens rissen sie nieder, zerstampften und zerhieben, rvas ihnen tn Den Weg kam. Ein Hagel von Steinen sauste auf das Haus nieder, bis jedes Fenster zertrümmert war.
Damit war ihre Wut verpufft und ihre Schadenlust satt geworden. Fast mußten sie sich jetzt auf Die genaue Ursache Des tobsüchtigen Ueberfalles besinnen. Der Schneebruch, Die Zauberei, des Waldsackerers Widerstand, die Erinnerung an all das wallte wie Rebel durch die aufgeregten Köpfe. Nur eines war ihnen Har, daß sie es auf alle Zeit mit dem Waldsackerer verdorben hatten. Run konnten sie das ganze 3«br Regenwasser trinken! Denn der Bauer drohte schon lange. Den Krug zu schließen. Das Pfarrmädel war für diesmal in den Hintergrund gerückt. Der Jähzorn war verraucht und Du Feigheit wieder za ihrem Recht gekommen. Jeder gob Dem andern Die Schuld. Fast hätten sie unter sich von neuem Streit begonnen Allein Der Wunsch, von Dem Waldsackerer nicht erkannt zu werden, sich möglichst 'unauffällig au drucken, hielt He im Zaum.,


