Ausgabe 
4.5.1922
 
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'hingen fremden Staatsangehörigen gegenüber zu erfüllen. Sie erkennt auch die von russischen Lokal- und Prvvtnzialbehörden ,'fremden Staatsangehörigen gegenüber eiagegange- nen finanziellen Verpflichtungen an. In Artikel 6 verpflichtet sich die russische Sowjetregierung, innerhalb 12 Monaten nach Inkrafttreten des gegenwärtigen Artikels mit den Vertretern der Inhaber von Mitteln oder Obligationen, die von der russischen Sowjetregierung oder ihren Vor­gängern ausgegeben oder garantiert wurden, ein Liebereinkommen zu schließen, um die Wiederauf­nahme des Zinsendienstes dieser Schulden und die Zahlung der Verpflichtungen zu sichern. Wenn ein Liebereinkommen nicht erreicht werden kann, verpflichtet sich die russische Regierung, die Ent­scheidung einer Schiedsgerichtskommission anzuneh- men, bestehend aus einem von den auslänoischen Inhabern ernannten Mitglied, ferner aus zwei Mitgliedern und einem Präsidenten, der vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten oder statt seiner von dem Rate des Völkerbundes öder von dem Präsidenten des ernannten internatio­nalen Gerichtshofes im Haag ernannt wird. Laut Artikel 7 verpflichtet sich die russische Re­gierung, alle ausländischen Interessen an Verlusten oder Schäden, bewirkt durch Konfiszierung oder Sequester von Eigentum, za- rückzugeden, wieder herzustellen oder zu entschä­digen. Im Falle des Richtzustandekommens einer Einigung zwischen den früheren Vesihern und der Sowjetregierung entscheidet em gemischtes Schiedsgericht. Wo die russische Sowjetregieiung das Eigentum selbst nicht zurückgeben kann, wird sie nicht das Recht haben, es später anderen Konzessionären zu übertragen. Will sie dies, so mutz sie den vorherigen Vesihern ein Vorzugs­recht einrcrumen. Wird das Eigentum einer all­gemeinen Wirlschaftsg uppe einverleibt, so hat der vorhergehende Besitzer das Recht, an dieser Gruppe nach Matzgabe seiner alten Rechte Teil zu haben. Dort, wo das Eigentum Schäden La- vongetragen und wo sie dem Vorgehen oder Lilnterlassen der ru si chen S'wictrrgierung zu­zuschreiben sind, wird nach Artikel 7 von einem gemischten Schiedsgericht die Entscheidung fest­gesetzt.

Ein neuer Protest Tschitscherins.

Genua, 3. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB.) Tschitscherin hat an den Präsidenten der Konferenz, Facta, fol­genden Bries gerichtet: Die WirtschaftSkom- missivn hat ein besonderes Komitee für Arbeiterfragen gebildet. Der Prä­sident der Kommission hat selbst aus eigenem Antrieb die Rationen bezeichnet, die in diesem Komitee vertreten sein sollen. Rußland wurde dabei nicht berücksichtigt, obgleich es der erste Staat ist, dessen Ver­fassung und Politik aus den Interessen der Arbeiterschaft gegründet ist. Im Ramen der russischen Delegation sehe ich mich genötigt, gegen diese sonderbare Methode der Ernen­nung von Mitgliedern in das Komitee und gegen den Ausschluß Rußlands zu prote­stieren.

Cin Essen zu Ehren FactaS.

Genua, 3. Mai. (WTB.) Gestern abend rfand im Edenhotel ein Essen zu Ehren des italienischen Ministerpräsidenten de Facta Hind des italienischen Ministers des Aeußern ;Schanzer statt. An dem Essen nahm auch die deutsche Delegation, an der Spitze Reichs­kanzler Dr. Wirth und ReichSminister Dr. Rat Henau, teil.

Konferenz der deutschen Finanz- und Iustizminifter.

Berlin, 3. Mai. (WTB.) Auf Einladung Und unter Vorsitz des Reichsfinanzministers am 28. und 29. April d. I. in Würzburg stattgefun­dene Konferenz der Finanzminister und Iustizminister aller deutschen Länder nahm allseitig befriedigenden Verlauf. Die Kon­ferenz führte zu Ergebnissen, die den berechtigten Wünschen der Länder und Gemeinden insoweit Rechnung tragen, als es die Finanzlage des Reiches irgendwie gestattet. Ohne die Rotwendig- feit sparsamster Wirtschaftsführung zu verkennen, war die Versammlung bemüht, den Finanzaus­gleich mit dem Reiche in der Weise auszugestalten, die der Selbständigkeit und der Selbstverant- wortung der Ländergemeinden in höherem Maße Rechnung trägt, als das nach den geltenden Vor­schriften des Landessteuergesehes der Fall ist. Dabei wurde auch der dringende Wunsch aus- ickt, es möchten in Zukunft reichsgesehliche nahmen vermieden werden, die den Auf­gabenkreis der Länder und Gemeinden erweitern, ohne gleichzeitig für Bereitstellung der erforder­lichen Mittel Sorge zu tragen. Die außer­ordentlichen Vor- uno Zuschüsse des Reiches anläßlich der Erhöhung der Beamten-- geh älter sollen in feste Zuschüsse um­gewandelt werden, deren Bemessung den Mehrein­nahmen der Ländergemeinden aus dem Ertrage der Einkommensteuer infolge Desoldungserhöhung Rechnung tragen und gleichzeitig Anreiz zu Ersparnissen auf dem Gebiete der Deamtenbesoldung geben soll. Zu den Beschlüssen der Konferenz werden nunmehr noch die verfassungsmäßig berufenen Stellen des Reichs und der Länder Stellung zu nehmen haben.

Aus dem Steicbc.

Der Angriff auf das Berliner Rathaus.

Berlin, 3. Mai. (Wolff.) . Lieber die gestrigen Vorgänge am Rathause wurde vom Polizeipräsidenten eine Untersuch­ung eingeleitet. Rach den bisherigen Ergeb­nissen kann schon jetzt festgestellt werden, daß der Anlaß zum Gebrauch der Waffe durch Angriffe aus der Menge auf einzelne Polizeibeamte gegeben wurde. Auch berittene Beamte sind tätlich angegriffen worden. Der Gebrauch der blanken Waffe erfolgte in­struktionsgemäß zur Vermeidung der An­wendung der gefährlicheren Schußwaffe' und vollzog sich in schonendster Weise. Rach einer Umfrage bei allen Krankenhäusern und Rettungsstellen ist nirgendwo eine Bauchver­letzung vorgekommen. Lote sind überhaupt nicht zu beklagen. Der Polizeipräsident,der

auf die restlose Aufklärung der Vorfälle den größten Wert legt, empfing heute vormittag bereits eine Abordnung der Gewerkschaften.

Der l in, 3. Mai. (WLV.) Auf Grund eines Beschlusses der Obleute der städtischen Arbeiter­schaft Berlins ist ein 24 stündiger Protest- streik ab morgen früh 5 Uhr proklamiert wor­den, und zwar wegen der ungenügenden Erklä­rungen des Polizeipräsidenten über die gestrigen Vorgänge vor dem Rathause. Wie wir erfahren, wird die Technische Rot Hilfe ein­greifen, so daß Wasser, Gas und Elektrizität geliefert werden. Rur die Straßenbahn wird morgen nicht verkehren.

Keine Auflösung des sächsischen Landtages.

Dresden. 3. Mai. (WTB.) Die Staatskanzlei teilt amtlich mit: Der von den Organisationen der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen Vvllspartei gestellte Antrag, ein Volksbegehren auf Auflösung des Landtages zuzulassen, wurde von dem Gesamtministerium in der gestrigen Sitzung zurück gewiesen. Das Gesetz schreibe vor, daß ein solcher Antrag entweder von tausend Stimmberechtigten unterschrieben oder aber glaubhaft gemacht werden muß, daß der Antrag von mehr als 20 000 stimmbe­rechtigten Mitgliedern der Organisationen un­terstützt wird. Den beiden Voraussetzungen genügten die Antragsteller nicht.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Mai 1922.

** Amtliche Persvnalnachrichten. Dem Vorsteher des Hauptzollamtes Worms, Re­gierungsrat Serth, wurde vom 1. Mai d. I. ab die Stelle eines Referenten bei der Zoll- abteiUmg des Landesfinanzamts Thüringen in Rudolstadt übertragen. Ernannt wurden: am 22. April die Polizeiwachtrneister auf Probe Ernst Dreher aus Pr.-Holland, am 24. April Willi Bau er auS Zell a. d. Mosel, Franz Fr ohne aus Soest in Westfalen, Hermann Praß aus Dingen, Wilhelm R o t h e r m e l aus Diebesheim, sämtlich mit Wirkung vom 1. Mai 1922, zu Polizeiwachtmeistern. Ernannt wurde am 22. April 1922 der Militäranwärter Georg Schmidt zu Hungen zum Amtsgehilfen bei dem .Amtsgericht Hungen. Ernannt wurde am 29. April der Privatdozent an der Universität Königsberg Dr. Hans Falckenberg mit Wir­kung vorn 1. April 1922 ab zum etatsmäßigen außerordentlichen Professor für Mathematik an der Landesuniversität. In den Ruhestand ver­seht wurde am 27. April der Lehrer an der Volksschule zu Michelstadt im Kreise Erbach Hein­rich Keidel auf sein Rachsuchen unter An­erkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Juni 1922 an.

* Fe st genommen wurde ein Flüchilings- ehepaar, das aus Mitleid von einer Familie in die Wohnung ausgenommen worden war, and als Dank den ©aftgebern einen großen Teil Bett» lväsche stahl. Außerdem entwendete die Frau für mehrere Tausend Mart Bettwäsche aus einem Hotel, wo sie 8 Tage als Wäscherin tätig war. Das Ehepaar verkaufte die Wäsche an hiesige Althändler. Gestohlen wurde aus einem un­verschlossenen Zimmer eine rotbraune Rindleder­handtasche mit folgendem Inhalt: Eine Vorsteck- nadel aus einem 10 Dollarstück in Gold, zwei silberne Vorstecknadeln und 2 Manschrttenknöpfe aus Silber-Dollarstücken, eine lange Halskette aus Steinperlen, 2 Paar Stoss- und 1 Paar Wild­leder-Damenhandschuhe und ein Portemonnaie. Vor Ankauf wird gewarnt.

** Ansprüche auf Erstattung von Eisenbahnfahrgeld werden wegen der erhöhten Fahrpreise setzt in erhöhtem Maße gel­tend gemacht. Es herrscht bei den Reisenden aber Unkenntnis darüber, welche Voraussetzungen für derartige Anträge vorliegen müssen, wenn sie Erfolg haben sollen. Es sei deshalb auf folgen­des hingewiesen: Die Anträge müssen den ord­nungsmäßigen Rachweis der Richt- oder nur Teilbenuhung der Fahrkarten enthalten. Das ist nur der Fall, wenn eine Bescheinigung darüber von einem Stationsbeamten beigebracht ist. Kar­ten, die überhaupt nicht benutzt und somit noch nicht gelocht sind, müssen ebenfalls von einem Stationsbeamten bescheinigt sein. Die Richt­lochung einer Fahrkarte gilt nicht als Beweis für die Richtbenutzung. Zuständig ist der Sta­tionsbeamte der Station, bis zu welcher die Karte nur benutzt ist, oder bei überhaupt nicht benutzten Karten die Lösungsstation. Hat der Reisende einen anderen Weg benutzt als den» über den seine Karte lautet, so wird ihm auf der ersten Karte die Richtausmihung bescheinigt. Diese und die neu gelösten muß er dann seinem Erstattungsantrage beifügen. Bescheinigungen hierfür erteilt der Stationsbeamte des Aozwei- gungsbahnhofs oder die Zugbegleitbeamten. Auf 3eitfarten (Monats- oder Wochenkarten) wird Fahrgeld im allgemeinen, es sei denn, daß Son­derermächtigungen, wie z. B. anläßlich des Eifen­bahnerstreiks im Monat Februar erteilt sind, nicht zurückerstattet. Derartige Anträge sind daher zwecklos. Die Anträge auf Rückerstattung von Fahrgeld sind bei dem Verkehrsamt, in dessen Bezitt die Fahrkarte gelöst ist, unter Darlegung der Umstände möglichst umgehend zu stellen. Völlig unbenutzte Karten können auch, aber nur bei Vorlegung noch am Lösungstage, wenn, wie oben bargelegt bescheinigt, am Fahrkartenschalter des Lösungsortes zurückgegeben werden. Liegen keine rechtlichen Gründe für die Erstattung des Fahrgeldes vor, so wird je nach Hohe des Be­trages eine Schreibgebühr von 1 oder 2 Mark erhoben. Die Lieberweisung des Geldes erfolgt unter Kürzung der Postgebühren durch die Post.

** Der Steuerpflichtige muh nicht unbedingt vor dem Finanzamt er­scheinen. Die Verpflichtung der Steuer­pflichtigen, vor dem Finanzamt zu erscheinen, ist nicht unbedingt. Diese wichtige Entscheidung hat der Reichsfinanzhof neuerdings in einem Urteil getroffen. Ein Steuerpflichtiger hatte gebeten, ihn von dem persönlichen Er­scheinen zu entbinden, da er schlecht aus seinem Betriebe heraus könne und es ihm an Ver­tretung fehle. Er wolle aber alles nötige ein­reichen (uni) füge zwei notarielle Urkunden, über sein Grundvermögen und seine Schulden bei. Das Finanzamt setzte für das Richter'schei- nen eine Strafe von 300 Mark fest und drohte eine weitere von 500 Mark an. Auch das Lan­desfinanzamt schloß sich dem an. Der Reichs­

finanzhof hob aber die Entscheidung auf. Der Steuerpflichtige brauche nur dann vor dem Finanzamt zu erscheinen, wenn er nicht durch triftige Gründe daran verhindert ist. Er hatte seine Wirtschaft aber nicht ohne Aufsicht, sein Vieh nicht ungefüttert, seine krank zu Bett liegende Ehefrau nicht ohne Pflege zurück- lassen können. ES mochte allerdings, sagt der Finanzhvf, für das Finanzamt bequemer sein, den Steuerpflichtigen eine oder mehrere Rei­sen machen zu lassen, als schriftlich bestimmte und genaue Fragen zu formulieren. Das Finanzamt hätte wenigstens zuerst versuchen müssen, schriftlich Auskunft zu erhalten.

-Wettervoraussage für Freitag.

Wolkig, Riederschläge, kühler, stärkere west­liche Winde.

Von Island her naht ein neuer Tiefdruck­wirbel. Kräftigere westliche Luftströmungen wer­den uns wieder Regen und Abllihlung bringen.

Bornotizen.

Tageskalender für Donners­tag. Kath. VereinShauS, 8Llhr: Oeffentliche Versammlung d^S Mietervereins. Astoria- Lichtspiele, ab heute:Die Abenteuerin von Monte Carlo", 3. Teil:Der Mordprvzeß Stanley" undZwangsverlobung". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:Des Meeres und der Liebe Wellen" undDer Herr Impressario".

König Oidipus. Aut die am Sams­tag und Sonntag zum Besten der Gedächtnis- spende der ©cfcllenen der Landesuniversität strtt- finbenben Ausführungen des Königs Oidi­pus sei nochmals hingewiesen. Der Kartenverkauf hat heute begonnen. (©. Anz.)

Konzertverein. Die Aufführung der Brucknerschen Stoßen Messe Rr. 3 in b-moh als letztes Abonnements-Konzert findet nun, wie be­reits gestern durch Anzeige bekannt gegeben, am Donnerstag, den 11. Mai, abends 7>,'i Llhr in der Stadtlirche statt, die Hauptprobe Lazu am Mitt­woch, Len 10. Mai, beginnt bereits um 7 Llhr. Der Konzertverein bittet, darauf hrnzuweisen, daß die allerdings nur für Gießen nicht gewohnten hohen Eintrittspreise, durch die großen Kost rn, welche eine derartige Ausführung heatz.ttage er­fordert, bedingt sind, selbst wenn alles aus- verkauft ist, hat der Konzertverein immer noch einen recht beträchtlichen Teil der Kosten zu tra­gen. Die Mitglieder werden gebeten, die Abon- nementskarten unter Zuzahl mg der gestern an» gekündigten Beträge rechtzeitig bis 8. Mai umzu- tcuschen, damit sie nicht Las Anrecht auf ihren Adonnementsplatz verlieren.

Der Qlliccfrauenbercin veran­staltet einen Samariterkursus. Frauen und Jung­frauen (nicht unter 17 Jahren) werden aufgefor­dert, daran teilzunehmen. Der Lehrgang beginnt am Montag, 8. Mai, abends 8 Llhr, und findet im Versammlungsraum der Sanitätskolonne, Sonnenstraße 2, statt. Er umfaßt 10 li/2ftiinbige Llnterrichtsstunden, die regelmäßig Montag und Donnerstag stattfinden. Zur Deckung der Kosten wird ein Beitrag von 10 Mark erhoben. (Siehe Anzeige.)

Die Deutsche Volkspartei ver­anstaltet am kommenden Samstag (8 L.lhr abends) im Hotel Grohherzog ein geselliges Beisammen­sein, um die auswärtigen Parteifreunde zu be­grüßen, die anläßlich des 4. hessischen Parteitages nach hier kommen. Finanzminister a. D. Dr. Becker, M. d. R., sowie die Mitglieder der Landtagsfraktion haben ihr Erscheinen zugesagt. Gesangliche, musikalische sowie deklamatorische Vorträge Gießener Parteifreunde werden helfen, den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten. (Räheres s. Anzeige.)

Landkreis Gietzen.

O ® rünberg, 3.Mai. Am Sonntag fand hier mit der Llrberreichung der Gesellenbriefe die diesjährige Gesellenprüfung ihren Ab­schluß. Beteiligt waren 25 Lehrlinge: 10 Schlos­ser, 1 Schmied, 2 Spengler, 1 Zimmerer, 3 Schrei­ner, 5 Wagner, 2 Weißbinder und 1 Friseur. Sämtliche 25 Prüflinge konnten auf Grund der gefertigten Gesellenstücke als bestanden erllärt werden, 22 erhielten die RoteGut bestanden" und 3 die RoteBestanden". Mit einer An­sprache an die Junggesellen überreichte der Vor­sitzende des Prüfungsausschusses, Lehrer Wen­zel. die Gesellenbriefe. Vergangene Woche besuchte die Hessische Landes-Wander­bühne wiederum unsere Stadt. Zur Ausführung gelangten diesmal GoethesSau ft und am folgenden Abend das vieraktige LustspielDie deutschen Kleinstädter" von Kotzebue.

am. Oden Hausen, 2. Mai. Am Samstag wurde ein Veteran von 1 8 7 0 7 1, Heinrich Balling, Gast- und ßanbaürt, dahier beerdigt. Der Kriegerverein erwies ihm die letzte Ehre am Grabe. Am Sonntag hielt Landgerichts­rat T r ü m per t von Gießen im hiesigen Krieger­verein einen Vortrag über die Schuld am Kriege. Für seine Haren Auslegungen wurde ihm am Schlüsse reicher Beifall gezollt. Der Tezirksvorsitzende Roth von Grünberg sprach noch über Zwecke und Ziele der Kriegervereine und deren Wohlfahrtsbe­strebungen. Der Gesangverein fang drei sehr schöne Vaterlandslieder. Am Schlüsse der Ver­sammlung dankte der Vereinsvorsiyende allen Mitwirkenden und Zuhörern und bat die jungen Krieger, die bis jetzt noch dem Verein fernfleben, beizutreten, um auch durch ihren Beitrag die Tränen der Witwen und Waisen füllen zu Hel­sen. Eine Sammlung für die Kriegsbeschädigten ergab den Betrag von 136 Mk.

Kreis Alsfeld.

§ Ober-Ohmen, 3. Mai. Zur Prü­fung unserer Kirchenorgel weilte in voriger Woche hier Musikdirektor Müller vom Lehrerseminar zu Friedberg i. H. Man hatte den Sachverständigen kommen lassen, weil die Prvspektpseifen der Orgel erneuert werden sollten und weil man erst erfahren wollte, ob die alte Orgel des neuen Kleides noch wert sei. Das Urteil des Musikdirektors lautete dahin, daß jeder Pfennig, der an die alte Orgel gehängt werde, hinausgcworfenes Geld sei. Man möge sie spielen, so lange es ginge und dann eine neue Orgel anschasfen. Das hätte schon vor 30 bis 20 Jahren geschehen müssen.

§ Kirlchgarten, 3. Mai. G r o b e r LI n- f u g oder Wahrheit? Eine hiesige Krieger­witwe hatte 1916 ihren Mann in Rußland ver­loren. Beim Vorgehen in einer damaligen Schlacht sah ihn sein Hauptmann fallen. Ein

an ihn gesandtes Paket kam als unbestellbar zurück. Gr zählte zu den Gefallenen. Die Witwe hatte einen Knecht angenommen, aus guter Fa­milie, tüchtig und fleißig. Beide kamen überein, sich zu heiraten. Dieser Tage schlug der Knecht cin Brett über das Loch eines Scheuerschalters. Da ging just cin hiesiger Mann vorüber und fragte den Knecht, ob er das. Brett annageln wolle. Ja," sagte dieser,aber nicht für mich!" Warum nicht für dich?" fragte der Vorüber­gehende.Ich weiß nicht," entgegnete der An- gcrebeteich habe heute in mir so eine Ahnung, als ob der Vermißte und Totgeglaubte wieder tarne." Am Abend desselben Tages kam eine Depesche von Hohen-Limburg, worin gemeldet wurde, daß der Sotgeglau,bte noch lebe, aus Rußland zurückgekehrt sei und heimkehre. Dis jetzt hat sich diese Depesche noch nicht be­wahrheitet. Die Betroffenen sind sofort an den Aufgabeort des Telegramms gereist, um den Absender ya ermitteln, da man meint, daß es sich um Personen handelt, die ein Interne daran haben, die Vermählung des Paares au ver­hindern.

.Kreis Lauterbach.

rr. Schlitz, 2. Mai. Der im Rovembe? vorigen Jahres gegründete evangelische! Männer - und Jünglingsverein veran­staltete seinen ersten Familienabend. Der große Cuntrumsche Saalbau war bis zum letzten Platz beseht. Bei einem außerordentlich reichhaltigem Programm, bei musikalischen Vorträgen und ge­meinsamen Gesängen, bei turnerischen Darbietun-, gen, Ansprachen und einem von Vereinsmitglie­dern sehr gut gespielten Theaterstück:Der Schild des Glaubens", nahm die Feier einen schönen Ver°. lauf. Auch die hiesige Wandergruppe des Deut­schen Handlungsgehilfenverbanoes hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt und trug durch Darstellung lebender Bilder, wie auch durch QEu= sikvorträge zum Gelingen der Veranstaltung toe- scntlich bei. Eine Dankesfeier^die anläß­lich des Goldenen Jubiläums von Schwester Elisabeth Gerbig gestern vormittag in der Kapelle des Gräflichen 'Hospitals ftattfanb, ge­staltete sich zu einer erhebenden Kundgebung und war ein sichtbares Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung, welche die Jubilarin in ihrer lan­gen Wirksam leit in unserer evangelischen Ge­meinde gesunden hat. Rach dem Gottesdienst sprach Graf Wilhelm von Schlitz der Schwester im Rainen seines Hauses seine Glück­wünsche aus und überreichte der Jubilarin ein Bild seines verstorbenen Vaters. Im Auftrage der Kirchengemeinde wurde der Schwester, die jetzt nach Darmstadt ins Mutterhaus übersiedelt, ein Bild von Schlitz übergeben. Auch aus der Bürgerschaft wurden zahlreiche Geschenke über­mittelt. An die Stelle der nunmehr scheidenden Schwester trat Schwester Marie Weigand aus Darmstadt.

Kreis Schotten.

hg. L! l r i ch st e i n, 2. Mai. Der hiesige Stenographenverein Gabelsberger veranstaltete nach Abschluß seiner Winterardcit am letzten Samstag einen Llnterhaltungs- abend, der einen sehr befriedigenden Verlaus nahm. Im Mittelpunkt des reichhaltigen Pro­gramms stand die Aufführung des Lustspiels von Th. Körner:Der Vetter aus Bremen". Ferner wurde das Hans Sachs'sche FastnachtsspielDas Kälberbrüten" b-fvrgebotm, das bei sehr glück­licher Besetzung der Rollen feine Wirkung nicht verfehlte. Konzert und Tanz beschlossen den Abend, der bewies, daß auch in kleineren Ver­hältnissen gute, volksbildende Arbeit mit ideellem und materiellem Erfolg geleistet werden kann.

hg. Feldkrücken, 2. Mai. Der Landwirt und Holzhändler K. von hier stürzte am ver­gangenen Freitag mit seinem Motorrad zwischen Schotten und hier so unglücklich, daß er neben anderen Verletzungen einen sehr kompli­zierten Armbruch davontrug. Er mußte nach Hause gefahren werden und begab sich nach An­legung eines Rotverbandes in die Klinik nach Gießen.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 3.Mai. Bedenklich^ Radauszenen entstanden gestern abend bei dem auf Veranlassung des Christlichen Vereins junger Männer veranstalteten Vortrag des Prof. Dr. Brunner -Berlin, des bekannten Kämpfers imReigen"°Prozeß. Rach den Ausführungen des Redners entstand trotz des lebhaften Beifalls ein wüster Skandal seitens der Opposition. Zu­nächst erwiderte in verhältnismäßig großer Ruhe der Schriftsteller W. Michel. Desto stärker war das Schreien und Pfeifen bei den weiteren Red­nern, unter denen sich besonders ein stud. Hau­bach hervortat, der Kommunist sein soll und mit gemeinen Schimpsworten schon während des gan­zen Abends um sich warf. Er verlas einen Protest gegen die ..dilettantischen Versuche" des Redners, der angeblich von lOThcatermitgliedern(Schramm, Schlembach, F. Cleve, G. Szell, D. Diestelmann, W. Kulisch und Baumeister) unterschrieben war. Es konnte aber festgestellt werden, daß keine dieser Personen in dem Vortrag anwesend war. Hervor- ragend beteiligt hat sich auch der frühere Stadtv. Dr.-Ing. H e y d. Die große Mehrzahl der Be­sucher hat diesen Streich, der sicher kein Gewinn, für das Ansehen Darmstadts ist, sehr bedauert.

Hessen-Nassau.

Der Kibitz ein Raturdenkmal.

fpd. Frankfurt a. M.. 2. Mai. In den letzten Jahren ist der Kibitzbestand in Deutsch­land derart verringert worden, daß ein AuS- sterben dieser interessanten Vvgelart zu be­fürchten ist. Infolgedessen haben die Minister für Landwirtschaft und für Volksbildung mit Rücksicht aus die Raturdenkmalspflege, die eine Erhaltung dieses Vogels gebietet, das Sammeln von Kibitzeiern durch Polizeiver­ordnung verboten. Diese löbliche mini­sterielle Maßnahme kommt für dieses Jahr leider zu spät. *

Frankfurt a. M., 2.Mai. (Das Tier in der bildenden Kunst.) Unter diesem Titel veranstaltet die Direktion des Zo alogischen Gartens auch in diesem Jahre totebn: eine Aus­stellung von Wetten der Malerei, Plastik, Graphit und des Kunstgetoerbes.

K Marburg, 2. Mai. In derMainacht fanden in allen studentischen Vereinshäusern wie­der die üblichen Maifeiern statt. Auch der historische Festakt des Korps Hasso- R a s s o v i a auf dem Marktplatz fehlte nicht. Gestern veranstalteten die Gewerkschaften einen großen Llrnzug und anschließend OHaifzier | in den Stadtsälen.