Schlichtunqsausschtts; -er Provinz Lbcrhessen.
Sitzung vom 2. Mai 1922.
3ür die Arbeiter der Fabrik feuerfester Steine Scheid Hauer u Giessing 21.-®. in Mainzlar und die Arbeiter der Quarzit- b r ü ch e in Tret« a. d. Lda., Homberg a. d. Qhm und Rockenberg tourden 25 ü. H. Zulage ab l.Mai vorgcschlaaen. Die Mainzlarer Betriebs- ai beiter über 21 ^)ahre kämen hiernach im Zeitlohn auf 14,81 Mk. Stundenlohn, die verheirateten Arbeiter über 2> Zahre der Quarzltbrüche aus 11,02 Mk. Die Avrillöhne toaren Anfangs März mit einer Mark Stundenlohnzulage auf die Löhne der ersten Märzhälfte vereinbart worden. Die Regelung der sonstigen allgemeinen Arbeitsbedingungen wurde der Verhandlung der Parteien überlassen.
Die Zahnfabrik Germania in Bad- Rauheim soll vom 1. Mai an die Aprillöhne um 30 v. H erhöhen. Die Arbeiterinnen über 20 Zahre erhalten hiernach 8.13 Mk. Stundenlohn. Die besonderen Zulagen und Dergünstigungen bleiben wie bisher.
Dem Antrag eines schwerkriegsbeschädigten Arbeiters der Zigarrenfabrik 6. Klingspor G. m. b. H. In Giehen, seine Akkordenllohnung anders zu regeln, konnte nicht entsprochen werden, weil die Entlohnung nach dem Tarifvertrag erfolgt. Die Frage der zweckmässigen Beschäftigung und angemessenen Entlohnung eines schwerkriegsbeschädigten Arbeiters des Tonwerks Hüt 1 enberg in Leihgestern wurde zunächst noch einmal der Verhandlung der Beteiligten und der beiderseitigen Verbände überlassen.
In zwei Desamtstreitigkeiten und einer Einzelstreitigkeit in Lohnsachen verständigten sich die Parteien vor der Verhandlung
Gerichtssaal.
Die Revision des Urteils gegen den Raub- «Srder Liefert wurde verworfen.
Heidelberg, 3. Mai. Die vom Verteidiger des Raubmörders S i e f c r t, der bekanntlich in Heidelberg die beiden Bürgermeister ermordete, eingelegte Berufung gegen das Urteil des Heidelberger Schwurgerichts wurde vom Reichsgericht verworfen, wodurch das zweifache Todesurteil, das am 25. Januar gefällt worden ist, Rechtskraft erlangt. Das badische Staatsministerium wird über die Vollstreckung des Urteils weiteres zu verfügen haben, da eine Begnadigung wohl kaum in Frage kommen dürfte.
j[ Marburg. 2. Mai DaS Schwurgericht beschäftigte sich heute noch einmal mit dem nächtlichen U e b e r f a l l auf die sogen. Hüslenmühle bei Geismar, wobei dir Familie des Landwirts P o h l m a n n bedroht und beraubt wurde. Der Vorfall spielte sich in der Rächt vom 5. zum 6. September 1918 ab. Damals erschien bei dem Gehöfte mitten in der Rächt eine militärische Patrouille und verlangte Ein
last mit dem Bemerken, dast ein Deserteur gesucht würde. Mit dvrgeholtenem Revolver wurde die Familie gezwungen, aufzustehen und in der Zauche Platz zu nehmen. Dann wurde fast drei Stunden lang das Gehöft ausgeraubt und als sich die Leute wieder entfernten, liehen sie auch noch einen Posten zurüct, der aiterdingS spater verschwand. Pohlmann lief dann auf dein schnellsten Wege nach Franken berg und benachrichtigte die Polizei. 3n Herz Haufen gelang eS dem Oder- landjäger Meyer, im Fruh>uge einige Verdächtige festzunehmen und ihnen den Rorb wieder objunebmen Vor dem Schwurgericht wurde dann im April v. IS. ein Angeklagter namens W 111 - mann und die Ehefrau Glänzer, die auch auf der Hüstenmühle wohnt, nebst deren Tochter verurteilt. Zwei weitere Beteiligte namens Witzel und Ä rüget waren nicht aufzufinden Mittlerweile ist nun Krüger feftgenommen worden und so stand er heute wegen der Suche vor Gericht. Der Anstiftung bzw. Beihilfe war ferner der Ehemann Glänzet angetlagt. Der Angeklagte Krüger, der von Beruf Metzger ist, schilderte heute schluchzend, wie er von Kassel auS von den andern mitgenommen worden sei. Bei Glänzers hätten sie sich als Militärpatrouille zurecht gemacht, er Hude dort auch Helm und Gewehr empfangen. Dann seien sie zu Pohlmanns gegangen Dort spielte sich dann die Szene, wie bereits geschildert, ob. Glänzet bestreitet )ede Mitwis'enschafl. einem Deserteur solle mm doch nicht glauben. Die Geschworenen sprachen beide schuldig und das Gericht erkannte auf je 1 Jahr Gefängnis.
Deuthen (O.-Sch.), 3. Mai. (Wolff.) DaS Schwurgericht Deuthen verurteilte gestern den 24jährigen Kesselheizer Pionlek aus Birkenhain wegen Mordes zum Tode; ferner wegen versuchten Mordes zu 10 Jahren Zuchthaus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Pivntek wurde seinerzeit unter dem Verdacht festgenommen, an der Ermordung von 10 Männern in IvsefSthal teilgenommeA zu haben. •
Kunst und Wissenschaft.
Frankfurter Dhoruraufführungen.
Frankfurt a.M.. 2.Mai. Der „Rühlsche Gesangverein" hat sich ein Verdienst erworben, dast er in seinem letzten Konzert dieses Winters zwei neuen Chorwerken in Deutschland den Weg bahnen half. Grillparzers begeisterter Srguh an die Tonkunst hak den in Frankfurt lebenden blinden Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen zur Vertonung angeregt. Seine Komposition, sicher auch vom eigenen Erlebnis befruchtet, hebt mit einem kurzen elegischen Orchestervorspiel an und läßt dann in voller Wucht sieghaft bejahende Chorklänge ertönen. Der Mittelteil, der wenige Textworte in fielen Wiederholungen von Chor und Soloquartett toeiter- spinnt. ist zweifellos zu breit und gleichförmig geraten, erst am Schlust findet der Komponist, bem für seine Kantate das Finale aus der 9. Sim- phonie vorgeschwebt haben mag, wieder frischere
Klänge und hellere Farben. Der .Hymnus an die Tonkunst" bezeugt wiederum eine fein empfindende Künstlernatur, alS die sich Werander Friedrich von Hessen bereits in ßiebem und Kammermusikwerken bewiesen bat; die Orchester- und Chvrbehandlung ist, ohne gerade stilistisch neue Wege zu weisen, von vornehmem klanglichen Gepräge.
Zur deutschen Uraufführung kam ferner das „Requiem" deS Deutsch-Engländers Frede- d er ick DeliuS. Es ist eine stille und tiefernste Dichtung, die in pantheistischen Gedankengünqen das stete Werden und Deigehen der Allnatur schildert und in einem jubelnden Grub an den Frühling und die wiedererstehende Welt gipfelt. Delius hat ihr alS feiner und sensibler Musiker die ganz seiner Art entsprechende Vertonung gegeben, und der Komponist von „Fenimere und Gerda" ist an den zarten, oftmals zerstiebenden Linien, der bunten, stimmungsmalenden Harmonik leicht wieder zu erkennen. 2lusdrucksvoll begleitet der Chor in knappen Sätzen die refig- nationserfüIlten Betrachtungen der führenden Bariton- und Sopransolostimme.
Beiden Werken wurde der „Rühlsche Gesangverein", dem Herr Oskar v. Pa n de r ein sicherer und straff anfeuernder Dirigent war, durchaus befriedigend gerecht. 2luch das treffliche Opernhausorchester und die Solisten — unter ihnen besonders Adolf Permann und Frau Anna Kämpfen — hatten Anteil an dem starken und herzlichen Beifall, für den die beiden anwefenden Komponisten wiederholte Male danken konnten.
Dr. Georg Schott.
*
Gin internationaler Kongreß für Astronomie itnb Geophysik.
Rom, 3. Mai. (Wolff.) Gestern wurde hier auf dem Kapitol in Anwesenheit des Königs, deS Kronprinzen, deS Kardinals Maffi, des Llnterrichtsministers und nahezu sämtlicher Leiter der groben Sternwarten der Welt der K v n - greb der internationalen Vereine für Astronomie, Geodaesie und Geophysik eröffnet Senator Volterra, der Direktor der Pariser Sternwarte Baillard, und der italienische Unterrid?t6mrnlfter Antle dielten Begrüßungsansprachen.
Vermischtes.
Eisenbahnunfall.
Sangerhausen, 3. Mai. (WTD.) Heute Rächt entgleiste hier die Lokomotive des Güterzuges 7855 bei der Einfahrt. 3n demselben Augenblick fuhr der Güterzug 7902 aus. Durch die entgleiste Lokomotive wurde ein Zuateil abgerissen, dessen Wagen sich ineinanderschoben. Dabei wurde ein Schaffner aus Güsten getötet, der Zugführer und die anderen Schaffner verletzt. Die Gleise waren bis heute morgen gesperrt. Der Verkehr wurde durch llnv steigen aufrechterhalten und wird jetzt eingleisig betrieben. Der Materialschaden ist erheblich^
„Drahtlose" Abendunterhalttmgen.
.Radiogefellschaflen" oder wie wir befftf sagen mürben .brubtlofe" Unterhaltungen find augenblicklich die grobe Mode in den Q3creinigtcn Staaten. Zeder Mensch, der „auf der Höhe" ist. hat hier einen drahtlosen Telepbonapparat, und er braucht nichts weiter au tun. als für 8 llfor abend» ein halbes Dutzend Freunde einzuladen und genügend Stühle um den Apparat berumzustellen, dann kann er feinen Gästen Genüsse auS der ganzen Welt bieten und für ein höchst abwechslungsreiches Programm sorgen Der Chicagoer Berichterstatter eines Londoner Blattes schildert eine solche drahtlose Abendunterhaltung, die ihm ein Freund bereitete. „Was willst Du hören?" fragte er. „3<b weist nicht," sagte der Erzähler unsicher. „WaS Du willst, bitte." Er stellte also den Apparat ein und sogleich war ein merkwürdiges Geräusch zu vernehmen, das sich in regelmästigen Abständen wiederholte. „Das sind die Philippinen, bje mit Kalifornien sprechen," erklärte der Freunv. als wenn es das Natürlichste wäre, dast man an dieser •Unterhaltung über Tausende von Kilometern hinweg teilnehme. Dann drehte er wieder an dem Apparat, und aus der Pandorabüchse kam eine deutliche Stimme, die sich also vernehmen liest' DaS Wetter in den Oststaaten wird morgen schön unb warm sein. Die Farmer in Pennsyloanien werden —" „Das ist Arlington, 2000 Kilometer entfernt," erklärte der Wirt. „Gibt einen Wetterbericht der Regierung, der für Tausende von Gutsbesitzern sehr wichtig ist. Run wollen wir etwas Musik hören." Eine weitere Drehung, und sofort war der Raum erfüllt von den wundervollen Gängen des berühmten Präludiums vonRachmanlnofs, das vom Detroit auS über eine Strecke, wohl so grost wie Europa, verbreitet wurde. Das Musst- stück war so klar and deutlich zu höreii, wie man nur ein Konzert durch dcrS Telephon hören kann, ja sogar besser. Darauf folgten einige Gesangsvorträge erster .Künstler, eine komische Ansprache und mehrere Stücke eines Orchesters. „Run," sagte der Wirt, „wollen wir mal Horen. waS man uns von auswärts zu sagen hat. Hier ist Stavanger, das einige für Schiffahrtskreise wichtige Mitteilungen hat." Und Stavanger in Verwegen, etwa 10 000 Kilometer entfernt, gab seine Mitteilungen so deutlich, als wenn sich der Ort im nördlichen Teil von Chicago befände. ."
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Allen denen, die beim Tode unserer lieben Schwester und Nichte
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UNS ihre Freundschaft und ihre Treue gegen die Verstorbene zu erkennen gegeben haben, danken wir von ganzem Herzen.
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