Ausgabe 
4.5.1922
 
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Nr. M

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Erster Blatt

172. Jahrgang

GiehenerAnzei

Donnerstag, 4. Mai 1922 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 64 mm Breite örtlich 120 Pf. auswärts 150 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 450Pf. Bei Platz» Vorschrift 20 °'e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. verantwortlich

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sch l o f f ene

Äuge gesaht.

:ger oudgebeutct dieser belgischen

angesehen werden würde.

(Sine Beratung im französischen LenatsanHschust.

Paris, 3. Mai. (Havas.) Etwa fünfzehn Mitglieder des Senatsausschusscs für auswärtige Angelegenheiten sind heute nachmittag unter dem Vorsitze von Sou* mergue zu einem Meinungsaustausch über die gegenwärtige äussere Lage zufammeirgekommen. Sie besprachen zuerst die von der belgischen Dele- gaticn in Genua eingenommene Haltung sowie die Abänderung, die diese an dem Wortlaut des Memorandums an Russland vornehmen wollte. Man war der Ansicht, dass, ohne in eine Debatte über den Wortlaut einzutreten, es unerlässlich sei, dass Frankreich sich nicht von seinen Ver­bündeten trenne, und daf) cs.sich mit ihm über den anzunehmenden Wortlaut verständigen nrüssc. Dann werde die Möglichkeit eines Zusammen* tritts des Obersten Rates erwogen, der entweder vor dem 31. Mai als dem Verfalltag

Die zweite öffentliche Vollsitzung der Konferenz von Genua.

den letzten Hahren in Russland geschaffene Lage ,abe ihr jedoch nicht die Mitwirkung in dem gewünschten Umfange ermöglicht. Die russische 5-ekgation halte fest an den Vorbehalten, die sie in der Kommission gemacht habe. Eie bestehe eindringlich auf der Rotwendigleit, dass es Russland ermöglicht werden müsse, aus der jetzigen Wirtschafts* und Finanzkrise hcrauszu- lommen, indem Handel und Verkehr mit dem Auslande wieder hergestcllt würden. Eie glaube, dass der Wiederaufbau Eurovas nicht beschleu­nigt werden könne, ohne dass die finanziell starken Staaten den schwachen Hilfe leisten, wozu un­bedingt Kredite unter den Regierungen nötig eien. Eine Monopolisierung des Handels sollte möglichst vermieden werden. Die russische Dele­gation billige vollkommen die Erklärungen des italienischen Vertreters und bringe auf raschest* mögliche praktische Verwirklichung der gefassten Beschlüsse, damit sie zur wirtschaftlichen und finanziellen G sundu ig der ganzen Welt füh­ren. Russland mühe sich ledoch volle und ganze Aklionsfreiheit gegenüber den Beschlüssen Vor­behalten, die irgend ein Band zwischen der Fi- nanzkommission und dem Völkerbund und seinen Organen Herstellen. Am Schlüsse seiner Rede agte Tschitscherin: Ich muss hinzufügen, dass die russische Regierung dadurch in eine schwierige Lage geraten pyb, dass die genauere Prüfung und die Ausführung gewisser Kommissionsbe* chlüsse den technischen Organen des Völker­bundes anrertraut wurde, dem R u bland nicht angehört, und den es nicht an­erkennt, was die russischen Vertreter in den Kommissionen wiederholt betont haben. Rur mit diesen Vorbehalten stimmt Russland den CBc- schlassen der zweiten Kommission zu und macht dieselben Vorbehalte für die vierte Kommission.

Rach ihm sprach der deutsche Delegierte, Reichsminister

Dr. Rathenau.

Paris. 3. Mai. (WTD) Die Havas* agentur veröffentlicht einen halbamtlichen Kom­mentar zu dem gestrigen ersten in Anwesenheit des französischen Delegierten in Genua, Bar­th ou, abgehaltenrn K a b i n e t t s r a t. Die Be­ratung hasse ausschliesslich dem Zwischenfall ge­golten, den der belgische Minister des Aeussern wegen der Rückerstattung des privaten Eigentums in Russland hervorgerufen habe. Darthou habe dem Ministerrat die einzelnen Phasen der Ver­handlungen llar gelegt. Ministerpräsident P o i n- car e habe Auskunft über die in Paris ringe- gangenen Rachrichten gegeben, die dem franzö­sischen Delegierten in Genua nicht zur Kenntnis gekommen seien. Tatsächlich soll nach gewissen Ge­rüchten in Genua verhandelt worden fein, an bri­tische oder andere Gesellschaften Konzessionen zu übertragen, die vor der Revolution durch belgische oder französische Staatsbürger ausgebeutet wuichen Die Vertreter dieser belgischen ober französischen Interessen hätten sich also über die Leichtfertigkeit erregt, mit bet man auf Grund des Artikels 7 _ des Memo* randums diesen Besitzwechsel hätte vollziehen lassen wollen zum Schaden der eigentlichen Besitzer. Der belgische Ministerrat habe unter diesen Um­ständen die Haltung Haspars gebilligt und ihm wiederum die Instruktion erteilt, das Memo­randum nicht zu zeichnen. In Anbetracht dieser neuen Barthou bis jetzt unbekannten Tatsachen, habe der französische Kabinettsrat einstimmig be­schloßen seine Haltung derjenigen Belgiens an- zupassen Er sei tatsächlich der Ansicht, dass man in wirtschaftlichen und in sozialen Organlsations- fragen die Einheit mit Belgien Herstellen müsse. Die augcr.blichliche Regierung, die am Tage nach ter Konferenz von Genua ihre Sympathie dem belgischen Delegierten dadurch zum Ausdruck ge­bracht habe, dass sie gegen ihre eigenen Inter­essen die belgische Priorität in der Reparations- fragc verteidigt habe, hätte in Genua die An­erkennung der belgischen Interessen unterstützen müssen die im übrigen mit den französischen Interessen übereinstimmten. Die halbamtliche Rote fährt fort: Heute vormittag wird der Ka­binettsrat eine neue Sitzung halten und über den Vorentwurf eines Paktes. I durch den sich die Staaten verpflichten sollen einander nicht anzugreifen, so* swie über die demselben rin-ufügenden Gar an­

der deutschen Verbindlichfrittn zusammentreten solle oder später. Auch hier war die Mehrheit der Ansicht, dass, wenn auxb immer diese Zu­sammenkunft stattfinden möge, es unzulässlich sei. dass sie in der Rähe der gegenwärtigen Konferenz tage. Falls eine weitere Sank­tion von den Alliierten ober von Frankreich allein beschlossen werben sollte, so stehe es äusser Zweifel, dass die in Erwägung gezo­gene Operation mit den Mitteln durchgeführt werden könnte, über bic man gegenwärtig verfüge, unb bass man nicht zu besonderen Massnahmen zu schreiten brauche. Wenn auch die Hal­tung Cer Alliierten gegenüber dieser Möglichkeit n o ch ungewiss ist, sprachen sich doch Die an­wesenden Mitglieder fast einmütig für eine ent­schlossene Politik aus. Eine weitere offi­ziöse Sitzung wurde für nächsten Mittwoch ins

Genua, 3. Mai. (Spezialbericht des WTD.) i In der fortgesetzten Vollsitzung der intrr- I alliierten Wirtschaftskonferenz begründete ,

Worth'mgton EvanS

seinen Antrag auf Annahme der Anträge j der Finanzkommission damit, dass die Kommissionsbeschlüsse für die heutige Wüt kaum i weniger bedeutsam wären, als es die Institutionen Instrnians für die Welt waren. Genua and be­sonders der Palazzo von San Giorgio, wo die ; erste internationale Dank gegründet und die mv- . deinen Finanzmethoden Crjurtben worden seien, seien der beste Ort für die Verkündigung der , Grundrechte zur WiederhersteUang des earo- päischen Kredits und des freien Weltverkehrs. Das Haupthindernis auf dem Wege zur Wüh* ; rungsstabilisierung sei die unbegrenzte Vermeh­rung der Zahlungsmittel. Daher müsse zunächst der Rotenpresse eine Beschränkung auserlegt wer- den und das Budget eines zeden Staates durch . die Besteuerung au g-glichen we.den. Das wahre Heilmittel sei, die Staaisausgaben so weit herabzudrucken, dass sie auS der Einkommen­steuer 5c.iar.lt werden könnten. Wenn das Ver­fahren zunächst nicht ganz 7'urchgerüyrt werren könne, lasse 5er 'Genueser 'Finanzbericht aus­wärtige Anlrihien als zeitweilige Ausnahme offen Die Währungsstabilisierung beruhe ledoch durch­aus nicht auf bestimmter Marlparität. In man­chen Ländern könnte die Stabilität zwar durch die Festsetzung der Vorkriegsparität, in anderen durch die Festsetzung einer dem gegenwärtigen Wechsel­kurs der Münzeinheit mehr angenäherten Parität erreicht werden. Falsch sei es. an^unehnien, dass die R ü ck k e h r zum G r u n d st a n*D a r b bic Lö­sung aller Schwierigkeiten bebaute. Der Redner ging dann zu dem Problem der Wechselkurse über und stellte fest, dass die Stabilität in den Wechselku sen die unmittelbare Folge der Sta­bilität in den Währungen sein würde. Die Haupt- leitsähe in den Genueser Beschlüssen wiederholten unb vertieften die Brüsseler Leitsätze gegen die

künstliche Kontrolle von Dalutaoperationen.

Der letzte Teil der Genueser Leitsätze handelt vom Kredit, und zwar werde nach Ansicht des Redners das Jnvestltionskapital nach der Stabili­sierung der Währung und Wechselkurse reichlich aus den Ländern mit Lieberfluss an Leihkraft in die Länder fliessen, die Hilfe von aussen brauchen.

Hierauf ergriff das Mitglied der französischen ScUgation,

Picard

das Wort. Er führte aus-: Die Ihnen unterbrei­teten Empfehlungen bedeuten zweierlei: Einige haben bauernden Wert unb sind die Zusammen­fassung der grossen Grundsätze, auf denen bas Finanzsystem ber Staaten aufgebaut fein sollte, bic anderen handeln von vorübergehenden Schrit­ten. welche durch den gegenwärtigen Zustand Europas und der ganzen Welt gerechtfertigt sind. Einige Personen lächelten über die Zusammen­fassung der Währungs- und Finanzgrundsähe. Sie sagten, dass es sich hier nicht darum handle, Moralitätskurse zu beginnen, sondern praktische Lösungen vorzuschlagen. Die Kommission hat sich nicht mit diesen theoretischen Diskussionen belie­ben, sondern die Kommission hat denen Hilfe an- geboten. die Hilfe verlangt haben. Die französiiche Delegation hat sich an den praktischen Mass­nahmen beteiligt. Das Programm, welches der Versammlung ber Banken vorgelegt wirb, ist sehr gross unb enthält für diese keine vorherige Festlegung auf ein besonderes System. Das Pro­gramm stellt den Entwurf des praktischen Stu­diums bar, welches bic technischen Sachverstän* bigen ber Emissionsbanken mit aller Unabhängig- feit zum Abschluss brachten. Ich zweifle nicht daran, dass bieses Stubium zu nützlichen Re­formen führen wirb. Wir haben auch dem Plan eines internationalen Konsortiums zugestimmt.

Hierauf ergriff ber italienische Minister des Aeussern,

Schanzer

bas Wort und führte aus, bass bic Gesamtheit ber Resolutionen der Finanzkommission ein vollstän­diges und logisches System im Hinblick auf bic Heilung ber finanziellen Lage in Europa bar- steile. Die Aufgabe der Staatsmänner ist es, bic nottoenbigen Anfticngungcn zu machen, um Eu­ropa zu retten, ilnferc Ausgabe ist, bic unentbehr­liche Energie und Willenskraft zu ze-gen. um die Ratschläge ber Sachverständigen praktisch an;u- tDcnben. Wir müssen die uns vorgelegte fruchware Arbeit als Einleitung eines Werkes betrachten, das wir auf politischem Gebiete auftühren müssen. Die Augen der ganzen Welt sind aus uns ge- richtet, um zu sehen, wie wir erfüllen. Ich mochte mit den Worten eines aufrichtigen Optimismus schliessen. Wir, bic wir feit einigenSoeben pur versammelt sinb, haben schon erhebliche politi che Schwierigkeiten übertounben. Es wird den Beginn eines neuen Zeitabschnittes im europäischen voliti- schen Lebens kennzeichnen, eines Abschnittes wür­diger vertrauensvoller Zusammenarbeit für da-, Wohl der Völker unb den Fortschritt ber ge­samten Menschheit.

Rach weiteren zustimmenben Erklärungen des holländischen Delegierten van Karnebeek und des schwei eriichen Delegierten Bundesrat Schult- Hess ergriff der russische Delegierte

Tschitscherin

das Wort.

Er betonte, bic russische Delegation habe alle Anstrengungen gemacht, um mit bestem Willen an ben Kommissionsarbeiten mitzuwirken. Die in

einen grossen Teil ber so erworbenen Devisen ihren Gläubigern übergeben. Trotz intensiver Ar­beit nimmt Der Wert ihres Geldes ab. Die Kaufkraft sinkt und der Weltmarkt schrumpft mit ber Abnahme der Kauf­kraft weiter zusammen. Um bic Märkte zu schützen, stemmen sich bic ©läubigcrlänbcn gegen den Import ihrer Schuldner durch Sin- suhrverbote unb hohe andere Zölle. Folglich sind die Schuldner, die sich trotz alledem Zahlangs- mittel verschaffen müssen, in verschärfter Rotlage. Das zwingt sie, noch weiter den ©egentoerf der Verkäufe im Auslande zu drücken, um nur über­haupt Devisen zu erhalten. Das führt zu einer neuen Da isse des Wechselkurses der Schuld­ner, zu neuer Arbeitslosigkeit bei den Gläu­bigem, zu neuen Verschärfungen des internatio­nalen Wirischaftskampses. Das ist ber bedenkliche circulus vitiosus. Es verwanbelt sich bic Last

der internationalen Verschuldung in eine Ver­schärfung der Krisis. Das wird nicht aufhören, solange die Völker Europas einer Gruppe von Männern gleichen, die, gewaltsam im engen Rauni eingeschlossen, sich gegenseitig an ber Gurgel fassen, anstatt gemeinsam eine Befreiung zu erzwingen. 2lll das ist in der Theorie sehr flat erkannt worden, teils nicht erst seit heute. Was uns bisher fehlte, ist die Praxis, Unsere Sach­verständigen sagen uns, die Krise kann durch eine Kombination von finanziellen unb wirtschaft­lichen Massnahmen geheilt werben. Dir Wieder­herstellung der Wechselkurse ist erste Bedingung. Die Wiederherstellung der Freiheit der Handelsmärkte muh gleichzeitig erfolgen. Zeder Stärkere muh dem Schwachen helfen. Die Stabilität ihrer Wechselkurse ist bic Bcbingung zur Wiederherstellung ihrer Kaufkraft unb zur Wiederherstellung des Weltmarktes, die unent­behrlichen Voraussetzungen des Fortschritts der Wirtschaft, der Technik und damit schliesslich ber gesamten Zivilisation. Es ist bringend nötig, bic finanziellen unb wirtschaftlichen Mittel eng mit­einander zu kombinieren. Am allerwichtigsten wird es sein, sie so schnell wie möglich nutzbar zu machen und sie endlich zu verwirklichen. Don dieser Kon­ferenz in Genua erwartet bic Welt nicht nur Thesen und Theorien. Wir geben bic Hoffnung nicht auf, bah bie Vertreter der grossen Rationen gegenüber den unerbittlichen Tatsachen des wirt­schaftlichen und sozialen Lebens den Willen zu einer energischen und schleunigen Zusammenarbeit finden werden. ,

Die Ausführungen des deutschen delegierten wurden mit lebhafter Aufmerksamkeit verfolgt. Hierauf wurden

die Beschlüsse der Finanzkomrnission

nach den entsprechenden Artikeln verlesen. Da ein Einspruch gegen diese Beschlüsse nicht erhoben wurde, erklärte Präsident Facta sie als ange­nommen.

Daraufhin wurde in die Verhandlung der Be­schlüsse ber Transporllommission cingetreten. Der belgische Vorsitzende ber Kommission erstattete ausführlichen Bericht. Daraus wurden sämtliche Artikel ohne Widerspruch angenommen unb bie Sitzung geschlossen.

Der widerspenstige französische Kabinellsral.

Er führte aus: Hebermann wird anerkennen müssen, dass die Kommissionen, deren Resultat so­eben vorgetragen wurde, eine ausgezeichnete wis­senschaftliche Arbeit geleistet haben. Eie haben zur Losung der ernsten finanziellen und wirtschaft­lichen Fragen Formeln gefunden, deren Tragweite alle Erwartungen übertrifft. Die Finanzkommis­sion hat dabei mit gutem Grund Bezug auf gleich­wertige Thesen genommen, welche verschiedene Re­gierungen schon 1920 vorgeschlagen haben. Diese klaren Thesen wurden allo schon seit zwei Iahren provagiert. Unglücklicherweise hat, man diesen Th:scn keine Folge geleistet. Seit zwei Jahren ist der Weltmarkt in beklagenswerter Weise ge­fährdet. Der Umfang des Welthandels, der noch 1920 fast dieselbe Grösse wie vor dem Kriege hatte, hat sich 1921 unaufhörlich D errin­ge r t. Er ist wenigstens auf ein Drittel, wenn nicht gar auf die Hälfte seiner Grosse, im letzten Vvrkricgsiah.e zusammengeschrumpst. Dieser Rück­gang des internationalen Handels ist bas bedenk­lichste Zeichen einer dauernden Verminderung der Kaufkraft, bie in grossen Teilen der Welt verhäng­nisvolle Arbeitslosigkeit von ausserordentlicher Ausdehnung unb Dauer mit sich brachte. In ber Unterkommission für Arbeiterfragen wur­den beinahe 10 Millionen Arbeitslose in der Welt scstgestellt. Wenn man die Familien mitzählt, be­deutet das ein ungeheuer grosses Volk, dessen An­gehörige, von dem festen Willen und dem heissen Wunsch zur Arbeit beseell, arbeitswillig und arbeitsfähig sind, doch ihre Arbeitskraft unver- wertet lassen müssen. Die Gründe der höchst be- ifagenstoerten Situation wurden in äusserst klarer Cffirifc durch die in Genua versammelten besten Sachverständigen ber Welt bargelegt. Vor allem sind es bie riesigen Lasten, bie sich aus ben Ver­pflichtungen unb Folgen bes Krieges ergeben. Diese Lasten haben wirtschaftliche Schwierigkeiten verursacht, bie sich burch aewisse wirllchaftspoli* tische Massnahmen ber Rachkriegspolltik noch ver­schlimmert haben. Die Sachverständigen sagen: Wenn ein Land Verpflichtungen zu Gunsten des Auslandes hat, müssen die Verpflichtungen durch den Umsatz von Waren geregelt werden kön­nen. Hm diese Verbrauche zu ermöglichen, sind Märkte mit sehr entwickelter Kaufkraft notig. Run hat ber Weltmarkt bei weitem nicht die Ausdeh­nung, bie zur Abtragung ber Schulden ber Staaten in ber Welt erforderlich ist. Wir haben eine Rech­nung aufgestellt, bie auf Schätzungen beruht, aber von ber Wirklichkeit sicher nicht weit entfernt ist. Rach dieser Berechnung müsste der Gesamtbetrag der Wcltausfuhr verdoppelt werden, wenn bie Zinsen und eine kleine Arnortisativnskraft der Kriegsschulden aufgebracht werden sollen. Weit davon entfernt, sich verdoppelt zu haben, ist der Weltmarkt, wie erwähnt, gegenwärtig auf Zwei- brittcl des Hmfangcs vor dem Kriege zurück- gegangen, wenn nicht gar auf die Hälfte. Dies zog bri:auerliche finanzielle Folgen nach sich, bie unsere Finanzkvmmission in klarer Weise bar­gelegt bat. Die riesigen Lasten, unter denen bie europäischen Rationen seufzen, führen einerseits zu schweren Störungen der Märkte in den ®läu- bigedäübern, andererseits zu einer ständigen Ent- teertung des Geldes in den Echuldnerländem und damit im Endergebnis zu einer ständigen Ver­minderung ber Kaufkraft in allen Ländern. Denn so sicht ber circulus vitiosus aus. Die Schulbner- länbcr die gelungen sind, sich Auslandsdevisen durch ' die Ausfuhr ihrer Waren zu verschallen treffen sich in scharfem Wett- beiretb mit ihren Gläubigern auf dem gleichen Markte. Die Schuldnerlänber sind im schärfsten Derraufszwang.aber Rotverläufe machen

(Siu Beschluß, sich nicht von Belgien zu trennen.

Paris, 3. Mat. (WB.) Kurz nach'6 Hhe abends gibt Havas folgendes offizielle Eom- m u n i g wL aas: Der Ministcrrat ist am 2' ? Hhr im Minis^rium für auswärtige Ange'egenhftten zusammengetreten. Im Kamen sämtlichrr Mi­nister dankte Ministerpräsident $oincar> 'Dar- thou für das Talen tunb die Autorität, die er in Genua entfaltet habe, um die Arbeiten ber Kon­ferenz zu erleichtern und gleichzeitig die fran­zösischen Interessen zu verteidigen. Der Ka­binettsrat nahm von den aus Genua und Brüssel erhaltenen Rachrichten Keiintnis. Rach Prüfung der Cage hat die Regierung einstimmig beschlos­sen, bah sich Frankreich nicht von De l- gien trennen werde. Darthou wird Freitag nach Genua zurückreisen.

Tie Franc der (Einberufung des Obersten Nates.

Paris, 4. Mai. (WTD.) Rach einer Mel­dung desEcho be Paris" soll bereits in ber Hnterrebung Darthous unb Lloyb Ge­orges vor seiner Abreise aus Genua ber letztere von dem Stanbpunkte Poincares in ber öragc ber Einberufung bes Obersten Rates unterrichtet wor­den fein Lloyd George habe erklärt, bann werbe er ben Verfalltag vom 31. Mai abwarten. Rach ber gleichen Rachricht soll weder dem französischen Vertreter in 'Berlin noch in Genua bas Reckt 8ufteben, bie Frage zu biSfutieren, bie ausschliess­lich unb vollkommen ber Kompetenz der Repara­tionskommission Vorbehalten bleiben müsse. Rach anderen Dlättermeldungen soll Lloyd George er- klärt haben, im Monat Zuni sei er nicht frei.

Die an Rußland gerichtete Denkschrift.

Genua, 3.QRai. (WTD.) In dem Memo­randum, das von den Mächten Russland heute übergeben worden ist, heisst es in Artikel 2, der einer ber wichtigsten ist, bah bie Svwjetregierung alle Schulden der kaiserlichen, pro­visorischen und ber Sowjetregierung anerkennt. Doch wollen bie Gläubigermächte für ben Augenblick weder bie Bezahlung ber Kapitale noch ber diesbezüglichen Zinsen ver­langen. Für die Schäden unb . Russ­

lands während der Revolution und nach bem Kriege bie Verantwortung zu übernehmen, lehnen die Mächte ab. Rach bem Abschluss der Abkommen über ihre gegenseitigen Schulden werden bu inter­alliierten Mächte ihren Parlamenten Massnahmen Vorschlägen, auch ben Betrag ber von ber ©otojet» regicrung geschuldeten Summen ju ermäßigen oder zu regeln. In Artikel o erfennt bie russische Sowjetregierung ihre Derpftichtung an^ chre und ihrer Vorgänger finanzielle Verpflicht

die Länder nicht wohlhabend und geben ihnen! t ien beraten. Am Rachmittag finbet abäbann feine Kaufkraft zur Befriedigung ihrer eigenen eine letzte Zusammenkunst mit Darthou statt. Die Dedürfnisse, denn bie Schuldncrlänber müssen j Minister werben bic Wirtschaft!. Ziagen brüten.

bic in Genua aufgeworfen werden müssten. Man könne jedoch als sicher annehmen, dass Poincarö die Tagung des Obersten Rates vor dem 3 1. Mai nicht annehmen werde. Staatssekretär Bergmann fei übrigens nach Paris zurückgekehrt, unb man erwarte, bass er ber Rcparationskommission namens der deutschen Regierung Vorichläge unterbreite. Es wäre also eine schlechte Methode, zwei parallele Diskussio­nen über ben gleichen Gegenstand im Obersten Rate und in ber Reparationskommission, bic nor­mal zustänbig sei, nebeneinander herlaufen zu lassen. Es scheine auch, dass aus demselben Grunde die Diskussion über irgendeinen Plan einer inter­nationalen Anleihe oder über bic Annullierung ber interalliierten Schulbcn in Paris als verfrüht