Ausgabe 
3.8.1922
 
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2Iugen, ttxmote mühsam den Kopf uni> fragte mit erstickter Stimme:Werden wir Silly noch retten können?"

Dann verlieh ihn seine Konst und er sank zurück in tiefe Dcjwrhtloslgkeit.

Achtes Kapitel.

Auch Perzelius war von der Müdigkeit über­mannt worden. Loch erwachte er bald wieder und trachtete vor allem, sich und seinen Gefährten vor etwaigen Aachfletlungen in Sicherheit zu bringen.

Die Macht hatte sich sch)n herabgesenkt und über daL schwarze Meer des Himmels schwamm glitzernd die schmale Barle des zunehmenden Mondes.

Perzelius zog seinen immer noch bewrtzt-- losen Freund am Strande empor gegen die Wüstenberge hin, wo er unter einem Felsen Schutz und Obdach fand. Dann galt es zu erwägen, wie die verlorene Zeit h^reinzubringm und die beinahe schon aursichtslose Sach: vielleicht di ch noch zu einem grten Ende zu führen wäre. Er glaubte ja selbst kaum mehr an eine Artung der Baronesse, trotzdem wollte er nichts unver­sucht las'en was in Idrten Kräften stand. 2t rr muhte mit höchster Eile vorgegangen werden.

Er machte sich daran, vorerst einmal die Umgebung 51 L urchforschen und sich zu unter­richten, wo er sich eig-mtlich bffa Das Ge­lände hatte infolge bei Liebe 'schwemmung cii völlig verände tes Au sehen gewonnen rnd d s ganze 2?Utal glich einem schmalen, langgezogLnen Meer.

Er überzeugte sich noch einmal, daß Ediard in gutem Verstecke log und watete dann darch

den Schlamm nilaufwärts. 2Dasser und Sand war das einzige, was er um sich erblickte, und aus dieser einförmigen Fläche ar fragend die gelb­lichen Felsen. Wer als er noch keine Stunde ge­wandert war, erblickte er zu seinem größten Er­staunen oben aif dem zackigen Gestern die ihm bekannten Ruinen vom Omdos, die er in jener verhängnisvollen Rächt vom LIfer aus schon wahr- genommen hatte. Hier in der Rühe also mußte der Eingang zu den Katakomben liegen und jetzt kam es Perzelius erst richtig zu B'.wrhtsein, wie tief und gewrnden diese Gange das dauere des Gebirges durchziehen mißten, wenn man zu der kürzen Strecke, die zwischen Eingang rnd Ausgang lag, fast zwei Lage brauchte.

Dennoch gelang es dem Doktor nicht, in der arge. 6 i i. g b t nm Schnelligkeit dir Ein­gangspforte wiederzufinden, denn eine LInzahl von Höhlungen und Rissen durchfurchten die Fel­sen. Schätzungsweise jedoch konnte er den Ort feststellen, wo die Llferhütte gestanden haben mußte, doch war dort alles vom Wasser über­flutet. Wahrscheinlich hatten also die beiden Ju­den ihre Totengräberware irgendwo anders in Sicherheit gebracht.

Rach diesem kurzen Erkundung?gang kehrte der Doktor zu Eduard zurück. Differ war soeben aus seinem ohnmachtähnlichen Schlaf erwacht, 'und seine frühere Spannk.aft kehtte wi dm: zurück. Dec Doktor wies ihn in kurzem an, nach der nächst­liegendem Station zu gehen und ein Telegramm cm Len Baron auszug:ben, um diesen über das Rötigste zu unterdchten. Auch sollte er nach Möglichkeit Leb:nSmi.tel m tbringen. Perzelius selbst wollte inzwifchen noch weitere Rachforschun- gen halten.

Es waren die Ruinen des Tempels _ fron Ombvs, deren genaue Durchsuchung die nächste Aufgabe darstellte.

So stieg der Doktor h-inan zu dem Trümmer­feld versunkener Größe. Er drückte sich hart an die Felsen und spähte umher, denn falls die beiden Huden noch in der Rähe waren, tonnten sie ihn erkennen und fernen ganzen Plan ver­eiteln.

Bald hatte er die steinigen Höhen erklommen und sah unter sich, In unendliche Fernen sich deh- nend, das übeffchwemmte Tal, fror sich aber in riesenhaften Formen auf Tagend die y?r brodelten Säulen d^ Htt igtums. Manche der gewaltigen Schäfte waren umgestürzt, andre standen noch aufrecht, aber zernagt von der Zeit. 3n dem Blattwerr der Kapitelle nisteten Böget, unL Löcher und Schrunden in den Quadern der Wändr deuteten cm. daß hier der Mensch im Wettstred mit den Elementen gearbeitet hatte, um die Denk' mäler einer grauen Bvrzeit langsam der 23ernid>- tung entgcgenz^f.hren.

Leise trat der Doktor in die schweigende Hallen. Der Vorhof war fast völlig zerstört, der mittlere und rückwärttge Dell des gigantischen Bauwerkes hatte jedoch im größeren Umfange der Zerstörung getrotzt. Wohl lagen auch dort zer­brochene Säulentrommeln und herabgestürzte Trag stücke des Gebälles. aber hu ganzen konnte man sich noch ein gutes Bild der ehemaligen Anlage machen.

Der aufgewühlte Sand, welcher in tiefer Schicht Len Boden bedeckte, verriet dem Doktor, daß chier noch vor kurzem viele Menschen ge­gangen waren ilm so mehr spannte er seine Auf­merksamkeit, (Fortsetzung folgt)

nen

L5. Fortsetzung.

(Rachdruck verboten.)

die Zwecke des Instituts und rechtfertigt der zu erwartende Erfolg eine Millionenausgabe dort oben? Und sind denn m der Umgebung Gießens nicht noch geeignetere Plätze, die ohne so unge­heure Kosten eine Zuchtviehstation aufnehmen könnten?

Die Schuhfabriken in den Weststaaten be­richten in optimistischem Sinne, die der Reu- englandstaaten wenigstens von einer Wieder - aufnahme der Beschäftigung, wobei sie durch die Herabsetzung der Löhne sich eher in die £agc versetzt seben, mit ersteren zu kondrrie- ren, als chnen bas vor einem Jahre möglich -gewesen war.

Gummi ist befestigt auf Berichte hin, daß die Erzeugung auf den Plantagen im Fernen Osten einer Einschränkung unterworfen wor­den ist.

Valentin Müller.

Stadtverordneter und Vorsitzercher des Bürger Vereins Gießen.

Die Druckströmungen der beiden Depressio- haben nachgelassen. Wir kommen wieder unter den Einfluß hohen Drucks.

Zeit zu Zeit, wenn die Aufregungen, die Müh- j1 sale, Sorgen und Aergernisse des Alltags ihm wirkte _ ,

an die Rerven gehen, durch unsere schönen Wäl- | balancierendes schrnales Brett bestiegen und

8U ihm hinauf wandert um dort oben am I sich nach Ätnberart schaukelten. Doch das leuchtenden 2lkorgen oder tn der Stille des herauf-1 waren nicht die eiN/äaen tounberbnren (9t$ Janimemben Abends die Anmut und Schönheit ^r^Dreffuren" wunderbaren Er­der Umnoßunn beruhinonh imh ffärfonX m.f iPtS? ,cer. ^reftUteN.

M Stowen ms Mk

Roman von Ernst Scheitel.

der Umgebung beruhigend und stärkend auf Rer­ven. auf Herz und Gemüt wirken zu lassen. Gr hat das feit vielen, vielen Jahren stets mit Er­folg getan, und Laufenden wird es ebenso ge­gangen sein und jetzt noch gehen- sie alle dessen bin ich gewiß sind mit mir in dem oben ausgesprochenen Wunsche einig!

* * Zum Schutz des Stadtwaldes weist eine Bekanntmachung im heuttgen An­zeigenteil auf die Strafbarkeit des unbefugten Weidens von Bieh und des Ablagerns von Schutt und dergleichen hin.

* * Zum Fahrraddiebstahl in der Roonsttaße ist noch zu erwähnen, daß das Tvrpedorab die Fabrttnummer 818 880 trägt. Für die Wiederbeschaffung der beiden Räder und die Ermittelung der Täter werden 1000 Mark Belohnung ausgesetzt.

* * 3m Zirkus Heppenheimer fand gestern abend die Eröffnungsvorstel- lung statt. Das reichhaltige Programm un­terhielt die vielen Schaulustigen, die sich ein­gefunden hatten, mehrere Stunden in ab-

wechflungSvoller Weife. Man bekam erstaun­liche Pferdedressuren und hervorragende Rei- terkunststücke zu sehen. Geradezu verblüffend wirkte es, als zwei zierliche Pferdchen ein

Nus dem Reiche.

Die Einführung des russischen Botschafters beim Reichspräsidenten.

Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Der Reichs­präsident hat heute mittag den befrollmäch- tigten Vertreter und Botschafter der russischen Regierung Krestinski, zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens empfangen. Bei dem Empfang war Reichskanzler Dr. Wirth als Leiter des Auswärtigen Amtes zugegen.

Botschafter Krestinski führte in feiner 21n» ksprachs unter Hinweis auf den Ver trag von Rapallo aus, daß die Wiederherstellung der früheren regen Handelsbeziehungen im Interesse des wirtschaftlichen Wiederaufbaues beider Län­der notwendig erscheine. 2lls ein weiterer Schritt auf dem Wege der Förderung der beiderseitigen wirtschaftlichen Interessen wäre der Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Rußland und den mit ihm verbündeten Repu­bliken wünschenswert. Der Botschafter schloß seine AusfüHcungen mit einem Wunsche für das Ge­deihen der deutschen Republik und das Wohl­ergehen des deutschen Dolles.

Der Reichspräsident betonte tn feiner Erwiderung das aufrichtige Bestreben der beut» fchrn Regierung, den wirtschaftlichen Aufbau der beiden Länder nach Kräften zu fördern. Der Ver­trag von Rapallo, der nur friedlichen Zwecken diene, entspringe dem gleichen Willen. In seinen Bestrebungen, die beiderseitigen wrrtschafllichen Beziehungen zu festigen, könne 2hißlanb der Un­terstützung der deutschen Regierung versichert sein. Es .sei aber notwendig, hierbei die in Deutsch­land herrschenden Wirtschaftsverhältnisse zu be­rücksichtigen. Mit einem Dank für die Wünsche Krestinskis schloß der Reichspräsident seine Rede.

Um den Schiffenberg.

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Zu den Ausführungen des Herrn Professor Krämer in einer der letzten Rümmer desGieß. Anz." mögen nachfolgende kurze Bemerkungen ge­stattet sein:

Wir wollen die guten Absichten des Herrn -Prof. Krämer nicht in Zweifel ziehen. Aber so­bald die Pläne der Errichtung einer Zuchtvieh­station auf dem Schiffenberg verwirklicht werden, bürste auch er nicht mehr Herr über die Ver­hältnisse und Ereignisse sein. Der neue Betrieb will und kann doch nicht in den Anfängen, sozu­sagen in den Kinderschuhen, stehen und stecken bleiben. Welcher gesunde Betrieb kann und darf denn das? Riernand aber kann zwei Herren ^dienen, auch die Domäne Schiffenberg nicht bei fhrem verhältnismäßig kleinen Umfang. And ft toirb mit dem Tag der Errichtung der Zucht- Liehstation dort oben ein dauernder Kleinkrieg Zwischen wissenschaftlichem Institut und Ausflugs- «iunft ausbrechen, der naturgemäß mit dem Siege ioes ersteren enden wird. Zuerst wird da eine 'Beschränkung des Zutritts, dort eine anfangs vorübergehende" Sperrung eintreten, es wird Iba ein Raum weiter für Forschungszwecke be- ffHlagnahmt, dort ein Zimmer für Beratungen Ifur Lehrzwecke usw. abgeschlossen werden müssen, ünb was wird geschehen, wenn sich eine unserer leider zu regelmäßigen Gästen gewordenen Seuchen in der Umgegenb ein findet? Diese Frage braucht nur gestellt zu werden. Das Ende des Kleinkrieges wrrd (ein, baß der Schiffenberg in absehbarer Zeit vor den Qlugen der Gießener Bürgerschaft Idaliegt wie das gelobte Land vor den sehnenden 'Augen des Moses:. . . . aber du sollst nicht Ihinemaehen." Die vielen Tausende von erholung- 'suchenden Wanderer in unseren herrlichen Wal­dungen um den Schiffenberg aber können ihr mitgebrachtes Brot im staubigen Chausseegraben, auf dem feuchten Wegrand oder dem Stein­haufen verzehren. Vielleicht wird es bann Herrn Prof. Krämer selbst leid sein, sich so in Wider­spruch mit der gesamten Gießener Bür­gerschaft gesetzt zu haben: denn daß er hier eine auch nur einigermaßen nennenswerte An­zahl von Anhängern seiner Pläne finden wird, dürfte billig bezweifelt werden.

.ilttb nun noch zwei Fragen, die vor der Verwirklichung der Pläne des Herrn Professor

Vorrwtizen.

Tageskalender für DonnerS- tag. Astoria-Lichtspiele, ab heule:Der stumme Simson". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: Frauenopfer" undRettung aus dem Eis".

/Heber die Folgen des Alk 0 -- hvlverbots in Amerika spricht am nächsten Samstag rm Cafe Leib der nord- amerikanische Pfarrer Gey mann. (Siehe Anzeige.)

Kreis Lauterbach.

rr. Schl ih, 1. Aug. Dir 5 0 j ädrigenintp» rer Stadl feierten am Samstag durch ein geselliges Zusarnmens.in mit ihren Ang hörigen im Habev- mehlschen SE die Halbjahrhundertfeier ihres Das.ins. Die Veranstaltung war start be­sucht, auch Allersgmessen der Frankfurter Schlitzer-Verciirigung nahmen daran teil. Reklvr Adolph hielt die zu Herzen gehende tief empfun­dene Festansprache, woraus machtvoll das Schützer Rattonallied:3m weiten deu schen Reiche, da liegt ein Slädtlein klein" durch den Saal braufte. Bei den Klängen einer Musikkapelle, einem fron Fabrikant Habermehl, Achi ek! Karn und den Frls. Berta und Sophie S i p p e I flott gespielten kleinen Theater stück, bei versch'edener Ansprachen und mancherlei Darbietungen bet frohen. Gesängen und schließlich einem kleinen Tänzchen, nahm die Feier einen alle Anwesenden vollauf befriedigenden Verlauf. Am Sonntagnach­mittag fand bann noch als Rachfeier ein Ausflug in die Kahl statt, der, fron hellem Sonnenschein begünstig!, der Fünfzigerseier einen schönen Ab­schluß brachte.

Starkenburg und Rheinhessen.

nn. D a r m st a d t, 2. Aug. Der Film Fridericus Rex" wurde am Montag einer Reihe von Vertretern der Behörden, des Landtages, der Gewerkschaften, wie der Presse vorgeführt. Fast als einsttmmiges Ur­teil konnte die Anschauung festgestellt wer­den, daß von einer staatsgefährlichen Tendenz nicht die Rede sein kann.

tob. Mainz, 2. Aug. Aach einer fron bet Interalliierten Rhemlandkommissivn für das be­setzte deutsche Gebiet genehmigten Reichsvervrd- nung ist den auf dem Rhein und Main frerkeh- renben Fahrzeugen das Führenderdeutsch- r^publikanischen schwarz-weiß-roten Han­dels- und Schiffahrtsflagge gestattet, d. h. die schwarz-weiß-roten Fahnen müssen in der inneren oberen Ecke die Farben schtoarz-rot- gold zeigen. Gelegentlich einer am 18. Juni in Worms abgehaltenen Regatta hatte die dortige Rudergesellschaft vom zuständigen Kreisdelegier­ten die Erlaubnis erhalten, das -Ufer und die Zuschauerfahrzeuge festlich zu flaggen, jedoch nicht mit den alten Reichsfarben schwarz-weiß-rot. Die­sem Verbot zuwider führte ein mtt Festteilneh­mern besetzter, im Rhein verankerter Dampfer aus L rdwigshasen am Heck die schwarz -tocif> rote Fahne ohne die republikanischen Farben. Der verantwortliche Schiffsführer wurde deshalb wegen Vergehens gegen Art. 3 der Rheinlands- vervidnung Rr. 30 zu 3000 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Hessen-Nassau.

Streik der kaufmännischen Angestellten.

fpd. Frankfurt a. M., 2. Aug. Eine von rund 20 000 kaufmännischen An­gestellten beschickte Versammlung im Hippodrom beschloß heute abend wegen Richt­bewilligung ihrer Gehaltsforderungen den Streik, der bereits Donnerstag früh eintteten soll. An die Versammlung schloß sich ein Riesendemonstrationszug der Streikenden durch die Stadt.

. _ Sogar ein stürriger

Büffelochse mußte ähnliche Künste wie die Pferdchen zeigen. Auch das drollige HündchenFips" hatte brav gelernt. Große Hetterkett erregten die komischen Akrobaten mit ihrem Wunderesel Max, der allerlei Neckereien an seinen menschlichen Gefährten verübte. Der kluge Hans hat sicherlich man­chen der Anwesenden durch sein unfehlbares Dechentalent beschämt. Den höcksten Grad er­reichte die Verwunderung bei dem spanischen Balkenspiel, das in äußerst geschicktem Jong­lieren mit den Füßen besteht. Dationallänze und nicht zu vergessen die zahlreichen Spässe desAugusts", der besonders berrr Exerzieren gefiel, ergänzten das Programm, so daß der Abend zu allgemeiner Zufrieden- hett verlief. Rach dem lebhaften Beifall zu urteilen, hat sich dec Zirkus Heppenheimer gestern gut eingeführt beim Gießener Publikum.

Einsender dieses ist kein Fachmann, aber er kann sich nicht denken, baß die erste der gestellten Fragen zu bejahen fei; dazu haben die Leute, denen einige Fachkenntnis zugebilligt werben muß, sie entschieden verneint. Wer wie ich sett nahezu vierzig Jahren den Schiffenberg besucht^ weiß, daß der wundeste Punkt im Betrieb dort oben stets Wasser und Beleuchtung waren und sind. Man wird also bei Errichtung der Station vor allem diesen beiden Dingen sein Qlugenmerf zuwenden müssen, ilnb was es unter den heu­tigen Verhältnissen bejn Staat kosten wirb, auf den trockenen Kippel Wasser in der für ein sol­ches Institut genügenden Menge, sowie Strom für Beleuchtung und Betrieb zu leiten, davon kann sich heute fogar der Laie einigermaßen einen Begriff machen. Man wird sich aber in weitesten Kreisen unseres Landes fragen: Ist es denn un­bedingt nötig, daß man in Zeiten, wo wir immer mehr österreichischen bzw. russischen Zuständen entgegengehen, dem hessischen Steuerzahler auch noch ein solches MillionenoHekt auflädt, dessen Rentabilität sehr fraglich erscheint? Unb weiter: M. S. gehören doch zu einem solchen Unterneß» men ausgedehnte Weiden für das Vieh. Wo soll man denn die dort oben hernehmen? Denn baß die paar Wiesen am Abhang des Schiffen- berges auf die Dauer nicht ausreichen, bürfte doch auf der Hand liegen. Soll dann etwa, wenn der Betrieb sich ausdehnt, die Ackerwirt­schaft und Viehhaltung des Pächters beschnitten werden? Das zu verhindern, liegt im berech­tigten Interesse der Besucher des Schiffenbergs, die nicht nur auf Spirituosen und mitgebrachte Brote allein angewiesen und beschränkt sein wollen. Ober soll vielleicht von unserem herr­lichen Schiffenberger Wald noch mehr gerodet werden, als schon geschehen? Da sei Gott vor!

Wenn in der Umgebung fron Gießen eine Zuchtdiehstation errichtet werden soll, dann dürfte es doch m. E. noch andere Plätze geben, die sich besser für diese Zwecke eignen und berichten lassen, als der Schiffenberg. Das natürlichste dürste doch sein, daß eine solche Station nicht eine Stunde ober mehr fron den anderen land­wirtschaftlichen Instituten entfernt als Insel im Walde liegt, sondern möglichst nahe an jene herangerückt wird. Es ist doch bekannt, daß zwischen dem Phllosophenwald und der Mar­burger Sttaße ausgedehnte Versuchs- unb Be­triebsfelder des landwirtschaftlichen Instituts liegen, und dort, im Wiesecktale, dürste doch wohl ein geeigneterer, ja wohl der geeignetste Platz für eine Zuchtviehstation sein Dort hat m. W. der Staat ausgedehnten Besitz an Wiesen, die dem Institut zu Weidezwecken usw. überlassen oder gegen etwa geeignetere aus getauscht wer­den konnten; und dort würde die Beschaffung von Wasser und Strom keine Millionen ver- chlingen wie oben auf dem Schiffenberg.

Wenn man das alles bedenkt, dann fragt man sich nicht ohne gerechtfertigten Unwillen: Warum will man denn gerade den Schiffen­berg für solche Zwecke nehmen und Herrichten? Warum will man gerade den beliebtesten und schönsten Punkt unserer Umge­bung allmählichaus dem Volksleben unserer Stadt und Umgebung her­ausreißen, einen Punkt, ohne den man sich Gießen eigentlich gar nicht denken kann, und der weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus bekannt und beliebt ist, einen Ausflugs­ort, der jährlich Tausende in seinen zauberischen Dann zieht? Den Schiffenberg aus unserem Volks- unb Studentenleben herausreißen, wäre etwa gleichbedeutend für Gießen" wie der Plan, Heidelberg sein Schloß, Marburg Schloß und Spiegelslust wegzunehmen Gießen braucht Ver­kehr fron außen her, und als Anziehungspunkt für ihn ist außer dem im heißen Sommer fast 1 unzugänglichen Gleiberg fast Allein der Schissen- < berg geblieben. Wegen unserer Straßen unb ' Plätze, ja sogar wegen unserer herrlichen An- < tagen in der Stadt wird wohl kaum ein hundert Fremder jährlich hierherkommen. Wer aber be° < enft, wieviele Tausende jährlich als einzelne Wan- . derer in Gruppen, in Schulen unb Vereinen dort ! oben Einkehr halten, wievie e sich zusammenfinben ; zu berechtigtem geselligen Frohsinn, zum Raturge- ; miß ober zu Andachten, wer weiß, was von jeher der Schiffenberg für das Stubentenleben unserer Hochschule bedeutet hat und bedeuten - wird, der kann nur von Herzen wünschen: Laßt 1 uns unseren Schissenberg wie er ist j up ewig ungedeelt; er verträgt keine , Zweiteilung.

Einsender dieses hat an dem Schiffenberg , kein anderes Interesse als das, daß er von

Er schwamm den Kanal zurück bis za dem Brunnenschacht, tn welchem er sich fest stemmteanb Eduard rief. Eine schwache Stimme antwortete ihm und gleich davaas hörte er an dem lauteren Klang, daß sich Eduard über die Oeffnung tn der Höhe beugte. Der Doktor wies ihn an, so nasch wie möglich herunter-cklettern, und bann verging eine längere Zeit, während welcher kleine Steinchen, die hnxrbfielen, sowie ein Kratzen und Schaben verkündeten, daß Eduard arf dem Weg in die Tiefe war.

Es gelang den beiden Männern noch mit knapper Rot, den schon fast gefüllten Kanal zu durchschwimmen mb endlich das Licht zu be­grüßen. Aber sie hatten noch Line Minute die Wellen verlassen, als breite h-eranschäumenbe Wo­gen über die Ufer spülten und wett hineinleckten in das Fruchtland, so baß die Oeffnmg des Kanales spurlos in ih em Schaße versank.

Eine Loop sche Wärme umströmte die beiden durch gemei sam bestandene Gefahr z ifanunen* gefetteten Genossen: die Sonne hatte ihren höch­sten Stand schon überschritten unb neigte sich dem westlichen Horizonte zu. and in einem tiefen, stillen Atem rußte die Ratar. Rrr der brai- benbe Strom gemahnte noch an die zerstörerischen Kräfte, chie hier g wunden lagen und die jeden verschlangen, der ihnen zu naße kam.

Eduard lag wie tot neben dem Doktor. Sein Gesicht war weiß und sein Herz schien nur wenig mehr LU pochen Plötzlich aber öffnete er die,

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 3. Aag 1922.

Die neuen Bestimmungen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn, werden in einer Bekanntmachung des heuttgen Anzeigenteils veröffentlicht. Zur Erläuterung der Verordnung mögen folgende Beispiele dienen:

1. Anverheirateter Arbeitnehmer mit 3500 Mark Monatsarbettslohn. Ab 1. August 1922 sind von dem für den Monat August und für die folgenden Monate gezahlten Arbeitslohn mvnattich einzubehalten: 350. Mk. (d. i. 10 v. H. von 3500. Mk.) (40 4- 90 =) 130. Mark = 220. Mk.

2. Verheirateter Arbeitnehmer ohne Kin­der, dem vom Finanzamt eine Erhöhung des Werbungskostenpauschsatzes von 540. Mk. auf 780. Mk. jährlich zugelassen worden ist, mit einem MvnatSarbeitSlohn von 2700. Mark. Mvnattich ab 1. August einzubehalten: 270. Mk. (40 4- 90 + 40 =) 170. Mk. = 100. Mk.

3. Verheirateter Arbeitnehmer mit zwei minderjährigen Kindern. Wochenlohn 1200. Mark. Ab 1. August 1922 wöchentlich ein- zubehalten: 120. Mk. (9.60 + 21.60 + 19.20 + 19.20 ---) 79.20 Mk. = 40.80 Mk. = abge­rundet auf 40. Mk.

4. Verheirateter Arbeitnehmer mit drei minderjährigen Kindern und zwei vom Finanzamt zur Berücksichtigung zugelassenen mtttellosen Angehöttgen: Tageslohn 210. Mark. Ab 1. August 1922 kein Steuerabzug mehr, da die Ermäßigungen zu (1.60 + 3.60 + 1.60 + [5 X 3.20 =]) 22.80 Mk. den an sich einzubehaltenden Betrag von 21. Mk. (d. i. 10 v. H. von 210. Mk.) übersteigen.

Neue Schornsteiufcgergebühren.

Infolge der Wetter fortschreitenden Teue­rung und der damit verbundenen erneuten Erhöhung der Gesellenlöhne im Schornstein- fegergewerbe ist eine weitere Erhöhung der Leuerungszuschlüge zu Len Feggebühren der Schornsteinfeger erforderlich geworden, linier Aufhebung der seither zugebilligten Teue­rungszuschläge werden daher mit Wirkung vom 1. 21 u g u ft 1922 bis auf weiteres die Teuerungszuschläge auf die Grund­gebühren wie folgt festgesetzt: 1. für die Kehr- bezirke der Städte Darmstadt, Mainz, Offen­bach und Gießen auf 620 vom Hunder-t; 2. für die übrigen Kehrbezirke des Landes auf 750 vom Hundert. Im übrigen bleiben die bis­herigen Bestimmungen in Kraft.

Wettervoraussage

für Freitag.

Vorwiegend heiter, warm und trocken.

bisher unerhörte Mengen an Kohle gefördert I Krämer gründlich erörtert werden müßten: Ge­worden. Die Kokspreise sind doppelt so hoch "et sich denn der Schiffenberg auch so sehr für als vor einem Jahr. 11 3 ~ r '