Ausgabe 
3.7.1922
 
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Der Schröterstraße, dem Standort der 2Lpo, und nm katholischen Verein 5 Haus tarn es 31 Zu- If am me t ft ö - en zwischen Zivilisten et nb französischen Truppen, th gegen Abend einen groben Umfang a: nahmen. Wie verlautet, sind 15 Personen, darunter ein Fran­zose, getötet und gegen 25 Personen verwundet. 43m' Saufe des Vach mittags fuhren französische Panzerwagen durch rie Strafen. Gegen 10 Uhr abends war noch Gewehrfeuer zu hören, lieber Gleiwih Wurde der verschärfte Velagerungs- zustand verhängt.

Gleiwih, 2. Juli (WB). Ueber die gestrigen Vorgänge in Gleiwih ist noch zu berichten, daß sich die Zahl der Toten auf höchstens^ sieben beziffert. Unter den Toten befindet sich ein französischer Offizier. Die Zahl der Ver­wundeten dürste etwa 15 betragen. Heute ist eine bedeutende Beruhigung eingetreten, zumal die Franzosen im Laufe des heutigen Tages die Stadt verlassen, nachdem die Italiener bereits abgerückt waren. Mehrere Hundertschaften Schutzpolizei sind in Gleiwih eingetroffen. Die Franzosen fahren noch mit Tanks und Automaschinengewehren durch die ©traben und mustern die Passanten mit angelegten Gewehren. Die ftanzösischen Mafchinengewehre, die gestern die Straßen der Stadt zierten, sind im üb­rigen heute wieder verschwunden. Der über Beuthen verhängte Belagerungszustand erreicht morgen früh sein Ende. Der Fahnenwechsel erfolgt ^sowohl in Hindenburg als auch in Gleiwih und Beuthen morgen vormittag. Mehrere Kommandos der Schuh- polizei trafen bereits in Beuthen ein. In Hinden­burg übernahm die Schutzpolizei schon heute den Strahenschutz,

Beuthen, 2. Juli. WB. Ein mit Waffen be­ladenes Lastauto, das von Beuthen nach Gleiwih unterwegs war, ist bei Kars von bewaffneten Banditen überfallen und zum Teil ausge­raubt worden. Desgleichen wurden zwei nach Gleiwih fahrende Automobile, die Gewehre, Mu­nition und Kleidungsstücke der aufgelösten Gemeinde- wachen mit sich führten, das eine hinter Langen­dorf, das andere bei Laband, von Banditen über­fallen und teilweise ausgeraubt. Mit Maschinen­gewehren und Handgranaten ausgestattete Banditen versuchten in der Rächt zum Samstag bei den Docrugwerken in Hindenburg die polnisch-deutsche Grenze zu überschreiten, wobei es zu einem Feuer­gefecht kam, das bis zum frühen Morgen andauerte. Der Versuch wurde vereitelt.

Der Belagerungszustand über Ratibor.

Ratibor, l.Iuli. (Wolff.) Vach derOft- deutschen Morgenpost" wurde gestern abend ein französischer Offizier von Zivilisten angegriffen. Eine italiemsche Patrouille griff ein: dabei fielen Schufte, durch die zwei Italiener schwer verletzt wurden. Von welcher Seite die Schüsse fielen, konnte noch nicht sestgestetlt werden. Die Erregung der Massen wird darauf zurückgeführt, dah im Laufe des gestrigen Vachmittags einige französische Autos hier eintrafcn, um die Waffen der in der Auflösung begriffenen Apo abzutransportieren. Daraufhin bildeten sich grobe Menschenan- fammlungen, die gegen den Abtransport der Waffen demonstrierten. Die Stadtverordnetenver­sammlung wurde in Anbetracht des Zwischenfalls a ikf g e 15 ft und dabei bekanntgegeben, dah der Kommandant der Desatzungstruppen aufforderte, aufi die Massen beruhigend zu wirken. Wenn nicht btrmen einer halben Stunde die Strahen von den Massen geräumt werden, würde er das Feuer eröffnen. Die Garnison wurde alarmiert und schritt mit schuhbereiten Waffen gegen die Massen. Im Zusammenhang mit diesem Zwischenfall ver­schärfte man den Belagerungszustand über Ratibor.

Der Bürgerkrieg in Irland.

London, 1. Juli. (Wolff.) Die Dubliner Rebellen haben sich jetzt in der Sackville-Street, der Hauptstrahe der Stadt, verschanzt und zwar in einem Gebäudeblock von 200 Meter Front- breite, wozu einige große Hotels gehören, die von den Gästen geräumt werden mußten. Die Re­bellen sind eifrig damit beschäftigt, diese Gebäude zu befestigen und einen Tunnel zwischen ihnen zu graben. Man glaubt, dah de Dalera dort das Kommando führt. Die Freistaatler halten die gegenüberliegende Strahenseite besetzt. Während nachts der Kampf rußt, wurde die Ruhe heute früh durch den Eingriff eines Panzerautomobils auf die Freistaat-Truppen unterbrochen. Diese erwi­derten das Feuer heftig. Darauf explodierte eine Mine unter der Straße in der Vähe des Automo­bils, ohne jedoch diesem Schaden zuzufügen. Der Stabschef der Freistaatler lieh bekannt machen, daß Plünderer sofort erschossen würden. Heute früh ergäben sich 50 Rebellen in der Vähe Fouc Courts".

Bei den gestrigen Kämpfen in Dublin gab es zwölf Tote und über hundert Verwundete.

In Drogheda wurde gestern heftig ge­kämpft, wobei die Eisenbahnbrücke gesprengt und damit die Verbindung Dublins mit dem Vör­den abgeschnitten wurde. Auch aus verschiedenen Orten der südwestlichen Grafschaften werden An­griffe der Rebellen auf die Freistaatler gemeldet.

Das inscheParlament hat sich bis zum 15. Juli vertagt.

Italien und Rußland.

Paris, 2. Iuli. (WTD.) Havas. Auf ein Interview des Haager Berichterstatters des Petit Parisien" dementiert der Führer der italienischen Abordnung, Baron Avez - z a n 0, in aller Form das Gerücht, nach dem Italien wieder Verhandlungen mit den Sowjets begonnen hätte über die Ratifizierung des italienisch-russischen Abkommens, dessen Billigung Moskau abgelehnt hat. Desgleichen dementiert Avazzanv, daß ® ian in i, der Ver­treter Italiens bei dem Privatbesih-Aussch^h, mit der Absicht nach Rom gereift fei, Fühlung mit Borowski zu nehmen.Italien so fügte er hinzu -hat im Haag keine besondere These zu verteidigen. Es stimmt vollkommen mit den anderen Mächten in der Linie überein, auf der die Verhandlungen mit Moskau geführt werden." Bei der Besprechung der Haltung der Bolsche­wisten erklärte Avezzano:Die Russen machen alles von den Krediten abhängig, die sie er­halten. Sie müssen sich doch vorstellen, dah der Wiederaufbau Rußlands ein langwieriges Werk ist: sie müssen verstehen, dah sie sich den guten Willen Europas zu Ruhen machen müssen, um das Werk zu beginnen. Wir betrachten noch immer die Wiederaufnahme der Verbindungen mit Rußland als interessant, tragen aber auch dem Rechnung, daß die Moskauer Regierung, von allen Seiten bedrängt, ihren Weg noch nicht finden kann. Wir lassen sie gewähren und warten. Wir sind nicht hierher gekommen, um in fieberhafter Hast zu verhandeln. Ein vollkommener Verständigungsgeist herrscht unter den alliierten Abordnungen." Dies erscheint dem Baron Avezzano als ein glänzendes Vorzeichen.

Heimstätten für die Juden in Palästina.

Washington, 1. Juli. (WB). Reuter. Das Repräsentantenhaus hat, bevor es sich bis 15. Ro- vember vertagte, eine Enffchliehung angenommen, die jetzt dem Senat überwiesen und in welcher er- klärt wird, dah die Vereinigten Staaten sich zu­gunsten von Heimstätten für die Juden in Palästina aussprechen, vorausgesetzt, dah nichts zum Vachteil der bürgerlichen und religiösen Rechte der christlichen und anderer nicht jüdischen Gemeinschaften in Palästina getan wird. Weiter wird vorausgesetzt, dah die heiligen Stätten an­gemessen beschützt werden. Der Senat tagt weiter, um die Tarifgesehe zu beraten.

Aus dem Reiche.

Die Untersuchung gegen Dr. HermeS.

Berlin, 1. Juli. (Wolfs.) Der Reichs­tag s a u s s ch u ß zur Untersuchung gegen den Reichsminister Hermes hielt eine vertrau­lich? Sitzung ab, über die der Vorsitzende Abg. Fischer-Köln mitteilt: Der aus fieben Mitglie­dern bestehende 26. Ausschuß zur .Untersuchung gegen Hermes sprach sich mit sechs Stimmen dahin ans, daß er auf Grund der von ihm angestellten Untersuchungen feine Veranlassung ge­geben sieht, dem Reichstag zu empfehlen, gegen Hermes v orzu g e hen. Der Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei be­teiligte ftch. an dieser Beschlußfassung nicht, weil er sein Votum erst nach der endgültigen Vorlage des Berichtes glaubt abgeben zu können.

Ein Aufruf deö Deutschen Gewerkschafts- bundes.

Berlin, 2. Juli. (WTD) Der Deutsche G ew er ks chafts bun d richtet an seine Mit­glieder folgenden Aufruf: Die sozialdemokrati­schen Gewerkschaften der Arbeiter und Angestell­ten und die drei sozialistischen Parteien fordern erneut zur Arbeitsruhe für Dienstag, den 4. Juli auf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnt eine Beteiligung an dieser abermaligen La h mlegung des Wirt­schaftslebens mit Entschiedenheit ab. Ein solcher sinnloser Mißbrauch der gewerkschaft­lichen Machtmittel schädigt das Volk, er vergrößert nur unsere schreiende Rot und den Schutz der Verfassung und der Sicherung des allgemeinen Rechts wird damit nicht gedient. Christliche Ar­beiter, Angestellte und Beamte erweist euch erneut als ein Ordnungsblock der deutschen Volksgemein- fdjaft. Deutscher Gewerkschaftsbund. gez. Steger- wald.

Die Ausführung der neuen Reichsverordnung in Hamburg.

Hamburg, 2. Juli. (WTB.) Laut Mitteilung der Polizeibehörde Hamburg sind auf Grund der Verordnung zum Schuhe der Republik zwanzig nationalistische Vereine und Vereinigungen ver­boten und aufgelöst worden.

Aus Stabt und Land.

® ießen, den 3. Juli 1922.

** Wechsel in der Redaktion. Herr Redakteur Walther ist am 1. Iuli aus unserer Redaktioü ausgeschieden, um eine Stelle in Annaberg zu übernehmen. An seine Stelle ist heute Herr Ernst Blum schein getreten, der bisher in Höchst a. M. tätig war.

Wettervoraussage

Wolkig, warm, verstärkte Gewitterneigung.

Das Tiefdruckgebiet über Schottland hat starke Luftdruckstörungen in Deutschland hervorgerufen, daß wir mit unbeständiger Witterung und Ge­witterneigung rechnen müssen.

Der 43. Stcnographentag des Ver­bandes Gabelsbergerschcr ~ Steno­graphen vom Hessisch - Nassauischen (Main-Rheingan) Verband gestaltete sich zu einer großen Kundgebung für die Stenographie. Vachdern am Samstag der ge­schäftliche Teil erledigt worden war, fand am Sonntag Vormittag ein Wettschreiben in der Universität und int Realgymnasium statt, an welchem sich fast tausend Wettschreiber beteiligten. Als der Sonderzug von Frankfurt eintraf, herrschte die reinste Völkerwanderung nach der Ludwigstrahe. Es wurde in den Abteilungen von 100320 Silben geschrieben. Für einzelne Abteilungen mußte infolge des starken Andranges nachträglich noch mehrere Säle requiriert werden.

Die Fe st Versammlung in der dicht besetzten Reuen Aula der Universität wurde durch einen Vortrag des GesangsvereinsHeiter­keit" eingeleitet. Darauf eröffnete der 1. Verbands- vorsihende Georg Schopp mit einigen Begrü­ßungsworten die eigentliche Feier. Ihm folgten als Vertreter der Universität Geh. Rat Prof. D. Dr. Krüger, der Stadtverwaltung Bürgermeister K r e n z i e n, der Provinz Provinzialdirektor Staats­rat M a 11 h i a s, derIustizLandgerichtspräsident Dr. Gänger ich, als Vertreter derHandelskammerBank- direktor G r i e s b a u e r, die ebenfalls die zahlreich er­schienenen Stenographen willkommen hießen und die Bedeutung der Stenographie in verschiedenar­tiger Beziehung beleuchteten. Uebereinftimmenb betonten die Redner die Unentbehrlichkeit der stenographischen Kunst für unsere heutige Kultur. Der Vorsitzende der Stenographen-Gesellschaft, Dalken, begrüßte die Gäste, die an gleichzeitig stattsindender Feier des 25 jährigen Destehens der Stenographen-Gesellschaft teilnehmen. Derbands- vorsihender Schöpp dankte den Rednern für die hohe Würdigung der Stenographie und erteilte nunmehr dem Regierungsrat Dr.W ilhelmMüller das Wort. Dr. Müller ließ in warmen Worten tiefes Verständnis empsinden für das große Werk des Vaters der deutschen Stenographie, des Kanz­listen Baver Gabelsberger. Er entwickelte die einzelnen Stadien, die die Stenographie zurück- legen mußte, um zu ihrer heutigen Form zu ge­langen. Durch Gegenüberstellung der Gabelsberger- schen Stenographie mit anderen Systemen suchte er den Beweis für die Überlegenheit der ersteren zu erbringen. Daher dürfe man auch erwarten, daß die zu erhoffende deutsche Einheitsstenographie auf der Grundlage der Gabelsbergerschen Steno­graphie auf gebaut werde. Rachdem dann Ver- bandsvorsihender Georg Schöpp, dessen verdienst­voller Tätigkeit der Vorredner ganz besonders gedacht hatte, noch einige Mitteilungen über das Wachstum des Main-Rheingau-Verbandes ge­macht und die Bitte an alle einstigen Stengraphen- schüler gerichtet hatte, für die Gabelsbergersche Stenographie zu werben und sie zu unterstützen, gab ein Chor des GesangvereinsHeiterkeit" der fast zweistündigen Feier einen würdigen Abschluß. Rachmittags fand ein Festessen im Hotel Schütz statt und am Abend wurde das 25jährige Be­stehen der Stenographengesellschaft und Damenabteilung in der Turnhalle und im Kaufmännischen Derelnshaus festlich begangen.

Wir möchten der Tagung vor allem den Er­folg wünschen, daß sie dazu beitragen möge, die Frage der Einheitsstenographie baldigst zu lösen. Wie Regierungsrat Dr. Müller mitteilte, finden in 14 Tagen Besprechungen im Reichsministerium statt, die hoffentlich als Resultat die Einheits- stenographie zeitigen werden, womit erst die volle Ausnutzung der stenographischen > Kunst erreicht werden wird. *

** Der gestrige Sonntag ist den Er­wartungen der breitesten Vollsmasse wohl in weitgehendem Maße gerecht geworden. Schon am Vormittag lockte strahlender Sonnenschein zu Spaziergängen hinaus und auch die Rach- mittagsstunden waren trotz der starken Hitze ge­eignet, die Freude an dem schönen Sommertage zu erhalten. Die starke Sonnenwirkung führte am Spätnachmittag zu Gewitterbildungen, die ihren ersten Vorläufer gegen 6 Uhr abends über unsere Stadt entsandten. Die im Freien arran­gierten gesellschaftlichen Veranstaltungen des 4 3. Derbandstages der Gabelsberger Stenographen erfuhren durch den einst­weilen nur leichten Regen alllerdings eine ge­linde Störung, welche die Festteilnehmer zum schnelleren Versammeln in den Festlokalen im Innern der Stadt veranlaßte. Der Abschied der zahlreichen auswärtigen Besucher von unserer schönen Gartenstadt vollzog sich bedauerlicher- | weife in strömendem Regen, den die starken Abendgewitter in reichem Maße mit sich brachten. Wenn aber auch die Stenographen mit dem Wetterabschluß ihres Festtages nicht so recht zufrieden sein werden, so wird dafür der Land« mann trotz des Durchweichens der Heumengen, die man am Samstag nachmittag und gestern noch mehrfach im Felde liegen sah, den guten Regen doch mit frohen Augen anseh en, denn für die Hackfruchternte, namentlich aber für die Kartoffeln, kamen diese ergiebigen Regenfälle zu außerordentlich günstiger Zeit. Die Hoff­

nungen auf eine gute Kartoffelernte sind durch die gestrigen Riederschläge jedenfalls stark ge­wachsen. Als weitere willlommene Wirkung der gestrigen atmosphärischen Entladungen verzeich­nen wir eine sehr wohltuende Abkühlung der Temperatur.

** Amtliche Perfonalnachrich-- t e n. 3n den Ruhestand versetzt wurden am 29. Juni: der Rektor an der Volksschule zu Reichelsheim i. O. Peter Bormuth; der Lehrer an der Volksschule zu Klein-Steinheim im Kreise Offenbach Heinrich Burk; der Rektor an der Volksschule zu Heuchelheim im Kreise Gießen Konrad Dietz; der Rektor an der Volksschule zu W i e s e d im Kreise^Gie- ßen Heinrich D ö l l; der Rektor an der DollS- schule zu Erbach im Kreise Erbach Heinrich Escher; der Lehrer an der Volksschule zu Steinbach im Kreise Erbach Philipp Hoffart; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Konrad Jockel; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Alfred Kessel; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Heinrich Lanz; der Lehrer an der Volksschule zu W i e s e ck im Kreise Gießen Friedrich Müller; der Lehrer an der Volksschule zu Klein-Steinheim im Kreise Offenbach Jakob Schlitt; der Rektor an der Volksschule zu Lollar im Kreise Gießen Georg Karl Sehrt; der Lehrer an der Volksschule zu Offenbach Friedrich Wein­gärtner; der^ Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Heinrich Zimmer auf ihr Rach- suchen unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten Dienste vom l.Iuli 1922 an.

" Di e Grundlöhne und die entsprechen» den Beiträge für Krankenkasse und I n - Validenversicherung werten in einer Be­kanntmachung des heutigen Anzeigenteils ver- öfsentlicht.

** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 3. bis 10. Iuli zum Preise von 1500 Mark für ein Zwanzigmarkstück, 750 Mark für ein Zehnmarkstück. Für aus­ländische Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. Der Ankauf von Reichs­silbermünzen durch die Reichsbarck und Post erfolgt vom 3. bis 10. Juli d. Is. bis auf weiteres zum 35fachen Betrag des Nenn­wertes.

< Das übliche Hohervdskopsfest, das alljährlich am ersten Sonntag im Juli ge­feiert wird, fand am gefhigen Sonntag statt. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, hatten sich dort oben über 2000 Wanderer aus der näheren unb weiteren Umgebung eingesunden. Besonders stark waren die Zweigvereine Fulda mit 180 Wanderern, Lauterbach mit 120, Schotten, Ridda. Büdingen u. a. vertreten. Vom jungen Zweig­verein Mainz waren sogar 25 Wanderlustige an* wesend Lehrer Link (Rudingshain) hielt die Festrede, in der er zum Schluß zur Einigkett und zum inneren Wiederaufbau des einzelnen Men­schen mahnt. Verkaufsstände und ein Tanzboden sorgten für weitere -Unterhaltung. Die Räume waren zur Ausnahme der vielen Menschen natür­lich zu klein, deshalb lagerte der größte Teil im Freien. Die Anhöhe sah von Weitem wie ein großes Feldläger aus, in dem gesungen und ge­scherzt und sogar abgekocht wurde. Abends setzte ein Gewitter ein, von dem die meisten Vereine verschont blieben, da fie ftch schon zu Hause oder auf der Heimfahrt befanden.

** Richtig frankieren! Am 1. Juli ist der neue, sehr wesentlich erhöhte Portotarif in Kraft getreten. An diese einschneidende posta­lische Veränderung heute noch einmal erinnert zu werden, dürste der Geschäftswelt und den Privattreisen erwünscht sein, denn die Straf­portoauflage ist angesichts der neuen, hohenSätze jetzt noch weniger angenehm denn früher. Der Gießener Anzeiger" hat die neuen Gebühren­sätze in seiner Rümmer 148 vom vorigen Diens­tag zum Abdruck gebracht. Die wichtigsten Sätze des neuen Tarifs seien hier noch einmal kurz wiederholt: es kostet jetzt ein Brief bis 20 Gr. im Ortsverkehr 1 Mk.. im Fernverkehr 3 Mk., von 20100 Gramm 2 Mk. bzw. 4 Mk., über 100250 Gramm 3 Mk. bzw. 5 Mk., Postkarten kosten im Orte 75 Pf., nach auswärts 1.50 Mk., Drucksachen bis 20 Gramm 50 Pf., von 2050 Gramm 75 Pf., von 50100 Gramm 1.50 Mk., von 100250 Gramm 3 Mk., von 250500 Gr. 4 Mk., von 5001000 Gramm 5 Mk. Die wei­teren Aenderungen sind aus der obengenannten Rümmer unseres Blattes zu ersehen.

" Metallfiegelverschluß bei Postpaketen. Als Derschlußmittel für Wertpakete von mehr als 500 bis 3000 Mark werden vom 1. Iuli an neben den bisher vor- geschriebenen Lacksiegeln auch Bleisiegel und Stahlblech siegel versuchsweise zu gelassen. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten.

Etwas zum Nachdenken. Kaum hat in den Gärten die Reise der Stachel- und Johannis­beeren begonnen und schon setzt wieder die Schie­ßerei nach den Vögeln ein. Früh morgens und bis in den späten Abend hort man das Knallen der Teschings und Floberts. Wie viele Schützen erklären, gilt ihre Jagd nur ben Sper-

FerrMeton.

Escheberg.

Im allen Künstlerfreistaat.

Aus Kassel wird uns geschrieben: Es war einmal ein armer Hauslehrer und ein Poet dazu. Dem ging's gar übel. And wie Richard Wagner erlöst aufatmete, als ihn im Schwaben­lande des Dahernkönigs Rus erreiä'te, so war's auch Emanuel Geibel zumute, da ihm Ein­ladung wurde zum Baron von der Malsburg in Escheberg im Hessenlande!

Er ging auf die Reise und aus überfprudeln- dem Herzen dichtete er unterwegs das Lied, das heute Gemeingut des deutschen Volkes geworden ist: Der OHai ist gekommen...! Daran mußte ich auf froher Wanderfahrt ins schöne Tal der .Wärme gedenken, als die Kirschen reiften und die Sonne beste Laune hatte. Ein trotziger Derg- fegei springt aus den Wäldern empor: die Malsburg!

Seit dem 17. Jahrhundert ist sie im Ver­fallen. Der Wald stieg allmählich bis zu den Ruinen empor und noch unlängst hielt ich Aus­schau von dort ins Land der Hessen und der Riedersachfen. Jetzt wehrt ein Stacheldraht jeden Wanderer ab. Man sagt, es fei zu viel Unfug in eben Ruinen verübt worden ... >

Und weiter geht die Fahrt auf eines Dich­ters Spuren. Dypt, wo das Tal am Fuße des grünen Eschebergs am engsten wird, nur steil zur Straße fällt, die nach Zierenberg und von dort nach Kaftel und nach Westfalen führt, dort liegt das Gut, das einstmals Geibel aufnahm in einen Kreis der kunstsinnigsten Männer seiner Zeit. Baron von der Malsberg, der Söhn des Calbervn-Uebersetzers, versammelte in dem reiz­vollen Schloß die Brüder Grimm, die Märchen- farnmler, Freiligrath, den Musiker Spohr und viele andere.

Heute noch duften im Park die seltsamsten Blüten unter riesigen Bäumen und der Rachen schaukelt auf einem verträumten See und heute noch zeigt man dasPoetenstübchen", in dem Geibel wohnte, bis in den hohen Tag hinein» schlief, dieweil er ein Langschläfer war und wenn er dann zur Mittagszeit die grünen Fensterläden auf fließ, trenn er hinaussah auf die grünen Berge ringsum dann muß es geschehen fein, daß er das Lieo erdachte:

Wer recht in Freuden wandern will, Der geht der Sonn entgegen ....

Ausgerechnet dieser Langschläfer! Auch Dich­tungen haben oft merkwürdige Vorgeschichten. Ein kostbares Fremdenbuch wird heute als Schatz ge­hütet. Drinn stehen die Ramen aller Größen der

ersten Hälfte des vergangenen Jahrhundert, die hier, wie Paul Heidelbach, einer der besten Chroni­sten des Hessenlandes einmal geschrieben hat, einen Künstlerfreistaat bildeten, wie er romantischer wohl nirgends bestanden hat. Escheberg war an die Stelle Weimars getreten, nachdem Altmeister Goethe die Strahlenaugen geschlossen hatte. Escheberg ist ein ragender Denkstein im Reiche der deutschen Literatur und Künste.

Qhif einem Berge, der dem Escheberg vor­lagert. steht der Rest eines alten Pavillons, ein Schutz Häuschen heute und von dort geht ein wundersamer Blick zum gigantischen Dörnberg, zum zweibuckligen Gudensberge und zum Falken­stein, dem der todesmutige Verteidiger Magde­burg entstammte. Hier faß Geibel oft und gern, hier schuf er feine schönsten Lieder und die Rach­welt hält die Erinnerung fest, indem sie dieses Daumstammhüttchen den Geibeltempel nennt.

Rudolf Hehnemann.

25 Jahre Goethehaus.

me. Frankfurt a. M, 2. Juli. Am 20. Juni dieses Jahres waren 25 Jahre verflossen, fett das Frankfurter Goethehaus den Besuchern seine Pforten öffnete. Dies war Anlaß zu einer Geben!feier, die das freie deutsche Hochstift, als Eigentümerin, im großen Staatszimmer des

Goethehauses am gestrigen Sonntag veranstaltete. Iustizrat Dr. Reumann begrüßte im Ramen des Hochstifts die Gäste und wies in feiner An­sprache darauf hin, daß durch zahlreiche Spenden aus dem In- und Ausland es möglich gewesen fei, das dem Verfall preisgegebene Goethehaus zu renovieren. Trotzdem sei man aber über die finanzielle Krise nicht hinweg, da die zunehmende Teuerung ungeheure Summen verschlinge. Der Direktor des Frankfurter Gvethemuseums Pro­fessor Dr. Heuer gab bann in längerem Vor­trag ein Bild der Geschichte des Geburtshauses unseres größten Dichters, namentlich aber der Entwicklung in den letzten 25 Jahren. Inter­essant ist z. B. die.Tatsache, daß die umfangreiche Evethebibliothek. die im Jahre 1897 20 000 Bände zählte, heute deren 50 000 umfaßte. Professor Heuer gedachte auch in dankbaren Worten all der Wohltäter des Goethehauses und schilderte aus­führlich die Dorkriegsbestrebungen des Oberbür­germeisters Ad ickes, ein würdiges, neues Goethemuseum zu schaffen, was die Kriegswirren und die Folgen der Revolution und des Zu- sammsnbruchs Wohl auf Jahrzehnte unmöglich gemacht haben. An den Festalt schloß sich eine Besichtigung des Hauses, das sich im neuen Ge­wand außerordentlich hübsch präsentierte.