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Nr. 29
Dec »ietzener Lnzetger erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monatliche Bejugspteife: MK 9.50 einschl. Träger, lohn, durch die Post MK. 10. - einschl. Bestell- gelb, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fern sprech -Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Eiehen.
postschemonto-
Sranffnd a. M. 11686.
Erster Blatt
172. Zahrgang
Sreitag, 5. Zebruar 1922
GießenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigen v 34 mm‘Breite örtlich 70 ‘Pf., auswärts 90 'Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 3uO Vf. Bei Platz. Vorschrift20 ^Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: jfiarl Walther: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.
Der Zusammenbruch der Krone.
Die deutschösterreichische Währung ist zusammengebrochen. Wenn auch die Krone an den Auslandsbörsen noch notiert wird, fo ist doch klar, daß ein geregelter Außenhandel nicht mehr möglich ist. In dieser Behinderung des Außenhandels drückt sich finanztechnisch und geldpolitisch der Zusammenbruch der Krone aus. Wenn für 100 holländische Gulden nahezu 350 000 Kronen gezahlt werden müssen, so ist auf dieser Grundlage ein Warenaustausch nicht mehr durchzuführen. Aber nicht nur das kennzeichnet den Zusammenbruch, sondern vor allem auch die Aufwirbelung des inneren Marktes. Deutschösterreich ist abhängig von Zufuhren an Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Wenn die Kaufkraft der Krone so wenig fest ist, daß sie innerhalb einiger Tage ins Bodenlose stürzen kann, so ist jede Lohnpolitik unmöglich. Die Preise schnellen viel plötzlicher in die Höhe als Löhne und Gehalter, so daß sich Spannungen ergeben, die für den Staat und die Wirtschaft die schwerste Gefahr bedeuten. Deutschösterreichs Zusammenbruch ist eine Warnung. Der Vertrag von St. Germain hat Deutschösterreich nicht nur geographisch verschnitten, er hat dasLandausnatürllich gewordenen und gewachsenenWirt- schaftsverhältnissen herauSge- rissen. Alles deshalb, damit die Sieger den Dumpfstaat Deutschösterreich politisch fest in der Hand behalten können. Seitdem der Vertrag von St. Germain vollzogen ist, ist Deutschösterreich auch das Sorgenkind des Verbandes. Aber der Verband ist gar nicht in der Lage, die wirtschaftlichen Sorgen und Nöte Deutschösterreichs abzustellen. Eine Anleihe, die immer wieder versprochen, aber nicht gewährt wurde, kann das Land wirtschaftlich und finanziell dauernd nicht wieder aufrichten. Deutschösterreich sind Hilfsquellen genommen worden, ohne die es nicht leben kann. Dabei hat die Erfahrung gezeigt, daß sich neue Staaten künstlich wohl bilden, aber nicht lebensfähig erhalten lassen. Dies gilt für die Tschechoslowakei. Sie hat als verzogener Liebling des Verbandes die wirtschaftlichen Hilfsquellen Deutschösterreichs erhalten, d. h. die stärksten Kräfte der früher gemeinsamen wirtschaftlichen Organisation sind der Tschechoslowakei zugeschanzt worden. Nun braucht die Tschechoslowakei, wenn sie selbst gedeihen soll, wirtschaftlich gesunde und kaufstarke Nachbarstaaten. Die Annahme, einen gewaltigen Aeberseehandel entwickeln zu können, "hat sich als ein Fehlschuß erwiesen. Heute wird die deutsche Reichsmark mit 25 tschechischen Hellern, die deutschösterreichische Krone mit 0,59 Hellern bewertet. Hundert Tschechenkronen kosten also 390 Mark und 18 500 deutschösterreichische Kronen. Es hat für die Tschechoslowakei mithin nicht viel Vorteil. daß ihre Wechselkurse sich bessern, weil sie dafür den Rückgang der Ausfuhr nach den Nachbarstaaten eintauschen muß. Schlimmer allerdings liegen die Verhältnisse für Deutschösterreich. Hier gibt es nur noch einen Ausweg; den Anschluß an das deutsche Wirtschaftsgebiet.
Die Streiklage.
Berlin, 2. Febr. Nach einem allgemeinen Lieberblick über die Streiklage im Reiche trat im Laufe des 2. Februar in fast sämtlichen Bezirken Norddeutschlands das Lvkomotivpersonal fast vollständig, das Zugbegleitpersonal dagegen nur zum Teil in den A u S st a n d. Die Eisenbahnverwaltung nahm im Laufe des 2. Februar den Verkehr nur vereinzelt auf», weil ein zuverlässiger Lleber- blick über das dienstbereite Personal erst gewonnen werden muhte. Don Berlin wurden einzelne Fern- und vereinzelte Vorvrtzüge abgelassen. Der lebenswichtige Güterverkehr, insbesondere Vieh und Milch, wird von den Eisenbahndirektionen, soweit wie möglich, durchgeführt. In welchem Umfange eS gelingen wird, am Abend des 2. Februar und im Laufe des 3. Februar mit Hilfe der Technische n Nothilfe den Nvtbetrieb für die lebenswichtigen Güter und den dringendsten Personenverkehr durchzuführen, läßt sich noch nicht übersehen. Es wird auch versucht, durch Heranziehung des arbeitswilligen Personals von anderen Stellen diesen Nvtbetrieb zu sichern. Auch an einzelnen Stellen Norddeutschlands wird sogar vorn Lokomotivperso- nal der Streik abgelehnt.' Nach Meldungen, die im Verlaufe des 2. Februar cingegangen sind, trifft dies für Halle, Sagan, KottbuS und Merseburg zu. Die Arbeiterschaft hält sich ebenfalls vorn Streik fern und be- ft)lgt die vom Zentralvorstand herausgegebe
nen Erklärungen und Weisungen. Nachrichten! über Gewaltakte der Streikenden sind bisher nicht eingelaufen. In Berlin'macht sich die Verkehrsstockung sehr bemerkbar. Infolge der Unterbrechung des Stadt- und Vorortverkehrs werden die Straßenbahn, die Omnibusse und die Hochbahn bis zur äußersten Ueberlastung in Anspruch genommen.
Berlin, 2. Febr. (WTB.) Der regelmäßige Eisenbahnbetrieb ist in der Zeit von 12 bis 6 Uhr zum Stillstand gekommen, weil das L o k o - mvtiv - undDegleitpersonal den Dienst verlassen hat. Der Güterzugverkehr und der Betrieb auf den Nanaierbahnhösen im Fern- und Vorortverkehr wurde eingestellt. Züge in der Richtung Hannover, Hamburg, Breslau und Kott- bus fino noch gefahren, weil die Lokomotiven mit auswärtigem Personal besetzt werden konnten. Im übrigen ist der Verkehr eingestellt. Der Stadt-Ring - undVorortverkehr ruht bis auf einige Züge zwischen dem Stettiner Bahnhof und Hennrngsdorf. Die Technische Nothilfe wird heute vormittag eingesetzt. Es ist zu hoffen, daß damit der lebenswichtige Vieh-, Lebensmittel- und Güterverkehr durchgesührt werden kann. Es streiken hauptsächlich Lokomotivführer, Heizer, Zugführer und Schaffner. Das Stativnspersonal trat fast vollzählig bis auf Heinere Gruppen von Weichenstellern und Rangierern auf den einzelnen Bahnhöfen an.
Das Frankfurter Ortskartell des Beamtcubundcs für die Steckenden.
F r a n k f u r t a. M., 2. Febr. (WTB.) Das Ortskartell des Deutschen Deamten- b u n d e s (D. B. D) hat in einer heute abend abgeh al tenen von sämtlichen Verbänden stark besuchten Versammlung folgende Entschließung angenommen: Das Ortskartell Frankfurt a. M. richtet an den Deutschen Beamtenbund die dringende Forderung, der Regierung sofort llar zu machen, daß die gesamte Beamtenschaft Frankfurt a. W. und Umgegend mit den Bestrebungen der Eisenbahner sympathisiere und die Gründe, die zum Streik geführt haben, würdige.
Es wird von der Regierung erwartet, daß sie unverzüglich in Verhandlungen mit dem Deutschen Deamtenbund eintritt, um ein weiteres Um« f i d; greifen des Streikes, der bei der berechtigten und dabei begreiflichen Ursache innerhalb der Gesamtbeamtenschaft, insbesondere in den Gruppen 1 -7 in den nächsten Tagen bestimmt zu erwarten ist, in letzter Stunde zu vermeiden.
Frankfurt a. M., 3. Febr. (WTB.) Die Lage, hat sich im Laufe der Nacht nicht geändert, und auch heute vormittag werden von hier keine Züge abgehen tö n r»e n. Dagegen ist in den Nachtstunden je ein Zug aus Richtung Fulda und Friedberg eingetroffen. Der Hauptbahnhof und das Gebäude der Cifenbahndirsktion werden von der Schupo bewacht, und der Platz vor diesen Gebäuden freigehalten, da die Streikenden andere Personen am Betreten des Direllionsgebäudes verhindern wollen.
Die Technische Nothilfe.
Fr a n kfu rt a. M., 2. Febr. (WTB.) Da es sich bei dem gegenwärtigen Ausstand der Eisenbahner hauptsächlich um die Gruppen der Lokomotivführer handelt, wäre es wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, sehr erwünscht, wenn fid) frühere Beamte dieser Kategorie, die sich im Ruhestand befinden oder sonst aus- geschieden sind, soweit es sich nicht um disziplinarisch bestrafte Beamten handelt, aushllfsweise zur Verfügung stellten. Anmeldungen werden von den Maschinenämtern angenommen.
Die Laße im Reich.
Hamburg, 2. Febr. (WTB.) Wie die Eisenbahndireklion mitteilt, verkehren sämtliche Züge mit Ausnahme der'Lübeck- Düchener Bahn fahrplanmäßig. Die Elmshorner Züge verkehren über Oldesloe.
Bremen, 3. Febr. (WTB.) Durch Eintritt des Lokomotivpersonals in den Streik haben die hiesigen Verkehrsverhältnisse eine weitere Verschlechterung erfahren.
Stettin, 2. Febr. (WTB.) Im Eisenbahndirektionsbezirk Stettin wird der Zugverkehr noch in mäßigem Umfange aufrecht- erhalten. Insbesondere wurden einige Züge nach Berlin durchgeführt. Auch die lebenswichtigen Transporte konnten bis jetzt gesichert werden.
Schwerin, 2. Febr. IWTD.) Die ^Mecklenburgische Zeitung" meldet: Der Streikbeschluß der Reichsgewerkschaft wurde bisher in Mecklenburg nicht befolgt. Heute vormittag fuhren innerhalb des Landes noch alle fahrplanmäßigen Züge.
Schneidemühl. 2. Febr. (WTB.) Wie der ^Gesellige" mitteilt, bleiben die von Berlin kommenden Züge nachts in Schneidemühl liegen. Der Verkehr durch den Korridor ist unterbunden.
Görlitz, 2. Febr. (WTB.) Hier wurde der Streikparole nur von den Lokomotivführern Folge geleistet. Der Zugverkehr wird nach allen Richtungen voll auf- rechterhalten.
Görlitz, 2. Febr., 11 Uhr vorm. (WTB.) Wie das Eisenbahnbetriebsamt mitteilt, wird auf den preußischen Linien nur noch ein notdürftiger Zugverkehr aufrechterhallen. Auf den sächsischen Linien verkehren die Züge noch von hier nach Zittau, während auf der Strecke Görlih—Dresden der Verkehr ftillsteht.
Essen, 2. Febr. (WTB.) Wie die hiesige Eisenbahndirektion mitteilt, wurde der gesamte Zugverkehr in den Eisenbahndirektionsbezirken Elfen, Elberfeld und Münster kurz nach
Mitternacht eingestellt. Rur einige Milch- züge konnten noch gefahren werden. Verhandlungen mit der Technischen Nothilfe sind imGangc, um nötigenfalls Zugpersonal herbeizuschasfen.
Osnabrück, 2. Febr. (WTB.) Seit Mitternacht wurde der gesamte Fernverkehr eingestellt.
K o b u r g. 2. Febr. (WTB.) 3m Eisenbahn- betriebsbezirk ist seit heute früh der Zugverkehr eingestellt. Der erste O-Zug wurde nur bis Koburg geführt. Rach weiteren Meldungen wurde der Verkehr in Weimar, Saalfeld. Hildburghausen, Salzungen und Ilmenau fast vollständig niedergelegt.
C r f u r t, 2 F br (WTB ) In Thüringen sind infolge des Eifenbahnerstreiks große Störungen eingetreten. Nach Meldungen aus Weimar, Suhl, Saalfeld, Ilmenau und anderen thüringischen Städten ruht der Eisenbahnverkehr dort fast vollständig. In Eisenach wurde nachts ein von Erfurt angegangener Zug nach Frankfurt a. M von Streikenden aufgehalten. Die Reisenden wurden gezwungen, den Zug zu verlassen
Erfurt, 2. Febr. (WTB.) Die Eisenbahn- direktion teilt uns mit: Heute nacht wurde von einem großen Teil des Personals, hauptsächlich vorn Lokornotivpersonal, die Arbeit niedergelegt, doch ist noch ein großer Teil Arbeitswilliger vorhanden. Wie verlautet, beabsichtigt die Streikleitung, bis heute abend 6 Uhr den gesamten Verkehr stillzulegen, doch sindGegen- Maßnahmen getroffen worden. Die Verwaltungsbeamten sind fast restlos zur Arbeit erschienen. Der Personen- und Güterverkehr wird in weitem Umfange aufrechterhalten, ebenso der Verkehr mit den Nachbärbezirken.
Dresden, 3. Febr. (WTB.) Im Bereich der Eisenbahngenerall>irektion Dresden hat die überwiegende Mehrheit des Eisenbahnpersonals dem Streikbeschluß keine Folge geleistet, dagegen ist in großer Mehrheit das Lvkomotivpersonal in den Streik getreten, so daß der regelmäßige Zugverkehr am Vormittag im wesentlichen zum (Srlicaen ae^mmen ist.
Kassel. 2 Febr. (WTB.) Die Det.iebslage im Cisenbahndirertivnsbezirk Kassel ist im wesentlichen unverändert. Die Personenzüge wurden mit arbeitswilligem Personal gefahren. Der lebenswichtige Verkehr wird aufrechterhalten.
Heidelberg, 2. Febr. "WTB.) Vom Eisenbahnerstreik ist bisher nicht das Mindeste zu spüren. Der Verkehr der von hier abgehenden Lokalzüge hat sich heute morgen fahrplanmäßig abgewickelt.
Aus Württemberg.
Stuttgart, 2. Febr. (WTB.) Eine Abordnung des württernbergischen De - arntenbundes und der Reichsgewerkschaft deutscherEisenb'ahner trug heute vormittag dem Staatspräsidenten den Wunsch vor, die Reichsregierung möge die Verhandlungen mit der Hauptleitung der Reichsgewerkschaft nicht abbrechen, sondern mit gemäßigten Mitgliedern wieder aufnehmen. Der Staatspräsident sagte die Ueberweisung dieses Wunsches an die Reichsregierung zu und sprach seine besondere Genugtuung darüber aus, daß es dem besonnenen Verhalten der Führer und dem guten Geiste der Eisenbahner in Württemberg gelungen sei, die Streikbewegung vom Lande fer nzuh a l t en.
Verhaftungen , und Beschlagnahmungen.
Berlin, 2. Febr. (WTB.) Zwei Führer der Eisenbahner streikbewegung wurden heute morgen festgenommen: der Lokomotivführer Sperbaum aus Nowawes, der erster Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ist und zugleich dem Hauptvorstand der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbähnbeamter angehört, ferner der Eisenbahnoberschaffner Tänzer aus Berlin, der im Geschäftsführenden Vorstand der Reichsgewerkschast Deutscher Eisenbahn- beamten das Amt des Kassierers versieht. Gegen beide wurde ein polizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen die Verordnung des Reichspräsidenten angestellt. Ferner konnten bei verschiedenen Berliner Großbanken Beträge von mehreren Millionen Mark beschlagnahmt werden, welche dort von verschiedenen den Streik betreibenden ge- werllichen Organisationen niedergelegt wurden.
PoincarL über das Programm von Genua.
Paris, 3. Febr. (WTB.) Wie der „Matin" berichtet, hat Ministerpräsident Poincare den Entschluß gefaßt, auf diplomatischem Wege an die alliierten Regierungen Bemerkungen über das in Cannes festgesetzte Programm für die Konferenz zu richten. Er werde unter anderem den ersten Paragraphen der Entschließung, der von der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Rußlands spricht, bemängeln und die Frage stellen, wie man diesen Paragraphen mit der Notwendigkeit, von Rußland Garantien hinsichtlich der Ausführung der Verträge zu verlangen, vereinbaren könne, um so mehr, als die augenblickliche russische Gesetzgebung das Privateigentum nicht anerkenne. Auch der zweit) Paragraph der Entschließung, der die wirtschaftliche Wiedererhebung aller Länder und die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen allen Staaten vorsieht, stehe im Widerspruch mit den darauf folgenden Paragraphen, in dem gesagt werde, daß an den bestehenden Verträgen nichts geändert werden soll. Außerdem werde Poincare die wichtige Frage auf-
toerfen, ob der Völkerbund von diesen internationalen Aussprachen ferngehalten werden soll. Das sei der allgemeine Sinn der Note, der jedenfalls schon heute eine diplomatische Aussprache zwischen den Nkächten veranlassen werde.
Die Blüte des französischen Militarismus.
Paris, 3. Febr. (WTB.) Dor dem Finanzausschuß der Kammer erschien gestern Kriegsminister M a g i n o t, um sich über die Frage auszusprechen. ob durch die geplante Herabsetzung der Dienstpflicht Mehrausgaben im Betrage von 520 Millionen Franks im Vergleiche zum Budget von 1922 nottoenbig würden. Der Kriegsminister er- llärte, das Budget für 1922 habe den Effektiv« bestand des Heeres durch zahlreiche Beurlaubungen und durch seine Berücksichtigung der Reserven herabgemindert und auch nicht in Berücksichtigung gezogen, daß nach dem Gesetz den Familien mit zahlreichen Kindern eine Entschädigung zugewiesen werden mühte. Ein derartiger Zustand hätte nicht ohne schwere Unannehmlichkeiten für das Heer fortgesetzt werden können. Nach seiner Ansicht würde das neue Militärgeseh nur eine Mehrausgabe von 231 Millionen Franks erfordern. Aber wenn man die integrale Anwendung des Zweijahrgesetzes für das Iahr 1922 dagegen in Betracht ziehe, so würde man durch das Gesetz für die achtzehnmonatige Dienstzeit etwa 40 Millionen ersparen. Die Frage wurde schließlich offen gelassen, aber es soll in einer späteren Sitzung festgestellt werden, durch welche Maßnahmen die notwendige Budgeterleichterung erzielt werden könnte.
Die Zwischenfälle von Gleiwitz und Oberglogan.
Paris, 2. Febr. (WTB.) Der Kabine 11 s r a t hat sich heute unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Poincare mit den Zwischenfällen von Gleicoitz und Oberglogau beschäftigt.
Oppeln, 2. Febr. (WTB.) Die Schießerei in Petersdorf bei Gleiwih ist dadurch entstanden, daß etwa 100 Leute vor der Turn- Halle erschienen, in der von den Franzosen beschlagnahmte Waffen aufgehoben wurden. Ein französischer Posten schoß daraufhin auf die Menge und tötete einen Zivilisten. Dies war das Zeichen zum Sturm. Fran- zösischerseits wurden 23 Soldaten verwundet darunter 3 schwer. Die Franzosen hatten keine Toten
Die Fragen des Oftens.
Athen, 2. Febr. (WTB.) Die Abgeordneten für Thrazien Übergaben den diplomatischen Vertretungen Amerikas und der Alliierten eine Denkschrift, worin sie auf das Lebhafteste gegen den Gedanken derRückkehrun- ter die Türkenherrschaft protestieren
Die parlamentarische Lage in England
London, 2. Febr. (WTB.) 2luS der gestrigen Rede des Lvrdkanzlers Birkenhead, die, wie die Blätter melden, das Hauptthema in politischen Kreisen bildet, wird entnommen, daß Birkenhead auf die Möglichkeit baldiger Neuwahlen anspielen wollte. Laut „Pall Mall and ©lobe“ hält Lloyd George jedoch den psychischen Augenblick für die Abhaltung von Neuwahlen noch nicht für gegeben. — Dem „Star" zufolge wird in politischen Kreisen angenommen, daß die Koalition ihre inneren Schwierigkeiten angesichts der wachsenden Opposition beilegen wird.
Von der Washingtoner Konferenz.
Paris, 3. Febr. (WTB.) Nach einer HavaSmeldung aus W a s h i n g t o n wird ein Teil der französischen Delegation bei der Konferenz am 7. Februar Neuhork verlassen.
Rücktritt der italienischen Regierung.
R o m, 2. Febr. (WTB.) Die Regierung hat in der Kammer ihren Rücktritt mitgeteilt.
Ein Handelsabkommen zwischen Frankreich und Portugal.
Paris, 3. Febr. (WTB.) Wie die Ha- vaSagentur mitteilt, ist zwischen der frans - zösischen und portugiesischen Regierung auf die Dauer von sechs Monaten ein provisorisches Abkommen getroffen worden, durch das Portugal den Zollaufschlag von 50 Prozent gegenüber französischen Produkten nicht anwendet. Frankreich dagegen Portugal ein monatliches Kontingent von 500 Hektoliter Wein bewilligt.
Amerikanische Hilfe für Rußland.
Kopenhagen. 2. Febr. (WTB.) Rach einem Telegramm aus Helsingfors hat der ameri- kanische Gesandte an die f in n i s che Regierung namens der ameritani! f;en Hipskrinmif:vn die Frage gedd;tet, ob sie den Durchtransport von monatlich 25 C02 Tonnen Lebensmittel nach Rußland übernehmen könne. Ti. irische Regierung wird ihre Antwort erteilen, wenn sie die Untersuchung über die Möglichkeit zur Durchführung des Transportes beendet Hai.
Hufvadstadsbladrt" erfährt, daß mehrere große amerikanische Dampfer mit Lebensrnitteln für Rußland nach Hango untertcegs |uu>.


