Kirche und Schule.
nd. Hnter-6cbmlttcn, 2. Ian. Der bisherige Verwalter der hiesigen 2. Schulstelle. Schulamtsanwärter Karl Reih, wurde als s e st- vngestellter Lehrer nach Kefenrod verseht. Zu seinem Rachfolger ist Schulverwalter Schnie r l e von Dodenrod ernannt worden. — Die WanderhaushaltungSschule deS Kreises Düdingen hält hier gegenwärtig im Saale des Gastwirts Köchling unter Leitung der Haus» haltungslehrerin Friedmann aus Lauterbach einen Kursus ab, an dem 12 Mädchen und junge Frauen von hier teilnehmen.
ni>. Ridda, 2. Jan. 3n dem verflossenen Jahre wurden in unserem evangelischen Kirchspiel 77 Kinder getauft, 55 konfirmiert und 36 Personen beerdigt. Der Kirchenbesuch betrug bei den Erwachsenen nur 17 Prozent, bei den Kindern 21 Prozent. Erfreulicherweise hat er aber im letzten Vierteljahr etwas zugenvmmen. An der Feier des heiligen Abendmahls nahmen 49 Prozent teil. Seit dem Weihnachtsfeste besitzt unsere evangelische Kirche elektrische Lichtanlage, die zum ersten Male bei der Weihnachtsfeier in Gebrauch genommen wurde und vollauf befriedigte. An Kollekten und sonstigen Spenden für kirchliche Zwecke und wohltätige Einrichtungen gingen im Jahre 1921 etwa 2000 Mark im Kirchspiel ein.
Ln. Darmstadt, 31. Dez. Die Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums hatte ihre zahlreichen Mitglieder zu einer Aussprache eingeladen. Präsident S ü f - f e r t erstattete den Jahresbericht, anknüpfend an den in aller Erinnerung stehenden Vortrag des Kreisdrrektors Dr. W ö r n e r über .Heraklit" und den beifällig aufgenommenen Vortragsabend ..Aus griechischen und römischen Dichtern", und führte sodann aus: Auf eine Eingabe der Vereinigung bei dem Landesamt für das Dildungs- wesen ist ihr in Aussicht gestellt worden, bei der Schulabteilung zur Mitarbeit herangezogen zu werden: hoffentlich wird dies bei den künftig zu lösenden gymnasialen Fragen recht oft in Erscheinung treten. Der Mitgliederbestand ist wieder erfreulichgewachsen: durch erneute unter den Freunden des humanistischen Ideals einsehende Werbearbeit wird sie weiter ft eigen. Aus der vielseitigen Vorstandsarbeit wird erwähnt, daß eine Aufführung des in Sieben mit großem Erfolg aufgeführten Hippolytos von Euripides durch die rührige Siebener humanistische Vereinigung auf der hiesigen Landestheaterbühne beabsichtigt gewesen ist. die Inszenierung läßt sich nur auf einer groben Vühne ermöglichen. Die Aufführung hat sich aber aus zeitlichen und finanziellen Schwierigkeiten noch nicht verwirklichen lassen. Vorzüglich entschädigten dafür die auch als schauspielerische Leistungen vortrefflich gelungenen wiederholten Aufführungen von Aristophanes' Vögeln durch das Ludwig- Georgs-Gymnasium. 3n allernächster Zeit wird der Historiker der Frankfurter Universität. ord. Professor Dr. Matthias G e l z e r, seinen fesselnden Vortrag über „Das Römerlum als Kulturmacht" halten. Andere auf ihren Gebieten führende Persönlichkeiten sind für die kommenden Monate zu Reden über bedeutsame Fragen gewonnen worden, so dah wir besonderen Ereignissen entgegensehen. Alch nächste Ziele erstrebt die Vereinigung neue Zusammenschlüsse in anderen hessischen Städten r^nd die Gründung eines Landesverbandes zwecks reger Arbeitsgemeinschaft, die auch auf den Frankfurter Verband ausgedehnt werden soll. — Rach der Rechenschaftsablage des Schatzmeisters, Stu- Kenrctts Dem, erstattete sodann Studienrat Dr. H i n r i ch s einen gut unterrichtenden Bericht zur Einführung m die zur Zeit wieder stärker erörterte FragedesReformghmnasiums. 3n der außerordentlich lebhaften Aussprache, die sich an die anregenden Ausführungen der Herren Süffert und Hinrichs anschloh, und an der sich beteiligten 'Kreisdirektor Dr. Wörner. Hochschulprorektor Gehetmrat Walbe, Pfarrer Wagner. Ober- chulrat Ritsert, Konrektor Pöpperling Professor Lic. Matthes, Professor Kehler' irofessor Dr.D ü ch n e r, Direktor Dr.D uchhold und Studienrat Dr. L i ft m a n n. wurde insbeson- dere dre Frage des Reformghmnasiums von den ' rrschiedensten Seiten aus beleuchtet. Ohye einzelne Stimmen aus Ghmnafialkreisen übersehen zu wol- en, die aus gewissen Opportunitätsgründen die gelegentliche Verknüpfung eines Reformzuges mit dem seitherigen System nicht ganz von der Hand gewiesen haben mochten, steht die Versammlung grundsätzlich, besonders in Anbetracht der entscheidenden pädagogischen Vorzüge auf dem ©tanbtmnfte der Förderung des alten humani- strschen Gymnasiums. Zu dem bisherigen Vorstand - traten bei der Reuwahl hinzu Hochschulprorektor Geheimrat Walbe, Geheimrat Dr Buch hold und Studienrat Dr. L i ft m a n n.
Spuren im Schnee.
Roman von Sven Elve st ad. Ermächtigte Aeberseyung.
28. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Run erinnerte sich der Kapitän an däs, was ihm der Apotheker Fcykmann während dcs Ganges vorn Bahnhof bis zur Apotheke erzählt hatte — von dem geheimnisvollen Wesen. das den Abend vorher den Deriuch gemacht hatte, in die Apotheke einzubrecttn und das zu diesem Zweck anflefangen hätte, Löcher rund um das Schloß der Autzentüre zu bohren.
Als der Detektiv das horte, nickte er zu- rieden.
»Da haben wir es," sagte er. .Das müssen ie beiden gewesen sein."
„Aber- das stimmt nicht mit meiner Annahme," wandte der Kapitän ein und erzählte von den beunruhigenden Lauten, den schleichenden Schritten und den tastenden Händen, die der Apotheker Rächt für Rächt vor der Apotheke gehört hatte. T. lauschte gespannt auf diesen Bericht, hier und da warf er dem Kapitän einen forschenden Blick zu, und jedesmal war es, als ob der Kapitän diesen Blick mit einem gewissen Mißbehagen wahrnähme und tiefer in die dunkle Ecke der Stube zurückweichen wollte.
Aber als nun die Erzählung des Kapitäns weiter fortschritt, fing der Detektiv an, einige Bemerkungen auf ein vor ihm liegendes Papier zu schreiben. ($r schrieb noch eine Weile weiter, nachdem der Kapitän seinen Bericht geschlossen hatte. Plötzlich hielt T. trnie mit Schreiben, schaute auf und sagte
Vermischtes.
* Medizinisches von der Oppauer Katastrophe, lieber die durch die Katastrophe von Oppau hervorgerufenen Gesundheitsschädigungen hielt 3. Löwy im Prager Verein Deutscher. Aerzte einen Vortrag, bei dem er sich auf die per°> sönlichen Berichte des Oppauer Fabrikarztes Dr. Hagen stützte. Die Katastrophe ist ohne nennenswerte Dergiftungserscheinungen bei den Verunglückten verlaufen. Rur zahlreiche Reizungen der Bronchien tarnen wohl als Ausdruck einer örtlichen Reizwirkung in ganz Oppau vor. Auster zahlreichen chirurgischen Verletzungen und Zerreißungen des Trommelfells erzeugte die Explosion Angstzustände. So weigerten sich Kinder, dieselbe Beschäftigung, die sie am Tage des Unfalls gehabt hatten, an den folgenden Tagen wieder auf- zunehmen. Bei Frauen stellten sich die Angst» zustände bei einbrechender Dämmerung ein, bei Männern entwickelten sich maniakalische Zustände. Die Zahl von inneren Erkrankungen war im Verhältnis zu dem groben Umfang der Katastrophe gering.
• Die Gans mit den goldenen Eiern. Die Gans oder Henne, die goldene Eier logt, ist uns nur aus dem Märchen bekannt. Aus Antiochia in Syrien erzählt aber nun Stuart T. Dvne in einem Londoner Blatt eine Geschichte von einer wirklichen Gans, die — beinahe golden» Eier gelegt hätte. Aus dem Amanus-Gebirge wurde ihm eine Gans gebracht, der er den schönen Ramen Augustus beilegte und die er eifrig stupfte, um sie zum Weihnachtsfeste zu schlachten. Als aber nun ihrem edlen Leben ein Ziel gesdht worden war, da fand der Koch — nicht minder erstaunt, als seinerzeit jener drs Polykrates — im Magen des Federviehes einige Flocken eines gelben Metalls, und es stellte sich heraus, dah Augustus 20 solcher Flocken von reinem Sold in seinem 3nnern beherbergte. Warum hätte Augustus, wenn sie noch weiter gelebt hätte, nicht goldene Eier hervorbringen können, da sie den Stoff in ihrem 3nnern beherbergte? Mit dieser melancholischen Betrachtung wollte der Besitzer des allzu früh gemordeten Goldtieres über den Fall zur Tagesordnung übergehen, aber in der Umgegend hatte sich unterdessen bereits die Rachricht von der Wundergans verbreitet. Man brachte .einige von den Goldstückchen nach dem Basar der Stadt: der Goldschmied Isländer untersuchte sie und fällte sein Urteil: „Bei Allah, dem Allmächtigen, es ist wirllich Gold." Bald war die Kunde von der Gans mit den goldenen Eiern überall verbreitet und gehörig aufgeputzt. Man vermutete in dem Besitzer einen Zauberer, so dah er sich nun die natürliche Erklärung des Vorganges angelegen sein lassen muhte. Diese war ganz einfach. Die Gans flammt aus einem Dorfe, das an einem kleinen Gebirgsfluh, dem Rahr ei Kassarat, liegt, der wieder in den Orontes strömt. Der Fluh ist in seinem unteren Laus goldhaltig, und es wurde hier früher Gold gekoaschen. So hoch oben, wie das Dorf liegt, hatte man aber bisher noch keine Goldspuren im Fluh gesunden, und so wurde denn Augustus zum Entdecker einer neuen Goldguelle, die freilich für goldene Gänseeier nicht ausreichen dürfte.
* E i n Pariser Tugendpreis. Eine reiche alte Hungler in Paris, ein Fräulein Huot. hat der französischen Akademie eine eigenartige Aufgabe zugedacht, indem sie ihr in ihrem Testament die Vergebung eines Tugendpreises überlieh. Rach ihrer letztwilligen Verfügung soll eine stattliche Geldsumme alljährlich einem schönen jungen Mädchen ausgezahlt werden, die, „einen auf unehrenhafte Weise erworbenen Luxus verachtend, es vvrzieht. in bescheidenen Verhältnissen von ihrer eigenen Hände Arbeit zu leben Die Empsängerin des Preises muh schön und ärm fein, nachdem sie vorher die Doi^üge des Reichtums gekostet hat. Eie muh nachweisen, dah sie Armut und Unschuld einem Leben in Ueppigkeit vvrgezogen hat, das sie durch ein Opfer ihres guten Rufes hätte gewinnen können."
Landet.
Berlin, 2. Han. Der Devifenhan- d e l spielte sich heute in sehr ruhigen Formen ab. ES zeigte sich keinerlei Unternehmungslust. Allgemein beobachtete man Zurückhalbung wegen der bevorstehenden Entscheidung der interalliierten Finanzkonferenz. Die wenigen Umsätze wurden zu etwas erhöhten Kursen gegen Samstag abgeschlossen. 3n den Kreisen der Effektenhändler schien gleichfalls eher eine feste Tendenz ' vorzuwiegen, Kurse wurden kaum ausgesprochen. Als begehrt wurden Westeregeln und Benz-Aktien bezeichnet.
Märkte.
Frankfurter Schlachtviehmärkt.
Frankfurt, 2. Jan. (Amtlich.) Am Rinder- und Schweinemarkt langsames, am Klein-
„Warum stecken Sie denn die Lampe nicht an?"
„Entschuldigen Sie!" rief der Kapitän und stand sofort auf. „3d} . . .“
Aber der andere machte eine abwehrende Handbewegung.
„Es ist noch nicht nötig," sagte er. „3ch sehe gut noch eine Weile. Und außerdem ist es doch recht uribehaglich, wenn einem das uicht so grell in die Augen scheint." Er beobachtete dabei verstohlen den Kapitän.
Dieser lieh sich erleichtert gleich wieder in den Stuhl zurücksinken.
Als der Detektiv mit feiner Riederschrift fertig geworden war, trat er ans Fenster und las das Geschriebene vor. Er hatte alles In eine Reihe von Punkten zusammeng faßt.
„ Punkt 1. Es sind unzweifelhaft die beiden Männer gewesen, die in der Rächt zum ersten Dezember den Versuch machten, in die Apotheke einzubrechen und zu diesem Zweck Löcher um das Türschloß bohrten. Rach ihrer Verhaftung sind sie über die Apotheke ausgefragt worden, und da sie aus den Fragen entnehmen konnten, das) man auf falscher Fährte war, hat sich "her eine von ihnen allmählich in Aussagen hineintreiben lassen, die als ein volles Geständnis aufgefaßt toovix'n Hnö. Er war in seinem beschränkten und kindlichen Verstand der Meinung, so lange die Polizei dem nachforsche, waS er nicht getan habe, komme lic nicht auf die Spir dessen, was er wirklich begangen hatte, nämlich des EinbruchZv?rUchö.
Punkt 2 3n den ersten Tagen nach Doktor Flodlns Selbstmord war der Apotheker schr nervös und aifgeregt. Wenn die Geräusche, die er vvr der Apotheke gehört hat, nicht blotz seinem erregten Gehirn entstammten ober auf reinem Zufall beruhten, steht man hier augenscheinlich vor
vkehmarkt lebhaftes Geschäft; nur Schweine hinterließen geringen Ueberstand. 3m einzelnen ist zu bemerken: Auf getrieben waren 1524 Stück Großvieh, davon 412 Ochsen, 58 Dullen, 1054 Färsen und Kühe; ferner 312 Kälber, 279 Schafe und 1353 Schweine. An Preisen wurden angelegt pro Zentner Lebendgewicht: für Ochsen 600—1100 Mk., für Bullen 600—950 Mk., für Färsen und Kühe 450—1075 Mk. für beste Färsen und bis 950 Mark für beste Kühe ferner für Kälber 900 bis 1300 Mk., für Hämmel 550—775 Mk., für Schweine, unter 80 Kilogramm Lebendgewicht 1500—1700 Mk., für Schweine, SO—100 Kg., 1700—1900 Mk., für Schweine, 100—120 Kg., 1700—1900 Mk., für Schweine, 120—150 Kg., 1700—1900 Mk., Fettschweine, über 150 Kg., 1700—1900 Mk., Sauen und Eber 1400 bis 1700 Mk. Die Marktpreise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schlichen.
©etreibemarft
Frankfurt a. M., 2. Jan. Das Geschäft am ersten Dörsentag war ruhig. Die Haltung des Marktes war zur Befestigung behauptet. Für Gerste besteht Rachftage, auch Hafer ist begehrter. Hülsenfrüchte kaum beachtet. 3n Futterartikel fanden Abschlüsse zu festeren Preisen statt. Heu und Stroh lag fest.
Frankfurt a. M.. 3. Januar.
Berliner Devisenmarkt.
Datum:
Geld Brief Geld Bries
Il.D-z. 2. 3an.
343,65
344,35
814,15 815,85
789,20
790,80
186,56 186,94
2767,20 2772,80 2772,202777,80
6,72
276,70
30,71
62,90
132,85
. 2947,05 2952,95 . 3661,10 3668,70 .4610,35 4618 65 . 342,65 343*35 . 809,15 810,85 . 770,20 771,80
6868,106881,90 144-,55 1446,45 2997, - 3003, - 3761,20 3768,80 4695,30 4704,70
6,82 277,30 30,79 63,10 13M5
6,83 6,87
271,20 271,80
30,46 30,54
61,40 61,60
Amsterdam-Rotterd. 6743,25 6756,75
Brüssel-Antwerpen. 1418,55 1421,45
Christiania .
1508,451511,55
3521,35 3628,65 353^,85 3641,15
Kopenhagen. . Stockholm . . . Helstn gfvrs . . Italien London . . . . Reuyork . . . . Paris Schweiz . , . . Spanien . . . . Wien (altes) . Deuksch-Oesterr. Prag Budapest. . . . Buenos Aires Bulgarien. . . Konstantinopel
183,81 184,19
1491,- 1494,-
Datum:
31.12.
2.1.
1.7.14.
Marknotierungen.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm . Wien.... London. . . Paris. . . . Reuyork . .
1.7.14.
. Fr. 125.40 . Fl. 59.20 . ÄT. 88.80 . Kr. 117.80 . Kr. 88.80 . Kr. 117.80 . Sh. 97.80
. Fr. 125.40 . $ 23.80
2,82 2,75
1,47 1,45
2,80 2 80
36,62
2,20 2,20
3172,50
7 69
6,75
- ,55 —
Züricher Devisenmarkt. 2. 1. 3. 1.
Wechsel auf Schweizer Franken
Holland 100 Fl. - 18J. - 189.50
Deutschland 100 Mk. = 2J75 2.75
Wien 100 Kr. - 0.19 0.16
Prag 100 Kr. — 7.25 7.70
Paris 100 Fr. ----- 41.60 41.40
London 1 £ =■ 21.60 21.64
Italien 100 L. --- 2Z.56 22. -
Brüssel 100 Fr. = 39.30 39.60
Budapest 100 Kr. — 0.82 0.85
Reuyork 100 r = 512.- 515.-
Hgram 100 Kr. — 1.90 1.90
Warschau 100 fit. = 0,17 017
(3n einem Teil der Auslage wlederhvtl.) Deutschlands Anteil am finanziellen Wiederaufbau.
Tannes und die Reparationen.
Berlin, 31. Dez. 3n diplomatischen Kreisen steht man, wie die „Aat.-Ztg." berichtet, der bevorstehenden Konferenz in Cannes nicht mit sonderlich hochgeschraubten Erwartungen entgegen. Wenn auch Englaird anscheinend die Absicht hat, die gesamten Reparationsprobleme aufzurollen, so muh doch befürchtet werden, dah Frankreich weder In der Reparationsfrage. noch hinsichtlich des Wiederaufbaues RuhlanbS jenes Entgegenkommen zeigen werde, das man in London erwartet. Rach Ansicht diplomatischer Kreise habe sich Briand nach seiner Rückkehr auS London in der Kammer viel zu sehr fef,ie[egt. Es sei aber mög ich, baß man sch in Cannes ha'In einigen werde, Deut > cyland einen <jah - lungsaufschub von zwei bis drei Jahren zu gewähren. Zwischen London und Paris hätten fortgesetzt vertrauliche Besprechungen slattgesunden, die wahrscheinlich eine Klärung der beiderseitigen Ansichten erbracht hätten.
Der deutsche Geschäftsträger in Washington.
Washington, 1. Ian. (WTB.) (Durch Funkspruch.) Der deutsche Geschäftsträger Lang überreichte sein Beglaubigungsschrei-- ben. Er wurde vom Staatssekretär Hughes empfangen. Die schnelle Anerkennung des deutschen Geschäftsträgers, der erst am Mittwoch etngetroffen ist, ist auf seinen Wunsch zurückzuführen, vom Präsidenten Harding beim ReujahrSempfana am Montag zusammen mit den anderen Mitgliedern des diplomatischen Korps empfangen zu werden.
Gespannte Lage in Angarn.
Budapest, 1. Ian. Die Lärm 1 ze ne« in der Rationalveriammlung haben sich auch am Silvcstertage wiederholt und der Präs deut war genötigt, die Sitzung zu unterbrechen. Veranlas- iung bot diesmal die Rede des Abgeordneten D r o s z i, der den jüngsten Amnestieerlaß kritisierte, der es ermöglicht habe, daß Mörder, von denen man bisher nicht, wußte, daß sie Morde begangen haben, in Freiheit gesetzt wurden. Auch die Verfügungen über die Aufhebung der Internierung würden von der Regierung nicht in der zugesagten Weise durchgeführt. Der Redner schilderte die Zustande in den Internierungslagern, wo noch immer Tau lende ohne richterliches Urteil und ohne daß eine Unter» 1 uchung eingefeitet worden wäre, schmachten.
Das Gesetz über das Dudgetprovisorium konnte in der Samstagsitzung nicht zu Ende geführt werden, und Ungarn befindet sich daher von heute ab im e x lex - Z i st and, so daß daher lerne Steuern und Gebühren bezahlt werden und die Regierung nicht zur Auszahlung Der Gehälter an die Staatsbediensteten verpflichtet ist.
Die in der Angelegenheit des Königsputschss verhafteten Parlamentarier Rakovskh. Dr. G r a h und Graf S i g r a y sollten auf Beschluß der Anklagebehörde gegen Hinterlegung von Kautionen, die sich zwischen 330 003 und 1 Million Kro-nen bewegen, in Freiheit gefetzt werden. Da die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hat, bleiben sie aber bis zur Entscheidung der höheren Instanz weiter in Haft.
Amerikanisch-japanisches Abkommen über dM Bap-Kabel.
Washington, 2. Ian. (WTB.) In amerikanischen Kreisen wurde bekanntgegeben, daß die Bestimmungen des kürzlich getroffenen Abkommens zwischen Amerika und Japan den Vereinigten Staaten Anspruch auf den Kabel auf der Insel Pap geben und nur die beiden Länder betreffen sollen. Diese Bestimmungen sollen in einem Sonderverirag zwischen Japan und den Vereinigten Staaten dufgenommen werden.
Anruhen in Indien.
London, 2. Jan. (WTB.) In dem Deziri von Rohtak ist es infolge der Verhaftung von Rationalisten zu Beunruhigungen gekommen. Dabei wurden vier Personen getötet, 40 verwundet. Truppen aus Delhi und Alwar sind angekommen, um die Ordnung wiederherzustellen.
Bombenanschlag gegen die Schupo.
Paris, 2. Jan (WTB.) Das „Scho de Paris" veröffentlicht einige Einzelheiten über die von den alliierten Sachverständigen ungeordneten Leitsätze zur Gründung eines Finanzkonsortiums zum Wiederaufbau Wittel- und Osteuropas. Darin wird gesagt, Deutschland müsse an dem Unternehmen teilnehmen. In Mittel» und Osteuropa sei es ein Faktor erster Ordnung in finanzieller, industrieller und kommerzieller Hinsicht. Seine Kenntnisse prädestinierten es für eine derartige Arbeit. Es ist hervorzuheben, daß bestimmt werden soll, daß die Lieferung und Ar-1 beitskvntrakte jedes Landes im Verhältnis zu dem Kapital, mit dem es durch feine Gruppe vertreten I fei, zugeteilt werden sollen.
Dinkelsbühl, 2. Jan. (WTB.) In bet Silvesternacht kurz nach 12 Uhr warf auf dem dichtbevölkerten Marktplatz vor der Kirche, von der aus Choräle herabgeblasen wurden, ein junger etwa 22 Jahre alter Mann, dessen Identität noch nicht festgestellt wurde, eine selbstverfertigte Bombe, in welcher fick Dynamit, Kupferstücke, Glas und Eisenteile befanden, In die Menge. Rach den bisherigen Feststellungen wurden mindestens 50 Personen verletzt, darunter 20 schwer. 11 Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Anscheinend handelt es sich um ein Attentat gegen die Schutzpolizei, die sich in nächster Rahe der Explosionsstelle aufhielt. Eine Reihe von Personen wurde verhaftet.
den Dvrberei'ungen zam Mord. Der Mörder hat dabei die Geleg.mheit ausgckundschaftet.
Punkt 3. Es liegen verschiedene Gründe vvr. die vermuten lassen, daß Doktor Flodin noch am Leben ist.
Punkt 4. Diese Gründe sind so schwerwiegend, daß sowohl der Apotheker als der Kapitän darauf aufmerk am wurden.
Punkt 5. Als der Apotheker ermordet wurde, war er eben damit beschäftigt, die Papiere der Bant durchzusehen, darunter auch die Fälschungen Flodins
Punkt 6. Ein wichtiges Schriftstück, das diese Fälschungen betrifft und aus dem Doktor Flodins Schuld bewiesen werden kann, ist unmittelbar nach dem Mord aus dem Rebenstübchen entfernt worden. Derjenige, der das Papier mitnaym. hat es, als er flüchtete, aus den Stufen vor der Apotheke verloren. Disies Papier ist zusammen- geknüllt, weist aber keinerlei Spur von blutigen Fingern auf. <
Punkt 7. Wenn Doktor Flodin der Mörder ist. so ist es auch erllärltch, warum ihn der Apotheker ruhig in die Apotheke hereinkommen ließ, ohne Lärm zu schlagen.
Punkt 8. Dokwr Flodin hatte schon früher den Apotheker mit dem Tode bedroht. Er hat sich dabei des Ausdrucks bedient, das Anglück werde in einer verhängnisvollen Rächt der Gerechtigkeit den Dolch ins Herz stoßen und sie töten.
Rachdem der Detektiv seine Vorlesung beendigt hatte, steckte er das Papier in die Tdsche.
„Das hilft dem Denken nach." jagte er. „Auf diele Weise prägt man sich jede Einzelheit Dtei deutlicher ins Gedächtnis "
Der Kapitän schaukelte eine Weile schweigend in seinem Stuhl. Der Detektiv konnte ihn dort
hinten in der Dunkelheit kaum mehr recht unterscheiden. Aber endlich sagte der Kapitän:
„Alle diese Schlüsse habe ich auch schon gezogen: aber ich habe mich genötigt gesehen, noch einen neunten Punkt hinzuzufügen."
„Welchen?" fragte T.
„Puntt 9." sagte der Kapitän.' „Doktor Flodin hat gegen Ende Rovsmbrr Selbstmord begangen, und Apotheker Frykmann ist am ersten Dezember ermordet worden. Ein toter Mann kann nicht einen Mod begehen."
„Aber Sie müssen doch einräumen, daß der Selbstmord sehr dramctt sch in S?ene gesetzt wurde," wandte der Dri k io ein. „Es war gerade. als wolle er die gau^e Well darauf aufmerksam machen, daß jetzt Doktor Flodin in den Tod gehe."
„Allerdings," gab der Kapitän zu. „Tibet in solchen Augenblicken denkt man nicht über die Wirkung nach."
„Hat Doktor Flodin vielleicht Mitschuldige gehabt?" fragte der Detektiv plötzlich.
„Das weiß man nicht."
„Wie hoch belief sich die Summe, um die er die Dank betrogen hat?"
„Sie ist jetzt auf dreißig- dis vierzig taufend Kronen berechnet worden."
„Für eine fo große Summe kann man sich schon Mitschuldige halten," meinte der Detektiv. „Da niemand von uns in jener verhängnisvollen Rocht auf der Fähre von Malmö gewesen ist. fo können wir nicht wissen, was wirklich vorging. Ich verlasse mich nie fest auf Zeugenaussagen. Ich verlasse mich nur auf meine eigenen Augen."
(Fortsetzung folgt'


