Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 5. Januar $922
M.2
Zweites Blatt
50 Jahre Deutscher Lehrerverein
Hessen,
Oldenburg, Vraun-
1.
an Bord einer
der (in der Reihenfolge der Einwohnerzahl) Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg,
schweig, Anhalt, Bremen, Lippe, Lübeck, Meck- lenburg-Strelitz, Schaumburg-Lippe — darf seine Sitzungen, die die Reichsregierung (Reichsministerium des Innern) anberaumt,
heben. Der Einspruch muh innerhalb zwei Wochen nach Ablauf der Einspruchsfrist mit. Gründen versehen und der Reichsregierung; mitgeteilt werden. Hat der Reichstag gegen den Einspruch des Reichsrats eine Berfas-. sungSänderung beschlossen, so wird der Reichs-- rat binnen zwei Wochen beschließen, ob er Bvlksentscheid verlangt. Es bestehen 11 ständige Ausschüsse von je 9Mitgliedern, und zwar für auswärtige Angelegen- heiten, Volkswirtschaft, innere Verwaltung, Verkehrswesen, Haushalt- und Rechnungswesen, Steuer- und Zvllwesen, Rechtspflege, Verfassung und Geschäftsordnung, Reichs- wehrangelegenheitest, Seewesen, Durchführung des Ftiederisvertrages. Ein mehreren Ausschüssen überwiesener Gegenstand ist «in gemeinschaftlicher Beratung und Abstimmung zu erlangen. Cs kann bestimmt werden, das; einzelne Ausschüsse sich regelmäßig in bestimmten Zeiträumen zu bestimmter Zeit versammeln. Die Ausschüsse sind nur beschlußfähig, wenn mindestens die Hälfte der stimmberechtigten Mitglieder anwesend sind.
Aeber die Mitteilungen der Reichsregierung (siehe oben) muh auf Verlangen von i/3 der vertretenen Stimmen in eine Erörterung in einer Voll- oder'in einer Ausschuhsitzung eingetreten werdew
Reichstages werden durch das Reichsministerium des Innern dem Reichsrat in seiner nächsten Sitzung vorgelegt. Größere Vorlagen sollen frühestens drei Wochen, die der Ausschußberatung bedürftigen frühestens .zehn Tage nach der Verteilung in Berlin aus die Tagesordnung der Voll- oder Ausschußsitzungen gesetzt werden. Die Vollsitzungen sind öffentlich; die vom Reichsrat gefaßten Beschlüsse werden nach jeder Vollsitzung dem Reichsministerium des Innern zur Veröffentlichung übergeben. Die Ausschußsitzungen sind nicht öffentlich. Drucksachen dürfen vor ihrer Erörterung in einer Vollsitzung nickt veröffentlicht werden. Die Öffentlichkeit kann in den Vollsitzungen ausgeschlossen werden.
In den Vollsitzungen werden nach den einleitenden Geschäften (Feststellung der Rie-
Was ist und wie arbeitet der Neichsrat?
Der R e i ch S r a t — Vertretung der Län
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 3. Inn. 1922.
Reue Schlafwagenpreise. Am
Baden, Thüringen, Mecklenburg-Schwerin,
Februar 1922 treten folgende neue Bettkartenpreise bei der Reichsbahn in Kraft: 1. Klasse 200, 2. Klasse 100, 3. Klasse (Liegewagen) 60 Mk. Die Dormerkgebühren werden erhöht auf 20 Mk. für die 1. Klasse, 10 Mk. für die 2. Klasse und 6Mk. für die
ri. L i ch, 3. Ian. Die hiesige israelitisch« Gemeinde Hal die Absicht, eine neue Synagoge zu bauen. Wer die kleine 1810 cingeweihte, an der allen Stadtmauer stehende Synagoge kennt, wird den Wunsch der Gemeinde nach einem würdigen Bethaus begreiflich finden. Das alle kleine Gotteshaus ist nicht nur sehr baufällig, sondern reicht auch für die Zahl der Besucher nicht einmal an den gewöhnlichen Sabbattagen aus. D'.e Gemeinde hat einen Aufruf erlassen, auf den schon manche Liebesgaben eingegangen sind. Auch ist sie bereits vorläufig mit der Stadt wegen eines Bauplatzes in Verbindung getreten: als solcher kommt ein Platz an dec Butzbacher Straße gegenüber dem Evangelischen Tereinsyaus in Frage.
Kreis Friedberg.
X Dad-Rauheim, 1. Zanuar. In den Klang dec Kirchenglocken, die zum Siloestergottes- dienst einluden, mischte fick gestern abend F e u c r l ä r m. In der am allen Friedhof an der Ecke von Mittelstraße und Ernst-Ludwig?- Ring gelegenen Hofreite des Landwirts Wilhelm Morler, einem der größten Bauernhöfe der Altstadt, war ein G r o ß f e u e r ausgebrochen, damit nicht einhallbarer Gewalt um sich griff und die gefüllte Scheune, wtallungen und Dorratsräume in Asche legte. Die Tätigkeit der rasch herbeigeeilten und umsichtig eingreifenden Feuerwehr mußte sich in der Hauptsache barauf beschränken, das Feuer von dem stark gefährdeten Wohnhaus, das als eines der ältesten Gebäude der Stadt unter Denkmalschutz steht, sowie von
gelegenen Dorf, berufen. Es war ein Ort, in dem alte sagenhafte älcberlieferungen noch lebendig ortlebten: ein Raubritter hatte hier gehaust, und Geister gingen um, Hünengräber und zer- ällenes Gemäuer barg verlorene Schatze Dies alles verschmolz sich in dem allen Eindrücken offenen Gemüt des Kindes mit den Geschachten von Herkulanum und Pompeji und von den Helden Homers, die ihm der Vater erzählte. Ein aus der Phantasie'.geschöpftes Bild des brennenden Troias, das er in einem Buche fand, hat er nie wieder vergessen, und die Stadt des Prramos aus dem Schutt wieder ans Licht zu fördern, blieb von da ab der Leitstern seines Lebens. Dazu gesellte sich eine schwärmerische Kinderliebe, deren Gegenstand ihm das Leben bald entrückte; wenn er die Geliebte einst gewinnen wollte, p mußte er reich und selbständig werden, genau so wie wenn er Horners Welt wieder zum Leben zu erwecken dachte. Träume, wie sie in Kuider- lahren wachsen, aber nur das Gemüt eines Kindes konnte sie ein Leben hindurch hegen, nur eine seltene männliche Energie sie zur Verwirklichung führen Das Leben schien seinen Segen dazu nicht geben zu wollen. Dem Vater Schliemanns war das Glück abhold; aus Mangel an Mitteln mußte der Sohn die Studien aufgeben. 5^ Zahre hat er in dem mecklenburgischen Städtchen Fürsten- berg in einem Krämerladen gedient, hat Heringe und Branntwein verkauft, die Kartoffeln für d.e Brennerei gemahlen und den Laden ausgefegt, das bißchen, was er gelernt hatte, im Drang der Arbeit vergessen, und der große Augenblick in jener Zeit ist es, als ein vertrunkener Müller- gesell der einst das Gymnasium besucht hatte, vor dem Ladentisch Verse aus Homer rezitiert. Eine Verletzung bei der Arbeit, die eine Schwache der Bimst nach sich zog, beendete dieses Leben;
3. Klasse.
** Eine Zwölferkommission der oberhesfischen Beamten tagte in Gießen, die eine Denkschrift an Reichs- und Landesbehörden. Reichstags- und Landtagsabgeordnete ausai beitete, in der nachgewiesen ist, daß alle oberhessischen Orte ein Teuerungsgebiet sind mit den gleichen Teuerungsverhältnissen wie die großen Städte des Reiches, die man in Ortsklasse A eingestuft hat. Da die von der Reichsregierung vorgesehene Rachprüfung der Ortsklafseneinstu- fung zu keiner vollständigen Beseitigung des Ortsklassenshstems, die allein Ruhe und Frieden in die Beamtenschaft bringen kann, führen wird, so fordert die obechessische Beamtenschaft: Einstufung aller oberhestischen Orte in die Ortsklasse A. — Sobald die Vertreter der Kreise das Einverständnis oder etwaige Abänderungsvorschläge ihrer Ortskartelle zu der Denkschrift entgegengenommen .haben, findet die Schlußsitzung der Kommission statt. Die redigierte Denkschrift wird bann nach entsprechender Vervielfältigung den maßgebenden Stellen zugestellt werden.
** Sein 25jähriges Arbeits- jubiläum bei der Firma H. Schaffstaedt konnte gestern Dreher Wilhelm Lotz aus Wieseck feiern. Dem Jubilar wurden von feiten dec Direktion, der Angestellten und Arbeiter Glückwünsche und reiche Geschenke dargebracht.
Landkreis Gießen.
ri L i ch, 2. Zan. Die neue Kirchen- Heizung ist seit Weihnachten in Betrieb und funktioniert ausgezeichnet. Es ist eine Heißluft» schach Heizung (System Musgrave) und wurde ausgeführt von der Firma Esch L Co. in Mannheim Die Mauerarbeiten wurden von hiesigen Meistern ausgeführt. Die Kosten sind auf 40 000 Mk. veranschlagt. — Im vergangenen Zähre wurden in der evangelischen G erneinde 46 (57) Kinder getauft, 72 (59) konfirmiert, darunter 15 (12) Zöglinge des Frankfurter Waisenhauses und 5 (6) Kinder aus Kloster Arnsburg. Es fanden 17 (30) Trauungen statt und 27 (35) Beerdigungen. In dem vom hiesigen zweiten Pfarrer pastorierten Riederbessingen fanden 3 (10) Taufen statt, 2 (3) Trauungen, 6 (4) Beerdigungen und 5 (5) Kinder wurden konfirmiert. Die Zahlen in Klammern sind die des Vorjahres. _______
Ergriffenheit aller Festteilnehmer vollzog sich der Anschluß desOesterreichischen Lehrer- Hundes mit 13 000 Mitgliedern. „Lehrer des Deutschen Reiches, seid gegrüßt! Der Geist Zahns schwebt über dieser Versammlung. Mit Gewalt sucht man den politischen Anschluß Deu-sch-Oester- reichs ans Reich zu hintertreiben. Wir Lehrer Deutsch-Oesterreichs aber haben heute den Wen zum großen deutschen Daterlande gesunden und nichts soll uns in Zukunft von unseren Brudern trennen. Zur deutschen Mutter sind wir heimgekehrt! Ewige und unverbrüchliche Treue geloben wir Lehrer Deutsch-Oesterreichs dem deutschen Volke und dem deutschen Vaterlande. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, m keiner Rot uns trennen und Gefahr!" Mit diesem Gelöbnis des Vorsitzenden des Deutsch-Oester- reichischen Lehrerbundes, des Lehrers Matthias Strebl aus Wien, traten Deutsch-Oesterreichs Lehrer unter freudiger Aufgabe ihres feitherigen Rechts der vollen Selbständigkeit in die Rechen des Deutschen Lehrecvereins ein. Die Vertreter der österreichischen Landesvereine von Ober- und Rieder-Oesterreich, aus der grünen Steiermark, aus Kärnten und Tirol waren herbeigeeilt, um Zeugen und Bekenner des deutschen Einigungs- gedankens zu fein. — Auch die deutschen Bruder aus Polen hatten Vertreter entsandt. Dort haben sich die Lehrer aller Schulen zusammengeschloßen und um das Panier deutscher Kultur geschart.
geliebte anhalten, um zu erfahren, daß sie ein paar Tage vorher die Frau eines anderen geworden war. Erst in reiferem Alter war Schliemann an der Seite einer Griechin, die ihn bei seinen Arbeiten unterstützte, das Glück der Ehe beschie- den. Seine Tatkraft wurde jetzt nur für kurze Zeit gelähmt. Er ging nach Amerika, einen verschollenen Bruder zu suchen, den er jedoch nicht mehr am Leben fand; er dehnte seine Geschäfte mit dem größten Glück weiter aus. Der Hauptteil seines Vermögens schien beim Brand von Memel untergegangen; er wollte sich, kaum niedergedruckt, neuer Arbeit' zuwenden, als er erfuhr, daß feine Güter fast als die einzigen, gerettet waren. Unb nun, wohlhabend geworden, begann er, ohne feine praktische Tätigkeit zu vernachlässigen, mit der Verwirklichung dessen, was er immer vor Augen gesehen hatte: er lernte zunächst Griechisch unb drang in das Studium der Alten ein. Er wünschte sich nun gänzlich von den Geschäften zurück- zuziehen; ein Prozeß, der ihn daran zu verhindern drohte, hielt ihn zwar lang auf, endete aber glücklich unb von ba ab konnte Schliemann sich, soweit ihn nicht bie kluge Verwaltung seines großen Vermögens in Anspruch nahm, ganz seinen Idealen toibmen. Eine Reise um bie Welt leitete die neue Periode seines Lebens ein.
Schliemann war 47 Zahre alt, als er auf Ithaka mit ein paar Arbeitern die ersten Spatenstiche tat. Es hat etwas unsagbar Rührendes, in seiner eigenen Erzählung mitzuerleben, wie er die ersten kleinen Urnen in der Hand hielt, in denen seine Phantasie sich die Asche des Odysseus unb der Penelope träumte. Damit beginnt Schliemanns Ausgrabungstätigkeit; sie gehört der Geschichte der Archäologie an, in der sie eines der ruhmreichsten Blätter bildet. In wiederholten Angriffen während der Zahre 1871/73, 1878 79, 1882 unD 1890 wurden die Reste Trojas blohgelegt, dessen wahre Stätte Schliemann Im Anschluß an ben amerikanischen Konfus Frank Gabxrt gegeimber den Ansichten, die es an anderer Stelle suchten, von Anfang an erkannt hat. Eine Schicht nach ber anderen wurde ans Licht gehoben, reiche Zeugnisse der Vergangenen gesunden, Schliemanns Phantasie und Verehrung der griechischen Vorzmt beflügelte seinen Scharfsinn, unb wenn auch erst nach seinem Tobe aufgehellt worden ist, in welcher Schicht man das eigentliche Troia des Priamos ui sehen hat, so hat doch fein von einer starken sittlichen Leidenschaft getragener ®Iaube an die Treue des schwärmerisch geliebten Dichters ihn allen Schwierigkeiten, allen Anfeindungen und
einige Verhaftungen vorgenommen.
Heffcn-Naffan.
fpb. Frankfurt a. M, 2. Zan. Trotz ein dringlicher Warnung betrat ün Elektrizitätsweri Dockenheim ein junger Arbeiter den Pcufraum und kam hier der Hochspannung zu nahe Er wurde dabei so schwer verletzt, baß er nach kurzer Zell an Herzlähmung verstarb.
"altem Spott zum Trotz in wesentlichem das Richtige erkennen taffen. Von fast noch größerer Bedeutung waren bann die Ausgrabungen tm alten Mykene; Arbeiten auf Ithaka, in Tiryns und Orchomenos gingen nebenher. Schliemann ellte von einer Aufgabe zur anderen; wurde eine durch alltt- tei Hemmungen, besonders auch durch behördliche Schikanen, verzögert, so nahm er eine andere m Angriff. Er war in der Welt, deren geläufigste Sprachen er beherrschte, bekannt und gerühmt geworden; zu seinen Helfern und Kratern, unter denen Virchow unb Wilhelm Dorpfeld, der Mll- arbeiter feinet letzten Zahre, hervorragen, gehörten Gelehrte aller- Kulturnationen. Seme Bucher gingen in alle Länder. Sein gastfreies Haus in Athen, im Angesicht der Akropolis, sah Gaste aus allen Zonen. Der Weltbürger, der durch seine zufällige Anwesenheit in Kalifornien S? der Zell a^ bieses zum Staat erhoben wurde, auch das Bürgerrecht ber Union besaß, ber seine Tagebücher fron* zösisch und englisch schrieb hat den größten Tell der von ihm gefundenen Schätze doch seinem cllten Vaterland zugeführt. In den letzten Zähren seines Lebens ließ eine Fahrt nach
Geschichte den Enthusiasten berauschte, wieder neue Probleme auftauchen. Eine schwere Operation, die durch ein Ohrenleiden notwendig geworden war^ konnte den ^Rastlosen auf feinem Flug Europa, von Museum zu Mutzum, von Defpr^- ung zu Besprechung, kaum aufyalten-Zufolgeter Vernachlässigung des Leidens fltiff aufs Gehirn über. Schliemann lag m Reapel bewußtlos unb starb dort am 27. ®C3e!J^®r
Man könnte von dieser Geschichte einen Aben teuerroman schreiben, der jede Hintertreppe er obecn müßte, und einen D.lbungsroman^ wie sie nad). Art des „Wilhelm Meister und-te-®ru nen Heinrichs in unserer erzählenden Literatur leben^Man könnte sie als
und die Kinos würden voll. Vielleicht ater NE die Wirkung doch am gwbto> unb am twfftau wenn man sie m ber Einfach hei t l
Heinrich Schliemann, mit ruhiger SW-Werstan» lÄktit und doch selber über fein Schicksal Na nenb, in seiner Autobiographie erz^lt, zu Ta^ senden unseren Heranwachsenden in bfe sjanöe aäb^ Sie würden daraus ersehen daß auch fn unserer Welt Kintermärchm noch 'Wahrheit werden daß es noch Männer gibt, bie die Schatze b^ben und die Prinzessinnen freien, von denen sie in ihrer Zugend geträumt haben, wenn es nur die rechten Männer sind.
ber Brust nach sich zva, beendet« Schliemann ging als Schiffsjunge Brigg, die nach Venezuela beftimmt tyar ©in Sturm warf das Schiss in Holland an die Küste, aus dem fremben Lande, in das ihn wer Zufall gebracht hatte, wollte der Iunglmg nicht nadji Hause, eine wohltätige Hand aus der Heimat ebnete ihm die ersten Schritte, unb es beginnt eine Laufbahn, die dem unermüdlich Arbeitenden der sich kaum ein paar ©tunten Rachtschlaf gönnt, und mittels einer selbsterdachten Methode auf Grund genialer Begabung fich eine europäische Sprache nach der anderen aneignet, P^ßi Laufburschen zum Handelsvertreter unb schließlich zum selbständigen Grohkaufmann in Rußland enchor- trug. Als Schliemann so weit war, lieh er durch einen Fremid um die nie vergessene Zugend-
Heinrich Schliemanns Lebensroman.
Dem großen Entdecker zur 10 0. W iederke h r seines Geburtstags.
Don Tr. Christian R o d e g g
Heinrich Schliemann steht am D?g'.nn der modernen, systematischen Ausgcabungstätigkell. Er hat Trosa ausgedeckt unb uns die mykenische Periode der griechischen Vorzeit erschloßen. Die Geschichte feiner Entdeckungen ist ein glänzendes Beispiel menschlichen Scharfsinns, menschlicher Cneige und A. f. pfcrun^ssie.idigkcll. Mit dem, was er geleistet hat, steht er in der ersten Reihe der Männer, die sich um die 'Aufhellung der menschlchen Ve.gangenheit verdient g macht haben. Immerhin, was ihm da gelungen ist, es hätte auch irgendeinem tüchtigen Mann der gelehrten Zukunft glücken können, wenn auch nicht zu übersehen ist, wie der Kampf mit dem praktischen Leben Schliemann für s ine Aufgabe gestählt hat, und wie der Reichtum, den er erworben hatte, und der ihm unbeschränkt für .eine 'Zwecke zur Verfügung stand, ihm ein ganz anderes, ungehemmtes A bellen e.mcglichte, als wenn' er von irgendwelchen öffentlichen Mitteln abhängig gewesen wäre. Das Wesentliche aber, das Erhebende in Heinrich Schliemanns Erben- qang liegt nicht ober doch nicht allein in bem Lebensabschnitt, den seine erfolgreiche Entdeckertätigkeit ausfüllt. Cs enthüllt sich erst aas ver Kenntnis seines ganzen Lebens, lener Erfolge aus- regendster Gchchehniße, deren i-des von dem emen Ziel, das ihrem Helden von Anfang vorschwebtz 2>zulenken scheint, und von denen jedes doch wie die einzige Möglichkeit aussieht, um zu olesem Ziel hinzufühten. Eine Gefchch e, so bunt daß wir die Phantasie des Erzählers bewundern müßten ber sie erfunben hätte, und doch eine Illustration von eherner Folgcr.chf g eil: 3u ton Wort: „Wie sich Verdienst und Gluck verketten, das fällt dem Tore niemals ein."
Das Verblüffende, das den Erlebniften Schliemanns innewohnt, tritt klar berP°r toeun man sie auch nur in ihrer nackten T-lliachllchk-ll an einanderreiht. Vor hundert Zähren wurde der Entdecker Troias als Sohn eines Predigers m dem Städtchen Reu-Buckow in Mecklenburg Schwerin geboren. Als der Knabe ern Jahr alt war wurde fein Vater auf die Pfarre von Anketzshagen, einem »wissen Waren und Prenzlin
den Rachbargebäuden fernzuhalten. Dank ber herrschenden Windstille ist das in eifrigem De- mühen auch gelungen. Bei einem Sturmwettech wie wir es hier an den Tagen zuvor gehabt wäre sicherlich ein unübersehbarer Schaden entstanden, denn in bem von Mittelstraße, Hauptstraße, Riesstraße unb Ernst-Ludwig-Ring um* grenzten Viertel Alt-Bad-Rauheims reihen sich Haus an Haus, Scheune an Scheune eng aneinander So wurden Mohngebäude zum Glück nicht unbrauchbar. Rur ber Flügel des Wohnhauses, in bem ber Vater des Besitzers, tjn 85jähriger Greis, seinen Altensih hat, wurde durch Wasser stark beschädigt, ebenso das ursprünglich sehr stark gefährdete benachbarte Heine Anwesen des Arbeiters Wagner, das sich dieser durch redlichen Fleiß erst vor kurzem als Eigen- tum erworben hat. Der dem Landwirt Morler gewordene Schaden ist trotz Versicherung bei den heutigen Verhältnissen äußerst groß. Wenn auch das Vieh aerettet worden ist, so wurden mit den den Flammen zum Opfer gefallenen Gebäuden aber bie gesamten Vorräte vernichtet. In anerkennenswerter Weise hat bas Hilfswerk ber hiesigen Landwirte heute gleich eingesetzt. Dem Schwergeschädigten wird mit Stroh, Futter usw über die erste Rot hinweggeholfen, lieber bie Ursache bes Schabenfeuers kann noch nichts Bestimmtes gesagt werden. Kurzschluß in ber elektrischen Lichtanlage, was man zuerst annahm, kann nicht zutreffen, ba nach Ausbruch des Feuers die elektrischen Lampen in Scheuer unb Stallungen noch gebrannt haben. Man glaubt daher, daß Brand st iftung vorliegt, entweder durch unvorsichtigen Umgang mit Feuerwerkskorpern entstanden ober durch einen ruchlosen Racheakt . veranlaßt. Sollte bas letztere der Fall sein,
so würde bas von ber Allgemeinheit um so mehr ■ bedauert unb scharf verurteilt, weil der Betroffene ein äußerst gerechter Lanbwirt ist, der >! wegen seiner stets großen Hilfsbereitschaft in ■ allen Bevölkerungskreisen äußerst beliebt ist. ®e- i richt unb Polizei finb eifrig auf ber Suche nach ' den Tätern. Wie verlautet, wurden heute schon
landes.
Das preußische Kultusministerium war durch Kultusminister B o e 1 i h vertreten, ber bem Deutschen Lehrerverein zu seinem Zubelfest bie Glückwünsche des Kultusministeriums überbringt: Der Herr Minister hält es für eine Selbstverständlichkeit, daß er diese Pflicht persönlich erfüllt, weih doch das preußische Kultusministerium genau, was es ber Energie des Deutschen Lehrer- Vereins zu verdanken hat, welche starken Impulse von diesem Verein ausgehen, gerietet auf philosophisch-pädagogische und sonstige wissenschaftliche Weiterbildung und Vervollkommnung der Lehrerpersönlichkeit. Reue Probleme hat die
Verfassung für das Erziehungswesen gebracht. Allein Jcpon ber „Witte ber Erziehungsberechtigten" bedeutet eine gewaltige Problematik der Zukunft für alle Beteiligten. Ze dunkler die Zukunft erscheint, desto fester muh der Zusammenschluß und bie Zusammenarbeit sein. „Rur Hand in Hand mit Lehrern unb Erziehern können wir bie großen Aufgaben lösen. Siehen Sie bei uns unb wir werden bei Ihnen stehen!",
Der 1. Vorsitzende des Deutschen Lehrer- Vereins, Lehrer Röhl, Berlin, unb der 2. Vorsitzende, Kreisschulrat Günther, Berlin, legten in treffenden Ausführungen das Werben unb Wollen bes Deutschen Lehrervereins bar
Eine erhebende Feier in der Philharmonie unter Mitwirkung des Ber'iner Lehrergesang-- vereins unb des Philharmon schen Orchesters beschloß das Geburtstagsfest des Deut chen Lehrer- Vereins. Die 3.' Strophe des Rieberländischen Dankgebetes würbe gemeinsam gelungen. Die Rot der Zeit lieh ben Schluhvers zu einem gewaltigen unb tiefergreifenben Gebete werben: Dein Rame fei gelobet, o Herr, mach' uns frei!
nicht ohne deren Zustimmung unterbrechen.
Die Stimmenzcthl der Länder
(tm Reichsrat selbst auf 1 Million Ein- Bolksjugenb an eine bessere Zukunft glauben unb tooFmer 1 Stimme, in den Ausschüssen jedes in diesem Gedanken ihre Lebensarbeit geftalten Land je 1 Stimme) wird nach jeder allge- sollen, war die Subti^m: gc $ • . , «
meinen Volkszählung neu festgesetzt. Die Beschlüsse und Entschließungen des
Am 28. Dezember 1871, im gleichen Zahre also, in dem sich bie politische Einigung Deutschlands vollzogen hatte, wurde in Berlin der Deutsche Lehrerverein gegründet. Trotz aller Gegenströmungen entwickelte er sich im Hamburg, Laufe eines halben Zahrhunderts zu einem statt- ; lichen Dau. Llrsprünglich ungefähr 3—4000 Mitglieder zählend, umfaht er heute 150 000 deutsche Lehrer. Am 27. und 23. Dezember d. Z. feierte der Verein in ben Räumen des Berliner Lehrer- Vereinshauses sein 50. Geburtstagsfest. Richt rau-, schende Festlichkeiten versammelten Deut.chlanbs Lehrer in den Zeiten tiefster Rot des Vaterlandes: Als ein Zeichen, bah bie Erzieher ber beutschen
derschnften, Entgegennahme von Mitteilungen der Reichsregierung, die den Reichsrat über die Führung der Reichögeschäste auf dem laufenden halten, Aeberweisungen an Ausschüsse usw.), die auf der • Tagesordnung stehenden Vorlagen behandelt. Gegen ein vom UHV _______ _________ _. . .
Reichstag beschlossenes G e s e tz Die Lehrer Hollands, ber Schweiz und Schwedens kann der Reichsrat Einspruch er-ischickten ihre Grütze.
Für bas Reichsministerium des Innern sprach Staatssekretär Schulz: Im Gründungsjahr des Deutschen Lehrervereins stanb Deutsch Laub als stnmhlenber Sieger ba. Besiegt, gebemütigt, nieber- getreten ist "heute unser armes Q3aterlanb. -Ungeheure Lasten würben uns auferlegt, an benen Kinder unb Kindeskinber zu tragen haben. Milliarden fliehen in bie Taschen der Sieger, während toir das Rotwendigste entbehren müssen. Deutschlands Lehrer aber sind die Führer zu einer besseren Zukunft. Im festen Glauben daran dürfen sie in ihrer Arbeit nicht nachlassen, nicht locker lassen. Richt mit ber Beschaulichkeit des alten Mannes darf der Deutsche Lehrerverein rückwärts schauen, vorwärts mutz seine Losung sein. Im Rarnen des Reichsministers des Innern gibt der Staatssekretär die Zu sicherung des ehrlichsten Willens dieser Behörde zur ertgften Zusammenarbeit /wischen Behörde und Berufsvereinigung zum Besten der Volksschule, ihrer Lehrer, zum Besten des deutschen Volkes und des deutschen Vater»


