Ausgabe 
3.2.1922
 
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Aus dem Reiche.

Minister Hermes.

Berlin, 2 5ebr. (WTB.) Ar. 35 der »Freiheit" hatte milgeteilt. nicht der Minister Hermes habe es abgelehnt, nach W ns h ing ° ton zu gehen, sondern die amerikanische Regie­rung habe ihn als unerwünscht bezeichnet. Diese Aachricht ist unrichtig. Mit der amerikanischen Regierung sind überhaupt keine Verhandlungen wegen der Besetzung des Bvtschafterpostens ge­pflogen worden Minister Hermes bat seinerseits, von der in Aussicht genommenen Besetzung des Botschafterpvstens in Washington durch ihn abzu­sehen.

Streikgefahr im mitteldeutschen Draunkohlen- gebiet.

- Halle. 3. Febr. (WTB.) Die Ver­handlungen über den Tarif im mittel­deutschen Braunkohlenbergbau, die unter dem Vorsitz eines Vertreters des AeichsarbeitSministeriums geführt wurden, sind nach zweitägiger Dauer als geschei­tert zu betrachten. Daher kann eS, wenn es nicht im letzten Augenblick zu einer Verstän­digung kommt, zu schweren wirtschaftlichen Er­schütterungen kommen.

Aus Stadt und Land.

Giehen. den 3. Frbr. 1922.

Gastspiel des Petz-Kainer-Galletts.

Terpsichore hat nie über laue Verehrung in der Stadl Dietzen zu klagen gehabt. Das zeigte sich schon früher bei den Besuchen namhafter Tanzkünstlerinnen wie Hannelore Ziegler u. a. Aucy am gestrigen Abend wartete bei ausver- tauften Kruse das Publikum mit freudiger Spannung auf den Beginn der Darbietungen, der sich über die festgesetzte Zeit erheblich hinaas- ÄÖgette. Doch man wurde nicht ungeduldig: war doch, wie Hofrat Steingoetter erklärte, nur durch außerordentliche Bemühungen eine große Enttäuschung verhütet worden: Die Leitung des Stadttheaters konnte das gestrige Gastspiel nur dadurch ermöglichen, dah das Kurorchester in Lastautos von Bad-Nauheim abgeholt und auch wieder zurückgebracht wurde. Die Geduld der harrenden Tanz freunde und -freunLirmen wurde reich belohnt. Es ist schwer zu sagen, welcher Aummer des reichen Programms, das in bunter Reihenfolge sich abwickelte, man den ersten Preis zuerkennen mühte. Das Publikum folgte den Künstlern verständnisvoll in die verschiedenartigen Stimmungen, die aus den einzelnen Darbietungen geboren wurden. War man durch Rameaus »Me­lodie Charmante", die die Damen Hilde D r a m o f Alice Michell, Li Vinewicz uird Helga Swedlund tänzerisch darstellten. D. Poppers »Wirbelnde Flocken", wobei sich Ellen Petz den vier eben erwähnten Damen zugesellte, und Schu­mannsStudie" als Einzellästung Hilde D r u - m o f s in freudige Erregung versetzt worden, so schtag SrbeliuS' ,TaS Phantom", ausgesührt von Ellen Petz und Ferrh Dworak, in den Dann starren Grausens. Jaap KoolsSeifenblase", dar­gestellt von Hilde D r u m o f, Alice Michell unb Helga Swedlund, stellte die frühere Stimmung r wieder her. Den Höhepunkt tänzerischer Ex- pressionStanst bildete Jaap Kools .Feuer", das ^Cllen Petz Gelegenheit gab, ihre vollendete Kunst zu zeigen. In Rachmaninoffs ,P )lichrnelle" Lieft - Ferry Dworak auhervrdentliche Fertigkeiten er­kennen. QL Rubinsteins »Episode" zeigte ein necki­sches Spiel zwischen Li Dinswicz und Alice Michell. ChopttrSDer Verirrte" wurde von Ellen Petz. Ferrh Dworak, Hilde D r u m o f, Alice Michell und Helga Swedlund aus­geführt

. Aach der größeren Pause trat Ellen P e h in H. W. KömmesLa MiÄnette" wieder allein auf. Besonders begeisterte A. RubinsteinsWalzer im Grünen", an dem Hilde Vrumof, Li Vine- w i c z. Alice Michell unb Helga Swedl unb beteiligt waren. Hier wie in dem folgenden Dchluß- stück, P. Sarrasates .Zigeunerweisen", das Ellen Petz und Fredh D w o r a t darstellten. fand der Beifall keine Grenzen. Für Idee und Einstu­dierung der Tänze ist Ellen Petz uneingeschränkte Anerkennung zu zollen. Die geschmackvolle Ais- wahl der Kostüme durch Ldw. «einer darf nicht unerwähnt bleiben. Die szenische Ausstattung, ins­besondere die Beleuchtung, bot durchweg den pas­senden Rahmen. Das staatliche Kurorchester unter Leitung Karl K n ü b e l s zeigte sich auf gewohnter Höhe: um so mehr ist es zu bedauern, daß der volle Genuß der rein konzertlichen Teile des Pro­gramms DizetSL'arlesienne", DebussysAra- be8quet" und Jaap KoolsPiccicato" mehrfach getrübt wurde durch solche Zuhörer, die anschei- nend glaubten, im Kvnzerttafsee übliche Gepflogen­heiten hier an den Tag leien zu müssen. Zrfam- menfassend kann man sagen, daß es der Leitung des Städtchenters wieder einmal gelungen ist. den Besuchern einen hochwertigen aesthetischen Genuß zu Eieten. Es ist emeit anzuerkennen, daß fte bemüht ist, allen Geschmacksrichtungen gerecht zu werden unter voller Wahrung eines hohen AiveauS.

Auf dem Gießener Bahnhof ist. wie uns mitgeleilt wird, die durch den Ausstand geschaffene Lage unverändert. Die Verwaltung ist auch weiterhin bestrebt, den Nahverkehr zur Beförderung von Arbeitern stnd Lebensmitteln aufrechtzuerhalten; es kann jedoch keinerlei Gewähr für eine ge­regelte Abwickelung des Verkehrs übernom­men werden. Bei den städtischen Werken sind, wie wir erfahren, noch genügend Kohlen­vorräte vorhanden, so daß sich hier, wenigstens vorläufig, Schwierigkeiten nicht ergeben werden.

* Aeber Einschränkungen im Po st verkehr erfahren wir von zuständiger Seite: Der Eisenbahnerstreik hat den Post- beförderunqSdienst fast vollständig lahmgeleqt. Bei der Unmöglichkeit, die aufgelleferten Post­sendungen ordnungsmäßig fvrtzuschaffen. Hal sich das hiesige Postamt genötigt gesehen, die Annahme aller Paket- und Wert­briefsendungen bis auf weiteres zu sperren. Sinschreibbriefsendungen, Post­anweisungen, Zahlkarten, Päckchen, ferner alle Briefsendungen, für die die Post keine Gewähr leistet, werden jedoch vorläufig angenommen und nach Möglichkeit mit den Notzügen be­fördert werden. Mit einer unverzögerten Be­

förderung können jedoch die Auflieferer der­artiger Sendungen nach Sage der Verhält­nisse nicht rechnen. Postsendungen nach Orten an der Bieberlalbahnstrecke sowie nach Wieseck werden nach wie vor uneingeschränkt und vorbehaltlos angenommen und befördert werden.

Wie von der Postdirektion weiter mit­geteilt wird, fährt bei genügender Beteiligung Samstag, den 4. d. M.. 7V> Uhr vormit­tags, vom Posthof (Bahnhof) ein P o st - au to (20 Personen fassend) über Butz­bach nach Frankfurt; Ankunft etwa 10 Uhr. Rückfahrt: 6 Uhr, ab Hauptwache. Preis 200 Mark für 1 Person für Hin- und Rückfahrt. Anmeldungen bis heute abend 1 Uhr bei der Kanzlei des Postamtes (Bahn­hof).

" Postautoverkehr nach Ulrich­stein. Voraussichtlich wird am Samstag ein Postauto von Ulrichstein und zurück über Grünberg verkehren. Ab Ulrichstein 8 Uhr vormittags, an Gießen etwa 11 Uhr; ab Gießen. Hauptpost, 3 Uhr nachm.; an Ulrich­stein etwa 6 Uhr abends. Der Fahrpreis für die ganze Strecke beträgt 50 Mk., für Teil­strecken sind die entsprechenden Sätze zu ent­richten.

** Unsere Berichterstatter und Mitarbeiter machen wir darauf aufmerk­sam, daß die Mitteilungen und Nachrichten für die Redaktion als Drucksache versandt werden dürfen. Den Mitteilungen darf nur der Name des Absenders beigefügt werden. Der Briefumschlag ist mit dem Ver­merkZeitungsnachrichten" zu ver­sehen.

* Die Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums hatte zu einer Aussprache Über die Frage: Neun ober acht Klassen höherer Lehranstalten? eingeladen. Am Dienstag versammelten sich, diesem Ruse fol­gend, m größerer Anzahl Eltern von Schülern ber höheren Lehranstalten Gießens und Vertreter ihrer Lehrerschaft. Heber den Verlaus ber Be­ratungen wirb uns folgendes mitgeteilt: In einem einleitenden Bericht wurde an Hand der amt­lichen Statistik nachgewiesen, dah der wirtschaft­liche Gewinn eines Schuljahres, durch den die Eltern mit der vierjährigen Grundschule ver­söhnt werden sollen, mir auf dem Papier stehe, da das Alter bei ber Hochschulreife für alle Systeme gleichmäßig 19.7 Jahre im Durchschnitt ergebe, eine Verkürzung des Lehrgangs der höhe­ren Schule also durch die notwendige größere Strenge bei den Versetzungen aufgehoben werde. In der Aussprache wurden die schweren Schädi­gungen, die eine Verkürzung des Lehrgangs für die Bildungsziele der höheren Schulen und für das Hochschulstudium bringen müßte, hervor­gehoben, und die Gefahr des Verbummelns für begabtere Kinder in der vierjährigen Grundschule beleuchtet. Die Auffassung, dah ber Zwang vier­jähriger Grundschule auch für die begabteren Kinder durch die Derfasiung feftgelegt sei, und die höheren Schulen sich danach einrichten müssen, konnte durch den Hinweis auf das Vorgehen der hessischen Unterrichtsverwaltung entkräftet werden. Für die höhere MädchenscAcle wurden dieselben Gesichtspunkte gegen die Herabsetzung ihres Lehrgangs von 7 auf 6 Jahre geltend ge­macht. Zum Schluß wurde folgende Ent­schließung zur Mitteilung an die hessische Unterrichtsverwaltpng gefaßt:Eine zahlreiche Versammlung von Ellern ber Schüler ber höheren Lehranstalten in Gießen verwirft einmütig den Gedanken einer Herabsetzung ihres Lehrgangs um ein Jahr zum Ausgleich gegen das vierte Grundschuljahr. Zur Abwendung ber befürchteten Schädigungen hält sie den Weg für den besten, ber von der hessischen Unterrichtsverwaltung durch eine Uebergangseinrichtung beschritten wor­den ist. die nur zur dauernden gemacht werden muß, dah begabtere Kinder auS der Grundschule schon nach drei Jahren in die untersten Klassen der höheren Lehranstalten eintreten können."

Oesfentliche Dücherhalle. Im Januar wurden 1669 Bände auSgegeben. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 988, Zeitschrif­ten 149, Iugendschriften 214, Literaturgeschichte 9, Gedichte und Dramen 27, Länder- unb Völker­kunde 42. Kulturgeschichte 21. Geschichte und Bio­graphien 59, Kunstgeschichte 13, Naturwissenschaft und Technologie 54, Heer- und Seewesen 3, Haus- unb Landwirtschaft 10, Gesundheitslehre 6. Reli­gion und Philosophie 31, Staatswissenschaft 5, Sprachwissenschaft 13, Fremdsprachliches 25 Bände. Nach auswärts kamen 33 Bände.

* Das Fest der silbernen Hoch­zeit und zugleich das 25. Geschäfts­jubiläum feiern am Samstag die Eheleute Schneidermeister Johann Kern und Frau Elise geb. Hvftnann, Weserstraße 7.

* * Kaninchenzucht. Am nächsten Sams­tag unb Sonntag findet in Darmstadt die Haupt­versammlung des Landesverbandes hestischer Kaninchenzüchter statt. Wichtige Punkte stehen zur Verhandlung, z. V. die Auflösung der Provinzial­verbände in Kreisverbände und die Aenderung der DerbandSsahungen.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag: Stadttheater, 7 Ahr:Hemdes und Ma- riamne". Hotel Grvßherzog, 81/* Uhr: Vor­trag der Deutschen Demokratischen Partei. Dass Leib, 8 Uhr: Allgemeine Beamtenver- ämmlung des Deutschen Beamtenbundes. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, bis einschließ­lich Sonntag:Der ewige Kampf.

Zu demWilhelm-von-Scholz- Abend wird uns geschrieben: Der für Sonn­tag festgesetzte Dichterabend der Literarischen Gesellschaft bedeutet in künstlerischer Be­ziehung den Höhepunkt der diesjährigen Ver­anstaltungen des Vereins. Wilhelm v. Scholz ist einer der wenigen wahren Dichter, die aus innerstem Drang sich in lyrischer Form aussprechen, und daher unmittelbar auf die Empfindung wirken, wie es sonst unter den Künsten nur die Musik tut. Dabei ist v. Scholz ein scharfer und philosophisch geschuller Den­ker, ein erfolgreicher Dramattker und ein Theoretiker des Dramas, der seine tiefschür- fenden Ideen über das Wesen der Tragödie

in einem BuchGedanken zum Drama" (1905) niedergelegt hat. So werden wir in ihm eine hochinteressante, vielseittge Persön- keit kennen lernen.

Dolksliederabend. Der am Sonn­tagabend vom Evang. Arbeiterverein ge­plante Dl. lksliederabenb zum Besten Ser Bildungs- und Wvhlfahrtsbestrebungen des Ver­eins verdient insofern besonderes Interesse, weil die Volkslieder teilweise mit mimischer Darstellung zum Vortrag gebracht werden. Hierzu sind vor­gesehenDas Heidenröslein" und in der Ul. Ab­teilung des ProgrammsLebende Lieder" mit mehreren Verwandlungen.

Der Konsum verein Gießen und Umgegend häll in ber kommenden Woche Mit­gliederversammlungen ab. Ort unb Zett ber für die Mitglieder dec einzelnen DerteUungsstellen in Betracht kommenden Versammlungen sind aus ber heutigen Anzeige ersichtlich

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Wettervoraussage

für Sams tag:

Trüb, strichweise Niederschlage, Temperatur unverändert, westliche Winde.

DaS Tiefdruckgebiet, das gestern noch über Irland tag, ist heute bis zu den Alpen vorgedrun­gen. Unter seinem Einfluß setzten erhebliche Nie­derschläge ein. Vorläufig wird noch keine wesent­liche Aenderung in der Witterung eintreten.

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Landkreis Gießen.

i. Ettingshausen, 2. Febr. Mit den Mißständen, die auf der ButzbachLich GrünbergerDahn herrschen, beschäftigte sich Astern eine Protestdersammlung von Vertretern und sonstigen Interesienten aus den an der Strecke LichGrünberg liegenden Ge­meinden, über die uns folgendes berichtet wird: Auch die Stadtverwaltung Lich war durch den BürgecmLister Völker der schon mehrsac! seine Tatkraft in den Dienst der Sache gestellt hatte, vertreten. Der Landtagsabgeordnete Jen» ch e l hatte es sich auch nicht nehmen lassen, sein Interesse zu zeigen. Leider ließ sich die Stadt Grünberg untertreten, obwohl gerade wichtige Interessen der dortigen Geschäftswelt auf bem Spiele stehen, so baß daS Wegbleiben der Stadt­behörde sehr befremdete. Gerade in Grünberg scheint man sich noch nicht zu einem richtigen Ver­ständnis für die Wichtigkeit des Dahnverkehrs, der die Gemeinden mit der Stadt verbindet, durch­gerungen zu haben. Hoffen wir, daß diese Er­kenntnis noch eintritt, ehe sich die Landbevölkerung durch diesen Mangel an Entgegenkommen der Ge­schäftswelt Grüübergs entfremdet! Die Versamm­lung war überaus zahlreich besucht, so daß sich ber große Saal des Gastwirts Sommer bald füllte. Die Tagesordnung hatte allgemeines Interesse gesunden, denn die Klagen gegen die Butzbach Licher Bahn bilden ein fast tägliches Gesprächs­thema seit Jahren. Nach Eröffnung der Ver­sammlung unbBegrüßung der Teilnehmer durch den Letter einigte man sich rasch über die zu ver­handelnden Punkte und folgte einer Ordnung, die Lehrer Jakob- Oberbessingen uorfdxtag. Man forderte auf Antrag des Gastwirts Iakob- Ober-Bessinyen die Wiedereinstelllrng des Wend- zugS von Lich, der aber bis Grünberg durchzufüh­ren sei, um anderen Tages alS Arbetterfrühzrg der sich vermehrenden Arbetterbevölkerung unserer Gemeinden Gelegenheit zur Fahrt nach auswär­tigen Arbeitsstätten zu bieten. Da gerade in Butzbach neue Industrien sich nteberlaffen, er­scheint diese Forderung besonders wichtig. Es wurde fest gestellt, daß die Bahnlettung auch Ent­gegenkommen versprochen hatte, eS aber an dem Halten ihres Versprechens hatte fehlen lassen, nachdem sie von den Gemeiicden Zusicherung finan­zieller Art, die an dieses Versprechen gebunden waren, erreicht hatte. Es wurde gefordert, daß bieBahnleitung, die stets Unrentabilität vor- schützt, wenn es gilt, die Derkehrsverhältnisse zu bessern, nicht durch Sondervertrag einzelnen Fir­men Frachttergünstigungen zukvmmen läßt. Be­sonders krasse Fälle wurden mttgeteill. Eine Firma bezahlte z. D. nur etwa den fünften Teil der an der Stacttsbahn geltenden Frachtsätze und eine Wiegcgebühr von 6,50 Mk., während sonst 19 Mark erhoben werden. Es wurde verlangt, daß die Züge den Fahrplan einhalten, um in Grünberg und Lich einen genügend langen Aufent­halt für Besorgung von Geschäften sicherzustellen. Daß dies möglich ist, zeigt der Umstand, daß der heutige Nachmittagszug, in dem allerdings der Herr Dahn Verwalter selber unter den Fahr­gästen sich befand, auf die Minute pünkt­lich war, während ber Mvrgenzug auf einer Strecke von 35 Minuten Fahrzeit 55 Mi­nuten Verspätung hatte. Zur Entlastung wurde verlangt, daß ein besonderer Güterzug, der jetzt bis Münzenberg fährt, bis Grünberg durch­geführt wird. Die Anschlüsse an die Staatsbahn find auf jeden Fall zu erreichen, unb bte Fahr­pläne müssen vor dem Inkrafttreten den Ge­meinden, die schwere Geldopfer für die Dahn gebracht haben, zur Entgegennahme von Wünschen vorgelegt werden. Die Vertreter ber Gemeinden sollen tn der Generalversammlung ber Aktien­gesellschaft energisch bie Gemeindeinteressen ver­treten. Einer Anzahl von Mitgliedern des Auf­sichtsrates kann man nur mit einem gewissen Mißtrauen begegnen. Es wird verlangt, daß sie freiwillig zurücktreten, unb bie Gemeindevertreter sind gebeten, bei den Aussichtsratswahlen für ihre Gemeinden einzutreten, damit es nicht mehr vorkommt, bah die Strecke GrünbergLich mit aller Rücksichtslosigkeit, bte Strecke Lich-Butz­bach mit größtem Entgegenkommen behandelt wird. Bürgermeister Völker wird ersucht, in ber Generalversammlung ber Dahngesellschaft bie Interessen des oberen WettertaleS kräftig zu wahren. Es wird ein AuSschuh unter Vorsitz von Pfarrer Nies- Ettttmshausen gebildet, dem die Ortsvorstände je ein Mitglied zuordnen unb zu dem noch Fabrikant Schief er st ein-Lich, Wasserwerksverwalter Walter und Lehrer Jochem- Queckborn, Gastwirt Jakob- Ober- Bessingen zugewähll werden, in dessen Hände bis zur nächsten Versammlung die Betreibung der Angelegenheit gelegt wird. Landtagsabgeordneter Fenchel sagte bereitwillig seine Mitarbeit zu. Die Protestbeschlüsse werben der Regierung vor­gelegt. mit der Ditte um Unterstützung unserer Gemeinden, die schon zu lange zu all den Mih- länben, von denen nur die schwersten genannt wurden, geschwiegen haben Auch wurden die Schritte zur Wiedererlangung ber Bahnpost Duh- bach^-Grünberg beraten und beschlossen. Diese wichtige Verbindung, an deren Wegfällen schon 'eit sichren eine gewisse Stelle, die sonderbare Vorstelluna von öffentlichem DerkehrSinteresse haben muß, gearbeitet hatte, muft zum Wohle unserer Gemeinden wiederhergestellt werben. Die

sachlich und ruhig ber berufene CBerfammlimg zeig», durch ihren Besuch und durch die Art, wie sie verlies, daß ein einmütiger Wille vorhanden ist, die Zustände zu bessern. Und wo ein Wille ist. da ist auch, ein Weg. »

Kreis Friedberg«

Butzbach, I. Febr. Um der Woh« nungsnot zu steuern, hat sich hier eine ge­meinnützige Ballgesellschaft .Eigen- beim gegründet. Die Stadt Hai ihre Unter­stützung in Aussicht gestelll. Man will archi- tektonisch einheilliche Straßenbilder durch größere Baublocks schaffen. Besonders ist die Errichtung von Kleinwohnungen vorgesehen.

Hessen-Nasiau«

][ Marburg, 1. Febr. Im Anschluß an einen stark besuchten zweitägigen Vor^ tragökursus für praktische Land­wirte im Haus Freidhof, bei d?ta Prof. H a s e l h o f f ° Harleshausen, Tierzuchtinspek- tor Schaub- Kassel, Direktor Schlicht- Marburg, Abministtator Siebold- Hof Altenberg, Abteilungsvorsteher Senter» Kassel unb Geschäftsführer Schnägels- berger-Marburg sprachen, fand heute in den Stadtsälen eine von etwa 1000 Land­wirten besuchte Generalversammlung des Hess. Bauernbundes statt. Nach der Berichterstattung über die in Marburg abgehaltene Dertreterversammlung des Kur­hessischen Landbundes nahm eine ganze An­zahl Redner scharfe Stellung gegen den Be­schluß, die Hauptgeschäftsstelle nach Kassel zu verlegen. In einer Prvtestentschließung heißt es u. <l, daß die Gründe für die Ver­legung nicht anerkannt werden und befürchtet wird, daß die Einigkeit verloren gebt. Die Gründung eines besonderen Kurhessischen Landbundes ist in Erwägung zu ziehen.

Vermischtes-

Hamburg als Luftverkehrs- Hafen Der alle Fuhlsbütteler Flugplatz bei Hamburg, besten Anlagen allmählich zu verfalle» drohten, wird jetzt durch das Eingreifen der Hamburger Bürgerschaft in einen Zustand ver­seht werden, der ihn den Hauptflugplätzen Euro­pas gleichwertig macht. Dabei wird inWerst, Reederei, Hafen" die außerordentliche Bedeutung Hamburgs als Flugverkehrshafen hervorgehoben Die Stadt ist ein Knotenpunkt der internationalen Luftverbindung, bie von London über Amsterdam nach Kopenhagen und Stockholm führt und in Hamburg eine neue Linie über StettinKönigs­bergKowno bezw. Riga nach bem Osten ab- zweigt. Die Linie HamburgWesterland ist wohl unter allen deutschen Luftverbindungen die beste, denn die Flugdauer beträgt nur 11/3 Stunden, während man bei Benutzung von Eisenbahn oder Schiff mindestens 12 Stunden braucht. Sodarm muß der wettere Ausbau dieser Strecke nach Südost en, nach BerlinDresdenPrag, ange­strebt werden Hamburg muh auch den Seestug­zeugen Gelegenheit geben, hier Hall zu machm oder einen Heimathafen zu finden

* 30 000 Pfund für ein KrebS- hetlmittel. Zwei britische Aristokraten, Lord Atholstan und Sir William Veno, haben, der eine 20000, der andere 10 000 Pfund für denjenigen ausgewvrsen, der in den nächsten fünf Jahren ein wirksames Mittel gegen den Krebs entdeckt. Wie Veno erzählte, tarn er auf folgende Weise aus den Gedanken der Preisaussetzung. Er hatte vor einiger Zeit ettre kranke Stelle an der Lippe, von der zunächst behauptet wurde, dah Krebs sei, die sich dann aber als gutartig erwies. Die Zeit, die er in dem furchtbaren Glauben an seine Krebserkrankung verbrachte, hat ihn darüber belehrt, wie wichtig es ist, dah ein Mittet gegen diese Krankheit gefunden wird.

Kirche und Schule.

ch. Münzenberg, 1. Febr. Am bergan* jenen Sonntagabend fand dahier im Saal des Gasthauses zum Löwen ein evangelischer ®emeinbeabenb unter Leitung von Pfarrer Deyrich, unserem Ortsgeistlichen, statt. Im Mittel­punkt ber Veranstaltung stand ein Vortrag deS ruberen BurenkommanbantenKooS I 0 0 st e. Mit köstlichem, urwüchsigen Hunror, ber bie Zuhörerschaft des dichtgefüllten Saales vom Anfang bis zum Enbe feiner interessanten AuS- ührungen zu fesseln wußte, zeigte er Schwächen unb Fehler im deutschen Volksleben. Durch tref- enbe Vergleiche aus einer reichen Lebenserfah­rung brachte er eindrucksvoll zum Bewußtsein, welche Auswüchse bei uns eine oft überspannte Kultur zeitigt, während dort im allgemeinen ge* unbe ethische und völkische Zustände sind, wo, wie tn seiner Heimat, ein Voll fest mit der Scholle verwachsen und stets abhängig von der Natur (Regenzeit!) ist. Auch die Nimatischen unb völker­kundlichen Unterschiede der beiden Länder lieft er in einigen sehr scherzhaft geschilderten 6deb- niffen erkennen. Die Ausführungen des Redner« wurden von echt deutschen Heimatlledem um- tabml, die der hiesige Männergesangver- einEintracht" in wirkungsvoller Weise vortrug.

)( Büdingen, 2. Fcvr. Gestern fand tm hiesigen Gemeindesaal bie erste Dekanats- konferenz dieses IahveS statt. Im Mtttal- punkt der Verhandlungen stand ein Vortrag von Pfarrer Hoch- Selters über die heutige Jugend­bewegung. der vortreffiich in die, pvlllische, ttrch- liche, christliche und die übrige Iugendbeweg ntg unserer Tage einführte und ein klares Bild der verschiedenen Ziele, aber auch der unendlichen Zersplitterung ber Jugendbewegung gab. Den zweiten Teil der Konferenz füllten geschZftliche Fragen des Dekanats aus.

)(-Usenborn, 1. Febr. Am vorigen Diens» tag wurde der Geistliche der hiesigen a'tluthertt chea Gemeinde, Superintendent Traudt, feier­lich unter großer Beteiligung zu Grabe gebracht. Er war 11 Jahre der Seelsorger der hiesigen altlutherischen Gemeinde, bie er trotz seines hohen Alters und langjährigen Leidens mit größter Gewisienhaftigkett bebiente, und die ihn wegen eines freundlichen Wesens sehr verehrte. In der Trauerfeier in der Kirche sprach Präzeptor Lucius aus Echzell, am Grabe der Superin­tendent der alltucherischen Gemeinden, Pfarrer A n t h e s aus Reichelsheim tm Odenwald. Der Dienst in der Gemeinde wird vorläufig von au6- toärhJt