Ausgabe 
2.12.1922
 
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Aus Staöt und Land.

Giehen, den 2. Äez. 1922.

Für Militärrentner.

Ter Reichsarbeitsminister hat mit Zu­stimmung des Reichsrats eine Erhöhung der Teuerungszuschüsse und der Einkommensgrenzen im Gesetz über TeuerungSmahnahmen für MMtärrentner ver­ordnet. Die Verordnung gilt mit Wirkung vom 1. November ab. Sie erhöht die mo­natlichen Teuerungszuschüsse:

für einen Schwerbeschädigten bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um 50 bis 80 v. S). um 1200 Mark auf 3200 Mark,

für einen Schwerbeschädigten bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um mehr als 80 v. H. um 1800 Mark auf 4800 Mark,

für einen Schwerbeschädigten, der nur auf die Rente angewiesen und nachweislich einen Erwerb auszuüben nicht imstande ist, um 2400 Mark auf 6400 Mark,

für eine Witwe um 1200 Mark auf 3200 Mark,

für eine Witwe, die nur auf die Rente an­gewiesen und nachweislich einen Erwerb aus-

Aus dem Reiche.

Ker Reichskanzler und die Regierungen ler Länder.

Berlin, 1. Dez. (WTD.) Wie wir hö­ren, hat der Reichskanzler die Einla­dungen zu der in seinem D.^f an die Mi­ni st erpräsidentenderLänd er und in seiner Rede vor dem Reichstag angekundigten Zusammenkunft mit den Staats- und Ministerpräsidenten für Mittwoch, den 6. De­zember, ergehen lassen. Aus der Tagesord­nung dieser Zusammenkunft werden insbeson­dere Fragen der Ernährung und der Wirt­schaftspolitik stehen.

Kundgebungen m Aachen.

Berlin, 2. Dez. Nach einer Meldung aus Nachen versammelten sich gestern abend auf dem Aachener Marktplatz im Anschluß an kommunistische Dettiebsräteveisammlungen große Demonstrationszüge. Die Menge wurde zunächst in die Seitenstraßen abgedrängt und sodann alle Zugänge zum Marktplatz polizeilich abgesperrt. Eine An­zahl junger Burschen, die zur Plünderung auf- forderten, wurde festgenommen. Einer in das Aachaus entsandten Deputation wurde mitg'eteilt, daß die Frage der Preiskontrolle und andere Maßnahmen gegen die Teuerung in der heutigen Stadtverordnetenversammlung beraten werden sollen.

Aus Hessen.

AnS dem ßdübteg.

rm. Darmstadt. 1. Dez. Dem Hessischen Landtag sind wgegangen: Verschiedene Re­gierungsvorlagen, Darunter eine Abänderung des Gesetz es über die Besteuerung des Gewerbe im älmherziehen, eine solche über die Errichtung von Deamtenmietwohnungen ufto. Die Kosten beA Umbauet der Konzerthausbühne in Bad- Nauheim sind auf 3040 Millionen Mark ver­anschlagt. Zwei sozialdemokratische Anträge for­dern die Erhöhung der Erwerbslosen- unterftützung, sowie die Verteilung der Äeb-erschüsse der Landes milch- und Fettstelle. Zwei Anfragen des Abg. Dr. Werner betreffen die Lage der Industrielehrerinnen, sowie die Belie­ferung der Bevölkerung Offenbachs mit Zucker, da dort die Zuckerverteilung durch die Großhänd­ler und den Konsumverein erfolgen soll. 3n einer Regierungsantwort auf die Anfrage des Abg. Reiber lehnt das Ministerium d. 3. die Auslosung der Hess. Ortsgruppe des Iangdeutschen Ordens ab. 3n einer Reg ierung San t- wort auf die Anfrage des Abg. Dr. Werner und Gen. wegen Auszahlung der Ruhe­gehalts heißt es: Auf das Ersuchen vom 31. Oktober d. 3. beehren wir uns das Folgende zu ettoibern: Wie schon öfter ausgeführt, sind alle Anordnungen getroffen, die nur getroffen werden können, um die Ruhestandsbeamten, die Hinterbliebenen von Staatsbeamten so schnell als nur irgend möglich bei Erhöhung ihrer Bezüge in den Besitz der Nachzahlungen zu setzen. Die Erhöhungen für September 1922 sind durchweg angewiesen. Daß einmal im Einzelfalle eine Ver­zögerung eintreten kann, ist bei der außerordent­lichen Arbeitsbelastung der in Betracht kommen­den Dienststellen nicht ganz zu vermeiden. Den Kassenstellen gehen die Unterlagen für die Be­rechnungen der Bezüge zu, diese sind auch 'm der Sage, den Empfangsberechtigten die erforderliche Auskunft zu erteilen. Weiter ist bereits vor einiger Zeit ^geordnet worden, den Beteiligten künftig eine besondere Mitteilung über die Hohe der Bezüge bei jeder Aenderung übermitteln zu lassen.

nähernd 531,7 Millionen Goldmark und die Aus­fuhr auf Grund der Deklarationen auf 289,9 Millionen Goldmark. Die Einfuhr weist gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 7,2 Millionen Doppelzentner bzw. 109,9 Millionen Goldmark auf. Die Ausfuhr ist dagegen um 0,5 Millionen, Doppelzentner bzw. 1 Million Goldmark zurück- gegangen. Zu genommen hat vor allem die Einfuhr von Steinkohlen (Plus 3,3 Mill. D.-Z.). Aach Eisenrohstoffe wurden in erheblich vermehrter Wenge eingeführt. Die Einfuhr von Textilroh- ftoffen und Fabrikaten ist dagegen zum Teil weiter zurückgegangen. Besonders erwähnenswert sind Baumwolle und Daumwollgewebe. Eine stärkere mengenmäßige Zunahme Wersen noch fol­gende Waren auf: Roggen, Reis, Kaffee, Kakao­bohnen, Superphosphate, Mineralöle^ Die Aus­fuhr hat nur bei einzelnen Fabrikaten zugenom­men, bei Daurnwollgeweben, Farben, Farbwaren, Chemikalien, Spielzeug und Maschinen. Fast alle übrigen Erzeugnisse sind dagegen zurückgegangen, in besonders starker Menge Salz, Bier, Bau- und Nutzholz, Kalisalze, Möbel usw. Infolge der starken Zunahme ber Einfuhr und des wenn auch geringen Rückganges der Ausfuhr hat sich die Passivität der Handels- bilanzvon 131 Millionen Göldmark im September auf über 240 Millio­nen Gvldmark im Oktober'erhöht. Für Zanuar bis Oktober kann man mit einer Passivität von ungefähr l3/< Milliarden Goldmart rechnen.

zuüben nicht imstande ist, um 1800 Mark auf 4800 Mark,

für eine vaterlose Waise um 800 Mark auf 2000 Mark,

für eine elternlose Waise um 1200 Mark auf 3000 Mark,

für einen Elternteil um 1000 Mark auf 2500 Mark,

für ein Slternpaar um 1600 Mark auf 4100 Mark,

für Empfänger eines LlebergangsgeldeS oder eines Hausgeldes oder für Empfängerin­nen einer Witwenbeihilfe um 1200 Mark auf 3200 Mark,

der besondere Zuschuß, den Schwerbeschä­digte oder Hausgeldempfänger erhalten, wenn sie für Kinder zu sorgen haben, erhöht sich für jedes Kind um 600 Mark auf 1600 Mark.

Die Einkommensgrenzen werden den er­höhten Teuerungszuschüssen entsprechend er­höht.

Der neue Brotpreis der Stadt Gießen

wird tnr Anzeigenteil unseres hurtigen Blattes amtlich zur öffentlichen Kenntnis gebucht. Danach kostet das 1900-Gromm'-Markenbrot vom Montag ab 242 Mar k.

Wochenmarktbericht.

Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Weißkraut das Pfund 89 Mk., Rotkraut 1825 Mk., Wirsing 912 Mk., unterirdische Kohlrabi 56 Mk., oberirdische Kohlrabi 510 Mark, Rosenkohl 50 Mk., Winterkohl 9 Mk., Schwarzwurzeln 4050 Mk., Meerrettich 2025 Mar-k, Feldsalat 50 Mk., gelbe Rüben 8-10 Mk., rote Rüben 10 Mk., Endivien das Stück 410 Mark, Aepfel das Pfund 911 Mk., Dirnen 12 Mk., Römisch Kohl 80 Pf., Linsen 180200 Mark, Zwiebeln 2025 Mk., Nüsse 150 Mk., Eier das Stück 5560 Mk., Butter daö Pfund 12501400 Mk., Gänse das Psund 400-550 Mk., Handkäse 10 Stück 170350 Mk.

** 3N den bevorstehenden Schwur­gerichtssitzungen wird verhandelt: Montag, 4. Dez. gegen Hei-tr. Theiß von Lehnheim wegen Ülrkunoenfälschung. Staatsanwalt Fischer. Vertei­diger: Rechtsanwalt Gngisch. Dienstag. 5. Dez., gegen Katharine Stumpf und Katharine We­be r, beide von Gießen, wegen Abtreibung. Staats­anwalt: Locher. Verteidiger: Rechisanw. Zustizrat Katz und Rechtsanw. Dr. L. Katz. Mittwoch. 6. Dez., gegen Berta Heulheck von Bobenhausen wegen Meineids. Anklage: Amtsgerichtsrat Dr. Wodaege. Verteidiger: Rechtsanw. Iuslizrat Dr. Grünewald.

* * Aenderungen der Ortsfal­zungen über die Gießener Jahr­märkte und den Markttarif werden im heutigen Anzeigenteil belänntgegeben.

* * Einbruchsdiebstahl. In der Nacht vom 1. zum 2. Dezember zettrÜm- merte ein Einbrecher mit einem Stein die Erkerfcheibe eines hiesigen KonfckttvirS- aeschäftes und entwendete alsdann von der Auslage eine olivgrüne Gummijacke und einen braunen Gummimantel im Gesamtwerte von 38 500 Mark. Es gelang ihm trotz Ver­folgung zu entkommen. Zur Aufklärung ge­eignete Mitteilungen erbittet die hiesige Kri­minalpolizei.

* * Oberhes sischer Kun st verein. Der erst seit acht Tagen gezeigten Ausstel­lung wurden noch einige Arbeiten von H. Haberl-München und ein Oelgemälde Am Bildstöckl" von I. Madlener hinzu­gefügt. Ein Teil der ausgestellten Blloer wird nur noch bis einschließlich Mittwoch ge­zeigt; hierzu gehören auch die Porträts aus hiesigem Privatbesitz.

** Weihnachtspost nach Amerika. Für die Brief poft nach Amerika stehen im De- zember^ wegen des abnehmenden Reiseverkehrs rm Winter verhältnismäßig wenig Schiffe zur Verfügung. Briefe, Postkarten, Geschäftspapiere, eilige Drucksachen und politi'chr Zeitu ngen gehen am 2. Dezember von Sonstampton unb Bremer­haven. am 6. und 9. von Southampton, am 13. von Southampton und Bremerhaven, am 16. von Liverpool und Hamburg, am 23. und 27. von Southampton, am 29. von Rotterdam, am 30. von Hamburg. Schlußzeit ist für den Norden und Osten in Hamburg drei Tage vorher um 10 ülhr abends; für den Westen unb Süden hi Köln-Deutz zwei Tage vorher um 1 ilfjr abends. Die Dampfer erhalten Nachvrrsand über Eherbourg von Köln 9,48 Ähr vormittags je einen Tag vor­her. Schlußzeit für Liverpool ist am 13. in Ham­burg und am 14. in Köln. Alle übrigen Sendungen gehen nur über Hamburg ober Bremerhaven. Nichteilige Drucksachen, insbesondere auch Zeit­schriften und Bücher, gehen außerdem am 7., 14. unb 21. Dezember von Hamburg, am 28. von Bremerhaven.

Wettervoraussage

für Sonntag:

WoMg bis heiter, trocken, etwas kühler, nördliche Winde.

Die Ausläufer der nördlichen Depression werden morgen kaum noch Einfluß auf die Wetterlage haben. Hohe Temperaturen im Eismeer (Island -s- 15 Grad) lassen die Aus­bildung weiterer Sturmwirbel voraussehen.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Zohanneskirche, 8 Ülhr: Adventskonzert. Asto- ria-Lichtspiele, heute und morgen:Seepiraten", 5. Teil, undDie Rächte des Ruppert Schar­bach". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen:Das Weib des Pharao". Palast- Lichtspiele, heute und morgen:Sünden von geftern undAlles um Höflichkeit".

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 3 Uhr: »Des Meeres und der Liebe Wellen": 7 Ahr:Der letzte Walzer". Reue Aula, 5 Uhr: Redner-Quartett (2. Konzert des Gießener Konzertvereins). Aauarium, 3 älhr. Zusammenkunft der Vertrauensleute der Orts­kartelle. Turnhalle, 7Vz älhr: Famllienabenb der Matthäusgemeinde.

Aus dem Stadttheaterbureau. ES sei daraus hingewlesen, daß die morgen nach­mittag 3 Hbr beginnende Au führung vonDes Meeres unb ber Siebe Wellen" die letzte des Werkes in dieser Spielzeit fein wird.

Das Adventskonzert des Kon­zertorganisten Wieder heute a:enb 8übr in ber Iohanneskirche wird im Hinblick auf die milde Witterung ohne besondere Heizung der Kirche ftattfinben.

Einen Familienabend veranstaltet am Sonntag abend die Männer- und Frauen oereini- gung der MatthäuS-Ge meinde im Saal des Turnvereins, Stemstraße. (Siehe Anzeige.)

GinKonzertzumBestenderGie- 6 en e r Studentenhilfe findet am 13. Dez. in der Großen Aula der AlniDerfität statt.

Gifcrrbahtt-Aahrplanwünsche aus dem N ddertal.

3n Kürze soll eine Nachprüfung unb Verbesse­rung bes Fahrplans der Strecken Lauter­bachStockheimFrankfurt, Gießen Gelnhausen und ber anschließenden Ver­bindungen nach Friedberg ufto. ftattfinben. Da erscheint es angebracht, daß diejenigen Ge­meinden, die besondere Wünsche haben, diese um­gehend an die Reichsbahndirektion Frankfurt berichten, denn mit bloßem Nör­geln wirds nicht bester. Die Wünsche ber An­lieger der Strecke Stockheim Gedern gehen vor allen Dingen auf folgende Derbesserangen: 1. Frühere direkte Verbindung über Vilbel nach Frankfurt, etwa Weiterbeförderung des 7-^lhr- Zuges von Stockheim nach Frankfurt. 2. Spätere direkte Verbindung aas Frankfurt über Stock­heim nach Gedern, etwa Weiterbeförderung des Zuges an Stockheim 9 übr bis Gedern. 3. Besserer Anschluß an den Vormittagen nach Gießen, schon mit Rücksicht auf die Kranken, die in die Kliniken gebracht toeroen unb jetzt in Stockheim über eine Stunde warten müssen. 4. üleberhaupt Verkürzung des ost über '/sttün- bigen Aufenthalts der direkten Züge nach unb von Frankfurt in Stockheim und HrldenberZen, Verkürzung der Fahrzeit zwischen Frankfurt um> Stockheim, Durchfahren ber direkten Züge zwischen granffurt und Vilbel. 5. Bessere Verbindu. g nach Friedberg, schon mit Rücksicht auf die vielen Kriegsbeschädigtei'., die an das Versorgungsamt müssen. 6. Spätere tägliche Verbin­dung aus Gießen. Die Behörden, HandelZ- kaMmem, die Landtags- und ReichstagLabgeorb- neten, die Gemeinden und Bügermeister, unb die Vertreter beim Eisenbahnrat werden gebeten, die berechtigten Wünsche ber Bevölkerung energisch zu vertreten, damit auch die Bewopner des Landes und die Anlieger der Nebenbahnen za ihrem Recht kommen.

Landkreis Gießen.

gbg. ©rünberg, 1. Dez. Eine am Don­nerstag abend Im unteren Rathaussaal abgehal­tene Mieterversammlung, die aus allen DevölkerungSschichten zahlreich besucht war, nahm Stellung gegen die vom Gemeinderat getroffene Regelung dergesetzlichen Mieten". Man war allgemein brr Ansllht, daß das K r e i s a m t als Aufsichtsbehörde dem Gemeinderatsbeschluß wegen Verstoße gegen das Leichsmietengesetz die Genehmigung versagen werde, beantragte aber doch noch einmal einen besonderen Ausschuß mit Einteguna eines Einspruchs beim Kreisamt. 3n der Aussprache wurde u. a. die unzulängliche Art unb Weise der Wohnungsbeschilagnahme einer scharfen Kritik unterzogen. Weiter soll eine ge­rechtere Verteilung des Wafsergeldes angeftrebt werden.

Kreis Friedberg.

* Bad-Nauheim, 1. Dez. Bis zum 30. November betrug der Gesamtbesuch 40 348 Personen.

Winter-Notstandshilse von Reich, Staat und Gemeinde.

Die bisherigen Leistungen der Stadt (Niesten.

An alle, die in unseres Wirtschaftslebens totltten Schwankungen noch nickt unter die Räder gekommen sind, ergeht heute der Ruf, denen z u helfen, die ein weniger glückliches Los ge­zogen haben, unb burch freiwillig ge­brachte Opfer die Fürsorge von Reich, Staat unb Stadt für die am schwersten gletroffencfi Opfer der Bevölkerungsumschichtung zu ergänzen!

Es wird in dieser Stunde vielfach ber Wunsch bestehen, zu wissen, was Reich, Staat unb Ge­meinde bereits getan haben.

Die Stadt Gießen hat aus eigenen Mit­teln 815 000 Mk. bewilligt. Hiervon sind 135 000 Mark für Zwecke der Sonderfürsorge für Kapital- unb Sozialrentner abgezweigt worden. Der Rest von 680000 Mark hat zur allgemeinen Fürsorge für alle übrigen Minder­bemittelten gedient. 1700 Personen haben je 400 Mark erhalten. Bei Familien wurde jedes Familienmitglied als besondere Person gerechnet. Grundsätzlich wurden diese Beträge als Dar­lehen gegeben, das in monatlichen Raten bis zum 1. Mai 1923 zurüchuzahlen ist. Die bedurs- ttgen Schwerkriegsbeschädigten und Kriegerhinter- bllebenen, zusammen 870 Personen, haben den Betrag aber unter Verzicht auf Rück­erstattung erhallen. Es sind 332 000 Mark mit und 348 000 Mark ohne Rückerstattungspslickt ausgegeben worden. Ferner hatte die Stadt Gießen es übernommen, die Bevölkerung in gro­ßem Umfange mit billigem Holz zu be­liefern. Rach den Bestimmungen des Hessischen Ministeriums für Arbeit unb Wirtschaft vom 1. November 1921 ist die Stadt Gießen bei 1280 Hektar Wakbbesih verpflichtet, 640 Festmeter = 1050 Raamm'-e.' Brennholz an d'.e wirtschaftlich schwache Bevölkerung zu ermäßigtem Preise ab­zugeben. Die Stadt hat aber rund 31 000 Ztr., also bas Dreifache, dem stäbtischen Brenn­stoffamt zu diesem Zwecke überwiesen. Das von ber Stadt hierbei gebrachte geldliche Opfer be­trägt mehr als eine Million Mark. Der Abgabepreis betrug bis 1. August 1922 für ge­schnittenes Hartholz 20 Mk. für den Zentneu und für geschnittenes Weichhvlz 18 Mk. für den Zentner. Ausgegeben wurden von Mitte 3anu ir bis 1. August 1922 rund 41 000 Zentner. Das Holz wurde in kleineren Mengen bis zur Höchst­menge von 20 Zentner an die Verbraucher ab­gegeben, rund 21000 Zentner an die allgemeine Bevölkerung ohne Prüfung der Bedürftigkeit, rund 2000 Zentner an das Wohlfahrtsamt für Stadtarme, rund 7700 Zentner an Schwerkriegs­beschädigte, rund 4300 Zentner an Kriegerhinter­bliebene. Darüber hinaus sind in letzter Zeit noch 5000 Zentner für 140 Mk. an die allgemeine Be­völkerung ausgegeben worden.

Die Schwerkriegsbeilyaotgren urift Kriegerhinterbliebenen haben an bet Holzverteilung im Laufe des Sommers teilgenom- men, so daß sie sich einen Wintervorrat sichern konnten. Hede Familie hat ebenfalls 20 Zentner erhalten. Aus den Mitteln der sozialen Fürsorge, die zu 8/ip vom Reich, zu Vio vom Staat und zu Via von der Stadt aufgebracht werden, erhalten' die Bedürftigen unter den Kriegsopfern auf be­sonderes Gesuch in dringenden Fällen Winter- beihilfen. Die hierfür zu Gebote stehenden Mittel betragen jedoch nur 170 000 Mk., so daß nur 150 Mark auf den Kopf entfallen sind und ein großes Gewicht auf diese Hilfeleistung leider nicht gelegt werden kann, überdies formen die Kriegsbeschä­digten und -Hinterbliebenen Vorschüsse auf ihre Teuerungszulagen erhalten. Man rechnet von feiten des Reiches darauf, daß bei der fortdauern­den Erhöhung bei1 Bezüge und den häufigen Nach'.ahlungen die schließliche Abgeltung dieser Vorschüsse nicht besonders schwer fallen kann. Städtischerseits wird diese Versorgung als un­genügend angesehen. Aus diesem ©runbe-bat man oie Kriegsopfer bei der städtischen Winter­hilfe durch den erwähnten Derzichtauf Rück- erftattung bevorrechtet. Ferner wurden von feiten der Stadt verbilligte Braunkohlen- Briketts zur Verfügung gestellt. Es erhält jede Familie etwa 4 Ztr. zum Preise von je 325 Mk.

Für die Rentner der Sozialver­sicherung hatte das Reich zur Winterhilfe eine Milliarde zur Verfügung gestellt, unter bet Bedingung, daß Länder oder ©emeinben oder beide zusammen Vs aus ihren eigenen Mitteln beifteuern. Für die Stadt Gießen beträgt das vom Reich Geleistete hiernach 505 566 Mk. Hierzu kommen Äs Anteil des Staates 50 557 Mk. und der Stadt Gießen 50 536 Mk. Es standen somll 606 679 Mk. zur Verfügung. Hieraus erhält jeder, der sich in lec k< f- nden Fürsorge fuiSozialrentner bei der Stadt befindet, zur Beschaffung von Win­terbedarf für sich und für jede zu seinem Haushall unverbürgte P-epvn einen Gutschein über 400 Mk., den er bei hiesigen Geschäften in Zah­lung geben kann. Der Rest der Mittel wird an die Änterstützu -gäempfä ger als Zusatz'mterfiützung in bar ausgezaylt. E-: wurden ferner an jeden Emp­fänger der Sozialrentnerfürsorge 14 Zentner Brennholz unentgeltlich ausgegeben. Dieses Holz (insgesamt 2700 Zentner) stammt aus auswär­tigen Waldungen und ist in den oben aufgeführten 41000 Zentnern nicht enthalten. Außerdem hat jeder noch im Oktober zwei Zentner Braunkohlen- Briketts unentgeltlich erhalten.

Für die Kapitalkleinrentner hatte das Reich auf die Zeit vom 1. April bis 30. September 1922 450 Millionen Mark zur Ver­fügung gestellt. Diese Mittel wurden unter der Bedingung gegeben, daß die Länder sich mit Vs un5 die Gemeinden mit 1 6 an den Kosten be­teiligten. Auf Gießen ftab folgende Beträge entfallen:

Aus Reichsmitteln 253 680 Mk.

Aus Landesmitteln 169 120 Mk.

Aus städtischen Mitteln 84 560 Mk.

Zusammen 507 360 Mk.

Diese erst nach Ablauf der Zeit, für die sie be­stimmt war, ausgeschüttete Summe wurde zur Winterhilfe bestimmt. Den Äler.trentnern, die sich in saufender Fürsorge bei ber Stadt befinden, wurde tm Oktober ber fünffache Be­trag einer Monatszuwendung, und am 1. No­vember nochmals der einfache Betrag einer Mo» natszuwevdung über diese hinaus gezahlt. Diese leh'grncmnte Maßnahme wiederholt sich am 1. De­zember und am 1. Januar. Diese Winterbeihilfen werden im Gegensatz zu den lausenden Beihilfen, die als Darlehen gegeben werden, unter Ver­zicht auf Rückgewähr aus dem bereinftigen Nachlaß des Rentners gezahlt. 3m August 1922 konnten an 210 Kleinrentner, also nicht nur an die, die sich in kmfenbe Fürsorge begehen: haben es sind dies zur Zell etwa 35. je 10 Zentner Brennholz zum Preise von je 37 Mk. ausgegeben werden. Ferner wurden im November 156 Kleinrentner mit: je 4 Zentner Kohlen bedacht. Der Preis betrug für Braunkohlen-Briketts 20 Mark, für Eifvom-DrikettZ 33 Mark und für Anthrazit-Kohlen 40 Mk. der Zentner. Die Hölz- und Kohlenlieserung wurde o h n e R e i ch s- unö Landesmittel durchzeführt. Die Ein­dickung der Kleinrentner mit Lebensmitteln wurde dadurch erleichtert, daß man sich die Forderung der Lebensmittelverkaufsstelle angelegen sein lieb, die die hiesige Ortsgrupve des Deutschen Rentner- bunbed selbständig gesch. f'en hat. Man Hai ihr aus Mitteln der Rentnerfürsorge bisher insgesamt 60 000 Mk. als unverzinsliches Darlehen ge­währt. Mit 10 000 Mk. wurde in gleicher Weise die Abteilung ^Bienenkorb" des Alice-Frauen­vereins unterstützt, die Bedürftigen, insbesondere auch Rentnerinnen, weiblich-e Handarbeiten ver­mittelt und ihnen dadurch einen angemessenen Verdienst vevscheftt. Daß endlich in der [tefigen GastwirtschaftZum Haberkasten" nachmittags und abends ein Raum ohne Verzehrzwang aus Mitteln der Rentnerfürsorge dauernd geheizt unb beleuchtet erhalten wird, war kürzlich in den Zei­tungen zu lesen.

Die Kriegsopfer und die Sozial- unb Kapital« fieinrentner stellen heute diejenigen Gesellschafts­schichten dar, die vorzugsweise der Hilfe bedürfen. Indessen gibt es noch eine ganze große AnzahS Angehörige des früheren Mittel­standes, die heute völlig mittellos sind. Sie zählen nicht zu den Kriegsopfern im engeren Sinne. Sie sind nicht in der Sozialversicherung gewesen, sie besitzen keinerlei Vermögen und können deshalb auch nicht zu den Kapitalllein- rentnern gezählt werden. Entweder haben sie ihre kleinen Ersparnifse in den Zeiten der Kriegs­not aufgebraucht ober sie sind bisher durch Die Fürsorge o^n Angehörigen erhalten worden, eine Fürsorge, zu ber diese jetzt vielfach nicht mehr imstande sind. Es sind Familien und Einzelpersön­lichkeiten, deren Lage unb Schicksal dem ber Klein­rentner durchaus gleicht, die aber nach den vvnl Reiche ausgegebenen Richtlinien nicht dazu ge­rechnet werden können. Für sie können infolge­dessen die Mittel des Reichs und des ßanbed nicht verwendet werden. Es ist das Bestreben des städtischen Wohlfahrtsamtes, auch diese Kreise nicht der öffentlichen Armenfür- sorge anheimfallen zu lassen und ihnen solange als irgend möglich Mit geeigneter vor­beugender Hilfe zur Seite zu stehen. Was die Winterhilfe insbesondere anlangt, so sind sie in die eingangs erwähnte Darlehenshilfe tin-

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 8100, Frankfurt a. M. 810082ofc