Ausgabe 
2.2.1922
 
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Nr. 28

Der Otetzener Nnzeio« erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatlich« vrzua,preise: Ml». 9.50 einschl. Träger, lohn, durch die Post Mk. 10. - einlchl. Bestell- gelb, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech - Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 ; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnach­richten: Anreiaer Siehe».

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Stonffurt a. M. 11686.

(12. Fahrgang

Oonnerstag, 2. Februar 1922

GießenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinörnderet R. Lange. 5chnstleitung, Geschäftsstelle und vruderei: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen» 34mmBreite örtlich 70 Pf., auswärts 90 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 300 Vf. Bei Platz. Vorschrift 20 ' Aufschlag. Sauptschriftleiler: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Äarl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Biegen.

Eifenbahnerstreik.

Die große EtatSrede des ReichSfinanz- ministerS hat das Elend unserer Finanzver- hältnisse aller Welt vor Augen geführt. Man sollte meinen, bafo 'unter diesen Umständen auch die Eisenbahner soviel Verantwortungs­gefühl und soviel Vaterlandsliebe haben sol­len, um in dem kritischen Stadium unserer Entwicklung nicht der Regierung unnötige Schwierigkeiten zu machen und unser Wirt­schaftsleben aufs schwerste zu bedrohen, wo wir stetige Arbeit und gründlichen Wieder­aufbau nötiger brauchen können, als irgend et­was anderes. Die Unrast und Tlnruhe, die alle Kreise beherrscht, ist ja freilich ein Kran- heitSsymptom unserer Zett, und da das deut­sche Volk heute von allen Völkern am schwer­sten erkrankt ist, sind solche Erscheinungen an sich nicht allzu verwunderlich. Aber gerade deswegen ist es besonders die Aufgabe der Regierung, diese Krankheitserscheinungen mit allen Mitteln und mit voller Tatkraft zu be­kämpfen. 0m letzten Augenblick hat sich da das Reichskabtnett besonnen, und es ist mit einer entsprechenden Kundgebung und einem besonderen, vom Reichspräsidenten gezeich­neten Gesetz an Die Oeffentlichkeit getreten, worin mit Gefängnis oder hoher Geldstrafe diejenigen bedroht werden, die zum Streik auffordern. Die Regierung, mit ReichSver- kehrSminister Gröner an der Spitze, hatte es bisher noch bei jeder Gelegenheit an der er­forderlichen Festigkeit und Tatkraft fehlen lassen und dadurch nicht nur die Begehrlich­keit, sondern auch den Geist der Gewissen­losigkeit und Rücksichtslosigkeit in weiten Krei­sen der Beamten und Angestellten genährt. 3n der kurzen Reichstagssitzung vom Sams­tag hat der Reichsverkehrsminister Gröner die Flucht in die Oeffentlichkeit angetreten und ein Geständnis abgelegt, das in geradezu er­schreckender Weise zeigt, was für eine Miß­wirtschaft im Reichsverkehrsministerium ein- gerissen ist. Anordnungen des Ministers wer­den von seinen Untergebenen nicht beachtet und als nebensächlich beiseite geschoben. Auch in der Reichspostverwaltung herrscht keine feste Autorität. Erst vor kurzem haben selbst sozial­demokratische Organe dem Reichspostminister GiesbertS bescheinigt, daß er stets bereitwillig gehorcht, sowie ihm von gewerkschaftlicher oder sonstiger Seite etwas befohlen wird. Hoffent­lich hat der jetzige Streik, den die gesamte Presse scharf verurteilt hat, das Gute im Gefolge, daß eine Besserung der unhaltbaren Verhältnisse angestrebt wirdl

Berlin, 2. Febr. (WTB.) Die Lage im Eisenbahner st reik ist zur Zeit noch un- gellärt. Der Streik hat sich bisher nur auf ein­zelne Teile Deutschlands ausgedehnt. Wie die Blätter melden, ist für heute immerhin mit einer vorläufigen Einschränkung des Fern­and Dorortverkehrs zu rechnen. Die eigentlichen Herde der Streikbewegung werden in dec Haupt­sache Teile von Rord- und Westdeutschland sein.

Hannover, 2. Febr. (WTB.) Das Zug­personal des Eisenbahndirektionsbezirkes verwei­gert den Dienst; es werden keine Züge abgelassen.

Der Verkehr im frankfurter Bezirk lahmgelcgt!

Frankfurt, 2 Febr. (WTB.) Wie uns von maßgebender Stelle mitgeteilt wird, ist der gesamte Eisenbahnverkehr im Frank­furter Bezirk lahmgelegt. Seit Mitter­nacht ist kein Zug mehr abgegangen, abgesehen von einigen Zügen aus Mainz, die vom Mainzer Zugpersonal geführt wurden. Auch der Ver­kehr auf den Strecken GießenKassel und Gießen Koblenz konnte auf­rechterhalten werden. Dagegen ist der überaus wichtige Verkehr von und nach dem Ruhrgebiet vollständig unterbrochen. Die drei Berliner Schnellzüge, die Frankfurt in den Abendstunden verlieben, wurden in Fulda auf- gehalten. äleber 800 Reisende liegen in Fulda fest und können nicht weiterbefördert werden. Es soll versucht werden, mit Rot- personal die Reisenden ihren Besttmmungs- orten zuzuführen. An dem Streik ist das ge­samte Lokomotivpersonal beteiligt, während alle anderen Beamten nicht geschlossen daran teilnehmen. Hunderte von Streikenden hatten sich in den frühen Morgenstunden in dem Frankfurter Hauptbahnhof angesammelt, wurden aber von der Schutzpolizei genötigt, den Bahnhof zu verlassen. Der Bahnhof ist zur Zeit von der Polizei gesperrt.

Die Ausführung der Verordnung des Reichspräsidenten.

Berlin, 1. Febr. (Wolff.) On Ausfüh­rung der Verordnung des Reichspräsidenten, welche die Arbeitsniederlegung der Eisenbahnbeamten für verboten erklärt und

die Aufforderung zum Streik unter Strafe stellt, ordnete der Polizeipräsident folgende Maßnahmen an:

Alle zur Durchführung der S t r e i k S be­stimmten Gelder sind zu beschlagnah­men. Die Drucklegung von Aufrufen,die Aufforderungen zum Streik enthalten, ist zu verhindern. Aufrufe zum Streik sind zu beschlagnahmen. Personen, die zum Streik auffvrdern oder sich nach § 316 des Straf­gesetzbuches strafbar machen, sind festzu- nehmen. Der § 316 bedroht mit schwerer Gefängnis- und Geldstrafe die zur Leitung von Eisenbahnfahrten und zur Aufsicht über die Bahnen und den DeförderungSbetrieb an- gestellten Personen, wenn sie durch Vernach­lässigung der ihnen obliegenden Pflichten den Transport in Gefahr setzen.

In Snddeutschland kein Streik.

Stuttgart, 1. Febr. (WTB.) Der Dvr- stanb des Larrbesverbandes Württemberg der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeam­ter hat heute nachmittag.einstimmig beschlossen, die jetzige Durchführung des Streik­beschlusses der Reichsgewerkschaft ab^u- lehnen, well das Abstimmungsergebnis des Beschlusses aus gewerkschaftlichen Gründen die Ablehnung des Streiks bedeute. Rach Mitteilung der Cisenbahngeneraldirektion Stuttgart sei bei der Besonnenheit und Pflichttreue des württem- bergischen Personals zu hoffen, daß der Streik in Württemberg vermieden wird.

München, 1. Febr. (WTB.) Wie die Münchener Reuesten Rachrichten" mitteilen, mißbilligt das bayerische Verkehrs­personal das Vorgehen der Reichsgewerkschaft entschieden und denkt seinerseits nicht an einen Streik. Weiter erfährt das Blatt, daß der baye­rische Derkehrsbeamten-Verein den Streik mit der gleichen Entschiedenheit ablehnt, die er gelegent­lich des Ausbruches des letzten wilden Streiks in Westdeutschland an den Tag legte. Auch der StaatStochlcker-Verband weist jeden Streikgedan­ken von sich. Der Deutsche Eisenbahnerverbarrd will erst Weisungen von Berlin abwarten.

Karlsruhe, 2. Febr. (WTB.) Wie unS von zuständiger Stelle gemeldet wird, hat sich in den badischen Verkehrsverhaltnissen nicht das geringste geändert.

München, 2. Febr. (WTB.) Rach- dungen, die bis heute nacht bei den hiesigen amtlichen Stellen vorliegen, soll sich der Streit eines Teiles der Eisenbahner auf verschiedene Gebiete Württembergs und Sachsens er­strecken. Auch in den hiesigen Eisenbahnwerkstät­ten ist das Lvkvmvtivpersonal in den Streit getreten.

Keine Ucbcrtrannnn auf das besetzte Gebiet.

Wiesbaden, 1. Febr. (Wolff.) Die inter­nationale Feldeisenbahnkommission in Wiesbaden hat mitgeteilt, daß die Rheinlandskom­mission im Einvernehmen mit dem Oberkom­mandierenden der Rheinarmee beschlossen habe, den Streik der Eisenbahner im besetzten Ge­biet nicht zu büßen. Auch hat der Vorsitzende der Deichsgewerkschaft des Direktionsbezirks Köln die Erklärung abgegeben, daß die Reichsgewerk­schaft beschlossen habe, den Streik nicht auf das besetzte Gebiet auszudehnen.

Mainz, 2. Febr. (WTB.) Die Bezirks­leitung der Reichsgewerkschaft deut­scher Eisenbahner erklärt in einem Auf­ruf. daß die Anordnung der Bttrieb^ernstell ing für das besetzte Gebiet keine Gültig­keit habe und fordert die Eisenbahner auf, ihren Dienst zu versehen.

Die Stockung in Leipzig.

Leipzig, 2. Febr. (WTB.) Hier konnten keine Züge abgelassen werden. Der Hauptbahnhof wurde durch die Polizei gesperrt.

Eine Erklärung besonnener Organisationen.

Berlin, 1. Febr. (WTB.) Der Hauptvor­stand der Gewerkschaft deutscher Eisen­bahner und Staatsbediensteter hat folgende Entschließung angenommen: Die Reichs» gewerkschast hat den Eisenbahnbeamtenstreik pro­klamiert. Sie hat es vermieden, sich mit dem übrigen großen Organisationen der Eisenbahner in Verbindung zu setzen und dadurch auf die Ein­heitsfront verzichtet. Sami1 ist dieser Bewegung von vornherein jede Möglichkeit des durchschlagen­den Erfolges genommen, um so mehr, als große Gruppen der Reichsgewerkschaft öffentlich gegen den Streik Stellung nehmen und das Vorgehen der Reichsgewerkschaft als Rarrenpolttik bezeichnen. Entgegen allen gewerkschaftlichen Grundsätzen wurde der Streikbeschluß mit 20 gegen 15 Stim­men bei einer Stimmenthaltung beschlossen, läßt also die erforderliche Zweidrittelmehrheit ver­missen. 3m eigentlichen ge^chäftsführenden Vor­stand der Reichsgewerkschaft ist das Stimmen­verhältnis sogar 4 zu 4. Das unbefriedigende Ergebnis der letzten Oanuarverhandlung zusam­men mit den ungenügenden früheren Maßnahmen von Verwaltung, Regierung und Reichstag gegen­über der Rotlage der Beamten und Arbeiter hat eine tiefgebende Unzufriedenheit unter einem gro­ßen Teil der Beamtenschaft unb anher ben Ar­beitern hervorgerufen. Deshalb hat die Gewerk­schaft deutscher Eisenbahner und Staatsbediensteter gemeinsam mit ihrer Spihenorganisation, dein Ge- Ifamt. erbaute deutscher Beamten- u. Staa:sange° stellten-Gewerkschaiten (D. D.) erneut sofort Ver­handlungen mit der Regierung angeknüpft. Diese

Verhandlungen sind heute zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Ihr Ergebnisse beziehen sich in der Hauptsache auf die üleberteuerungszulage an Beamte und Arbeiter, deren schnellste Aus­zahlung gesichert ist, auf die sofortige Gewährung einer Rangierzulage, die sofortige Auszahlung restlicher diätarischer Bezüge usw. Die Lage des deutschen Volkes ist zur Zeit die allerernsteste. Die Konferenz von Genua steht vor der Tür, von der Deutschland, wenn auch noch nicht die Revision des Vertrages von Versailles, so doch immerhin eine wesentliche Erleichterung der Lage erhofft. Mit großer Mühe hat die Regierung das Steuerkompromih gesichert, um die CBorbebingung für den erhofften Erfolg von Genua zu schaffen. Angesichts aller dieser älmstände lehnt der große Vorstand der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner unb Staatsbediensteter ben Eisenbahnerstreik ber Deichsgewerkschaft ab. Vielmehr hat jedes Mit­glied der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner nach wie vor seinen Dienst auszuüben.

Dieser Erllärung haben sich angeschlossen: Deutsche Derkehrsbeamten-Gewerkschaft, Verband deutscher Eisenbahn-Bahnmeister.

Die Haltung des Rcichsverbandes der Postbeamten.

Berlin, 1. Febr. Während die Organi­sationen der mittleren Beamten, ferner die christ­lichen und freigewerkschasllichen Eisenbahner, so­wie der Hirschi-Dunckersche Verband teils gegen den Streik, teils neutral sind, beschloß ber Reichs- üeibanb ber Postbeamten, die den Streik leitende Reichsgewerkschaft mit 50 000 Mark pro Tag zu unterstützen.

Gras Westarp und Dr. Rathenau.

Zur©teuer der Wahrheit" veröffentlicht der deutschnationale Abg. Graf Westarp folgende Erllärung:

3n einem Bericht über eine Rebe von mir in München, der auch sonst nicht authentisch ist, schreibt dieDossische Zeitung", ich hätte gegen Herrn Rathenau »den bekannten, unwahren Vor­wurf" erhoben,man müsse das deutsche Volk nur tief genug in die Rot führen; mit diesem guten Willen könne man die (Sitten teforberun gen er­füllen". Der Vorwurf der älnwahrhett zwingt mich zur Erwiderung. 3ch habe mich in mehrer Mün­chener Rede genau an den Wortlaut des Steno­gramms ber Reichstagssitzung vom 2. Juni ge­halten, nach bem Dr. Rathenau (3744 u. f. Seite) folgenbeS wörtlich auSgeführt hat:

Wenn ein Papier bie Unterfdjrift meines Hauses ober meines Ramens ober gar bie Unter» schrift meines Volkes und Reiches trägt bann ver­teidige ich diese Unterschrift als meine Ehre (sehr gut bei ben Sozialbemotraten) unb als die Ehre meines Lanbes. (Zurufe rechts.) 3ch halte sie n u r für erfüllbar, wenn wir entschlossen sind, unsin tiefeRvtzu begeben. Dar­auf kommt es an. (Sehr richtig bei den So­zialdemokraten, Zurufe und hört hört rechts, er­regte Zurufe bei den Kommunisten.) Zwischen Richterfüllen und Erfüllen liegt der, Faktor der Rot. Die Rot hätte ich gern vermieden, die kom­men wirb, wenn wir ehrlich erfüllen sotten. (Er­neute Zurufe rechts.) Ob man erfüllen kann, hängt von bem Maße ber Rot ab, in bie man sich begibt. Es gibt keine absolute Unerfüllbarkeit denn es banbeLt sich lediglich darum, wie tief man ein Volk in Rot geraten lassen darf."

Hiernach kann ich bas UrteU, wo die Unwahr­heit liegt, bem verehrten Leser überlassen, unb ich warte ab, ob bieVossische Zeitung" so loyal fein wirb, ihren Vorwurf richtig zu stellen.

Die Ueberspannnng des Militarismus in Frankreich.

Paris, 1. Febr. (WTB.) Wie einige Morgenblätter melden, steht eine Umge­staltung ber geplanten Militärrefvrm bevor. Trotz ber Herabsetzung ber Dienstzeit verursache bie Durchführung ber Barthou- schen Reform eine Mehrausgabe von 500 Millionen Frank. In ben Wan- belgängen ber Kammer soll sich gestern Vi- viani sehr scharf gegen ben Gesetzentwurf ausgesprochen haben. Er habe sogar erklärt, man dürfe sich bann nicht wundern, wenn Frankreich in ber Welt bes Militarismus unb Imperialismus bezichttgt werbe. Wenn ber Gesetzentwurf so angenommen werbe, werde er Frankreich nicht, wie er ver­sprochen habe, auf ber Konferenz von Genua vertreten. Jetzt wird angekün­digt, daß bie Regierung den Gesetzentwurf zurückziehen werbe, um ihn umzuarbeiten.

Eine deutsch-russische Luftverkehrs gesellschast.

Berlin, 1. Febr. (WTB.) Die russische Regierung hat mit der Aerounion A. G. in Berlin eine Gesellschaft unter dem Ramen .Deutsch- russische Luftverkehrs-Gesellschaft" gegründet Die Gesellschaft veab ichtigt, vom Früh­jahr ds. Is. ab einen regelmäßigen Luftverkehr zwischen Deutschland und Rußland mit Verkehrs­flugzeugen der russischen Regierung zunächst auf der Strecke Königsberg Moskau im An­schluß an den Berliner Rachtschnellzug und um­gekehrt zu unterhalten. Die Vorarbeiten, bei denen Sie neuesten Errungenschaften der Flugtechnik Be­

rücksichtigung finden, werden von deutschen und russischen Fachleuten geleitet. Mit der Organisa­tion des Streckendienstes ist die deutsche Luft­reederei beauftragt. Der Verkehr soll in erster Linie dazu dienen, die amlliche Kurierpost vov Berlin nach Moskau und uiugetchtt zu beförbem. Die Deförderungsdauer, welche gegenwärtig saft eine ganze Woche beträgt, wird dadurch auf 22 Stunden herabgesetzt werden. An der Aerv' union QL G. sind u. a. die A. G. G., die Hamburg- Amerika-Linie und der Zeppelinkouzem betei­ligt. Die deutsch-russische Lustverkehrs-Gesellschaft ist auf ähnlicher Basis wie die Deutsch-russische Transport-Gesellschaft ausgebaut, deren Mitbe­gründerin ebenfalls die Hamburg-Amerika- Linie ist.

Die Vorgänge bei der Regierungsbildung in Hessen

werden in der Presse noch immer erörtert. Von verschiedenen Seiten (auch aus dem demokrati­schen Lager) wird behauptet, daß die Taktik des Zenttums keineswegs geeignet gewesen sei, den Gedanken dergroßen Koalttion" ernsthaft in die Tat umzusehen. Die Zentrumspresse wendet sich mit Entschiedenheit gegen diese Kritik, und der Zentrumsabgeordnete Ruß spricht in ver­schiedenen Blättern vonVerdächtigungen", die dem Zentrum gegenüber angewandt werden. Dieses habe sich ehrlich und offen für den Ein­tritt der Deutschen Volkspartei in die Koalition eingesetzt.

Wie liegen, so schreibt man uns aus Darm­stadt, die Dinge? Am 24. Dezember 1921 hat die hessische Zentrumspresse dieRichtlinien" ihres Landesausschusses zur Regierungsbildung veröffentlicht. Rach diesem war für das Zentrum die Wiederkehr der a Iten Koalitionnicht in erster Linie erstrebenswert". Dagegen sei eine Verbreiterung der Koalition nach rechtsaus Gründen des Allgemeinwohls erstrebenswert". Eine rein bürgerliche Regierung aber seiunter keinen ülmständen" zu verwirklichen.

Dann fahren dieRichtlinien" fort:So blieb für den Fall, daß sich eine Erweiterung derKoa­lition im gegenwärtigen Augenblick wirklich nicht erreichen ließ, nur bie Wiederkehr der alten Koalition übrig, jedoch muhte alles daran gesetzt werden, daß der Weg zur durchaus wüpschenswerten Verbreiterung nicht von vorn­herein verlegt würde". Mit diesen Richtlinien so schrieb die Zentrumspresse trat die Frak­tion in die parlamentarischen Verhandlungen über die Regierungsbildung ein.

Schon diese Art der Festlegung läßt er­kennen, daß sich das Zentrum ziemlich leicht mit der alten Regierungsgrundlage abgefunden hat. Sie mußte aber an Wert völlig verlieren, wenn das Zentrum in den Verhandlungen mit den anderen Parteien feine Bereitwilligkeit, auch mit der alten Koalition zu regieren, sogleich er­kennen lieh. Daß dies geschehen ist, geht aus der Rede hervor, die Aba. Obenauer (Dem.) auf dem Parteitage in Ober-Ingelheim gehalten hat. Wir wiederholen den Wortlaut:

Gleich die erste Sitzung gab bem ganzen späteren Verlauf der Verhandlungen Richtung und Ziel, und zwar dadurch, daß der Führer der Zentrumsfraktion erllärte, daß zwar das Haupt­bestreben der Zentrumspartei auf eine Erweite­rung der alten Koalition durch Hereinnahme der Deutschen Dolkspartei gerichtet fei, daß sie aber auch, wenn dies nicht möglich fei, sich mit dem Zustandekommen der alten Koalttion abfinden werde. Diese Mitteilung des Zentrums war na­türlich für die Soziall>emokraten der Richt­punkt, nach dem sie in den ganzen Verhand­lungen über die Regierungsbildung ihr Ver­halten einrichten konnten. Mit andern Worten bedeutet dies, daß die Sozialdemokraten sich auf den Standpunkt stellten, für uns kann überhaupt nur die alte Koalttion in Frage kommen."

Zu dieser befremdlichen Mitteilung des Abg Obenauer erllärte die Zeulrumsfrakliou im Mainzer Iournal" (19. Januar) auf das Be­stimmteste, daß sie weder von ihrer offiziellen Erklärung in der Sitzung des Landtags vom 20. Dezember 1921 noch von der Darlegung in der Presse ein Wort zurüchunehmen hat? Eine Er- flärung darüber, ob die Ausführungen des Abg. Obenauer falsch ober richtig seien, vermißt man in dieser Erwiderung. ES kommt wir wiederholen es vor allem darauf an, ob das Zentrum tatsächlich schon in den ersten Be­sprechungen zwischen den Parteien der alten Koa- litton feinen Plan befanntgegeben hat, sich auch mit der früheren Mehrheit abzufinden. Ist dies geschehen (Abg. Obenauer behauptet es), so ist es ohne weiteres verständlich, daß die Sozial­demokratie gar keinen Anlaß hatte, eine Erweite­rung der Koalition zu wünschen. Auch das Organ der Demokratischen Partei (Hess. Volkszeitung Rr. 4) kommt zu dem Ergebnis:

Die Darstellung des Abg. Obenauer auf dem Ingelheimer rheinhessifcheu Parteitag über die Regierungsumbildung ließ die Frage offen, ob die Haltung des Zentrums auf innerer Abnei­gung gegen die große Koalition oder auf un­geschickter Taktik beruhte. Dermiach (nach der Erllärung im Mainzer Iournal) fällt die Annahme einer inneren Abneigung des Zen­trums gegen die große Koalttion fort und es bleibt nur die andere Alternative."

Das demokratische Blatt kommt also zu bem I gleichen Ergebnis wie ber D. Tägl. Anz. vom 21. 3anuar:Wenn das Zentrum ernstlich die I Stärkung des bürgerlichen Elementes in ber Re-