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Wedfonto:
i. M. 11686.
Erster Blatt
172. Zahrgang
Montag, 2. Januar 1922
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Drud un- Verlag: Vrühl'fche Univ. Buch- und Steln-ruckerei R. Lange. Schristleltung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.
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Einigung mit den Eisenbahnern.
3n den Verhandlungen zwischen der Reichsverkehrsverwaltung und den Spitzenorganisationen der Eisenbahnangestellten und -Arbeitern istj es bei den Besprechungen», die im Laufe des Nachmittags am 31. Dezember stattfanden, zu einer Verständigung gekommen.
ES ist dringend zu wünschen, daß nunmehr die Organisationen ihren ganzen Einfluß geltend machen, um die Gefahr des Verkehrsstreikes völlig abzuwenden und die schon im Ausstande befindlichen Eisenbahner zur Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen.
Heber die
Verhandlungen in Berlin
liegen folgende Meldungen vor:
Berlin, 31. Dez. Nachdem das Kabinett heute vormittag beschlossen hatte, auf dem Standpunkte bezüglich der Ablehnung einer einmaligen Wirtschaftsbeihilfe zu verharren, machten die Vertreter des Verkehrsministeriums in der Nachmitlagsverhandlung zunächst den Vorschlag, für das besetzte Gebiet in den nächsten Tagen besondere Verhandlungen zu führen. Die Orte im besetzten Gebiet sollten einen Heber- teuerungszuschuh erhalten, wie er bereits im unbesetzten Gebiet bezahlt wird. Die Zahlung dieses TleberteuerungSzuschusses ist neben der DesetzungSzulage rückwirkend vom 1. Oktober an mit 50 Pf. für die Stunde gedacht. Sofort sollten 300 Mk. zahlbar sein.
Das Derkehrsministerium erklärte, daß diese vorläufige Maßnahme die allgemeinen Verhandlungen keineswegs aufhalten noch beeinträchtigen sollte, sondern daß es sich hier um eine Nvtstandsaktivn handele. Die Verhandlungen über die allgemeine Zulage für Beamte, Arbeiter und Angestellte sollen am 5. Januar beginnen und mit größter Beschleunigung durchgeführt werden. Von .der Vertretung des Deutschen Eiscn- bahnerverbandes wurden diese Vorschläge zunächst abgelehnt, zum Schlüsse wurde aber dvch eine Einigung aus ähnlicher Grundlage erzielt.
0m weiteren Verlaus der Verhandlungen ist dann folgendes
Hebereinkommen
erzielt worden:
Berlin, 31. Dez. Das Ergebnis der Verhandlungen im Reichsverkehrsministerium über die Beilegung des Eisenbahner st r e i k s läßt sich in der Hauptsache in folgenden Sätzen zusammenfassen:
1. An die Stelle des bisherigen Ortsklassenverzeichnisses des Lohntarifvertrags tritt das vom Reichstag beschlossene Orts- k l a s s e n v e r z e i ch n i s für die Reichsbeamten, dessen Verkündigung im ReichSgesehblatt unmittelbar bevorsteht, mit den Aenderungen, die bis zum 1. März 1922 durch einen Reichsrat- und Reichstagsausschuß, noch getroffen werden sollen. Soweit in einzelnen Orten das bisherige Ortsklassenverzeichnis des Lohn- tarifverttages eine höherse Einstufung als das nunmehr übernommene Verzeichnis vorsieht, wird den Arbeitern, solange sie an einem solchen Orte beschäftigt bleiben, für die Dauer der Gültigkeit des Tarifvertrages der Unter» schiedsbettag als persönliche Zulage svrtgewährt.
2. An allen Orten, an denen bisher im ßohntarifverttag Heberteuerungszuschüsse vereinbart worden waren, werden diese mit Rückwirkung vom 1. Oktober um eine Mark pro Stunde erhöht.
3. Om besetzten Gebiet werden vorläufig mit rückwirkender Kraft ab 1. Oktober an den Orten, die sowohl nach dem Bisherigen Ortsklassenverzeichnis des Lohntarifs, als auch nach dem nunmehr übernommenen Deamten- OrtSklassenverzeichnis zur Ortsklasse A gehören. die Heberteuerungszuschüsse um eine Mark pro Stunde erhöht.
4. Weitere Verhandlungen über die Ortsklassen und allgemeine Verhandlungen werden für den 5. Januar 1922 zugesagt.
5. 0m Anschluß an die Verhandlungen zu Ziffer 4 werden mit größter Beschleunigung die Heberteuerungszuschüsse mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 zwischen den vertragschließenden Parteien endgültig geregelt.
6. Die Streiktage werden nicht bezahlt. Maßregelungen wegen Arbeitsniederlegung finden nicht statt, Vorbehalten bleibt jedoch die Verfolgung von gewalttätigen Eingriffen in Verwaltungsbettieb und Verkehr.
7. Die Ausführungsvereinbarungen zwischen den vertragschließenden Parteien folgen.
8. Die vertragschließenden Vereinigvngen verpflichten sich, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auf sofortige, Wiederaufnahme der Arbeit b*n>nc virken.
Eine Erklärung des Reichsverkehrsministeriums.
Berlin, 1. 0km. Zu dem Abkommen, das zwischen der Regierung und den Eisenbahnerorganisattonen zur Beilegung des Eisenbahnerstreiks vereinbart wurde, wird vom Reichsverkehrsmini st erium ergänzend mitgeteilt:
Die nunmehr getroffenen Vereinbarungen bewegen sich genau in der seinerzeit von der Regierung eingefdüageneh Richtung; sie stellen die Angleichung der Löhne der Cisenbahnarbeiter an die Industrielöhne, wenn auch nur zum Teil in den Orten her, wo zwischen beiden ein Mißverhältnis besteht. Die gleichmäßige Festlegung der Erhöhung auf 1 Mark pro Stunde ist nur vorläufig und soll in den weiteren Besprechungen auf das für den Eiirzelfall zutreffende Maß gebracht werden. Auch die Hebertragung des Ortsklassenver- zeichnisses der Beamten auf die Arbeiter ist eine Maßnahme, die in den Vorschlägen des Reichsverkehrsministeriums bereits enthalten gewesen ist. Wesentlich ist, daß eine Rückwirkung der Maßnahmen auf den 1. Oktober statt- findet, so daß alle von dem Abkommen betroffenen Arbeiter in kürzester Zeit in den Besitz besonderer Geldmittel kommen. Daß Streiktage nicht vergütet werden, ist schon deswegen eine Selbstverständlichkeit, weil der Tarifbruch den Anspruch auf die Gegenleistung ohne weiteres beendet. Man kann andererseits verstehen, daß sich Maßregelungen aus Anlaß des Streiks auf die Verfolgung von gewalttätigen Eingriffen in Verwaltung, Betrieb und Verkehr beschränken; denn, abgesehen von den Handlungen gewalttätiger Personen, mit denen Mitleid nicht am Platze ist, sind erfahrungsgemäß bei derartigen wilden Streiks unverantwortliche Elemente die Hauptschuldigen, während das Personal in starkem Maße der Verführung zum Opfer zu fallen pflegt.
Die Verpflichtung der Organisationen, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln a u f eine sofortige Wiederaufnahme der Arbeit hinzuwirken, ist nach dem Zustandekommen der Vereinbarungen eine Selbstverständlichkeit Es muh erwartet werden, daß das Personal der Aufforderung nunmehr auch Folge leistet Wie weit im übrigen der regelmäßige Verkehr bereits in den nächsten Tagen einfehen kann, ist zur Stunde natürlich noch nicht zu übersehen, jedoch ist mit Rückschlägen, nam-mtlich in der Kohlenversorgung, jedenfalls für mehrere Tage zu rechnen, da sich erfahrungsgemäß derartige Verkehrs- und Betriebsstörungen erst in einiger Zeit auswirken.
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Berlin, 1. Jan. (WTB.) Die Ober- zugleitung der Eisenbahndirektivn teilt mit, daß im Berliner Zugverkehr die Lage die gleiche wie gestern ist, und daß der Betrieb nur mit großen Hnregelmäßigkeiten aufrechterhalten wird. Die Stadtb ahnzüge fahren durchschnittlich alle 20—30 Minuten. Auf den vom Stettiner Bahnhof ausgehenden Vorortsstrecken ruht der Verkehr vollständig. Aus den anderen Dorortstrecken wird er leidlich durchgeführt. Der Berliner Personen- und Fernverkehr wird fast durchweg bewältigt. Der Güterverkehr ruht fast vollständig bis auf einige Milch- und geschlossene Kohlenzüge.
Köln, 1. Ian. (WTB.) Die Streikleitung im Eisenbahnerstreik erklärt, an ihre Organe sofort einen Aufruf erlassen zu wollen mit der Aufforderung, am Montag früh 6 Hhr die Arbeit in vollem Umfange wieder aufzunehmen.
Dor der Konferenz in Cannes.
Die Pariser Finanz- und Wirtfchaftskonfercnz.
Daris, 31. Dez. (Wolff.) Die Havas- Agentur veröffentlicht folgende Mitteilung: Die industriellen und finanziellen Delegierten Frankreichs, Englands, Italiens, Ia- p a n s und Belgiens hielten unter Minister Loucheur mehrere Sitzungen am Quai d'Orsay ab. Die Beratungen führten zu der A b f a f f um g eines Planes, der dem Obersten Rat in Cannes vorgelegt wird. Eine autorisierte Persönlichkeit aus der Hingebung Lvucheurs gab dem diplomatischen Vertreter von Havas folgende Erklärung Über die Konferenz ab:
Die Delegierten der alliierten Staaten beschäftigten sich keineswegs mit der Frage der Reparationen, noch weniger behandelten sie die Probleme, die von der internationalen Wirtschaftskonferenz erörtert werden sollen Über deren Einberufung der Oberste Rat in Cannes auf Vorschlag der britischen und französischen Regierung zu entscheiden hat. Bisher ist übrigens noch keine Macht, insbesondere weder Deutschland noch Rußland zu dieser künftigen Konferenz eingetaben. D e Industtäe- und Finan-delegier: en faßten die Notwendigkeit einer internationalen Aktion ins Auge, um das Wirtschafts- regime in Europa zu verbessern. Sie überzeugten sich von der Solidarität, die nach dieser Richtung die verschiedenen Staaten miteinander verbindet. Das sei die französische These, die seit zwei Oahren von Frankreich verteidigt werde. Heute allgemein anerkannt würde die Handelskr ise, die in Europa infolge des Krieges herrsche. Sie würde wesentlich verstärkt durch das Versagen des russischen Marktes. Andere Staaten sähen ihren Wechselkurs in verhängnisvoller Weise finken. Ihnen müsse man zu Hilfe kommen. Es sei aber unerläßlich, von diesen Ländern formelle
I Garantien zu erhalten, um den Respekt des Pri- vatbesihes im Freihandelsverkehr und die Schaffung einer legalen Währung zu erlangen. Alle diese Bedingungen seien in einer einstimmig von der Wirtschaftskonferenz angenommenen Erklärung formuliert. Ein internationales Konsortium mit französischem und englischem Kapital unter der Mitwirkung Amerikas und Deutschlands werde gebildet. Auch die # Beteiligung Italiens und Japans, wenn auch in geringem Maße, sei hierfür gesichert. Es sei auch mit der Beteiligung Belgiens und Hollands zu rechnen. Zu bestimmen bleibe noch die Währung und wann die Mission des internationalen Konsortiums erfolgen soll. Diese Frage werde noch von den Finanzfachverständigen geprüft und sicher in einigen Tagen geregelt. Der vollständige Plan für das internationale Hnter- nehmen würde alsdann dem Obersten Rat zur Genehmigung vorgelegt.
Paris, 31. Dez. (Wolff.) Dem „Matin" wird aus London berichtet, in gut unterrichteten Kreisen erkläre man, Lloyd George werde schon am 14. Oanuar wieder in London sein. Nach einzelnen Meldungen aus London, wird Lord Curzon am kommenden Dienstag nach Cannes reifen, um an den Verhandlungen des Obersten Rates teilzunehmen.
Der internationale Finanzplan'
Heber das internationale Finanzkonforti u m, das von der zurzeit in Paris tagenden wirtschaftlichen Sachverständigenlonserenz zur Wiederherstellung deS internationalen Kredites in Europa empfohlen wird, wird noch folgendes Nähere bekannt:
Paris, 31. Dez. Die Hauptaufgabe des neuen Finanzkonsortiums, das geschaffen werden soll, wird zunächst darin bestehen, die Eisenbahnlinien, Wasserstraßen und Häfen, die nicht mehr in Betrieb sind, zu übernehmen und ihre frühere Tä.i^kttt wieder herzustellen. Auch alle anderen notwendigen industriellen und kommerziellen Aufgaben sollen von diesem Konsortium gelöst werden. Das Kapital des Konsortiums ist auf 20 Millionen Pfund Sterling feft- gesehtt Die Aktien sollen zu gleichen Teilen England, Frankreich, Italien, Amerika Deutschland übergeben werden. Eine scywächereDeteiligung ist für Belgien und Holland vorgesehen. Hrsprünglich sollte sich b.L Sitz dieser neuen Gesellschaft in England befinden, weil dieses den valutarischen Schwierigkeiten der anderen Länder nicht ausgesetzt ist, doch hat man diesen Gedanken aufgegeben. Nicht die Regierungen selbst sollen die iw.wendigen Kapitalien liefern, sondern Banken und Privatbankiers. Für Deutschland ist jedoch die Bedingung vorgesehen, daß die Hälfte des zu zeichnenden Kapitals dem Reichrschatz entnommen werden soll. Ein Teil der Gewinne, die Deutschland aus diesem Unternehmen erzielen wird, soll der Reparationskvmmißion übergeben werden.
Die deutsche Regierung hat zwar als Regierung keine Stimme im Verwaltungsrat, doch würde sich ihr Einfluß insofern geltend machen können, als sie ja die Hälfte des von Deutschland aufzubringenden Kapitals zu zeichnen hätte. 3m Verwaltungsrat selbst werden die Länder gemäß der Höhe der von ihnen gezeichneten Beträge vertreten sein.
Die Rolle der „Financial Corporatton" bestünde darin, in jedem Lande 3toeigen ft a 11 e n zu schaffen, wenn die Kapitalien der einzelnen Länder in Anspruch genommen werden sollten. Ursprünglich hatte man die Absicht, das Pfund Sterling a u r offiziellen Fi - nanzeinhe i t des Unternehmens zu machen, so daß alle Geschäfte in Pfund hätten abgeschlossen werden müssen. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht angenommen, da die einzelnen Länder so zur Spekulation in Pfund Sterling gezwungen worden wären und gegen ihre eigene Valuta hätten Sturm laufen müssen.
Bezüglich der Staaten, denen Hilfe gebracht werden soll, sind gewisse Garantien, Die von ihnen zu stellen sind, vorgesehen. Für die Garantien, die Rußland anbieten würde, würde dessen offizielle Anerkennung in Aussicht genommen werden. Die englische Abordnung in Paris gab der Ansicht Ausdruck, daß zunächst eine engttsch-fran- zösifche Kommission die ganzen Angelegenheiten in ib-en Einzelheiten regeln solle, während die Belgier und Italiener später an der Debatte teil» nehmen sollten.
Dieses Programm wurde eingehalten. Man sprach namentlich über zwei Punkte: Wie man die Zeichnungen anderer Länder außer England zustande bringen formte, und wie die Kapitalien heran gezogen werden konnten. Diese Probleme studierten die Engländer und Franzosen gestern noch. Heute soll ihr Bericht vorgelegt werden, und die Konferenz hofft, heute mittag noch mit ihren Beratungen zu Ende zu kommen, und das endgültige Projekt au3gearbeitet zu haben, das der Konferenz von Cannes vorgelegt werden soll.
Dieser Mitteilung sei noch hinzugefügt, was der „Petit Paris ien" zu melden w.itz. Danach würde die Vorrede des Dokuments über das eben geschilderte Projekt erklären, Dat> verschiedene Vorbedingungen erfüllt werden müßten. D'.e Länder, denen Hilfe gebracht werden solle, müßten gesetzgeberische Garantien für S cher- heit der Person und des Eigentums geben, ferner finanzielle Garantien, die sich 'besonders aus 'den Danknoteirumlauf beziehen. Privatleute können natürlich solche Garant en nicht gch.n. H er müssen die Regierungen einspringen. Darüber wird die große internationale WirtschaftskonserenK noch Näl^res zu entscheiden haben. Nicht nur die Neutralen, sondern" auch Deutschland und Rußland sollen an dieser Konferenz teilnebmen.
Ein ständiges französisch-englisches Komitee.
Paris, 1. Jan. (WTB.) Das „Journal des Debats" tellt mit: Die Dlldung eines ständigen französischen Komitees ist ins Auge gefaßt, das aus je einem Finanzier der beiden Mächte bestehen soll und mit Industriellen die verschiedenen Fragen zu prüfen habe, die gestellt werden könnten.
Inanspruchnahme der auswärtigen deutschen Guthaben?
Paris 31. Dez. „New Bork Herold" erklärt, daß Deutschland feine nächsten Verpflichtungen dadurch erledigen wolle, daß die deutschen Kapitalien im Auslande behoben werden sollen. Dr. Rathenau habe selbst zugegeben, daß sich bebeutfame Summen, die Deutschen gehören, im Aus lande befinden. Es wird deshalb vorgeschlagen, von diesem Guthaben 5 0 0 Millionen Gvldmark abzuheben. Würde Deutschland dies tun, so würde darüber in Frankreich große Befriedigung herrschen, und weitere Ultimata würden an Deutschland nicht abgesandt werden. Die Zahlung der Reparationsrate vom 15. Januar im Betrage von 500 Millionen würde für Deutschland den großen Nach eil haben, daß die deutschen Industriellen nicht imstande wären, sich Rohmaterialien zu beschaffen. Das könnte zum Zusammenbruch des gegenwärtigen industriellen Gedeihens Deutschlands führen, zur Zunahme der Arbeitslosigkeit und zur weiteren Ausdehnung des Ruins. Man müsse sich fragen, warum Deutschland dennoch selbst ein solches Angebot mache. Dies geschah deshalb, weil die deutschen Industriellen von ®ng[anb bereits unterrichtet wurden, daß zwar die offizielle Ditte um* Gewährung einer abgelehnt wurde,
daß aber die englischen Bankiers den deutsche^.Industriellen solche Beträge kreditieren wollen, die diese benötigen, um sich Rohmaterialien zu beschaffen. Großbri.annien bereitet sich bereits darauf vor, den Industriellen diese Anleihe eventuell selbst zu geben. Daraus erklärt sich das Angebot von Walter Rathenau und der anderen Industriellen, der Regierung die notwendigen Kredite geben zu wollen, da sie bereits wissen, daß sie von englischer Seite eine Anleihe erwarten können.
Entfchädignnqsabkommen mit der Entente.
Berlin, 31. Dez. Mit der englischen und französischen Regierung sind zwei Abkommen über die Bezahlung der in großem Hmfange erhobenen Schadensersatzansprüche von englischen und französischen Staatsangehörigen aus der Anordnung außerordentlicher Kriegsmahnahmen in Deutschland während des Krieges geschlossen worden.
Die englische und französische Regierung haben sich bereit erklärt, die von Deutschland anerkannten oder von den gemischten Schieds- gerichtshöfen festgesetzten Beträge aus dem Erlöse der Liquidation des deutschen Eigentums an ihre Staatsangehörigen zu bezahlen. Hierdurch ist ermöglicht, die Schadensersahansprüche der Engländer und Franzosen aus Artikel 297 des Versailler Vertrages ohne große, neben den Reparationsleistungen laufende Barzahlungen abzudecken.
Die Beratungen in Washington
Paris, 1. Ian. (Wolff.) Havas meldet aus Washington: Die maritime Kommis-, sion beendete ihre Arbeiten, nachdem gestern eine Einigung über die Tonnage der Schiffe, die Luftfahrzeuge befördern, erfolgt ist. Der Ausschuß erwartet nur noch die Antwort Frankreichs und Japans über die Resolution Root, die Angriffe von H-Dooten auf Handelsschiffe vollkommen verbietet. Heute beschäftigt sich der Hnterausschuß mit lern Vorschlag Root, betreffend die Regelung des H-Boot-Krieges.
Washington, 1. Ian. (Wolff.) Laut „Evening Star" soll die britische Konferenzdelegation angekündigt haben, daß Großbritannien auch weiter feinen Widerstand gegen Hnterseebootsangriffe auf Handelsschiffe aufrechterhalten werde, ohne Rücksicht darauf, ob die Entschließung Root angenommen wird oder nicht.
Washington, 31. Dez. (Wolff.) Der Marineausschuß hat sich gestern nachmittag• für mehrere Tage vertagt, um den Abordnungen Frankreichs Italiens und Japans Zeit zu lassen, auf die Antworten ihrer Regierungen bezüglich der Frage, ob iegliche Aktion von Hnter* eebooten auf Handels ~‘fe verboten fei, zu warten. Die Marinesachvx. ..änbigen werden inzwischen die französische Forderung, nach der Frankreich gestattet werden soll, 1927 bereits mit dem Dau von Ersahschiffen zu beginnen, beraten.
Hughes und Harding.
Paris, 31. Dez. Präsident Harding veröffentlicht eine Erklärung, worin er die Gerüchte von einer Abkühlung seiner Beziehungen zum Staatssekretär Hughes wegen der Auslegung des Viermächteabkommens bezüglich des Pazifischen Ozeans als Phantasie bezeichnet.
Die U Voot-Debatte.
Washington, 31. Dez. Heber die gestrige Sitzung der Marinekommission werden nunmehr die von Lord Lee, Admiral Le Bon und S a r r a u t gehaltenen Reden ausführlicher bekannt. Lord Lee erklärte, daß die Defu chtungen der englischen Admiralität und des englischen Pu-'


