■üferftetgt, zurückerflLttet werden soll, SaDigst In petner Sondersitzung des Kongresses verabschie- -et werde.--
Die Wahlen in England.
London. 31. Ott. (Wolff.) Mach einer vor- fäutigert Qljtftellimg bewerben sich am die 615 Sitze im Linier Haus 435 Arrronisten, 160 National-Liberale, etwa 300 unabhängige Liberale und mehr als 400 Arbeiterkandidaten. Die end- jg-ültige Aufstellrng der Kandidaten erfolgt am 4. November. Das Verhältnis der einzelnen Parteien zu einander ist noch unklar, abgesehen vom Gegensatz zwischen der Arbeiterpartei und den übrigen Parteien. 3rt einigen Teilen des Landes erhalten die National-Liberalen allgemein die Ain- »erstützung darch die Libevalen, wahrend in anderen Teilen die National-Liberalen durch die KL>nservativen unterstützt werden, für den Fall, daß sie sich verpflichten, die allgemeine.Politik •Sonor Laws zu unterstützen. Wahrscheinlich werde das für Schottland und einige Teile Englands geschlossene Wahlabkommen noch. weiter ausgedehnt werden. Das genaue Verhältnis zwischen den Koalitronskoniservativen und Sonar Law ?,|ft trricht ganz klar. 3n einigen politischen Kreisen heißt es, die Veden Hornes und Birkenheads in Glasgow schien darauf hinSttveisen, daß sie sich bis zu einem gewissen Grade abseits halten, würden.
Die Hochzeit Wilhelms II.
Ne uhork, 28. Oft.
Amerikanischen Blättern werden folgende Einzelheiten über die bevorstehende Hochzeit des ehemaligen Kaisers gekabelt:
Die Zahl der Gäste, die an dem nach der Trauung stattfindenden Frühstück teilnehmen werden, beläuft sich auf etwa 40. Sie werden am 4. November in Doorn eintreffxn. Am Abend -kommt die Prinzessin Schonaich-Carolath an mit ihrer jüngsten Tochter, der Prinzessin Henriette. Zwei andere Kinder der Prinzessin Schönaich- Garvlath, Prinzessin (Sarno und Prinz Ferdinand gehen später auch nach Doorn. Die drei Kinder werden gesondert in dem Haus am Eingang des Parkes wohnen. Am Morgen des 5. (November wird zunächst der Heiratskontrakt zwischen dem Kaiser und seiner Sraut unterzeichnet. Dieses Dokument wird u. a. auch Bestimmungen über das beiderseitige Vermögen enthalten. Es ist strenge Gütertrennung zwischen dem Brautpaar vereinbart worden.
Der standesamtlichen Trauung, die .von dem Bürgermeister von Doorn vollzogen wird, werden als Zeugen beiwohnen: Graf Carlos Sen» ting^Zehlesieen, ein Srüder des Grafen Senting von firner engen; Graf. Lhnden, ein Adjutant der Königin der Niederlande; Exzellenz Kan; Sykrr v. Jlsemann; General Graf Goltz aus Arnheim und der Sürgermeifter von Ameron- gen van dem Bösche. Die kirchliche Trauung wird der Hofprediger Dr. Heinrich Vogel leiten. Der Bibelspruch ist auf Wunsch des Kaisers derselbe, der auch bei feiner Trauung mit der verstorbenen Kaiserin mrgewandt wurde, nämlich Cvrinther I, 13, 13: „Sun aber bleiben diese drei, Glaube, Liebe, Hoffnung, aber die Liebe ist die größte unter ihnen." Am Frühstuck nach der Trauung nehmen u. a. teil: der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz und Prinzessin Adalbert, Prinz Heinrich, Prinzessin Margarete von Hessen, Sie Lieblingsschwester des Kaisers, urrd Fürst «Prstenberg; von Verwandten der Braut: Fürst Stolberg-Rohla, der Gatte der jüngsten Schwester r Staut, und Fürst Heinrich XXVII. von Reich jüngerer Linie.
5 Meldungen über eine „Privatkrönung" der künftigen Gemahlin Wilhelms II. sowie über eine angebliche Steinach- oder Voronoff-Operation des Kaisers werden demintiert.
Eine Meldung des „Vorwärts", wonach das Hochzeitsgeschenk des früheren Kaisers an die Prinzessin Hermine in der Hauptsache aus einem Brillantdiadem mit 700 Srillantsteinen im Werte von 800 Millionen Mark bestehen werde, ist vielleicht auch nur politische Tendenz- mache. Man muh jedenfalls zuverlässigere Mitteilung abwarten.
Aus dem Reiche
Sperre der Einfuhr von Auslandszucker.
Serlin, 31. Oft (WTS.) Die Einfuhr von Auslandszucker ist vom 16. Novem--
ber ab nur noch auf Grund deyordlicher Etn- fuhrbewilligung zulässig. Die Sperre der Einfuhr von Auslandszucker konnte vorgenommen werden, da damit gerechnet werden kann, daß der Mundbedarf der Bevölkerung aus der inländischen Ernte hinlänglich befriedigt werden kann. Die erste Verteilung von Zucker .neuer Ernte erfolgt im Laufe des Monats November.
Gegen übermäßigen Alkoholgenuß.
Berlin, 1. Nov. Um dem übermäßigen Alkoholgenuh zu steuern, ist vom Danziger Polizeipräsidium eine Verfügung ergangen, wonach die Offenhaltung der Likörstuben nur noch an drei Tagen der Woche und dann nur auf einige Stunden gestattet wird.
Aach einer Meldung des Derl. £ofaU anzeigers aus Breslau haben dort gestern sämtliche Gastwirtschaften von 3 bis 7 Ahr zum Protest gegen die Vervtdnung des Oberpräsidenten geschlossen, wonach für die Provinz Niederschlesien der Ausschank von Branntwein in der Zeit von 9 Ahr abends bis 8 Ahr früh verboten ist. Gleichzeitig fand eine Protestversammlung der Gastwirte statt, in der erklärt wurde, falls der Oberpräsident seine Verordnung nicht zurückziehe, würden alle Lokale geschlossen und das Personal entlassen werden.
Ein Nachspiel
zum Frankfurter Duchdruckerstreik.
Berlin, 31. Oft (Wolff.) 3n einer kleinen Anfrage wurde darauf hingewiesen, daß während des Buchdrucker st reiks in Frankfurt a. M. die streikenden Buchdrucker den Verkauf auswärtiger Zeitungen, die sonst neben den Frankfurter Blättern verkauft wurden, durch Androhung von Gewalt verhindert haben. Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, beantwortete der Minister des 3nnem die Anfrage folgendermaßen: Die Zusendung auswärtiger Zeitungen während des bo rügen Suchdruckerstreiks wurde durch die Organisation der Buchdrucker schon am Ort der Absendung verhindert, so daß nur ein verschwindend kleiner Teil auf Amwegen nach '^ranffurt a. M. gelangte. 3n fünf Fällen wurde ein Strafverfahren wegen Nötigung eingeleitet. Das wird erforderlichen Falles auch künftig geschehen.
Aus Stabt unb Laub.
Gießen, den 1. November 1922.
Die neuen Gisenbahnfahrpreise.
Heute tritt die vor einiger Zeit schon ange» kündigte Eisenbahnfahrpreiserhöhung um 100 Prozent in Kraft. Unter den zahlreichen Tarifsteigerungen, die wir seit der Aufhebung des Normaltarifs erfahren haben, ist das die zweite mit einer Verdoppeln ng der Fahrpreise. Der Einheitssatz für den Kilometer beträgt nunmehr 405, 213, 135 und 90 Pf. In den vier Klassen, gegen 7, 4,5, 3 und 2 Pf. beim ehemaligen Normaltarif. Die Schnellzugzuschläge sind gleichfalls erhöht worden, zugleich sind besondere Sä^ für foldye 1. Klasse vorgesehen Für Strecken über 150 Kilometer betragen die Zuschläge 270 Mark in der 1. Klasse, 180 Mark in der 2. Klasse unb 90 Mark in der 3. Klasse. Dennoch ist das FahrgÄd noch immer nicht das teuerste unter den Lasten des Wirtschaftslebens. Denn die Erhöhungsquote beträgt nunmehr erst das 45 - bis 50fachederFrie» densprelse. Die Auslandsfremden reifen noch immer fabelhaft billig bei uns, während das Sahnfahren für einen großen Teil der Deutschen trotz des noch erträglichen Teuerungsfaktors ein nicht unbedingt lebensnötiger Luxus geworden ist.
Ebenfalls mit Wirkung von heute ab tritt eine 50pr ozentige Erhöhung her Eifenbahngütertarife ein. Dem „Tag" zufolge wird zum 1. Dezember höchstwahrscheinlich eine weitere enorme Erhöhung der Tarife vor- genonunen werden, und zwar soll dann eine Verdo p pe lung der zu dieser Zeit geltenden Sätze eintreten.
Vornotizen.
— Tageskalender fürMittwoch. Stadttheater, 7 Ahr: „Die Trösterin". — Gro
ßer Hörsaal der Anwersität, 8V4 Ahr: Lichr- bildervorttag der Gesellschaft für Erd-' und Völkerkunde. — Astoria-Lichtspiele: „Die Pantherin" und „Virginia, die Heldin von Pantomac". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn die £iebe nicht wär'!" und „Baby Peggy". — Palast-Lichtspiele: „Iwan, der Schreckliche" und „Der unheimliche Fahrgast".
— Aus dem Stadttheater- Bureau. Wegen Grippe-Erkrankung von Fräulein Lu Wander kann in der 5. Frei- tag-Abvnnements-Vorstellung amFreitag, den 3. November, die Operette „Verliebte Leute" nicht gegeben werden. ES gelangt dafür zur Ausführung Gerhart Hauptmanns Diebskomödie „Der Biberpelz", die ursprünglich für einige Tage später geplant war. Die Ausführung des „Biberpelz" ist von der Bühnenleitung für diesen Monat vorgesehen worden, da Gerhart Hauptmann im November seinen 60. Geburtstag begeht.
— DieLigazumSchutzederdeut- schen Kultur eröffnet die Reihe ihrer Wintervorträge am Donnerstag, den 2. November, mit einem Lichtbildervortrag des Herrn Franz Bergmann-Wetzlar über: „Die deutsche Heimat". Die schönsten und wichtigsten Gegenden unseres Vaterlandes werden hier an Hand von über 120 interessanten Lichtbildern, meist eigene Aufnahmen des Vortragenden, geschlldert und im Bild vorgeführt. Vor kurzem fand der Vortrag in Wetzlar den ungeteilten Beifall der zahlreichen Zuhörer. Der Saal ist geheizt. Näheres ist aus dem Anzeigenteil ersichtlich.
— Die Sattler Vereinigung Gießen lädt im heutigen Anzeigenteil die Sattlermeister aus dem Kreise Gießen zu einer Besprechung zwecks Zusammenschluß am Freitag nachmittag ins Hotel Kobel ein.
ÄeLtervorausfage
für Donnerstag:
Erneute Trübung und Regenfälle, starke südliche Winde, wärmer.
Die Depression ist endgültig abgezogen, und hoher Drück hat sich hinter ihr aufgewölbt. Aeber der Nordsee und England liegen Tiefdruckwirbel, die sich mit großer Geschwindigkeit nähern.
**ZurückgenommeneCrnennung. Durch Entschließung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft vom 20. Oktober ist die Ernennung des Landwirtschaftsrats an der Landwirtschaftlichen Schule zu Alzey, Otto Becker, zum Landwirtschaftsrat an der Landwirtschaftlichen Schule zu Grünberg zurückgenommen worden.
** Die Vorbereitungen zuden Gemeinderatswahlen haben in einer Reihe von Gemeinden unseres Kreises recht eigenartige Tatsachen gezeitigt. Mehrfach sind Wahlvorschläge eingereicht worden, auf denen weniger Bewerber um die Gemeinderatssitze verzeichnet sind, als das betreffende Gemeindeparlament Sitze zählt, und in einer Reihe von Gemeinden ist überhaupt kein einziger Wahlvorschlag abgegeben worden. Beide Möglichkeiten sind im Wahlgesetz nicht berücksichtigt worden. Das Ministerium ist, wie wir hören, um Entscheidung in diesen Fällen ersucht worden.
** Der Gaspreis wird nach einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil vom 1. November ab auf 35 Mark für den Kubikmeter erhöht. •
Die Pässe ehemals polnischer Staatsangehöriger, welche durch Einbürgerung oder Option (Frauen auch durch Eheschließung) die deutsche Reichsangehörigkeit erworben haben, sollen von den Bürgermeistereien eingezogen und dem Kreisamt bis zum 15. No- oember übersandt werden.
** Vom Theaterverein wird uns geschrieben: Wie aus der Anzeige in der gestrigen Nummer ersichtlich, werden von heute an bis zum Samstag die Mitgliedskarten für 1922/23 ausgegeben, zum Preise von 55 Mk. für die einzelne
AvholesteHen des Gießener Anzeigers:
1. Am Riegelpfad,Ecke Ludwig-
strahe
2. Bahnhofstraße 33
3. Bahnhofstraße 45
4. Bahnhofstraße 64
5. Crednerstraße, Ecke strahe
6. Dammstrahe 34
7. Frankfurter Straße 9
12. Kreuzplatz 11
13. Krofdorf er Straße 10
14. Liebigstrahe 71
15. Lindenplatz 5
16. Ludwigsplatz 4
Friedr. Gikmeier, Zigarrengefchäft
Luise Joost, Zigarrengeschäft
3. Hermes, Papierwarengesch. Jakob Danh, Friseur Klinik- E. Merlau Nchf., Buchhandlung
Philipp Gans, Kolonialwaren Th. Schlierbach, Kolonialwaren, Jakob Maternus, Kolonialwaren E. Banse Heinrich Weber.
Zigarrengefchäft Christian Kuhn.
Kolonialwaren Filiale Petersen, Zigarrenhaus I. Reinhardt,
Kolonialwaren Heinr. Kalbfleisch, Kolonialwaren Peter Singel, Schreibwaren R.SchlabachNchf., Kolonialwaren Filiale Petersen, H. Treppinger Frau Jakob Filiale W.Moeser Karl Wetzel Nchf.,
Zigarrengefchäft Theo Schäfer Heinrich Driesch Otto Nachtigall,
Kolonialwaren Ernst Balke,
Kolonialwaren Eonrad Bender ll., Kolonialwaren Ehr. Schöirhals,
Kolonialwaren Justus Woelke, Buchbinderei Konrad Männche, Kolonialwaren Johann Bohl,
Kolonialwaren
17. Ludwigstrahe.EckeBiSmarck- strahe
18. MarburgerStraße 29 (Laden)
19. Marktstrabe 7/9
20. Neuenweg 38
21. Neustadt 41
22. Seltersweg 70
23. Steinstrahe 65
24. Stephanstraße 42, Ecke Bleichstrahe
25. Wallwrstraße 14
26. Weserstrahe 1
27. Wilhelmstraße 48
28. Wilsonstraße 15
29. Wolfstrahe 7. Ecke Kaiser- allee
8. Frankfurter Str., Ecke Klinik- strahe
9. Frankfurter Strahe 76
10. Friedrichstrahe 3
11. Kaiserallee 18, gegenüber Moltkestrahe
Karte. Dieser Preis setzt sich zusammen aus dem Mitgliedsbeitvag von 15 Mk. und zwei Gutscheinen za je 20 Mk., die bei der' Loftvng der Eintrittskarten für zwei Opernausführungen in Zahlung genommen werden und verfallen, toerm die auf den Stammplatz des Mitgliedes ausgestellte Eintrittskarte nicht abgehoben wird. Diese Einrichtung soll der Wiederholung eines Mißstandes vorbeugen, der sich im letzten Winter zeigte: es waren da zahlreiche Stammplätze zwar belegt, Über die Eintrittskarten in einer sehr großen Zahl von Fällen nicht eingelost worden, und da im Publikum die QHeinung vorherrschte, daß weitaus die meisten Plätze abonniert und daher für Nichtmitglieder nicht erhältlich seien, so blieben immer viele Plätze leer, und die Kaste des Vereins wurde dadurch schwer geschädigt Die Einführung von Gutscheinen wird hoffentlich di« Mitglieder veranlassen, ihre Plätze, falls sie diese nicht selbst benutzen können, bei Bekannten unterzubringen. Es sind vorläufig für jedes Abonnement zwei Opern in Aussicht genommen, also im ganzen vier Opern. Wiederholung einer Oper findet grundsätzlich nicht mehr statt. Das Landes- tbeäter hat u. a. zur Wahl gestellt: „Ariadne aus Naxos" (Stvauh), „Don Juan" und „Die Entführung" (Mozart), „Maskenball" (Verdi), „Wildschütz" (Lortzing). Wahrscheinlich wird mit „Don Juan" begonnen werden. Bis Sonntag nicht bc zahlte Stammplätze werden am Mon ^ag an andere Mitglieder und vomDienstagabanNeueintretend. vergeben.
Heutiger Stand des Dollars
10 Ahr vormittags:
Berlin 4575, Frankfurt a. M. 4600.
Der Elfenbeiner. *>
Nun liegt et vor mir: Der Elfenbeiner, Alfred Bocks neuester Roman, den Eingeweihte freudig erwarteten und Freunde froh begrüßten, der jetzt zur Allgemeinheit kommt und — das wissen wir — nicht nur unter hessischen Christbäumen als willkommene Gabe in feiner vornehmen Bescheidenheit Weihnachtsabend und mit seinem Inneren Werte Mußestunden der langen Winterabende verschönern wird. Denn, dies sei festgestellt, kein nervenpeitschendes Kinosujet gebietet dem Gang der Handlung. Stille, unsagbar traurige Menschenwege führt uns das Buch; und die Entwicklung der Gestalten, das tragische Fort- schreiten der Handlung folgt mit logischer und psychologischer Notwendigkeit aus den Charakteren, den Seelen der Personen des Romarts. Von Alfred Bocks „Elfenbeiner" gilt nicht, was Goethe einmal aussprach: „Der Roman ist eine subjektive Gpopee, in welcher der Verfasser sich die Erlaubnis ausbittet, die Welt nach seiner Weise zu behandeln. Cs fragt sich also nur, ob er eine Weise habe: das andere wird sich schort finden." ____
Edle Seelen tiefen, dunkle und dunkelste Falten irrender menschlicher Herzen lernen wir kennen. Aber nicht nur dem Psychologen und Philosophen ist Bocks neuestes Werk verständlich und ein Ge- rtuft; offenbart sich doch gerade im „Elfenbeiner" die Große des Schriftstellers, des Dichters Bock: er bietet auch heute wieder, eben in seinem „Elfenbeiner", echteste, beste Volksliteratur. „Eigentlichster Wert der sogenannten Volkslieder ist der, daß ihhe Motive unmittelbar von der Natur genommen sind. Dieses Vorteils aber könnte der gebildete Dichter sich auch bedienen, wenn er es verstünde." Diese Goethesche Mahnung vermochte Alfred Bock zu befolgen und wahrzumachen.
And nochmals weiß uns Goethe etwas in diesem Zusammenhänge zu sagen — das Thema des „Glfendeiners", die Charakterisierung des Titel- und Buchhelden: „Es ist traurig anzusehen, wie etn außerordentlicher Mensch sich gar oft mit sich selbst, feinen Amständen, feiner Zeit herum-
•) Roman von Alf red Bock. Leipzig, Verlagsbuchhandlung J.J. Weber 1922.
würgt, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen." (Aus „Kunst und Altertum".)
In feinem „Elfenbeiner" nämlich schildert Alfred Bock den Lebens- und Leidensweg eines Elfenbeinschnitzers, der künstlerisch erhaben über eine kleinliche Umgebung, an dieser, insbesondere an der Che mit einer ihm wesensfremden, weil wesensarmen, oberflächlichen und seelenlosen Frau zerbricht.
Der öde Alltag einer äußerlich und innerlich kleinen Stadt tut sich vor uns auf, des Dichters Mikroskop aber zeigt die buntschillernden Lebewesen, Menschen geheißen, in erbarmungslosester, aber naturgetreuester Schärfe. Die bösen Nachbarn, der treue Freund, die Schönheit des Taunus, eine traute Weihnachtsstube. Aeberall und immer fesselt uns pulsierendes Leben, wahrste Wirklichkeit. And die hochdramatische Schürzung des Knotens, der Höhepunkt, die Ruhepause, der Abklang, das Ende, dies alles atmet reinste Künstlerschaft.
Die Sprache des Werkes paart künstlerische Feinheit mit erfrischender Volkstümlichkeit. Einzelne Genrebildchen, die nicht selten am Eingänge eines neuen Kapitels geboten werden, erinnern, wenn wir sie uns in Farben denken, an Spitzweg- sche Kunst. Ich weise hier z. B. auf das neunte Kapitel hin. Der Beginn des siebenten Kapitels aber fei im Wortlaute gebracht:
„Der Sommer zog sich früh zurück. An feiner Statt erschien der Herbst und brachte Sturm und Regen. Im Schloßgarten ächzten und stöhnten die Säume, als ob ihr Stündlein gekommen sei. Am dir Freitafel bang, versammelte sich auf dem Adolssturm mit lautem Gekrächze ein Schwarm von Krähen. Drunten in der Wetterau breiteten Nebelfrauen ihr Gespinst."
Nicht zuletzt zeigt sich auch im Beschluß deS Romans der Wert des Dichters und des Werkes. Aus der Seelenafche des unvollendet dahinsterbenden Elfenbeiners erwächst seine prachtvolle Tochter: in ihr werden die guten Gedanken and Fähigkeiten des Vaters toelterleben und sich den Mitmenschen kundtun. Auch wir wissen, legen wir das Buch aus der Hand, „daß unbesiegbarer Wille ihr Leben formte, daß die Kraft ihrer Seele sie höhwärts trug".
Dem Lobe, das der „Kunstwart" vor einigen Jahren dem Dichter, unserem Mitbürger, spendete, schließen wir uns aufrichtigen Herzens dankbar und freudig an: es sei aufs innigste zu wünschen, daß die Bücher Alfred Bocks recht tief ins Volk eindrängen. Friedrich List.
* * *
Eine Kampswoche gegen die Schundliteratur.
Aus Frankfurt q. M. wird uns geschrieben :
Frankfurt hat sich gerüstet zum Kampfe gegen die Schundliteratur, die ja noch nie so üppig gedeihen konnte, wie gerade jetzt. Die Jugendlichen verdienen gut, und die Großstadt bietet genügend schmutzige Verlockungen feil. Wie groß das Schuldkonto der Schundliteratur ist, davon tonnen Jugendgerichtshöfe und Erziehungsanstalten traurige Beispiele erzählen. Die Jungen, Anerfahrenen, Abenteuerlustigen, die das Leben nicht kennen, lassen sich nur zu leicht verführen, schwärmen für die Helden der grellbunten Heftchen, wünschen es ihnen gleich zu tun, finden willig Kumpane, und das Ende ist Polizeigewahrsam oder Besserungsanstalt. Beides wird nicht viel mehr helfen, wenn der ®cTt verseucht, die jugendliche Seele durch das eile Gift verdorben ist. Seit Jahren schon führen Schulen, Jugendverbänds und Jugendamt den Kampf gegen diesen Feind der Jugend, der sich in tausenderlei Gestalten verbirgt, der hundert Schlupfwinkel und Helfershelfer hat, und der kaum zu fassen ist. Nun haben die verschiedenen Vereinigungen unter Führung des städtischen Jugendamtes einen planmäßigen Feldzug organisiert, eine Kampfwoche gegen die Schundliteratur, bei der mitzuwirken jeder Gutgesinnte und um das seelische Wohl unserer Jugend Besorgte aufgefordert wird.
Man hat sich zuerst an die Vereinigung der Papier- und Schreibwarenhändler der Stadt gewandt, damit diese den Handel mit minderwertigen Schriften bei ihren Mitgliedern kräftig unterbrächt und Sorge trägt, daß nur gute, ge- - haltvvlle Lektüre an Jugendliche verkauft wird. Die Bereinigung hat sofort ihre Zusage und das Versprechen gegeben, mit allen Mitteln den
geistigen Schund und Schmutz zu unterdrücken Durch Ausschreibung eines Schaufensterwettbewerbes hat man sie besonders zu interessieren gewußt, und die Jugend wird staunen, wenn sie die Fülle der guten Bücher, die noch dazu preiswert sind, in den Buch- und Papier- läden mit aufmerksamen Blicken betrachtet. Mit bestem Beispiel ist das .Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor borangegangen. Es hat eine große, jedermann zugängige Ausstellung guter Jugendschriften eröffnet, die vom Bilderbuch für die Kleinsten bis zum belehrenden Buch für die schon im Beruf Stehenden, alles zusammenfaßt, was nur auf dem Gebiete der Jugendliteratur zu frühen ist. And nicht nur die Jugend sollte diese Ausstellung besuchen, mehr noch die Eltern, Lehrherrn, Meister, wie überhaupt alle, welche Jugendliche beschäftigen.
Am nun aber die Geschäfte, welche trotz gütlicher Vorstellungen nach wie vor den Handel mit Schundliteratur betreiben, zu kennzeichnen und um gleichzeitig die Jugend vor diesen Gewissen losen zu warnen, sollen ihre Namen öffentlich bekanntgegeben werden.
Auch für die Jugendbüchereien plant man eine großzügige Aktion, man will die Bibliotheken der bestehenden Jugmdvererne za einer großen Zentralbücherei zusammenfaffen, dir noch ergänzt werden soll an belehrenden Schriften und Büchern. Diese Zentralbücherei soll dann die einzelnen Jugend vereine mit gediegenem Lesestoff versorgen. Nun aber fordert die Einrichtung einer solchen Bücherei größere Geldmittel, die vorläufig noch nicht vorhanden sind. Man hofft auf Zuschüsse von Staat und Stadt, und die Jugend selbst geht Gaben heischend mit Sammelbüchsen durch die Straßen der Stadt, um für ihre 'Bücherei zu werben. And Frankfurts Bürger sind freigebig, besonders, toerm es sich um die Fürsorge für ihre Jugend handelt.
Aber aud> gegenseitig wollen die Jungen sich aufklären u-rib den Unerfahrenen die furchtbare Gefahr vor Augen halten, die ihnepr droht. In der alten Nikvlaikrrche am Römerberg führen Mitglieder von Juge-ndverernen das Spiel „Gevatter Tod" auf, andere ziehen hinaus aufs Land, um dort den Kampf gegen die Schundliteratur zu führen.


