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^72. Jahrgang / Freitag, f. September 192
SietzenerAnzeiger
Die Entscheidung der ReparatronskommWon.
Ablehnung des Moratoriums. Annahme eines Vermittlungsoorschlags.
' Pari», 31. Aug. (Wolff) Frankreich 4t n b Belgien haben in der Reparationskom- (miffton gegen di« Gewährung eines oratoriums an Deutschland gestunmt. ^England stimmte dafür; Stalienent- chielt srch der Ab st immun g.
I Paris, 31. Aug. (WTD.) Aach dem gernel- Leten Beschluß über das Moratoriumsgesuch ^Deutschlands nahm die Reparationskommission fein stimmig folgende Entschließung |xm, in welcher es heißt: Die Reparationskvmmis- Lfion verschiebt den Beschluß über das ^Gesuch Deutschlands, bis der Plan feiner radikalen Finanzreform mit folgenden Hauptpunkten aufgestellt ist:
1. Gleichgewicht des Budgets; 2. Herab- jfehung der auswärtigen Schulden- ilast Deutschlands, falls vorher die in der ^Reparationskommission vertretenen Regierungen jihre Zustimmung erteilen; ferner Währungsreformen; Aufnahme äußerer und innerer Anleihen.
' Um als Vorbereitung zur Durchführung der 'angeführten Maßnahmen Zeit zu schaffen, wird sdie Repacationskommission als Begleichung für sdie bis zum 15. Dezember 1922 fällig werdenden deutschen Zahlungen sechs monatliche Schatz- b o n d s, zahlbar in Gold, und mit Garantien iausgestattet, annehmen. Falls eine Vereinbarung Lber die Garantien zwischen Deutschland und Belgien, für welches die Barzahlungen bestimmt sind, Acht zustande kommt, soll deutsches Gold [bet einer auswärtigen Dank deponiert werden, Au deren Wahl Belgien seine Zustimmung «eben soll.
i Paris, 31. Aug. Die Agentur Havas der- ofsentlicht folgenden Kommentar zu dem heu- ttigen Beschluß der Reparationskommission: Die ^Entscheidung der Reparationskommissivn wird in »französischen politischen Kreisen im allgemeinen günstig beurteilt. Die Auffassung geht dahin, daß sie, wenn nicht in ,ihrer Gesamtheit, doch in den wesentlichen Punkten der vom Ministerpräsidenten Poincar4 ständig fvertretenen Tlxse entsprecht. Durch die Ablehnung des Antrages des britischen Delegierten und den darauf gefaßten Beschluß, die Entscheidung über das von Deutschland ausgesprochene Mvra- tvriumsersuchen aufzufchieben, hat die Kommission in zwei aufeinanderfolgenden Abstimmungen entsprechend den ständigen Erklärungen des Ministerpräsidenten Poincary anerkamtt, daß es unmöglich ist, dem Verlangen der deutschen Regierung zuzustimmen. Demnach ergibt sich unter Vorbehalt gewisser Modalitäten bezüglich der Zahlungen, über die die Reparatiorrskommission berechtigt wäre zu entscheiden, folgende Lage: Deutschland wird verpflichtet sein, die vorgesehenen Zahlungen binnen einer sehr kurzen Frist zu leisten. Wenn es sich dieser Pflicht entziehen ftollte, wird die Kommission genötigt sein, eine [absichtliche Aichterfüllung zu konstatieren, die den Alliierten das Recht geben wird, isoliert oder in ihrer Gesamtheit zu Zwangsmaßnahmen zu .schreiten. Somit erscheinen bei einer ersten Prü- ifung die Rechte Frankreichs und feine vollständige [Aktionssreiheit in der Zukunft gewahrt. Indessen swurden einige Vorbehalte bezüglich verschiedener »Punkte der von der Reparationskommission angenommenen Entschließung gemacht, die infolge [ihres Mangels an Deutlichkeit eine genaue Prü- »fung erfordern. Der Wortlaut des Beschlusses ift am Abend dem Ministerpräsidenten Poin- carö mitgeteilt worden. Dieser wird ihn morgen unter dem Vorsitz des Präsidenten Millerand ins Elisee einberufenen Mini st errat unterbreiten. Poincar6 hat es formell abgelehnt, seine Ansicht kundzugeben, bevor er sich nicht mit feinen Ministerkollegen besprochen und sich mit ihnen über die Richtlinien geeinigt hat, die angesichts der getroffenen Entscheidung der Repara- tionskommisswn zu befolgen sind. Heber diesen »Punkt wird also erst morgen Klarheit zu erlangen sein.
i Paris, 31. Aug. Der Vorsitzende der Re- rarationskommission empfing nach Schluß der
, heutigen Sitzung der Reparationskommission die ‘ ranzösischen Journalisten und erläuterte ihnen die Entscheidung der Kommission. Er wies zunächst darauf hin, daß Dradburh, der ursprünglich für die Gewährung eines bedingungslosen Moratoriums für das Jahr 1922 und für ein von Garantien begleitetes Moratorium für die Jahre 1923 und 1924 eintrat, nur noch den ersten Teil seines Antrages aufrechterhalten habe. Dieser wurde mit 3 gegen 1 Stimme abgelehnt insofern, als nach dem Wortlaut des Friedensvertrages die Slimmenthaltung des italienischen Delegierten einer Ablehnung entspricht. Aach [dieser Abstimmung habe der Vertreter Belgiens, das besonders an den deutschen Zah- • lungen interessiert sei, den Vorschlag gemacht, die Modalitäten festzusehen, nach denen Deutschland zu bezahlen habe. Danach soll Deutschland der Reparationskommission Schahbonds in Goldw ert und sechsmonatiger Laufzeit überweisen, die von wesentlichen Garantien zu stützen wären. Diese Bonds wären Belgien zu übergeben, das auf diese Weise einen [Teil seiner Prioritätsforderung befriedigen könne. ^Auf seine (Dubois') Anregung habe der belgische /Delegierte ausdrücklich erklärt, daß es sich um [effektive Zahlungen handele, und daß /Belgien von diesen Bonds Gebrauch machen ^werde. Belgien werde diese Bonds, die tmu^t
durch ein Golddepot oder durch eine andere zwischen Belgien und Deutschland zutreffende Abmachung garantiert wurden, tatsächlich diskontieren können. Würde Deutschland die geforderten Garantien verweigern, so würde die Reparationskommissivn auf Grund des Friedensvertrages berechtigt sein, den alliierten Mächten eine absichtliche Verfehlung Deutschlands bekanntzugeben, und diese würden dann die notwendigen Zwangsmaßnahmen beschließen.
Somit habe 1. die Reparationskommission das Moratorium abgelehnt und 2. einen Antrag angenommen, durch dessen Ausführung Belgien Geld erhalten werde. Außerdem habe sich die Kommission die Vorschläge der deutschen Regierung über die Garantierung der Kohlen- und Holzlieferungen zu eigen gemacht und die deutsche Regierung benachrichtigt, daß sie sich, falls die Aaturallieferungen nicht strikte innegehalten würden, das Recht Vorbehalte, die Inkraftsetzung ähnlicher Abmachungen zu fordern. Die Annahme des von ihm (Dubois) präzisierten belgischen Vorschlages sei darauf einstimmig erfolgt. Die Abmachungen, die somit nach langen, mühsamen Verhandlungen im Schoße der Kommission erreicht worden seien, seien um so mehr zu begrüßen, als sie, wie er mit Befriedigung seststelle, den von dem Urheber des belgischen Vorschlages kundgegebenen Wünschen entsprechen, die sich besonders um die Beseitigung der bisherigen Schwierigkeiten bemüht hätten, um den alliierten Mächten zu ermöglichen, für die nahe Zukunft und m aller Ruhe die allgemeine Regelung des Problemes der Reparationen und der interallierten Schulden vorzunehmen. Aach französischer Auffassung müsse die erreichte Lösung, durch die das Moratorium abgelehnt und die wichtige Frage der Pfänder und Garantien zurückgestellt worden sei, eine allgemeine Erleichterung Hervorrufen. Dubois sagte, er hoffe somit, daß die französische Regierung und die französische öffentliche Meinung sich zu dem heute abend erreichten Ergebnis beglückwünschen könne.
Die Havasmeldung schließt: Bei oberflächlicher Prüfung der beiden Vorschläge, 1. das Moratorium abzulehnen und 2. eine Entscheidung aufzuschieben, könne man einen gewissen Widerspruch feststellen. Man könne sich aber unschwer Rechenschaft darüber ablegen, daß infolge der Deutschland auferlegten Zahlungsmodalitäten in der Weise, wie sie von dem Vorsitzenden Dubois erläutert worden seien, Deutschland die am 15.8. und die an den folgenden Terminen fälligen Raten Belgien zu bezahlen hat, sofern es nicht Gefahr laufen will, die im Falle einer Aichterfüllung vorgesehenen Sanktionen über sich ergehen zu lassen. In beiden Fällen handle es sich also um die Ablehnung des Moratoriums.
Der Bescheid
an die deutsche Regierung.
Berlin, 31. Aug. (WTD.) Die Reparationskommission 'bat der Kriegslastenkommission heute abend über die von ihr in der Reparativnsfrage getroffenen Entscheidung folgende Aote übersandt:
Die Reparationskommission beehrt sich anliegend der deutschen Regierung ihre Entscheidung Ar. 2119 als Erwiderung des Schreibens zu übersenden, welches der Reichskanzler an sie am 12. Juli gerichtet 'hatte. Da die Reparationskommission die von der deutschen Regierung beantragte Stundung nicht bewilligen zu sollen geglaubt hat, hat sie es nicht für angezeigt erachtet, sich im Augenblick über die von der deutschen Regierung in Betracht gezogenen Vorschläge zu äußern, welche die genaue Ausführung der von der Reparationskommission vorgeschriebenen Kohlen- und Holzlieferungen sichern foltert. Die Reparationskvmmiffion behält sich aber das Recht vor, die Inkraftsetzung ähnlicher 'Abmachungen wie die von der deutschen Regierung vorgeschlagenen zu fordern, wenn in Zukunft die Köhlen- und Holzlieferungen nicht in zufriedenstellender Weise ausgeführt werden. — Hierauf folgt die gemeldete Entscheidung.
Berliner Pressestimmen.
Berlin, 1. Sept. Zur Entscheidung der Reparationskommissivn schreibt die „Voss. Ztg.": Dieser Beschluß bedeutet einen Sieg des belgischen Vermittlungsgedankens und damit eine Niederlage Poincaräs, der sich gegen diesen belgischen Plan schon in den Vorverhandlungen heftig zur Wehr gesetzt hatte. Obwohl das Moratorium formell äögelehnt ist, kommt die gestellte Entscheidung tatsächlich einem Moratorium gleich Was sind aber Schahscheine eines Schuldners wert, von dem die Gläubiger selbst erklärt haben, daß er unfähig sei, seinen Verpflichtungen nachzukvmmen.
Das „‘Ser I. Tagebl." hält es für bemerkenswert, daß von der etwaigen (Srmämg'ung der äußeren Lasten Deutschlands gesprochen wird. Strittig ist jedoch die Frage der Sicherheitsleistungen. Es drehe sich bei der Reparationsleistung in Schatzwechseln um eine gewaltige Summe. Ein Golddepot Deutschlands in einer ausländischen Bank würde letzten Endes nichts anderes bedeuten als die Barzahlungen, zu der sich Deutschland außerstand erklärt hatte.
Der ,,'V o r w ä r t s" sieht einen nicht zu unterschätzenden Fortschritt darin, daß sich die deutsche Regierung direkt mit der belgischen auseinandersetzen soll. Es müsse jedoch im Auge be- halten werden, daß das Moratorium nicht ge- ajugvt worden ist, sondern daß es sich nur um
eine veränderte Form der Zählungen handelt. Wenn der in Aussicht gestellte Umschwung nicht eintrete, würden wir die Schuldverschreibungen in sechs Monaten nicht einlosen können. Ungemein wertvoll für Deutschland sei es jedoch, daß nun» mehr die Reparationskommiffion einstimmig die absolute KreditunfähigkeitDeutsch- l a n d s beglaubigt habe. Im großen und ganzen könne man für den Augenblick von einer Entspannung sprechen.
Aach Ansicht der „Germania" bedeutet die Entscheidung ohne Zweifel eine Zahlunas- erleichterung, wenn auch nicht die erhoffte. Im übrigen komme es auf die Garantien an, die Belgien fordere.
Der Beschluß der Reparationskommi'sion bedeute, wie der „Lokalanzeiger" meint, insofern eine Erleichterung, als der deutschen Regierung ermöglicht werde, den Ankauf von Devisen während dieses Jahres zu vermeiden. Allerdings würden im nächsten Jahre, wenn bis dahin nicht das ganze Reparationsproblem geregelt sei, um so größere Summen für Devisen gebraucht werden. Ob Deutschland den Beschluß annehmen könne, werde im wesentlichen dvn den belgischen Garantieforderungen abhängen.
Die „Deutsche Tagesztg.“ sieht den Kernpunkt darin, daß die Entente einen erheblichen Teil unseres Dankgoldes, der letzten Reserve des deutschen Volkes, in ihren Besitz bringen will. England habe Bedingungen zugestimmt, die von seinen eigenen Sachverständigen zweifellos als wir schäft icher Wahn inn bezeichnet würden. Wahr bleibe nur, daß unser Moratoriumsgesuch abgelehnt worden sei und daß wir zahlen sollen, allerdings nicht in Devisen, sondern in Goldbarren.
D e Entscheidung der Reparativnskommission ist nach der „K r e u z z e i t u n g" für jeden ehrlichen Mann unannehmbar. Die Reichsbank könne als ehrlicher Bankier dem Ansinnen gar nicht Folge leisten. Die Hoffnung auf eine Lösung des Reparationsproblems bis zum Ablauf des Jahres erscheint dem Blatt eitel. Es bedangt, daß die deutsche Regierung fett bleibt und 'keinen Druck auf die autonome Rerchsbank ausübt.
Besprechung des Reichskanzlers mit den Führern der Parteien.
Berlin, 31. Aug. (WTD.) Der Reichskanzler hat heute nachmittag im Deisein der sämtlichen in Berlin anwesenden Reichsminister die Führer der Reichstagsfraktionen der Deutsch- nationalen Volkspartei, Deutschen Volkspartei, Demokraten, des Zentrums, der DayerischenVolls- Partei, Sozialdemokraten und Unabhängigen Sozialdemokraten empfangen, um sie über die auhen- polltische Lage, insbesondere die Verhandlungen zu unterrichten, die in Berlin zwischen der Reichsregierung und den Mitgliedern der Reparations- kommission geführt wurden. Im Anschluß an den Vortrag des Reichskanzlers machten die Minister Schmidt und Braun ergänzende Mitteilungen. Aach kurzer Aussprache wurde, da abschließende Ergebnisse aus Paris noch nicht Vorlagen, die Fortsetzung der Besprechung auf morgen vertagt. •
Amerikas Mitwirkung.
Paris, 31. Aug. (WTD.) Der „Intransi- geant“ bestätigt, daß der amerikanische offiziöse Vertreter bei der Reparations- kommission persönlich bei einzelnen Delegierten Schritte unternommen hat, um eine Einigung herbeizuführen. Es sei aber nicht richtig, daß der amerikanische Vertreter auch nur im mindesten Maße finanzielle Mitwirkung Amerikas in den europäischen Angelegenheiten habe erhoffen lassen. Die englische Freihandelsunion gegen den Versailler Vertrag.
L o n d o n, 31. Aug. (Wolff.) Die Union fürFreihandelhat beschlossen, an D a l - fnur einen Dries über die Schulden- f rage zu richten. Darin wird der Beschluß der britischen Regierung, daß die Kriegsschulden en bloc behandelt werden mußten, gebilligt und erklärt, die öffentliche Meinung in England würde nicht damit einverstanden sein, daß Großbritannien auf alle Guthaben verzichte, während es zugleich seine eigenen Schulden bezahle. Endlich erhebt der Brief gegen die französische Regierung den Bvrwurf, die unglückseligen Bestimmungen des V ersailler Vertrages verschuldet zu haben, und tritt dafür ein, daß England, die Vereinigten Staaten, Italien, Belgien und die neutralen Länder Zusammenwirken müßten, um eine Revision des Vertrages und eine Herabsetzung der Rüstungen usw., zu erreichen.
Eine tschechosiowakisch- jugoslawische Allianz.
Prag, 31. Aug. (WTD.) Der tschechoslo- tväkische Ministerpräsident begab sich am Mittwoch abend nach Marienbad, wo er mit Ministerpräsident Paschitsch die letzten Punkte des tschechoslowakisch-jugoslawischen Allianzvertrages vereinbarte. Der Vertrag tnurbe Heute vvrmitag unterzeichnet, Denesch ist heute nachmittag nach Prag zurückgekehrt.
Italien und Oesterreich.
Rom, 31. Aug. (WTB.) Aach einer „Ste- fani"-Meldung ist bei der heutigen Unterredung beß italienischen Schahminisiers mit dem österreichischen Delegierten Dr. Schneller
Wer die Ausführung des Gesetzes betreffs des italienischen Deitvages zu dem Oesterreich zu gewährenden Kredit eine grundsätzliche Einigung erzielt worden. Der Schatzminister vec- wies Schneller an den Generaldirektor des Schatzamtes, Conti Rossini, damit dieser die erforderlichen Maßnahmen ins Werk setze. 3m übrigen vervollständigte Schneller seine Darlegungen über die wirtschaftliche und finanzielle Lage Oesterreichs und gab die vom Schatzminister verlangten Aufklärungen. Dieser wird nun das ihm von Schneller unterbreitete Material mit /einen zuständigen Kollegen prüfen, um es dann bem Ministerrat vvrzulegen. Dor seiner Abreise wird Schneller mit dem Generaldirektor der Zölle, Lnciolli, und dem Generaldirektor des auswärtigen Handels, Dinola, eine Unterredung haben, um die durch die italienische Minrsterkrise unterbrochenen Handelsbesprechungen wieder anzuknüpfen.
Ein Urteil des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des
ReichsWirtschastsrates.
Berlin, 31. Ang. (WTB.) Der Wirb» schaftspolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates nahm eine Entschließung betreffend die Ursachen und Folgen des Verfalles der deutschen Währung und die zu seiner Bekämpfung anzuwendenden Mittel einstimmig an. Es heißt darin: Die Hauptursache des Zusammenbruches der Markwährung ist die immer wieder erneute Verzögerung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands unb eine angemessene Regelung der Reparativnsfrage mit ihren wirtschaftlichen und politischen Folgen. Es ist für Deutschland unmöglich, mit feiner durch den Versailler Friedensvertrag so stark geschwächten Wirtschaftskraft die Passivität seiner .Zahlungsbilanz zu überwinden und gleichzeitig außerordentlich hohe Leistungen an das Mrsland auszuführen. Diese Auffassung wird gestützt durch den Beschluß der Konferenz von Genua über die Finanzfrage. Es wird außerdem an die Entschließung der Pariser Dankier- konferenz vom Juni 1922 erinnert, die ohne jeden Vorbehalt erklärte, daß eine Stabilisierung der Währung ohne endgültige Regelung der Reparationszahlungen und anderer öffentlichen Schulden unmöglich ist. Aachdrücklich und feierlich erhebt der Ausschuß, in dem alle Kreise der deutschen Wirtschaft, Unternehmer unb Arbeiter vertreten sind, gegen die Behauptung Einspruch, die Markentwertung sei durch Maßnahmen der Regierung oder ba8 Verhalten maßgebe..dec Wi t cha t.kreise bewußt Herl eigeführt worden. Hält der Währungsverfall an, so bedrohen Arbeitslosigkeit und Aahrungsmittelnöte in großem Maßstäbe das deutsche Voll. Das rapide Steigen der auswärtigen Wechselkurse macht die Versorgung Deutschlands mit den zur Aufrechterhaltung der industriellen Tätigkeit notwendigen Rohstoffen und der zur Befriedigung der städtischen Bevölkerung unbedingt erforderlichen Acchrungsmitteln immer schwieriger. Die Mittel zur Heilung der erkrankten deutschen Volkswirtschaft müssen den Krankheitsursachen entsprechen. Die Vorbedingung für das Gelingen aller Maßnahmen zur Festigung des Markkarses ist ein Aufschub der Barzahlungen und Anpassung von Menge und Act der Sachlieferungen an dre Bedürfnisse unb die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sowie der deutschen Zahlungsbilanz. Gin Moratorium soll durch die Wiede h nstellung des deutsche nKredits eine internationale An leihe an Deutschland ermöglichen.
3m einzelnen scheinen folgende Maßnahmen geeignet, von Innen heraus die deutsche Währung zu fräftigen, wenn die äußer« Hilfeleistung damit Hand in Hand geht: Als Deckung des Bedarfs und zweckmäßigste Verwendung der Ernte fördernde Maßnahmen werden empfohlen: Tlnterstützung der Bestrebungen durch Lief erungs Verträge zwischen den Erzeugern unb unmittelbaren Verbrauchern sowie deren Organisationen die Kartoffelversorgung zu erleichtern und n verbilligen und das Fernhälten aller überflüssigen Zwische nglieder wie Aufkäufer von Gemeinden, Werken und Betriebsräten vom Kartoffelmarkt. Der Verbrauch ist so zu beeinflussen, daß weniger lebensnotwendige oder gar überflüssige Verwendungszwecke erft Berücksichtigung finden, wenn die elementaren Bedürfnisse befriedigt sind. Mit den schärfsten' Mitteln ist aller überflüssige Luxuskonsum zu unterdrücken. Der Ausschank von Schnaps und Champagner in öffentlichen Lokalen sollte sofort verboten werden. Die beschämend hohe Zahl der Likör st üben, Dars, Dielen und Schlemmergaflstuben ist durch zweckentsprechende Besteuerung und durch schärfere Handhabung der Konzessiolcserteilung und -Entziehung, gegebenenfalls auch durch Verbotsbestimmungen herabzudrücken. Wie der innere Verbrauch, so ist auch der Ein- unb Ausfuhrhandel unter den Grundsatz zu stellen, daß aller entbehrliche Konsum zu verhindern ist. Von her Steuergesetzgebung ist eine größere Einfachheit und TIebersichtlichkeit zu verlangen. Sie ist außerdem von der toten Last, der übertrieben hohen Verwaltungsausgaben zu befreien. Der Ausschuß weist daraus hin, daß
Heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 1200, Frankfurt a. M. 1350.


