Nr. ,78
Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)
Dienstag, August ,922
Ein Friedsnsgsme.
Der VerfaillerVertrag begründet das Ultimatum des Versailler Friedensvertrages, das urtß knechtet, geschichtlich folgendermaßen: »Der Krieg war das logische Ergebnis einer Politil, die seit Jahrzehnten von Deutschland unter dem Einfluß des preußischen Systems verfolgt wurde. Hypnotisiert durch den Erfolg, mit welchem Bis- marck, der Politik Friedrichs des Groszen folgend, die Äachbarn Preußens beraubte und die deutsche Einheit durch Blut und Eisen schmiedete, unterwarf sich das deutsche Volk nach 1871 fast vorbehaltlos dem Einfluh und der Führerschaft seiner preußischen Herrschaft." „Die Lenker Deutschlands haben unaufhörlich Mißtrauen und Feindschaft zwischen allen ihren Vachbarn gesät." Sie haben „ihr Evangelium des Hasses und der Gewalt gepredigt, damit bei gegebener Feit das deutsche Volk auf ihren Vuf antworten könne". „Während mehrerer Jahrzehnte hat Deutschland unausgesetzt eine Politik getrieben, die darauf hinzielte, Eifersucht, Haß und Zwietracht zwischen den Vationen zu säen, nur damit es seine selbstsüchtige Leidenschaft nach Macht befriedigen konnte." Darum ist Deutschland schuldig „des größten Verbrechens gegen die Menschheit und gegen die Freiheit der Völker, welches eine sich für zivilisiert ausgebende Vation jemals bei Bewußtsein begangen habe".
Auf dieses Fundament ist also der Versailler Friede gebaut. Dies Fundament kann aber durch nichts gründlicher erschüttert werden, als durch den unmittelbaren aktenmäßigen Vachweis, daß es nach der Reichsgründung im Jahre 1870/71 jahrzehntelang in Europa keinen Staatsmann außer Bismarck gegeben hat, der, geleitet von einer geradezu unglaublich erscheinenden Kenntnis der Völler, Staaten und 5ür= sten von ernstlicherer Sorge bewegt gewesen wäre, den Frieden der Welt zu erhalten, gegen befreundete und verbündete Staaten wie gegen ehemalige feindliche Staaten gerecht zu sein. Die „Süddeutschen Monatshefte" erscheinen mit einem Sonderheft „Die Wurzeln des Weltkrieges", herausgegeben von Lepsius und fesseln die Leser durch eine überaus klare Beweisführung: Bismarcks Arbeit für den europäischen Frieden richtete sich auf die zwei dem Bestand Deutschlands und dem Frieden Europas drohenden Gefahren: die von Westen und die von Osten. Frankreich und Rußlarw auseinanderzuhalten war das Ziel: und so bAeuchtet denn die Aktenpublikation der deutschen Reichsregierung die zwei großen Krater Frankreich unb Rußland, zwischen denen das Dättsche Reich in ständiger Gefahr stand, von der glühenden Lava überschüttet zu werden.
Frankreichs Rachewille wirkt durch die ganze Epoche unzwcid?utig hindurch. Cdrnso c-be Bismarcks Entschkos enhejl und erfolgreiche Abwendung des Krieges, der eine europäische Katastrophe herbeiführen mußte. Im Jahre 1871 sprachen französische Geschworene überwiesene und geständige Mörder von Deutschen frei. Bismarck verzichtet gleichwohl auf Repressalien. Frankreich macht ungeße trc Anstrengungen, „die Rolle der ersten Militärmacht des Kontinents wieder zu spielen". Bismarck kann 1874 „a if bte Eventualität, ob Deutschland von Frankreich zum 20. Male in zwei Jahrhunderter wiederum angegriffen wird", nicht mit der Ruhe blicken wie andere Mächte. „Der Fürst Gortschakoff treibt rusfische Machtpolitik. Wir verfolgen keine Macht-, sondern eine Sicherheitspolitik." Die aufeinander folgenden Präsidenten Thiers, Mac Mahon, Grevy. Sadi Carnot müssen sich dem Rachebedürfnis der Franzosen ebenso beugen wie die wechselnden Ministerien der Zeit von 1871 bis 1914. Alle zehn Jahre treten die französisch- deutschen Beziehungen in eine Krise, und jedesmal wird die Kriegsgefahr durch beispiellose Geduld und Voraussicht Bismarcks abgewendet. Das Jahr 1875 mit seinem falschen „Krieg in Sicht"-Lärm schließt mit friedlich n Erkl rungen. In Vordofrika kommt Bismarck Frankreich entgegen. In der griechischen Grenzfrage verhilft er Frankreich zu einem Achtungserfolg. Auch das „'Streben Frankreichs nach vermehrter Einflußnahme auf die übrigen romanischen Staaten" erkennt er an. Auf der Madrider Konferenz im Jahre 1880 stellt Bismarck der französischen Ma- rokko-Politik fernen Einfluß zur Verfügung. Die französische Regierung läßt ihm dafür ihren Dank aussprechen. Bismarck entzieht fern Vertrauen der französischen Politik auch dann nicht, als der Entfacher des Weltkrieges 1870/71 in Frankreich, Gambetta, ins Kabinett eintritt. BiSrn-arck geht so weit, als Frankreich in scharfen Gegensatz zur britischen Mittelmeerpolltit gerät, in Paris wissen zu. lassen: „Frankreich könne zu einer mächtigen, vielleicht dominierenden Stellung gelangen wenn es der maritimen Supre- matie Englands gegenüber die Führung der maritimen Politik der Mächte mit Marinen
zweiten Range-? erstrebe." Aber FrankrJt) starrt nach der „blauen Linie ter Dogi-sen". Jule- Ferry, bcr vernünftige Annäherung mit Deutschland sucht, wird gestürzt. Di: Putrioten- Liga, die Schieß-, Dum- und anderen patritoll- scheu Vereine peitschen den Chauvinismus hoch. Monarchien und Rari alr stürzen den staate- klugen Ferry mit der Derise: „Mit Deutschland verhandeln, heißt Frankreich verraten."
Mit dem Revanche-General Doulanger als Kriegsminister im dritten Kabinett Freycinet wird die Ge,a'hr akut. Im Fall Schnaebele, April 18-87, erreicht die Krise ißren Höhepunkt. Schuae- bele, ein französischer Polizeikommissar, war auf deutschem Boden wegen- Spionageverdachts verhaftet worden. Bismarck gab ihn sofort frei. Das nützt nichts. Der Präfident Grevy ist nach der Ausschiffung Doulangers bei einer Parade Beschimpfungen des Pariser Pöbels ausgesetzt. Bismarck mußte um diese Zeit zu dem Schluß kommen, daß alle Bemühungen um den Frieden mit Frankreich „nur verstärkte Feindschaft" zur Folge gehabt hätten. Schon hatte der Rubel „leider den Weg in die französische Presse gesunden", wie der Präsident Grevy sagt, und in der Tat ist denn cmch die Vereinigung der panslawistischen revolutionären Propaganda mit dem französischen Rachebedürfnis im Gange.
Möhr als je war Bismarck vom cauchemar des ooalitions bedrückt. In welch großem Sinne er die Cr-Haltung des europäischen Friedens betrieb, geht aus dem Friedensprogramm hervor, das er am 3. April 1888 dem Kaiser Friedrich vorlegte. Dort finden sich die Worte: „Die auswärtige Politik des Deutschen Reiches ist seit dem Frieden mit Frankreich vorwiegend auf die Erhaltung des Friedens und auf die Verhütung antideutscher Koalitionen gerichtet gewesen . . . Immer ist ein Krieg, den wir mit Rußland und Frankreich gleichzeitig zu führen hätten, aurf)i wenn er siegreich bliebe, eine der größten Kalamitäten, welche über Deutschland hereinbrechen können . . . Das friedliche Beieinander wohnen der großen europäischen Mächte ist überhaupt nur dadurch möglich, daß die Regierungen und ihre Dynastien auf die Bedürfnisse nicht nur, sondern auf die Veigungen und Wünsche der Vachbarvölker und der Souveräne derselben Rücksicht nehmen und Motiven zu Verstimmungen rechtzeitig Vorbeugen so lange es noch mit Ehren möglich ist."
Sv sieht der Mann aus, der unausgesetzt „Eifersucht. Haß und Zwietracht zwischen den Vationen gesät hat".
Die Politik Rußlands war naturgemäß immer die Politik des jeweiligen Zaren. Aus dem Vertrauen des Zaren zu dem führenden deutschen Staatsmann beruhte neben der überlieferten Freundschaft zwischen Preußen und Rußland das gute Verhältnis der beiden Reiche. Als in den 80er Jahren das Gespenst des russisch-französischen Zweibundes auftauchte, hielt es Bismarck für die einzige Aufgabe der deutschen Politik, diese Kombination zu verhindern. Der ganze Komplex von Bündnisverträgen: der Dreibund von 1882, der rumänische Vertrag von 1883, die Erneuerung des Dreikaiserbündnisses von 1884, die von Bismarck patronisierte Entente zu Dreien zwischen England, Oesterreich und Italien von 1887, sollte die Kuppel des Friedensdomes über Europa wölben. Den Schlußstein gedachte Bismarck durch ein Bündnis des Deutschen Reiches mit England einzusetzen. Auch der berühmte Rückversicherungsvertrag hatte keinen anderen Zweck als den, den europäischen Frieden zu sichern. Dieses Meisterwerk eines Genies brach zusammen fast am- gleichen Tage mit dessen Sturz und mit der Vichterneuerung des Rückversicherungsvertrages: damit tvar das Unheil im Gange.
Wie die Franzosen auf das Loch in den Vogesen, so starrten die Russen auf die Meerengen. Das Kreuz auf der Hagia Sofia blieb das Symbol der Weltherrschaftsträume der russischen Chauvinisten. Das falsche Testament Peters des Großen wirkte wie eine Prophetie. Die Herrschaft über bi: Meerengen war die fixe Idee der Politik Alexan ders III. Bismarcks Stellung zu der Meerengen- , frage war von jeher die gewesen, Rußland in bei ' Meerengenfrage keine Schwierigkeiten zu bereiten. Die große Gefahr für das russisch-deutsche Der hältnis lag nicht nur in der Politik, sondern geradezu in der Existenz des österreichischen Kaiserstaates. „Wenn nur Oesterreich nicht wäre!" Die Zaren waren gegen Oesterreich eingenommen, bei der panslawistischen Partei überwog der Haß gegen Deutschland. „Der Weg nach Konstantinopel führt durch das Brandenburger Tor."
Viemand hat die Gefahr, die dem Frieden Europas von einem slawopMen Zarismus und einer russischen Revolution drohte, so frühzeitig erkannt wie Bismarck. Schon im Jähre 1879 sprach er sich in wahrhaft prophetischer Weise nach dem bekannten Drohbries Alexanders II. vom 15. August 1879 in einem Immediatbericht
an Kaiser Wilhelm aus demselben Jahre über diJe Gesahr aus. Gr sieht „die russische Politik und die kaiserlich: Macht der slawischen Revolution dienstbar werden". „Der Friede Europas ist seit dem Fall Vapoleons von niemand als von dem slawophilen Rußland bedroht. Es ist, als ob Rußlands Lieber macht mit der Leitung der slawischen Propaganda die Erbschaft des napoleonischen Zarismus und damit die Mission übernommen hatte, die schwarzen Punkte am Horizonte des europäischen Friedens zu bilden."
Aus Stafct und Land.
Gießen, den 1. Aug. 1922.
** Die Kriegsgefangenen st elle Frankfurt a. M., Kiesstraße 2, welche für ten Bereich des früheren 18. Armeekorps zuständig war. ist am 31. Juli aufgelöst worden. Ihre Akten werden an die Kriegsgefangenenstelle Magdeburg abgegeben, welche vom 1. August ab die Vestarbeiten übernahm. Etwaige Anfragen und Anträge, welche bisher an die Kriegsgefangenenstelle Frankfurt a. M. zu richten waren, sind in Zukunft an die Kriegsgefangenenstelle Magdeburg, Augustastraße 42. zu richten. Es empfiehlt sich, in den Schreiben anzugeben: „Für den Bereich der ehemaligen KriegSgefangeneil- stelle Frankfurt a. M."
** Die Gießener Turner schäft (T.-B. v. 1846 und M.-T.--B.) holt ihre vom Kreisturnfest in Aschaffenburg zurückkehrenden Sieger und Siegerinnen heute abend V»8 Ahr am hiesigen Bahnhvfe ab. (Siehe Anzeige.)
*’ Fortfall der Achselstücke bei den Eisenbahnbeamten. Vach einer Mitteilung des Eisenbahnzentralamtes in Berlin, sollen die Achselstücke für sämtliche Beamte künftig in Wegfall kommen. Cs steht ein Ministerialerlaß bevor, der das Ablegen der Achselstücke anordnet. Die Eisenbahnbeamten sind jetzt schon darauf hingewiesen, damit sie unnötige Ausgaben t>ermeiden und etwaige Bestellungen bei der Kleiderkasse rückgängig machen. Als Gründe für die Anordnung werden Rücksichten der Sparsamkeit genannt.
Kreis Scholten.
lug. Gedern, 31. Juli. Vom herrlichsten Welter begünstigt fand hier am Samstag und Sonntag das 30jährige Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr und der Kreisfeuerwehrtag für den Kreis Schotten statt. Am Samstag war B e g r ü - ßu ngsabend auf dem Festplah am Schloßpark. wobei Gefangsvvrträge durch den Männergesangverein „Liederkranz" und dem Arbeiter- gesangverein erfolgten, während die Damen- und Jugendriege des Turnvereins turnerisch? Darbietungen vorführten. In der Frühe des Sonntagmorgens versammelte man sich aus dem Friedhof zu einer eindrucksvollen Gedächtnisfeier für die verstorbenen und im Kriege gefallenen Mitglieder der Wehr. Unmittelbar hieran schloß sich der Festgottesdienst in der Kirche an dem eine ausgezeichnete Uebung der Wehr folgte. Vachmittags um 2 Uhr bewegte sich ein großer Fe st zu g unter Beteiligung der hiesigen Vereme und der auswärtigen 'Wehren zum Festplah. Ansprachen der Führer der Feuer- wehrverbände begrüßten die Festverfammlung und würdigten die hohe Bedeutung des Feuerwehrdienstes. Als Vertreter des Kreisamts Schotten sprach Regierungsrat Dr. R i n d f u ß der die Glückwünsche der Kreisbehörde überbrachte und mit warmen Worten für die Ziele der Freiwilligen Feuerwehr ward. Vicht unerwähnt bleibe, daß den Wehrleuten Karl O b e r h e i m IV., Karl Reichert, Karl S ch n e i d m ü l l e r und Max V o e h l Ehrenurkunden für 25jährige Mitgliedschaft verliehen wurden. Allgemeines Interesse erregte die den Buderusschen Cisenwerlen zu Hirzenhain gehörige Motvrfeuersprihe die bei der Vorsührung sehr zuverlässig arbeitete.
E. 2au bad), 31. Juli. Am gestrigen Tage hielt bei herrlichstem Wetter der hiesige, seit 21 Jahren bestehende Gesangverein „H a r m o nie“ seine Fahnenweihe. Elwa 3) Gesangvereine der Umgegend waren hierzu erschienen. Um 2 Uhr bewegte sich ein Festzug mit drei Musikkapellen durch- die Stadt. Die Fahnenweihe vollzog Dekan V o l p mit dem Wunsche, die Fahne möge in Zukunft bessere und glücklichere Tage, als wir sie haben, erleben. Die Gesangvereine boten ihr Bestes. Danach herrschte ans dem Festplah, der „Helle", ein sehr belebtes, fröh-
Die LMM« M Wm.
Roman von Ernst Schertel.
23. Fortsetzung. (Vachdruck verböte».)
Perzelius rüttelte mit aller Macht an den schweren metallenen Platten, aber diese rührten sich um feinem Zoll von der Stelle. Fast härmet sich schlossen sie anetnaniter. Auch der vereinigten Kraft der beiden Männer hielt das Tor stand.
Run versuchte der Doktor irgend ein Mittel zu finden, am die 'Riegel selbst angreifen zu können aber diese schienen an der Außenseite der Torflügel angebracht zu sein denn es war nirgends eine Spur von einer Verfchliußvorrichtung zu gewahren.
Also wandte sich der Doktor schweren Herzens von der Pforte ab, um auf die Suche nach einem andern Ausweg zu gehen. Eduard folgte ihm in der Finsternis.
Es war vielleicht gut, daß die beiden Männer nicht sehen formten, bemm jedesmal, wenn eines der Zündhölzer aufgeflammt war, waren einander zwei Gesichter begegnet, die unkenntlich waren vor Angst.
„Suchen Sie die linke Warcd ab, ich tue das gleiche an der rechten," sagte Perzelius zu Eduard, „wir müssen sehen, ob da Gänge abzweigrn. Alle zshn Schritte rufen Sie damit wir uns nicht vexieren. Ich werde Ihnen antworten. Und seien Die vorsichtig bei jedem Schritt, es sind osi Schächte in die Tiefe getrieben und nur mit einem beweglichen Stein verdeckt."
Do begann die Suche. Zündhölzer wollte der
Doktor möglichst sparen und sie hätten bet der Großes des Raumes auch wenig genützt.
„Hier zweigt ein Gang ab," hörte er Eduard rufen.
„Dann gehen Die langsam hinein," erwiderte der Doktor, „und vergessen Sie nicht, sich vernehmbar zu machen."
Inzwischen hatte der Doktor selbst auch einen Seitengang entdeckt, der aber bald blind endigte
Immer entfernter klang das Rufen Eduards, der mehr Glück zu haben schien. Aber der Doktor gab sich keinen verfrühten Hoffnu. gen hin, denn die Gänge drangen oft tiei in die Felsen, um dennoch plötzlich vor einer Wand aufzuhören Eduard kehrte auch nach geraume’ Zeit wieder zurück. Es war ein Irrgang gewesen
Sechs solcher Gänge zweigten ab und die beiden Männer durchschritten sie gewissenhaft ind mit Todesverachtung, aber mühsam den Schmerz verbeißend ob der verlorenen Zeit.
Am Ende des Hauptraumeö führte ein Gang weiter in eine zweite, etwas niedrigere Halle. Auch von dieser zweigten sechs Gänge nach den Selten ab und In der Mitte der Hinterwand führte wieder ein Stollen noch tiefer in den Felsen hinein.
„Wir wollen zunächst geradeaus gehen und erst bann die Seitengänge untersuchen," ordnete der Doktor an.
So gelangten sie in eine dritte Halte and in eine vierte und von feder der Hallen führten Gänge nach rechts und li s. Der Hauptgang, der von bei- Hinterwand der vierten Halle weiterlief, endigte blind. Es mußte also irgend einer der Seitengänge fein, der weiterführte. Aber tote den finden ohne erst alle andern abzuschreiten, was Stunden and Tage in Anspruch nehmen
konnte, bevor die eigentliche Ausgabe nämlich die Durchführung des als richtig bef unbenen Ganges — begann ?
Perzelius entzündete ein Streichholz und untersuchte in der letzten Halle, in der sie ftan- Öen, Boden und Wände Diese waren glatt, fast poliert, nur den Boden bedeckte eine tiefe Said- schicht.
PerzeliuS überlegte. Eigentlich mußte die Menge des Sandes abnehmen, je weiter man in daS Innere des Felsens vordrang, am Eingang jedoch mußte sie am größten fein. Vun erinnerte sich der Doktor, daß er in der ersten Heilte überhaupt keinen Sand toaßr genommen hatte, was natürlich ertläibar war dadurch, daß jener Ra im möglichst dauernd verschlosien gehalten tonte. Aber wie tarn dann der Sand hierher'< Es gab nur eine Antworte hier lag er noch von den ältesten Zeiten her und niemand hatte es für nötig befunöen, ihn wegz uräumen, weil dieser Teil der Katakomben nie betreten wurde.
Schnell kehrte der Dottor um und untersuchte die vorhergehende Halle. Auch diese war versandet. Erst der zweite Raum, in b?n man von außen gelangte, war soweit gefäubcit, daß an einigen Stellen der Stein zum Dorschien kam.
Bon hier aus mußte es also tocitergeßen.
Der Dottor ließ sich auf seine Hände nieder und froch am Boden entlang, immer den Stellen folgend wo der FelS am stärksten zutage trat. Auf diese Weise gelangte er vor die O ffnung eines der Deltengänge rnb trag nun Seine Bedenken, in diesen einzutreten.
Eduard atmete auf. Man mußte eilen, denn die Ufjr zeigte, daß schon mehrere Stunden verflossen toaren Aber auch jetzt tarnten die Mi-
lichcs Beisammensein, wobei der übliche Tanz eine große Rolle spielte.
Hcftcn-Nasiau.
Die Not der Presse.
mc. Frankfurt a. M., 31. Juli. Ab 1. August kosten sämtliche Frankfurter Tageszeitungen ohne Träger lohn monatlich 40 Mark. Die seither täglich zweimal erscheinenden „Franlsurter Vachrichten" werden nur noch einmal täglich erjeßeinen.
Anderthalb Millionen gestohlen.
mc. Frankfurt a. M., 31. Juli. Ein Amerikaner lernte im Palmengarten ein bisher unbestraftes Fräulein Schw. kennen, mit dem er am Tage darauf rn den Hardtwakd bei Bad Homburg einen Ausflug machte. Dort wurde ihm seine Brieftasche mit allerlei Banknoten g e st v h l e n, insbesondere eine Tausendtollarnote, rumänische Leis, die einen Gesamtwert von Millionen dar stellten. Auf Grund seiner 'Beschreibung wurde die Schw. im Palmengarten festge> nommen. Nunmehr stand sie vor dem Schöffengericht, das sie zu 6 Monaten Gefängnis unter bedingter Begnadigung verurteilte, zu- mal sie l'/s Monate im Untersuchungsgefängnis gesessen hat.
Aufblühender Handel.
mc. granffurta. M., 31. Juli. Im zweiten Vierteljahr 1922 wurden hier in das Handelsregister neu eingetragen 31 Aktiengesellschaften, 85 G. m. b. H., 24 offene Handelsgesellschaften, 4 Kommanditgesellschaften, sowie 70 ®tn- zelkaufleute.
Studenten als Erntearbeiter.
mc. Frankfurt a. M., 31. Juli Zahlreiche Studenten der hiesigen Untocrfität, die mü Geldmitteln nicht gesegnet find, haben sich als ©rntearbeiter während ihrer Ferien zur Verfügung gestellt. Sie fanden auch nahezu sämtlich ilnterfunft auf den großen Gütern um Frankfurt.
Kirche und Schule.
**’ Werk- und Arbeits unter richt Man schreibt uns: Auf Veranlassung des Ärei8- schu-liats Prof. Dr. Alles wurde vom 17. bul 29. Juli in dei Turnhalle der Stadtrnädchenschulc zu Gießen ein Kursu8 über Werk- u nd Arbeits unterricht abgehalten. Leiter war der seit etwa 20 Jahren in der Arbeitsschulbewe- gung stehende Lehrer D rnzer aus Worms, der zur Zeit vorn Landesamt für das Bildungswesen beurlaubt ist, im in den verschiedensten Teilen Heftens Lehrgänge zu veranstalten rite so der Durchführung der Arbeitssch ilidee bt» Wege zu ebnen Man bezeichnet damit tm pä dagr gischen Geben unserer Zeit die Strömung, die an Stelle der rein gciftlgen, mehr verstandes- und gebächtnismäßigen Ausbildung des Kindes die Entfaltung sämtlicher Kräfte, auch der manuellen und künstlerischen, setzen will. 'Mehr als seither soll das Kind selbst in den Mittelpunkt des gesamten Llnterrichts treten und zur Deibst- tätigtett, zum „schassenden Lernen" erzogen werden. Der Gedanke ist nicht ganz neu, und ä wäre durchaus verfehlt — tote es eine Anzahl extremer Verfechter der Idee getan haben und noch hm der seitherigen „Lernschule" jeber Anspruch auf naturgemäßen Unterricht abzu- sprechen. Wie bei so vielen Dingen haben auch hier Zeit und Praxis die notwe.rdigen Korrek- tuten geübt: man hat gesiebt, gesichte! und endlich den guten Kern blank herausgeschält. Sytrt Denzer ist Vertreter der gemäßigten Richtung. Seine Auffass ung ist burdjau« geeignet, eine ruhige Weiterentwicklung des seith.'rigeil Plnterrichts- verfahrcns zu gewährleisten. Mit Eifer und innerer Antc-llnahme gingen die Teilnehmer des Liursrs aus seine Anregungen ein. Was da in 12 arbeitsreichen Tagen in Ton geformt, gemalt, in Buntpapier ausg fIjnitten und aufgctKbt, gefaltet und am Sandkasten modelliert wurde, Legt Zeugnis ab von dem gefunden und enttolcHungä- fä lügen Geist der Ärbeitsschnlbeweg ung. Den Lehrkörpern sämtlicher Gießener Schulen, den Do» ,-,0111011 der Universität, den Schulvorständen -mb Lehrern des Kreises hc-tte man Gelegenheit gegeben, die ausgestellten Arbeiten der Kurs isteil- rebner zu besichtigen und einen gr mMegenben Vortrag des Herrn Denzer- zu hören. A.m ist es Aufgabe bot maß gebe oben Körperschaften, turd) Bewilligung von Mitteln dos Gesehene utf> Gehörte nach und nach zur Tat reifen zu lasten zum Segen der he ran toa chsonden Jugend und unseres Vaterlands. "b"
nuten und ichlonen sich zü St-onden ballen zu wollen und kein Ende toar abzusehen.
Der Stollen den sie nun entdeckt ßatten, wurde schmal uno niedrig und sie mußten hintereinander gehen, um durchzukvmmen Er schien endlos weüerzuführen, ohne sich zu verzweigen, aber in vielfachen Krümmungen.
Perzelius hatte noch ftrnf Zündhölzer, die er für den äußersten 'Rotfall au ffbaren wollte. Gr verließ sich also lediglich auf seinen Tastsinn. Er glitt mit den Fingern an den Wänden entlang, um eiterige Seitengänge zu bemerken. Eduard mußte di? Arme erhoben halten und die Decke ebtaften, beim es toimte ja fein, baß ein Weg nach oben toeilerführte. Von Zeit zu Zeit wechselten die beiden ab.
Es mußte draußen auf der Welt schon hoher Tag sein, und Hunger und Erschöpfung begannen sich geltend zu machen.
Eduard war nai)c daran, ohnmächtig zu werden. Das Blut pochte in seinen Schläfen und seine Kniec zitterten.
Da fühlte Perzelius eine Höhlung in der Wand. Hier mußte ein Gang ab^toefgen. Sollte man ihn betreten ? War es ein Irrweg ober führte der Hauptgang ins Leere?
Perzelru-S entschloß sich, boeß die neue Möglichkeit nicht unversucht zu lassen. Vielleicht führte sie rascher zum Ziel. Er bog also ein.
Wieder gingen die beiden Männer hinter» einander.
In unendlichen Windungen schlang sich der Weg durch den schmalen Hohlraum.
Vach einer Ewigkeit atemlosen WandernS mündete er in ehren Quergang. Also ging mar in diesem weiter. s Fortsetzung folgt.)


