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sHen Botschafter Zusferand. Es ist Grund zu Der Annahme vorhanden, daß die amerikanische Regierung das Pariser Kabinett davon unter­richtet hat, daß sie gegen die Ernennung einer Kommission, die beauftragt sei. die .russische Lage zu untersuchen, keinerlei Einwendung er­hebe. und daß sie der Ansicht sei, daß eine solche Kommission den Stand der Landwirtschaft, der In­dustrie, der Transportmittel sowie der russischen Hilfsquellen in Rohstoffen vorteilhaft studieren könne. Was die amerikanische Teilnahme an­betreffe, so würde sie sich auf die Ernennung eines Sachverständigen, nicht eines politischen Vertreters beschränken. Dix Vereinigten Staaten wurden anderseits die Teilnahme der Russen an dieser Kommission nur annehmen, wenn Rutz- land die von seinen Delegierten am 11. Mai überreichte Denkschrift zurückziehe. Wenn die besagte Denkschrift nicht völlig zurück­gezogen werde, so könne die Ernennung eines ame­rikanischen Sachverständigen nicht ins Auge gefaßt werden. Das Blatt fügt hinzu, es sei nicht zweifel- baft, daß diese Mitteilung den Vertretern der bri­tischen, italienischen und belgischen Regierung in Washington übermittelt werde. Cs sei äußerst un­wahrscheinlich, dah die Regierung der Vereinigten Staaten irgendeinen Schritt unternehme, bevor sie über die Antwort, die ihr auf die oben genannten Bedingungen gemacht werde, genau unterrichtet sei. Davon abgesehen halte man es für wahrschein­lich, dah Frankreich den von den Vereinigten Staa­ten vorgezeigten Weg beschreiten werde, was e i n Verlassen oder eine merkliche Ab- änderungdesHaagerProgrammszur Folge haben könnte. Die amerikanische Regierung glaube nicht an die unmittelbare Drohung eines deutsch-bolschewikischen Lieberfalles auf Europa

Die internationale Anleihe.

Paris, 30. Mai. (WTB.) Dem Bericht­erstatter derChicago Tribüne" soll ein ernfluh- reicher amerikanischer Dankmannn ge­stern erklärt haben, der Zinssatz der in­ternationalen Anleihe wüde vechäll- nismähig niedrig fein, die Papiere würden keinerlei spekulativen Anreiz bieten. Die Frage ausreichender Sicherheiten würde schwierig |an. Trotzdem würden die g"vßen Ba t= und Ge- schäft. u rternehmu-g.-n in 21m: r ti, England, Frankreich, Italien, Belgien und den neutralen Ändern die Anleihe start unterstützen, well sie einsähen, dah ein Anreiz für den inter- . nationalen Handel geschaffen Werder müsse, und well sie wüßten, dah in dieser Beziehuig d:e . Anleihe wirksamer sein würde als irgend etwas anderes.

Polenterror in Oberschlesien.

Berlin, 31. Mai. Wie die »Voss. Ztg." aus Oberschlesien meldet, sind die polnischen LI n r u h e n in dem Polen zugesprvchrnen Teile Obärschlesiercs eine von langer Hand w o h l v o r - bereitete politische Aktion zu dem -Zwecke, noch vor der Lleberrrahme das Gebiet in radikaler Weise »deutschenrein" zu machen. Durch das passive Verhalten der interalliierten Kommission und der Polizei ist dieser Zweck bedauerlicher Weise zum Teil erreicht worden. Durch die Fluchllingsstellen sind gestern al.ern . 1500 Flüch liuge gegangen. Wie versichert wird, hat der Krciskontrolluur von Kattowitz auf em Ansuchen um Ei srhang von Trapprn abschläg'g geantwortet, mit dem Bemerken, dah die Trup­pen nicht zu Polizeizwecken zur Verfügung stün- 1 den.

j Rach einer Meldung des ,Lok.-Anz." macht sich - im Kreise Hindenburg eine neueDanden- tz tätigtet! bumerkd.tr. Aus Myslowi , L'.pine, Knarow und anderen Herden ber polnischen Be­wegung liegen Berichte vor über eine beabsich­tigte Berrieibung der deutschen Bevölkerung Vor allem sollen die Leu schen (Stube b amten durch Polen, Franzosen, Belgier und Tschechen ersetzt werden.

Das neue Wiener Kabinett.

Wien, 31. Mll Die Rationalversammlung wählte den Prclllm Seipel «Ehr. S z) -um Bu'drL'k nl r, Lb r'aatsarw lt Dr 5 ante lErohdeutscher) zum Viz Lvnzler ^ind Mi.i;ter des Innern, den Finanzreferenten in der nieder- österceihischsn Re-gwrung Gra en August 2e- g u r zum Fina:rzmr rister, den Gene.alrat Der

Oesterreichisch-^tngarischen Bank Emil Kraft (Grohdeulscher) zum Zustizminister, den Real- schulprofes vc Einil Schneider (Eh istl. Dvz > zum Lanowirlschastsministec, den Direktor d^s Katholischen Voltsbundes Richard S ch m r h (Ehr. Soz.) zum Minister für soziale Verwaltung, den Hostat Ohdenal (Ehr. Soz.) zu.n Derkchrs- ininister und den bisherigen Hcrndelsminister, Set- tionschef Grünberger, zum Minister des Aeußeren. Die Wahl erfolgte mit den 101 Stim­men der sämtlichen bürgerlichen Abgeordneten. Die 48 Sozialdemokraten stimmten dagegen.

Engerer Zusammenschluß in der Kleinen Entente".

London, 31. Mai. (Wolff.) DieMvr- ning Post" erfährt von zuverlässiger Seite, dah ein formeller Bündnispakt für eine beträcht­liche Reihe von Fahren innerhalb der allernächsten Tage zwischen den Regierungen der Tschecho­slowakei und Jugoslawien werde abge­schlossen werden. Dieser Pakt werde die Entente, die augenblicklich zwischen den beiden Ländern bestehe, in eine viel engere Union umwandeln, und es werde zuversichtlich erwartet, dah Ru­mänien sich diesem Pakt bald ans ch l i e ß e n werde. Dir Konsulderung der Kleinen En­tente, soweit die beiden erstgenannten Mitglie­der in Betracht kämen, sei das Ergebnis der Genueser Konferenz, denn die beiden Re-1 gierungen, die jetzt einen Patt abschllehen würden, hätten entdeckt, dah ihre Ansichten über inter­nationale Probleme vollkommen idemttsth seien und dah ein engeres Zusammenwirken für beide Länder äuherst notwendig sei. Technisch gesprochen stehe der augenblickliche Patt außerhalb der Kleinen Entente und werde chr in keiner Weise in die Quere kommen- wenn jedoch Rumänien dem Patt beitrete, werde aus der Kleinen Entente ein Dreibund. Die Genurser Konferenz habe auch die Tatsache enthüllt, dah eine engere Inter­essengemeinschaft in internationalen (fragen zwi­schen der Kleinen Entente und Polen bestehe. Dieses sei bereit, eine entsprechende Vereinbarung zu treffen, und wenn der neue Dreibund in Kraft fei, werde er die Verpflichtungen der Kleinen Entente gegenüber Polen übernehmen«

Aus dem fReidte.

Neues DrutschbekeurttniL vom Rhein.

K 5 l n, 31. Mai. (WTB) Die Hauptve samm- lung des katholischen Lehrervereins in der Provinz Rheinland beschloh angesichts der immer wieder hervortretenden Loslösungs­best rebungcn im Rheirlande folgende G.'klä- rung: Die im katholischen Lehrervereln organisier­ten katholischen Lehrer des Rheinlands stehen fest und unwandelbar zum deutschen Reiche Die uns anbertraute Fugend wollen wir in gut kathvllschem Geiste zur christlichen Nächsten* liebe und damit zur wahren Dölkerversöhnung er­ziehen. Wir wollen sie aber auch erziehen zu edler Hekmats- und Dateiclandslie'e; sie soll ihr Vater­land desto mehr lieben lernen, je gröber feine Rot ist.

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Aus Stobt und Land.

Gießen, den 1. Zani 1922.

Amtliche Personalnachrichten. Ernannt Um den am 23. M^i der Lehrer Hak. L a m e l t zu Ober-Ohmen, derSchulamtsanwärter Wilhelm Pullmann aus Ob r-Ramstadt za Lehrern an der Volksschule zu Hühnlein, Kreis v^nsyerm. Grnuniu wurde am 20. Mai der Oberbausekretär beim Hochbauamt Offenbach Fer­dinand Fischer aus Offenbach zum Dauschätzer im Sfreiä Offenbach unter Belassung der Amts- bedtir*b«rVv-Tf '?retär

"OberhesfischerKun st verein. Rach dem Geschäftsbericht über das Jahr 1921 nahm die .günstige Entwicklung, in welcher der Ober­hessische Kunstverern seit mehreren Jahren, sich be­findet auch im Jahre 1921 einen erfreulichen Fort­gang. Im abgelaufenen Jahre waren folgende Ausstellungen veranstaltet- Im Januar fand eine Llusstellung von Werken des Vereins Münchener Aquarellisten statt. Dieser folgte eine Ausstellung der Künstlerinnen-VereinigungDer Kreis , München. Im März schloß sich eine Sonderaus- stellung der Kasseler Künst er an, an der sich sämt­liche Akademie-Professoren mit ihren Arbeiten be­teiligten. Im April konnte die Ausstellung der

Frankfurter Künstlerschaft durch ihren Vorsitzen­den Professor Körner eröffnet werden. Im Mai fand eine Sammelausstellung statt, worunter sich u. a. eine größere Kollektion von Professor H. von Volkmann, sowie von dem bekannten Dresdener Künstler I. Hegenbarth befanden. Der Zuni bis Juli brachte eine graphische Ausstellung von hes­sischen Künstlern, an 'der sich auch Professor PH. Frank, Berlin mit mehreren Werken beteiligte. Im Monat August war die Ausstellung geschlossen. In den Monaten September bis Oktober fand als­dann eine graphische Ausstellung bekannter Mün­chener Künstler statt, der sich während der Monate Rovember bis Dezember eine Ausstellung der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler und des Verbandes der bildenden Künstler in Hessen an» schloß. Diese Ausstellung wurde mit einer An­sprache von Professor Deher, Darmstadt eröffnet. Der Mitgliederbestand des Vereins betrug Ende 1920 451, nach Ausscheiden von 21 und Reu­eintritt von 90 ergab sich Ende 1921 ein Mit­gliederbestand von 520.

** Iu bilare der Arbeit. Heute vor 40 Zähren trat der Prokurist Heinrich Balser in die Firma S. Bock & Ev., Zigarrenfabriken, ein, die damals gerade auf 25 Jahre ihres Bestehens zurücksehen konnte. Die Verdienste, die sich der Jubilar in den letzten vier Zahrzehnten um die Entwicklung des Unternehmens erworben hat, wurden heute früh in einer schlichten «frier in Gegenwart der Inhaber und des gesamten Kon- to.pe.sona^s hervorgehoken. Dem allseits P lieb­ten und wegen ferner Pflichttreue hochgeschätzten Beamten werden von feiten der Chefs und Be­rufskollegen mannigfache Ehrungen zuteil. Sein 50jähriges Arbeitsjubiläum feiert am 5. Juni der Bearbeiter Heinrich Diehl, Wiesecker Weg 28. bei der Firma Em- melius, Zigarrenfabrik. Marburger Straße.

** Die Entschädigungsordnung vom 30. Huli 1921, welche die Festsetzung von Entschädigungen und Vergütungen für Schaden aus Anlaß des Krieges unddes Frie­densschlusses zum Gegenstand hat, sieht in ihrem § 31 vor, daß der Vorsitzende einer Spruch­kammer im Wege der Einigung mit dem Antrag­steller die Entschädigung festsetzen kann. Diese Bestimmung fst in der Oeffentlichkeit nicht in dem Maße bekannt, wie dies im Interesse des Deichs und der Geschädigten liegt. Das Gini- gungsverfahren bedeutet eine wesentliche Ent­lastung der Spruchkammern und eine erhebliche Deschleunigung des Entschädigungsverfahrens. Es kann daher den Geschädigten nur dringend nahe gelegt werden, in möglichst großem Umfange von der Möglichkeit des Abschlusses von Einigungen Gebrauch zu machen.

** Deichsbanknoten zu 10000 Mk. Mit der Entwertung des Geldes steigt anderer- settS die Höhe der Danknotenwerte. Das Reichs- bankdirektorirun macht bekannt, dah in der näch­sten Zeit neue Reichsbanknoten zu 10 000 Rll. ausgegeben werden. Sie sind nahezu 210x124- Millimeter groß und auf weißem Papier gedruckt. Auf der Vorderseite befindet sich links ein etwa 45 Millimeter breiter, nur mit einem länglichen olidgelben Linienmuster belegter Schaurand, der bei Der Durchsicht ein sehr ausgeprägtes, band­förmiges Wasserzeichen erkennen läßt. Das Wasserzeichen besteht aus weih umrandeten, nur durch einen dunklen Ballen voneinander getrenn­ten, geschwungenen Rauten, die abwechselnd in Heller und dunkler Schrift die Wertzahl 10000 Mark zeigen. Das Wasserzeichen ist mit kupfer- braunen, auch in der Durchsicht gut erkennbaren Fasern durchsetzt. Das DruLüld der Vorderseite zeigt u. a. im rechten oberen Feld einen Dürer- schen Männerkopf ist grauer, durch olivgelben Schuh- und Ergänzungsdruck belebter Farbe. Die Rückseite bietet dem Beschauer zunächst einige sinnfällige Papiereigentümlichkeiten. Durch die Mitte des teilweise ftarf aufgehellten Druck- Hildes erstreckt sich ein orangeroter Faserstreisen. Der druckfreie, rechts befind.iche Schaurand zeigt eine graue, teilweise wolkige Papiertönung und zahlreiche, teils an der Oberfläche liegende, teils mehr oder weniger eingebettete bapferdraune Fa­sern über dem Wasserzeichen.

* Wohin mit den alten Musikalien? Wir werden um den Abdruck eines Aufrufes ge­beten, in dem es heißt: Die ungeheure Teuerung hat auch den Musikalienhandel ergriffen, und die sogenannten billigen Ausgaben der Klassiker kosten heute weit mehr als das Zwanzigfache des Frie­

denspreises. Um so größere Bedeutung getoümen dadurch die öffentlichen Bibliotheken, fowett sie auch Musikalien sammeln, in Hessen por allem die Landesbibliothek in Darmstadt mit ihren bis jetzt schon weit über 20 000 musikalischen 'Werken aller Zeiten, welche ihre Bestände, soweit es nicht kost­bare Handschriften und Prachtausgaben sind, innerhalb des Landes an alle vertrauenswürdigen Personen verleiht. In vielen hessischen Famillen sind seit Generationen reiche Rotensammlungen zu­sammengekommen. Vieles davon ist auch heute noch brauchbar und wertvoll, sollte daher der 2lll- gemeinheit durch Uebergabe an die Bibliothek zu­gänglich gemacht werden, anderes hat für das musizierende Publikum fein Interesse, also auch für die Musikalienantiquare keinerlei nennens­werten Geldwert, kann darum aber doch von größ­ter kulturgeschichtlicher Bedeutung sein. Die ßan- desbibliothek (frühere Hofbibliothek) in Darmstadt ist dankbar für Schenkungen, will aber auch alle verfügbaren Mittel aufbringen, um da Entgelt zu geben, wo die Rot der Zeit unentgeltiche Ueber* gäbe unmöglich macht.

** Müllersche Badeanstalt. Wassev- wärme der Lahn am 1. Juni: 20 Grad R.

Bornotizen.

Tageskalender für Donners^ tag. Postkeller, SVs Uhr: Vortrag der Orts­gruppe des Alldeutschen Verbandes. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße, ab heute: .Hasenlore", 2. Teil, und »Die Tänzerin auf dem Tugendpfad".

Landkreis Gießen.

e Grotzen-Linden, 31. Mai. Am Sonn» tag, den 11. Juni, soll der, auf dem neu angelegten Ehrens r.iedhvf errichtete Gedenkstein zum Gedächtnis der Gefallenen eingeweiht werden.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 30. Mai. Die Vorbereitung gen für die würdige Ausgestaltung der F e i e r des 700jährigen Stadt jubiläums schreiten rüstig fort. Den Zeitverhältnissen entsprechend soll die Veranstaltung keine rau­schende Festlichkeit sein, sondern eine dem Er­eignis entsprechende schlichte Feier. Gleichzei­tig feiert der hiesige Geschichts - undAl- tertumsderein fein 25jähriges Bestehen. Die Jubiläumsfeier findet am 2 4. und 2 5. Juni statt. Einen Glanzpunkt dürfte der für Sonntag,den2 5. Juni geplante Festzug mit historischen Gruppen aus Alsfelds reicher, geschichtlicher Vergan­genheit werden, den die hiesigen Vereine und Innungen stellen. Die zum Jubiläum zur Aus­gabe gelangende Festschrift, an der erste Auto­ren mitwirken, wird ein bleibendes Andenken an die Feier bilden. Sie wird in geschmack­voller, künstlerischer Ausstattung erscheinen. Mit dem Stadtjubiläum findet eine Ge­werbeausstellung statt, die 14 Tage dauert und Zeugnis ablegen soll vom Als­felder Gewerbefleiß. Die Leitung der Ausstel­lung liegt in den Händen von Gewerbeschul- inspektvr Schindel und Architekt Rohr- b a ch. Zur Jubiläumsfeier wird eine größere Anzahl gebürtiger Deutsch-Amerikaner ein» treffen. Ein würdevoller Verlauf des Festes steht zu erhoffen.

§ Ermenrod, 30. Mat. Das Zeil» waldfest hat eine so starke Beteiligung ge­sunden, wie es in den letzten Zähren nicht der Fall war. Der erste Tell des Wald festes war gedacht als ein liturgischer Waldgot'eZdienst mit dem Kernpunkt einer Gustav Adolf »Feier. Unter der geschickten Führung von Piayrec Georgi- Ermenrod- hatte diese Feier die rechte Kürze ,und Würze. Die Pvsaunen-chöre von Boben- hausen 11 und Unter=©eibertcnrob, die vortreff­lichen Chöre von Helpershain, Stumpertenrod, Kestrich, Elpenrod, Ermenrod und Ver­eine mit den Schülergefängen von Kestrich, Er­menrod und Ober-Ohmen gaben die rechte wür­dige Umrahmung zu den A smachen von Pfarrer Leih, einem aus Elsah-Lothri.igen vertriebenen Geistlichen.

Kreis Schotten.

§ Aus dem Vogelsberg, 31. Mat. Unsere Zager tagen über die ungewöhnlich schle chte Fleischbeschaffe nheit des Rehbestandes. De die jährigen S iehböcke weisen eine JeÜene Magerkeit aus. Der sehr

Dr. Jorge Fred. Fayet

Am 31 März ds. Zs. verstarb in Porto Alegre (Brasilien) im Aller von 72 Zähren der praktische Arzt Dr. Zorge Fred. Faßet. Der Tod des treuen Freundes, des feingebtlbeten, liebens­würdigen Mannes, der längere Zahre, noch zu Anfang des Weltkrieges, in eigenem Hause in Gie­ßen (Gartenstrohe 26) lebte, hat bei seinen zahl­reichen Freunden und Bekannten lebhafte Teil­nahme erweckt. So werden einige Mitteilunoen aus seinem Leben nicht unwillkommen sein. Die Familie Z.Fahet's war eine Waldenserfamilie. Sein Großvater wanderte in Oberhessen ein und begründete in Lich ein Uhrengeschäft. Dessen Sohn, verheiratet mit einer geb. Klingelhöfe r, wan­derte nach San Gabriel (Brasilien) aus, er­warb ausgedehnte Plantagen und gelangte zu be­deutendem Wohlstand. Sein Sohn Zorge (geboren 1850) sollte eine deutsche Erziehung erhalten und bezog Mitte der 60er Zahre vorigen ZahrHunderts das Gymnasium zu Gießen. Er verlieh diese Lehr­anstalt 1869 und studierte Medizin in (Ziehen. Er wurde aktiv beim Korps Teutonia, wo er im Sommersemester 1872 E ster Charg'er e? wurde. Am Schlüsse dieses Semesters wurde er in ein Duell verwickelt, wodurch sein Studium unter­brochen wurde. Er hatte das Unglück, seinen Geg­ner zu töten. Rach Verbüßung seiner Festungs­haft vollendete Faßet sein Studium in Mar­burg und Würzburg, wo er beim Korps Rhenania aktiv wurde. Hierauf verheiratete er sich mit einer Dame aus Gießen, ging nach Brasilien zurück und widmete sich dem ärztlichen Beruf. Er wollte seinen Söhnen ebenfalls eine deutsche Erziehung geben und ging, als diese schul­pflichtig wurden, wieder nach Deutschland zurück. Seine Söhne besuchten deutsche Gymnasien und studierten auf deutschen Universitäten, zogen so­dann aber zur Ausübung des ärztlichen Berufs nach Brasilien. Dr. Zorge Fayet wollte seinen Lebensabend in Gießen verbringen. Der Welt­krieg jedoch nötigte ihn zur Rückkehr in die süd- amerikanische Heimat, wo er vor acht Wochen noch fünftägigem Krankenlager an doppelseitiger Lun­genentzündung verstarb.

Die Veranlassung und der Verlauf des Duells, das die Studicnlaufbahn Fayet's vor nunmehr 50 Zähren jäh unterbrach, ist auf Grund Dyi

authentischem Material bereits 1873 im »Reuen Pitaval" (Sammlung de? i.-iteveffan c'en Kri minalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit, Leipzig bei F A. Drockhaus, 8. Dd., erstes Heft, S. 101112) eingehend behandelt wor­den. Aus Grund dieses Sammelwerks, das wir nach sicheren persönlichen Mitteilungen in einzelnen Punkten ergänzen, geben wir nachstehend eine ge­drängte Darstellung jenes Ereignisses, das von der Fama im Lause der Zahrzehnte teilweise eine falsche Darstellung erfahren hat. Rach dem deuisch- sranzosischen Krieg brachen auf den deutschen Uni- versitäten die Feindseligkeiten zwischen Korps­studenten und Durschenschastern, die während der äußeren Kämpfe des Vaterlandes geruht hatten, mit großer Heftigk-it wieder aus. Es fanden mich in Gießen verschiedene Pistolenduelle zwischen den e'bitterten Gegnern statt. Beim zehnjährigen Stistungsseste der Durschenschast Alemannia am Schlüsse des Sommersemesters 1872 grinste der Stud. pharm. Renting aus Mainz, ein Mit­glied dieser Verbindung, beim Festzug vorn Waoen herab den Ersten Chargierten des Korps Hassia in heraussordernder Weise an. Dies gab Veran­lassung zu einem Pistolenduell, das am 23.August stattfand und unblutig verlief. Der Student Reu- Ung war anscheinend durch den Ausgang über­mütig geworden und ging auf neue Händel aus. Er verbrachte die Ferien in Gießen, well es doch daselbst, wie er sagte, hin und wieder ein Duell gebe. Am 29. August begegnete Stud. Reuling am Dahnhos dem Stud. Zorge Faßet, der in Gesell­schaft seiner Verlobten und mehrerer jungen Damen von einem Ausflug zurückkehrte. Reuling rempelte" den Teutonen von hinten an (stieß ihn mit dem Ellnbogen an, vorsätzlich, wie er später selbst zugab). Fayet drehte sich um und sagte: Gehen Sie mir aus dem Wege!" Darauf R.:Da hätte ich v'el zu tun, wenn ich jedem Sch ... k... aus dem Wege gehen sollte." F. sagte hierauf: Morgen werden Sie von mir hören!" Hierauf entfernte sich Stud Reuling, indem er noch wieder­holt dasselbe Schimpfwort dem T u tonen zurief. Vergebens hatten die Alemannen, die in Beglei­tung des Stud. R. sich befanden, versucht, diesen zu beruhigen. Am solgenden Tag lieh Fayet den Alemannen auf15 Schritte Distanz" fordern. Reuling saß auf dem hohen Roß und sagte:15 ©drille Distanz ist doch verdammt weit." Der Kartellträger entgegnete; .Ein Duell auf Pistolen

ist kein Kinderspiel!" Man einigte sich schließlich dahin, dah das Duell auf 5 Schritt Barriere mit einmaligem Kugelwechsel ft.it fhCen ft Ille. Diens­tag, 3. September, traten die Gegner am kleinen Teich auf der Rordostseite des Schiffenbergs an. Stud. Fayet hatte Dr. Baur, Stud. Reuling Dr. Felsing als Paukarzt mitgebracht. DaS Korps Slarkenburgia hatte die Pistolen (gezogen, mit Percusfionsschlössemr versehen) gestellt Gin Ver- söhnungsversuch, darin bestehend, dah der Llnpar- teiische, Angehöriger des Korps Starkenburgia. jeden der beiden Sekundanten auffvrderte. feine Partei zu fragen, ob sie geneigt sei, sich zu ver­söhnen, blieb erfolglos. Bride Teile antiporteen mitRein"; der Versöhnungsverfuch war eine bloße Formalität. Sodann teilte der Unparteiische die Bestimmungen des Komments mit: Die Pau­kanten hätten auf ihren Standorten zu verweilen, bis das KommandoLos!" erschalle. Dann dürfe ein jeder 5 Schritt weit avancieren. Die Zielzeit, binnen welcher beide Schüsse abgegeben fein müß­ten, sei auf eine Minute bestimmt. Sodann wurden die Pistolen durch Büchsenmacher Dickvre geladen, während der Unpccrteiische die 15 Schritte Distanz ab maß und die Barriere von fünf Schritten ab­steckte. Hierauf verloste er die vier Pistolen und händigte je eine den beiden Paukanten und den beiden Sekundanten ein. Letztere hatten das Recht, im Falle einer Verletzung der Duellordnung auf den Verletzer des Komments zu schießen. Die Duellanten und die Settrndanten nahmen ihre Plätze ein. Sodann kommandierte der Unpartei­ische:Gins, zwe,, drei, los!" Die beiden Gegner zielten einige Sekunden, dann feuerten beide von ihren Plätzen aus. Die Schüsse klangen, als hätten beide gleichzeitig abgedröckt. In Wirklichkeit hatte der Alemanne einen Augenblick früher abgefeuert, aber gefehlt. Dagegen traf der toaffengeübte Korpsstudent feinen Gegner mitten auf die Stirn. Reuling macht» einen Lustsprung nach vorwärts und stürzte lautlos nieder. Dr. Felsing ipachte aus dem nahen Teich einen kalten Aufschlag, der Puls und das Herz schlugen nur noch wenige Minuten, dann entfloh das Geben; Reuling war tot. Stud. Faßet stellte sich sofort dem Staatsanwalt. Am 18. Oktober schon war die Verhandlung vor dem Schwurgericht der Provinz Oberhessen in Dießen. Faßet trat bescheiden und vornehm vor den Schranken des Gerichts auf und machte durch seine anständige Haltung einen guten Eindruck auf ble|

Richter und die Geschworenen. Wenn er auch fein Bedauern über den Ausgang des Kampfes nicht ausdrücklich aussprach, so konnte man doch heraus­fühlen, wie leid es ihm war. Im späteren Leben kam Faßet ungern aus das Ereignis zu sprechen. Tattlose <frager ließ er dann scharf abfahren. Im Zahre 1909 teilte er gelegentlich dem Verfasser mit, daß es ihm femgekgen habe, den Gegner zu töten. Er habe ihm in den rechten Arm schießen wollen. Da habe er bemertt. dah Reuling das Rohr dirett gegen seinen Kopf richtete. Er fuhr darauf mit der Waffe nach rechts, zielte dem Gegner zwischen die Augen und drückte ab. Fast gleichzeitig hörte er die Kugel an feinem Ohr vorübersaufen unb sah den Gegner vornüber stürzen. Das Settivns- Protokoll und die Vernehmung des Gerichtsarztes ergab folgendes:Auf der Stirn des R war ein dunkelrot gefärbter Flecken und in der Mitte des­selben eine rundliche, einen Zentimeter weite Oeff» nung. Rach Trennung unb Zurückschlagung der weichen Kopfbedeckungen auf der linken Seite des Kopfes fiel ein Bleikugel zur Erde, welche un­gefähr zwei und einen halben Zentimeter ober­halb des Einganges in dem Gehorgang unter weichen Kopfbedeckung gesessen h'tte. Die S' lit.er der Stirntafel hatten sich weithin bis m das Gehirn verbreitet. Gin sehr umfangreicher Kanal führte durch die untere Hälfte der linken Gehirn­hemisphäre. Die Wunde war absolut tötlich. Der Tod mußte infolge der Gehimlähmung sofort ein- getreten fern. HervorMheben ist noch, d< der Se­kundant des erschossenen Studenten bei der Ver­nehmung auf Befragen angab, er wisse nicht, wes­halb sein Paukant das Duell verschärft habe Viel­leicht sei es geschehen, um seinen Gegner einzu- schüchtern. Als Reuling niederstürzte, habe Faßet ausgerufen:Ich habe es euch ja gesagt!" Die Verhandlung dauerte nicht lange. Stud. Faßet wurde zu 2 Zähren und 3 Monaten Festungsstrafe verurteilt. Er verbüßte jedoch nur i '-> Zahr (zu Darmstadt, im dortigen Gefängnis, dessen geräu­miger Hof ihm zur freien Bewegung mit dem Recht, Besuch zu empfangen, zugewiesen wurde). Der Rest der Strafe wurde ihm auf dem Gnaden­weg erlassen. In Betracht kam dabei vor allem,, daß er an der Veranlassung des tragischen Kon­flikts schuldlos war. A R.