Ausgabe 
1.4.1922
 
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Hr.Z8

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Zahrgang

Samstag, (. April 1922

Erstes Blatt

Drad lind Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulttrahe 7.

a.i.u-t.. uun a«3eu',eit für die Tagesnummer dis 3'jm Nachm.tag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe jüi Anzeigenv 34mmÄreit> örtlich 120 Pf.auswärts 150 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Br- re 450 Pf. Bei Platz- Vorschrift 20' ^Auf chlag. Haupischriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Coey; für den übrigen Teil: Karl Walthcr; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen

zu leisten.

am Freitag, 7. April, von London nach Genua

Am all-

nannten Linien werten noch tAtSitrelen Scrlin---' Leipzig Führi^RürnbergMünchen Aags-

Die Delegationen für Genua.

Berlin. 31. März. (WTB.) Der ita­lienischen Botschaft in Berlin ift über1 die Zusammensetzung der deutschen Delegation zur Konferenz von Genua folgen­des mitgeteilt werden: Voraussichtliche Delegierte werden sein: 'Der Reichskanzler, der Reichs- minister des Aeutzern, der Reichsfinanzminister und der Reichswirtschaftsminister. Soweit der Reichskanzler an der Teilnahme behindert sein sollte, wird die Delegation durch den Reichs­minister des Aeutzern geführt. Der Delegation werden ferner eine Anzahl beamteter und nicht- beamteter Berater angehören, von denen die ersteren von den beteiligten Reichsressorts und Länderregierungen entsandt, letztere nach Füh­lungnahme mit den vorläufigen Reichswirtschafts- rat als Vertreter des Wirtschaftslebens berufen

ratung über ein Zusammenarbeiten mit den kommunistischen Parteien deS West end. Hierauf folgte die Wahl zum Part.n- vorstand, in den u. a. Lenin. Trotzki, di-* nowjew und Kamenew gewählt wurden. Anschließend hielt Lenin eine über zweistündige sehr optimistische Rede über die politische Lage. Zn be;ug auf Genua erklärte er, dah di? Rus­sen nicht als Kommunisten, sondern auch als Kaufleute hingingen. Handel treiben fet der Wunsch der Russen und der andern. Lenin legte hieraus die Grundzüge der neuen Wirtschafts­politik Rußlands dar.

Moskau. 30. März. (WTB.) 27. März wurde von Lenin der 11. russische Parteitag der Kommu- nisten eröffnet Bei seinem Erscheinen wurde Lenin mit Hochrufen empfangen. Zn der Er­öffnungsrede erklärte er, dah Rußland im ver­gangenen Jahre keine ernsteren Schwierigkeiten mehr zu überwinden hatte, so dah angenommen

genben Linien wieder au f g en o mmc n: 1. HamburgBerlinDresden, 2. BerlinBre­men, 3. BremenHannoverMagdeburgLeip» - ig- Dresden, 4. Stuttga 'tFürthRum berg. 5. MünchenKonstanz. Alle Flüge nur Le Etage. ZuZelassen zur Lustposib.'förter.lng i d g-.H'- liche und eingeschriebene Driefsrndungen aller Art Päckchen, dringende Packele. Zeitungen unZ Flugpostsendungen müssen deutlich ben Termen .Mit Luftpost" oder .Durch Luttpost trägem Die »Zuschlagsgebühren für die e-

rung sind mäßig und gegen den Terke.Tr lO.u . . . ... f Gl -1 V -M- r An ex**»

Augenblick scharf verurteilen, wo diese zum l fahren werden. Der Premierminister wird von ersten Mal erschüttert, oder wie S>err Töirtf) örci ©ejrClären begleitet namli^ wn 6ir

1- d°ri«... 31, »«.genügt ta

mag die Herren Poincarö und Lloyd George auch diesmal daran erinnern, daß die Experi­mente des Reichskanzlers Dr. Wirth dem nationalen Gewissen wider den Strich gegan- ;en sind. Aber das beantragte MihtrauenS- octum berücksichtigt nicht die Notwendigkeit, der Welt klar zu machen, daß die Parteien un- ereS Landes sich all jener Einzelerkenntnisse erfreuen wollen, die sie gemeinsam im Kampf gegen die Anterdrücker verfechten und verwenden können, daß sie Gelegenheiten, ver­ähnliche Dahnen zu neuen Grundlagen un­serer Politik zu finden, nicht verpassen und ver-

3 'Wagen mit Reparation-kohre nach "tem Westen. Rach Italien sind im letzten Haldsahv 1921 an okerschlesischen Kohlen iasge-samt rund 1 527 ODO Tonnen Kohlen befördert worden.

Dic NcparationskomSdic".

London, 31. März. (Wolff.) DieW est- m in st er Gazette" schreibt in einemDie Reparationskvmödie" überschriebenen Leitartikel, daß die Alliierten versuchen werden, eine deutsche Anleihe auf dem Welt­markt zuzulassen. Die Alliierten würden bann setzen, was die Finanzw:lt von ihrer Theorie denke. Man sei wenigstens auf einem Punkt: an» gelangt, wo zugegeben werde, dah es notwendig sti, dem finanziellen Zusammenbruch Einhalt zu tun. Bon diesem Punkte bis zur drastischen Abänderung des gesamten Repara­tionsproblems könne nur noch ein kurzer Schritt fein. Die Tragik der Lage sei jedoch die, daß diese Abänderung nicht vor oder auf der Genueser Konferenz stattsinde und daß. bevor sie stattfinde der Wiederaufbau Europas unmöglich sein werde.

Paris, 31. März. (WTB.) Die Repa­rationskommission hat nach dem Temps in ihrer heutigen Bormittagssihung ihre Zu­stimmung zu den beiden französisch-deut­schen Abkommen gegeben, die am 6. und 7. Oktober 1921 in Wiesbaden von Loucheur und Rathenau unterzeichnet worden sind. Sie habe, sagt das Blatt, diese Abkommen mit Dor- behalten gebilligt, die sich namentlich auf die Rechte der in der Kommission nicht vertretenen Mächte, auf die Buchungsmethode für die Liefe­rungen und auf die Substitutionen bezogen. Das am 15. März in Berlin unterzeichnete französisch- deutsche Abkommen sei ebenfalls gebilligt wor­den unter dem Vorbehalt jedoch, dah Abände- rungen noch an ihm vorgenommen werden müh­ten, um den vorgesehenen Abänderungen des | Bemelmanschen Planes Rechnung zu tragen. Die | Kommission habe beschlossen, dah Demelman noch­mals nach Berlin reifen solle, um über eine Anzahl Abänderungen mit der deutschen Regie- I rung zu verhandeln. Man sei>och der Ansicht, dah es keine Schwierigkeiten bieten werde, die I verlangten Abänderungen zu erreichen.

Die Berlittcr Sozialiftenkonfcreuz.

'Berlin, 31. März. Wie derVor­wärts- mitteilt, sind die ausländischen Dele­gierten zu der Konferenz der drei sozialistischen I Internationalen, die am 2. April in Berlin beginnen soll, in Berlin bereits zum Teil ein­getroffen. Die übrigen werden heute vormit- I tag erwartet.

11. allrussischer kommunistischer Parteitag.

in Paris zu fällenden Entscheidung früh genug I geklärt werden. Wir zweifeln nicht daran, dah | Der Reichskanzler dann im gegebenen Falle noch einmal offen und unzweideutig Deutsch- : ands absolutes Unvermögen feststellen wird, Zahlungen in der geforderten Höhe überhaupt zu leisten. Das neue Buch des englischen Sach­kundigen I. M. Keynes über die Revision des Friedensvertrages führt die allgemei­nen wirtschaftlichen und finanziellen Schwie- ri.gkeiten nicht.in erster Linie darauf zurück, dah ungemessene Forderungen bereits durch­gesetzt seien, sondern er erkennt sie als Folge der Unsicherheit, die der möglichen Durch- etzung solcher Forderungen anhaftet.Selbst wenn, wir," so erklärt er,unsere Wiedergut-1 machungSforderungen auf Deutschlands höchste! Leistungsfähigkeit herabsetzen und Deutschland | zwingen, in diesem Rahmen Zahlungen zu leisten, selbst dann könnte sich gegenüber dem leutigen Zustand die Lage eher noch ver- chlechtern". Diesen Satz mühte man der Re- parationskommlssion und überhaupt den frem­den Gewalthabern scharf einprägen. Die Kon­ferenz von Genua, der nach den Worten Rathenaus das Herz heraijSgebrochen wor­den ist, muh dennoch Mittel und Wege fin­den, den bisherigen Methoden ein Ende- zu machen. DaS Präludium zu dieser Völkerbera­tung klingt nicht sehr verheißungsvoll. Wir Deutsche haben jedenfalls die Pflicht, trotz Poincarö'scher Winkelzüge vor der Revision des Versailler Vertrages eine Klar- und Rich­tigstellung all jener Unwahrheiten und Ver­schiebungen der Sachlage zu betreiben, die zu diesem unerhörten Unfrieden geführt ha­ben. Ob zur Erfüllung dieser unbedingten Pflickt Herr Wirth noch der rechte und geeig­nete Mann ist, muß er uns recht bald bewei­sen. Ein deutscher Regierungswechsel v o r der Konferenz ist fast unmöglich: damit muh man sich abfinden. Roch einmal ist Dr. Wirth Ge­legenheit geboten, nach allen seinen umstritte­nen Praktiken dem Lande erlösende Dienste

toCrZeonbon, 31. März. (WTB.) Wie gemeldetI toeSen~Eonne, das'Schwerste sei töon^überftan wird, wurde gestern von offizieller Seite er-1"" ~----«"* oWnRr« h,-

klärt' daß der Premierministerloyd Gc-

Dor einer neuen Erhöhung der Postgebühren.

Berlin, 31. Marz. (Wolff.) 3m Haupt- auSschuh des Reichstages führte der ReichSpost Minister aus. dgh die Postver­waltung von dem jährlichen Metrbedarf infolge der Be^oldungs- und Lohnerhöhungen im Rech­nungsjahr 1922 je 500 Millionen Mark durch einen Mchrertrag aus den laufenden Gebühren und aus Ersparnissen auf bringen könne. C? bliebe aber immer noch ein mehrfaches Milli­ardendefizit. Um dies aus'.ugleichen, wäre dir Fernbriefgebühr von 2 auf 3 Mark zu stei­gern: dementsprechend wären auch die übri­gen Driefpost gebühren zu erhöhen. Der Ortsbriefver'ehr und der Paketverkehr in der Rahzone bedürften der Schonung. Beim Tele­gramm sei an eine Steigerung der Wortgebühr von 1 Mark auf 1,50 Mark gedacht und bei den Fernsprechgebühren sei zu dem jetzigen Gebühren- ausschlag von 60 Prozent ein nochmaliger Aus­schlag von 60 Prozent geplant. 3m ganzen er­gäbe sich hiernach eine jährliche Mehreinnahme von rund vier Milliarden. Aus den gestrigen Beschlüssen des Hauptausschusses zu der neuen Besoldungsvorlage ergebe sich ein weiterer jähr­licher Mehrbedarf von IV2 Milliarden Mark, der nur durch eine weitere Steigerung der ge­planten Gebührenerhöhung zu gewinnen sei. Als Ausgangspunkt für diese Steigerung habe wieder die Fernbriefgebühr zu dienen, und zwar müsse dann diese Gebühr statt auf 3 Mark a u f 4 Mark bemessen werden. Beim Telegramm wäre eine Steigerung über den Satz von 1,50 Mk. für das Wort zur Zeit nicht möglich.

Ans dem Reiche.

Der neue ReichsernLhrungSminister.

Berlin, 31. März. (WTB.) Der »um Reichsernährungsmini'ter ernannte Reiche tags­abgeordnete Anton Fehr ist seit 1919 ordent­licher Professor der Bayrischen Hochschule für Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan Ge­boren am 21. Dezember 1331 zu Lindenberg im Allgäu, erhielt er nach praktischer Ausübung der Len.w'r.s.ast sein? th.oretische Ausbildung auf der Landwirtschaftlichen Hochschule in Weihen- stephan, an der er jetzt Server ist, und an der Technischen Hochschule in München. Seit Oktober 1915 ist er Vorstand .der Bayerischen Landes­fettstelle hi München.

Ministerpräsident Braun über daS bedrohte Ostpreußen.

B e r l i n, 31. März. (Wolfs.) 3n £cr Sitzung des Preußischen Landtages begründete der Abgeordnete La Win (D. Vp.) zunächst die große Anfrage des Abgeordneten Dr. v. Campe (D Vp ) und Genossen, was das Staatsministe- rlum angesichts des Beschlusses der Vorschuß er- konferenz £u tun gedenke, der fünf deutsche Dörfer auf dem rechten Weichselufer und den Hasen von Kurzebrak den Polen zuspricht. Rach ihm fab Mmisterpräsi.e tBraun e.re Er- riäiung ab, worin er den Entscheid der inter­alliierten Grenzkommissum als eine Maßnahme bezeichnete, die weder mit den Geboten der Ver­nunft noch der Gerech'iakeit in Einklang stehe und geeignet sei. die wirtschaftliche Kraft Deutsch­lands a-tfei schwerste zu schädigen. Der Minister- präsideul wies besonders darauf hin, dah General Dupont, Präsident der Grenzfestschungskommis- sion den beteiligten Kreisen ausdrücklich ver- sprock'!en hatte, vor der endgültigen Festlegung der Grenze die betroffene Bevölkerung zu Horen, dies 7ci nicht geschehen. Rachdem der QKiniftcr- präsident die Hoffnung ausgesprochen lyatle. dah die interalliierten Mächte eine so offensichtliche Verletzung der Testimmungen des Versailler Ver­trages nicht würden gutheihen können, erklärte er zum Schluh: Unteren ehemaligen Kriegsgeg­nern muh doch einmal die Erkenntnis cufbämmcni, dah es ein Widerlinn ist, dem teu'schen Volle fortgesetzt schwere unerträgliche Kriegslasten auf» zucrlegen und gleichzeitig durch Maßnahmen von der Art dicser Grenzfestfchung feine wirtschaftliche Kraft und Leistungssähigkeit zu schwächen und zu untergraben.

Wieder regelmäßiger Lustpostvrrkehr.

Berlin, 31. März. lWolst.) Ad 1. April wird der regelmäßige L u f t P 0 st v 2 r k e h r, der seit dem 1. März 1921 ruht, zunächst auf feb

heute vormittag von demPetit P a r i s i e n" verbreiteten Rachricht, es sei nicht ausgeschlossen daß noch vor Beginn ter Konferenz von Genua eine Besprechung ter amtierten Minister, d. h Delegierten über gewisse Fragen des Programme stattsinden würde, sch eibt der ..TempS", es toürte kein Oberster Rat sein, da ter Leiter ter fran zösischen Regierung nicht anwesend wäre. Sei es also eine neue Truppenschau, die Lloyd Ge­orge abhalten würde, bevor er das Kommando sämtlicher Delegationen übernehme? Die Wir­kung würde jedenfalls nicht günstig sein, weder in Frankreich noch in Belgien, noch bei ten Ra­tionen. die in Mitteleuropa Frankreichs Alliierte seien, und die in Genua 3nteressen verteidigen bauen wollen ' 1 würden, die ten französischen Dedürfnissmr besser

Dte Rede des Reichskanzlers Dr. Wirth 'ngepaht feien wie gewisse Lloyo Georges.

hat neben den höchst anfechtbaren Stellen Mittiftcrrat beim Reichskan ler. ihres zweiten T-:ileS, in denen er von ter Fort- Berlin, 31. März. (Wolff.) 3m Anschluß ührung seiner bisherigen Grundsätze sprach, an die heutige Kabinettssitzung hat ein M i' doch mancherlei Einzelheiten geschickt und n i st e r r a t b e i m R e i ch s l a n z l e r begonnen wirksam dargestellt, die den Ententemächten ter noch andauert. Er be.chaftlgt stch nut Dvi tarte Terl-g-nh-it b-r-iien[(en. Wir er- I 3orber«üing jur K°n!-r-uz von ©erna.

innern nur an das treffende Beispiel von ten 1 'Die i)CUt,d)Cn^OojlCtUtCfCmngen beiten Ententegeneralen, die in unserem QN die EnleN^S.

Lande ein größeres Einkommen besitzen als der n;h-

Reichspräsident und das 6^^^ ^tchSkabi' Darstellung ter bisher von" Deutschland aus nett zusammengenommen, jn solchen Sätzen I He -svill r Bert ages gelei teten

begegnen sich doch die gemeinsamen Gefühle jtobtenliefcrunge.i. Danach sind vorn 1. Sept, aller Deutschen, und daS verdient herausgeho- 1919 tte zarn 31. Dez. 1921 al le 29 Minu t e n den zu werden aus dem Meer deS Me'.nttngS- c i n Eisenbahnzug von 80 Zehn-Tonnen-- treites, der UNS sonst verschlingt. 3m übrigen wagen mit RcparativnLk.hle ütec die deutsch? cheint es uns wenig ersprießlich zu sein, mit Grenze an die Entente ab.-eroM. 2lachtem u> der vom Reichstag angenommenen Cntschlie- eine 6estcigcr.e Aeparatwnekoh.e.rmm;e de- hung Wortklaubereien zu treiben. Die Par- - JtaÄS?

trien haben durch ihre Aeden samt und,°n- ders ihre Stellungnahme klar zum Ausdruck mit Von tcnx Inkrafttreten des Spa-Abkorn- gebracht. Was noch unklar ist^ wird nach deckens an alle 24 Minuten ein Elsen- bahnzug von 1 e 80 Zet>n-Tonnen- wagen die deutsche Grenze verlassen: mit an­deren Worten: Jede Minute- geben nv hr als

Wochenrücüblick.

'Das Kabinett Dr. Wirth hat einen parlamentarischen Sieg" erfochten so verkündigten einige Blätter seines An­hangs in großen Lettern und vergaßen dabei fast Vie Hauptsache. Ach, dieser parlamen­tarische Sieg ist des Rühmens nicht so viel wert, denn die Hauptentscheidung steht noch bevor. Sie fällt in P a r i S und London. Die Reden im Reichstag sind außerdem nicht der deutschen Weisheit letzter Schluß; es kommt vielmehr auf den Wortlaut ter Antwort­note an, die der Reichskanzler nach Paris absenden wird.

On der jetzigen Situation die Zustimmung einer ansehnlichen Mehrheit des Reichstags zu erhalten, dazu bedurfte es nicht überragen­der, staatsmännischer Fähigkeiten. Das Selbst­verständliche war keine Weisheit. Der In­halt jener Entschließung, die der Reichstag mit 248 gegen 81 Stimmen bei 43 Enthaltungen angenommen hat, war nur das schlichte Zeug­nis, daß die Regierung eine bestimmte Erwar­tung erfüllt, nicht etwas Unglaubliches und Unmögliches unternommen und gesagt hat. ES wurde formuliert, daß in gewißen Sätzen und Feststellungen, die an fcaö Ausland gerichtet sind, unter Volksvertretung und Regierung Uebereinstimmung besteht. Das ist kein Ver­trauensvotum für Dr. Wirth, k 0 n n t e e-S gar nicht fein, denn der Reichskanzler hat uns kei­nen Blick in das Buch der Zukunft tun lassen, in dem seine weiteren Schritte verzeichnet sein werten. Wenn der Meister der eng­lischen Staatskunst. Lloyd George, nächsten Montag seinem Parlament geaenüberlrirt, wird-die Entscheidung über sein Handeln eine ganz andere Bedeutung haben. Dort wird wirklich um das Programm von Genua die Vertrauensfrage gestellt. Das deutsche Volk und sein Reichskanzler sagten am Mittwoch nur, welche Forderungen seiner Gegner es a b l e h n e n muß. Wie die Politik des Reiches in acht oder vierzehn Lagen aussehen wird, das hängt von den bevorstehenden weiteren Schritten der Entente ab.

Gewiß, er war ein bedeutungs­volles Ereignis, dieser teilweise Versuch einer Klärung im Reichstag. Der Kanzler der ErsüllungSpolitik, ter den Feinden gegenüber geduldige, opferwillige, nachgiebige Meister ter nationalen Resignation, beginnt zu er­kennen. dah seine bisherige Mission erledigt ist, daß der Feind siestört" und über den Haufen wirft. Er spricht zum ersten Mal ein entschlossenes Rein, geißelt endlich mit har­ten Worten daS unsinnige Zerstörungswerk der sogenanntenSieger. DaswareS, was auch seine innerpolitischenGegner vonihmsichgerade noch wünschen mußten. DaS Spiel der falschen Hoff­nungen und Einstellungen muhte zu Ende gespielt werden, bevor ein neues System des nationalen Widerstandes wirksam inS Leben treten kann. Richt nur die deutschen Illusio­nen einer übertriebenen ErfüllungSpoliti muhten zerfliegen auch im AuSlande gilt es, Rebel zu zerstreuen und Bemühungen zu vereiteln, Die darauf gerichtet sind, deutsche VolkSteile gegeneinander auszuspielen. DaS war der tiefere Sinn der Reichstagsentschei­dung. und wir sind der Meinung, trotz un­erquicklicher Abschweifungen unvermeidlicher Parteipolitik ist die erwünschte Wirkung doch erzielt worden. ES war unseres Erachtens not­wendig und richtig, dah die Deutsche VolkSpar- tei der Manschen Entschliehung zustimmte, um

ten. Immerhin beständen noch Gefahren, die 1** >H __

I man nicht aus .dem Auge lassen dürfe. Ein j bis 1921 unverändert geblieben. Au ,r ten g.

0rg'e H Eurz 0 n und Sir Robert Hörne | Hauptzweck ter jetzigen Tagung str tee Fe" * " *

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jene Klärung und Aufklärung herbeizuführen, die für daS Ausland bestimmt war. Diesem hatte Herr Wirth klar und Deutlich erklärt, dah die Politik der Reparationskvmmission ein Ansinn sei, der abgelehnt werten müsse. Wenn er weiterhin erklärte, in anderen Gedanken­bahnen Verhandlungen zugänglich zu sein, so kann man darüber hinweggehen. Die Kabi- nettSfrage wird noch früh genug aufgerollt werden, und dieKlärung", Die Herr Hergt und seine Partei mit ihrem zur Anzeit ein­gebrachten Mißtrauensvotum bezweckten, würde uns keinen Schritt weiter bringen. Denn daS wissen wir ja zur Genüge, daß Dr. Wirth im allgemeinen ten Beifall oder die Zu­stimmung der beiden Rechtsparteien nicht besitzt. Die Führung der Deutschen DolkSpar- tei war in ihrem guten Recht, wenn sie von einem allgemeinen Vertrauensvotum für die Regierung nichts wissen wollte, und Herr Wirth und die KoalitionSparteien waren hin­terher klug und einsichtsvoll genug, nicht mehr zu verlangen, als was sie aus den Wünschen einer diesmal wirklich vorhandenen großen Mehrhe'ck des Reichstags ablefeu konnten.

Die Motive der D e u t s ch n a t i 0 n a l e n Volkspartei sind indessen keineswegs verwerf­lich. Dah auch sie die Zumutungen der Repa- rationskommissron rundweg in schärfster Weise ablehnt, ist allgemein bekannt und selbswer- ständlich. Sie will dem AuSlande von einer anderen Front her begegnen, will Die Erfül- lunaspolitik des Reichskanzlers auch in dem