Ausgabe 
31.8.1921
 
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Einladung Deutschlands zur Konferenz über die Alandsinseln.

Berlin, 30. Aug. (WTB.) Der General­sekretär des Völkerbundes lud die deutsche Regierung ein, an der Konferenz über die Neutralisierung und Entfestigung der Alands- Inseln teilzunehmen. Eine gleiche Einladung ist auch an Dänemark, Estland, Finnland, Frank­reich, Großbritannien, Italien, Lettland, Polen und Schweden gerichtet. Die Einberufung der Konferenz entspricht einer im Juni ds. Is. er­gangenen Entscheidung des Völkerbundrates, worin die Souveränität über die Alandsinseln Finnland zugesprvchen wird, zugleich aber eine internationale Konferenz aller beteiligten Staa­ten über die Entfestigung und Neutralisierung der Inseln vorgesehen wurde. Wie wir Horen, hat die deutsche Regierung die Einladung angenommen. Ort und Zeit der Konferenz stehen noch nicht endgültig fest.

Die fällige Goldmiltiarde bezahlt!

Verl i n , 30. Aua. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Ientralausschusses der Reichs­bant berichtete der Vorsitzende, Vizepräsident Glasenapp, über die Entwicklung der Vank während der letzten vier Wochen. Er teilte mit, baß die am 31. August fällige Milliarde Goldmark bezahlt sei. Er bemerkte dazu, es habe sich als notwendig erwiesen, aus den Gold­beständen der Reichsbank einen Betrag von 68 Millionen Mark in GolddollarS und anderen aus­ländischen Goldmünzen herzugeben, der sich auf dem Wege nach Aeuyork befinde.

Die Zurückziehung der amerikanischen Truppen.

Reu hort, 30. Aug. (WV.) DerNew Bort Herald" meldet aus Washington daß schon Besprechungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Alliierten über die Zurückziehung der amerikanischen Truppen vom Rheine statt- gesunden haben.

Das Urteil gegen Jofchke.

Berlin, 30. Aug. (Privattel.) DieVossi- sche Zeitung" meldet aus Breslau: Im Prozeß wegen der Ermordung des Majors Montaldgre ist der Angeklagte I o s ch k e zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die Schuldfrage auf Mord wurde verneint. Es wurde Totschlag angenommen.

Der griechisch-türkische Krieg.

Paris, 30. Aug. (WTB.) Amtlicher grie­chischer Heeresbericht vom 28. August 1921: Die Schlacht am Sakharia dauert mit voller Wucht an.

Ncnch einer HavaS-Meldung aus Konstan­tinopel tobt die Schlacht am Sakharia an der ganzen Front in voller Wucht weiter. Beide Teile meldeten den Sieg. Es sei daher klug, zu wgrten, bevor man das entgültige Ergebnis des Kampfes meldet. Die militärischen Operationen Bellen zwei Phasen dar: 1. Während die grie­chische Armee auf der Linie EskiDchehin-Abiun 2-Karrahissar und der Gegend von Ifirhisfar ope­rierte, zogen sich die nationalistischen Truppen tauf daS rechte Ufer deS Sakharia zurück, wo sie sich auf einen ernsten Widerstand vorbereiteten. Am 19. August erhielten die griechischen Truppen Ben Befehl zum Vormarsch und erreichten ohne großen Widerstand das linke Ufer des Sakharia. 2 Die nationalistische Armee verstärkte ihren Druck aus die beiden Flügel des griechischen Heeres südlich von Bilodjtk und südlich von AsiunKara- chissar und Tschebalar, was von einem griechischen Bericht vom 24. August bestätigt wurde. Das Gros der türkischen Armee markierte sich auf dem rechten Ufer des Sakharia und eines Nebenflusses des Ghökfö. Die griechischen Truppen unternah­men eine doppelte Einkreisungsbewegung im Nor­den in der Nähe von Gordium und im Süden durck die Salzwüste. So ist die gegenwärtige Lage. Nach den letzten Nachrichten ist die griechische GiTrkreisungsabteilung, die durch -die Ebene von Haymana vorrückte, in der Nhhe von Dasdagh auf türkische Kräfte gestoßen und konnte ihre Be­wegung nicht auSsühren. Die griechische Ar­mee ist also gezwungen, die Schlacht in zwei verschiedenen Gruppen anzunehmen, die durch die Massiv des Bosdagh getrennt sind. Ein Erfolg der kemalistischen Armee über eine dieser Gruppen könnte den Rückzug der anderen Gruppen nach sich ziehen.

Oesterreich und Ungarn.

Wien, 30. Aug. (WTB.) Wie die ..Polit. Korresp." meldet, erschien der ungarischeGe- sandte Masirovich heute beim Bundes­kanzler, um dem Bedauern der ungarischen Regierung über die Vorgänge in Westungarn und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß es möglich sein werde, diese nach der Meinung der ungari­schen Regierung teilweise tendenziösen Nachrichten Über die Vorgänge aufzuklären, um die Bemühun­gen zur Herstellung eines freundschaftlichen Ver­hältnisses zwischen den beiden Staaten erfolgreich fortsetzen zu können.

Aus dem Reiche.

Em braunschweigischer Minister durch Kom­munisten mißhandelt.

Braunschweig, 30. Aug. (WTB.) Mit Rücksicht auf die Unruhen unter der Ar­beiterschaft sollten in der Waggon­fabrik in Delligsen die Arbeiter entlassen werden. Die braunschweigischen Minister Stein­brecher, Antrick und Oerter begaben sich zu den Werken, um eine Einigung mit den FabriNeitern und den Arbeitern berbeizusühren. Die Versamm­lung wurde jedoch durch Kommunisten ge­waltsam unterbrochen. Darauf begaben sich die Minister nach Delligsen, um in der Wirt­schaft Mittagessen einzunehmen. Als es vor der Wirtschaft erneut zu Unruhen kam, versuchte Minister Oerter durch eine Ansprache die Menge zu beruhigen. Darauf erhielt er mit einem Stock einen Schlag über den Kopf, so daß er eine stark blutende Wunde davvntrug. Infolgedessen muhte er sich in ärztliche Behand­lung begeben.

Die Lohnbewegung im'Bergbau.

Berlin, 30. Aug. (WTB.) In Verfolg der Verhandlungen über die Lohnbewegung im Bergbau vom 2. August erklärten sich die Arbeitgeber des Kohlenbergbaues gelegentlich der heutigen Beratungen des Reichskohlenver­bandes mit den Arbeitnehmern bereit, am 1. Sep­tember zu zentralen Beratungen über die Lohn­frage zusammenzutreten. Es besteht die grund­sätzliche Bereitwilligkeit, der eingetretenen Teue­rung im Rahmen der Wirtschaftlichen Möglich­keit durch entsprechende Lohnerhöhungen gerecht zu werden. Im Anschluß an die Besprechungen sollen die Verhandlungen in den einzelnen Re­vieren unverzüglich aufgenommen werden.

Aus Hessen.

Beileidstelegramme Ulrichs.

Darmstadt, 30. Aug. (Wolff.) Der Staatspräsident hat für das Gesamtmini­sterium an Frau Erzberger (Biberach) fol­gendes Telegramm gesandt:Das hessische Ge- samtministerium verfehlt nicht, Ihnen seine auf­richtige Anteilnahme an dem unendlich schweren Verlust zu übermitteln, der Sie durch das ver­abscheuungswürdige Verbrechen an Ihrem Ge­mahl betroffen hat. gez. Ulrich, Staatspräsident." An die Zentrumsfraktion des Reichstags sandte Präsident Ulrich folgendes Telegramm: Aus Anlaß des tragischen Ablebens des Reichs- tagSabgevrdneten Erzberger, der einem verab­scheuungswürdigen Verbrechen zum Opfer gefallen ist, spricht das hessische Gesamtministerium der Zentrumsfraktion des Reichstages aufrichtige Teilnahnte aus."

Aus dem besetzten Gebiet.

Auslieferung Deutscher an französische Kriegsgerichte.

Köln, 30. Aug. (Grz.) Nach einer Mit­teilung derKöln. Ztg." sind in letzter Zeit verschiedene Deutsche an französische Kriegsgerichte durch die deutsche Regierung ausgeliefert worden. Das Kölner Blatt weist darauf hin, daß diese Aus­lieferungen aufgrund der Bestimmungen des Art. 4 des Rheinlandabkommens erfolgt sind, welche Deutschland verpflichten, deutsche Staatsangehörige auszuliefern, die sich eines Vergehens gegen Personen der Verbands- mächte schuldig gemacht haben. DieKölnische Ztg." weist darauf hin, daß diese Bestimmun­gen zu den Rechtsanschauungen aller zivili­sierten Staaten in schroffem Gegensatz stehen, die einhellig den Standpunkt vertreten, es könne keinem Lande zugemutet werden, seine eigenen Angehörigen dem heimischen Richter zu entziehen und einer anderen Regierung auszuliefern. Die neue deutsche Reichsverfas­sung habe selbstverständlich sich diese allge­meine europäische Rechtsanschauung zu eigen gemacht. Sie bleibe aber wirkungslos gegen­über den Bestimmungen des Friedensvertra­ges. Das Blatt wirft die Frage auf, ob die deutsche Regierung nicht beabsichtige, gegen dieses Auslieferungsverlangen Stellung zu nehmen, das besonders von französischer Seite erfolgt.

61. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

Frankfurt a. M. 30. August.

Auch die dritte und letzte geschlossene Mit­gliederversammlung war wieder bis ins letzte Eckchen gefüllt. Universitätsprofesfor Dr. Georg Briefe- Freiburg sprach überWirtschafts- und Sittengeseh". Die katholische Sitkenlebre und So­zialphilosophie habe keinen Augenblick Zweifel daran gelassen, daß sie schwerste Einwendungen gegen die individualistische Staats- und Wirt- schaftSversassung zu erheben hat. Der Redner schloß mit den Gedanken: Weil unser Schicksal mit dem Aufwachen des Gerechtigkeitssinnes und des

Hermann von Helmholtz.

Zur 100jährigen Wiederkehr seines Geburtstages.

Bei dem heutigen Stande von Wissenschaft und Technik ist e8 unmöglich, daß jemand auf allen Gebieten deS Wissens und Könnens be­schlagen ist. In alten Zeiten waren Llniverlal- menschcm keine Seltenheit. Nichtsdestoweniger gibt es biS zu einem gewissen Grade Ausnahmen, und eine solche bildet Helmholtz. Zwar fällt seine Jugend noch in eine weniger entwickelte Zeit als die Gegenwart, in eine Zeit, in der es schließlich noch möglich war, auf mehr als einem Gebiet Fachmann zu sein, aber sein Leben, welches 73 Jahre lang dauerte, reicht bis in die moderne Zeit, und Helmholtz ist trotzdem Beherrscher faß aller Gebiete der Wissenschaft gewesen, der Physik, der Phvsiologie, der Medizin, der Mathematik' der Meteorologie. der Philosophie und der Aesthe- tik. Deine Bedeutung ist denn auch schon recht früb ertannt worden, und er hat Früchte feiner Arbeit und Ehrungen aller Art, darunter die Verleihung des persönlichen Adels, erlebt und ,sie stets als Ansporn "für neue Werke empfunden.

Hermann von Helmholtz wurde am 31. August 1821 alS Sohn eines Gymnasiallehrers zu Pots­dam geboren; eS war ein schwächliches und stilles

Kind, und es ist zu verwundern, daß sich daraus ein Mann von gewaltiger äußerer Erscheinung entwickelte, mit einer unverwüstlichen Gesundheit und Schaffenskraft. Sein Ruf führte ihn als Meister an eine Reihe berühmter Bildungsstätten: noch als Greis von 67 Jahren nahm er das Amt eines Direktors der damals gegründeten Physi­kalisch-technischen Reichsanstalt zu Charlottenburg an. nachdem er fast zwei Jahrzehnte lang an der Unioeifität Berlin sein Lieblingsfach, die Physik, vertreten hatte.

Helmholtz besaß eine ganz hervorragende Be­gabung für Mathematik, in deren Disziplinen er sich meist durch Selbststudium eingearbeitet hatte. Er war so imstande, alle Fragen, besonders die physikalischen, von einer Höhe herab zu behan­deln. die seinen Arbeiten von vornherein den Stempel der Klarbeit und Ucbcrlegenbett auf­drückte. Das gilt schon gleich von seinem ersten Hauptwerk, der Schrift:Lieber die Erhaltung der Kraft", die im Jahre 1847 erschien; in die heutige Ausdrucksweise übersetzt, müßte der Titel der Schrift lauten:Heber die Erhaltung der Energie". Energie ist ArbeitSvvrrat, und Helm- bolh zeigte, daß bet all den Formen, in denen die Weltenergie auftritt (mechanische. Wärme-, elektrische Energie usw.) die Summe der vor-

Demeinschastsgedankens tn der ganzen Well eifern verknüpft ist, darum sehen die Katholiken ihre prvvidentielle Mission darin, diesem Gedanken wieder ein weites Tor bei uns und in der ganzen Welt zu öffnen.

Die Versammlung nahm nunmehr eine An­zahl Anträge einstimmig an. Zu den Kultur- fr a g e n fordert die Versammlung zur Gesundung der deutschen Familie und zur Erhaltung einer zahlreichen Nachkommenschaft gesetzlichen Schutz für das Geben des noch angeborenen Kindes und entschiedene Stellungnahme der staatlichen Be­hörden gegenüber den Auswüchsen des Kultur­lebens, die die Verwilderung des geschlechtlichen Lebens gestatten, wie Prostitution, Schmutzlitera­tur, unsittliche Kino- und Theateraufführungen und Anpreisungen von Mitteln, die den Zweck der Ehe vereiteln. Die Dcrsa.mmlung begrüßt alle Bestrebungen xur Bekämpfung des Schundsilmes und fordert die Katholiken Deutschlands auf, sich an einer Organisation zu beteiligen, die die Kinoreform durchführt. In Bezug auf die Schulfrage fordert die Versammlung katholische Schulen, in denen Llnterricht und Erziehung vom Geist katholischen Leben erfüllt find. Der Religionsunterricht soll nach der Lehre der Kirche unter ihrer Aufsicht und Leitung erteilt werden. Auch für die Fort­bildungsschule wird eine religiöse Grundlage ge­fordert. Gleichzeitig trat die Versammlung für das Weiterbestehen der katholischen Privatschulen ein. Das Zentralkomitee wurde in feiner alten Form wiedergewählt. Zum Ort der nächstjähri­gen Tagung wählte man auf Einladung des Kar- oinals Faulhaber einstimmig München.

In zwei öffentlichen Versammlun­gen im Schumanntheater und im Hippodrom klang heute in später Nachmittagsstunde die 61. Generalversammlung aus. Es sprachen in den Versammlungen Pfarrer Adolf Rvsch - Ander­nach und Dr. Joseph Eberle überbie katho- lische Presse", Weihbischof S p rv l l - Rottenburg und Bischof Ottokar Prohaszka -Stuhlweihen­burg überFreiheit, Autorität und Kirche", und Dr. Karl Gröber unb Pfarrer Dr. Piontek- Köslin überStärkung der Wankenden, Samm­lung der Entfremdeten".

Aus Stabt unb Laub.

Gießen, den 31. Aug. 1921.

Die neuen Fernsprechgebühren.

Die auf Grund des § 12 des Fernsprechgebüh- ren-Gesehes vom Reichspostminister mit Zustim­mung des Reichsrats zu erlassende Fernsprech­ordnung. die die Bedingungen für die Benutzung der Fernsprecheinrichtungen und die Gebühren für den Fernsprechverkehr mit Wirkung vom 1. Ok­tober ab sestseht, ist am 25. August vom Reichs­rat verabschiedet worden. Die Fernsprechteilneh­mer sind danach berechtigt, Einrichtungen, deren Gebühren durch die Fernsprechordnung erhöht werden, bis zum 15. September 1921 zum 30. Sep­tember 1921 zu kündigen. Hinsichtlich der Haupt­anschlüsse endigt diese Kündigungsfrist nach dem feiner Zeit verkündeten Fernsprechgebühren-Gefetz am 1. September 1921. Die wichtigsten Gebühren der neuen Fernsprechordnung sind:

Einmalige Gebühren :

Die Einrichtungsgebühr beträgt:

Für einen Hauptanschluß 200 Mk.

Für einen Nebenanschluß im Gebäude

des Hauptanschlusses 100 Mk.

Für einen Nebenanschluß in einem an­

deren Gebäude 300 Mk.

Laufende Zahresgebühren.

Zuschlag bei Anschlüssen, die mehr als

5 Kilometer von der Vermittlungs­stelle entfernt sind, für jede vollen ober angefangenen nach ber Luftlinie gemessenen 100 Meter Doppelleitung außerhalb bes 5 Kilometer Kreises 36 Mk. Gebühr für einen reichseigenen Neben­

anschluß mit gewöhnlichem Apparat 126 Mk. Dazu für jede vollen ober angefangenen

nach ber Luftlinie gemessenen 100

Meter Doppelleitung zwischen ber

Hatipt- unb ber Nebenstelle 36 Mk.

Gebühr für einen nichtreichseigenen

Nebenanschluß 60 Mk.

Zuschlag für jebe Nebenstelle, bie sich in

den Wohn- ober Geschäftsräumen

eines Dritten befinbet 40 Mk.

Gebühr für eine Ouerocrbinbung zwi­

schen betriebenen Grundstücken 804 Mk.

(720 Mk. Pauschbetrag unb 42 Mk.

für jebes bei ben beiden Hauptstellen

durch bie Querverbindung belegte Anschluhorgan).

Dazu für je 100 Meter Doppelleitung 36 Mk. Gebühr für Anschlußdosenanlagen, für

jede Anschlußdose 12 Mk.

Für jeden außer dem Hauptapparat ge­

wünschten tragbaren Apparat 84 Mk.

Für jeden mit der Anschlußdosenanlage

verbundenen Heinen Wecker 24 Mk.

Für je 100 Meter Anschlußdosenlinie

(Luftlinienentfernung) 36 Mk.

Gesprächsgebühren, Telegramm­aufnahmegebühren usw.

Gebühren für ein Ortsgespräch von

einer öffentlichen Sprechstelle aus 50 Pf.

Für ein Gespräch im Vororts- und Be- zirksverkchr 75 Pf.

Für bie vorherige Liebermittlung bes Namens der Person, mit ber ein Ferngespräch geführt werden soll 2 Mk.

Gebühr für eine Dauerverbinbung zwi­schen zwei Teilnehmersprechstellen besselben Ortsnetzes während einer Dienstpause der Vermittlungsstelle 1 Mk.

Gebühr für bie Aufnahme eines Tele­gramms burch Fernsprecher für bas Wort 10 Pf., minbestens 2 Mk.

Das Zusprechen angekommener Telegramme durch ben Fernsprecher an Teilnehmer geschieht auf An­trag kostenfrei.

Auswüchse des Reklamewesens.

In letzter Zeit find wiederholt Nach­ahmungen von Reichsbanknoten (so­genannte Blüten) zu Reklamezwecken ver­breitet worden. Trotz ber vorhandenen Abweichun­gen zeigen biefe Blüten, besonders, wenn sie zu- fammengefaltet sind, eine gewisse Aehnlichkeit mit den echten Noten, so daß es in einer ganzen Reihe von Fällen bereits Betrügern gelungen ist, fu zu Zahlungen zu verwenden. ES erscheint an­gebracht, das Publikum, inebefonikre die gewerb­lichen Kreise darauf hinzuweisen, daß nach tz 360, Ziffer 6, StGB, die Anfertigung und Verbreitung von Warenempfehlungskarten, Ankündigungen oder anderen Drucksachen ober Abbildungen, welche in Form oder Verzierung dem Papiergelde ähnlich sind, strafbar ist. DaS Reichsbank- Direktorium warnt daher vor Anfertigung, Ver­breitung und gleichzeitig auch vor Annahme der­artiger Blüten.

Wettervoraussage

für Donnerstag:

Frühnebel, heiter, trocken, tags warm, nacht- kühl, wechselnde Winde.

Dem nach Norden abgezogenem Tief ist hoher Druck gefolgt. Das Hochdruckgebiet erstreckt sich heute über Mitteleuropa unb hat unS heitere- Wetter gebracht. Die Witterung wird auch mor­gen noch anhalten.

*

DaS Volksfest auf QSwaldS- garten zugunsten ber Kriegsbeschädigten unb Hinterbliebenen erfreut sich eines sehr guten Be­suchs aus Gießen unb ben Nachbarorten. Am Sonntag waren, wie uns mitgeteilt wirb, 10000 Menschen bort anwesenb. Besondere Beachtung berbient Schmidts Marionettentheater mit Bella- chini bem Zauberkünstler an ber Spitze. Sehens­wert ist auch bas Llliputanertheater mit bem Rie­sen; bie kleinen Künstler zeigen staunenswerte Sti­ftungen. DasTeufelsrad" findet ebenfalls viel Zuspruch. Auch bas Glücksrad wirb stark umringt, denn etz ist ja möglich, ein richtiges Schweinchen zu gewinnen. Die Hallen werden auch gut besucht, hier spielt eine beliebte Tirolertruppe.

D i e Mieterversammlung, die ge­stern abend im Dass Leib ftattfanb, war von ein­zelnen Mitgliedern des Gießener Mietervereins einberufen worden, bie mit der Geschäftsführung ihres derzeitigen Vorstandes unzufrieden sind Herr und Frau Dr. Riemann, bie frühere» Leiter des Mietervereins, hielten eine Aechtserto gungsrede. während mehrere andere Herren für den jetzigen Vorstand eintraten. Zum Schlüsse wurde eine Entschließung angenommen, die der Rücktritt des gegenwärtigen Vorstandes fordert

Bornotizen.

TageSkalender für Mittwoch: OSwaldsgarten, Volksfest des Reichsbunde- btr Kriegsbeschädigten. Astorialichtspiele, Selters- Weg,Sllaven des 20. Jahrhunderts" unbKarl- chens nächtliche Verirrung". Lichtspielhaus Bahnhofstraße,Der Börsenkönig" und .Richte nicht".

Die vberhefsis chen Gemein­schaften, bie am Sonntag auf der Walbbühne ihr Jugend- unb Posaunenfest feiern, finb, wie uns geschrieben wirb, keine politische Körperschaft, fonbcrn ein religiöser Verbanb in­nerhalb ber evangelischen Kirche, ber bie Aus­gabe hat, religiöses Leben zu wecken unb zu pflegen. 21 Prebiger unb 5 Schwestern stehen im Dienste dieser Dolksmission, bie nun feit mehr als 40 Jahren in unserem Lanbe in Iugenbpflege und Evangelisation unserem Volle bie oft ver­schütteten Quellen unserer Freiheit unb Freude zeigen will. Näheres siehe Anzeige.

Landkreis GMef$cn.

Langd, 31. Aug. Am Sonntagnachmittag findet bei Gastwirt Ronthaler ein Vortrag statt überAnwendung ber künstlichen Düngemi11e l". Referent ist LandwirtschastS- lehrer Dr. May von ber landwirtschaftlichen Schule in Sich.

Kreis Lauterbach.

eb. Aus dem Vogelsberg. 30. Aug. In den meist noch sehr heckenreichen Gemar­kungen deS Vogelsberges gibt es tn diesem Jahre trotz der anhaltenden Trockenheit sehr viele Brombeeren, die von zahlreichen einheimi- schen und auswärtigen Sammlern eifrig gesucht werden. Da das Pfund mit 3 Mk. bezahlt wird, bietet das Brombeer sammeln lohnenden Verdienst. Viele mit Viehhüten beschäftigte Personen ver­dienen nebenher noch täglich 4050 Mk. durch Brornbeerpslücken.

banbcnen Energie konstant bleibt, baß bei jebem Vorgang zwar eine Energieform in bie anbere übergeht, baß biefe Llmwanblung aber nach stren­gen. zahlenmäßigen Gesehen sich vollzieht, unb zwar so, baß hierbei Energie Weber verloren geht noch gewonnen wirb Der Heilbronner Arzt Julius Robert Mayer unb ber Englänber Joule hatten einige Jahre vorher schon, unabhängig voneinander, bas Prinzip von ber Erhaltung der Energie rechnerisch unb experimentell erkannt unb feine Gültigkeit ausgesprochen, doch gebührt Helmholtz bas Verbienst, dieses Naturgesetz in genauester und allgemeinster Form nachgewiesen zu haben, und auch er fand es ohne Hilfe eines andern. Aus der Fülle seiner Arbeiten ging sein zweites Hauptwe^ hervor das war die Er­findung des Augenspiegels, bie ihn zu einem Wohltäter ber Menschheit machte Der Augen­spiegel besteht im wesentlichen aus einer Glas­platte. bie unter 45 Grab gegen bie Achse des Auges aufgestellt unb von einer seitlich ausge­stellten Lichtquelle beleuchtet wirb (ber moberne Augenspiegel besitzt praktischere Ausführung): das reflektierte Licht geht durch bie Pupille m daS Auge unb erhellt bie Netzhaut, so baß ein vor ber Glasplatte befinblicher Beobachter bie Netz­haut betrachten kann unb sie wegen ber optischen

Beschaffenheit beS Auges auch vergrößert sieht. Als britter Markstein In ber Reihe ber For­schungen bes großen Meisters sei sein .Hanbbuch der physiologischen Optik" hervorgehoben: darin findet sich seine wertvolle, heutzutage allerdings umstrittene, Farbentheorie unb bie Erklärung deS Anpassungsvermögens unseres Auges für ver- schiebene Entfernungen. SeineLehre von ben Tvnempfindungen" stellt ein viertes Meisterwerk dar. sowohl hinsichtlich beS Stils als auch ber Fülle bes Neugeschasfenen unb beS Gefühls für Aeslhetik. Er gibt hier Antworten auf bie ver- schiebensten Fragen der Akustik, bekannt sind bie von ihm erfunbenen Resonatoren zur Klangana- lyfe. Zahllose anbere Arbeiten von Helm­holtz finb weniger populär geworden, aber des­wegen nicht weniger von Bedeutung und unent­behrlich für den Physiker. Helmholtz gehört auch zu den Männern, bie nicht nur für bie Ge­lehrtenwelt geschrieben haben, fonbem sich eifrig bemühten, ihre Werke in volkstümlichen Vor­trägen und Schriften einer breiteren Oeffentlich- feit zugänglich zu machen. Sein Wirken ist ferner mit bem Werden einer Anzahl anderer großen deutschen Physiker verknüpft, die feine Schüler waren, unb bie Früchte, welche biefe auS ihren Arbeiten geerntet haben, find zum großen Teil ber Anregung seines Geistes zu verdanken. Ch.