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Schmalz-w?stz-rof.

UTVmDnrg, 29. April. (Wolff.> .Wie wir ymt gut unterrichteter Sette Horen, beschlossen die Senate der drei Hansa st ädte schon vor mehreren Wochen, gemeinsam Im Reid>srat den «Antrag zu stellen, in Art. 3 der Reicksversassung die letzten Worte, die sich auf di- ReicyS fa rben in der oberen inneren Gxfe beziehen, zu streichen, h. h. die schwa rz-weiß-rote Flagge als Handelsflagge einzuführen. Die Hansastädte faßten Viesen Beschluß, weil sie von der unbestritten«.: Ännahmc auSgehen, dass die schwarz-weiß-rote ^Flagge noch wie vor als Wahrzeirl-cn beutCrfjec ^wirtschaftlicher Leistungen im AuSlande angesehen «wird und eine Aenüeruna nur zu überflüssigen. Schwierigkeiten beim Wiederaufbau des deutschen Ansehen- führen würde.

Vom Pressekampf.

Berlin, 29. April. Wie dieDeutsche Tageszeitung" hört, ist gegen die Schriftlci- itung derNoten Fahn e" auf Grund des A 130 des Str.-G.-B. ein Verfahren wegen ZlufreizungzumKlassenkampf ein- geleitet worden.

Oberpräsident D ö r s i n g Hat, den Blät­tern zufolge, als Regierungskommissar für Die Provinz Sachsen dieDallesche Zei­lt u n g" für die Dauer von 10 Tagen mit der Begründung verboten, daß sie im April in zahlreichen Artikeln durch Entstellung und unwahre Behauptungen systematisch die Staatsautorität untergraben und hierdurch die öffentliche Ruhe und Ordnung in derselben Weise geschädigt habe, wie die kommunisti­schen Presseerzeugnisse.

-------- -jM.Mr.

flus dem besetzten Gebiet.

Trostlose Zustände im Güterverkehr.

ma. Mainz, 28. April. Die Lage im Güterverkehr unter der Einwirkung der Zoll- Hren^e am Rhein hat sich zurzeit weiter ver­schärft und zu der Zwangsmaßnahme der Eisenbahnverwaltung geführt. Für die Sta­tionen Bischofsheim und Worms wird der ge­samte Güterverkehr, und zwar sowohl vom besetzten ins unbesetzte Gebiet wie auch umgekehrt, vollständig gesperrt werden. Die Ursache für diese trostlosen Zustände sind lediglich in der Langsamkeit derZoll- behandlung zu suchen. In welchem Maß diese auf die normale Güterzugsabfertigung einwirkt, geht aus dem Zahlenbeispiel hervor, daß in Bischofsheim vor der Zollgrenze täg­lich etwa 40 Güterzüge erledigt wurden, wäh- rmb es jetzt nur noch drei sind.

Nieder- und Oderlahnstein.

spd. Riederlahnstein, 29. Ap'rll. Die ÜLdnschen Körperschaften von Ober- und Nie- perlahnstein sowie die Vertreter aller Bür- aer-, Beamten -intb Arbeiterorganisationen sprachen sich in einer Zusammenkunft einmütig für die Vereinigung der beiden. Lahnstein auS. EineVolksabstimmung" , 5oll in Kürze üb« die Vereinigung ent* ffcheiden. .

AttS StaM ttttö Catiö.

G i e ßen, den 30. Aoril 1921.

Der Raturkalender von Gießen.

Der phünologische Kalender von Geh flfat Hoffmann hat vrelen unserer Les« An* !laß zu vergleichenden Beobachtungen ge* E" Wir wollen ihn dah« auch für Sie

jeweils am Anfang des Monats be­geben und bemerken nur nochmals, daß die erngcffammerten Ziffern die Zahl der Beobachtungen inn«halb fünfzig Beobach­tungsjahren bedeutet.

Im Mai sei nur einzelnes hervvrzw heben. Am 1. entfaltet die Eickre ihre erster Blätter (23), währerch am 3. d« Buchenwalt (ftfyan völlig grün ist (41). Am 6. gibt es bk ersten offenen Maiglöckchen (34), am 7. blüht die Roßkastanie (35) und 10. der Waldmeister loder baS Maikraut (11). Am 12 blüht die .Eiche (17) und «st am 14. ist d« Eicl)wald völlig grün (27). Am 12 ist auch die Blüte deS gefleckten Aron völlig entfaltet (17), am 17. stäubt die Kies« und in den letzten Tagen Höben u a. Korn (35), Kamille (11), Hol- Lrnt>« (35), Himbeere (8) und Koniblume ^6). Don Tieren zeigt sich am 11. die erste HauS- oder Mehlschwalbe (18), am 15. zirpt die erste Grille (12), am 17. Mögt die erste Wachtel (25), die leid« jetzt fast ganz ver- tchv-unden ist, und fliegt d« erste Schwalben­schwanz (5).

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wolkig bis bedeckt, meist trocken, kübl, öst­liche Winde. Die Wetterlage hat sich noch nicht wesentlich verändert.

Amtliche Personalnachr^ichten. Uebertragen rourte am 25. April der Schul Ver­walterin Helene Reuß aus Hainaründau eine Lchrerinstelle an der Volksschule zu Äctern, Kreis Schotten. Am 23. April wurde der Gefancien' Wärter Georg Grieb an der ZellenstrafanitalL Butzbach zum Strafanstaltswachtmeister ernannt.

** Oberhessischer Kunstvcrein. X/y Ausstellung der Frankfurter MnsÜergesellskbüst, die voraussichtlich ivoch vor Pftngsten pach Hed- brvmi übersiedelt, wird nur noch bis einschnetzlich 11. Mui zugänglich bleiben. Siehe Besprechung in heutiger Zettuyg. In der Gießener Kun st- sainmlung".m Neuen Schloß mürben Ra Vierungen tent Mlers Eltze, PH. Frank, Koene- Truntn, Müller-Schönfeldt, Schaffer, T-opel und Mentelsobn, sow e Zeichnungen von Koch neu aus­gestellt. In Den Aquarien von fRÜgen wurden verschiedene Bilder auSgewechfelt. Diese Aus- stellung ist unentgeltlich von 11 bi- 1 Uhr geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsertep Zutritt.

Euripides auf der Bühne in Altertum und Neuzeit. Der Lichtbildervor trag von Privatdozentin Frl. Dr. Bieber, der gestern Mend im großen Hörsaal der Universität stattfand, sollte als Einleitung zu der Aufführung von EuripidesHippolytos" am nächsten Dienstag im Stabil h?at« dienen. Don Euripides aus könne man die Entwicklung des griechischem Dramas, vor­wärts und rückwärts schonend, vollständig über­sehen. Er steh' in ter von Aeschylus und Sophokles tzesclxrffenen Tradition und habe als letzter produk­tiver Tragödiendichter des Altertum- die folgenben Perioden beh.trscht, die hauptsächlich nur Umarbei­tungen fein« Stücke brachten. An ter Hand von Lichtbildern wurde gezeigt, wie diese Stücke in den verschiedenen Perioden inszeniert märten sind und zuletzt die für Gießen gewählte Juszenierirng als Kulturdokument aus ter Zeit des Euripides gerecht­fertigt. Ein Vergleich des Hippolytos des EuripideS mit modernen Bearbeitungen desselben Stpsses «- wies die große Ueterlegenbeit ter griechischen Ori- ninaldichtung. Die interessanten und geistreichen Ausführungen ter Rednerm wurden von den zahl­reich «schienenen Zuhörern ter Saal war über­füllt, so daß eine große Anzahl ter Anwesentenr stehen mußte mit lebhaftem Beifall ausgenom­men, eine spontane Kundgebung, die Herr Univ.- Professor Dr. Herzog im Namen ter Bereinigung ter Freunde des humanistischen Gymnasiums in herzliche Worte des Dankes kleidete.

* Anlagenmusik. Die Kapelle des l^Ba- taillons Jnf.-Regts. Nr. 15 spielt morgen vor­mittag von 8AH Uhr ab (bei gutem Wetter^ in der Sud-Anlage: Ambwsiamsck« Lobgesang (Groß« Gott wir loten dich) von Th. Kranast. Ouvertüre zur komischen Op« »Leichte Kavallerie" von Frz. v. Supps. Gwße Fantasie aus ter OperRigoletw" von G. Verdi. Morgenblätter. Walzer von Joh. Strauß. Armeemarsch Nr. 118 von W. Vogt.

** Kleine Mitteilungen. In ter v«- mrngorten Nacht wurde auS einem Schaufenster im Seltersweg durch Zertrümmerung ein« Scheite eine weiße Opal Hemtenblnse und eine Crepe-Bluse mit römischen Streifen gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. Tie W a ren a u s g ab e ta­del l e des LetenSmittellrmtes für die nächste Woche ist im heutigen Anzeigenteil enchalten. Nach ein« Bekanntmachung des Brennsloffamtes nxtten die Kohl enkar ten für Kleingewerbe­treibende am Montag und DieuStag ausge­geben.

** Tie Steuerbehörde muß ihre Zweifel nachweisen. Zur Anwendung der ReichSabgatenordnung hat der Rrichs.inanzhof ver­schiedene bemerkenswerte Entscheidungen getroffen. Tie Bilanzen einer Gesellschaft haben die Ver­mutung ter Richtigkeit für sich; wenn die Steuer- tehörte von ihnen abweichen will, muß sie ihre Unrichtigkeit nachweisen. D« Abgabepflichtige muß aber ter Steuerbehörde die nötigen Unterlagen liefern, insbesondere muß er die unter den ein­zelnen Konten zusammengesaßten Gegenstände, die Anschaffunc,s- und Herstellimgspreise, die Tauer und Att ihrer Benutzung und sonstige für die Bewertung wesentliche Umstände angeben. Eine Abschreibung ist auch auf lebendes Inventar zu­lässig. Läßt die Entscheiduno. nicht erkennen, daß die Prüfung vorgenommen ist, so liegt ein Mangel teS Verfahrens vor.

♦♦ D i e Mitteldeutsche Creditbank teilt im Anzeigenteil mit, daß ihr Umbau, nahezu vollendet ist und daß der Eingang zu den Kasienschaltern sich mietet Johannes- straße 17 befindet.

** Besitzwechsel. Zu ter Nachricht in uns«« DounecStay-Nunrnrer über ten Verkauf ter Free-fctei Universitätsbuchhandlung wird uns er­gänzend mitgeteilt, daß die Airma erst am 1. Juli tn ten Besitz teS S)enn lDr. Wolfgang Mcy« übergeht.

** Unzulässige Druik sacken. Nacknahm^kavten, die lediglich auf o« Vor­derseite die Aufschrift unü die erforderlichen Angaben für die Nachnahme enthalten, aber keinen gedruckten Inhalt aufweisen, sind zur Versendung als Drucksache uidjt zulässig.

♦♦ Beeren- und P i l^ef a mm ein ein einträgliches Geschäft. Das preußische Landwirtschaftsministerium beab­sichtigt, die Gebühren für das Sammeln von Beeren und Pilzen in diesem Jahre zu er­höhen. Die Preise für Beeren und Pilze sind derart gestiegen, daß Tagesverdienste von über 100 Mk. keine Seltenheit mehr sind. In einer Oberförsderei wurde von den Sammlern ein höherer Betrag aus den slaatlichen Forsten erzielt, als die Fvrstver- waltung selbst aus dem Holzschlage verein­nahmte. Bei vorsichtig« Schätzung kann man feststellen, daß im letzten Herbst an Beeren unb Pilzen Werte von über 350 Millionen Mark aus den Staatsforsten herausgeholt wurden.

Bornotizen.

Ta g es ka lender für SaNista g: Hotel Großherzig, 8 Uhr, öffentlicher Vortrag über Ter Frietensverlrag und die Angestellten". Hotel Einhorn, 8 Uhr, Theater-BarietS. , Cafs Leib, 8 Uhr, Konznt ein« Köln« Truppe. Lichtspieltheater, wie geftem.

Tageskalender für Sonn ta g: Hotel Einhorn, 8 Uhr, Tegernle« Bauerntheat«. Cafö Leib, 8 Uhr, Kviczrnt einer Köln« Truppe. Lichtspieltheater wie SaNrStag.

T ie Hagenbecksche Raubtier­dressur schau wird, wie i*m Anzeigenteil an* gekürrdigt wird, am 10. Mai ihr erstes Gastspiel geben.

Int Hotel Einhorn gibt daS Tbeater- VarietSB'en en stein heute ateh feine letzte Vorstellung Don Montag ab w'rddaS Negern» feer Ba uernthea ter, Tirellion Spath Bau- teeit« tägliche Gastspiele geben.

Die Bereinigung ehernaltger Kriegsgefangener Veranstalter morgen, vormittags 9V2 Uhr in der Wirtschaft Heckmann, Kais«->Mee 30, tint Versammlung, in ter wichtige Nennungen über Löhnung und Ersatzansprüche besprochen werten.

Landkreis Gießen.

f. Billingen, 28. April. Am Montag feierte man frier ten sog.Br andta g". Hier­mit hat eS folgende Bewandtnis. Am 25. April des Jahres 1595 brach in Billingen ein Feuer aus, frei tem ein Hirte und eine Ziege verbrannten. In einiaen ZeitrckstSnten entstand am 25. April regelnräßig dn Brand, so daß man darauf auf­merksam wurde und ten Tag heiligte. Unterdessen wuchs eine neue Generation heran, die dem Tag keine Beachtung mehr schenkte. Da brannte am 25. April jenes Jahres halb Villinaen ab. so daß viele Leute obdachlos wurden und die Hilfe ihrer Mitmenschen in Anspruch nehmen mußten. Seit dieser Zeit feiert 'man ten 25. April als heiligen Tag und man hat dies bis zum heutigen Tage beitehalten. Leiter ist die alte Dilling« Ehrvnik verloren gegangen, st> daß Einzelheiten nicht mehr vorhanden sind. Die wenigen Angaben stammen auS einem Auszug der Chronik.

KrciS Büdingen

* Salz ha ufen, 30. April. Im hiesigen Braunkohlenbergwerk roirb gegenwärtig in ein«Tiefe von etwa 62Med'r gearbeitet Wäh­rend man im vergangenen Jahr meist Blätterk^hle förberte, wird jetzt Stammkoh^e geschlagen: mit- unt« nxrten Stämme von bedeutendem Umfange gefunden. Wie »«lautet, soll auch eine Anlage zur Anfertigung von Preßllötzen eirra-richtet nx-rten.

# Aus der Wett erau, 30. April Wäh­rend man früh« unzählige Wecker mit blühendem WinterrapS sehen konnte, hat sich ihre Zahl teuer bedeutend verringert. Vielfach ist ter Raps durch den Frost im November ausgewint-rt; die noch gebliebenen Pflanzen zeigen meist Keine ver­kümmerte Blüten, an denen auch noch ter in Menge ttuftrrtente Ravskäs« sein Zerstörungsw«k treibt. Durch das kalte würdige Wett« ist muh ten Bienen wenig Gelegen hat geboten, die Pflanzen zu te stiegen. Sehr besorgt ist ter Landwitt über ba schlechte Aussehen ter Wiesen, ba infolge ter Trockenheit die Botengräs« fehlen.

Kreis Friedberg.

V l Friedberg, 30. April. In ter ge­strigen Stadtverordnete nsitzung gedaeiNe ter Bürgermeister vor Eiickritt in bteTages- oitnnmg ter ver stör benen Kaiserin: dre V«sammllrng ehrte das Andenken der itetfhrbc» nen durch Erheben von den Sitzen, ab­gesehen von bm Mitalietern ter USP. Tas ArbeitS- unb Wirtscliattsamt Halle die (httfchetb-nig getroffen, daß ten No t stan dsa r be r'ter n ein Stuiitenlohn von 4,20 Mk in B«bindunq mit tem Prämionsnstem gezahlt werte Xie Versammlung beschloß, diesen Lohn zu bezahlen, jäxxt) Dv.rlest dagegen einzulegen, daß ter Stadt keine Friir

walpurgir. '

Kulturgeschichtliche Sklkvie.

Am 1. M a i.wenn ter Kuckuck, ruft," sagten unsere Voreltern, ist Zomm«san^ang. Und seitlich wurde er dcmzuwlge ictesmal begangen. Tie Christenheit hat ibn nach ter Schwester Win­frieds benannt, seinerzeit atiterb: ob ihrer Darmberigkeit' die Sage ater weiß auch von einer heidnischen WalpurgiS, daß sie nach späterer Anschauung eme Unho'din war: wenn die Maipilze aut den Wiesen erscheinen, kommt sie in derenHerenringen" auS der schwarzen Erde heraus:in ter Walpurgisnacht reiten die Stegen gul ten BlockSterg". In Wahrheit war sie eine grüblingSgottbeit. Dafür batten freilich bte alten Deusichcn, in vielen Landschaften verstreut wvh- mnd, vrcle Namen:Nertbus, Hertba, Erba.

VrJ G. $ ft aIa- So wmmt es, daß rotr von tet tewnrimen WalpurgiS nicht viel wissen: nur in einigen R>imen. vor allem Oraleisprüchen, wird noch an sie erinnert.

Am.WaltmrgiStage kam das Vieh zum ersten Male aus die (frfmetnberocix. aut ver eS öann bm Sanzcn Sommer lang graste. Natürlich mußten 'ich die Tiere erst aneinander geivöbnen Unter ve i Stieren ianben heftige Kämpfe starr, bi» einer schließlich die Führerstellung Ober alle errang DaS war dann derQkme inte bulle' und ganze Torf schaute mit gefpannler Aufmerk^ani. ►it diesem Streiten zu. unb ba das liete ^e' damals gewissermaßen mit zur F-amilie gehöttr, tat eS ihm dic Jugend nach.

Taher wurden zuWalpurgiS" allenthalben Kratt- unb GcjchickUchkusproten icter Art ver­

anstaltet: Wettrennen *u Fuß unb zu Pferde, Rinaelrennen, Tonncn'khlageii, Sackoüp'en, Votel- schießen, ntchl zu vcrgesserr die Klett«bäurne. Der Sieger rourteMailönig" oter ähnlich genannt, und natürlich hatte er auch eine Braut, die er sich unter allen Mädchen bcS Dorfes auSwähleri durfte, in manchen aoer auch «fleigcm mußte. Mailcl>cn" nannte man das, denn dieMai- [önigiii" wurde nurzu Lehen" au5gegeben. Min­desten- dis zur Heunnte teuerte teioer Herrschaft oft ater auch das ganze Jahr lang unb meist sogar lebenslang:

Deut' zu Lehen, Morgen zur Ete. Ueter ein Hahr Zu einem Paar.

Denn |u jedem Tanse mußte ter MaikSnig feine Maibraut führen. Begreiflicherweise beschäftigten sich aber auch alle jungen Mädchen lebQart mit tem Gedanken, iver sie wählen würde. Sie zogen einen Fadeii aus ihrem Tuche und stellten die SLicksalsfrage:

Doaten, i zieh bi,

Wolpurga. t bib bi, Zoag oen moi Marr Alle Seiten an

D« sich nun ter Faten anfüfrür. weich oter Ixtrt, so mürte ter Mann lern, und reo zuerst ein Hund bellte, von dorther roürte tt kommen.

In alledem «lcmu man Bewnung der Fruchstorkeit. ter 1. Mai war eben and) zugleich ter Hochzeitstag Odin- und FreiaS des­halb mürben bei dreien Festen auch die jungen i'iäbdru mit terÜetensrute" ge chlagen, wenn sie nämlich zu lange im Bett blieüen. Ja, wo

schnitt man die? Von ter Birke, von tenMaien". Tie Birke in ihvern lichten, glänzenden Kleid ist ein Sinnbild ter Ostara, die das Leuchtende, Schimmernde liebt. Sie prangt um diese Zeit in neuem Laub, Teshalb wurde einMaibaum" mitten inS Torf auch wohl vor ter Liebsten Haus gestellt, mitPfmgftb'lslten" schmückte man die Kirchr unb jedes £>aai3, die Brunnen unb jeden Weg und Steg. Xarnt Mieten die Quellen ergiebig unb ihr Wa'ser frisch, auch zwischen den FtachS wurde eine Birke gesteckt, damit er so hoch wie sie wachsen mvge. freilich Aberglaube überall in den häufigen Wucterungen ter Bir­kenzweige,Hexennester" genannt, sollten Unhol- btxnen wohnen.

Auf demMaifeld", ter Torfwiese, wo sich m ältester Zett alle- festliche Leben abspielte, termmmelten sich einst amMchteg" (Walpurgis) auch alle wasfensäbinen Männer zur Herren fahrt Eine teloiiters prunkvolle Tagung dies« Art teranftaltete im Jahve 1184 Kaiser 5rieb- rick der Rotbart zu Mainz, bei ter er seinen lohnen br Lxhwertlette erteilte.

Die bie Sitte in hohem Ansehen stand, so wurden auch iteem Satte Wunderkräfte -uge- schrieben, vor allem tem früh« viel gettunionm xi.rtenrocnt Sxn ganzen Taa lang wurde unter temaJUribaurn" g'tanzt: alle mannbaren Mäd­chen, auch alle Witwen Unter fünfzig Iahten mußten dazu antreten, und da» Manns Volk suchte sich da seine ^ar^ren aus: wo aber eine nicht

m(6t t°eu Mich, wurde ihr statt des Dteriduich) vor bet Tür eine Vogelscheuche auf- Tuch gesetzt. Uni> auch sonst gab es un salzen

gegeben war, zu ter Entsck«terng Stellung a nehmen. Es nm te ein zeim köpft ter Ausschuß für die Krieoerehrung gewählt, ter nxh aus der Bürgerschaft «gäntzt nxr.bcn soll. Ve, der Kulturinstettion soll angewagt nvrten, ob sülz die Ernte tet Vers uchsbewäss erungs- a ii l a g e audi sesVtellen l eße. ronm d.e Fester ar Kl-'/ipöchter nergetet wn dm. Es n*urbe bc* scklosfen, roefettd stird is<es Gllände a S garteiigrunbftücte zu vergeben. Ter ©ürper- meister verlas einen Bries teS Ortsgenvrbeveretn<, in tem darum gebeten wird, daß daS bewil­ligte Baukapital nur einh.nmiscl>en Handn>erkern zugute kommt. Für den Landamtmairn iotten m der alten Post die nötigen Räume temtgeftelU werden.

Bad-Nauheim, 29. April. Am Sonn­tag, den 8. Mai, wird das KurhauStheatev seine diesjährige Sommerspielzeit, die achtzehnte unt« Leitung von Hosrat Hermann 3tetn4 g o e 11 c i, eröffnen. Es sind für die fommenbo Spielzcft von ter Bühnen lei ttmg ganz besonder« Vorbereitungen getroffen worden, sowohl in Er­gänzung des P«sonalS, als in Einsptdierung neu« Werke, wie mich in Erneuerung der Aus­stattung. Als angenehme Neuerung wird begrüßt roerben. daß für die Vorstellungen im TheatersaaL ein Plafoiü» beschafft worden ist, ter auch bei Akustil yugiite kommt. Ter Spielplan wich neben bewahrten älteren Werken eine Reih? Inter- essanter Neuheiten bringen. ES sind aleich für die «ste Zeit an Neuheiten vorgesehen: das Lustspiel Tie Polarreise" von Alexander 3unt, die Ko­mödieKameraden" von Strindtera, bte Lust­spieleBunbuty" (Ernst) von O. Gilbe,Im munter schönen Monat Mai" von Svamruth-Bo- bmftebtBettinas Verlobung" von Leo Lenz usw. Von Neueinstudierungen seien MolisresTar- tüffe" und KotzebuesDeutsche ftleinftäMa;" füt die «sie Zett h«vorgehoben,

Desskn-Nassau.

Anarchistische Bmndsttfter verhaftet.

fpd. Frankfurt a. M 29. April. In der Nacht vom 1. -um 2. Ostertag wurde auf daS Kulissenhaus des Op«nhauseS ein terbreckerisckter Anschlag verübt, indem an verschiedenen Stellen Brandherde gelegt waren. D« Anschlag wurde rechtAeittg durch die Ansm«ksamkeit eines Wächä«S vereitelt. Jetzt ist eS gelungen, die Täter in anarchisti, schen Kreisen Frankfurts zu ermitteln. Wie wir hären, wurden bereits sieben Personen sestgenvmmen, die ein teilweises GeständniS abgelegt haben.

Waldbrand.

[1 Marburg, 28. April. An ten Lahn? bergen hinter ten Schießstänten, auf dem so^. Bürgel« Gleichen, brach heute nachmittag ein Waldbrand aus, der ein Eingreifen cinefl Teiles der Freiwilligen Feuerwehr nötig machte. ES gelana bald, des Feuers Herr zu roerten. Aus dem hiesigen Güterbahnhos ging gestern abend ein Waggon Stwh in Flammen auf

w

mc. Frankfurt a. M., 29. April, tfaft täglich erscheinen vor den Frankfurter Gericht ten B ä ck e r m e i st e r, weil sie Weißbrot ohne Erlaubnis aeboaen haben, und es regnet schwere Strafen. So wurden gestern verurteilt die Bäcker Andreas Treidel zu zwei Wochen Gefängnis und 1000 Mk. Geldstrafe, Heinrich Binder zu 7 Tagen Gefängnis unb 1000 Mk. Geldstrafe, und Heinrich Bader »u 3 Tagen Gefängnis und 800 Mk. Geldstrafe.

** Kurze Nachrichten an- Dessen unb den Nachbar staa ten. In Rödgen feiert morgen das Ehepaar Peter QHxi und Frau Katharina, geb. Gilbert, da- ^eft ter si.ternen Hochzeit. In seinem letzten Kirchenkonzert führte ter rührige Ki«l)enchor in L i ch »um ersten Male ein zusammenhingeirteS Oratoriernwerk, ,,D« 3üna- 1mg ju Nain" von Scltzvalm, mit großem Ersois auf 'Von den sonstigen Tarbietungen Teitn noch erwähnt die frif-djen Gelänge ter lugei h ichen Ehorsckule unb dieStimmung-H brr" von Mal^ Intfl, die Lehrer Stein auf ter Orgel fhmmungi* voll roietergab. Im K^uihaus zu B a d - N u- heirn hielt vor einer gtorci ZittHrerichaft Tr. Martin einen sehr interessanten Lichts tervortmg über da- Salinen- und Debaoesen in Miiteleuwp« von den ältesten Zeiten bi- zur Gegenwart. Ev zeigte dabei, daß dre Anfänlte ter Dcw-Nauhermer Saline biS in d.e prälttüorrscte Zeit zurückgehen. MS einzige Gemeinte deS FinanzomtStezirkA Ndda war Oberschmitten im veroangenen Jahre in ter Lage, keine Gemeindesteuern (Gnmh, und Gewerbesteuern) zu erheben. In N i k> ba und R t i die lsheim wu.ten von ber Gewertet schule 18«bereitu'tginnte für bte M.istechrüfung eingerichtet, die sich «nes guten Zuspruchs er* freuen. Jrn Holzlag« ter Zellulosefabrik Kohl- Haus au Fulba brach in ter letzten Nacht Feuei aus, da- infolge Wassermangels sta'k am sich griff unb erft nach (angftü ibiger Tätig feit zahl- reicter Feuerwehren eingedämmt werten Lonnte.

Torfe Lärm unb Ausgelassenheit genug um böse Geister zu bannen. Mit Peitschenknallen und Ratschen würbe das ganze Torf ,-abgeklappertt), um von ten eingefammdten Gaben als bte Festschmäuse aushörten wenigstens dasMai- bi«" zu bestreiten. Kein Wimder. daß die ®- lichfeit dieses Ireibat mit scheelen Auaen ansah, bis schließlich daS meiste von diesem heidnischen Walpurgistagokult im kirchlichm Pfingstf ste auf- ging. Schon im Jahre 1225 hieb der^Psarrrv Johannes zu Aachen ernm solchen tveftixtum um, ater er «regte dadurch einen solchen Aufruhr, daß ter Vogt Wilhelm einen noch höheren miruiritteen befahl. Unb Rührendes erzählt man sich in Soest AlS dic Stabt im Jahre 1446 mit dem Erzbischof von Köln in F-ehoc lag und von ihm hart bedrängt wurde, wollten ch« Burger gleichwobl ihre Maien baten. Sie zogen mit großer Kriegsmacht aus, rnnuxften einen fdunen Strauß und kamen mit Wunden. Sieg und Maien zurück Aus oen altenMaisahrten" sind die fr*ute noch all beliebten Frühwanderungen am Dfmastsonntag heroorqcgangm, denen die Geist- (id)feit in Tors und Stabt entgegen tont mt, indem sie im Freien predigt.

Viel von diesen alten Dollsteäuchen ist setzt emgeschlafen. Erfreulüterwetse hat man aber auch manches in jüngster Zett wieder belebt, so das alteWinter aus tragen" in Heidelberg und in Eisenach, tenSommmgewinn", unschul­dige, doch teteutungSreiche Frühlings feste vor allem ter Fugend, denen ater doch icter gerne zusieht, letzter Nachhall altgermamw»« Lebens- freute, Sorge unb yoffnunj ans der Unvalbtett