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tartyS zum ersten Male sich wieder zu ihrer Herr- schau zusammengesunden halten. Er gedachte mit Wehmut der verstorbenen hervorragenden Mit­streiter. wie Münzenderger, von Dvdmann, Haff- ner. Heinrich. Lieder. Wirrdthorsi usw., die an den

und Süd. ein Gegenstand, zu dem Redakteur Fischer vomGrazer VoWblatt" gleich die praktische Anwendung machte. An die Referate schloß sich eine Debatte, an der sich fast alle an­wesenden Parlamentarier beteiligten.

zu den

warnen und beschworen unser gesamtes Doll:

führungen über die römische Frage.

Tausende strömten am Aachmittag groben

Die Stadt hat zu Ehren der zahllosen Gäste reichen Flaggenschmuck angelegt. Don s o z i a - listischer Seite war gegen die Anwesenheit der ungarischen Dertreter eine Demonstra­tion veranstaltet worden, die zu gleicher Zeit, als die Versammlungen tagten, am Dismarckdenk- mal stattfand und die in einem Zug, an dem etwa 20 000 bis 25 000 Menschen teilnahmen, durch die Hauptstraben der Stadt endete. Zu Zwischen­fällen kam es an keiner Stelle. Die Polizei hatte gegen etwaige Ausschreitungen die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln getroffen.

Ein Aufruf.

3m Anschluß an den Katholikentag fand Sonntag nachmittag eine Sondersitzung der in Frankfurt anwesenden Vorstände der Deutschen Zentrumspartei und der Reichstagsfraktion statt, in welcher ein Aufruf beschlossen wurde, in dem es heibt:

Mitglieder der Zentrum spar teil Der Abge­ordnete Grzbergcr ist einem ruchlosen Meuchelmord zum Opfer gefallen. Tieferschüttert steht die Zentrumspartei an seiner Bahre. War doch sein ganzes Leben, seine Iugendkraft, wie sein Mannesalter, dem Dienste der Partei ge­widmet. Wenige haben so rastlos und hingebend gearbeitet im öffentlichen Leben wie er. Wir verurteilen jegliche Gewalt im Kampf der poli­tischen Meinungen, komme sie von rechts rder links. Wir verdämmernden politischen Mord. Wir

Inzwischen hatte infolge des andauernden Andranges eine zweite Versammlung im Garten abgehalten werden müssen, die durch meisterhafte Darbietungen des katholischen Männergesang- vcreins erfreut wurde. 3m Damen der Stadt Frankfurt begrüßte Oberbürgermeister Dvigt die Erschienenen.

Die Geueralversammlung des Augnftinusvereins.

die am Samstag nachmittag im Börsenrestaurant stattfand, bildete einen kräftigen Auftakt zum Katholikentag. Der Vorsitzende konnte über 100 Presseleute und Politiker aus allen Gauen Deutsch­lands und sogar Oesterreichs begrüßen, darunter Reichskanzler Dr. Wirth, den preußischen Mi­nis! erpräsidenten Stegerwald. ReichSarbeits- minister Dr. Brauns, Minister G i e s b e r t s. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: Tics erschüttert steht die heutige General­versammlung des Augustinusvereins unter dem Eindruck der fluchwürdigen Mordtat, welcher der Reichstagsabgevrdnete Erzberger zum Opfer gefallen ist. Der Vorstand des Augustinus­vereins hat der Familie des Hingemordeten die herzlichste Teilnahme zum Aalsdruck gebracht. Die schreckliche Mordtat nimmt die Generalversamm­lung des Augustinus-Vereins zum Anlaß, erfreut die ernste Mahnung zu erheben, den politi­schen Kampf allezeit nach Wahrheit und Ge­rechtigkeit ohne persönliche Verun­glimpfung des Gegners und ohne Auspeit­schung der Leidenschaften zu führen. Jede, die Massen aufpeitschende und aufhctzende Kampfes- weise hat unter allen Umständen zu unterbleiben. Das politische Referat sollte eigentlich Abg. Herold halten: auf seine Ditte übernahm je­doch Reichskanzler Dr. Wirth 'diese Ausgabe und gab in anderthalbstündiger Rede ein Bild über'die heutige Lage, die unbedingt überwunden werden müsse, wenn auch die Last noch so schwer set: denn das Vaterland sei in Gefahr. Als Süddeutscher referierte Chefredakteur ®. R.

Der Sonntag brachte nach einem feier­lichen Pontifikalamt im Dom Im Volksbildungs- Heim die erste geschlossene Versamm­lung. Sie wurde vom Vorsitzenden des Lokal­komitees, Dr. Servatius, eröffnet, der in herz­lichen Worten auf die Bedeutung der Tagung hin­wies und ein Degrüßungstelegramm des Papstes bekannt gab. Den Rechenschaftsbericht d^ Zen­tralkomitees erstattete Fürst zu Löwenstein. Geh. Dr. P o r s ch - Breslau sprach in längeren Aus-

Metz e r - Karlsruhe und mahnte zur Einigkeit, warnen und beschwören unser gesamtes Doll: einträchtiger Zusammenarbeit zwischen Rord, Laßt ab von aller politischen Leidenschaft, von

früheren Tagungen in Frankfurt 1863 und 1882 teilgenommen haben. Vieles habe sich seitdem geändert: aber geblieben seien die alten Dürger- chigenden der Stadt und vor allem der glaubens­starke, treue und opferwillige Geist, der schon zu Zeiten der früheren Generalversammlungen die katholische Bevölkerung Frankfurts ausgezeichnet habe. (Beifall.) Der Redner sprach allen denen seinen Dank aus, die an der Vorbereitung dieser glänzenden Tagung mitgewirkt hätten. Rettung und Wiederaufbau unseres Vaterlandes und Ge­sundung des Volles seien nur durch Christentum mit seiner Gotteskraft möglich. Wenn Gott nicht das Haus baue, so arbeiteten die Bauleute ver­geblich.

3m Laufe des Begrüßungsabend nahm auch der Reichskanzler Dr. Wirth

das Wort zu einer längeren Ansprache, in wel­cher er unter Hinweis auf den Sonnenschein, der über den Fluren unseres ßanfce« lagere und auf die gute Ernte dieses Jahres bedauerte, daß die Menschenherzen in diesem wunderbaren Gvttes- garten den Segen dieser schönen Erde nicht zu würdigen wissen. Er müsse schon morgen wieder nach Berlin zurück, da die Regierung dort die Augen offen halten müsse, daß aus den Ereig­nissen der letzten Tage nicht neues älnheil un­serem Lande erwachse. Der politische Kämpfer müsse aus dem Staub der Riederungen heraus Don Zeit zu Zeil, um inmitten einer Welt, die noch das Bindende über das Trennende stelle, Trost, Ermunterung und Kraft zu finden in der ließet- zeugung, daß über uns allen ein Göttliches schwebe. (Beifall.) Die deutschen Katholiken ha­ben nie nach einer politischen Machtstellung ge­geizt, sie wollen nur stets dabei sein, das Ret­tungswerk des Vaterlandes zu vollenden. (Bei­fall.) Dabei reichen sie auch Andersgesinnten die Hand. ,Das deutsche Volk darf nicht zugrunde gehen, nur müssen die großen moralischen und religiösen Kräfte in den Dienst des Vaterlandes gestellt werden. Die Kathvlllen widmen ihre Ar­beit dem Vaterlande auch unter der neuen Staats­form. Das werktätige Volk wird vom Geiste des Hasses, der Zwietracht und der Ausbeutung auf» gepeitscht. Deshalb bedarf es fester staatlicher Autorität. Weil das deutsche Volk den Willen geyigt hat, auch dem Feinde beim Wiederaufbau zu helfen, wie in Wiesbaden verhandelt wird, hat es auch Anspruch auf einen ordentlichen Platz im Reiche der Voller. Der Reichskanzler sandte sodann die herzlichsten Grüße den Brüdern im besetzten rheinischen Gebiet und in Oberschlesien und ermahnte sie zum Festhalten am deutschen Vaterlande. Wenn nicht nach dem Recht und der Selbstbestimmung der Völker entschieden werde, gehe Europa einem Zerfall seiner Zivilisation entgegen, denn die vberschlesische Frage sei zu einer Weltfrage geworden. Der Völkerbund habe jetzt Gelegenheit, dem Selbstbestimmungsrecht zum Triumph zu verhelfen. Wenn die Grenzen des Vaterlandes festliegen, könne das Vaterland in­nerlich gerecht und in christlich-sozialem Geiste aufgebaut werden. Die Katholiken müßten ein Beispiel geben die politischen Meinungsverschie­denheiten in christlicher Liebe auszufechten. (Bei­fall.) Beschwörend müssen wir, fuhr der Kanzler fort, die Hände erheben, wenn in den politischen Kämpfen die blanke Waffe aufblitzt und der Mord eingreift. (Stürmisches Pfui aus der ganzen Ver­sammlung.) Wir stehen schauderndSor den Er­eignissen der letzten Tage. Der Reichskanzler gedachte dann mit Wehmut der verstorbenen Ab­geordneten Gröber, Trimborn und Durlage. Als Finanzminister wolle er heute nicht sprechen, son­dern nur als Kanzler, wenn auch gerade aus Frankfurt noch etwas für den Finanzminister herauszuholen wäre. (Heiterkeit.) Er wünschte der Versammlung schließlich den besten Erfolg und betonte, daß über allen Gegensätzen der ©emein* schaftsgedanke stehen müsse unter dem schützenden Dach des einigen und des christlichen deutschen Vaterlandes. (Lebhafter Beifall und Hände­klatschen.)

Zum Präsidenten des Katholikentages wurde Geheimrat Dr. H e l d , ein Sohn der Frank­furter Diözese, jetzt in Regensburg, gewählt. Er ist bekanntlich Vorsitzender der bayerischen Volls­partei. Zum Ehrenpräsidenten wählte man den 90jährigen Führer Graf Droste von Dische­ring, zum Präsidenten der Parallelversammlun­gen einen Vertreter Oberschlesiens, den Grafen Henkel von Donnersmark.

öffentlichen Versammlungen

in das Schurnanntheater und das Hippodrom. An diesen gewaltigen Kundgebungen katholischen Glaubenslebens nahmen auch zahlreiche hohe kirch­liche Würdenträger teil, darunter auch der päpst­liche Runzius P a c e 111 3n beiden Versamm­lungen wurden von den verschiedensten Rednern die Themen: .Deutschlands Rot und die deutschen Katholiken" undder Gemeinschaftsgeist, unsere Rettung im inneren Zusammenbruch," behandelt.

Reichskanzler Dr. Wirth

ging dabei auf die Schlußworte des R u n t i u s ein, die Versammlung möge nicht geschlossen werden, ohne ein Wort des Friedens in die Welt hinauszurufen. Dein kommen wir, sagte er, gern nach. Das katholische Deutschland habe den Gedanken des Friedens nie aufgegeben, schon weil es, obwohl es treu an seinem Vaterland und Volk hing, Jahre des Kampfes habe durchkämpfen müssen, bis für uns katholische Kirche der Tag der Freiheit gekommen ist. (Beifall.) Der Reichskanzler ging sodann auf die Friedensmahnungen des Papstes während des Krieges ein, so wolle Deutschland auch den letzten Groschen ßergeben, die Ruinen in der Welt wieder aufzubauen, ebenso sehr müssen wir be­tonen, das Recht auf Leben, auf Freiheit, auf Gerechtigkeit für unser liebes deutsches Vater­land. (Großer Beifall.) Die deutschen Kathollken versagen nicht, wenn wir auf wichtige Posten berufen werden. Wir wurden aber gerafuen, als es zu spät war. Mit der Weimarer Verfassung haben wir gemeinsam mit solchen, von denen uns große Weltanschauungsfragen trennen, dies Voll zu retten gesucht, um es auf dornigen Bahnen wieder eines Tages der Frei­heit und neuer Wohlfahrt entgeaenzuführen. Per­sönliche Angriffe berühren mich nicht. Wehren müssen wir uns aber dagegen mit alllen Mitteln der Staatsgewalt daß in Deutschland die großen politischen Fragen nicht mit geistigen Waffen, sondern mit Dolch und Revolver ausgefochten werden. Der> neue Staat fällt nicht aus den Wol­ken: wir müssen aufbauen, und dazu ist die große moralische Kraft und der Opfergeist des Katho­lizismus nicht zu entbehren. Wir wollen in den nächsten Tagen in Biberach, wenn der vielurn- flrittcne Mann zu Grabe getragen wird, den ver­dienten Lorbeer niederlegen, dann aber wollen wir aufwärts schauen zu Gott und den alten ewi­gen Sternen, dann wollen wir vorwärts schauen und den Wiederaufbau besorgen. (Beifall.) nie­mals dürfen wir die Worte der divina comoedia über unser politisches und religiöses Leben sehen:Laßt alle Hoffnung fahren!" 3ch scheide heute abend noch aus ihrer Mitte, weil mich dringende Pflicht zurückruft. Es geht ein Gären durch unser Voll: die Arbeiter­welt, Beamten und Angestellte sind aufgebracht, und die Erregung ist gesteigert durch den poli­tischen Mord der letzten Tage. Es rast der Wucher und die Aushungerung durch unser Volk. Die großen Zentren der Erregung müssen sorgfälltig beachtet werden, wenn wir nicht in ein neues Zeitalter revolutionärer Bewegung hineinkommen sollen. Wir retten den Staat, die menschliche Ge­sellschaft, das deutsche Vaterland nur durch unfern Opfergeist. Wenn ich morgen die erste Minister­sitzung eröffne, dann darf ich in Ihrem Ramen wohl sagen, da>s die Reichsregierung auf das Vertrauen des katholischen Volkes bauen darf. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir wol­len unsere Kräfte ernfetzen, komme was da wolle, fein Preis ist zu hoch, wenn es gilt, ein Volk und Land, wie das deutsche, zu retten, wenn man diesem LBvlke den Weg zur Freiheit öffnen kann aber die Freiheit will verdient sein und sie toiro verdient, wenn man in diesem katho­lischen Geiste diese Versammlung schließt, x Ich glaube, in 3hrem Ramen allen, besonders denen, die aus dem Auslande gekommen sind, aufrich­tigen Herzens unseren Willen gezeigt zu haben. Wir wollen arbeiten und zu Gott beten um Ret­tung nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt. (Lebhafter Beifall.) Lassen Sie den Mut nicht sinken, wer mutig ist und vorwärts schaut, dem wird auch der Segen des Himmels nicht fehlen. (Brausender Beifall.)

Rach einigen Dankeswvrten des Präsidenten und Hochrufen auf den Reichskanzler Dr. Wirth wurde £ie Versammlung geschlossen.

aller persönlichen Verhetzung, bannt den Geist, der solche Früchte zeitigt. Wer es gut mit unserem Volke meint, der bewahre es vor inneren Er­schütterungen, der trete ehrlich auf den Boden der Verfassung, die das deutsche Doll und alle seine Stämme in freier Selbstbestimmung sich gegeben. Für Dersassungskämpfe ist heute weniger Raum denn je. Aufbauende Arbeit sei der Wahlspruch.

Der Wiederherstellungsentrvurf in den Wiesbadener

Beratungen.

Paris, 27. Aug. (WTB.) DerTemps" bringt heute einen ausführlichen Bericht über den Abkommensentwurf, der bei den Wiesbadener Beratungen besprochen wird und der seit der letzten Zusammenkunft zwi­schen Rathenau und Lvucheur im Juni von Sach­verständigen Frankreichs und Deutschlands aus­gearbeitet ist. Der Entwurf besteht aus zwei Teilen: 1. aus einer Reihe von Vertragsentwürfen und 2. aus einer Reihe von Entwürfen über Schaffung von Forfaits. Der Vertragsentwurf setzt die Modalitäten der Reparationen in natura für je 6 Kategorien fest. Materiallieferung, Koh­lenlieferung. die anzuwendenden Preise, die Kom­pensationen, der französische Flußschiffverlust und die deutsche Viehlieferung.

Der erste Teil regelt die Einfuhr franzö­sischer Erzeugnisse nach Deutschland und die Kon- tinentierung dieser Ausfuhr, der zweite Tell über die Schaffung von Forfaits umfasse Industrie- material, rollendes Eisenbahnmaterial und Vieh­lieferungen. Lieferungen in natura: Es wird eine deutsche Privatgesellschaft für diese Lieferungen gegründet, die sich verpflichtet, vom 1. Oktober 1921 an alle von den Bewohnern der verwüsteten Gebiete verlangten Siefeningen durch­zuführen, soweit diese mit den Möglichkeiten der deutschen Produktion vereinbar sind. Diese Lie­ferungen dürfen für die Zeit vom 1. Oktober 1921 bis zum 1. Mai 1925 7 Milliarden Goldmark nicht überschreiten. Für die Bezahlungen der Lie­ferungen bietet Deutschland Frankreich Kredite an und Frankreich zahlt jährlich nur eine Milliarde Goldmarl zurück, ganz gleich, tote groß die deut­schen Lieferungen sind. Zur Regelung der Strei­tigkeiten betreffend Festsetzung der Preise wird eine besondere Kommission eingesetzt, die aus einem deutschen und französischen Delegierten, die von den betreffenden Regierungen auf Vorschlag der Bewohner der verwüsteten Gebiete und der deutschen Privatgesellschaften ernannt werden und einem dritten Delegierten bestehen, über den sich beide Regierungen gemeinschaftlich einigen. Kommt eine Einigung nicht zustande, so wird dieser Dele­gierte durch die Reparationskommission ernannt werden. Die Kosten dieser Kommission bezahlt die deutsche Gesellschaft, sie werden aber zur Hnlf e ten f argo i chen Ter än^ei ztf Last gelegt.

3nbuftriemateriaL Der Preis des in Betracht kommenden Materials wird von der Kommission bestimmt, die zur Zeit den Gegenwert des französischen Preises in Goldmark feft'eht. Am Ende von je 3 Monaten wird dann ein Faktor f ft- geseht, der nach der Art und der Qualität der Er­zeugnisse berechnet wird. Die Preise für Spezial­material-Maschinen oder industrielle Einrichtun­gen wird von den beiden Pärteien direkt verein­bart.

Kohlenlieferungen. Es werden Spe- zialdispositivnen über die ür er jeden nichtdeutschen Hafen durchzu'ührenden Kohlen lief erun gen getrof­fen. Die Preise sind die, wie sie die deutschen En- grvsverbraucher bezahlen. Deutschland kann jedes Quantum Kohlen ausführen. Es kann auch alle in dem Programm der Reparationskommission ste­henden Kohlenguanten exportieren, auf die das Land, dem die Kohle zusteht, etwa verzichten wird. Deutschland zahlt der Reparationskommission den Gegenwert der exportierten Kohle, berechnet nach dem deutschen Inlandspreis ab Grube. Die Alliierten benutzen die gelieferten Kohlen nur für ihre eigenen Bedürfnisse.

Viehlieferungen. Deutschland ist Frankreich noch ungefähr 35 000 Pferde schuldig. Rach dem Entwurf liefert es nur noch 12 500 Pferde und 500 Stuten. Die 1920 von Deutschland überschüssig gelieferten 17 130 Tiere gleichen sich mit den noch zu liefernden 5 575 Zuchthengsten aus.

Einfuhr nach Deutschland. Deutsch­land läßt Rohmaterialien und Halbfabrikate, die in einer besonderen Lifte aufgezählt werden, zur freien Einfuhr zu. In einer anderen Liste werden von Deutschllmd für gewisse Erzeugnisse beliebiger Herkunft gewisse Kontingente festgesetzt. Auf einer dritten Liste verzeichnet Deutschland einen Pro­zentsatz von verbotenen Erzeugnissen französischer Herkunft, der nach Deutschland eingeführt werden darf.

Die Forfait-Abmachungen sind fol­gende: Industriematerial: Unter Vorbehalt der Zustimmung der Reparationskommission wird ge­sagt, daß zwei Monate nach Unterzeichnung des Abkommens die Rückerstattung im 3nbjftriemate- rial aufhört. Rach Ablauf dieser Frist bleibt Deutschland Besitzer des Materials, das sich auf seinem Gebiete befindet. Statt dessen liefert Deutschland in den nächsten 8 Monaten 120 000 Tonnen Industriematerial, das sich Frankreich aus den Beständen der deutschen Regierung aussucht. Deutschland erkennt an, daß es Frankreich 153 Millionen Gvldrnark, die mit 5 Prozent verzinst werden, schuldig ist. Diese Summe benutzt Frank­reich zu Bestellungen, die vor dem 1. Dezember 1925 beendet fein müssen.

Rollendes Eisenbahnmaterial. Deutschland erstattet an Frankreich 3000 Kipp­wagen, 2500 Plattformwagen und 500 flache Waggon. Dafür verzichtet Frankreich auf eine Kompensation für die nicht zurückerstatteten Loko­motiven. ,,, v

Vieherstattung. Vieh, das Deutschland aus den zerstörten Gebieten genommen hat, wird von Frankreich nicht mehr verlangt. Dafür liefert Deutschland als Forfalt 62 000 Pferde, 25 OOO Rin- der, 25 000 Schafe und 20 000 Bienenstöcke. Diese Zahlen entsprechen genau der Lieferungsverpslich- tung Deutschlands aus dem Wiederherstellungs­paragraphen.

Paris, 29. Aug. (WTB.) Savas zufolge ist in Wiesbaden über die Bezahlung der d eutschen Sachleistungen mit Zinses­zinsen folgende Regelung getroffen worden: Für die jährlichen Zahlungen hat Frankreich nur einfache Zinsen W 5 Prozent zu zahlen. Erft von 1937 ab sind durch die Regelung des Soldes Zinseszinsen vorgesehen Die Deckung dieser Schuldsorderung werde durch die künftigen Annuitäten Deutschlands er- svlgen

CSitte Reise Fochs nach Amerika.

Paris, 27. Aug. (Wolfs.) Der .Matin" meldet: Marschall F o ch reift am 22. Oktober nach Amerika.

Belgischer Pöbel.

Brüssel, 28. Aug. (Wolf5) Der .Sorr» meldet: In _ Eineh kam es zu lebhaften Zwischenfällen, als der frühere Ches der deutschen Kommandantur in C i n e y, namens LI l st r u n ck, der eine Dame au« Ciney heiratete, dorthin Zurückkehrte. Ulflrund wurde erkannt und geschlagen; mit butüberströmtemGesicht konnte er in das Bureau der Bahnhofswache flüchten, wo er von der Gendarmerie oefreit wurde. Seine Frau wurde gleichfalls m i V h-a n d e l t. Die Menge nahm weiter eine drohende Haltung ein, |o daß die Gendarmerie ein Automobil herbei- holen mußte, worin der deutsche Offizier unter dem Schutz der Gendarmen mit unbekanntem Ziel davonfuhr.

Zusammenstöße zwischen österreichischen u. ungarischen Truppen.

Wiener-Re uftadt, 29.Aug. (WTB.) Nach einer Meldung des Wiener Korr.-Bu- reaus ist es beim Einmarsch der öster­reichischen Truppen in das Bur­genland zu mehreren Zusammen­stößen gekommen. Die Hauptabteilung wurde zwei Kilometer vor Oedenburg von un­garischen Abtellungen unter Feuer genommen, das von österreichischer Seite erwidert werden mußte.

B u d a p e st, 28. Aug. (WTB.) Wie daS Ungarische Korr.-Bureau von zuständiger Seite erfährt, ist die militärische Räu­mung West Ungarns mit dem heutigen Tage beendet. Die Zurückziehung der Gen­darmerie und der Zollwachen außer aus zwei kleineren Zonen werde jedoch vorläufig in der Schwebe gehalten. Die ungarische Regierung sei wohl zur Durchführung der Bestimmungen des Trianonvertrages fest entschlossen, in­dessen biete der am 27. d. Mts. gefaßte Be­schluß des österreichischen Ausschusses, keiner­lei Bürgschaft hinsichtlich der Berücksichtigung der von ungarischer Seite erhobenen Forde­rungen. Er verbürge namentlich nicht die Er­füllung mehrerer wesentlicher Forderungen materieller Ratur, welche den österreichischen Staat infolge der Räumung unzweifelhaft be­lasten würden. 3m übrigen könne festgestelll werden, daß auch die Räumung LeS von den Serben besetzt gehaltenen Gebietes noch nicht vollständig beendet sei.

Russische Sowjet-Deserteure.

Paris, 27. Aug. (Wolff.) Rach einer HavaSmeldung aus Bukarest desertierte eine Abteilung von Sowjettruppen. Sie überschritt die rumän sche Grenze. Tschit­scherin verlangte, daß die rumänische Regie­rung die Deserteure auszuliefern habe.

Aus dem Reiche.

Eine verbotene Tannenbergfeier.

Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Den Blät­tern zufolge ist die für morgen geplante Tan­nenbergfeier in Potsdam von der Re­gierung verboten worden. Der deuffch- nationale Iugendbund legte gegen das Ver­bot beim Reichspräsidenten Beschwerde ein. DieRote Fahne" fordert unter der Aeber- schriftMassen heraus" zu Gegendemon­strationen gegen die Tannenbergfeier auf. Die kommunistische Arbeiterschaft Groh-Ber- linS solle gemeinsam mit den Anhängern der S. P. D. und ü. S. P. D. eine Kundgebung ja Potsdam veranstalten.

Schlichtungsausschust der Provinz Oberhessen.

Sitzung vorn 24. August 1921.

Die Firma Oberhessische Kall- und Stell»- industrie hatte den Arbeitern ihres DasaltwerkeS Queckbvm in der Zeit vor dem 15. Mai 1921 eine .Mehrleistungszulage" von 30 Pf. die Stunde bezahlt. Rachdem vom 15. Mai an ein anderer Tariflohn in Kraft getreten war, hielt sie die Weiterzahlung dieser Sonderzulage nicht mehr für angebracht Der Schlichtungsausfchuß machte den Parteien ehren Berständigungsvorschlag in der Richtung einer entsprechenden anbertoetten Gestaltung der Akkordentlohnung. Sie vereinbar ten darauf eine vorläufige Weiterzahlung der bisherigen Zulage vom 1. Aug. 21 an biS zu einer bemnäcbfügen neuen Tariflohnregelung.

Durch die Abwesenheit des Infanterie-Regi- mentes 15 während einer siebenwöchigen Hebunai- zeit lln Lager Ohrdruf hatten einige bei Der Küchenverwaltung des 1. Bataillon« in Gießen mit Kartoffelschälen, Gemüsepuhen usw. beschäf­tigte Frauen mit ihrer Arbeit auSsehen müffen. Eine der Beteiligten wünschte wie in früheren Jahren während des Manövers dafür entschädigt zu werden. Der SchlichwngSausschuß konnte dem Antrag nicht stattgeben.sprach jedoch der Antrag­stellerin das Recht auf Vergütung des im Tarif­vertrag vorgesehenen zweiwöchigen Urlaub« zu, den sie nicht mehr erhalten kann, weil sie toeaen Einschränkung der Arbeiten au« dem Dienst Der Küchenverwaltung ausscheidet.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. Aug. 1921.

Eiue Warnung

der Preisprüfuugsstelle.

Die Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen in Gießen sieht sich in Gemein­schaft mit den KreiS- und städtischen Preis- Prüfungsstellen der Provinz genötigt, folgende Warnung zu erlassen: Jeglicher Grohhan- del mit Lebens- und Futtermitteln ist mir nach ausdrücklicher Zulassung durch das zuständige Kreisamt in der Stadt Sie- 1 ßen durch den Oberbürgermeister Leltattel.

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