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Erstes Blatt

1?1- Jahrgang

Montag, 29. August 1921

leit könne Deutschland noch vor einem bla­

den Mord skrupellos zu einer

bah beutfcfcniitrnik Kreise

nur die rückhaltloseste Verurteil

Partei

bürgerlichen Mittelparteien dazu bereit seien", so mühte die Reichsregierung bestrebt fein, kühles Vlut sich zu bewahren und in ihren Kundgebungen alles zu vermeiden, was die innerpolitischen Gefahren verschärfen könnte.

Bewegung wollten. '

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Preis für I mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.: für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite I80Pj Bei Platz. Vorschrift 20Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Dießen.

Die Einsegnung der Leiche.

Oppenau, 28. Aug. (Wolff.) Zu der für heute vormittag anberaumten Einsegnung der Leiche Erzbergers in der Kirche in Oppenau fanden sich u. a. ein: Der badische Staatspräsident Trunk Reichsposuninister Gies- berts. die Mitglieder der badischen Regierung, fast alle OlbgeD ebneten der Zentrumssraktion des

lunq der GrieSbacher Schandtat. DieRatio- nallibcrale Korr." schreibt u. a.:

Darüber wollen wir uns ferner Täuschung hing den, bah der tiefste Grund für die Aus­schreitungen politischen Hasses in der Verrohung der politischen Sitten liegt. Wenn man unaus­gesetzt von der äuhersten Linken bis tief in die Reihen der Sozialdemokraten die hemmungslose- ffen Hetzreden und Hetzartikel zu vernehmen be­kommt, wenn in kommunistischen Ausständen mit Menschenleben umgegangen wird, als wenn es Spielsachen aus Holz wären, wenn die Jugend hinab bis in das Kindesalter mißbraucht wird für die Führung des Klaff enkarnptes, für die Verspottung und -V'rhöhnung jeber Autorität und Obrigkeit, bann wird man si»h «nicht tounbern, das) auch auf der äuhersten Gegenseite Kräfte entfesselt werben, bie sonst im Zaum gehalten worden wären. Es ist eine unsagbare Heuchelei, mir von der Ausartung einer verwilderten Zugend und verwildeter politischer Sitten auf der einen Seite zu sprechen, wenn gerade diejenigen, die am lautesten schreien, eben für die Verrohung der politischen Sitten und besonders der Zugend am meisten verantwortlich sind?'

Wenn derVorwärts" wörtlich erklärt jjuir durch brutale Rücksichtslosig-

Der Katholikentag inFrankfurt.

Frankfurt a. M., 27. Aug.

Durch feierliches Glockengeläate von allen katholischen Kirchen der Stadt wurde heute abend der erste Katholikentag seit dem Kriege eröffnet Der grobe Saal des Palmengartens vermochte die Erschienenen nicht zu fasten, so baß auch der anschließende Garten dicht gefüllt war Bereits am Rachmittag hatte der Augustinus- herein eine Versammlung abgehalten, zu der auch Reichskanzler Dr. Wirth erschienen war.

Die Eröffnungsversammlun^ im Palmen» garten sand eine würdige Einleitung durch den ChorgesangDie Himmel rühmen", an den sich ein von Mathieu Pfeil vom Schausvielhause meisterhaft vorgetragener Prolog und Schuberts Allmacht schloffen, gelungen von Emma Holi von der Frankfurter Oper. Hieraus wurde die Ver­sammlung von dem Vorsitzenden des Lokalkomi­tees, Landgerichtsrat Dr. Servatius, begrübt Mit dem altehrwürdigen katholischen Gruh »Ge­lobt sei Zesus Christus!" erinnerte der Redner, daran, daß seit der Generalversammlung in M?y nach achtjähriger Pause die Kathollten Deui.>-o'

Den Beweis für

Hetze aus.

den Mord unmittelbar anstifteten, träten die Verleumder nicht einmal an Die Wirkung muffe Aufreizung zu neuen Verbrechen sein. Schon *- Zwischenfall in Zeih habe bie ganze Wut der Sozialdemokraten gegen bie immer mehr anschwel- lenbc nationale Bewegung gezeigt, aber bie na­tional gesinnten Männer und Zunglinge würben mit starkem Willen ihre Rechte Derteibigen.

Auch bie »Deutsche Tageszeitung" wendet sich gegen bie Bürgerkrieghehe unb sagt: Die Linksparteien täuschten sich über bie Situa­tion. Heute wolle sich bas beutle Bürgertum eine Pöbelherrschaft nid) tmehr gefallen lassen, selbst wenn sie mit stillschweigender Billigung einer so­genannten Regierung errichtet würde. Die Links­parteien sollten sich hüten, zu Taten zu schreiten, die sich nachher ganz anders ausnähmen als vorher.

Auch bie Organe der Deutschen Volks-

Nr. 231

6ic,ener Anzeiger mit der Dienstagsbeilage ,5por1-Umschau" er­scheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatliche vezuarpreise: Mark 5.- eiiischlietzlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Ferniprech - Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drutztnach« richten: Anzeiger Kiehen.

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ungeheuerlichen der nationalen Stotz versetzen die Behauptung,

gur Ermordung Erzbergers.

Freiburg, 27. Aug. (Wolff.) Die von an­derer Seite verbreitete Meldung, dah der eine der Mörder des Abgeordneten Erzberger bereits verhaftet worden sei, trifft, wie wir zu­verlässig Horen, n i ch t zu. Auch ist es nicht richtig, dah die Leiche des Abg. Erzberger zu Tal geführt und aufgebahrt worden ist. Die Leiche ist viel­mehr am Orte der Tat bie Rächt über verblieben, ba sie vor der Lieberführung burch ben Gerichts­chemiker Dr. Popp- Frankfurt a. M., besichtigt werden muh. Dieser ist heute früh in Oberkirch cingetroffen und hat sich mit den Gerichtsbehörden sofort an ben Tatort begeben. Ob die Sektion der Leiche heute noch ftattfinbet, ist nicht bekannt.

Griesbach, 27. Aug. Bisher fehlt von ben Mördern Erzbergers jede Spur. Fsst steht nur, datz sie ben beiben Herren folgten, sie über­holten unb, als bie Herren Kehrt machten, plötz­lich wieder vor ihnen auftauchten unb zuerst auf ben Abg Dietz schaffen. An der Leiche Erz- bergers fehlt ein Ring, ein Geschenk Des Papstes, doch ist anzunehmen, dah Erzberger ihn beim Sprung ober beim Abrollen von ber Bö­schung verlor. Erzberger war schon bei seinem Aufenthalt in Beuron Belästigungen aus­gesetzt, bie bie Gendarmerie zu Rachforschungen veranlaßte. Erzberger glaubte in dem stilleren unb abgelcgeneren Griesbach sicher zu sein. Er war seit acht Tagen dort unb hatte bie Absicht, heute nach Frankfurt abzureisen, um am K a - tholikentag teilzunehmen. Heute nachmittag wurde die Leiche, bie auf Anorbnung ber Gerichts- kommiffion im Walbe liegen bleiben mutzte, m bas Krankenhaus zu Oppenau übergeführt.

1OO OOO Mark für die Ergreifung der Mörder ausgesetzt!

Berlin, 29. Aug. (WTB.) Für bie Er­greifung der Mörder Erzbergers hat neben den 1 0 0 0 0 0 Mark, die bie Reichsregierund ausge­setzt hat, auch das badische Zustizministerrum eine Belohnung von 20 000 Mark ausgesetzt. Der Tat­ort war am Sonntag von tausenden besucht. 3n Peterstal bei Griesbach wurde gestern abend ein wichtiger Zeuge ermittelt.

Die Erhitzung der Gemüter.

Berlin, 29. Aug. (WTB.) DerMontags­post" zufolge findet heute vormittag ein Mini­st e r r a t statt, ber sich mit ber innerpoli­tis ch e n Lage des Reiches beschäftigen wird. Die Gewerkschaften und bie beiden sozi­alistischen Parteien werden dem Reichs­kanzler eine Abordnung senden um auf die Reichsregierung einzuwirken, datz Maßnah­men gegen die Reaktion unternommen werden.

Sozialistische Massen de mostration en.

Berlin, 28. Aug. (Priv.-Tel.) Der Vor­stand ter Sozialdemokratischen Partei Dei.lschlands fordert imVorwärts" für Mittwoch den 31. August, nachmittags 5 llhr, zuMassen­de mon st rativnen in allen Orten gegen den politischen Mord und für bie Republik auf. Ebenso ruft das Z-n ral o^i ce ter Unabhängigen Sozial­demokratischen Partei Deutschlands in ber .Frei­heit" zu einer Massenaktion am gleichen Tage gegen das System des konterrevolutionären Meu­chelmordes unb gegen die kapitalistische Ausbeu­tung und Volksausplüitberung auf.

Berlin, 28. Aug. DemBerl. Tagebl." zufolge begibt sich der Reichstagspräsident Lobe nach Frankfurt a. M., um mit dem Reichs­kanzler Wirth über mehrere wichtige, im Zu­sammenhang mit ber Ermordung Erzbergers stehende Fragen Rücksprache zu nehmen.

Kundgebungen zu dem Morde.

Berlin. ?7. Aug. (Wolff.) Der.Vorwärts" erfährt, dah Verhandlungen im Gange sind, um einen einheitlichen Schritt sämtlicher gewerkschaftlicher Organisationen bei der Regierung zu erwirken, damit sie alle staatlichen Mittel anwendet, um der rechtsbol­schewistischen Hetze den Boden zu entziehen, woraus die politischen Morde ber jüngsten Zeit und auch die Ermordung Erzbergers enffproffen seien. Einen ähnlichen gemeinsamen Schritt werden dem Blatte zufolge auch die beiden sozialdemokratischen Parteien unternehmen. Wei­ter kündigt bas Blatt eine groherepublika- nische Kundgebung an, bie in der nächsten Woche durch ganz Deutschland veranstaltet wer­den soll.

Wie derVorwärts" mitteilt, treffen sich die Mitglieder des Bezirk svorstandes Der- l i n der S. P. D. am Montag im Bezirkssekreta­riat. um zu ber durch die Ermordung Erzbergers geschaffenen politischen Lage Stellung zu nehmen.

I Badischen Landtags. 3n feierlichem Zuge unb unter großem Vorantritt wurde ber Sarg vom

I Krankenhaus in die Kirche überaefübrt Eine un-

Demokraten nutzten vor ausreichender Klärung des Sachverhalts *

mit der sie einen tödlich n

Ein Strafantrag.

Berlin, 27. Aug. (WTB.) LautLokal- anzeiger" machte bie Parteileitung ber Deutschnatiorralen Volke Partei gegen die Schristleitung berFreiheit" ein Strafverfahren anhängig wegen der Behauptung, baß in ber Leitung ber Deutsch­nationalen Bolkspartei bie A nftif ter des Mordes an Erzberger säßen

Der frühere Fähnrich v. Hirschseld

Berlin, 27. Aug. (WTB.) Bor 14 Ta­gen ist ber frühere Fähnrich v.Pirjch- feld, ber während des Erzberger Prozessen ein Attentat auf Erzberger machte, aus dem Gefängnis entlassen worben unb mehrere Zeitungen haben darauf auf merksam gemacht. Die Polizei hat denn auch Ermittlungen über ben jetzigen Aufenthalt bes jungen Mannes angestellt, bie aber bis­her erfolglos geblieben sind.

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entwarf. Rach der Kirchenfeier wurde der Sarg vor die Kirche getragen. Dort hielten Staats­präsident Trunk, Reichsminister Giesberts, Geist­licher Rat Schvser, der Führer der badischen Zentrumspartei, und zahlreiche andere Trauer­gäste warme Rachrufe, die das Leben und Wirken des Dahingegangenen würdigten. Alsdann wurde die Leiche wieder im Oppenauer Krankenhause aufgebahrt, von wo sie in die Heimat des Er­mordeten, nach Biberach in Württemberg, über­geführt wird.

Der Leichenbefund.

Freiburg i. Br., 28. Aug. (Wolff.) Bei der gestern nachmittag erfolgten Obduktion der Leiche Erzbergers wurden im Körper sechs Geschosse gefunden und zwar im Kopf, im Hals, in der Brust und im llnterleib. Zwei haben den Körper ganz unb gar durchschlagen.

Freiburg, 27. Aug. (WTB.) 3m Amts­gericht Oberkirch hat heute vormittag eine ein­gehende Beratung der in Frage kommenden ge­richtlichen und polizeilichen Behörden stattgefun- den. Heute nachmittag wird die Sektion der Leiche des Ermordeten im Krankenhaus Oppenau vorgenvmmen werden. Rach den gerichtlichen Fest­stellungen wurde Erzberger zuerst durch einen Schutz in bie Stirn verwundet. Die Täter glaubten, da der Abgeordnete Diez bewutztlos zusammenbrach, ihn tödlich getroffen zu haben, ba sie nur den schwerverletzten E rz - berget verfolgten. Die Mörder folgten Erzberger eine Böschung hinunter unb fanden ihn unter einer Rottanne wieder. Dort haben sie dem Schwerverletzten offenbar zwei f o ge­nannt e Fangschüss e beigebracht. Die AuS schußstellen haben große Löcher in den Hinter­kopf des Ermordeten gerissen, aus denen das Ge­hirn herauShängt. Die beiden Patronenhülsen wurden l1/, Meter davon aufgefunden. Die Leiche ist unberührt geblieben. 3n Offenburg wurden zwei 3nbivibuen verhaftet, die dem Abgeord- ueten gegenübergestellt wurden. Sie haben jedoch mit ber Tat nichts zu tun. Der Abgeordnete Diez ist gestern abend in seine Heimat abgereift.

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Kommuniftische Rohheiten in Potsdam.

Potsdam, 28. Aug. (WB.) Der Zu­ge n b b u n b ber Deutschnationalen Volkspartei hatte für heute in Potsdam eine .Erinnerungsfeier an die Schlacht von Tannenberg unter freiem Himmel geplant Da dieRote Fahne" ihre Parteigenossen zu einer Gegenkundgebung auf gerufen hatte, waren vom Potsdamer Polizeipräs dei-ten Versammlun­gen unter freiem Himmel verboten worden. Dte Deutschnationalen hielten deshalb ihre Tannen­bergfeier in zwei geschlossenen Räumen ab; sie verlies ungestört. Dem Rufe der kommunistischen Parteileitung waren ungefähr 12 000 Kommu­nisten, namentlich aus Potsdam und Lichtenberg, gefolgt, die in verschiedenen Lokalen Versamm­lungen abhielten. Aus dem Wege dorthin be­lästigten sie zwer Reichswehrsol­daten. Ein Wachtmeister, der diesen bei­sprang, wurde geschlagen und griff in ber Rot­wehr zur Waffe. Dabei wurden zwei Ar­beiter aus Berlin bzw. Steglitz getötet unb eine Person verwundet

Berlin 29. Aug. (WTB.) Die Berliner Montagspost" bringt Einzelheiten über die Zu­sammenstöße der nationalistischen unb kommuni fischen Demonstranten, bie sich gestern tn Potsdam ereigneten. Rach dieser Darstellung fielen bie Kommunisten, die sich am Bahnhof Charlottenburg zum Rückzug nach Pots- bam sammelten, über einen Trupp von 20 jungem Männern und Frauen her, bie mit schwarz-wcitzM roten Zupfgeigenbändern, unter Führung eine® Reichswehroffiziers von einer Versammlung i" der Luftschiffhalle heimkehrten. Die Kommunisten verprügelten bie jungen Leute und schlugen dem Offizier bie Fahne über ben Kops, die einer der jungen Leute in einem schwarzen Lederfutteral trug. Die -Ueberfallenen trugen schwere Verletzun­gen am Kopf und an den Armen davon. Auf dem Wege nach dem Potsdamer Lustgarten miß­handelten bie Kommunisten Passanten mit schwarz- weiß-roten Abzeichen, hielten die Straßenbahn­wagen an unb zerrten die Fahrgäste heraus, von ben sie annahmen, daß sie zur Sannenbergfeter nach der Luftschiffhalle wollten. Ein Teil 'des Zuges, der durch Gerüchte, daß Polizeibeamte mit Maschinengewehren auf ben Zug geschossen hätten, erregt war, stieß auf einige Schutzpolizisten unb zwei Solbaten ber Reichswehr Als bie Solbaten flüchteten, .glaubte bie Menge, daß sie Hilfe holen wollten unb stürmte ihnen nach. Runmehr stellten sich|ibr bie Wachtmeister 3 toa n unb Wolf von brr Schutzpolizei entgegen. Die Menge umringte 3wan unb mihhanbelte ihn, währenb es Wolf gelang, in den Oberrechnungshof zu flüchten, wo auch die beiden Soldaten Zuflucht gesucht hatten. Als dann einige Männer auch dort eindrangen und bie Beamten auf ben Kopf schlugen, gaben biese fünf Schüsse ab, burch bie bie beiben ersten Angreifer getötet würben. Runmehr schlugen meh­rere Angreifer auf Wolf ein, der mit zerrissenem Unterliefet unb schweren Wurden bewußtlos zu­sammenbrach. Die Menge drang dann noch auf einen Reichswehrs olbaten ein, indem sie auf ihn einschlug, bis polizelliche Hllfe eintrat unb bie Bebrängten befreite.

Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Rach einer Mel­dung derD. Z. a. M." verfolgte die Berliner Kriminalpolizei bereits seit Anfang Juli einen jungen Mann, der im Gespräch mit einer Berliner Persönlichkeit geäußert hatte, er werde Erzberger aufsuchen und ihn über den Haufen schießen. Erzberger war auf diese Aeuherung hinvonder Kriminalpolizei gewarnt und ihm ge­raten worden, bei Spaziergängen niemals ohne Begleitung menschenleere Gegenden aufzusuchen.

Zur Ermordung Erzbergers machte Reichs­tagspräsident L ö b e einem Berichterstatter der D. Z." eine Mitteilung, er habe gestern am Aus­hang eines Extrablattes Unter den Linden einen Herrn polizeilich feststellen lassen, der beim Lesen des Extrablattes laut bemerkte:Der wird fein Unheil mehr anrichten!" Die ebenfalls polizeilich festgestellte Begleiterin des Herrn, der sich als pensionierten Gerichtsasseffor aus Köln auswies, habe geäußert:So muh es allen Revolutionären ergehen I" Weiter äußerte Lobe, die Ermordung werde unberechenbare inner- und außerparlamen­tarische Folgen haben. Es sei zu erwarten ge­wesen, daß Erzberger sich im Herbst wieder an den Arbeiten des Reichstags beteiligen würde, da die Gründe, die ihn fenthielten, teilweise weggefallen waren und die Frage der Aufbringung der Re­parationsschulden ein Gebiet war, das ben ehe­maligen Finanzminister besonders interessierte. Die Wurzel des Attentats sei unzweifelhaft in den maßlosen Anfeindungen zu suchen, denen Erzber­ger wegen seiner Desitzbesteuerung und wegen des Abschlusses des Waffenstlllstandes ausgesetzt war. Attentate dieser Art würden aber noch angeregt durch die überaus milde Beurteilung, welche die Schmähung deutscher Regierungsmänner und Po­litiker der Linken durch die Gerichte gefunden hätten sowie dadurch, dah frühere Mordtaten überhaupt nicht gesühnt oder überaus milde be­urteilt wurden, wie die des Prinzen Arco in München und die des Studenten Hirschfeld, der seinerzeit ebenfalls einen Schuh auf Erzberger abgab.

Staatsminister a. D. Hergt, ber Führer der Deutschnationalen Dolkspartei, erflärte. für eine so feige unb grauenhafte Mordtat gäbe es nur Verdammung unb Verachtung. Seien es po­litische Motive gewesen, dann Wehe über ben Wahnsinn, der glaube, durch eine so frevelhafte Tat dem Daterlande dienen zu können.

Die Anstrengungen zur Auffindung der Mörder.

Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Der Polizei­präsident hat den Auftrag erhalten, mit allen kriminalistischen Hilfsmitteln ausge­rüstete Beamte nach Griesbach zu entsenden.

Karlsruhe, 27. Aug. (Wolff.) Wie die Karlsruher Ztg." meldet, hat die Reichs­regierung in Sachen der Ermordung des Abg. Erzberger im .Einblick auf die Wahr- fchernlichkeit, daß es sich um einen politischen Mord handelt, für die Feststellung der Täterschaft eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt. Mir die Ber-! Leitung dieser Belohnung ist die badische Landespolizei zuMudig.

Gespannte innerpolitische Lage.

Der gewaltsame Tod ErzbergerS hat die politische Atmosphäre im Reiche, die ohne­dies schon recht gespannt war, aufs äußerste erhitzt. Wir haben bereits dargetan, dah die entsetzliche Tat in Griesbach aufs schärfste zu verdammen ist, und daß einpolitischer" Mord gerade in der heutigen schwierigen Zeit als doppelt schmählich angesehen werden muh, weil die daraus sich ergebenden Folgen in jeder Weise nur verhängnisvoll sein können. ES ist jedoch beklagenswert und zum Teil auch gewissenlos, wenn jetzt der Mord an Erz- berger, dessen Einzelheiten noch nicht aufge­hellt sind, zum Anlah genommen wird, Die Gegensätze planmäßig zu erweitern und zu vertiefen. ES ist nichts dagegen einzuwenden, dah von der leitenden Stelle in Berlin eine1 Mahnung ins Volks geschickt wird, abzulassen von Taten und Kundgebungen des Hasse S und Verderbens. Die Art, wie vom Reichs­kanzler Dr. Wirth die politische Klärung ver­sucht und eingeleitet werden soll, ist jedoch nicht ohne Bedenken. Waren die Reden deS Kanzlers bei dem Frankfurter Katholikentag noch einigermahen vorsichtig und mahvoll er durfte mit Recht seinen Gefühlen deS Ent­setzens und der Besorgnis Ausdruck gebeni so ist docb manches unternommen worden, was die Gemüter nur aufs neue aufpeitscht. Die MontagSauSgabe derFrankfurter Zeitung" bringt an ihrer Spitze Aeuherungen, die Herr Dr. Wirth ihr gegenüber bei seinem Frank- surter Aufenthalt gemacht habe. Das Blatt schreibt wörtlich:

Der Herr Reichskanzler betrachte! die Lage als sehr ernst. Die Republik sei in Gefahr. Es sei die Aufgabe derjenigen, die vor allen unseren Staat zu schützen berufen sind, ber zersetzenden Demagogie mit der größten Entschiedenheit ent­gegenzutreten. Das werde alsbald geschehen."

Das scheint denn doch fast wie eine sen­sationelle Ausnutzung des grauenvollen Er­eignisses von Griesbach zu sein. Wenn die MchrheitSsozialisten und die Anabhängigen nunmehr, wie heute gemeldet wird, zu Kund­gebungen gegen die Reaktion im Reiche rüsten, so gießt der Reichskanzler damit nur Oel ins Feuer. Bei solcher Sachlage ist es notwendig, sich danach umzusehen, wie der Mord an Erz­berger in der politischen Welt Deutschlands ausgenommen worden ist und welches Echo er sonst erweckt hat.

Von Berliner Stimmen sind folgende bemer- lenewert: Graf Westarp lagt in ber inncr- po'.ililchen Wochenschau berKreuz-Zeitung": Die Mordtat an E gleichviel aus welchen Motiven be­dangen, fei ein schweres Verbrechen, das strengste Sühne fordere. Die politischen Folgen der Tat icicn unabsehbar. Sozialdemokraten, Zentrum und

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General-Anzeiger für Oberhessen

Dmd und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinbruderei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstrahe 7.

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Sarg unb füllte bie Kirchenräume. Die Einseg- nungszeremonie nahm Domkapitular Weber vor ber dem Verblichenen einen herzlichen Rachruf widmete unu ein Lebensbild des Verstorbenen