aber allmählich zogen sich weide Strahlen durch biese Flüssigkeit, wie tocrni das GlaS, das sie umgab, nach allen Seiten gesprungen wäre und in Stücke gehen wollte. Lind wie diese weihen Stra> len zahlreicher wurden, durchdrungen sie die Flüssigkeit mit einem Licht, das diese immer Heller rot färbte, And allmählich ging diese Röte in einen gelblichen Schein über, der so stark wurde, das; er dem Kapitän die Augen blendete.
.Jetzt sehe ich e8,“ sagte der Kapitän. .TS ist wirklich Licht."
2Iber da lehnte stch Doktor Flo bin von neuem über ihn.
»WaS Ohne Hände mager sind!" sagte der Kapitän.
.Meinen Vie?" fragte der Doktor lächelnd and griff dabei mit seiner rechten Hand um den 2irm deS Kapitäns. Der Kapitän empfand diesen Drift wie einen Schmerz, der vom Arm auS durch seinen ganzen Körper Drang. ES war ein eigentümlicher Schmerz, wie eisige Kälte, gemischt mit brennendem Feuer, lind mit diesem Schmerz krallte sich eine maßlose Angst in fein Herz.
®r fuhr in die Höhe.
Der Kapitän meinte einen Schrei zu hören, den er selbst auSgestvtzen Haden muhte. Er meinte, noch einmal deS DokwrS Hahrotc Lippen zu sehen, die mit einem pfiffigen Lächln zwischen dem dunkeln Tapetenmuster verschwanden. Aber sein Leden war merkwürdig unklar, seine Augen waren immer noch wie von dem gelben Schein der geheimnisvollen GlaSslasche auf dem Bord- brett geblendet, und eS währte eine ganze Meile, bis er sich über dieses Licht klar wurde und erkannte, bah der Lampenschein die ganze Zeit über auf feine geschlossenen Augen gefallen war.
Er barg das Gesicht in den Händen.
.Gott im Himmel, ich Weitz nicht mehr, wo ich bin?" flüsterte er.
Gewaltsam sperrte er die Augen auf und sah sich um, und einen Augenblick südltc er sich beruhigt. alS er all die bekannten Gegenstände um sich her. seine Möbel und Bilder, die weihe GipSdecke, die weihen Vorhänge und den alten, abgetretenen Bodenkepplch erblickte.
Auf dem Tisch lag der Wechsel.
.Da liegt das Papier und rührt sich nicht," dachte er.
Dann erinnerte er sich an das Lächeln Der blatzrvten Lippen, wie er eS im Traum so Deutlich gesehen hatte, und empsand eine namenlose Beängstigung, weil er wußte, datz alle diese Ge- fi$te und Träume ihn noch lange verfolgen wurden.
Plötzlich wurde er ganz starr und steif.
CÄ war ihm eingefallen, datz er soeben geträumt hatte. Der Mörder habe ihn mit seinen eiskalten Fingern um den Arm geefaht. Er meinte immer noch Den Griff zu spüren, und unwillkürlich schaute er nach seinem linken Hemdärmel.
Deutlich waren auf Dem weihen Linnen Fingerabdrücke zu sehen. Abdrücke blutiger Finger!
■Unter dem namenlosen Erstaunen, daS den Kapitän bet diesem Anblick ergriff, war ihm nur eineS vollständig klar: er träumte nicht mehr — er war vollständig wach und bet voller Besinnung!
Dreizehntes Kapitel.
3n den nächsten Tagen tarn Der Kapitän Faum zum Vorschein. Die ganze Umgegend war über Die rätselhafte Untat entsetzt Äe Polizei konnte keine Spur von Dan geheimnisvollen Mörder finden.
Der Kapitän beschränkte sich darauf, die Frau des Ermordeten zu besuchen und zu trösten, so gut er es vermochte. Seinem düsteren und zurückhaltenden Wesen war leicht anzumerken, wie autzervdentüch ihn die unheimliche Geschichte angegriffen hatte.
EineS Abends in der Dämmerung, als er sich auf einen kleinen Spaziergang gewagt hatte, weil er meinte, fetzt niemand zu begegnen, lief er Dem jungen Arzt gerade in die Arme.
Augenscheinlich war diesem viel Daran gelegen, datz ihm Der Kapitän wegen jener Unter- re Dung nichts nach trage, denn er fragte ihn freundlich ob er keine neuen ilmhänbe entdeckt habe, die für die Untersuchung deS Mordes von Bedeutung sein könnten.
.Dein," antwortete Der Kapitän .Ich Vn sogar angestrengt bemüht, mit Die Sache so gut als möglich aus Dem Kopf zu schlagen. Leider wül eS mir nicht gelingen, fi ezu vergessen."
.Aber Sie haben doch Verschiedenes erwähnt, waS dem Gericht bei seiner Arbeit von blühen sein mühte, auch wenn die Dinge unmöglich die Bedeutung haben können. Die Vie ihnen beimessen. Da war etwas wegen eine» Fensters . “
Der Kapitän gab ausweichende Antwort:
,6ie müssen kein Gewicht auf daS legen. waS ich in jener Aacht gesagt habe. Ich war aufgeregt und nervös, und das Ereignis selbst hatte mir innerlich einen gewaltigen Stotz versetzt Sicherlich war alleS, waS ich vorgebracht habe, sinnlos und unzusammenhängend. Ich erinnere mich übrigen- selbst nicht mehr, was ich bei jener Gelegen heil gesagt habe."
»SS scheint aber doch nicht gtnz ohne Bedeutung . . .*
, Dagegen erinnere ich mich noch ganz gut, mit welch au-gesprochenem Zweifel S.e meine Erklärungen entgegeng- nommen pibm," fuhr der Kapitän fort. „Ich will mich nicht noch einmal bei einem Menschen diesem Lächeln und diesem mitleidigen Achsel »ucken aus setzen -
»Lieber Freund. eS war nicht meine Absicht . * suchte der junge Arzt zu beruhigen.
.Das ist ganz gleichgültig, unterbrach Ihn der Kapitän, der Die ganze Zeit über nur Darauf bedacht gewesen war, Den anderen loSzuwerten .Aber wenn ich Derartigem ausgesetzt bin. zietze ich eS vor, für mich $u bleiben. SS kommt ja auch m diesem Fall nicht gerade mir in erster Linie zu, dem Gericht unter die Arme zu greifen Aut keinen Fall könnte ich Damit meinen lieben Freund mS Leben zurückrufen Und ich wollte das nich: einmal, selbst wenn ich eS könnte. Warum einen Menschen stören, wenn er einmal Ruhe gefunden hat? Ich meine, man sollte Den Mörder laufen lassen, wer er auch sein mag. Wozu das Herum - hetzen?"
.Sie haben Merkwürdige Einfälle," sagte der Arzt.
.Deshalb btn jd> auch am liebsten mit meinen Gedanken allein." erklärte der 'Kapitän. .Guten Abend, Herr Doktor.'"
Aber zwei Tage hernach wurde der Kapitän durch einen Besuch des Doktors in grobes <St- flaunen verletzt. Au« Dem fröhlich leuchten de» Deficht deS jungen Mannes konnte er gleich entnehmen, das) dseser ihm etwas Wichtige- mit- CUteiks habe. (Fortsetzung folgt.)
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Verlag des Gießener Anzeigers.
tt. TreiS a. D. Cba., 27. Dez. Der litur- gische Abendgottesdienst am 1. Feiertag sah, wie alljährlich, eine überfüllte Kirche. Zur Verschönerung des Gottesdienstes trugen besonders mehrere von dem Kirchengesangverein und der ersten Schulklasse sinnig und fein bor- getragene Weihnachtschöre bei — Gleichfalls überfüllt war am 2. Feiertagabend der Festsaal von Will, wo der Turnverein feinen Familien- abend abhielt unter Vorführung von mehreren durch die Mittel- und Oberstufe prächtig ausge- führten Hebungen am Darren, Pyramiden und Marmorgruppen, sowie durch Ausführung eines unter der Leitung von Lehrer Walter mit viel Liebe und Eraktheit eingeübten und künstlerisch vorgeführten Dreiakter-, der den stürmischen Beifall der Zuhörer fand. An die Vorführungen schloß sich ein Tanz an.
= Hungen, 27. Dez. Am 2. Feiertag veranstaltete der hiesige Gesangverein .Liede r k r a n z" im Saale der .Traube" sein zweites Wintervergnügen, das in allen Teilen einen guten Verlauf nahm. Aach einem Weihvach tS-Prolog. verfaßt von einem Mitglied und von dessen Tochter gesprochen, wurde ein dreiaktiges Dolksstück sehr wirkungsvoll aufgeführt' die Darsteller ernteten nach jedem Akte reichen Beifall. Hieran schloß sich eine Verlosung, zu der schöne Gegenstände von den Mitgliedern gegiftet waren. Die zum Vortrag gebrachten, neu eingeübten Männerchöre fanden allseitige, beifällige Aufnahme. Beim frohen Tanz der Jugend hielt eine gute Stimmung die Teilnehmer bis zum frühen Morgen zusammen.
rt A ie de r-D es fingen, 27. Dez. Ein Ereignis für unser Dorf war eS. daß seit etwa 20 Jahren zum erstenmal wieder eine feierliche, von Lehrer Graulich mit Sorgfalt und Liebe etngeübte Christ vesper gehalten wurde. Den Dienst am Altar verrichtete der Ortsgeistliche. Die Feier brachte in fröhlichem Wechsel Gemeindegesang, Kinderchöre, gemischte Chöre und zwei ©ologeiänge, vorgetragen von Frl. Hedwig Graulich. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich unsere Kirche zum erstenmal in ihrer elektrischen Beleuchtung.
gr. RöthgeS, 25. Dez. Das zur Ehrung Misever gefallenen Helden geplante Kriegerdenkmal ist nunmehr zur Herstellung vergeben worden. Die Lieferung hat Bildhauer Leonhardt in Grünberg übernommen. Dis zum nächsten Frühjahr gedenkt man mit Der Errichtung des Denkmals auf dem Friedhof beginnen zu können. Ein« allgemeine Sammlung ergab den De trag von 4352 Mt. Der Gemeinde rat bewilligte den noch fehlenden Rest. — Der sehr mangelhafte Zu - ftanö unserer ©tragen, Haupt ächl.ch derjenigen im südlich gelegenen Teile unseres Dorfes, wird wohl jedem, der sie schon benutzt hat, bekannt fein. In letzter Zeit ist man damit beschäftigt, sämtliche auf Gemeind eigen tum liegen- Den, sich zum «Straßenbau eignende Steine, auf Hausen zu fahren. Maschinentesitzer Eise- Lich hat sich bereit erklärt, die Steine mit der Maschine zu klopfen, damit sie aus den verwahrlosten Straßen eingedeckt werden können. Auf diese Weise wird einem viel gehegten Wunsche entsprochen.
Kreis Alsfeld.
l. Elbenrod, 27. Dez. Weihnachtsfeier. Der erste Christabend sand unsere Gemeinde wieder vollzählig um den Weihnachtsbaum in der Kirche versammelt. Wie alljährlich trug der Kinderchor sehr zur Verschönerung der Feier bei. Desonders das eine der beiden Lieder, ein erst kürzlich verfaßter und komponierter dreistimmiger Chor „Höret die Kunde heiligster Stunde" fand allseitigen Deifall. Auch der Gesangverein stellte fein schon oft erprobtes Können wieder in den Dienst der Allgemeinheit. Cs war tief ergreifend, .als unmittelbar nach dem Verlesen der Weihnachtsgeschichte der Verein kdas alte ewig schöne „Stille Rächt, heilige Dacht" jfrtönen ließ. Getreu seinem Wahlspruch, stets Kzur Hebung und Pflege der religiösen unb echt .vaterländischen Interessen beizutragen, hat der 'Männerchor auch dieses Mal seinem guten Damen alle Ehre gemacht.
AuS dem AmtsverkündigungSblatt.
•* DaS Amtsverkündigungsblatt Br. 186 vom 27. Dezember enthält: Daustofs- bewirtschastung. — Einsendung der Hand- und Tagebuchsauszüge. — Festsetzung des Wertes der
Sachbezüge. — Gewährung einer außerordentlichen Beihilfe an langfristig Erwerbslose — Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner für die Angestelltenversicherung. — Wegsperre-Aushebung — Dienstnachrichten. — Feldbereinigung Grünin- gen. — Ergebnisse der Hauptkörungen im Dienstbezirke Der Amt-velettnärarzlstelle Grünberg (Fortsetzung).
Vermischtes.
* Das EndeDesWeihnachtSküsfenS. Weihnachten ist in England feil alten Tagen zugleich die .Kußzeit", denn unter Dem zauberkräftigen Bereich des Mistelzweiges herrscht bekanntlich Kubfreiheit, und feil Dickens haben uns immer wieder britische Dichter geschildert, wie auSgiebig man davon Gebrauch machte und wie die Lippen keiner Schönen im Zeichen des Wunderzweiges geschont wurden. Aber wie sö^viele schöne alte Dräuche. ist auch diese Sitte im Absterben oder wird jebenfalls nicht mehr mit dem Behagen und der Freigebigkeit geübt, mit der vor 100 Jahren Mr. Pickwick von Dame zu Dame schritt, um seinen Kußtribut einzufordern, und weder vor der alten Großmutter noch vor den niedlichen Bewohnerinnen der Küche Hali machte. Wie Mary Hickford in einem Londoner Blatt ausführt, ist heutzutage Weihnachten nicht mehr die .Kußzeit", die es früher war. Wir haben heute die glückliche Hn- befangenheil vergangener Zeilen verloren, und wo man früher gedankenlos und vergnügt die allen Sitten mitmachte, da erhebt sich heute drvhenh die Warnung der Wissenschaft. Die Aerzte haben den Kuh diskreditiert, indem sie in ihm weniger eine angenehme und romantische Betätigung, als vielmehr eine besonders gute Gelegenheit sehen, Krank- heitskeime aller Art zu übertragen. So ist denn das Kußrecht im modernen England nicht mehr allgemein, sondern der Weihnachlskuß ist auf einen engeren, meistens auf den Familienkreis beschränkt, unb so kann man wohl von einem Ende des Weihnachtsküssens sprechen, denn gerade In der Ausdehnung des Kubrechtes auf weitere Kreise lag sein Deiz. Frau sowie Kinder kann nun auch küssen, wenn nicht die selige Weihnachtszeit die Herzen erhellt und der Mistelzweig einladend von Decke oder Türpfosten grüßt.
• D heingauer W in zers chule in Geisenheim a. Rh. Man schreibt uns: Geisenheim, einer der herrlichsten Weinorte des rebengesegneten Rheingaus, erhält für den Weinbau am Rhein, insbesondere des Rheingaus, eine neue Bedeutung 1870—73 wurde hier die Staatliche (ehemals Königliche) Lehranstalt für Wein-, Obfl- und Gartenbau errichtet. Sie hat sich Im Laufe der Jahrzehnte zur angesehensten Weinbaulehranstalt am Rhein und damit ganz Deutschlands entwickelt: viele Hunderte namhafter deutscher und ausländischer Weingutsbesitzer haben hier, inmitten der edelsten Rebenkulturen am Rhein, ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse vertieft und den Ruhm der rheinischen Winzer weit hinaus in alle Welt getragen. Hier, wo der deutsche Strom in 628 Meter Breite dem Felsenkessel von Bingerbrück, dem „Dinger Loch", zuströmt, von wo es nur zwanzig Minuten Weg zum weltbekannten Rüdesheim und zum berühmtesten deutschen Weingut, dem „Schloß Johannisberg" ist, hat der rheinische Weinbau seine vornehmste Pflegestätte gesunden, und Geisenheimer Wcinbauschuler haben Den Weinbau überall, wo sie wirken, weiter veredelt und insbesondere Den rheinischen Weinbau zu hohen Ehren gebracht, soweit auf diesem Gebiete überhaupt noch eine Steigerung der Leistungen möglich ist. Demnächst wird nun in Derbindung mit dieser Lehranstalt eine „Rheingauer Winzerschule" errichtet, welche tezu bestimmt ist, die weinbaulichen Interessen des Rheingauers selbst und die technisch-wissenschaftlichen Kenntnisse der Rheingauer Winzer zu fördern. Eben erst haben die Geisenheimer Wingerte einen Wein zur Reife gebracht, der zu dem besten gehört, was jemals auf rheinischen Rebenhängen gewachsen ist. „Vinum bonum — Dinum bonum" haben die Glocken des .Rheingauer Domes". Der prächtigen spätgotischen Kirche Geisenheims, weithin in den sonnigen Rheingau geläutet, der Kirche, die hundert Jahre nach dem AuSbruch des Dreißigjährigen Krieges erbaut wurde, jener furchtbaren Drangsal, die noch vor dem Frieden von Münster und Osnabrück tatsächlich beendet wurde durch Derhandlungen, die im Gräflich von Schönbornschen Hause zu Geisenheim
| wurden. Außer Der LandwirfchaftSfannner in Wiesbaden, dem Landkreis Wies baden und dem Kreise 6L Goarshausen hat auch der Rheingau- kreiS einen namhaften De trag für die Einrichtung der.Rheingauer Dinzerfchule" bewilligt. Geisenheim, das etwas östlich von RüdeSheim unmittelbar am Sttome gelegen ist, weist auch einen großartigen Edelobst bau auf; hochberühmt find Die Obstkulturen Der vielbesuchten Geisenheimer Besitzung MonrepoS. Das Obst, bas aus Der Geisenheimer Gemarkung zur Reise kommt, gehört zur Elite des rheinischen Obste-, von Dem man weih, daß eS an Zartheit, Aroma und Saft nicht so leicht zu übertreffen ist. Auch befindet sich in Geisenheim, ebenfalls im Gatten Der Billa MonrepoS, bad umfassendste Rosarium Deutschlands!
* »TelephonitiS". Eine neue Krankheit, Die TelephonitiS. Die auch bei uns nicht gerade selten ist, wenngleich sich Die Post durch Verteuerung und Erschwerung deS Tele- phonierenS Die größte Mühe zu ihrer Heilung gibt, beschreibt Alfred Edhe in einem Londoner Blatt. »TelephonitiS ist vorhettschend unter Frauen und Mädchen," führt er aus. .Sie kann Definiert werden als das unverständige unb unbezähmbare Verlangen, ohne wichtigen Grund jemanden anzuläuten. Sie ist ansteckend, und die einzige Kur besteht in vollständiger Entziehung des Krankheitserregers. Aber selbst diese Maßregel ist nicht immer wirksam. Denn auch Frauen, die kein Telephon zu Hause haben, frönen diesem Laster, unb man kann die Telephonapparate in den Restaurants sowie die öffentlichen Femsprech- anlagen von zahlreichen »Patientinnen" belagert sehen, die lieber stundenlang warten, als auf ihre fixe Idee verzichten. Der Mann, der vielleicht einen wichttgen geschäftlichen Anruf erledigen will, muh dann zähneknirschend dabei stehen und beobachten, wie die Damen endlos lange ihre Richtigkeiten dem Draht an- vertrauen und schließlich ganz aufgeregt, aber glücklich aus der Telephonzelle herauskommen. In den Lokalen kann man diese an Telephoni- tis erkrankten Damen daran erkennen, daß sie auch in der besten Gesellschaft und beim besten Essen nicht stillsitzen, sondern plötzlich aufspringen, um ans Telephon zu laufen. Dieser Übermäßige Gebrauch des Telephons hat alle Abgeschlossenheit und Ruhe des Privatlebens vernichtet. Jeder Beliebige kann mich aus der behaglichen Etllle meiner vier Wände aufscheuchen, und am gefährlichsten sind die mit der TelephonitiS behafteten Frauen, die auch in ihrem eigenen und im fremden Eheleben viel Unheil anrichten. Sie spüren dem Manne durch telephonische Anrufe überallhin nach und tragen Klatsch in alle Familien. Bei Liebenden aber wird die TelephonitiS zur wilden Leidenschaft, denn der an unb für sich schon vorhandene Hang nach der „Quasselstrippe" wird ins Maßlose gesteigert durch die Sehnsucht nach dem geliebten Gegenstand, und man sollte wirklich besondere Leitungen für Liebende anlegen.
Büchertisch.
— Die erste Gemeinde. Eine Legenden - erzählung aus Der Urzeit DeS Christentums. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Scharrel- manns .JesuS Der Jüngling" war für viele em Erlebnis. .Die erste Gemeinde" wird noch tiefere Eindrücke hinterlassen. In einer Sprache, Die an Die schlichte Schönheit und Ausdruckskrast der Evangelien erinnert und mit der hellseherischen Kraft deS intuitiven Dichters läßt Dec Dichter jene rätselhafte, von religiösen Geheimnissen erfüllte Zeit des frühesten Christentums vor uns erstehen.
— DaS Leben-Problem in China und Europa. Von Geheimrat Prof. Dr. R u - b o l f (Süden und Prof. 6 a r f u n Chang. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — DaS Buch ist eine Zwiesprache zweier Wellen über die Grundfragen geistigen SeinS. Hier Die unendlich mannigfache reiche Entwicklung des europäischen Lebens: ganz verschiedene Schichten treten neben- unb nacheinander, ohne daß das Svätere Dari «rü-
fcete verdrängte und überflüssig machte. Griechentum, Christentum, Realismus. IDealismus, alle- Widersprüche, Die daS geschichtliche Gehen Durchziehen, um in Der Gegenwart, in Der Religion unD dem wirtschaftlichen Leben zwei Pole zu bilden. Die der Synthese Watten. Dort eine Einheit des LebenS bedingt durch die Geschlossenheit Df geographischen Lage. Die Deltprobleme, Die Re westliche Welt so statt bewegten und bewegen, treten hier zurück. Das Leben Der läuft im eiacnen Kreise des Menschen, von einer ethischen Gesinnung bunte Drungen. Aber wie bei uns Die wirtschaftliche Entwicklung alle anderen Ausgaben zurückDrängte, so sehen wir Dort Durch Das Eindringen und den Wettbewerb Der Völker eine Bewegung. Die alle Grundbegriffe und Maße verändert. Hier wie Dort Verwirrung, Die Der Klärung bedarf.
— Die Singvögel der Heimat. Von O. Kleinschmidt. 3. Aullaae. Sin Bild«- atlaS mit 120 Seilen und 86 farbigen Tafeln. Berlag von Quelle & Meyer in Leipzig.
— Römische Kultur im Bilde. Don OberftuDienral Konrektor Professor Dr. HanS Larner. 4. Auflage. «Wissenschaft und Bildung. 2d. 81, Berlag von Quelle & Meyer in Leipzig.)
— Aus Der Urgeschichte der Menschen. Wanderungen durch Heimat und Wildnis. Bon Fritz GanSberg. 3. Aufl. Wil Abbildungen von Arpad Schmidhammer Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig.
Handel.
Frankfurt a. M.. 28. Dezember. Marknotierunge».
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 24.12. 27.12.
Zürich . Fr. 125 40 2,90
Amsterdam Fl. 59.20 1,52
Kopenhagen Kr. 88 80 2,75 235
Prag Kr. 117 80 38,-
Stockholm Kr. 88.80 2,20 230
Wien Kr. 117.80 London Sh. 97.80 7.9C
Patts Fr. 125.40 6,75 7,-
Reuyork I 2330 -,55
Züricher Devisenmarkt.
27. 12. 28.11
Wechsel auf Schweizer Franken
Holland 100 31. = 18/.5O 1&&-
Deutschland 100 Mb = 2.75 230
Wien 100 Kr. = 0.19 0.19
Prag 100 Kr. = 7.10 7.20
Patts 100 5t. = 40.80 41.25
London 1 £ — 11.46 2U53
Italien 100 2. = 22.75 22.25
Brüssel 100 Fr. « 39.- 39.50
Budapest 100 Kr. — 0.825 0325
Reuyork 100 $ — 513.- 513.-
Agram 100 Kr. — 2.- 2.-
Warschau 100 Äx. = 0,18 0,19
(3n einem Tert der Auflage DieOecoolL) Unterzeichnung des italienisch-russischen Abkommens.
Rom, 21. Dc^. Äehera wurde auf der Pont Lonsulaw daS italicnisch-rusi ische Abi immen Unterzeichner.
Spuren im Schnee,
Roman von Sven Slvestab.
Ermächtigte Uebersetzung.
23. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„Sind Sie eS?"' fragte der Kapitän. „Ich meinte, ©le seien tot“
Doktor Flodin bewegte seine blaßroten Lippen und flüsterte Dem Kapitän ein Geheimnis zu.
„Ich tarn nicht hören, waS Sie sagen," erklärte Der Kapitän. „ES sind da ttngsum sv viele Stimmen."
Tvktor Flodin streckte langsam den linken Arm auS, wie um den Kapitän aufzufordern, sich umzuseyen.
.Vie kommen alle mit sonderbaren Fackeln." sagte der Kapctän. „Sie brennen nicht recht, sie glühen nur rot."
Da beugte sich Doktor Flodin wieder über ihn und flüflcrtc ihm etwas zu. und dieSmal konnte Der Kapitän verstehen, was er sagte. DaS war plötzlich fein Flüstern mehr, da- war Doktor FlodinS richtige Stimme, die ihm, tote durch ein Telephon, spitz und scharf inS Ohr drang:
„ES sind keine Fackeln. eS sind Lichter!"
Und toittlch, eS waren Lichter, eine Menge Lichter jn Reihen, den Wänden entlang. Sie schimmerten in verschiedenen Farben, haften aber alle keinen teilen Glanz. Einige waren bräun- lichrol, andere bläulich, wieder andere hatten eine sonderbare andere. Überhaupt nicht zu benennende Farbe.
„DaS sind ater doch auch keine Lichter," sagte Der Kapitän. „TaS sind Die Glaskolben in Der Apotheke."
Run ging Doktor Flo Din an elnoS der Gestelle hin, und InDcm er auf eine Der Gia-flaschen deutele, jagte er:
„In vieler Flasche ist Licht. Die habe ich selbst hi Stucke geschlagen."
Sofort nahm Der Kapitän Den Hörer vom Ohr — jetzt erst merkte er, daß er am Telepdon saß — und legte ihn auf den Tisch. AufmerNam betrachtete er Die bezeichnete Flasche Zuer i meinte er, sie enthalte nur eine dunkel rote Flüssigkeit,


