Salbest, der Ärbritervertreter Italiens, schloß sich dieser Meinung an, wünschte aber, daß unter allen ilmfiänben auf die Einsprache der französischen Legierung geantwortet werde.
Der Arbeitervertreter von Südafrika, Craw- ford, unterstützte diesen Antrag.
Schließlich wurde mit 74 gegen 20 Stimmen die Resolution Ma ha in angenommen, die wie folgt lautet:
Da die Konferenz sich als kompetent betrachtet, hat sie über die Arbeitsbedingungen der Landwirtschaft zu verhandeln, und da die vom Bundesrat vorgeschlagene Resolution zugleich den von der Washingtoner Konferenz geäußerten Wünschen und den gerechten Forderungen der landwirtschaftlichen Kreise entspricht, beschließt sie, über jede einzelne Frage und die Zweckmäßigkeit der Beibehaltung der unter Rr. 2, 3 und 4 aufyeführten Fragen der Tagesordnung zu ent» scheiden.
Es werden nun die einzelnen Abstimmungen zeigen, welche Gegenstände wir in der Sitzung zu behandeln haben.
Ein Eisenbahn-Finanzgesetz.
Berlin. 27. Oft (WB.) Unter dem Borsitz des Ministers Ordner ist heute der Sachverständigeübeirat des ReichsverkehrsministemumS zu einer Besprechung der Lage der Reichs- eisenbahnen zusammengetreten. Auf der Tagesordnung stand die Frage, die in letzter Zeit durch mehrere Presseartikel auch die breite Oef- sentlichkeit beschäftigte, ob die Reichseisenbahnen in den Privatbetrieb die ©elunbung der finanziellen Lage der Reichseifendahnen herbeizuführen geeignet wäre. Dieselbe Frage war bereits vor drei Wochen in der Präsidentenkonferenz in München erörtert worden. Rachdem auf dieser Konferenz gegen den Privatbetrieb eine allgemein ablehnende Haltung angenommen war. wurde auch in der heutigen Sitzung desSachverständigen- brirates von keiner Seite die Lieberführung der Reich-Seifenbahnen in Privathände in irgendetnrr Form empfohlen. Die ganz überwiegende Mehrheit war auch der Auffassung, daß die Heber- tragung der Verwaltung an eine privatrechtlichr Gesellschaft, selbst unter Wahrung des Eigentumsrechtes des Reiches, nicht zweckmäßig sei. Dagegen wurde die vielseitige Durchdringung des Staatsbetriebes mit kaufmännischem Gei st und möglichste Anwendung privatwirtschaftlicher Grundsätze innerhalb des Staatsbetriebes empfohlen. Der Beirat billigte die Absicht des Ministers. bei Gelegenheit der Einbringung des Eifenbahn-Finanzgesehes eine Reihe von Anwendungsmöglichleiten privatwirtschaftlicher Grundsätze durchzuführen. Dieses Eisenbahn- Finanzgesetz soll nach den Absichten des Ministers noch in dieser Tagung des Reichstages zur Derabschiedung gelangen.
Reichseiseubahn ober Privatbahn?
Berlin, 27. Okt. (Privattelegramm.) In der heutigen Vollsitzung des Sach- verständigenbeirats des ReichSver- kehrSministeriums sprach Eisenbahnfachmann Geheimrat Dr. Hermann Kirchhoff über das Thema: ReichSbabn oder Privatbahn? Kirchhoff war gegen Die Anwendung von Radikalmitteln, wie Veräußerung oder Verpachtung der Reichseisenbahn. Die künftigen Verbesserungen dürften nur im Rahmen der Reichsverfassung durch weitgehende Ausführung des Artikels 92 getroffen werden. Die Reichseisenbahn als solche müsse bestehen bleiben, aber p r i v a t w irisch a f t l i ch betrieben werden. Das Eisenbahnwesen müsse nach kaufmännischen Grund- . sätzen verwaltet werden. Es müsse losgelöst werden von den bureaukratischen Einrichtun- k gen der übrigen Reichsverwaltungen, unter Bildung von Reserve- und Erneuerungsfonds selbständig privatwirtschaftlich betrieben wer- '• den. Die Leiter hätten wie die Leiter der Privatwirtschaft Bilanz aufzustellen, stille Reserven zu legen, Besoldungen. Löhne und Tarife nach kaufmännischen Grundsätzen zu regeln. Aus Delegierten des Reichstages, des Reichswirtschaftsrates und des Reichsfinanzministeriums müsse ein Aufsichtsorgan geschaf- ’ fen werden. ---------
Exkönig Karl.
Paris, 27. Oft (WB) 'Rach einer Dlätter- melbung soll Exkönig Karl auf einem englischen Motorboot, das vor Budapest liegt, vorerst nach Galatz gebracht werden, bis die Alliierten über leinen endgültigen Wohnsitz entschieden haben.
Bern, 27. Oft. (Wolff.) Die HeberBrtngung der Nachricht, daß die Erzherzogin und die K i n- ber der königlichen Familie demnächst die Schweiz zu verlassen Baben, hat in Herten st e i n wie die „Baseler Rachrichten" melden, einen katastrvpha'en Eindruck gemacht. Es wurde
Kunst und Wissenschaft.
Frankfurter Theater.
1t Frankfurt. 27. Oft 1921.
Bei der Operette „Die Strohwitwe" Von August Reidhardt. die int Frankfurter Opernhause zum ersten Male gegeben wurde, ist die Musik Leo Blechs zweifellos dem textlichen Borwurf an Geist und Grazie überlegen. Während das Libretto, ganz nach dem herkömmlichen Schema, aus der Figur deS „SeremissimuS" komische Wirkungen zu ziehen sucht und in einer, gar geringfügigen, äußeren Handlung in der üblichen Weise einherplätschert erUingen doch aus der Partitur ein paar hübsche Weisen, und die liebenswürdige saubere Instrumentation verrat den Musiker von Bildung. Freilich mitreißend oder gar tiefer haftend ist auch die Dertonung nicht, und nach dem hübschen Gingangssah. der den SM des feineren musikalischen Lustspiels erhoffen läßt, nimmt auch da das Riveau ab. DaÄ Urteil des Publikums sprach sich in freundlichem Beifall für die flotte Darstellung aus.
In Ferdinand Raimunds letztem Märchenspiel, dem „Verschwender", beging Aloys Großmann vom Reuen Theater sein 25jähriges Bühnenjubiläum. AIS Valentin tonnte der beliebte Künstler muntere Laune walken lassen und Dbenßrdn die schlichte Herzlichkeit, die dieser Verklärung der allen Hanswurstsigur inS rein Menschliche eignet, zum Ausdruck bringen. Herr Großmann wurde in ehrendster Weise gefeiert — Schade, daß die Aufführung nicht auch in der äußeren Ausstattung durchweg der holden Märchenwelt des Wiener Dichters gerecht wurde: eS geht aber nicht an, ein solches Stück ohne den
fest gestellt, daß die Finanzen des Hofhaltes tn einem so prekären Zustande sind, daß die Familie nur von dem einen in den anderen Tag hineinlebe. Es ist wahrscheinlich, daß zur Besorgung der Zivilangelegenheit und der geschäftlichen Ordnung der Dinge eines der Mitglieder deS Zivil- kabinetts in Hertenstein bleiben muß, das zugleich die älnterschriftsberechtigung hat.
Krieqsvorbcreitungen gegen Ungarn?
©raß, 28. Oft. (WTD.) Die .Tagespost" meldet aus Belgrad: Die von der Regierung gegen Ungarn getroffenen militärischen Vorbereitungen wurden fortgesetzt. Demselben Blatte zufolge wird aas Bukarest berichtet, daß General A v a r e I i n mit der vollständigen Mobllisierung der Infanterie und Kavallerie betraut worden sei.
Drakonische Matzregeln der Tschechei.
Prag, 27. Oft (WTD.) Durch Kundmachung des Ministeriums für Rationalverteidigung wird für den Bereich der Slowakei und K a r p a - thorußland das Standrecht gegen alle Personen, die der militärischen Strafgerichtsbarkeit unterliegen, wegen Vergehens der Gehorsamsverweigerung. Aufruhrs, Meuterei. Fahnenflucht, unbefugter Anwerbung, Verführung oder Beihilfe zur Verletzung der beeideten Militär- dicnstpflicht, Spionage und Plünderung verkündet. Diese Verbrechen werden mit dem Tode durch Erschießen ober den Strang bedroht. Verletzung der beeideten Militärdienstpslicht und Spionage unterliegen dem Standreckt auch Personen. die der bürgerlichen Strafordnung unterstehen.
Das Ende des Streiks in Nordfrankreich.
Paris, 27. Oft. (WB.) Rach einer Havas- meldung aus Lille haben die Fabriken in Roubaix in großem Umfange den Betrieb wiederaufgenommen. Heute morgen wurden 17 000 Arbeiter gezählt die wieder zur Arbeit erschienen. Im ganzen finb in 145 Fabriken zur Zeit 18 000 Personen tätig.
Aus dem Reiche.
Beschlüsse deS vorläufigen ReichSwirtschafts- rates.
Berlin, 27. Okt. (Wolff.) In der .heuigen Sitzung des vorläufigen Reichswirtschaftsrates wurde das Lohnfteuer- statistikgeseh einstimmig angenommen. Ferner wurden die Leitsätze des Wohnungsausschusses zur Behebung der Wohnungsnot nach kurzer Debatte mit überwiegender Mehrheit angenommen, wonach das Wohnungswesen selbst die Mittel zum Reubau aufbringen soll. Das Mietesteuergesetz in seiner bisherigen Form wurde abgelehnt und verlangt, baß die Steuereingänge so hoch bemessen werden, daß sie die Baubeihilfen decken und nicht nur die Zinsen, wie es das Mietsteuergesetz vvrsieht. Morgen beginnen die Sozialberatungen der Steuergesetzgebung, während die Gesamtaussprache über die Steuerpolitik erst nächste Woche erfolgen soll.
Die Demntenbesoldunq in Preußen.
Berlin, 27. Okt. (WTD.) Im 'Beamten- auSschuß des Preußischen Landtages hat die Staatsregierung in Lllissicht gestellt, daß den nach dem 1. April 1920 pensionierten Beamten Aufrückungs- und Beförderungsstellen auf Grund des Desoidungsgesehes nach den gleichen Grundsätzen nachträglich verliehen werden sollen, die für die aktiven Beamten maßgebend sind. Hiernach werden die Pensions- und Desoldungs- sätze neu zu regeln sein.
Die Schuldigen des Kapp-Putsches.
Berlin, 27. Okt. Entgegen der Meldung der „München-Augsburger Abendzeitung", wonach Kapitän Ehrhardt, Oberst Bauer, Major P a b st und Schnitzler bereits vor einem halben Jahre der Reichsregierung ihre Selbstgestellung angeboten hätten, gibt der Oberreichsanwalt einer Blättermeldung aus Leipzig zufolge eine Erklärung ab. worin es heißt: Erst in allerletzter Zeit haben Ehrhardt, Bauer, Pabst und Schnitzler das Ersuchen um freies Geleit gestellt. Für den Oberreichsanwalt ergab sich dadurch die Möglichkeit, langwierige doppelte Verhandlungen zu vermeiden. Er hat dem Ersuchen darum stattgegeben, bisher allerdings noch keinen Bescheid zurück- bekommen. ob die Vier nun tatsächlich 'sich dem Reichsgericht stellen werden. Es hat noch kein genauer Termin festgesetzt werden können. Sollten die vier sich nicht bald bereit erklären, vor dem Reichsgericht zu erscheinen, so wird die Verhandlung gegen Iagow, Wangenheim und Schiele gesondert vorgenommen werden.
Zauber und Prunk zu spielen, den eS nach seinen ästhetischen Gesehen gebieterisch verlangt.
Hessische- Landeötheater.
st. Darmstadt, 27. Oft. Die Erstaufführung der Komödie „Cäsar und Cleopatra" von Bernhard Shaw brachte dem Landestheater einen uneingeschränkten künstlerischen Erfolg und den Theaterbesuchern ein paar interessant- amüsante Stunden. Die geistvoll satirische Komödie hat lange Zell gebraucht, bis sie nach Darmstadt kam. aber dafür war die hiesige Erstaufführung eine bühnentechnische und darstellerische Leistung von Größe. In S^ene gesetzt von Eugen Keller verriet der Spielzettell aber man darf auch hier wie bei Richard dem Dritten hinzufügen, nach den Intentionen Gustav Hartungs. Die von Th. C. Pilar in seiner künstlerischen Gestaltungskraft erstellten Bühnenbilder, auf sinnlichschöne Bildwirkung and Umrahmung der Handlung berechnet, entsprachen wohl nicht dem festgelegten Willen des Autors, aber sie gaben der lebendigen und f[Affigen Darstellung ein Gewand, des Trägers würdig und ihn (der Darstellung und dem Inhalt) gut and höchst wirksam repräsentier renb. Wie immer große ruhige Flächen und einfache Formen in Farben getaucht, die ständig wechselnd stets aufs Reue fesseln. Das Schloß der Cleopatra einfach angedeutet durch eine Kette aneinandergereihter hoher schlanker Dogen, die frei von dem Rundhorizont standen, der Thron ein phantastischer goldener Stuhl. Impression! Aehnlich die Burgmauer am Meeresstrand mU dem getoal.i;cn Krahnen (Winde) Aehnlich das Gemach, in b:m Cleopatra den gefangenen und belagerten Cäsar bewirtet. In diese Impressionen hineingestellt, und
Das Attentat auf Auer.
München. 27. Okt. (WTB.) Die polizeilichen Erhebungen über das Revolverattentat auf Auer haben zu keinem Ergebnis geführt. Der Sozialdemokratische Verein hat für die Ausfindigmachung des Täters 5000 Mk. Belohnung ausgesetzt.
Die Kartoffelnot und ihre Abhilfe.
Die berechtigten Klagen über die mangelhafte Kartoffelversorgung und unerträgliche Preisentwicklung haben Veranlassung gegeben. Maßnahmen der Abhilfe in die Wege zu leiten. Es wird alles daran gesetzt. ausreichende Mengen Kartoffeln aus äleberschußgebieten in Bedarfs- bezirke zu leiten und. was nicht weniger wichtig ist. darauf hinzuwirken, daß die Preise für Kartoffeln sich in erträglichen Grenzen halten. Die wenig günstigen Ernteaussichten in West- und Süddeutschland hallen zur Folge, daß die von den großen Organisationen. Konzernen und Werken entsandten Auftäufer in den erwähnten Bezirken nicht genügend Kartoffeln aufbringen konnten und sich daher nach den östlichen Äeberschußgebieten wandten. Im Verein mit dem berufsmäßigen Handel überfluteten zahlreiche Aufkäufer aus dem Westen die östlichen Provinzen und begannen, die Preise in die Höhe zu treiben. Aus den überstürzten Aufkäufen und dem regellosen, nicht in die rechten Dahnen geleiteten Handel ergab sich als weitere unerwünschte Folge, daß die Kartoffeln allgemein knapp wurden. Die Schwierigkeiten des Trans- Ports erschwerten die Lage. Die hierdurch verursachte Verzögerung machte den Kartoffelhandel in erhöhtem Grade unruhig. Reue Preisüberbiellnmen waren zu verzeichnen und die Landwirtschaft nahm die gebotenen Preise mit. Weiter wurde die Versorgung dadurch erschwert, daß verschiedene Kommunalverbände, besonders in der Provinz Hannover, Ausfuhrsperren verhängten, und daß sogar einzelne Länder ähnliche Maßnahmen trafen. Derartige Ausfuhrsperren waren rechtsungültig, da ste der Zustimmung des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft bedurften und diese in keinem Falle erteilt worden war. Das Reichsministerium hat in den ihm bekannt gewordenen Fällen unverzügliche Aufhebung solcher Sperren verlangt.
DasReichsministerium fürErnährung und Landwirtschaft toirtte bereits seit Anfang Oktober gemeinschaftlich mit dem Reichsverkehrsministerium durch einschneidende Maßnahmen auf eine Besserung der Transportmöglichfeiten hin. Durch eine vermehrte Wagengestellung, die derjenigen des Vorjahres annähernd gleich kommt, ist nunmehr der Abllansport der Kartoffeln in die Dedarfsbezirke in einigermaßen normale Bahnen gelenkt worden. Ein kleiner Rückschlag ist allerdings in den letzten Tagen dadurch eingetreten, daß die Polen den westpreußischen Korridor gesperrt haben, wodurch der Verkehr vorübergehend etwas ins Stocken geraten ist. Diese Schwierigkeit dürste in kurzem behoben sein.
Was die im Intereffe der Dolksernährung so tief bedauerliche Preisgestaltung betrifft, so wird seitens der zuständigen Stellen alles getan, um auch hier zu erlläglichen Zuständen zu kommen. Am 18. Oft. fanden Verhandlungen des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft mit Vertretern des Handels, der Landwirtschaft und des Dergbauvereins Esten stall. Der Minister wies nochmals eindringlich auf die Schwierigkeiten der Lage hin und ersuchte die 03 er tretet der Landwirtschaft und des Handels dringend, darauf hinzuwirken, daß die Erzeuger zu angemessenen Preisen lieferten, und daß der fortdauernden Erhöhung der Preise durch den Handel ein Ziel gesetzt würde. Die Vertreter der Landwirtschaft sagten zu. ihre Berufsgenosten durch Aufrufe in der lokalen Presse zur verstärkten Anlieferung von Kartoffeln zu veranlassen und in der Preisftage die Rotlage weiter Verbraucherschichten zu berücksichtigen', In dieser Sitzung stand auch die Einführung von Höchst- und Richtpreisen zur Debatte. Die Verlleter der Landwirtschaft und des Handels erklärten einhellig, daß. falls die Regierung zu dieser Maßnahme greifen sollte, mit Sicherheit eine Katastrophe in der Kartoffelversor« gung eintreten würde. Da erfahrungsgemäß die erste Folge der Festsetzung von Höchstpreisen das Verschminden der Ware vom Markt ist, wurde auf Grund gegenseitiger Vereinbarung von der Einführung einer derartigen Maßnahme Abstand genommen.
Rach den Meldungen, die in den letzten Tagen an der zuständigen Stelle eingelaufen sind, steht zu erwarten, daß in diesem Jahre ungefähr die gleiche Menge Kartoffeln abtransportiert und den Verbrauchern zugeführt werden kann wie im Vorjahre. Bleibt die Witterung in den nächsten vierzehn Tagen so günstig wie bisher, so wird die Kartoffell>ersorgung in diesem Winter kaum etwas za wünschen übrig lassen. Die Verhältnisse bieten jedenfalls gegenwärtig feinen Anlaß zur Besorgnis oder gar za
durch raffinierte Beleuchtung herausgehoben oder zurückgedrängt die Darsteller. Alles geeint durch straffen Regisseurwillen zu einheitlichem künstlerischen Ausdruck von bezwingender Gewalt. Die Darstellung mit Lemibelt (Cäsar), Grete WillelS (Cleopatra), Langheinz (Ruffia), Schneider (Drittanus), Ball (Pothimus), Westermann (Theo- dotus), Elisabeth Hom in den Hauptrollen war meisterlich und sonder Tadel. Das Publikum anerkannte ehrliche Leistung durch ehrlichen ‘Beifall.
— Der unpünktliche Mond. Die jüngste Mondfinsternis hat zwar keine lebendigen Wesen aus dem treuen Gefährten unserer Erde enthüllt, wie dies der amerikanische Astronom Pickering behauptete, aber sie hat doch erstaunliche Tatsachen zum Dewußtsein gebracht, die auf die Pünktlichkeit und Ordnung dieses von uns für so zuverlässig gehaltenen Gestirns ein schlimmes S^cßt werfen. Beobachtungen, die der Astronom des englischen Greenwich-Observatoriums. Dr. A. C.D. Crommelin in englischen Blättern mitteilt, zeigen, daß der Mond sich weder in seiner Dahn noch in seiner Fvrtbewegungs- geschwindigkeit an die durch die Forschung erkannten Gesetze hält, sondern daß er sowohl etwas auf seiner Dahn abgewichen ist wie auch über zwölf Dogensekunden in der Zeit den Berechnungen gegenüber voraus ist. „Rechret man eine Dogen- sekunde mit einer engL Meile, so ist der Mond um 12 Mellen etwa von seiner 'Dahn abgewichen." sagt Crommelin. »Tatsächlich ist er noch etwas mehr voraus, und der Unterschied ist für Astronomen schon ziemlich beträchtlich." Der unpünktliche Erheller unserer Rächte richtet durch dtejeS
Angstkäufen. Die Höhe der Kart oft elpreilc steh» zwar in engem Zusammenhang mit der allgemeinen ®dbenttoertung und den Teuerungsverhältnissen, die Landwirtschaft hat aber zu- gesagt, eine Hilfsaktion zu unternehmen, die den berechtigten Wünschen der minderbemittelten Verbraucherschichten, insbesondere bei Kleinrentner usw., hinsichtlich der Höhe der Kartoffelpresse entgegenkommen soll. Die Ver» tretet der Landwirtschaft haben sich bereit erklärt die landwirtschaftlichen Lokalverbände und Organisationen zu veranlassen. Kartoffeln an diest Kreise zum Tell unentgelllich, zum Teil für 25 bis 30 Mark je Zentner abzugeben — zu einem Preise, der geringer als die Produktionskosten ist Weiter soll versucht werden, einen engen Kontakt zwischen den landwirtschaftlichen Organisationen und ben Konsumentenoertretungen herzustellen mb bem Ziel, Kartoffeln zwar zu einem die Produktionskosten deckenden, aber erträglichen Preise zu liefern. Es steht zu erwarten, daß durch diese bereite in die Wege geleiteten Maßnahmen auch di, Preisgestaltung in geordnete Dahnen gelenkt werden wird.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 28. Ott 1981.
Die Trockenheit in Hessen.
Rachdem die Ergebnisse des August numneh» veröffentlicht sind, läßt sich eine Uebcrfidjt über die Riederschlagsverhältnisse der 'Wachs- Periode dieses Jahres geben, als deren “Beginn man füglich den März bezeichnet Die Septemberergebnisse sind zwar noch nicht bekannt, jedoch werden sie laut „Darmst. Ztg." das Dild einer f a st beispiellosen Trockenheit nur verstärken und auch der Oktober trug bis zum 21. den gleichen Charakter.
In den genannten sechs Monaten betrug, um mit Rheinhessen au beginnen, in Worms die RiederschlagSmenge 214 Millimeter, mithin zwei Drlltel des langjährigen DurchschnlltS, während. Mainz mit 1£6 an letzter Stelle steht und nur 45 Prozent des Durchschnitts erreicht hat. Verhält-, nismäßig günstig steht Alzey mit 200 Millimeter (71 Prozent des Durchschnitts) da.
In Starkenburg steht Waldmichelbach mit 314 Millimeter (60 Prozent) an Menge obenan, worauf Lindenfels mit 280 und Deerfcllden mit 276 folgen, während Groß-Gerau mit 124 (41 Prozent) an letzter Stelle steht. Gernsheim wies 127, Darmstadt 170 Millimeter auf. Verhältnismäßig am günstigsten schnitt Seligenstadt ab. das mit 237 Millimeter 66 Prozent des Durchschnitts erreichte. Am trockensten war ein Strich, der sich von Gernsheim über Groß-Gerau nach Langen erstreckte, während Darmstadt und Messeler Forst- Haus etwas begünstigter waren. Desser noch schnllt der südliche Teil der Provinz und der Odenwald ab, jedoch wurde auch da nirgends der Prozentsatz von 60 überschritten.
In Oberhessen stehen die Stationen Bad Salzhausen und Rommelhausen (Kreis Düdingen) mit je 85 Prozent des Durchschnittsergebnisses bzw. 311 und 285 Millimeter obenan^ während Schlitz zwar nur 267 aufwies, jedoch damit 87 Prozent des Durchschnitts erreichte. Verhältnismäßig gut kamen auch Friedberg, Herbstein und Gießen weg mit Prozentsätzen von 84, 79 und 77. Am trockensten waren Homberg mit 1£5 Millimeter, dem Vilbel mit 156 folgt (Prozentsätze 68 und 61). Prozentual war Scho11enam trockensten (51). In allen drei Provinzen hing die Riederschlagsmenge hauptsächlich von den Gewitterregen ab. da Landregen so gut wie unbekannt waren. So lieferte beispielsweise der 6. Juni in Worms 42, Herbstein 54, Friedberg 56, Obergersprenz 69 und Wöllstein 69 Millimeter, der 19. Juni in Viernheim 23, Riederwiesen bei Alzey 27, Schlitz 38 Millimeter. “Am 13. August wurden in Drerfelden 30, Waldmichelbach 35 und Vi Ibrunn 38 Milliiretor gem.s en und zwei Tage später, wo Rheinhessen die gewünschte Erfrischung erhielt, in Worms 18, Alzey 19. Wöllstein 24 und Ober-Olm 28 Millimeter.
Wettervoraussage
für DamStag.
Dunstig, wollig, trocken, etwas kühler, besonders nachts, Rorbwestwinde.
Das britische Hoch hat an Intensität angenommen. Von der östlichen Ostsee zieht ein Ticsbruckgebiet südwestlich. Das Welter wird sich nicht wesentlich ändern. Rachts ist wieder mit Abkühlung und stellenweise mit Rach!frost zu rechnen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Frettag Stadttheater. 7 Llhr: »Dettinas Verlobung". — Hotel Grvßherzog, 4 üßi: Frauenver arnrnlung der Deutschnationalen Volkspartei. — Hotel Einhorn. 8 llßr: Degrüßungsabend bet Deutsch- nationalen Vollspartei. — Cafs Leid, 8 Ubr: Vortrag. — Felsenkeller, 8 llhr: Vortrag beS Herrn P. Kreß. — Hindenburg^ 8'/.» DiS- kussionsabend der Deutschen Volkspartei.
Abweichen von dem gewohnten Pfade auch allerlei Verwirrungen an, beim er macht eine Abänderung in den astronomischen und nautischen Almanachen für das Jahr 1923 notwendig. Die neuen Mvndtafeln. die Prof. Emst Drown von der Vale-^Iniversität ausgearbettet hat, zeigen deutlich, daß dieses ungewöhnliche “Benehmen des MondeS nicht von heute und gestern ist. sondern bereits vor etwa 30 Jahren begonnen hat; doch Haden diese Abweichungen seit 1915 mehr zu- genommen. Die Ursache dieser Mond-^lngenautg- leit ist in ein Geheimnis gehüllt. Rach der Ansicht CrommelinS sind es irgendwelche unbekannten Einflüsse, die auf ben Mond einwirren, und trotz jabrclargcr Anstrengungen ist es nld>t gelungen, sie aufzufinden. Vielleicht sind magnetisch» Kräfte dabei im Werk. Die Annahme einer unbekannten Macht, bie in dem Sonnensystem wirksam ist, würde zu seltsamen Möglichkeiten führen. Man hat diese Kraft mit den Erscheinungen, die wir Sonnenflecken nennen, in Verbindung bringen wollen, ohne aber dabei zu einem Ergebnis zu gelangen. Alles, was wir sagen können, ist, baß irgend etwas auf ben Mond in zweifacher Hinsicht einwirkt, indem eS ihn schneller vorwärts zieht und aus seiner Dahn drängt, und bah dies seit etwa 40 Jahren der Fall ist. Die Kraft, bie selbst einen so tletnen Himmelskörper wie den Mond, in seiner Dahn und In seiner Geschwindigkeit erhalten. Es wäre möglich» daß diese Kräfte auf der Erde ihren Mittelpunkt haben, aber bisher haben wir auf unsern Planeten noch nichts Derartiges feststellen können.


