Ausgabe 
28.10.1921
 
Einzelbild herunterladen

Erstes Blatt

M- Jahrgang

5reitag, 28 Oktober 1921

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnid »nd Dcrlgg: Unio. vuch- und Steintridtrd H. Lange. Schristleitong, Seschäslsftelle und Dmdtrti: Sd>nlftrefie 1.

Annahme von Swj Hgei für hie Ingesnumma: Di» zum Nachm nag vorher ohnejeb<,üerbinMid)kftt Dreis tär l mm Höhe für vlporigen o 34mmDreit« örtlich 55 Pf, auswärts 65 Pf., für Reklame. Anzeigen von 70 mra Drene 250Pf. Bei Platz. Dorfchr.ft 20 Aufschlag. Haupifchriftleiter: '.'lug. Goetz Verantwortlich für Politzk: Äug. Goetz; für bcn übrigen Teil i. D: Aug.Goetz; für ben Anzeigen,erl: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

Nr. 253

Der O,etzener Anzeiaer erscheint täglich, außer Sonn- unb Feiertag». Monatliche tzetugspreife: Mk 5.50 einfchl. Träger- lohn, burch bie Post Mk. 6.50 einschl. Bestell- gelb, auch bei Blchterschei. urn einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Ferniprech-Anschlüsse: für die Schrift leitnng 112; für Druckerei, Der lag und De.chaftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten- Anzeigeriefcen.

poftfcheckkoot«: $rairt(ert a. DI. 11686.

Die deutsche Note an die Botschafter-Konferenz.

Die Dole, die ber deutsche Botschafter m Paris namens des neuen Äabtnetto über die oberschleslsche Entscheidung abgegeben hat. enthält In chrem Hauptteil eine geharnischte Verwahrung gegen die Verletzung des Der- lalller Vertrages und bringt zum Ausdruck, dah nur unter dem Druck von Drohungen die deutsche Regierung sich gezwungen sehe, die Delegierten für ein Wirtschaftsabkommen mit Polen zu ernennen. Die Note hat folgenden Wortlaut:

5>it deutsche Negierung hat mit tiefer Ent­täuschung von der Note deS Obersten Nates vom 20. Oktober Kenntnis genommen. Sie erblickt in dem territorialen und wirtschaftlichen Diktat, das dadurch dem Deutschen Reich auserlegt wird, nicht allein eine Ungerechtigkeit gegen daS deutsche Volk, der sie wehrlos gogenüberstcht, sondern auch eine Verletzung des Versailler Ver­trages, dem die In Genf getroffene und von den alliierten Hauptmächten angenommene Ent­scheidung wiberfpricht. Die deutsche Regierung legt daher gegen den hierdurch geschaffenen Zu­stand alS gegen eine Rechtsverletzung ausdrück­lich Verwahrung ein. Lediglich unter dem Druck der in der Rote ausgesprochenen Drohungen und um der deutschen Bevölkerung des oberschlesi- fchen Industriegebietes die sonst bevorstehende Verelendung soweit wie möglich zu ersparen, lieht sich die deutsche Regierung gezwungen, dem Diktat der Mächte entsprechend, die darin vor­gesehenen Delegierten zu ernennen. Die 'Samen der deutschen Delegierten werden unver­züglich mttgeteilt werben."

Vielleicht hätte man in der ersten Zeile statt von tiefet Enttäuschung von tieferEnt­rüstung" sprechen sollen. Auch hätte man recht wohl mit dieser Mitteilung einen längeren warnenden Protest gegen die gesamte Will­kür und Machtpolitik der Entente verbinden tonnen. Dann wäre derTemps" wohl auch nicht in der Lage gewesen, die Lieberreichung der deutschen Note seinen Lesern nur in fol­gender Form mitzuteilen:

.Die Dotschasterkonferenz hat heute Kennt- von einem Schreiben des deutschen Bvt- schafterS in Paris, Dr. Mayer, genommen, in bem offiziell mitgeteilt wird, dah die Reichs- Regierung die .Entscheidung des Obersten Rates über Oberschlefien angenommen hat und dah 'ie ohne Aufschub ihren Bevollmächtigten für die gemischte Kommission zum Abschluh eines Abkommens, .das die wirtschaftliche Kontinuität tut Industrierevier sichern soll, ernennen wird."

Diese Art der Behandlung Deutschlands und der in seinem ganzen Volke kochenden Stimmung machte sich auch in den neuesten Regierungserklärungen geltend, die Driand selbst, der Ministerpräsident, gestern vor dem Senat abgegeben hat. Auch er sprach nur kurz ncn der Annahme Deutschlands, und er steckte ben neugewonnenen Vorteil mit der Miene eines Wucherers in die Tasche, der Über die Einlösung seines Scheines die Verzweiflung des Opfers Übersieht. And daß es nur ein Schein" von Recht war. wird die Praxis er­weisen, die von der Botschafterkvnferenz ein­geschlagen wird, indem sie den gewichttgen deutschen Anklagen gegenüber kein Wort mehr über die Rechtslage vorzubringen scheint. Macht geht vor Recht!

Die deutsche Wirtschaftskommission für Oberschlefien.

Berlin, 27. Oft. (WTB.) Zum Bevoll­mächtigten der deutschen Regierung für die Wirtschaftsverhandlungen über 'jvberschlesien wurde Reichsminister a. D. Schiffer und zu seinem Stellvertreter StaatS- ükretär Dr. L e w a l d ernannt, der aus seiner bisherigen Stellung im Reichsministerium des Innern ausscheidet.

Die Abstimmung im Reichstag.

Berlin. 27. Oft Bei der gestrigen Ab- rl i m mu nq Im Reichstage haben laut dem .Vorwärts" für die Resolution Wels-Marx, bie dem Kabinett das Vertrauen ausspricht, und 235 Stimmen vereinigte, geschlossen gestimmt: das Zentrum, die Sozialdemokraten und die Tlnab- dängigen. ferner die Mehrheit der Demokraten, während ein Teil der Demokraten sich der Stimme mthrelt. Gegen das Vertrauen stimmten die Seutschnativnalen. die Deutsche Volkspartet die Bayerische Dolksvartei und die Kommunisten (132 Stimmen). Das Reichskabinett wird den Blättern luftige heute in der zweiten Sitzung die Er- cimung der TInterh ändler für die Wiri- fchaftsverhandlungen mit Polen über Oberschle­sien vornehmen. Der Derhandlungsort steht noch licht fest. Der Beginn der Besprechungen mit Polen dürste für Ende btr nächsten Woche zu erwarten sein.

Eine Rede Rathenaus.

Mannheim. 28. Oft (WTB.) In einer ton etwa 7003 Personen besuchten Versammlung des badischen Landesverbandes der Deutsch-De- aokratischen Jugend führte Dr. R a t h e n a u bezüglich der Entscheidung über Oberschle - lien unter anderem aus: Die Sinnlosigkeit des Lrteilsspruches ergibt sich von selbst. Diese auf­gezwungene Wirtschaftsordnung ist nicht mir ge- $cn den Geist, sondern selbst gegen den Wortlaut

des Versailler Vertrages. Alsdann wies der Redner auf daS neue Kabinett hin und sagte, nicht auhenpvlitische Gründe haben mich gegen den Eintritt in daS neue Kabinett be­stimmt. sondern lediglich der Deschlust unserer Fraktion, ihre Mitglieder nicht von neuem in daS Kabinett eintreten zu lassen. Rathenau wies wei­ter darauf hin. dah dieMöglichkeitderEr- f ü 11 u n g der von Deutschland übernommenen Verpflichtungen sich durch den Verlust des ober­schlesischen Landes verringere. Das sehen auch im Auslande diejenigen ein, die sich mit wirtschaftlichen Dingen befassen und etwas davon verstehen. Es wird nötig fein, sich dem AuSlande gegenüber nicht auf den Standpunkt zu stellen: .Wir werden es nicht mehr tun und wir erkennen den Vertrag von Versailles nur noch alS einen Fetzen Papier an". Aber ein Land dürfte dahin gedrängt werden, bah es unter der Last zusam- inenbricht. Der gröhte Teil unserer zukünftigen Politik werde Reparationspolitik fein müssen. Gegenüber der Ansicht, Deutschland solle seinen Bankrott erklären, verwies Rathenau auf §234 des Versailler Vertrages, in dem gesagt ist, dah die Leistungsfähigkeit Deutschlands von Zeit zu Zeit geprüft werden müsse. Es gebe nur einen Weg. nämlich unsere Zahlungen in Sachleistungen zu verwandeln. Wir können nur mit den anderen Staaten leben, wenn diese anderen Staaten ver­stehen, was bei uns vvrgeht. Die hauptsächlichste Voraussetzung für unsere Erhaltung als Volk und als Ganzes ist, dah wir unsere inneren Qua­litäten retten und erhalten. Wir fühlen in uns Lebenswillen, wir fühlen Vertrauen in die deutsche Zukunft. Wir wollen leben, und wir werden auch leben.

Briand vor dem Senat.

Paris, 27. Ott (WTB.) In der heutigen Sitzung des Senates interpellierte Henri de Iouvenel über die augenbliÄich? Politik der Regierung und das Prvgratnm, das Frankreich auf der Konferenz von Washington unter­stützen solle Der Senat dürfe Ministerprästdent Briand nicht abreifen lassen, wie Wilson 1918 Washington verlassen habe, ohne zu wissen, ob er das Land hinter sich habe. Der Senat mäste, wie die Kammer, der Politik der Regierung seine Bil­ligung geben und ben Ministerpräsidenten zum wirklichen Wortführer Frankreichs machen. Die Frage der militärischen Abrüstung sei eng ver­knüpft mit dem Problem der Abrüstung zur See. Diese beiden Probleme bildeten ein Ganzes. Sie könnten nur durch eine Internationale Or­ganisation geregelt werden, und er protestiere Segen den Gedanken, die Bereinigten Staaten > unten dem widersprechen. In dem augenbllck- lichen Zustande könne man nicht verweilen, denn sechzig Millionen Menschen richteten sich gegen Frankreich. Das sei nicht er­wünscht. Ministerpräsident Driand be­antwortet die Interpellation sofort und ferflärt, drei Fragen hätten die Regierung und das Par­lament vor ben Ferien beunruhigt, 1. bie Sicher­heit Frankreichs unb bie Entwaffnung Deutsch­lands: 2. bie oberschlesische Froge unb 3 bie Orient­frage. b. h. bie Frage von Syrien unb (Silieren. Hinsichtlich der ersten Frage wiederholt Briand den Bericht des Generals Rollet, den er in der Kammer erwähnte, und erklärt, imAugenblick sei also Frankreich a u her Kriegs­gefahr. Die Frage der bayrischen Einwohner­wehren sei burch bie Autorität bes Reichskanzlers Wirth geregelt worben. Die Frage sei jedoch, ob er immer so handeln könne und deshalb unterstütze es Frankreich bei seinen Alliierten, dah ein Dru ck auf Deutschland notwendig fei. im Interesse der Deutschen, die guten Willens seien. Die Frage von Oberschlesien behandelt Drimd h storisch und lobt die llnparteilichleit des Schiedsspruches des Döllerbundes. Deutschland habe ihn angenommen; di e Angelegenheit sei geregelt Das sei der Erfolg der geduldigen unb arbeitsamen Anstrengung der französischen Beharrlichkeit. (Beifall.) Rach Erwähnung bes Abkommens mit ber Regierung von Angora weist Brianb auf die Vorteile des Wies- babener Abkommens hin. Wenn Deutsch- lanb seine leere Staatskasse xeige, mäste man ihm antworten, bas sei wohl möglich, aber ber Vertrag besage, bah nicht ber beutsche Staat svnbem bah Deutschland mit allen seinen mobilen unb nicht mobilen Reichtümern zahlen mäste, bah man also ein Recht habe auf ben Besitz ber Staatsbürger. Die Dolksparteiler mühten zahlen, beim alle Deutschen seien mit ihrer Regierung solibarisch.

Senator Verenger tu ft, man mäste ihnen bie Hanb an ben Halskragen le-'en.

Brianb sagt, er wolle oiefen Ausdruck nicht verleugnen, aber er habe ihn damals gegen­über einem Deutschland aebraucht, das nicht habe zahlen wollen. Schliebllch erklärte Briand. et habe nach der ersten Konferenz von London so gesprochen unb auf die Besetzung des Ruhrgebietes hingewiefen. Das habe er mit dem Ausspruch bie Hand an den Kragen legen" gemeint. Er allein habe ds Ruhrgebiet nicht besetzen können. Solange Deutschland seine Verpflichtungen er­fülle. werbe man nicht handeln. Frankreich sei mehr als jemals dem Frieden ergeben.

Briand spricht schließlich von der Konferenz in Washington.

Der Senat spricht ihm mit 301 gegen 9 Stim­men sein Vertrauen aus.

Das Kabinett Wirth.

Berlin, 27. Ott (Wolff.) Heute vormittag 11 Ubr trat ba$ Kabinett zur ersten Ge­schäft s s i tz u n g zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung sprach der Reichskanzler den zur

Sitzung geladenen auSscheidenden Mit­gliedern der Aurücfgetretenen Regierung seinen Tant aus für bie aufvpse ungevolle unS t cue Mitarbeit. Der Reichskanzler stellte insbesondere fest, dah trotz ber ungünstigen Entscheibung über Oberschlesien die Führung des Auswärtigen Am­tes nicht erfolglos blieb. RaMens der Kollegen gedachte Minister Schiffer der politisch frucht- baren unb menschlich erfreulichen Zusammenarbeit bes alten Kabinetts unter Führung des Reichs­kanzlers, in dem alle Mitglieder des Kabinetts den leitenden Staatsmann erkannten und achteten Rach der Verabschiedung ber auSfcheibenben Mi­nister begiühte ber Reichskanzler das n e u e Ka­di n e 11 unb sprach bie Hoffnung aus, dah es ihm, seinen bewährten Mitarbeitern, ben Staatssekre­tären unb ben ihnen Nachgeordneten Beamten, denen er für die aufopfernde Tätigkeit seinen Dank auSsprach, gelingen werbe, bas begonnene Ret- tungSwerk Deutschland« fortAusehen. Darauf trat baS Kabinett in bie Tagesordnung ein.

ßonbon, 27. Ott. (WTB.)Westmin­ster Gazette" schreibt: Reichskanzler Dr. Wirth scheine seine bisherige Politik sortsetzen unb jeden Versuch unternehmen zu wollen, um ben Forberungen ber Alliierten entgegenzukom­men. Er überlasse e« ber Welt und den Erfah­rungen. bie Reuregelungen zu biktieren, die viel­leicht notwenbia werben. Die beutsche Regie­rung hanbele Uug. wenn sie biefen Weg ein- schlage; bie Alliierten hätten selbst gesehen, was bie wirtschaftlichen Ergebnisse ihrer Reparations- Politik fein werben, unb weil es von ber grössten Bedeutung, dah bie Alliierten nicht so hanbelten. bah ein wirtschaftliches unb soziales Chaos in Europa entstehe, in dem jede deutsche Regierung, wie grob auch immer ihr guter Wille sei, zu Grunde gehen müsse.

Ein Protest von 13 Millionen Arbeitnehmern.

Berlin, 27. Ott (WTB.) Der Allgemeine deutsche Gewerstchaftsbund, ber Allgemeine freie Angeslelltenbund, bet Deutsche Gewerkschafts- bunb. ber Deutsche Gewerkschaftsring und der Deutsche Deamtenbund vcröffenllichen nachstehen- ben Protest gegen bie Vergewaltigung Ober- schlesienS: Ohne Rücksicht auf bie feierliche Wil­lenserklärung ber Bevölkerung, ohne Beachtung zwingerrder Vorschriften des Versailler Vertrages und ohne jede Erwägung darüber, wir Deutschland die würgende Last der Reparationsverpflichtun­gen känsttg tragen kann, beschlossen der Völker- bundsrat und bie Hauptmächte ber Entente das Unrecht ber Teilung Oberschlesiens. Gegen die Entscheidung erhebt die Gesamtheit der deutschen Arbeitnehmer durch ihre Spitzenvrganisationen vor aller Welt schärfsten Protest. Sie erblicken in diesem, dem deutschen Volke ohne jede Anhörung aufgezwungenen Be- schluh eine Vergewaltigung und einen Rechts­bruch schlimmster Art und eine Handlung, bie außerdem jm schärfsten Widerspruch mit dem wiederholt feierlich verkündeten Zweck des Völker­bundes (friedliche Regelung internationaler Strei­tigkeiten) steht. Gegen ihren ausdrücklichen Wil­len, gegen den Geist und den Sinn des Gedankens vom Selbstbestimmungsrecht der Völker sollen Hunderttau sende deutscher Volksgenossen einem Staate überantwortet werden, der kultu­rell, sozial und wirtschaftlich rück­ständig ist. Das in Deutschland gepflegte ge­setzlich festgelegte Koalitionsrecht der Arbeit­nehmer ist in Polen nicht gewährleistet. Rechtlos und hilflos sind unsere Volksgenossen dem Mih- brauch ber politischen Gewalt burch bie Behörden preisgegeben. Während das deutsche Wirtschafts­leben schon nach ben ersten Versuchen zur Erfül­lung ber Reparationslasten schweren Erschütte­rungen ausgesetzt ist, werden ihm wertvolle und unertbehrliche Teile zu Unrecht entrissen. Die deutsche Arbeiterschaft bekundete wiederholt bcn ehrlichen Willen zur Mitarbeit an ben Pflichten ber Reparation. Dieser Wille wirb durch die Genfer Entscheidung glatt zerschlagen. Es gewinnt ben Anschein. alS solle bie Reparation verhindert werben, um bann gegen Deutsch­land mit neuen Zwangsmahnahmen Vorgehen zu können. Dreizehn Millionen deutscher Arbeitnehmer sprechen hiermit den gegen ihren Willen uns entrissenen Oberschlesiern ihr innigstes Mitgefühl aus. Wir werden nie auf- hören. Euch als Volksgenossen zu betrachten unb werden nie erlahmen, zu betonen, dah wir die Zerreihung Oberschlesiens. die entgegen dem ein­wandfrei fest gestellten Mehrheitswillen der be­teiligten Bevölkerung und entgegen der Vernunft uni) Gerechtigkeit entigt ist, als brennendes Un­recht zu betrachten. Wir appellieren an das Ge­wissen ber ganzen Kulturwelt in ber festen Zu­versicht, bah mit Hilfe aller ehrlichen Menschen unb im Geiste ber Dölkerversöhnung auch bas Recht auf unsere oberschlesischen Volksgenossen Anwenbung findet.

Vor bolschewistischen Unruhen in Obcrschlesien?

K a 11 o w i h. 28. Okt. (WB ) Die sozialisti­sche KattowitzerGazette Roddnitza" berichtet in einer Korrespondenz aus Laurahätte, bah bie kommunistische Bewegung in Ober­schlesien jÄen Tag zunehme. Alles warte nur darauf, dah die oberschlesische Frage endgültig gelöst werde, um ben Generalstreik zu beginnen.

Beschlüsse der Botschafter- Konferenz.

PariS, 27. Oki. (WTB.) Lieber bie heu­tige Sitzung berBo^schafterkonferenz wird folgendes offizielle Evmmunigue ver- bte*lei;

Die Konferenz hat entschieden, dah Ex­könig Karl auf das gegenwärtig vor Buda­pest liegende englische Kanonenboot gebracht und dort dem Beschluß der Mächte über den cndgüttigeu Ort seiner Internierung ab war­ten soll.

Darauf hat die Konferenz das Protokoll von Venedig über das Burgenland gutgehei- hen. Die Konferenz hat schließlich Kenntnis genommen von dem Briefe des deutschen Bot­schafters Dr. M a y e r, in dem mitgeteilt wird, dah die deutsche Regierung unverzüglich ihren Vertreter zur Aufnahme der durch den De- schluh der Alliierten über Oberschlesien vorgesehenen wirtschaftlichen Verhandlungen mit Polen bestimmen werde.

Lloyd Georges Jrenpolitik.

London, 27. Oft (WTB.) 3m Unter­haus e teilte Lloyd George mit, bah bie Konferenz mit ben Sinnfeindelegierten weitcrgche. Er sagte, es sei Rar, bah eine Gruppe von Mitgliedern bes Unterbaufed ernste 'Be­fürchtungen wegen ber augenblicklich zwischen ben Vertretern ber britischen Regierung unb bcn Sinnseinern geführten Verhandlungen heg­ten unb bah baber bie Regierung wissen müsse, woran sie fei Keine Regierung könne berartige Verhanblungen führen, wenn sie nicht Wille, bah sie babel die Unterstützung bes Hautes hinter sich habe. Die Regierung beabsichtige baber, am Mon­tag eine Erörterung über eine biesbezügliche Ent- schliehung sowie eine namentliche Abstimmung flattfinben zu lassen. Lloyb George erklärte auher- bem, bas Ergebnis ber augenblicklich mit ben Sinnfehlern flaitfinbenben Konferenzen werbe den Mitgliebem unterbreitet werben; bie Zu­stimmung bes Parlamentes zu bieser Regelung sei natürlich notwendig.

Asquiths politischer Herbstseldzuq.

London, 20. 0kt (WTB.) Afguith er­öffnete gestern seinen politischen Herbst- f e l d z u g mit einer Rede in Turnbribge Wells, in der er die irische, russische unb mesopota­mische Politik ber Regierung sowie bie Behand­lung bes Arbeitslosenprvgramms einer scharfen Kritik unterzog. Asguith forbertc zur Behebung der Arbeitslosigkeit unb zur Förderung bei Han­dels Streichung ber interalliierten Schulden und vor allem eine Revision des gesamten Repara- ttonsplanes.

Der griechische Ministerpräsident in London.

London, 27. Oft (WTB ) Der griechische Ministerpräsident G u n a r i s. ber griechische Auhemninister Daltazzi unb ber griechische Gesanbte in London hatten heute eine längere Unterredung mit Lord Curzon im Fvreign Office.

Italien und Russland.

Berlin, 27. Oft (WTD.) Bie Moskauer ZeitungIswestija" meldet, dah in nächster Zeit zwischen R u h l a n d und Italien ein Han­delsabkommen getroffen wird; ferner be­hauptet das Blatt, dah von englischer unb italie­nischer Seite baran gearbeitet werbe, einen Inter­nationalen Kongreß zur Erörterung bet russischen Frage einzuberufen.

Die Internattonale Arbeitskonferenz.

Genf. 27. Oft. (WTB.) In ber heutigen Sitzung desInternationalen Arbeit-- f o n f e r e n z" behanbelte man bie Kompetenz- unb Ovvortunitätsf ragen ber Versammlung auf bem Geb ete ber Landwirtschaft

Die französische Regierung hatte ihren Delegierten genaue Instruktionen gegeben, womöglich cev Versammlung überhaupt bie Kom­petenz auf biesem Gebiete abzusprechen. Ihr Ver­treter Fontaine begründete bies einerseits mit ber Tatsache, bah im Versailler Frie - bensvertrag nirgends von landwirtschaft- lichen Arbeitern bie Rebe sei, anbererfeit« machte er geltend, dah es heute, wo ja Nords rankreich wieder aufgebaut werben müsse, unb wo bie land­wirtschaftliche Produktion im Orient barnlebet* liege, die wirtschaftliche Lage auf ber ganzen Well so ist. bah überall mit Ausnahmezuständen gerechnet werben mässe, es unvorsichtig wäre, durch eine internationale Gesetzgebung bie Arbeit ber Lanbwirtschaft zu regeln. H o h a u x, ber Arbeitervertreter Frankreichs, entgegnete jedoch, bah, wenn auch bie landwirtschaftlichen Arbei­ter im Versailler Friebensvertrag nicht genannt sind, es doch aus den Vorverhandlungen unb aus dem Briefwechsel Clemenceaus hervorgehe daß man auch an die Regulierung ihrer Arbeit Machte.

Der Vertreter Chiles, Rivas-Ricuna, und der Vertreter von Columbien Restropo. traten dafür ein, bah bie Konferenz blei'» behan­dele, jedoch unter tzröhttnöglichster Birucksichtigung ber lokalen Verhältnisse unb unter Vermeidung einer unbrauchbaren theoretischen, einheitlichen Geschgebung. wie es bie Regelung ber A r- beitsstunbe sein würde. Der Regierungs- vertretet Englands. Sir Hall, unterstützte einige Begründungen, bie Iohaur anfährte unb erklärte, bah bie Versammlung sich kompetent er Hären müsse.

_Nachdem Fontaine bie Kompetenzfrage zurückgezogen hatte, unb nur noch bie Opportu- nitätsfrage geltend machte, traten auch andere Delegierte, darunter M a h a i n kRegierungS- hertretet von Belgien) dafür ein, bah biefe Frage nach bem Wunsche ber Konferenz von Washington auf i>- 2», lorbnunc bleib»