Aus Stadl und Land.
Drehen, den 28. Juli 1921.
Die Gedenkmünze für unsere Gefallenen,
fcrit deren Verkauf die Mittel gewonnen werden (ollen, um das unvollendete Werk der Anlage und Sicherung unserer Kriegergräber zu Ende zu führen, ist eine Schöpfung von der Hand des bekannten Berliner Bildhauers Professor Hermann Hvsaeus.
Einfach und volkstümlich wie die Stimmung eines Soldatenliedes, wirkt die Art der Darstellung, die der Künstler t^ltc. Auf der
ans \ /^SCHMUCK DEFV\ fRUHESTAETTEN> rUN5ERLR TAPE ERN HALF-WER DIE5EÖ EISENZEICHEN , r. o NAHM
Doröerseite em Soldat, der sich Zweige für ein Kränzlein pflückt zum Schmuck des Kameraden- grabes und darüoer die Aufschrift i „Ich hatt' einen Kameraden". Auf der Rückseite die Inschrift: „Am Schmuck der Ruhestätten unserer Lapferen half, wer dieses Eisenzeichen nahm".
Das kleine volkstümliche Kunstwerr ist in Eisen gegossen und nicht geprägt, ein Verfahren, Lurch das sein Besitzer ein Original erhält, weil für jedes Stück eine eigene Form gemacht werden muß.
Da die Münze auch als Schmuck verwertet werden kann, so ist der Preis von 5 Mk. auch ohne Hinblick auf den edlen Zweck sehr mäßig zu nennen. Die Münze ist von der Staatlichen Beratungsstelle für Kriegerehrungen, Abteilung Denkmünze, Berlin AW. 7, Dorotheenstr. 48, zu beziehen.
Wassersperre in Gießen.
$on der Bürgermeisterei wird mitgeteilt: Aun istdieWassersperredochein- getreten. Die wiederholten Mahnungen des Wasserwerks sind von einem großen Teil der Bevölkerung nicht befolgt worden.
Während im Mai durchschnittlich täglich 7472 Kubikmeter, und im Juni 8209 Kubikmeter Wasser abgegeben worden sind, betrug die durchschnittliche Tagesabgabe im Juli 9093 Kubikmeter. Die Sperrstunden werden selbstverständlich sofort aufgehoben, wenn der Wasserverbrauch der geförderten Wassermenge sich angepaht hat.
fpd. Wetzlar. 27. Juli. Infolge des ^mangelnden Zuflusses von Wasser aus der Dill haben die Buderus-Werke im Dillkreis einen Hocyofen ausblasen müs- Sn". Die Gefahr, daß auch die übrigen Höchen ausgeblasen werden müssen, besteht un- sryittelbar. Die Stillegung dieser Oefen würde k6er auch die der Sttomversorgung größerer ^Gebiete des von Hessen und des Regierungsbe- glrfö Wiesbaden zur Folge haben. Um dieser !E>efahr zu begegnen, ordnete das DMenbur- •get Landratsamt eine zeitweilige Einstel- 'I u n g der Wiesenbewässerung aus Len Wassern der Dill an.
Wettervoraussage
für Freitag.
Vorwiegend bedeckt, Gewitterregen, kühler Güdwestwino.
Dor dem Kanal hat sich eine Depression entwickelt, die weitere Gewittertätigkeit in unserem Bezirk zur Folge haben wird.
*
Zweimal geregnet hat eS heute morgen, einmal kurz vor 7 Uhr und das andere Mal gegen 9 Uhr. Beide Male war es allerdings so, als ob man einige Tropfen Wasser auf einen glühenden Stein fallen liehe. Der Regen reichte kaum hin, den Staub der Straßen zu binden. Aach wenigen Minuten war es überall wieder so trocken wie vorher. Immerhin scheint mit dem Regen eine geringe Hoffnung auf einen Witterungsumschlag berechtigt. Die Airderschlagsmenge betrug 0,1. Gestern betrug in Gießen das Maximum 33°, das Minimum 15°.
Das Temperatur-Maximum zeigte tn Frankfurt gestern mittag gegen 3 Uhr im Schatten 3 7 Grad. Es blieb gegen den höchsten bisher in Frankfurt a. M. beobachteten Stand nur um 0.5° zurück. Das war im Jahre 1911, als das Thermometer 37,5° zeigte. — Infolge der anhaltenden tropischen Hitze machen sich Krankheiten der 03er- üauungsorgane und Firbererschci.ru ngen in steigendem Maße bemerkbar. Hitzschläge kommen in zahlreichen Fällen vor.
** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 21. Juli der ordentliche Honorar-Professor an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und Leiter der Hauptstelle für Wärmewirtschaft in Berlin Christoph Eberle zu Berlin mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 an zum ordentlichen Professor für Wärmetechnik und Wärmewirtschaft an der Technischen Hochschule zu Darmstadt.
•• Das Preisschießen des am Sonntag und Montag stattgefundenen Schützenfestes zeitigte folgende Ergebnisse, bei denen wir nur die ersten fünf Preisträger aufführen. I. Fest - scheibe „Gieße n", 175 Meter: 1. Ph. Aico- laus, Gießen, 2. Liepmannsohn, Offenbach, 3. A. Kilbinger, Gießen, 4. Gg. Guth, Wetzlar, 5. Aug. Pascoe, Gießen (Dutenhofen). II. Festscheibe „Hesse n", 100 Meter: 1. K. Doller, Gießen, 2. L. Sühel, Schotten, 3. Fr. Döll, Laubach, 4. Müller, Schotten, 5. Wenzel, Wetzlar. HI. Feldmeister, 300 Meter: 1. A. Finke, Kassel, 55 Rg., 2. O. Scharps, Offenbach, 50 Rg_, 3. Liepmannsohn, Offenbach, 50 Rg., 4. Th. Wei° nert, Gießen, 49 Rg., 5. Hch. Schmidt, Gießen, 48 Rg. IV. Standmeister, 175 Meter: 1. A. Finke, Kassel, 56 Rg., 2. Aug. Pascoe, Gießen, 52 Rg., 3. Liepmannsohn, Ostenbach, 52 Rg., 4. K. Pirr, Gießen, 51 Rg., 5. K. Wigandt, 51 Rg. V. Iagdmeister: 1. PH. Aicvlaus, Gießen, 31 Rg., 2. Aug. Pascoe, Gießen, 31 Rg., 3. Schott, Grünberg, 28 Rg., 4. Friedr. Pascoe, Gießen, 28 Rg., 5. Aeumann, Schotten, 23 Rg. VI. 100-Meter-Auflegestand: 1. Enders, Laubach, 36 Rg., 2. Aeumann, Schotten, 35 Rg., 3. A. Finke, Kassel, 34 Rg., 4. Schott, Grünberg, 34 Rg., 5. Mangelsdorf, Gießen, 34 Rg. VII. Den ausgesetzten Preis für die höchste Gesamtleistung auf den Meisterscheiben erhielt Aug. Pascoe, Gießen (Dutenhofen). An den Wett- schießen beteiligten sich Schützen aus Kassel, Offenbach, Laasphe, Dad-Aauheim, Wetzlar, Laubach, Schotten, Alsfeld, Grünberg u. a. m.
Vornotizen.
— Tageskalender für Donners- t ag. Phys. Institut, 81/» Uhr, Gesellschaft der Gießener Kunstfreunde, Worringer: Antike und moderne Plastik. — Lichtspielhaus: Ich bin du. Fata morgana. — Lichtspiele: Hyänen auf dem Schlachtfeloe des Lebens.
— Aus dem Stadttheaterbureau. Der kommende Sonntag bringt den neuesten Schwank-Schlager der deutschen Bühnen „§§- Koller" von Hoffmann. Der Schwank, von Rudolf Goll einstudiert, löste, wie an allen Bühnen, auch bei seiner Erstausführung in Dad- Aauheim schallende Heiterkeit aus. Der Vorverkauf Beginnt am Freitag.
— Ein großes Konzert findet Freitag, den 29. Juli, von abenhfs 8 Uhr ab auf der Schönen Aussicht statt. Dasselbe wird ausgeführt vom Wiesecker Orchester.
— Eine Dariets-Kun st-Arena (mit 15 Meter hohem Turmseil) ist auf Oswalds- garten eingetroffen.
gur Hundertjahrfeier der Stadtkirche zu Metzen
1821 — 29. Juli — 1921.
Don Pfarrer Heinrich Dechtolsheimer.
I.
An der Stelle, wo die heutige Stadtkirche steht, befand sich schon im frühen Mittelalter ein Gotteshaus, das anfangs Pankratiuskapelle bann PankratiuSkirche, schließlich Stadtkirche genannt wurde. Diese alte Stadtkirche wurde im Jahre 1809 niedergelegt, lieber die Zeit ihrer Entstehung sind wir ganz im Ungewissen. Der Stadtkirchturm. der 1809 stehen geblieben ist, trägt über seinem östlichen, jetzt zugemauerten Eingang die Jahreszahl 1482, scheint also Ende des 15. Jahrhunderts erbaut worden zu fein. Dagegen scheint die Kirche selbst, wenigstens in ihrer Grundform, aus einer viel früheren Zeit zu flammen; denn sie wird schon im Jahre 1612 als baufällig bezeichnet. Im Museum des Ober- hessischen Geschichtsvereins befindet sich ein Bild her alten Stadtkirche. Aach diesem Bilde wieS bas Chor gotische Formen auf, gehört also wohl in das Mittelalter. Die alte Stadtkirche hatte eine andere Lage als die heutige. Während diese sich in der Richtung von der Kirchstrahe nach dem Hotel Einhorn erstreckt, war die alte Stadtkirche unmittelbar mit dem Turm verbunden und zog sich in ihrer Längsrichtung parallel der heutigen Kirchstrahe, so daß das Chor hart an die Stelle herankam, wo die Schloßgasse mit dem Kirchenplatz r>uTammentrifft, infolgedessen war dort die Straße sehr schmal.
Die Begründung der Universität im Jahre 1607 brachte der Stadt Gießen einen Bevölkerungszuwachs. Das hatte zur Folge, daß die Kirche nicht mehr ausreichte, und so setzten denn die Bestrebungen, einen Umbau oder Aeubau herbeizuführen, mit dem Jahre 1612 ein, um erst nach einem Zeitraum von 209 Jahren zum Ziele zu kommen. Am 9. Aovember 1612 berichteten .Superintendent Johannes Winckelmann, Prediger Kaspar Finck und Diakvnus Philipp Mhlius an den Landgrafen, „daß die Kirch all- hie für so viel Leute alzu eng und klein worden, dermaßen, daß die Bürgerschaft von Studiosis und diese wiederumb von 03outen eingedrungen und auch Derbrungen werden. Ingleichen nemen die Studiosi der Weiber Stül ein, also daß sie mit den Töchtern nicht zu sitzen ober zu stehen lammen können An allen Thüren wird der eingong von Studenten und andern so von fremb-
ten orten anherv kommen, versperret, zudem wann man die heilige Communion halten will, ist umb den Altar so eng und ein solch gedreng, daß keins vom andern ab oder zugehen kann, voran, wenn die Communion ziemlich groß und toeitleufftig ist. So ist one das alles die Kirch unansehnlich, bawfällig und das "Gemäuer sehr zerbrechlich, wie wir im auaenschein gesehen, daß, alh man zu einem Fenster brechen wöllen, da ein Stein loß zu machen, zehn oder zwanzig nicht on Gefahr des Maurers hernach gefallen. Darneben bann auch bieh beschwerlich, daß weil bic Kirch an einem orth an offnem Weg ober strahen flößet, die Werktag sodann auch die Sonntag nach Mittag von wegen des vielen vorüber- farens und gerhelplazens auch anderm gedoh den Leuten, deren Oren das gehör und ver- standt der Predig zum guten Theil genommen wird." Die Berichterstatter kamen zum Schlüsse, daß eine große und ansehnliche Kirche neuerrichtet werden müsse.
Der Landgraf ging auf diese Anregung ein und beauftragte den Hauptmann Johann Wolfgang von Weitolshausen genannt Schrautenbach, mit dem Rate zu verhandeln. Es scheint, daß damals in Gießen die Aeigung bestanden hat, einen Aeubau auszuführen; denn Schrautenbach fügte seinem dem Landarafen erstatteten Berichte einen .Zettul" bei, nach dem in Gießen an freiwilligen Beiträgen für den gedachten Zweck 5309 Gulden gezeichnet worden waren. Die Stadt selber war dabei mit 4000 Gulden beteiligt, die Zünfte hatten namhafte Summen gezeichnet, das gleiche war von einzelnen Bürgern geschehen, Johannes Ebe! zum Hirsch steht mit 20. Melchior Stohr mit 10 Gulden auf der Liste. Da jedoch ein Baufonds nicht vorhanden war. so hoffte man, von Fürsten und freien Reichsstädten Augsburgischer Konfession unterstützt zu werden. So war diese Sache anscheinend im besten Gange, aber nun geschah, was sich später öfters wiederholte, Bürgermeister und Rat setzten trotz ihrer Bewilligung den hvchfliegenden Plänen der Geistlichen einen Dämpfer auf. Am 14. Februar 1613 sandten sie an den Landgrafen ein Schriftstück, baä heute noch wegen der darin zutage tretenden Schlauheit stille Heiterkeit weckt Wir lesen da. „6tP Fstl Gn. genedige und christllche Wolmeinung, den neuen Kirchenbaw alhie be- neben Copien eines offenen Patents die er Hebung der Collecten betreffenbt haben wir in unter- hängiger, gebärender Revereirz empfangen. Ob nun, gn. F. und Herr, wir nichts Lieberes aus- fuhren möchten, wenn eS in unferm vermögen
Landkreis Gießen.
* Lollar. 26. Juli. Das Andenken von 23 im Kriege gefallenen Mitgliedern ehrte die Sängervereinigung Lollar durch Errichten einer Ehrentafel, welche am Sonntag eingeweiht wurde. Aachrnittags wurden Kränze an den Gräbern der auf dem Friedhof ruhenden Krieger niedergelegt. Den Schluß bildete eine schlichte Feier im Saal „Zur Linde", wo die Ehrentafel und die Bllder der Gefallenen geschmückt mit Blumen und Waldesgrün aufgebaut waren. Die Rede hielt Dekan G u h m a n n. Das Schlußwort sprach Herr Bürgermeister Schmitt.
Kreis Lauterbach.
Beim Baden ertrunken.
0 Schlitz, 27. Juli. Beim Baden in der Schlitz ist gestern nachmittag ein bei dem hiesigen Post Vorsteher zu Besuch aus Groß-Gerau weilendes 17jähriges Mädchen ertrunken. Da das Mädc^n eine gewandte Schwimmerin war, ist anzunehmen, daß ein Herzschlag oder Krampfanfall die Urfache des Ertrinkens gewesen ist. Zur Stelle war nur noch eine Freundin des Mädchens, die auch schwamm und sich vergeblich alle Mühe gab, die Ertrinkende zu retten. Die Leiche konnte erst einige Stunden nach dem Unfall geborgen werden. Die Schlitz ist an der Stelle sehr tief und hat fast stillstehendes im Verhältnis zur Umgebung sehr kühles Wasser. Das Baden erfolgte zudem in den heißesten Mittagsstunden, so daß die unvermittelte starke Abkühlung den Tod verursacht haben dürfte.
Kreis Friedberg.
Butzbacher Gewerbeausstellung.
Butzbach 27. Juli. Butzbach, das altertümlich Heslenstadtchen, feierte kürzlich sein 6 0 0. Stadtjubiläumsfest. Arden der offiziellen Feier, die unter Teilnahme der Staatsbehörden bereits Mitte Juli stattgefunden hat, wird von den Gewerbetreibenden Butzbachs eine Jubiläumsausstellung veranstaltet, die ein Bild von der wirtfchasllichen Entwicklung des betriebsamen Butzbach, des „Essen von Oberhessen" geben soll. Wenn auch die altberühmte Butzbacher Lederindustrie nicht in der Sage zu sein glaubte, sich an der Veranstaltung, für deren Vorbereitung nur kurze Zeit zur Verfügung stand, zu beteiligen, so haben doch alle übrigen Gewerbe ihr Bestes getan, um würdig vertreten zu sein; und auch die Butzbacher Großindustrie, in erster Linie die Meguinwerke, lieh sich die Gelegenheit nicht entgehen, aus Lokalpatriotismus die Ausstellung zu beschicken. So wird in intimem Rahmen und in trefflichen Ausstellungsräumen ein guter Einblick in die hessischen Ge- werbeverhältnisse geboten werden, so daß die Hoffnung der fleißigen Butzbacher Gewerbetreibenden, in den Tagen der Ausstellung von 30. Juli bis 15. August aus den Aachbarstädten recht zahlreiche Gäste in dem sehenswerten alten Städtchen begrüßen zu können, wohl in Erfüllung gehen wird. Für Unterhaltung durch Konzerte, gesangliche Darbietungen und turnerische Vorführungen. einen gutbesehten Vergnügungspark, Tanzbelustigungen usw. ist reichlich gesorgt. An einigen Tagen soll auch das Trachtenspiä „Die Hüttenberger", daS seinerzett bei der Erstaufführung einen wirklich berechtigten großen Erfolg hatte, während der Ausstellung gegeben werden.
bz. Butzbach, 27. Juli. Gegen 1 Uhr wurde gestern mittag der hiesigen Feuerwehr ein W a I d- ranb gemeldet. Aach sofortiger Benachrichtigung der hiesigen Hundertschaften der hessischen Schutzpolizei rückte sofort ein Kommando mit Kraftwagen an die Brandstelle an der Schützen- Halle, wo eine große etwa 10 Morgen umfassende Grasfläche in Flammen stand. Durch energisches und sachgemäßes Eingreifen wurde ein Wald- brand von vielleicht gewaltiger Ausdehnung verhütet. Außer dem dürren Gras fielen einige Obst bäume dem Brand zum Opfer.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 26. Juli. Dem Fabrikbesitzer Ingenieur Karl S t e i n m ü 11 e r in Gummersbach wurde auf einstimmigen Beschluß von Rektor und Senat auf Antrag der Abteilung
were, den ganzen Verlag zu diesem christlichen hochnötigen Kirchenbaw zu thun wie auch die Collecten gebürendermahen durch qualifizierte Personen einzusammeln erbotig, wann wir aber in Dorsorg stehen, daß wenn zuvorahn E. Fstl. Gn. nicht, sondern wir als die Baw- und Zahlherrn solches costsamen baues sollten angeben werden, das der Zuschuß, so E. Fstl. Gn. genebig versprochen, wie auch unsere verwilligte 4000 Gulden beneben ben Collecten solches nicht ertragen möchten, were uns ohnmöglich, solchen Kirchbaw auszushüren, welches bann hochbedenk- lieh, -lieber das vermöchten wir nicht in diesen geschwindten teuren Zeiten fhurleuth, so hier Holz, stein, kalck und andere notturfft zufhürten, zu überkommen, denn wir schwerlich Ackerleuthe zu unfern geringen Cenberei unb feltboben bekommen mögen. Demnach E. F. G. unbterthenig bitten, biefelben wöllen .genebig geruhen unb als ein Vatter bes Datterlanbes ben Kirchenbaw uf sich nehmen, finbt wir schuldig und willig nicht allein die versprochenen 4000 .gulben, sondern fo wir was mehr vermöchten, beneben ben Collecten zu- -uschießen unb alle mögliche Hülff und Vorschuß zu thun. Solches gereicht E. F. G. zu immer- wehrendem hohen Preih, Lob' und ehrn unb wirbt es auch Gott berfelbigen hier zeitlich unb Dort ewiglich reichlich belohnen." Aaiver konnte man dem Landgrafen nicht anfinnen, .als ein Datier deS Datterlands den Kirchenbaw uf sich zu nehmen."
Der Dreißigjährige Krieg trat allen Plänen dieser Art hindernd entgegen. Aber schon 1653 tauchte wieder der Plan auf, einen Umbau vvr- zunehrnen. Die Ausführung erfolgte in den Jahren 1657 58. Der "Voranschlag über die auS- zuführende „Mäwrer Arbeytt" ist noch erhalten, man gewinnt daraus jedoch kein rechtes Bild. Im wesentlichen scheint es sich darum gehanbett zu haben, das Chor zu erweitern und bic Ckifriftci aus ber Kirche hinaus zu verlegen. Damit toartn die Mißstänbe aber nicht behoben, 1676 wirb geklagt, bafi bie Schüler bes PäbagogiumS auf ber Orgelempore keinen ausreichenden Platz hätten. 1714 wollte man durch eine Lotterie bie Mittel zu einem Aeubau beschaffen, auch btefer Plan kam nicht zur Ausführung.
Abermals ruhte bic Sache nahezu 70 Jahre, bis sie auf daS Drängen deS Gießener Konsistoriums unb ber Geistlichen toieber in Fluß kam. Am 11. Dezember 1781 richtete bas Konsistorium an bie beiden Pfarrer Dietz und Müller ein Schreiben, in dem lebhaft über ben Kirchengesang geffagt wurde. Dietz und Müller bestäligten diese
für Maschinenbau ber techn. Hochschule in Aner» Ecnnung seiner großen Verdienste um bic Entwicklung ber Äeffelinbuflric in Deutsch- lanb insbesondere um die Einführung der Wasser- rohrkessel die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber verliehen.
Kirche und Schule.
Heimatkundliche Studiensahrt deutscher Lehrer in Hessen.
Gießen, 27. Juli. Der letzte Tag, ben Uic beutschen Lehrer in Gießens gastlichen Mauern zubringen, ist angebrochen. Der sonnige Morgen ist für eine photographische Aufnahme günstig, die auf ber Treppe bes alten Schlosses erfolgte Mit warmen Worten begrüßte hierauf Direktor Baur vom Gymnasium bic in ber QTMa versammelten Kursteilnehmer, und Prof. Helmke, ein bewährter Altertumsforscher hiesiger Gegend, sprach in fesselnder Weise über bic in die Wetterau vvrgedrungenen Römer und über die Anlage des Limes, im DolkSmunde Psahlgraben oder Heiden - graben genannt. Am Aachmittag wurde ber noch gut erhaltene Pfahlgraben mit seinen Der- teibigungswerken, soweit sie noch nachweisbar sind, auf dem Gang nach dem Kloster Arnsburg besucht. Diese herrliche, ihresgleichen suchende Klosterruine löste allgemeines Erstaunen unb hohe Achtung aus vor ber überwältigenden Kraft unb Schönheit bieses Baues. Zu Ehren ber scheibenben Gäste hatte ber Gießener Lehrerverein einen gemeinsamen Abenb veranstattet, dessen vornehmes, fast allzureiches Programm allgemeine Zustimmung fanb unb, um ber Iugenb zu ihrem Rechte zu verhelfen, schließlich noch gekürzt werden mußte. Alle Mitwirkenden gaben ihr Bestes, doch seien besonders hervvrgehoben bie mit Gefühl unb gutem Dortrag bargebotenen Lieder der Frau Müller-Bangert und bie formvoll■ enbeten Rezitationen des Herrn Fran! Dir Lieber bes neugegrünbeten gemilchten ChvrS bet Gießener Lehrervereins gefielen gut, fo bah mar sich zu einer Zugabe verstehen mußte. Auf bii Begrühungsworte deS Vorsitzenden antwortete in launiger Weise Herr Inihki - Berlin. Gin flotter Tanz hielt bie Mitglieber noch einige Stun» ben zusammen.
Die Teilnehmer ber Heimatkunblichen Stu- bienfahrt, bie ihr Weg über Bübingen unb Gelnhausen zunächst nach Darmstabt führt, schaiben Hausen zunächst nach Darmstabt führt, scheiben von ber ilniOerfitätdftabt Gießen mit bem Gefühl, nicht bloß Anregungen ber verschiedensten Art, sonbern auch köstliche Stunben hier verlebt zu haben, insbesondere wirb auch dieser letzte Abend noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben.
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+ Gedern, 27. Juli. Aachdem bei bem hiesigen Iugendfeste zur Oberschlesierhilfe noch 100 Mark gesammelt werben konnten unb bie Gemeinbe 200 Mark bewilligte, beläuft sich bas Gesamtergebnis ber Sammlung auf 1276,96 Mark.
Landwirtschaft.
Die Ernteaussichten.
Heber bie Wirkungen der anhaltenden Dürre der letzten Wochen auf bie Ernteaussichten erfährt bas „Bert Taaebl." auS bem Reichsernährungs- minifterium, bah trotz ber Trockenheit beim Brotgetreide eine gute Mittelernte zu erwarten fei. Dagegen seien erhebliche Schädigungen bei ber Gerste unb beim Hafer zu verzeichnen. Sollte bt< Dürre weiter anhalten, so ist ein ungünstiger Ausfall ber Gerste- unb Haferernte zu befürchten. Sehr schlecht sind bie Aussichten für bie Kartoffelernte Aus fast allen Teilen deS Reiches wird gemeldet, dah die Kartoffelpflanzen vielfach abflerben. Weiter hat die Dürre auch verheerend auf die Futter- ernte eingewirkt.
Briefkasten der Redaktion.
$. S. Unseres Wissens kann der Hausherr den Wohnungstausch nicht verbieten. Wir raten Ihnen jedoch, sich an das Wohnungsamt zu wenden.
Wahrnehmung und sagten, die Ursache liege in der ganz und gar abgängigen Orgel, die zudem an einem Orte stehe, wo sie die „verbauten Gegenden der Kirche" nicht ausfülle. Man solle eine neue Orgel beschaffen und die ganze Kirche ausbessern. Der Ingenieurhauptmann Müller wurde beauftragt, über Den Zustand ber Kirche ein Urteil abzugeben, er riet zu einem Aeubau unb lieferte hierzu im Jahre 1785 einen Plan. Wie man sieht, nahm man es auch damals mit ber Sache nicht eilig, und halb war alles wieder im Sande verlaufen.
Im Jahre 1801 machten bie Pfarrer abermals auf ben jämmerlichen Zustand des Bauwerks aufmerksam, und ber Stabtpräzeplor unb Organist Rinck erklärte, auf der Orgel fast nicht mehr spielen zu können. Wieder zogen sich die Verhandlungen jahrelang resuttalloS hin, da machte im Jahre 1808 ber Kirchen- und Schulrat zu Gießen, eine im Jahre 1803 neugeschaffene Dehörbe, bem setthcr geübten dilatorischen Verfahren ein Ende unb trug beim Ministerium darauf an, bah bie Ausbesserung der Kirche ungesäumt in Angriff genommen werde. Dieser Antrag wurde genehmigt Da zu jener Zeit von einer Selbstverwaltung der Städte nicht die Rede war, so setzt eS nicht weiter in Erstaunen, baß eine Behörde, bie nicht ber eigentliche Bauherr war, kurzer Hanb einen Umbau betret iert Aach ben heutigen Begriffen hätte bie evangelische Kirchengemeinde Greßen daS Recht unb bic Pflicht gehabt, bauliche Veränderungen vorzunehmen, eine Kirchengemeinde im heutigen Sinne gab eS aber damals nicht
Wie nötig eine Reparatur war, geht auS einer Bekundung des DachdeckermeisterS Pimper vom April 1803 hervor, wonach es an allen Orten durch das Dach regnete. Die Sparren waren verfault, der Rost hatte bie Aägel vernichtet, und wenn man eine Schiefer festnageln wollte, so lösten sich durch die Erschütterung zehn andere los. Bauverwalter Spahr und Maurermeister Schenck, beide auS Lich. untersuchten daS Mauerwerk, und fanden, daß die Mauern nicht mehr lotrecht standen. Aach mehrfachem hin und her entschied ber Grvhherzog, dessen Wille damals in solchen Sachen ausschlaggebend war, bah ein Aeubau vvrgcnommen werben solle. Der Major unb Lanbbaumeister Sonnemann würbe beauftragt einen Plan zu entwerfen, was auch geschah, die Baull>sten wurden auf 60 000 Gulden geschäht Das Wichtigste an diesem Plane war. daß er ber neuen Kirche die Lage gab, die die Stadtkirche heute hat


