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Der 6irficntr 2n;ei,er mit her Dien»ta<jsbeilAge .«tt-Umicha>- er- scheint täglich, anher Sonn« und Feiertags. «o»otlicheve;ua«vrelfe: Dledi 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Poft bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fernlprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und (Sejchäflsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten- Anzeiger Lietzen.

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ZraaNurt a. M. 11616.

Erster Blatt

M. Iahrgang

Donnerstag. 28. Juli 1921

MhenerAMger

General-Anzeiger für Gberheffen

Vrvck und Verlag: vrShl'sch« Univ. Such- und Steindrutferei «. Lange, rchristleitnng, Seschäsirstelle und Druckerei: Schulftratze 1.

Annahme von Anzeige, für die Tagesnummer di» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 40 Pf., aufwärts 50 Pf.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 180Ps Bei Platz« Vorschrift 20 e.'f Aufschlag. Haupischristleiter: Aua. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Retnhold Ienz; für den Anzeigenteil: ?>ans Veck, sämtlich in Gießen.

Gefährliche Gleichgültigkeit.

Man schreibt uns:

3m Herbst dieses Jahres wird der Reichs- ffnanzminister dem deutschen Volke ein Steuer- Programm bescheren, das den bisherigen An­kündigungen nach zu urteilen als eine der ein­schneidendsten Finanzreformen anzusehen ist. die bisher das deutsche Volk über sich ergehen lassen mußte. Alle sozialen und wirtschaftlichen Gegen­sätze, die im deutschen Volke während der letzten Jahre aufgeveitscht worden sind, werden aufs neue und nielleicht heftiger denn zuvor auf- einander prallen. Gin parlamentarischer Stampf wird sich an diesem Finanzprogramm entzünden und bas deutsche Voll bis in seine Tiefen auf- wühlen Denn voraussichtlich wird in diesem Kampf die Entscheidung darüber fallen, ob die wirtschaftlichen Gedanken, die man als Kapitalis­mus zusammenfaht, oder ob die Ideen des So­zialismus die Grundlage der zukünftigen wirt­schaftlichen Entwicklung Deutschlands bilden sollen.

3n den Reichsämtern, die berufen sind, das Steuerprvgramm vorzubereiten, wird zur Zeit fieberhaft gearbeitet. Niemand wird daran zwei­feln können, daß dort unter der Leitung des Reichsfinanzministers Dr. Wirth Steuergesehe vorbereitet werden, die ihrer Grundrichtung nach den 3deen des Sozialismus nicht feindlich gegen­überstehen. Um so erstaunlicher ist es daher, daß diejenigen wirtschaftlichen und politischen Gruppen, die eine andere Grundauffassung vertreten, bisher soweit sich die- für die Öffentlichkeit bemerkbar macht, so gut wie nichts getan haben, um ihre Auffassung vor dem Volke zur Geltung zu brin­gen Gewiß sind eine Reihe von Zeitungsartikeln erschienen, die sich mit der Frage der bevor­stehenden Steuergesetzgebung befassen. Rach Form und Inhalt sind diese Artikel jedoch so stark philo­sophisch angehaucht gewesen, daß es auch einem gewiegten Finanz- und Steuerpraktiker schwer sein wird, handgreifliche- Material daraus zu schöpfen. Wieder andere Artikel beschränken sich darauf, die bisher vom Reichsfinanzmini- ster und anderen Persönlichkeiten der Reichs­regierung geäußerten Pläne kritisch unter die Luche zu nehmen. Ein eigenes Steuerprogra mm aber enthält keiner dieser Artikel, und darauf kommt es doch einzig uni allein an. Denn nichts wäre verkehrter, als wenn z. V. die Oppositionsparteien sagen woll­ten. diejenigen Parteien, die das Ultimatum an­genommen hätten, müßten sehen, wie sie es nun auSführterk. Darüber müssen sich doch alle llar sein, daß der politische Kamps um die Repara­tionsgesetze unausbleiblich ist und daß es daher Pflicht einer jeden Partei und Gruppe ist, sich mit eigenen Waffen zum Kampf zu stellen. Lassen jedoch die Parteien die kurze, ihnen noch zur Ver­fügung stehende Zeit verstreichen, dann werden die Steuervorlagen der Regierung sie in ihrer Be­wegungsfreiheit von vornherein so beengen, daß ihnen nur noch die Möglichkeit offen steht, durch Anträge im Parlament eine Aenderung oder Ab­schwächung in verschiedenen Punkten herbeizu­führen. Zu einer solchen Rolle des Rebenher­laufens werden sich aber jene Gruppen wohl selber nicht verurteilen lallen wollen. Sie müs­sen dann aber beizeiten ein eigenes Programm zur Lösung der Reparationsfrage aufttellen und mit diesem Programm schon jetzt vor die Oeffent- ltchkeit hinireten. Sie gewännen dadurch die Möglichkeit, auf das Programm der Regierung, das zur Zeit in Arbeit ist, einen Einfluß auszuüben und einer von dort her drohenden Einseitigkeit in der Grundrichtung des Steuerprogramms vvrzubeugen. Erkennen diese Parteien und Gruppen diese ihre Gegenwarts- aufaabe nicht, bann werden die parlamentarischen Mehrheitsbeschlüsse über sie hinweggehen und die Wucht der zum Gesetz erhobenen Steuervorlagen wird sie erdrücken.

Frankreich besteht auf Truppenentsendungen.

Ueberraschende und beruhigende Meldun­gen kommen aus Paris. Herr Driand soll nach seiner Rückkehr den engllschen Botschaf­ter in London beauftragt haben, darauf zu bestehen, daß die Frage der Truppensendung nach Oberschlesien entschieden werde, bevor der Oberste Rat am 4. August zusammen- kvmme. Auf der anderen Seite hieß es gestern, Lloyd George wolle der Konferenz, weil er in London nicht abkömmlich sei, überhaupt fern bleiben. Die Häupter der beiden verbündeten Regierungen sind offenbar mit Groll gegenein­ander geladen, und eine Londoner yalbamt- llche Stimme deutete bereits an, die Konfe­renz werde wahrscheinlich ergebnislos verlau- fen und mit einem großen Mißklang enden.

Ob Herr Driand nun die Konferenz über­haupt in Frage stellen wlll? Es ist ihm offen­sichtlich in der Hauptsache darum zu tun, nach außen hin die diplomatische Schlappe zu be­mänteln, die zweifellos darin liegt, daß der deutsche Bescheid des Ministers Rosen in der Frage der Truppenentsendung richtig und un­anfechtbar war. Lloyd George will Herrn Driand diesmal den Schild nicht halten. Viel­leicht aber einigt man sich am 4. August da­hin. daß bezüglich der Truppenvcrstärku igen Frankreich ein vielleicht bloß frrmales Zuge­ständnis erhält, während die Zukunft Ober­schlesiens der alsbaldigen Entscheidung unter- llegen soll. Auf jeden Fall wird das englisch-1 französische Bündnis wieder einer erheblichen ^Lelastungsprobe ausgesetzt sein! I

London. 28. Juli. (WTB.) Das Reuter- sche Bureau erfährt aus französischer Quelle: Der französische Botschafter hat Lord (Sur« zon mitgeteilt, daß die französische Regieruna es für unmöglich halle, eine Sitzung des Ober st en Rates einzuberufen, bevor die Frage der Truppenentsendung nach 06er- schlesien geregelt sei. Lord Eurzon nahm diese Er­klärung zur Kenntnis, die dem Kabinett vorgelegt werden wird.

Tagung des Sachverständigen- ausschusscs.

Paris, 28. Juli. (WTB.) Heute nachmittag 4 älhr tritt der Sachverständigen-Aus- schuh. dessen Aufgabe darin besteht, Vorschläge über die deutsch-polnische Grenze zu machen, zu seiner ersten Sitzung zusammen.

Ein Dementi von General Höfer.

Berlin, 27. Juli. (Wolff.) Rach einer von ,.D z i e n n i k GdanSki" (Danziger Polen­blatt) wiedergegebenen Havasmeldung soll Ge­neral Hofer in einer Offiziersversammlung eine Rede gehalten haben, in der er u. a. folgendes sagte: .Wenn der Oberste Rat in Paris eine Entscheidung treffen wird, die im Gegen­satz zu den deutschen Interessen stehen, sp werde ich mit allen meinen Truppen in Oberschlesien einmarschieren, die Franzosen vertreiben und das Land von den Polen säubern. Oberschlesien, von dem seinerzeit eine Bewegung ausgegangen ist. die zum Sturze Rapoleons führte, wird zum zweiten Male der Ausgangspunkt zur Wieder­herstellung der deutschen Ordnung und der Wiederherstellung der deutschen Macht werden.

Auf diese Meldung bezog sich die französische Aufzeichnung vom 16. Juli und die Antwort­note bed Reichsministers Dr. Rosen. Höfer erklärt, daß diese Havasmeldung von Anfang bis zu Ende erfunden ist. Höfer hat niemals eine derartige Rede gehalten.

Amerika und der Versailler Vertrag.

L o n d o n, 27. Juli. (Wolff.) DieDaily Mail" berichtet, daß der Washingtoner Be­richterstatter derRew Bork Sun" erfahren habe, daß der Plan des Staatssekretärs Hughes, dieAnnahmeterabgeändetten Fassung- des Versailler Vertrages zu sichern, gescheitert sei, und daß ein neuer Ver­trag mit Deutschland, der sich genau an die einwandfteien Teile des Versailler VerttageS halte, in Bearbeitung begriffen sei. Diese Mitteilung will der Korrespondent von einem der Regierung nahestehenden (Senator erfahren haben, dem posittv erklärt worden sei, der Versailler Vertrag sei vollständig fallen gelasien worden. Es werde erwartet, daß die Mitteilung über den mit Deutschland abzu­schließenden Vertrag binnen kurzem erfolgen werde.

Die Wiederaufbau- Verhandlungen.

Berlin, 27. Juli. (Wolff.) In der Sitzung des Reparationsausfchusses des vorläufigen Retchswirtschaftsrates machte Reichs­minister R a t h e n a u vertrauliche Mitteilungen über den Gang und den Stand der Wiederauf­bauverhandlungen, sowie über die Verordnung betreffend Leistungsverbände und den in Aus­sicht genommenen Zusammenschluß der Leistungs­verbände zu selbstverwaltenden Wirtschaftskör- pern. Den Kem der Wiederaufbauverhandlungen bildeten die Finanzierung und die Bewer­tung der Reparationslieferungen. Die Verhandlungen nehmen einen ungestörten Fortgang. 3m Anschluß an die Ausführungen Rathenaus sprach Staatssekretär Hirsch über die Gestaltung der deuffch-französischen Handelsbe­ziehungen.

Aus dem englischen Unterhaus.

London, 27. Juli. (WTB.) 3m Unter­hause sagte der Generalstaatsanwalt in Er­widerung auf eine Anfrage wegen der Leip- zigerProzefse, er höre, daß in dieser Frage von den französischen Geschäftsträgern der eng­lischen und der belgischen Regierung eine münd­liche Mitteilung gemacht worden sei. Welche Hal­tung eingenommen werden solle, werde nach Be­ratung Der Alliierten untereinander entschieden werden. Er hoffe, daß die älebersetzung der Leip­ziger Urteile binnen zwei oder drei Tagen den Mitgliedern des Unterhauses zugehen werde.

Chamberlain erllärte, die Großmächte würden die Gelegenheit, den Frieden im Orient herbeizuführen, mit Freuden begrüßen. Solange aber die beiden Hauptparteien mitten im Kampfe ständen, erscheine der Augmblick für den Versuch nicht günstig.

Harmsworth sagte in Erwiderung auf eine Anfrage, daß sich ungefähr 25000 fran­zösische Kolonialsoldaten aus Afrika und Asien im besetzten Gebiete Deutschlands befänden. Von ihnen stammten 15 500 aus Rordafrika, 2500 aus Mada­gaskar, der Rest seien Anamiten, die im Trans­portwesen Verwendung fänden. Bezüglich einer Zurückziehung sei nichts bekannt.

Lloyd George.

London, 27. Juli. (Wolff.)Dally Rews" meldet, Lloyd George beabsichttge, sechs Wochen Urlaub in Schottland zuzu­bringen und dann persönlich mit Balfour nach der Washingtoner Konferenz zu reisen.

Der griechisch-türkische Krieg.

A n g o r a, 27. Juli. (Havas.) Offizieller türkis cher Kriegsbericht. Unsere Trup­pen von Biledjik haben die rückwärtigen Verbin­dungen der feindlichen Armee angegriffen. Eskir- schehir-Abschnitl: Die erbitterte Schlacht an dieser Front wurde zu Gunsten der Tür­ken beendet. Die Griechen wurden mit ernsten Verlusten zurückgeworfen und liehen ungefähr 800 Tote auf dem Schlachtfelde zurück. Die grie­chische Offensive ist aus dieser Front vollkommen zum Stillstand gekommen. Seib-Ghazi-Ab- schnitt: Eine erbitterte Schlacht an dieser Front entwickelt sich zu Gunsten der Türken. Uschat-Abschnitt: Eine fliegende Kolonne von 1500 tvHieben Reitern kam bis Kara Hissar und be­mächtigte sich einer gr B>n Men e Munition. Sie idm mit 400 griechischen Gefangenen zurück.

Konstantinopel, 21. Zu i (Havas ) Die letzten Rachrichten von der Front bestätigen, dah die Griechen im Abschnitt von Seid-Ghazi eine Rieder läge erlitten haben. Die Griechen sollen mit dem Rückzüge begonnen haben.

Athen, 27. Juli. (Wolff.) Eine amtliche Mitteilung erllärt die türkischen Berichte vom 25. und 26. Juli über die Lage auf dem Kriegsschauplatz und alle anderen im gleichen Sinne gehaltenen Darstellungen für gänzlich un­begründet und bezeichnet insbesondere die An­gabe, daß Dlledschik und Afium-Karahissar von Den Türken zurückerobert worden seien, als voll­kommen falsch.

Athen, 27. Juli. (Wolff.) Havas. Rach allen Meldungen ist der Widerstand des Feindes vollkommen gebrochen. Seine Ver­luste an Toten, Verwundeten und Gefangenen werden auf 60 000 Mann geschätzt. Die griechische Vorhut stößt auf Pie Spitze der Straße von Angora und soll weit bis Gordion gekommen sein. Der Große Kriegsrat wird über die weitere Ent­wicklung der Operationen beschließen. Auf dem ganzen Rückzugswege steckt der Feind seine Ma­teriallager in Brand, die er infolge der eiligen Flucht nicht mitnehmen kann.

Der Hilferuf aus Sowjetrußland.

Berlin, 27. Juli. Run wendet sich auch die Auslandsvertretung der sozialdemokra­tischen Arbeiterpartei Rußlands mit einem Aufruf an alle Arbeiterorganisationen und an den Internationalen Gewerllchaftsbund, um eine Hilfsaktion für Rußland anzuregen. Die Ver­tretung schlägt vor, zu diesem Zwecke ein Ar­beite rkomitee aus Vertretern aller sozialistischen Richtungen zu wählen. Die ^Freiheit", die diesen Aufruf wiedergibt, stellt fest, daß dieselbe An­regung bereits in der Aufforderung des Exekutiv­komitees der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien gegeben und, soweit die Unabhängige Sozialdemokratie in Frage komme, auch schon er­füllt Wochen sei. Entgegen der Stellungnahme des Zentralvorstandes der Mehrheitssozialdemo­kratie wird sich die Unabhängige sozialdemokrati­sche Partei an der gemeinsamen Hilfsaktion der Gewerllchasten und der sozialistischen Parteien Deutschlands, die von der sozialistischen Partei- zentrale gefordert worden war, beteiligen.

In Berlin ist gestern die Gattin Maxim Gorkis eingetroffen und hat in einer Unter­redung mit dem Berliner Korrespondenten der Chicago Tribüne" ausdrücklich festgestellt, daß in Rußland Bolschewisten lyxb Richtoolschewisten das Menschenmögliche täten, um das russische Volk vor denk Untergange zu retten. Rachdem die Erkenntnis, dah eine Hilfe für Rußland nur noch vorn Auslande kommen könne, durchge- drungen sei, habe ihr Mann nach langen Ver­handlungen Lenins Zustimmung dazu erwirken können, daß nichtbolschewistische Russen, deren Won in der ganzen Welt als glaubwürdig hin- genommen wird, sich an die Spitze des Hilfs­werks stellen dürfen. Maxim Gorki beabsichtigt, mit seiner Frau auch in Amerika persönlich für eine Hilfsaktion zu wirken. Wie Frau Gorki weiter mitteilte, hat die Massenflucht aus dem Wolgagebiet bereits eingesetzt. Sechs Millionen Menschen seien im Begriff, von dort zu flüchten. In über 18 Provinzen des europäischen Ruß­lands herrsche Hungersnot. Sie habe etwa 20 Millionen Menschen betroffen. (Frkf. Ztg.)

Eine Wirtfchaftskonferenz der russischen Randstaaten.

Kowno, 27. Juli. (WTB.) Littauische Telegraphenagentur. Am 21. und 22. Juli wurde die Wirtschaftskonferenz des Bundes der drei Randstaaten in Reval abge­halten. Mehrere Resoluttonen bezüglich der wirtschaftlichen Annäherung und der Anglei­chung der wirtschaftlichen, namentlich der han­delstechnischen, handelspolitischen und inneren Angelegenheiten dieser drei Staaten, sowie be­züglich ihrer Beziehungen zu den dem Bunde nicht angehörigen Staaten wurden gefaßt. Ferner wurde die Frage der Beseittgung der Zollgrenzen Mischen den drei Bundesstaaten erörtert. Man kam dabei zu dem Ergebnis, dah der litauische Dertteter erflärte, daß es zwar die Zollgrenzen Mischen Estland und Lett­land sofort beseittgt werden könnten, während sehr wünschenswert wäre, dazu zu gelangen, dah es aber wegen der großen Verschiedenheit der wirtschaftlichen Lage Litauens zur Zeit nicht in vollem Umfange möglich wäre. Li­tauen schlage deshalb vor, zur Regelung der' Handelsbeziehungen zwischen Litauen einer­seits und Lettland und Eslland andererseits besondere Abkommen zu treffen, wodurch eine *

Annäherung zum Freihandel Mischen diesen drei Staaten erzielt werde. Zu diesem Zwecke wurde eine Angleichung der indirekten Steuern, StaatSmonpole, Maße, Gewichte, bet Konzessionsetteilungen, des Münzsystems und der Eisenbahnverwaltungen beschlossen. Außerdem wurde eine Zusammenkunft der Vertreter Litauens, Lettlands, Estlands und Finnlands in Reval bis spätestens Septem­ber zwecks Beratung über die Ausbeutung der Wälder, ferner eine Zusammenkunft von Ver­tretern Litauens, Lettlands und Estlands in Riga zur Beratung von Handelsfragen be­schlossen.

Aus dem Reiche.

Dorten und Hue.

Der 2I5g. Hu 6 veröffentlicht im .Vorwärts" über den kürzlich berichteten Hereinfall Dor­ten s, soweit seine Person hineingezogen war, folgendes: »Vor etlichen Monaten suchte mich ein Herr auf, der sich, wenn ich mich nicht in dem Hamen irre, als Der frühere katholische Ar­beitersekretär Krämer aus Wiesbaden vofftellte. Er war mir bislang unbekannt. Der Herr trug mich, ob ich einen Herrn Worms (ober Wurms) kenne, was ich verneinen mußte. Darauf ent­puppte sich Der Herr Krämer als einen Abge- fanDten Des .Präsidenten Der rheinischen Repu­blik", Herrn Staatsanwalt a. S. Dorten, unD teilte mir mit: Worms sei zu Sorten mit Schrift­stücken gekommen, aus Denen hervorgehen solle, daß bekannte Mehrheitssozialisten im Rheinland geneigt seien, Die Bestrebungen Dortens zu unter­stützen. Die Schriftstücke trügen Die Unterschriften von Hu6 unD Sollmann-Köln. Mein Ersuchen, mir diese interessanten Schriftstücke vorzulegen, konnte Herr Krämer nicht erfüllen sie wären, wie er sagte, in HänDen von Sorten. Ich erklärte Dem Herrn, sein Chef Sorten sei einem ausgekoch- ten Schwindler auf den Leim gegangen. Wenn Sorten auch nur einigermaßen politischen Instinkt besäße, würde er den Schwindel sofort erkannt haben. Ich sei doch genügend bekannt als Feind der Zerschlagung Seutschlands In wer weiß wie vielen Kleinstaaten, wenn sie sich auch als Republiken aufmachten. Ich sei und bleibe An­hänger des deutschen Einheitsstaates mit republi­kanischer Verfassung und wünsche von Sor­ten und seinesgleichen nicht behel­ligt zu werden. Für den Genossen Sollmann Dürfe ich getrost dasselbe erflären, ohne mit ihm vorher Darüber gesprochen zu haben. Ser sehr be­stürzte Herr Krämer erklärte mir nun, WormS habe von Sorten bereits etwa 25 000 Mark er­halten zur weiteren Fruktifizierung seiner »Ver­bindungen". Als ich Herrn Krämer er­klärte, ich würde die Wvms-Sorten-Afsäre fofort Der Presse mitteilen, bat er mich, Davon Abstand zu nehmen, bis er mir Rachricht über Den wei­teren Verlaus des Schwindels gäbe. Eine sofortige Veröffentlichung würde den Worms, der oer-< sprachen habe, recht bald Sorten nähere Mit­teilungen zu machen, warnen und seine Festnahme verhindern. Seitdem hörte ich nichts mehr von der Geschichte, bis ich nun in der Presse lese, daß Sorten Die Fälschung der erwähnten Schrift- stücke festgestellt habe und so die Seifenblase ge­platzt sei. Weder Worms noch Sorten sind mir persönlich bekannt geworden, noch habe ich iemalS die ominöfen Schriftstücke gesehen. Gewisse Er­fahrungen veranlassen mich, dies noch ausdrücklich öffentlich festzustellen.

Aus Ostpreußen.

Königsberg, 27. Juli. (WV.) Ser P r o- vinziallanDta g der Provinz Ostpreußen nahm bei der Begutachtung Des Gesetzentwurfes über Die Erweiterung Der Selbständig keilsrechte Der Provinzen folgenden Antrag an: 1. Ser Pro- vinziallanDtag lehnt jeDe Lockerung Der staats­rechtlichen Beziehu ngen Ostpreußens zum Reiche entschieden ab. Er erkennt D(e Aeichseinheit alS berechtigt unD erwünscht an, kann Diese aber in Der Zerschlagung Preußens nicht erblicken. 2. Ser vorliegenDe Gesetzentwurf ist ein Schritt zur Zerschlagung Preußens und deshalb abzulehnen. 3. Jede Erweiterung Der Selbständigteitsrechte Der Provinzen ist abzu­lehnen, solange nicht Die gesamte Selbstverwal­tung in Den Provinzen, Kreisen unD Gemeinden neu geregelt, sowie Die Steuerrechte Des Reiches, Dec Länder, Provinzen, Kreise und Gemeinden in einer die Leistungsfähigkeit Der Gemeinden unD Gemeindeverbände sicherstell enden Weise gegeneinander abgegrenzt wird.

Ein Soldatenaufruhr in Stettin.

Stettin, 27. Juli. (Wolff.) Sas Polizei­präsidium teilt mit: Rachdem bereits am Montag­abend durch Angehörige des hiesigen Reichs- pionierbataillons2 die öffentliche Ruhe und Ordnung in den Grabower Parkanlagen er­heblich gestött worden war und Reichrwehrange- hörige sich Der Feststellung ihrer Persönlichkeit mit der blanken Waffe widersetzten, machten am Dienstagabend gegen 10 Ahr Angehörige des obengenannten Truppenteils mit rabauluftigen Zivilpersonen in der Rähe deS Parkhauses einen Angriff auf die im Dienst befindlichen ft ä b t i - chen Polizeibeamten. Letztere sahen sich plötzlich einer größeren Menge gegenüber, an­deren Mitte etwa 15 scharfe Schüsse fielen. Gleich­zeitig Drangen Soldaten mit gezogenem Seiten­gewehr auf die Beamten ein, woraus letztere zur Abwehr des Angriffs von der blanken Waffe Gebrauch machten. Sie Ruhe und die Ordnung konnten bald darauf wieder hergestellt werden. Eine Anzahl Ruhestörer wurde verhaftet. Meh­rere Verletzte wurden nach Anlegung von Rot- verbänden ins Lazarett bzw. zu ihrem Truppen», teil beto cbert