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Der 6irficntr 2n;ei,er mit her Dien»ta<jsbeilAge .Zß«tt-Umicha>- er- scheint täglich, anher Sonn« und Feiertags. «o»otlicheve;ua«vrelfe: Dledi 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Poft bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fernlprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und (Sejchäflsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Lietzen.
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ZraaNurt a. M. 11616.
Erster Blatt
M. Iahrgang
Donnerstag. 28. Juli 1921
MhenerAMger
General-Anzeiger für Gberheffen
Vrvck und Verlag: vrShl'sch« Univ. Such- und Steindrutferei «. Lange, rchristleitnng, Seschäsirstelle und Druckerei: Schulftratze 1.
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Gefährliche Gleichgültigkeit.
Man schreibt uns:
3m Herbst dieses Jahres wird der Reichs- ffnanzminister dem deutschen Volke ein Steuer- Programm bescheren, das den bisherigen Ankündigungen nach zu urteilen als eine der einschneidendsten Finanzreformen anzusehen ist. die bisher das deutsche Volk über sich ergehen lassen mußte. Alle sozialen und wirtschaftlichen Gegensätze, die im deutschen Volke während der letzten Jahre aufgeveitscht worden sind, werden aufs neue und nielleicht heftiger denn zuvor auf- einander prallen. Gin parlamentarischer Stampf wird sich an diesem Finanzprogramm entzünden und bas deutsche Voll bis in seine Tiefen auf- wühlen Denn voraussichtlich wird in diesem Kampf die Entscheidung darüber fallen, ob die wirtschaftlichen Gedanken, die man als Kapitalismus zusammenfaht, oder ob die Ideen des Sozialismus die Grundlage der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands bilden sollen.
3n den Reichsämtern, die berufen sind, das Steuerprvgramm vorzubereiten, wird zur Zeit fieberhaft gearbeitet. Niemand wird daran zweifeln können, daß dort unter der Leitung des Reichsfinanzministers Dr. Wirth Steuergesehe vorbereitet werden, die ihrer Grundrichtung nach den 3deen des Sozialismus nicht feindlich gegenüberstehen. Um so erstaunlicher ist es daher, daß diejenigen wirtschaftlichen und politischen Gruppen, die eine andere Grundauffassung vertreten, bisher soweit sich die- für die Öffentlichkeit bemerkbar macht, so gut wie nichts getan haben, um ihre Auffassung vor dem Volke zur Geltung zu bringen Gewiß sind eine Reihe von Zeitungsartikeln erschienen, die sich mit der Frage der bevorstehenden Steuergesetzgebung befassen. Rach Form und Inhalt sind diese Artikel jedoch so stark philosophisch angehaucht gewesen, daß es auch einem gewiegten Finanz- und Steuerpraktiker schwer sein wird, handgreifliche- Material daraus zu schöpfen. Wieder andere Artikel beschränken sich darauf, die bisher vom Reichsfinanzmini- ster und anderen Persönlichkeiten der Reichsregierung geäußerten Pläne kritisch unter die Luche zu nehmen. Ein eigenes Steuerprogra mm aber enthält keiner dieser Artikel, und darauf kommt es doch einzig uni allein an. Denn nichts wäre verkehrter, als wenn z. V. die Oppositionsparteien sagen wollten. diejenigen Parteien, die das Ultimatum angenommen hätten, müßten sehen, wie sie es nun auSführterk. Darüber müssen sich doch alle llar sein, daß der politische Kamps um die Reparationsgesetze unausbleiblich ist und daß es daher Pflicht einer jeden Partei und Gruppe ist, sich mit eigenen Waffen zum Kampf zu stellen. Lassen jedoch die Parteien die kurze, ihnen noch zur Verfügung stehende Zeit verstreichen, dann werden die Steuervorlagen der Regierung sie in ihrer Bewegungsfreiheit von vornherein so beengen, daß ihnen nur noch die Möglichkeit offen steht, durch Anträge im Parlament eine Aenderung oder Abschwächung in verschiedenen Punkten herbeizuführen. Zu einer solchen Rolle des Rebenherlaufens werden sich aber jene Gruppen wohl selber nicht verurteilen lallen wollen. Sie müssen dann aber beizeiten ein eigenes Programm zur Lösung der Reparationsfrage aufttellen und mit diesem Programm schon jetzt vor die Oeffent- ltchkeit hinireten. Sie gewännen dadurch die Möglichkeit, auf das Programm der Regierung, das zur Zeit in Arbeit ist, einen Einfluß auszuüben und einer von dort her drohenden Einseitigkeit in der Grundrichtung des Steuerprogramms vvrzubeugen. Erkennen diese Parteien und Gruppen diese ihre Gegenwarts- aufaabe nicht, bann werden die parlamentarischen Mehrheitsbeschlüsse über sie hinweggehen und die Wucht der zum Gesetz erhobenen Steuervorlagen wird sie erdrücken.
Frankreich besteht auf Truppenentsendungen.
Ueberraschende und beruhigende Meldungen kommen aus Paris. Herr Driand soll nach seiner Rückkehr den engllschen Botschafter in London beauftragt haben, darauf zu bestehen, daß die Frage der Truppensendung nach Oberschlesien entschieden werde, bevor der Oberste Rat am 4. August zusammen- kvmme. Auf der anderen Seite hieß es gestern, Lloyd George wolle der Konferenz, weil er in London nicht abkömmlich sei, überhaupt fern bleiben. Die Häupter der beiden verbündeten Regierungen sind offenbar mit Groll gegeneinander geladen, und eine Londoner yalbamt- llche Stimme deutete bereits an, die Konferenz werde wahrscheinlich ergebnislos verlau- fen und mit einem großen Mißklang enden.
Ob Herr Driand nun die Konferenz überhaupt in Frage stellen wlll? Es ist ihm offensichtlich in der Hauptsache darum zu tun, nach außen hin die diplomatische Schlappe zu bemänteln, die zweifellos darin liegt, daß der deutsche Bescheid des Ministers Rosen in der Frage der Truppenentsendung richtig und unanfechtbar war. Lloyd George will Herrn Driand diesmal den Schild nicht halten. Vielleicht aber einigt man sich am 4. August dahin. daß bezüglich der Truppenvcrstärku igen Frankreich ein vielleicht bloß frrmales Zugeständnis erhält, während die Zukunft Oberschlesiens der alsbaldigen Entscheidung unter- llegen soll. Auf jeden Fall wird das englisch-1 französische Bündnis wieder einer erheblichen ^Lelastungsprobe ausgesetzt sein! I
London. 28. Juli. (WTB.) Das Reuter- sche Bureau erfährt aus französischer Quelle: Der französische Botschafter hat Lord (Sur« zon mitgeteilt, daß die französische Regieruna es für unmöglich halle, eine Sitzung des Ober st en Rates einzuberufen, bevor die Frage der Truppenentsendung nach 06er- schlesien geregelt sei. Lord Eurzon nahm diese Erklärung zur Kenntnis, die dem Kabinett vorgelegt werden wird.
Tagung des Sachverständigen- ausschusscs.
Paris, 28. Juli. (WTB.) Heute nachmittag 4 älhr tritt der Sachverständigen-Aus- schuh. dessen Aufgabe darin besteht, Vorschläge über die deutsch-polnische Grenze zu machen, zu seiner ersten Sitzung zusammen.
Ein Dementi von General Höfer.
Berlin, 27. Juli. (Wolff.) Rach einer von ,.D z i e n n i k GdanSki" (Danziger Polenblatt) wiedergegebenen Havasmeldung soll General Hofer in einer Offiziersversammlung eine Rede gehalten haben, in der er u. a. folgendes sagte: .Wenn der Oberste Rat in Paris eine Entscheidung treffen wird, die im Gegensatz zu den deutschen Interessen stehen, sp werde ich mit allen meinen Truppen in Oberschlesien einmarschieren, die Franzosen vertreiben und das Land von den Polen säubern. Oberschlesien, von dem seinerzeit eine Bewegung ausgegangen ist. die zum Sturze Rapoleons führte, wird zum zweiten Male der Ausgangspunkt zur Wiederherstellung der deutschen Ordnung und der Wiederherstellung der deutschen Macht werden.
Auf diese Meldung bezog sich die französische Aufzeichnung vom 16. Juli und die Antwortnote bed Reichsministers Dr. Rosen. Höfer erklärt, daß diese Havasmeldung von Anfang bis zu Ende erfunden ist. Höfer hat niemals eine derartige Rede gehalten.
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Amerika und der Versailler Vertrag.
L o n d o n, 27. Juli. (Wolff.) Die „Daily Mail" berichtet, daß der Washingtoner Berichterstatter der „Rew Bork Sun" erfahren habe, daß der Plan des Staatssekretärs Hughes, dieAnnahmeterabgeändetten Fassung- des Versailler Vertrages zu sichern, gescheitert sei, und daß ein neuer Vertrag mit Deutschland, der sich genau an die einwandfteien Teile des Versailler VerttageS halte, in Bearbeitung begriffen sei. Diese Mitteilung will der Korrespondent von einem der Regierung nahestehenden (Senator erfahren haben, dem posittv erklärt worden sei, der Versailler Vertrag sei vollständig fallen gelasien worden. Es werde erwartet, daß die Mitteilung über den mit Deutschland abzuschließenden Vertrag binnen kurzem erfolgen werde.
Die Wiederaufbau- Verhandlungen.
Berlin, 27. Juli. (Wolff.) In der Sitzung des Reparationsausfchusses des vorläufigen Retchswirtschaftsrates machte Reichsminister R a t h e n a u vertrauliche Mitteilungen über den Gang und den Stand der Wiederaufbauverhandlungen, sowie über die Verordnung betreffend Leistungsverbände und den in Aussicht genommenen Zusammenschluß der Leistungsverbände zu selbstverwaltenden Wirtschaftskör- pern. Den Kem der Wiederaufbauverhandlungen bildeten die Finanzierung und die Bewertung der Reparationslieferungen. Die Verhandlungen nehmen einen ungestörten Fortgang. 3m Anschluß an die Ausführungen Rathenaus sprach Staatssekretär Hirsch über die Gestaltung der deuffch-französischen Handelsbeziehungen.
Aus dem englischen Unterhaus.
London, 27. Juli. (WTB.) 3m Unterhause sagte der Generalstaatsanwalt in Erwiderung auf eine Anfrage wegen der Leip- zigerProzefse, er höre, daß in dieser Frage von den französischen Geschäftsträgern der englischen und der belgischen Regierung eine mündliche Mitteilung gemacht worden sei. Welche Haltung eingenommen werden solle, werde nach Beratung Der Alliierten untereinander entschieden werden. Er hoffe, daß die älebersetzung der Leipziger Urteile binnen zwei oder drei Tagen den Mitgliedern des Unterhauses zugehen werde.
Chamberlain erllärte, die Großmächte würden die Gelegenheit, den Frieden im Orient herbeizuführen, mit Freuden begrüßen. Solange aber die beiden Hauptparteien mitten im Kampfe ständen, erscheine der Augmblick für den Versuch nicht günstig.
Harmsworth sagte in Erwiderung auf eine Anfrage, daß sich ungefähr 25000 französische Kolonialsoldaten aus Afrika und Asien im besetzten Gebiete Deutschlands befänden. Von ihnen stammten 15 500 aus Rordafrika, 2500 aus Madagaskar, der Rest seien Anamiten, die im Transportwesen Verwendung fänden. Bezüglich einer Zurückziehung sei nichts bekannt.
Lloyd George.
London, 27. Juli. (Wolff.) „Dally Rews" meldet, Lloyd George beabsichttge, sechs Wochen Urlaub in Schottland zuzubringen und dann persönlich mit Balfour nach der Washingtoner Konferenz zu reisen.
Der griechisch-türkische Krieg.
A n g o r a, 27. Juli. (Havas.) Offizieller türkis cher Kriegsbericht. Unsere Truppen von Biledjik haben die rückwärtigen Verbindungen der feindlichen Armee angegriffen. Eskir- schehir-Abschnitl: Die erbitterte Schlacht an dieser Front wurde zu Gunsten der Türken beendet. Die Griechen wurden mit ernsten Verlusten zurückgeworfen und liehen ungefähr 800 Tote auf dem Schlachtfelde zurück. Die griechische Offensive ist aus dieser Front vollkommen zum Stillstand gekommen. — Seib-Ghazi-Ab- schnitt: Eine erbitterte Schlacht an dieser Front entwickelt sich zu Gunsten der Türken. — Uschat-Abschnitt: Eine fliegende Kolonne von 1500 tv “Hieben Reitern kam bis Kara Hissar und bemächtigte sich einer gr B>n Men e Munition. Sie idm mit 400 griechischen Gefangenen zurück.
Konstantinopel, 21. Zu i (Havas ) Die letzten Rachrichten von der Front bestätigen, dah die Griechen im Abschnitt von Seid-Ghazi eine Rieder läge erlitten haben. Die Griechen sollen mit dem Rückzüge begonnen haben.
Athen, 27. Juli. (Wolff.) Eine amtliche Mitteilung erllärt die türkischen Berichte vom 25. und 26. Juli über die Lage auf dem Kriegsschauplatz und alle anderen im gleichen Sinne gehaltenen Darstellungen für gänzlich unbegründet und bezeichnet insbesondere die Angabe, daß Dlledschik und Afium-Karahissar von Den Türken zurückerobert worden seien, als vollkommen falsch.
Athen, 27. Juli. (Wolff.) Havas. Rach allen Meldungen ist der Widerstand des Feindes vollkommen gebrochen. Seine Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen werden auf 60 000 Mann geschätzt. Die griechische Vorhut stößt auf Pie Spitze der Straße von Angora und soll weit bis Gordion gekommen sein. Der Große Kriegsrat wird über die weitere Entwicklung der Operationen beschließen. Auf dem ganzen Rückzugswege steckt der Feind seine Materiallager in Brand, die er infolge der eiligen Flucht nicht mitnehmen kann.
Der Hilferuf aus Sowjetrußland.
Berlin, 27. Juli. Run wendet sich auch die Auslandsvertretung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands mit einem Aufruf an alle Arbeiterorganisationen und an den Internationalen Gewerllchaftsbund, um eine Hilfsaktion für Rußland anzuregen. Die Vertretung schlägt vor, zu diesem Zwecke ein Arbeite rkomitee aus Vertretern aller sozialistischen Richtungen zu wählen. Die ^Freiheit", die diesen Aufruf wiedergibt, stellt fest, daß dieselbe Anregung bereits in der Aufforderung des Exekutivkomitees der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien gegeben und, soweit die Unabhängige Sozialdemokratie in Frage komme, auch schon erfüllt Wochen sei. Entgegen der Stellungnahme des Zentralvorstandes der Mehrheitssozialdemokratie wird sich die Unabhängige sozialdemokratische Partei an der gemeinsamen Hilfsaktion der Gewerllchasten und der sozialistischen Parteien Deutschlands, die von der sozialistischen Partei- zentrale gefordert worden war, beteiligen.
In Berlin ist gestern die Gattin Maxim Gorkis eingetroffen und hat in einer Unterredung mit dem Berliner Korrespondenten der „Chicago Tribüne" ausdrücklich festgestellt, daß in Rußland Bolschewisten lyxb Richtoolschewisten das Menschenmögliche täten, um das russische Volk vor denk Untergange zu retten. Rachdem die Erkenntnis, dah eine Hilfe für Rußland nur noch vorn Auslande kommen könne, durchge- drungen sei, habe ihr Mann nach langen Verhandlungen Lenins Zustimmung dazu erwirken können, daß nichtbolschewistische Russen, deren Won in der ganzen Welt als glaubwürdig hin- genommen wird, sich an die Spitze des Hilfswerks stellen dürfen. Maxim Gorki beabsichtigt, mit seiner Frau auch in Amerika persönlich für eine Hilfsaktion zu wirken. Wie Frau Gorki weiter mitteilte, hat die Massenflucht aus dem Wolgagebiet bereits eingesetzt. Sechs Millionen Menschen seien im Begriff, von dort zu flüchten. In über 18 Provinzen des europäischen Rußlands herrsche Hungersnot. Sie habe etwa 20 Millionen Menschen betroffen. (Frkf. Ztg.)
Eine Wirtfchaftskonferenz der russischen Randstaaten.
Kowno, 27. Juli. (WTB.) Littauische Telegraphenagentur. Am 21. und 22. Juli wurde die Wirtschaftskonferenz des Bundes der drei Randstaaten in Reval abgehalten. Mehrere Resoluttonen bezüglich der wirtschaftlichen Annäherung und der Angleichung der wirtschaftlichen, namentlich der handelstechnischen, handelspolitischen und inneren Angelegenheiten dieser drei Staaten, sowie bezüglich ihrer Beziehungen zu den dem Bunde nicht angehörigen Staaten wurden gefaßt. Ferner wurde die Frage der Beseittgung der Zollgrenzen Mischen den drei Bundesstaaten erörtert. Man kam dabei zu dem Ergebnis, dah der litauische Dertteter erflärte, daß es zwar die Zollgrenzen Mischen Estland und Lettland sofort beseittgt werden könnten, während sehr wünschenswert wäre, dazu zu gelangen, dah es aber wegen der großen Verschiedenheit der wirtschaftlichen Lage Litauens zur Zeit nicht in vollem Umfange möglich wäre. Litauen schlage deshalb vor, zur Regelung der' Handelsbeziehungen zwischen Litauen einerseits und Lettland und Eslland andererseits besondere Abkommen zu treffen, wodurch eine *
Annäherung zum Freihandel Mischen diesen drei Staaten erzielt werde. Zu diesem Zwecke wurde eine Angleichung der indirekten Steuern, StaatSmonpole, Maße, Gewichte, bet Konzessionsetteilungen, des Münzsystems und der Eisenbahnverwaltungen beschlossen. Außerdem wurde eine Zusammenkunft der Vertreter Litauens, Lettlands, Estlands und Finnlands in Reval bis spätestens September zwecks Beratung über die Ausbeutung der Wälder, ferner eine Zusammenkunft von Vertretern Litauens, Lettlands und Estlands in Riga zur Beratung von Handelsfragen beschlossen.
Aus dem Reiche.
Dorten und Hue.
Der 2I5g. Hu 6 veröffentlicht im .Vorwärts" über den kürzlich berichteten Hereinfall Dorten s, soweit seine Person hineingezogen war, folgendes: »Vor etlichen Monaten suchte mich ein Herr auf, der sich, wenn ich mich nicht in dem Hamen irre, als Der frühere katholische Arbeitersekretär Krämer aus Wiesbaden vofftellte. Er war mir bislang unbekannt. Der Herr trug mich, ob ich einen Herrn Worms (ober Wurms) kenne, was ich verneinen mußte. Darauf entpuppte sich Der Herr Krämer als einen Abge- fanDten Des .Präsidenten Der rheinischen Republik", Herrn Staatsanwalt a. S. Dorten, unD teilte mir mit: Worms sei zu Sorten mit Schriftstücken gekommen, aus Denen hervorgehen solle, daß bekannte Mehrheitssozialisten im Rheinland geneigt seien, Die Bestrebungen Dortens zu unterstützen. Die Schriftstücke trügen Die Unterschriften von Hu6 unD Sollmann-Köln. Mein Ersuchen, mir diese interessanten Schriftstücke vorzulegen, konnte Herr Krämer nicht erfüllen sie wären, wie er sagte, in HänDen von Sorten. Ich erklärte Dem Herrn, sein Chef Sorten sei einem ausgekoch- ten Schwindler auf den Leim gegangen. Wenn Sorten auch nur einigermaßen politischen Instinkt besäße, würde er den Schwindel sofort erkannt haben. Ich sei doch genügend bekannt als Feind der Zerschlagung Seutschlands In wer weiß wie vielen Kleinstaaten, wenn sie sich auch als Republiken aufmachten. Ich sei und bleibe Anhänger des deutschen Einheitsstaates mit republikanischer Verfassung und wünsche von Sorten und seinesgleichen nicht behelligt zu werden. Für den Genossen Sollmann Dürfe ich getrost dasselbe erflären, ohne mit ihm vorher Darüber gesprochen zu haben. Ser sehr bestürzte Herr Krämer erklärte mir nun, WormS habe von Sorten bereits etwa 25 000 Mark erhalten zur weiteren Fruktifizierung seiner »Verbindungen". Als ich Herrn Krämer erklärte, ich würde die Wv“ms-Sorten-Afsäre fofort Der Presse mitteilen, bat er mich, Davon Abstand zu nehmen, bis er mir Rachricht über Den weiteren Verlaus des Schwindels gäbe. Eine sofortige Veröffentlichung würde den Worms, der oer-< sprachen habe, recht bald Sorten nähere Mitteilungen zu machen, warnen und seine Festnahme verhindern. Seitdem hörte ich nichts mehr von der Geschichte, bis ich nun in der Presse lese, daß Sorten Die Fälschung der erwähnten Schrift- stücke festgestellt habe und so die Seifenblase geplatzt sei. Weder Worms noch Sorten sind mir persönlich bekannt geworden, noch habe ich iemalS die ominöfen Schriftstücke gesehen. Gewisse Erfahrungen veranlassen mich, dies noch ausdrücklich öffentlich festzustellen.
Aus Ostpreußen.
Königsberg, 27. Juli. (WV.) Ser P r o- vinziallanDta g der Provinz Ostpreußen nahm bei der Begutachtung Des Gesetzentwurfes über Die Erweiterung Der Selbständig keilsrechte Der Provinzen folgenden Antrag an: 1. Ser Pro- vinziallanDtag lehnt jeDe Lockerung Der staatsrechtlichen Beziehu ngen Ostpreußens zum Reiche entschieden ab. Er erkennt D(e Aeichseinheit alS berechtigt unD erwünscht an, kann Diese aber in Der Zerschlagung Preußens nicht erblicken. 2. Ser vorliegenDe Gesetzentwurf ist ein Schritt zur Zerschlagung Preußens und deshalb abzulehnen. 3. Jede Erweiterung Der Selbständigteitsrechte Der Provinzen ist abzulehnen, solange nicht Die gesamte Selbstverwaltung in Den Provinzen, Kreisen unD Gemeinden neu geregelt, sowie Die Steuerrechte Des Reiches, Dec Länder, Provinzen, Kreise und Gemeinden in einer die Leistungsfähigkeit Der Gemeinden unD Gemeindeverbände sicherstell enden Weise gegeneinander abgegrenzt wird.
Ein Soldatenaufruhr in Stettin.
Stettin, 27. Juli. (Wolff.) Sas Polizeipräsidium teilt mit: Rachdem bereits am Montagabend durch Angehörige des hiesigen Reichs- pionierbataillons2 die öffentliche Ruhe und Ordnung in den Grabower Parkanlagen erheblich gestött worden war und Reichrwehrange- hörige sich Der Feststellung ihrer Persönlichkeit mit der blanken Waffe widersetzten, machten am Dienstagabend gegen 10 Ahr Angehörige des obengenannten Truppenteils mit rabauluftigen Zivilpersonen in der Rähe deS Parkhauses einen Angriff auf die im Dienst befindlichen ft ä b t i - chen Polizeibeamten. Letztere sahen sich plötzlich einer größeren Menge gegenüber, anderen Mitte etwa 15 scharfe Schüsse fielen. Gleichzeitig Drangen Soldaten mit gezogenem Seitengewehr auf die Beamten ein, woraus letztere zur Abwehr des Angriffs von der blanken Waffe Gebrauch machten. Sie Ruhe und die Ordnung konnten bald darauf wieder hergestellt werden. Eine Anzahl Ruhestörer wurde verhaftet. Mehrere Verletzte wurden nach Anlegung von Rot- verbänden ins Lazarett bzw. zu ihrem Truppen», teil beto cbert


