Ausgabe 
27.9.1921
 
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Druck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Such- und Zteindruckerei K Lange. Zchriftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

von

»Berliner Mittag aug einem Artikel

die Dauern gesammelt hätten, um sich vor einer Hungersnot, wie der augenblicklichen, zu schützen. Der Welt habe keine furchtbarere Lehre von dem Wahn- inn der Sozialisten und von den Folgen gegeben werden können, die entständen, wenn man ihnen un- i gezügelte Macht überlaste. Die Sozialisten in England >ätten alles getan, waS in ihrer Macht gelegen Hütte, um die Wirksamkeit der Arbeiterschaft herabzusehen. Sie hätten alles getan, um Streit und Streitereien in der Industrie zu verursachen. Lenin und Trotzki hätten vier Jahre gebraucht, um Ruhlanb in seine augenblickliche Rot zu bringen. England würde etwa vier Monate gebrauchen, um die Lebensrnittel zu verzehren, über die es verfüge, und nach dieser Zeit würde der größere Teil der Dcvölkerung Eng­lands eine neue Welt aufsuchen müsten, um dort zu leben. England sei gezwungen, seine Flotte auf­recht zu erhalten und könne auf das Mindestmaß der militärischen Streitkräfte nicht verzichten, die notwendig seien, um die Ordnung in den brittschen

gesetzbuchs den neuen staatsrechtlichen Verhält, nissen anpaht. Dabei wird auch aus einen roirf- sameren Schuh der verfassungsmäßigen Staats» form und ihrer Repräsentanten Bedacht genommen werden.

Reben diesen Gesetzentwürfen gehen die Ar­beiten an der allgemeinen Reform bet Strafrechts weiter. Der im Anfang dieses ^ahres veröffentlichte Entwurf zu einem* neuen Strafgesetzbuch hat Anlaß zu einer Reihe mehr oder minder eingehender Kritiken gegeben; gleich­zeitig sind die Landesregierungen ersucht worden zu den Vorschlägen des Entwurf i Stellung zu neh­men. Die Ergebnisse der öffentlichen Kritik und die Aeußerungen der Landesregierungen werden dir Grundlagen für die Aufstellung der Regierungs- Vorlage bilden, die mit größter Beschleunigung fertiggestellt werden wird.

gebrachter Auszug irnes" »Das unsichb-

rinnayme von Uiijeisen für die lagesnummer bis 3um Nachmittag vorher ohnejede Perdindlichlreit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breit« örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite !80Pf Bei Platz- vo. tzr>ft20 »Auf chlag. Hauptfchriflleiler Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil i.D : Aug.Goetz; für den Anzeigenteil: ihans Beck, sämtlich in Gießen.

bare H«r" bringt phantastische und gänzlich un- zutresfende Darstellungen über angeblich in Deutschland vorhandene ungeheuere militari- che Rüstungen; der genaue Wortlaut des Artikels muß abgewartet werden, jedoch kann chon jetzt aesagt werden, daß sämtliche Mittei­lungen wieder in krassestem Widerspruch zu den tatsächlichen Verhältnissen stehen.

Deutsche Auswanderung nach Amerika.

Paris, 26. Sept. (Wolff.) Rach einer Meldung derChicago Tribüne" aus Wa­shington wird mit einem sehr starken An­wachsen der Einwanderung aus Deutschland nach der Ratifikation des Friedensvertrages gerechnet. Offizielle Kreise erwarten deshalb, daß die deutsche Regierung auf gesetzlichem Wege die Auswanderung nach Amerika einschränken werde.

Nr. 226

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rische Entwaffnung Deutschlands, die seit vielen Monaten hätte vollendet sein sollen, sei cs nicht. Die Aburteilung der Kriegsbeschuldiglcn habe Veranlassung zu einer Iustizparodic gegeben Ionnart sprach auch vom Bankerott des Obersten Rates im Hinblick auf Oberschlesien. Er beklagte, daß Frankreich von der ersten Re­parationszahlung noch keinen Ruhen gezogen habe und sagte ferner, daß der Friedensvertrag von Versailles über allen Verträgen stünde und Frankreich in den Einnahmequellen des Deut­schen Reiches zur Regelung der Liquidations­pflichten ein Privilegium gegeben habe. Soll aiich diese Garantie zu Gunsten der Geschädigten aus- gegeben werden?

Jur Zurückziehung der amerikanischen Truppen vom Rhein.

R e u h o r k, 26. Sept. (Wolff.) Der Pariser Berichterstatter derAssociated Preß" meldet: Die amtlichen französischenKreise sind ehr beunruhigt über die Berichte aus Wa- hing ton, daß die amerikanischen Truppen am Rhein nach der Rattfizierung des deutsch-ame­rikanischen Friedensvertrages zurückgezogen würden. Das Ministerium des Aeußeren erhielt noch keine Benachrichtigung darüber, aber der französische Botschafter in Washington, Iusse- ranb, wurde angewiesen, die Entwicklung der Dinge genau zu verfolgen und im geeigneten Augenblick darauf hinzuweisen, daß Frankreich die Zurückziehung der amerikanischen^ Truppen tief bedauern würde, da die französische Re­gierung die Anwesenheit amerikanischer Streit­kräfte am Rhein als eine Grundlage der alliierten Svlidarttät und als große Hilfe bei der Durch­führung des Versailler Friedensvertrages ansehe.

Times"-Schwindel.

Berlin, 26. Sept. (Wolff.) Ein von der

Dominions aufrecht zu erhalten.

Zum Schluß seiner Rede sagte Churchill: Wenn man den Schwierigkeiten der Rachkriegs- perhöbe entgehen wolle, so müßte ein fried­liches Zusammenwirkenzwischen den füh­ren den Rationen bestehen. Es gäbe zwei große Gruppen von Rattonen, von denen jede notwendig sei für das Wiederaufleben und die heutigeWelt. Erstens ei notwendig, dasZusammenwirken Englands,Frank­reichs und Deuftchlands, um die Wohlfahrt Europas wieder aufzubauen. Zweitens sei notwendig die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten, Groß- britaniens und Japans, um den Wettbewerb in den Rüstungen zu verhindern und um den Frieden im Stillen Ozean zu sichern. Churchill erklärte, England habe eine äußerst wichtige Rolle bei dem Zustandekommen dieser Kombinationen zu spielen; es müste jedoch in unbedingter Ehrlichkeit und Billigkeit allen gegnüber handeln. Ein Zusammen­wirken zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschlanb würde niemals zustande kommen, wenn England mit Deutschland auf Kosten Frankreichs Freundschaft halte; im Gegenteil: Rur dadurch, daß England Frankreich fühlbar mache, daß eS immer noch fein Freund fei und ein Freund in der Rot, werde England die stetigen Beziehungen für dasDer- trauen in Frankreich und Europa fchaffen.die es in die Lage fetzen würden, die zwischen Deutschland und Frankreich bestehende Spannung zu mildern und eine einträchtige gemeinsame Aktton dieser drei Mächte zu fördern, von denen nicht eine einzige ausgelassen werden dürfe, wenn Europa seinen früheren Reichtum und Ruhm wieder- gewinnen wolle. Gleicherweise könne England keine ftiedliche Zukunft im StillenOzean sichern oder den Rüstungen zur See Einhalt gebieten, wenn cs die wohlerprobte Freundschaft mit Japan beifeite würfe. Es müsse ein größeres Einvernehmen zwischen den drei Seemächten des Sttllen Ozeans zustande- gebracht werden auf der Grundlage gemeinsamer Interessen und gegenseitigen Vertrauens. Churchill erklärte schließlich, er sehe große Hoffnungen auf die Washingtoner Konferenz. Diefe Kon- ferenz bedeute ein wirksames Eintreten der Ver­einigten Staaten in die Verantwortlichkeiten und Schwierigkeiten der Weltpolitik.

Eine internationale Konferenz für Geldfragen.

London, 27. Sept. (WTB.) Das starke Fallen der Mark an der gestrigen Börse findet in der Presse besondere Beachtung.Daily Mail" meldet, daß eine internationale Konferenz für Geldfragen, die von dem Verband gesunder Währung" organisiert worden sei, anfangs Oft in London stattfinden wird, ein Programm der Maßnahmen entwerfen werde, die notwendig find, um die Währungen der verschie­denen länder und Goldstandard wiederherzu­stellen. An der Konferenz nehmen unter anderem

Regierung möglich wäre.

Berit n. 27. Sept. Reichskanzler Dr. W i r th hatte gestern nachmittag mit dem Führer der Deut­schen Dolkspartei Dr. Stresemann eine Be- sprechuna über die Frage der Kabinettsneubildung im ReicA. DerVossischen Zeitung" zufolge find gestern auch die Führer der Zentrumsfraktion des Reichstages beim Reichskanzler erschienen, um die allgemeine politische Lage zu erörtern. Die Sozial­demokraten folgen heute. Heber die Aussichten der Kabinettsbildung äußert sich derVorwärts" nicht gerade sehr hoffnungsvoll. Das Blatt schreibt:Ob eine Verbreiterung der Koalition zustande kommt, ist noch ganz ungewiß. Auch in Intriguen gegen Wirth lassen wir uns nicht ein. Eine Verbreiterung der Koalition kommt nur bann in Betracht, wenn das Kabinett Wirth dadurch gestärkt und nicht geschwächt wird."

Das Krcditangebot und die Beteiligung der Landwirtschaft.

Berlin, 26. Sept. (WB.) Heute trafen auf Einladung des Reichskanzlers die führen- den Vertreter der deutschen Landwirtschaft und landwirtschafllichen Großorganifationen in dec Reichskanzlei zusammen, um die Möglichkeit einer Hnterstützung der von der Industrie und Banken geplanten Aktion für Die Re para - tionsverpflichtungen zu erörtern. Die Erörterung hatte den Charakter einer Vorbespre­chung und wird fortgefeht werden, nachdem sich die Vertreter der Landwirtschaft mit ihren Or­ganisationen inS Benehmen gesetzt Haden.

Bayern nnd das Reich.

M ü n ch e n, 26. Sept. (Wolff) Amtlich wird mitgeteUt: Das Ergebnis der zwischen der baye­rischen Staatsregierung und der Reichsregierung gepflogenen Verhandlungen über den Erlaß der Reichsregierung vom 29 August und über die Aufhebung des Ausnahmezustandes in Bayern wird am Dienstagnachmittag der Gegenstand von Beratungen im Verfassungsausschuh des Land­tags sein. Hm der verfassungsmäßigen Entschei­dung des Landtages nicht vorzugreifen, wurde bisher von der Veröffentlichung des Wortlautes der Abmachungen Abstand genommen. Bedauer­licherweise wurde, da durch eine Indiskretion eine unrichtige Veröffentlichung der Abrn'chun^en er­folgte. der Eindruck ertoedt, als ob nach den jetzt getroffenen Vereinbarungen der Aeichsrninister des Innern selbständig Verfügungen erlassen könne und daß den Landesbehörden das Recht der Beschwerde an den Reichsratsau sschuh ^ftepe. Das ist falsch. Es wurde im Gegenteil tatsächlich vereinbart, daß die Landeszentralbe­hörde allein das Recht zum Erlaß von Verboten hat. Dem Reichsminister des In- | nern ist lediglich das Pecht eingeraumt, an die Landeszentralbehörde das Ersuchen um Erlaß | von Verboten und Beschlagnahmen zu richten.

Ftnanzpolitisch decken sich seine Forderungen mit den deutschen Wünschen, und darum be- , grüßen wir eS, daß die Erkenntnis von der wirtschaftlichen Unmöglichkeit der uns auf­erlegten Bedingungen auf dem Marsche ist.

London, 25. Sept. (Wolff.) In seiner gro­ßen, bruchstückweise schon bekannten Rede in D u n- bev befaßte sich Churchill'nnch Erörterung der irischen Frage mit dem Riedergang des Welthandels, mit dem Bolschewismus und mit der Washingtoner Konferenz.

Churchill sagte dem ausführlichen Bericht der TimeS" zufolge, der Riedergang im Welthandel berühre eng die Lage der englisches» Arbeiterklasse. Die großen Rationen der Well böten augenblicklich ein merkwürdiges pathetisches Schauspiel. Ame­rika, England, Frankreich und Italien alle hofften riesige Geldsummen von einander ober von Deutschland herauszubekommen. Schulden­eintreiben sei eine Hauptinbustrie geworben und nehme in den Köpfen zahlreicher Politiker und in den Parlamenten und sogar in den Dolksmafsen den Hauptplah ein. Wenn alle Schulden und Entschädigungen zwischen Ration und Ration be­zahlt werben würben, dann toürb ejedes ©lau» bigerlanb gejumpte Waren erhalten unb zwar in Mengen unb zu Preisen, bie für den geordneten Betrieb seiner Industrie verhängnisvoll fein wür­den. Infolge der aus diesem allen entstandenen Währungeverhältnisse sei die Kaufk ras t ber Schuldnernationen vollkommen erloschen. Ein Bei­spiel dafür fei der größte Schuldnerstaat Deutsch­land unb der größte Gläubigerstaat Amerika. In Deutschlanb arbeiteten bie Inbustrien inten­siv. Deutschland würbe durch feine Ausfuhr in die Lage versetzt, fast jeden Markt .den es be­schickt, zu erobern. In den Vereinigten Staaten fei die Lage ganz anders. Sie verfügten über Berge von Gold. Der amerikanische Ausfuhr­handel fei jedoch sehr eingeschränkt. Die ameri­kanische Flotte sei ein vollständiger Fehlschlag. In Amerika seien dreimal soviel Erwerbslose wie in England, unb ein Steigen ber Kurve für die Lebenshaltung in ben Vereinigten Staaten werde für die unmittelbare Zukunft angetünbigt Dio Ge^q'nsähe bewiesen die unbebingte Rotwen­digkeit. daß Staatsmänner aller Länder sobald wie möglich zusammenkommen, um sich von neuem diesen Problemen des internationalen Handels zuzuwen­den, damit die Ströme des Angebots und der Rachfrage wieder frei über die Oberfläche der Welt fließen können. England habe versucht, soweit wie angängig. Deutschland eine Möglichkeit zu sichern, seine eigene Wohlfahrt wieder aufgu bauen , mit ber die Wohlfahrt Frank, reichs und Englands so eng verknüpft sei. England habe sich erboten, zu vergeben unb alle Schulden zu streichen, die ihm europäische Rattonen schuldeten, vorausgesetzt, daß England selbst von der geringeren Schuld befreit werde, die es für seine Alliierten bei den Vereinigten Staaten ausgenommen habe. Das Heilmittel liege jedoch nicht in der Hand des eigenen Landes. In dieser Frage seien andere Länder enttcheidender. Sie seien in einer günstigeren Lage als England. Es würde zum Vorteil der Welt sein, wenn alle internationalen Ver­pflichtungen, die aus dem Kriege ent­standen wären, auf praktische Dimen­sionen herabgesetzt und in eine Kategorie für sich gestellt würden. Ob diese jedoch möglich sei oder nicht, unmittelbar notwendig sei ein Mittel­ding von internationaler Währung, das von

finanzen zu beseitigen.

In Heidelberg wurde ein Ausschuß mehreren Mitgliedern eingesetzt, um die Voraussetzungen zu prüfen, unter denen die Mitwirkung der Deutschen Volkspartei bei der

Besprechungen beim Reichskanzler.

Derlin, 26. Sept. Heute vormittag fan­den zwischen dem Reichskanzler und den Führern der Koalitionsparteien Desprechungen statt, in denen Rathe- n a u über die Verhandlungen mit L o u ch e u r Bericht erstattete. Später wurden auch dir Führer der Oppositionsparteienübci die Wiesbadener Verhandlungen informiert Die Besprechungen waren vertraulich. Die Frage einer Regierungsumbildung wurde nicht erörtert. Blättern zufolge findet heute nach­mittag in der Reichskanzlei eine Besprechung der Führer der Koalitionsparteien mit dem Reichskanzler über die allgemeine politische Lage statt. Wie die Blätter glauben, werden Erörterungen über die Verbreiterung der bisherigen Re g i er u n g s k o a li- t i o n im Vordergründe stehen. Heber die Hal­tung der Deutschen Dolkspartei zu der Ver­breiterung der Regierungsbasis berichten meh­rere Blätter, daß die Forderungen der Deut­schen Volkspartei, falls man an sie herantritt, weniger in Personal- oder Ressortforderun- gen, als in der Forderung einer Aufstellung eS sachlichen Programms zur Lösung der ak­tuellen Fragen, namentlich auf finanziellem Gebiete liegen. Man würde sich zur Mitarbeit nur bereit finden, wenn energische Mittel an­gewandt werden, um das Elend der Reichs-

Thurchili über die Entwicklung in der Nachkriegszeit.

Einen Beitrag interessanter Art über daS Programm und die Möglichkeiten der Washingtoner Konferenz hat Herr Ehur- chill, der in außenpolitischen Fragen neben Lloyd George in England den Haupteinfluß besitzt, mit einer ausführlichen, an alle betei­ligten Mächte gerichteten Rede geliefert, die vom Wolfsbureau heute mit Recht noch ein­mal ausführlich mitgeteilt wird. Churchill spricht dabei schon ziemlich offen darüber, daß eS ratsam sei, oie finanziellen FriedenSdiktate auf vernünftige und durchführbare Forderun­gen zu beschneiden. Hm die Wirkung dieses Vorschlags auf Frankreich abzumildern, setzt er sich für ein dauerndes Freundschaftsver­hältnis zu den Franzosen ein. Das kluge Eng­land hält den Finger an den Zünglein zweier Wagen: dem deutsch-französischen Verhältnis und der amerikanisch-japanischen Rivalität.

Strafrechtsreform.

Berlin, 25. Sept. Aus dem Reichsjustiz­ministerium erfahren wir:

Der Wunsch, an ber Rechtsprechung ber Straf ger ichte Laien in weit größerem Umfange als bisher zu beteiligen, erscheint be­rechtigt unb so bringlid), bah er schleunigst unb noch vor ber Durchführung ber gro­ßen Prozeßreform erfüllt werben muß. Diese Erwägungen haben schon vor einiger Zeit bah in geführt, Die Tagegelber ber Schös- fen unb Geschworenen zu erhöhen, um baburch allen Kreisen ber werttätigen Be­völkerung, namentlich ber Arbeiterschaft, bie Teil­nahme an ber Rechtsprechung mehr als bisher zu ermöglichen. In gleicher Richtung bewegt sich ein zur Zeit dem Reichsrate borliegenber Ge­setzentwurf. wonach ben von ben Selbstverwal- tungslörvern in ben Ausschuß für bie Auswahl ber Schössen unb Geschworenen entlaubten Ver­trauensmännern Tagegelber gewährt werben sollen. Ein Gesetzentwurf, ber ben Frauen ben Zugang zum Schöffen- unb Geschworenen­amte eröffnet, liegt, wie bekannt, bereits bem Reichstage vor. In Vorbereitung befinbet sich ein Gesetzentwurf, ber eine Umformung ber Strafgerichte bringt In ben Sachen, in benen bisher bie ausschließlich mit Derufsrichtem be­setzten Strafkammern urteilten, sollen künftig Schöffen mitwirken. Auherbem soll in biet m Sachen, ebenso wie es schon heute gegenüber ben Urteilen ber Schöffengerichte ber Fall ist, bie Berufung zugelassen werben unb auch bie Beru­fungsgerichte sollen mit Schäften beseht werben. Die Wahl ber oben erwähnten Vertrauens­männer soll künftig nach bem gleichen unb ge­heimen Wahlrecht unb nach ben Grundsätzen per Verhältniswahl geschehen. Die Mitwirkung des Landgerichts bei ber Aufstellung ber Zahrcs- (ifle ber Geschworenen soll wegfallen; bie Iahr^- liste soll vielmehr unmittelbar von bem zur Aas­wahl ber Schöffen berufenen Ausschüsse aufge­stellt werben.

Auf bem Gebiete bes materiellen Strafrechts liegen zurzeit bem Reichsrate ber Entwurf eines Iugendgerichtsgesehes unb ber Entwurf eines Gesetzes vor, ber eine Erhöhung ber ®elb- strafbrohungen, eine Ausbehnung des Anwen­dungsgebiets der Geldstrafe und im Zusammen­hang damit eine wesentliche Einschränkung ber kurzzeitigen Freiheitsstrafen voriieht. Beibe Ent­würfe werben voraussichllich in kürzester Zeit im Reichsrat zur Beratung gelangen. In ber Aus- arbeirung begriffen ist ferner ein Entwurf, ber die politischen Strafvorschristen des geltenden Straf­

tet!: Karl Deauchamps, Sir Felix Schuster, Sir Hugh Dell, Sir Georges Pasch, Sir Daniel Ste° venseus.

Unzufriedenheit in Frankreich.

Paris, 26. Sept. (WB.) Heute haben 26 Generalräte ihre Herbsttagungen begonnen Im Generalrat des Departements Somme er­klärte der ehemalige Finanzminster Klotz in seiner Eröffnungsrede: Gegenüber einem Frankreich, das das gemeinsame Heil der freien Völker habe retten wollen, sehen wir ein intaktes Deutschland, das, um sich die Sympathien ber Alliierten Frankreichs zu sichern, demokratische Allüren annehme unb ben Ruin Vorschüße, wäh­rend seine ganze Tradition sich auf eine mili­tärische Revanche richte unb seine Bürger sich bereicherten, ihre Kapitalien fortschafften und außerhall» Güter unb ungeheuren Einfluß er­würben. Dabei vergessen sie, daß der Friedens- oertrag von Versailles Frankreich ein Privlegium ersten Ranges auf die deutschen Werte gewähre, das bis jetzt unausgeführt geblieben fei. Der Abgeordnete Klotz sagte: Deutschland wage augen­blicklich Ben Wunsch nach einer Revision des Frie- densdertrages aus'MsPrechen. Wenn man in Frank­reich nur ein Viertel von bem Eifer, mit wel­chem man den Friedensvertrag kritisierte, darauf verwandt hätte, den Friedensvertrag au-führen zu taffen, bamr würde Frankreich die Wohltaten deS siegreichen Friedens v r püren.

Erster Blatt 171. Jahrgang Dienstag. 27. September 1921

GjchenerAMger

General-Anzeiger für Oberhessen

Kriegsverpflichtungen unbeeinflußt fein würde und wenigstens zeitweilig unb während ber Periode ber Gesundung den Verkauf von Waren zwischen ben Rationen auf einem normalen unb natürlichen Riveau sichern würbe. So wichtig auch bie Konfe­renz fei, bie bemnächst in Washington über die Frage ber Abrüstung ftattfinben sollte, eine Konfe­renz über bie Schaffung normaler Wäh­rungen würbe wertvoller sein unb fei noch bringender. Man bürte vielleicht hoffen, baß sich bie eine aus ber anberen entwickeln werbe.

Hierauf wandte sich Churchill ber sozialisti- fchen, kommunistischen unb bolschewistischen Agitation zu, bie ebenfals große Schuld» baran trage, daß die Gesundung der Welt verzögert werde. Er erörterte weiter bie furchtbare Lage, bie bie Bolschewisten über Ruhlanb gebracht hätten. Trotzki unb Lenin hätten einfach von bem gezehrt, was von dem Regime des Zaren übrig geblieben sei. Sie hätten von dem Geld gelebt, das sie v)n ber

Im Generalrat des Departements Pas de Calais erllärte der französische Botschafter beim Vatikan, Senator Ionnart, der wiederum zum Vorsitzenden gewähll wurde, u. a.: Man hatte erwarten dürfen, daß die fortbestehende Einigkeit der Alliierten Deutschland bie stritte Ausführung seiner Verpflichtungen aufzwingen russischen Staatskaffe oder von ben Rumänen genom- wird. Was zeige sich aber? Die Mäßigung men hätten. Sie hätten von ben Juwelen gelebt, bie I Frankreichs sei nicht nach Wunsch von seinen sie ben Frauen gestohlen hätten, die sie ermordeten. Alliierten anerkannt und sie fei von den Deut- Sie hätten ferner bie Getreibereserven aufgezehri, bie I fchen als Schwäche gedeutet worden. Die militä-