Hf-
V
'i
>
35000 Stimmen gezählt. Die Sozialdemokraten besetzten bisher 61 Mandate, davon 13 neu» erorberte, die Konsewattven erhielten 41 und verloren vier, die Liberalen erhielten 20 und verloren fünf, der Bauernhund bekam 10 und verlor zwei, die Kommunisten und Linkssozia- listen eroberten zwei Sitze.
gur Frage einer neuen Negierungs-Koalition.
Essen, 25. Sept. (Wolff.) 3n der westdeutschen Zentrums Presse nimmt Geschäftsführer Dreddemann, eine führende Persönlichkeit der christlich-nationalen Arbeiterbewegung, Stellung zu der auf Verbreiterung der Regierungskoalition gerichteten Entwicklung der letzten Tage. Er betrachtet die Dinge unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in Preußen und der Person des in den letzten Monaten in der Presse stark angefeindeten Ministerpräsidenten Stegerwald. .Zusammenfassend muh", so heißt es da, Jm Hinblick auf die Vorgänge der jüngsten Zeit festgestellt werden, daß noch selten die Geschichte die Haltung eines klar vorauSsehenden, über die Tagesmeinung sich ergebenden Politikers so schnell und restlos rechtfertigte wie die Stegerwalds. Denn im ®runbe wollte Stegerwald nichts anderes als das, was in den letzten Tagen reifte und jetzt Wirklichkeit werden will; sein unverrückbares Ziel war die cuscncb ge e Zusammmfass trg derKrcfte von links und rechts, aus dem einfachsten Gebot der Staatsnotwenoigkeit heraus. Den Leitgedanken, die er in seiner bekannten programmatischen Rede aui dem Essener Kongreß der christlich-m Gewerkschaften so klar bezeichnete, wurde er dabei keinen Augenblick untreu.“ Der Artikel wendet sich dann scharf gegen die erwähnten Angriffe, wobei insbesondere die linksstehende Presse an- gezogen wird. Am Schluß wird gesagt, daß durch Die geschilderte Entwicklung das Vertrauen der hinter Stegerwald stehenden Millionenbewegung einen neuen starken Antrieb erhalten werde.
Die Sozialdemokratie und der Reichskanzler Dr. Wirth.
Görlitz, 24. Sept. (Wolff.) In der Schlußsitzung des sozialdemokratischen Parteitages erklärte Wels in einem Schlußwort u. a.: Wir machen kein Hehl daraus, daß Reichskanzler Wirth für die sozialdemokratische Arbeiterschaft und weit über unsere Kreise hinaus in den linksstehenden Parteien heute der einzige populäre bürgerliche Politiker ist, den es in Deutschland gibt. Die sozialistischen Parteien werden ihm nicht vergessen, daß er als bürgerlicher Kanzler den Kampf gegen die Reaktion ausgenommen und das mutige Wort ausgesprochen hat. daß er im Kampfe für die Republik auf der Seite der Arbeiter stehen werde. (Lebhafter Beifall.) Wer glaubt, daß unsere Partei Handlangerdienste leisten wird jenen, die den Kanzler um ihrer egoistischen Ziele willen beseitigen wollen, der hat seine Rechnung ohne die sozialdemokratische Partei gemacht. Wels betonte noch die Rotwendigkeit der Einigung aller Arbeiter. — Die Wahl des Ortes des nächsten Parteitages wurde dem Patteivorsiand überlassen.
, 7W TT*
Deutsch-dänische Luftfahrtkonvention.
» Kopenhagen, 25. Sept. (Wolff.) Am 2c. d. M. findet in Kopenhagen eine Konferenz von Vertretern der deutschen Regierung mit dänischen Delegierten über den Abschluß einer deutsch-dänischen Luf tf ahrt- kvnventi on statt, durch die die Luftverbindung zwischen Dänemark und Deutschland gesichert werden soll. Auf dänischer Seite nehmen an den Verhandlungen u. a. der Vorsitzende der Luftfcchrtkvmmission Generalsekretär Hollnagel-Zensen, und Vertreter des Ministeriums des Auswärttgen teil; der deutschen Delegation gehören u. a. Wirkl. Lega- tionSrat Dr. Koepke und Geh. Regierungsrat v. Lewinsky an.
Gießener Konzertverein.
Eonderkonzert Szigeti.
Gießen, 25. <3et>t. 1921.
Musikalische Ereignisie, die so recht Gottesdienste der Seele darstellen, verlleren häufig durch die Schilderung. Das profane Wort ist zu unmusikalisch gewertet, um solche unmittelbaren Eindrücke restlvs wiedergeben zu können. Es soll ein Vermittler sein und wird oft — eine Schranke.
Solche Gedanken mußte das Sonderkonzert des Konzertvereinö wachrufen, fürwahr ein »besonderes" 'Konzert, das auch rein äußerlich eine besondere Rote durch den orkanartig wachsenden Deifall erhielt, der selbst durch gern gewährte Zugaben kaum beschwichtigt werden konnte. Es genügt jedoch nicht, fest zu stellen, daß hier ein überragender Meister seines Instrumentes außerordentliche Triumphe feierte, sondern es muß mit allem Rachdruck ausgesprochen werden, daß Prof. Joseph E z i g e t i einer der allergrößten lebenden Geiger ist, die man wohl bequem an den Fingern herzählen kann. Eine Analyse und Bewertung seiner stupenden technischen Qualitäten schiene fast Entweihung: Eire derartig von Geist und 'Energie beherrschte Technik wirkt wie ein Geschenk 'des Himmels. DaS Bewußtsein solcher Gabe, und der Wille, die Verpflichtungen zu erfüllen. die daraus erwachsen, erzeugen das Wunder, besten wir teilhaftig werden. »An das Göttliche glauben die allein, die es selber sind." Die Bedeutung des ganz großen Künstlers beruht auf der ^leberwindung der Virtuosität durch die Persönlichkeit und auf seine ethischen Eigenschaften. Darum wird auch jede große Kunstleistung zur Ausstrahlung einer festumristenen Individualität Das Wort »Interpretation" hat dafür keine pulsende Farbe: es klingt hier wie eine Phrase. Dachs ll-ciuc-Partita, eine der kostbarsten Perlen aus dem kleinen Kranze der Solollteratur für Violine, wurde in dem impulsiven Racherleben Szi- getiS geradezu zum Selbstbekenntnis, zur Offenbarung, die alles Zeilliche abgestreift hat. Mochte man — für Augenblicke wenigstens — durch die fast unglaublich scheinende Dogentechnik, durch die
Aus Stabt und Land
Gießen, den 26. Sept. 1921.
La
tag
Pharm,
I
holte Vorstellung des Kreisdirektors Dr.Wallau ist es den Bemühungen des hiesigen Kreis- delegietten gelungen, das für alle Reisenden so ästtge Aussteigen aus den Zügen und das Passieren der Zollschranke am Bahnhof Groß- Gerau zu beseitigen.
Meinung
Mir Friedrich aus dem
ist-
aber tarnen die wundervollen Verse Schlegels die ganze Rächt nicht mehr Sinn, die Schumann als Motto über
weiterberaten.
Aus dem besetzten Gebiet.
Milderung der Zollschikanen.
fpd. Groß-Gerau. 25. Sept. Auf wieder
Paris, 24.Sept. (WB.) Die HavaSagentur veröffenllicht eine Mitteilung zu den Angriffen auf die Propaganda für die deutschen Bäder, in der es u. a. heißt: Aus einer Untersuchung, die der französische Oberkommissar in den Dheinlanden auf Verlangen der Kanzlei des Ministerpräsidenten angestellt hat, geht hervor, daß die Befürchtungen der ftanzösischen Bäder tatsächlich übertrieben sind. Die ftanzösischen Touristen sind entweder durch die An- wesenhett von Freunden und Derwandten innerhalb der ftanzösischen Desatzungsarmee oder durch die vorläufigen Kursverhältnisse oder endlich durch.die Wagnersaison in Wiesbaden nach den Rheinlanden gezogen worden.
iall im ®la8 Dinkor 6ut W betonte 3lbted)t» arbeit an te tsagte. Land vor, dah im Sevrdnetenha timen «mm surter QM
Herbsttag.
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sahk Die Luft ist still, als atmete man kaum, Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah. Die schönsten Früchte ab von jedem Baum. O stört sie nicht, die Feier der Ratur! Dies ist die'Lese, die sie selber hält. Denn heute löst sich von den Zweigen nur, Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
(Friedrich Hebbel.)
4 Wettervoraussage für Dienstag:
Wolkig, vorwiegend trocken, kühl, besonders nachts, Winde aus nördlichen Richtungen.
Das Hochdruckgebiet hat sich wieder über England zusammengezogen. Heber Südeuropa breitet sich tiefer Druck aus. Für Morgen ist mit Bewölkung und Abkühlung zu rechnen.
Mme Ida ^bendslunb beleucht« "-i M e btt Sturzes
Ein leiser Ton gezogen
Für den, der heimlich lauscht."
Ans so blieb auch hier eine wundersame Beziehung zu Szigetis Spiel, zur klingenden Seele, des Meisters. H. R.
Eröffnung der Frankfurter Messe.
mc. Franrfurta. M.» 25. Sept. Bei strahlendem Herbstwetter wurde heute vormlltag die 5. Frankfurter internationale Messe, von über 7000 Ausstellern beschickt, eröffnet Direktor Otto Ernst Sutter begrüßte in der Rotunde der Festhalle die Vertreter der Tages- und Fachpreffe, wobei er auf das Wachsen der Frankfurter Messe und ihre umfangreichen Bauten hinwies. Rach einem Rundgang durch die Meßhäuser, die stärksten Besuch aufwiesen und gleichzeitig zeigten,' daß viele Geschäfte abgeschlossen wurden. Der*
Art einer trotz gelegentlicher stärkerer Gefühlsausbrüche durchweg lyrischen Ratur widerspiegelt, von nun an öfter im Konzertsaal auf tauchen wird. Eher noch werden vielleicht das Klavierquartett op. 6 und das Klavierquintett op. 15 sich wieder einführen lassen. Götz wird vor allem in seine Vertonung von Schillers Ränie (für Chor und Orchester) und in seiner Oper »Der Widerspenstigen Zähmung", weiterleben, die wohl am deutlichsten — mag man sie auch, halb mit Recht, halb mit Anrecht, die kleinen Meistersinger genannt haben — seine trotz der gefährlichen Ruhe Wagners merttoürbig selbständig scheinende Individualität erfennnen läßt. Die Beurteilung des Violinkonzertes wurde übrigens m. E. wesentlich dadurch erschwert, daß unmittelbar darauf die ungemein rassigen slavischen Tanzweisen Dvoraks (in der Dearbeitungg Kreihlers) folgten, die Den Szigeti mit blutvollster Wärme und ebenso unerhört meisterhaft gespielt wuden wie das raffiniert schwierige Kabinettstückchen seines Lehrers Hubay: Zevyyr, das mit dem ätherischen Zauber der Flageolettöne ein entzückendes Spiel treibt
Herr Eduard Zuckmaher, der Szigeti durch seine geschmackDolle, stilsichere Kultur der Begleitung aufs vorteilhafteste unterstützte, erwies sich in der Darbietung von Schumanns Phantasie op. 17 als eigenartiger musikalischer Charakterkopf. Besonders in dem leidenschaftlichen ersten Sah, der tiefen Klage um Klara, und in dem innigen Gebet des langsamen Satzes (C-dur "/,) tarnen die bedeutsamen Vorzüge des hochbegabten Pianisten, der so versonnen den Lyrismen nach- zuträumen weiß, zur rechten Geltung. Man vergißt darüber gern, daß man selbst hier und da in Temponahme und Rhythmisierung anderer
schlackenlos reine Intonation, durch die mühelose Bindung im polyphonen Spiel in Bann geschlagen sein — der wunderbar Weiche, singende und doch so herrlich volle Ton, den der Künstler, selbst in den schwierigsten Doppelgriffpassagen aller materiellen Härte und Rauheit bar, aus dem verwunschenen Holze hrrvorzauberte, erweckte daS innerlichste Geheimnis, das eigentlich Lebendige, Klingende der Musik: ihre Seele. Seele, die sich an Seele entzündet I Da hätte man wahrlich dem Künstler am liebsten die Worte Grillparzers zu- genrfen: „Richt Körper, kaum noch Ton, — ich höre deine Seele I" War es Zufall, war es Absicht (vielleicht unter dem Zeichen der Händel- renaissance, die gerade durch die Wiederbelebung der Opern H.'S vielleicht immer noch kaum zu überblickenden Einfluß auf die. Entwicklung der deutschen Musik haben dürfte),' daß Prof. Szigeti unmittelbar vor Bachs Partita in t die prachtvolle, monumentale E-dur-Sonate Händels in außerordentlich plastischer Gestaltung und der ihm besonders eigenen freien Rhythmisierung spielte? Zedensalls wurde die Gegensätzlichkeit der Welten der beiden großen Zeitgenossen aufs sinnvollste dokumentiert: Händel, vor dem alles lebendig ward, der durch sich die darzustellende Idee, D"ch, der — oft vollkommen Mystiker — in seinem Werk sein Gefühl, sich selbst gab!
Mit ganz besonderer Spannung mußte im Laufe des Konzertes, das u. a. noch das weitgespannte Melos eines largo des heute noch auffallend bedeutend wirkenden alten Italieners Beracini, die liebenswürdig anmutige Sicilienne und Rigaudon von Franc, rur (in Der Bearbeitung Kreihlers) brachte, der Versuch, das Violinkonzert von H. Götz wieder zu erwecken, erwartet werden. Das in einem Sah komponierte Werk ist sehr dankbar für die Violine geschrieben und wurde von Herrn Szigeti, der in Herrn Eduard Zuckmaher einen sehr stilvollen, feinmusikalischen Partner am Flügel hatte, mit der ganzen verschwenderischen Fülle seiner großen Kunst und I seines Temperamentes dargeboten. Ich hege jedoch gelinde Zweifel, ob dies op. 22, welches überall die vornehme, manchmal geistteiche pointierte
bell 'SÄ. Aestchl W
sW
ii-».
6d ?.f! ? 35$ «*
WS >ne -k Hess W und M dass der Duch. xradwonen w Mrkbund zu « »asaMikNgeM Untersuchung faantfurter K« Ausbau mti d« Ob* fern ter aufs neue tent Franffurter M Dirtschaftsgeb'e iireüot öonOd tretet der ©Iwtoüw ■ WM W vrtzaMinnL V Has sei der 1 trag, lilnn daran vorbei, dem Frankfur sailler Friede! trage hätten t mit ter anbei mcili die Olk haben wir ein müssen, ohne I ater nicht 0p. tei Stauben । JotLS nii)t K unsere wutscht gM sehe mar Die aus den Ä
W Derir sterS wandte den Lvrwurs Hantelsministi genügendes 3
Recht her dische Venera Messe, währen Vilenbahnen 1 arbeiten zwisch
Aus dem Reiche.
Verhaftung eines kommunistischen LavdtagS- obgeordneten.
Berlin, 24. Sept. (Wolff.) Der frühere verantwortliche Redakteur der kommunistischen „Roten Fahne", Landtags abgeordneter Werner S ch o l e m, ist heute im Wartesaal des Anhalter Bahnhofes fest genommen und dem Polizeigefängnis zugeführt worden. Scholem war fett Juni 1921 flüchtig. Vom AmtSgerickt Berlin-Mitte war am 4. Juni ein Haftbefehl gegen Scholem wegen dringenden Verdachts des Hochverrats erlassen worden, nachdem der preußische Landtag die straf- rechlliche Verfolgung genehmigt hatte.
Englische Rauhbeine.
Berlin, 24. Sept. (Wolff.) Ein Zwischenfall ereignete sich heute nacht im Köln—Berliner v-Zuge. Laut „B. Z." erhielten vier englische Offiziere in Köln, da kein Schlafwagenabteil mehr frei war, die Erlaubnis, zwei Abteile erster Klasse zu benutzen. Als auf der Fahrt der Zudrana von Reisenden 1. Klasse immer stärker wurde, wurden die Offiziere von den Zugbeamten ersucht, gemeinsam in einem Abteil Platz zu nehmen. Die Beamten wurden aber von den Engländern hinausgeworfen. Als in Bochum der Zugführer die Offiziere darauf aufmerksam machte, daß sie eventuell die entsprechenden Fahrkarten zur Benutzung der zwei Abtelle nachlösen müßten, sprang ein Offizier auf ihn los und setzte chm den Revolver auf die Brust. Der Beamte entriß dem Angreifer die Waffe und lieferte sie an den Fahrdienstleiter ab. In Essen forderte ein Beamter der Schutzpolizei die Engländer auf, den Zug zu verlassen, aber auch sie wurden von den Offizieren beschimpft. (Srft als die Beamten das Gepäck der Engländer aus dem Abteil herausgenommen hatten, verliehen diese den Zug. Ihre Aamen sind festgestellt worden.
Die Larisverhandlungen im Duchorucker- gewerbe.
D e r l i n, 24. Sept. Die unter Vorsitz des Regierungsrats Dr. Brahm im R e i ch s - A r- bettsministerium geführten Verhandlungen über die Tariffrage im Buchdruckergewerbe haben spät nachmittags ihren Abschluß gefunden. Die Unternehmer machten das Angebot, für die höchste Klasse der Gehilfen vom 1. Oktober ab 355 Mk., vom 15. November ab 380 Mk. wöchentlich mit entsprechenden Abstufungen für Ledige und für Orte mit niedrigeren Lokalzuschlägen zu zahlen. Dieser Vorschlag wurde von der Gehilfenschaft angenommen. Heber die Einzelheiten der Teuerungszulagen wird erst Montag vormit
* Auszeichnungen bei der Eisenbahn. Die Beamten verschiedener Dienstklassen der Reichsbahn erhalten als Auszeichnung das Recht, besondere Abzeichen in der Form von Schnüren ober dergleichen an der Dienstkleidung zu tragen. Wegen der Abschaffung der Orden und Ehrenzeichen waren Zweifel entstanden, ob das Recht zum Tragen solcher Dienstauszeichnungsschnüren u. bergt noch verliehen werden könne. Der Reichsverkehrsminister will sie aber nach wie vor zulassen, da es sich um Uniform- abzeichen handelt. Es soll aber die Dienstkleidung bei der Reichsbahn demnächst einheitlich vorgeschrieben werden. Besondere Desitzzeug- nisse sind nicht mehr auszustellLn.
•* Gericht undKleingeldhamsterei. Gegen die Zurückhaltung von Kleingeld will fetzt auch die Iustizverwaltung auftreten. Das bekannte Merkblatt des Reichsfinanzministeriums über die Schäden der Kleingeldhamsterei soll in den Geschäfts- und Kassenräumen der Gerichte ausgehängt werben. Die Iustizbeamten, insbeson- bere bie Kassenbeamten, sollen bas Publikum über bie Zwecklosigkeit und Sachlichkeit der Kleingeld- hamsterei aufklären helfen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag: Oswaldsgarten, Schaumesse. — Lichtspielhaus: heute „Miß Venus", ab morgen bis Donnerstag einschl. „Das Milliardentestament".
— „Der Wert der Wärme für die Erhaltung des Sehend und zur Heilung von Krankheiten". lieber dieses Thema toirb Dr. med. Winsch aus Berlin am Freitag, 30. September, im großen Saale des Hotels Einhorn einen Vortrag halten. Dieser Vortrag wird, wie uns geschrieben toirb, wertvolle Winke geben und zwar für Gesunde wie auch für Kranke und zeigen, wie man bie zum Leben wichtige Wärme (die oft mangelt) erzielt.
Kreis Büdingen.
ba. Büdingen, 26. Sept. In dem benachbarten Rinderbügen geriet am Freitag eine Scheuer in Brand, der auf das Wohnhaus und die benachbarten Hofreiten überzugreifen drohte. Die Ortsfeuerwehr beschränkte den Brand auf seinen Herd, f« daß auswärtige Hilfe nicht nötig war.
Kreis Friedberg.
* Friedberg, 25. Sept. Samstag vormittag wurde an der Hanauer Sttecke an der Assenheimer Drücke der Bahnwärter Steinmeher im dichten Nebel vom Frühzuge überfahren. Er war sofort tot.
Starkenburg und jtheinhessen.
rm. Darmstadt, 24. Sept. Die hessische Handwerkskammer zu Darmstadt trat gestern im Rathaussaale unter Vorsitz des Geh. Gewerberat Falk- Mainz zusammen. Heber die Tätigkeit des Vorstandes erstattete Syndikus Schüttler einen eingehenden Bericht. Die von Vorstandsmitglied Weber vorgetragene I a h - resrechnung bringt in Einnahme Mk. 188 021, in Ausgabe Mk. 187 423, also einen Heberschuh von Mk. 528. Vorstandsmitglied Decker-Gie- h e n teilt mit, daß über die absolut notwendige Verbesserung im Bergebungswesen zur Zell Verhandlungen mit der Regierung schwebten, die hoffentlich Don gutem Erfolge seien. Oberbaurat Wagner erklärt, dah das jetzige Verfahren bei der Preisermittlung im Verdingungswesen nicht befriedige. Es sei durch bas Ge-
dieses sein — außer dem Klavierkonzert — wohl genialstes Werk für Klavier gesetzt hat:
..Durch alle Töne tonet,
d Im bunten Erdentraum ,
• Ilmenau, dieThermometerstadt. Hns wird geschrieben-: Die Thüringer Haus- und. Feinindustrie ist von einer Mannigfaltigkeit, tote man sie auf so verhältnismäßig flelnem Raume- wohl in ganz Deutschland nicht mehr antrifft. Es ist insbesondere das landschaftlich so bevorzugte; Gebiet des Thüringer Waldes, daS eine überaus emsige Industrie auftoeift, die zum großen Teile Weltruf erlangt hat. Was wird hier nicht alles, in vorzüglicher Güte hergestellt: Schiefertafeln und Schieferstifte, Lampen, Jagdgewehre, optische und chirurgische Instrumente. Bandagen, Glasaugen^ Christbaumschmuck, Puppen, Tabakspfeifen, Porzellan, Spielzeug, Holzwaren, Korbmöbel, photographische Artllel usw. Es gibt Dörfer und Dörfergruppen. die nur einen ganz bestimmten Artikel Herstellen, diesen aber in bester Vollendung und in größtem Hmfange. Zu diesen Besonderheiten gehört auch die Herstellung feiner Glasinstrumente. Feinmechanischer Geräte und elektrischer Meßgeräte. Ilmenau, die alle Wei- marische Dergstadt. die sich neuerdings zu einem der belebtesten Thüringer Waldbäder entwickelt hat, betreibt als Spezialität die Therrnorneter- inbuftrie. Hier befindet sich auch eine Thermometer-Fachschule und Prüfungsanstall. Es zeugt von dem großen Hrnfang dieser Industtie, daß kürzlich bei einer einzigen Firma auf einmal 75 Kilogramm Quecksilber gestohlen werden konnten. Auch das Ilmenauer Notgeld toirb diesem eigenartigen Thüringer Ertoerbsztoeig gerecht. Thermometer werden auch in einigen anderen Thü- ringertoalborten hergestellt, so in Lichtenhain ISchw.-R.) und in Neustadt a. R. Es ist fein Zufall. daß gerade Ilmenau zu einer namhaften Wetterzentrale geworden ist: es hängt dies Diel-, mehr ganz mit der Eigenart seiner Industrie zu-- sammen.
samtminiflerium eine Neuregelung vorgesehene über die jetzt Verhandlungen schwebten. Syndikus Schüttler berichtet dann über Verwaltunas- Angelegenheiten. Dann wird die Erhöhung Der Prüsungsgelder für Gesellenprüfungen Don 15 Mark auf 30 Mark, der Meisterprüfungen Don 75 Mark auf 100 Mark vorgeschlagen. Die Prü- fungsstücke können jetzt auch am Wohnort des zu- Prüfenden J>ergefteÖt werden. Die Schornsteinfeger sollen aber alle am Sitz des Verbandes in Mainz geprüft werden. Die Prüfungsmeister sollen ebenfalls erhöhte Gebühren erhallen. In der Aussprache kommen von verschiedenen Seiten Mißstände, die bei der Herstellung der Prüfungsstücke bestehen, zur Sprache, und es toirb in Zukunft viel strengere Kontrolle gefordert. Die ge- gemeinsame Feier bei Verteilung ber Gesellen- unb Meisterbriefe toirb wegen ber Kosten von einer Seite beanstandet, doch wies ber Vorsitzende barauf hin, welchen erhebenben Eindruck eine derartige schlichte Veranstaltung als bauernbe Erinnerung hinterlasse. An ber Aussprache beteiligen sich Rohl-Darmstadt, ber Vorsitzende, Kiefer-Darmstadt, Berger-Beerfelden, Heil-Fr. Crumbach, Pilger - Offenbach, Klingelschmibt- Mainz u. a. und toirb der Vorstand den Beanstandungen größte Aufmerffamkeit widmen. Zu dem Puntte Lehrlingswefen und Revision ber ^Betriebe berichtet Synbikus Schüttler. Mit' Rücksicht auf bie Einwirkung des Achtstundentages wird eprpfvhlen, bie Lehrzeit für solche Gewerbe, bie durch ihre zentralen Organisationen entsprechenden Antrag stellen, von 1922 ab auf 3Vz Jahre zu erhöhen. Dem QInAag wird zugestimmt. Heber den Achtstundentag uno die N ben- arbeit berichtet bann Synbikus Schüttler ausführlich, wobei er auf die Verhandlungen eingeht, die mit dem Reichsverband des Deutschen Handwerks bezüglich ber Revision bes Gesetzes gepflogen worden sind, unb beren Erfolge. Die Tätigkeit ber Handwerkskammer zur Beseitigung ber Schäden, welche die „Nebenarbeit" bringt, wird bargelegt. Zum Schlüsse sprechen Direktor P a e ch und Mitglied Weber über bie Ber- bingungsstelle ber Hessischen Hanbwerkerzentrall genossenschaft.
Hessen-Nassau.
Die kirchlichen Wahlen.
Frankfurt a.M., 25.Sept. Die Wahlen für die verfassunggebende Kirchenversammlung der Evangelischen Landeskirche Frankfurt a. M. fanden heute unter starker Beteiligung statt. Sie boten leider ein beschämendes Bild der inneren Zerrissenheit der evangelischen Kirche; denn in dem Wahllampfe, der zuletzt schärfere Formen zwischen den Kirchlich-Positiven und Liberalen angenommen hatte, standen sich nicht weniger als neun kirchlich« Wahlgruppen und -grüpppchen gegenüber. Das Ergebnis der Wahlen, das ganz ungewiß ist, da bisher eine Kräftemessung zwischen den einzelnen Parteien bisher nicht statt- gefunden hat, dürste vor Dienstag nicht festgelegt sein.
fpd. Frankfurt a. M.. 25. Sept. Die Kriminalpolizei deckte hier schwere Verfehlungen, die sich D a h n p o st s ch a f f n e r wäh< rend der Fahrt zu Schulden kommen ließen, auf. Die ungetreuen Beamten warfen während der Fahrt aus dem Postwagen, wenn sie sich einem bestimmten Punkt in der Nähe Frankfurts näherten, Pakete mit Zigaretten^ und anderen Sachen hinaus. Die Pakete tour»1 den von Helfershelfern in Empfang genommen, ihr Inhalt dann in Wirtschaften und an andere Hehler verkauft. In der Diebstahls- affäre, die bereits seit Jahr und Tag spielt, wurden mehrere Verhaftungen vorg^nommen.


