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Nr. 171

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Vorschrift 20 Aufjcklag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. 31 einhold Fenz; für den Anzeigenteil: Hana Deck, sämtlich in Bietzen.

Elftes Blatt 171. Jahrgang Montag, 25. Juli 1921

Mjwv« zj, A. Jk A Annahme von Anzeige,

W W für die Tagesnummer

GlehenerAnzelger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Memel und der polnisch- litauische Konflikt.

Don Dr. Paul Fleischer, M. d. R.

Dor einigen Tagen hat die Stadtverord- netenversammlung von Memel eine Entschlie- ßung angenommen, in der sie den Wunsch aussprach,das memelländische DollStum in einem selbständigen Staatsgebilde zu erhal­ten". Die Resolution wurde dem französischen Oberto mm isssar PetiSne mit der Bitte über­reicht, sie befürwortend an die Botschafter­konferenz weiterzuleiten. Gleichzeitig richtete die Stadtverordnetenversammlung an die alli­ierten Hauptmächte das Ersuchen, über das Memelland nicht ohne Hinzuziehung seiner be­rufenen Vertreter zu entscheiden. Anlaß zu die­sem Dorgehen gaben die Derhandlungen, die zwischen Polen und Litauen in Brüssel unter Dorsih von Hymans, dem Präsidenten des DölkerbundeS, vom April bis zum 3. Juni d.Z. geführt wurden. Die Konferenz sollte in erster Linie sine Einigung in der vielumstrittenen Wilna-Frage erzielen. Die Litauer bean­spruchen nämlich Wilna als Hauptstadt ihres neuerstandenen Freistaates. Die Warschauer Regierung dagegen will das Wilnaer Gebiet der polnischen Republik angliedern. Wie Kor- fanth in Oberschlesien, versuchte der polnische General Zeligowsii durch einen Handstreich in Wilna vollendete Tatsachen zu schaffen. Hy­mans lehnte jedoch ab, Vertreter der Zeli- gowsiiregierung als gleichberechtigte Konfe­renzmitglieder in Brüsiel zuzulassen, da das von polnischen Truppen okkupierte Wilnaer Land nur als passives Verhandlungsobjekt in Betracht kommen könnte. Der Rat des Völker­bundes bestand demzufolge auf den Rückzug der Truppen Zellgowskis aus Wilna und for­derte die Bildung einer Miliz, die sich aus der einheimischen Bevölkerung rekrutieren und an Stelle der Zeligowskiramee treten sollte. Da sich die Warschauer Regierung auf diese Bedin­gungen des DölkerbundeS nicht einließ, wurden die Derhandlungen zwischen Litauen und Polen erfolglos abgebrochen. Zwischen beiden Staaten macht sich infolgedessen eine wachsende Spannung bemerkbar. Zeligowsii will Wilna nicht verlassen und weigert sich, Landlagswah­len auszuschreiben. An der polnisch-litauischen Demarkationslinie ist es bereits zu Plänkeleien gekommen. Purycki. der litauische Außenmini­ster. bemüht sich, die Stellung Litauens dadurch zu festigen, daß er in Riga über ein Bündnis mit Lettland und Estland verhandelt.

Don diesem Konflikt, der sich ebenso wie die oberschlesische Frage zu einer europäischen Krisis auswachsen kann, wird auch Memel be- rühtt. Askenazy, der polnische Vertreter beim Völkerbund, hat sich nämlich darüber beschwert, daß Litauen kein einziges polnisches Schiff auf dem Memelsttom passieren läßt und auf diese Weise die Holzausfuhr aus Polen und dem Wilnaer Gebiet unmöglich macht. 3m Anschluß daran erklärte er, daß die Entscheidung über das Memelland keinesfalls ohne Polen getrof­fen werden dürfe. Demgegenüber reklamierte Galvanauskas, der Führer der Kownoer Dele­gatton, das Memelland für Litauen.

Präsident Hymans gab in der 9. Sitzung am 20. Mai d. Z. der Hoffnung Ausdruch daß eine endgültige Verständigung zwischen Polen und Litauen erzielt werden möchte und sagte wörtlich:Och zweifle nicht, daß eS möglich sein wird, gleichzeitig die Frage der Zuteilung des Hafens von Memel zu re­geln." On der 12. Sitzung am 25. Mai d. Z. erläuterte er diese Bemerkung dahin, daß er die Möglichkeit einer Onitiative des Völker- bundrateS bei den alliierten Hauptmächten in Aussicht stellte, wenn sich Polen und Li­tauen über das Schicksal Memels verstän­digten.

Man begreift, daß diese Brüsseler Ver­handlungen die memelländische Bevölkerung mit nicht geringer Besorgnis erfüllen. Der Deutsch-Litauische Heimawund hat sich des­halb veranlaßt gesehen, eine Erklärung abzu­geben, derzufolge er jeden Versuch, das Me­melgebiet gegen den fast einmütigen Willen der Bevölkerung einem der ihm wesensfrem­den, noch unfertigen und ungefestigten östlichen Staatsgebilde anzuschliehen oder gar einzu- verleiben, als eine nicht zu rechtfertigende Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes so­wie als eine Bedrohung und schwere Schädi­gung der memelländischen deutschen Kultur betrachtet. Getteu seinem bei der Gründung aufgestellten Programm, dem die überwie­gende Mehrheit der Bevölkerung anhängt, fordert er demgegenüber völlige Selbständig­keit für das Memelgebiet. Das deutsche Voll steht einmütig und geschlossen hinter diesem Verlangen der memelländischen Devöllerung und erwartet, daß auch die deutsche Regie­rung in demselben Sinne bei den alliierten Hauptmächten vorstellig wird.

'

Der Meinungsaustausch zwischen Paris und London.

Paris, 23. Zuli. (Wolff.) Ha das mel­det unter dem 22. 3uli abends:: Der Meinungs­austausch zwischen Paris und London be­züglich des Verfahrens, das einzuschlagen wäre, um die oberschlesische Frage zu losen, dauert an. Der französische Botschafter in London hat am Donnerstag Lord Curzon die Ant­wort .Briands auf fein letztes Schreiben mitge­teilt. 'Lord Curzon hält an der britischen These fest: Sofortiger Zusammentritt des Obersten Rates (ohne vorherige Sachverstän- digensihung), der beurteilen soll, ob die Ent­sendung von Verstärkungen nach Oberschlesien an­gebracht fei. Curzon gab zu verstehen, das) die Konferenz nicht vor Anfang August stattfinden könne, da das Harstst der italienischen Re­gierung augenblicklich in Rom zuruckgehalten sei. Die Antwort Curzons stützt sich vor allem auf die von den drei Ententevertretern in Oberfchlesien an den Botschafterrat ge­sandte Rote. 3m Fvreign Office ist man der Auf­fassung, daß die drei Kommissare der Alliierten vor allem eine unverzügliche Sitzung des Obersten Rates verlangen und datz sie die ^.-rftärtungen nur für den Fall anfordern, daß der Oberste Rat das Schicksal Oberschlesiens bereits fest­gelegt hat.

Roch heute abend wurden neue Onstruk- t i o n e n an St. Aulaire telegraphiert, damit er bei der englischen Regierung auf der Rotwendig­keit bestehe, vor der Einberufung des Obersten Rates 1. Verstärkungen nach Oberschlesien zu senden, um die Durchführung des Spruches der Alliierten zu sichern, 2. sofort einen S a ch v e r - ständigenausschuh einzuberüfen, der die technische Seite der Frage prüfen und einen Bericht vorbereiten soll. Havas fügt hinzu, am Quai d'Orsay erblicke man in der Rote der drei Oberkommissare an den Dotschafterrat vor allem den Wunsch, daß möglichst bald Verstärkungen in Oberschlesien eintreffen sollten, da diese Rot­wendigkeit von Tag zu Tag dringender werde. Die Lage in Oberschlesien fei in der Tat sehr ernst und drohe ungewiß zu bleiben, bis endlich eine Lösung gefunden werde. Die Streitkräfte, über die die Onteralliierte Kommission in Op­peln verfüge, seien ungenügend, und zwar nicht nur, um Liner etwaigen Erhebung vorzubeugen, sondern auch, um die Ordnung in dem sogenannten Abstimmungsgebiet aufrecht zu erhalten. Wenn man also mit der Entsendung von Verstärkungen noch weiter warte, werde die Rotwendigkeit dazu nur immer gebieterischer werden.

Das fei in kurzen Worten meint der Havas-Dericht der allgemeine Sinn der Rote der drei Kommissare in Oppeln. Die französische Regierung dürfe demnach wohl das Recht haben, daraus die bekannten Schlußfolgerungen zu ziehen. Der französische Botschafter In London werde dem Foreign Office weiter noch mitteilen, dah der französische Botschafter in Berlin gestern abend veranlaßt worden fei, bei der Reichsregierung einen diplomatischen Schritt zu unternehmen, um sie erneut zu ersuchen, alle Vorbereitungen zu treffen, um gegebenenfalls den Transport der französischen Division nach Oberschlesien durch­führen zu können, die bereits marschbereit set.

London, 22. Zuli. (Wolff.) Die .West­minster Gazette schreibt zu dem franzö- sischen Vorschlag betreffend die Entsendung wei­terer Truppen nach Oberschlesien, es sei zweck­los, weitere Truppen zu schicken, wenn es wahrscheinlich sei, daß die Alliierten oder einige von ihnen auf einen polnischen Aufruhr gegen die getroffene Entscheidung mit Wohl­gefallen blicken würden, wenn nicht gar mit Beifall, so wie einer von ihnen mit Wohlgefallen auf den polnischen Aufruhr geblickt habe, der bei der bloßen Aussicht auf eine unerwünschte Regelung ausbrach.

Paris, 24. Zull. (WTB.) Havas. Der britische Geschäftsträger stattete am Rachmittag dem Generalsekretär des Ministeriums des Aeußern, Philippe B e r t h e l o t, einen Be­such ab. Die Besprechung betraf den zur Regelung der oberschlesischen Frage einzuschlagenden Ge­schäftsgang. Cheetam legte abermals die von Lord Curzon bei der Besprechung am 21. Zuli gegen­über dem Grafen de 6t Andliare vorgebrachten Argumente dar. Dr. Berthelot erllärte, er sei beauftragt, auf der Rotwendigkeit einer unver­züglichen Absendung von Verstär­kungen zu bestehen.

Der italienische Standpunkt.

Rom, 23. Juli. Eine offiziöse Rote des M e s s a g e r o" stellt fest, dah Otalien unbe­dingt die sofortige Entscheidung in Oberschlesien durch den Obersten Rat be­fürworte, wodurch allein eine Pazifikation her­beizuführen sei. Die Sache sei spruchreif, so daß einneuerAufschub ungerecht­fertigt erscheine. (Frkf. Ztg.)

Das Vorgehen der englischen Truppen.

Oppeln, 24. Zull. (Wolff.) Aus den Kreisen Deuthen und Tamowitz wird überetnstimmend be­richtet, daß die dort eingetroffenen englischen Truppen mit allem Ernst an die Entwaff­nung der Ortschaften Herangehen und auch die übrigen zur Wiederherstellung der Sicherheit er­lassenen Verordnungen der 3nteraITiierten Kom­mission durchführen werden. Die Entwaffnung er­folgt in der Art, dah die einzelnen Ortschaften von den englischen Tinippen umstellt werden und Durchsuchungen hierauf von Haus zu Haus er­folgen. Die Sicherheit in den so von Grund aus paziftzierten Gemeinden wird von Tag zu Tag bester, so daß die entflohenen Deutschen ohne Ge­

fahr für Leib und Leben in jene Orte zurück­kehren können. Auf dem Bahnhof in Kattowih übernahmen englische Truppen die Wache und führen auch hier eine scharfe Kontrolle.

So sehr das energische und anständige Vor­gehen der Engländer begrüßt werden muh, kann doch 'kein Zweifel darüber bestehen, daß die Eng­länder alle Sicherheitsmaßnahmen nicht durch­zuführen vermögen. On dem ganzen von den Franzosen besetzten Gebiet von Laurahütte und Kattowih bis Myslvwitz steht die polnische Grenze noch vollkommen offen.

Eine Einladung Fochs von der polnischen Regierung.

Paris, 24. Juli. (WTB.) DieChicago Tribüne" teilt mit, dah Foch gestern eine E i li­la d u n g der polnischen Regierung an­genommen habe, Ende August oder Anfang Sep­tember einen Besuch in Warschau zu machen. Der Aufenthalt des Marschalls, der von General W e y g a n d begleitet werde, solle etwa vierzehn Tage dauern. Die Reise gehe über Danzig. Die für Oktober geplante Reise des Marschalls nach den Vereinigten Staaten werde hierdurch keinen Auf­schub erfahren.

China und Japan und die Washingtoner Konferenz.

Peking, 24. Juli. (Havas.) Die an C h i n a gerichtete Einladung zur Teilnahme an der Kon­ferenz über alle Fragen des Stillen Ozeans be­schäftigt die öffentliche Meinung ganz ungemein. Man nimmt an, dah China sich be­mühen wird, eine endgültige Regelung der Schon- tungfrage durchzusehen, sowie die Bestätigung seiner Hoheitsrechte in Bezug auf die Kontrolle des Postwesens, der drahtlosen Telegraphie usw. zu erreichen. Auch wünscht man, dah die chin^ fischen Vertreter auf der Konferenz die Forde­rung erheben sollen, dah die fremden Gerichte und die besonderen Konzessionen der Fremden in China nur einen vorübergehenden Charakter haben sollen.

Paris. 24. Zuli. (WTB.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Tokio beschäftigt die geplante Konferenz über die Fragen des Stillen Ozeans die gesamte off entlüfte Meinung. On allen Krei­sen wünsche man, daß Zapan an den Vor­besprechungen über die Konferenz teilnehmen müsse. Wakatsuki, der Führer der Kensei-Kai-Partei, empfiehlt dem Lande, noch vor dem Zusammentritt der Konferenz seine Po­litik gegenüber China und Sibirien mit aller Deutlichkeit klarzulegen. Das werde die im Aus­lände bestehenden Mißverständnisse zerstreuen. Die ZeitungZomiuri Shimbun" erklärt, man müsse alle Zweifel über die Beweggründe zur Einbe­rufung der Konferenz vollständig beseitigen, denn die Ergebnisse der Konferenz würden gleich Rull sein, wenn man an die Beratungen bereits mit vorgefaßter Abneigung herangehe.

Aus Irland.

London, 24. Zuli. (Havas.) Der Be­richterstatter desObserver" meldet aus Dub­lin. dah seit Samstag die politische Atmosphäre in Irland sich etwas geflärt habe, nachdem sie in den letzten Tagen aufgrund der von London einlaufenden Rachrichten nicht gerade ermutigend gewesen sei. Runmehr greife in Dublin das Ge­fühl einer ausgesprochenen Hoffnungsfreu­digkeit Platz.

Der türkisch-griechische Krieg.

Paris, 24. Zuli. (WB.) Wie Havas aus Konstantinopel meldet, haben nach den letzten Rachrichten von der Front die Türken ihren Vormarsch auf der Menderesfrvnt begonnen und die Ortschaften B u d u r l u und die stra­tegische Stellung von Altin Tepe besetzt. Mu­stapha Kemal soll Die Operationen persönlich leiten.

Angora, 24. Zull. (Havas.) Die erbitterte Schlacht von Ankinkach endete zugunsten der Türken. Die Griechen muhten acht Ge­schütze, zahlreiche Munition und Kriegsmaterial sowie auch etliche Maschinengewehre zurücklassen. Sie verloren auch zahlreiche Gefangene, deren Zahl aber noch nicht feststeht.

Maxim Gorki und GerhartHauPtmann.

Berlin, 25. Zuli. (WTB.) Auf den Hilferuf Maxim Gorkis hat der Dichter Gerhart Hauptmann diesem am Sonntag in einem längeren Telegramm geantwortet, in dem es, der , Berliner Montagspost" zufolge, am Schluß heißt: Die ganze zivilisierte Welt hat ihren erschütternden Ruf nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen gehört. Eie wird ihn nicht ohne Antwort lassen. Ze mehr sie zu tun imstande ist, je besser es ihr gelingt. Hunger und 'Krankheit zu bekämpfen, um so tiefer wird sich die Menschheit entsühnen. Was aber das schwergeprüfte, doch allseits hilfsbereite deutsche Volk betrifft, so ist es schon heute durch den Ruf aus dem Osten tief erregt und bewegt und ich darf getrost sagen, daß Volk und Reichsregieruna in dem innigen Wunsche eraig sind, nach bestem Ver­mögen tatkräftig Hllfe zu leisten.

Eine spanische Niederlage in Marokko.

Paris, 23. Juli. (Wolff.) Nach einer Blättermeldung aus Madrid sollen e r n st e Nachrichten aus Spanisch-Marokko dort eingetroffen sein. Der Korrespondent des PariserJournal" erfährt, daß Erngebarene

den vorgeschobenen Posten von Melilla an­gegriffen hätten. Man habe von mehreren Hundert Toten und Verwundeten ge­sprochen. Man vergleiche die spanische Nie­derlage mit der bekannten Niederlage von Barrengo de Lobe, die 1909 die Ursache des Aufstandes in Barcelona gewesen sei.

Wie dasJournal" aus Madrid berich­tet, ist König Alfons gestern abend we­gen der aus Marokko eingettoffenen Nachrich­ten nach Madrid zurückgekehrt. ES geht das Gerücht um, daß wegen der Niederlage der spanischen Truppen sich der Befehlshaber General Sylvestre das Leben genommen habe.

Madrid, 24. Juli. (WB.) Der König hat seine Rückkehr nach St. Sebastian auf un­bestimmte Zeit vertagt.

Der heute abgehaltene KabinettSrat be­schloß, einige KriegsschiffenachMarok/o zu entsenden. Er beschloß ferner, daß die Truppen aus dem Mutterland, die gegenwärtig nach Me­lilla unterwegs sind, in dieser Stadt bleiben sollen, um durch ihre Gegenwart die Bevöllerung zu beruhigen. Der Kriegsmrnister erklärte Zour- naliften auf Befragen, als er sich zum Kabinetts­rat begab, sein Eindruck von der Lage in Marokko sei nicht so gut, wie er am Vormittag gewesen sei. General Ravaroo, der Rachfolger des Ge­nerals Sylvestre, habe es für notwendig befun­den, seine Truppen von Dar Rius bis Batoin zurückzunehmen.

Aus Deutsch-Neu Guinea.

London, 22. Zull. (Wolff.) Der ^West­minster Gazette" zufolge veröfsentllchte die in Australien erscheinendeSteads Revue" einen Aussatz, in dem die Art und Weise kritisiert wird, in der die australische Regierung ihr vom Völkerbund anvertrautes Mandat über Reu- Guinea ausübt. 11. a. wird dieunmögliche und raffinierte Grausamkeit" getadelt, mit der den Deutschen in Reu-Guinea, von denen manche fünf­zehn bis zwanzig Zähre dort tätig waren, ihr Eigentum genommen wurde, ohne daß eS ihnen möglich war, eine Bescheinigung des Wertes des ihnen konfiszierten Eigentums zu erhalten. Rach der Vertreibung der Deutschen, heißt es weiter, wurden die Pflanzungen provisorisch der Lei­tung entlassener junger Soldaten unterstellt, die keine Kenntnis von dem Kokosnußbaum und lerne Erfahrung in der Behandlung der Eingeborenen hatten. Infolgedessen geht es schnell bergab mit den deutschen Kvkvsnuhplantagen, die allgemein als erstklassig betannt waren. Die Beobachter sind sich darin einig, dah innerhalb dreier Zahre in dem vormals deutschen Reu-Guinea eine Ka­tastrophe einrreten werde.

Judustriekrife in Mährisch-Oftran.

Wi en, 25. Zull. IWTD.) Wie aus Mäh - risch-Ostrau gemeldet wird, herrscht dort eine Industriekrise. Die Wittkowiher Eisenwerke haben sich infolgedessen genötigt gesehen, 1500 Arbeitern zu kündigen. Es ist beabsichtigt, Ende August weitere 1500 Arbeiter zu entlassen. Die Chemische Industrie-Aktiengesellschaft in Oberfurt hat nur dadurch die Schließung ihres Betriebes vermeiden können, dah einer nach Prag ent­sandten Abordnung der Arbeiterschaft und der Betriebsverwaltung staatliche Aufträge zugesichert wurden.

Aus dem Reiche.

Selbstmord v. Frauendorfer-.

M ü n ch e n, 23. Juli. (Wolff.) Der Gel­ter der Zweigstelle Bayerns des Reichsver- kehrS-MinisteriumS. Staatssekretär von Frauendorfer, hat sich heute vormittag durch einen Schuß in die Schläfe ge­tötet. ,

Frauendorfer war der Fälschung an­tiker Münzen beschuldigt. Es handelt sich nach -er F Z. um Fälschung hochwertiger Goldmünzen, vor allem von solchen aus der römischen Kaiserzeit, die auf viele Zahre zurückgehen. Frauendorfer habe sie syste­matisch betrieben, um seine eigene bedeutende Sammlung um Stücke von höchstem Werte zu be­reichern. Dabei soll Herr v. Frauendorfer, der in den Kreisen der Rumismattker als eine Au­torität auf diesem Gebiete galt, schon vor dem Kriege die Gelegenhell wahrgenommen haben, sich besonders feltene Stücke aus staatlichen Münzen­sammlungen, selbst des Auslandes, im Original ober im Gipsabguh leihweise zu verschaffen, um davon Rachahmungen in echtem Material her­zustellen. die er dann der eigenen Sammlung einverleibte. Als Herr v. Frauendorfer sich vor längerer Zeit veranlasst sah, seine Münzsammlung zu oeräußern, erregte das Vorhandensein von Duplikaten solcher Raritäten .die bisher als Unica gegolten hatten, den Verdacht der Sachverstän­digen und führten zur Entdeckung der Fälschun­gen. Ob Herr d. Frauendorfer sich von Gewinn- lucht oder von einer maßlos gesteigerten Sammler­ei teilest leiten ließ, als er die mll außergewöhn­licher Geschicklichkeit hergestellten Rachahmungen mit zum Verkauf bot, wird sich Wohl nicht mehr aufklären lassen.

Aus dem besetzten Gebiet.

Derwelschungsversuche im Eaargebiet.

Saarbrücken, 23. Zuli. Die öaarreaie- rung plant einen Angriff au f bie Volks­schule. Zu diesem Avecke beschloß sie, baß bie Ellistellungsprüfung für junge Lehrer von num an im Saargebiet (Saarbrücken ober St. Sngbertjj