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Lis zum äußersten zu verteidigen. Die Lage gelte als sehr ernst. Die italienische Presse meint, die ungarische Regierung werde wei­tere Verwicklungen vermeiden.

Tschitscherin lehnt internationale Untersuchung ab.

London, 22. Sept. (Wolff.) Die gemeldet wird, erklärte Tschitscherin in einer Rote vom 18. September der britischen Regierung, eine all­gemeine internationale Kommission zur Untersuchung der russischen Hungersnot nach Rußland nicht z u z u l a s s e n; die russische Regierung sei jedoch bereit, in unmittelbare Be­sprechungen mit jeder Regierung einzutreten, die wirklich das Ziel verfolgt, den von der Hungersnot Heimgesuchten zu Helsen.

Aus dem Reiche.

Teuerung und Kriegsbeschädigte.

. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und ehem. Kriegsteil­nehmer schreibt uns:

Am 12. dieses Monats fanden im ReichS- arbeitsministerium zu Berlin weitere Ver­handlungen statt betr. Teuerungszulagen. Die Regierung machte uns hierbei folgende Vor­schläge: sie will Teuerungszulagen gewähren, und zwar monatlich 20 Mr. für eine Witwe, 12 Mk. für eine Waise und 12 Mk. für einen Elternteil; 2050 Mk. für Schwerbeschädigte je nach dem Prozentsatz und 10 Mk. für jedes Kind Schwerbeschädigter. Kriegsbeschädigte unter 50 Prozent Erwerbsunfähigkeit sollen eine Zulage überhaupt nicht erhalten. Natür­lich können wir eine solche Zumutung und ein solch unerhörtes Angebot nicht annehmen, wir gaben deshalb bei der Regierung folgende Er­klärung ab:

1. Die angebotenen laufenden Teuerungs­zulagen werden als unzulänglich, und weil nicht auf alle Rentenempfänger ausgedehnt, abgelehnt.

2. Der zur Verfügung gestellte Betrag von 580 Millionen Mark soll als einmalige Beihilfe an sämtliche Rentenempfänger un­verzüglich durch die Post zur Auszahlung ge­langen.

3. Wegen der Durchführung unserer For­derungen wird der Reichsbund mit dem Reichstag und der Reichsregierung in Ver­handlung treten.

Gegen Preissteigerungen und Wucher.

Berlin, 22. Sept. (Privattel.) Die Abend­blätter bringen einen Erlaß des preußischen Ministers des Innern an den Oberpräsi­denten, welcher dazu auffordert, mit allen Mitteln und größtem Rachdruck vorzugehen, daß die Preissteigerungen auf allen Gebieten des täglichen Bedarfs, insbesondere bei den Lebens­mitteln. welche in keinem Verhältnis zu den wirt­schaftlichen Ursachen stehen, durch künstliche Zu­rückhaltungen und gröbliche Verfälschung wich­tiger Lebensmittel, Wuchercharakter annehmen. Eine eingehende und fortdauernde ^leberwachung sei nötig. Die polizeilichen Wucherstellen werden zu erhöhter Tätigkeit aufgefordert. Sie sollen u. a. auf den Aushang der Ladenpreise achten und un­zuverlässige Personen vom Handel ausschliehen.

Kultusminister und Staatsanwalt.

Berlin, 22. Sept. Die »Voss. Ztg." meldet: Der sächsische Kultusminister Fleißner sagte in einer Versammlung, daß unter ülmständen auch gewaltsam die Ziele seiner Partei erreicht werden müßten. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin ein Verfahren gegen ihn wegen Auf­reizung zur Gewalt eingeleitet.

s Aus Hessen.

Die Besoldungsgesetze im Finanzausschuß.

Darmstadt, 22. Sept. Der Finanzaus­schuß nahm heute die Beratung der vom Reichsfinanzminister erhobenen Bean­standungen der Besoldung sgesehe in Angriff. Es ist dem Finanzministerium gelungen, cttoa 2/3 der ursprünglich erhobenen Einsprüche auf dem Wege der Verhandlungen zu beseitigen. Heber den verbliebenen Rest soll nun eine Eickscheidung herbeigeführt werden, ob 'das Reichsschiedsgericht in Wirksamkeit treten soll, oder ob nicht, soweit es sich nämlich um völlig aussichtslose Punkte han­delte, nachgegeben werden soll. Zunächst war die Meinung vorherrschend, man solle in eine Bera­tung überhaupt nicht eintreten, sondern sämtliche Beanstandungen dem Reichsschiedsgericht überwei­sen, aber da verschiedene Beanstandungen einen we­sentlichen Umfang haben, und auch mit unbean­standeten Positionen in engem Zusammenhang stehen, roärc die Folge gewesen, daß man das ganze Besoldungsgesetz zunächst noch in der Schwebe hätte lassen müssen. Von anderer Seite wurde dem dringenden Wunsch Ausdruck gegeben, es möchten dieunbeanstandetenTeileso- fortlnKraftgeseht und ausgeführt werden.

Aus dem besetzten Gebiet.

Marokkaner-Frechheil.

ma. Mainz, 20. Sept. Am Samstag abend wurde ein Strahenbahnschaffner beim Herausgeben an einen Fahrgast von einem die Bahn benutzenden Marokkaner dadurch beraubt, daß dieser in die offene Geldtasche des Schaffners griff, eine Anzahl Scheine er­griff und damit von der Plattform mitsamt einem Kameraden verschwand. Anzeige wurde bei der französischen Gendarmerie erstattet. Dem Täter find 70 Mark in die Hände gefal­len. Zn einem anderen Falle wurden einem Schaffner unter ähnlichen Umständen 300 Mk. geraubt. On diesem Falle ist der Täter un­bekannt.

Verschärfte Grenzaufsicht.

fpd. Aus der S a a r p f a l z, 20. Sept. Außer dem Grenzaufsichtspersonäl ist nunmehr auch dem auf den Zollstellen im Zollabfertigungs­dienst an den Grenzen tätigen Beamten das Recht zum Wasfengebrauch beigelegt worden. Die schar­fen Maßnahmen, die beide Grenzbehörden in gegen) eit gern Einvernehmen getroffen haben, sol­len in erster Linie dem Schmugglerunwefen gelten. 3n den letzten Wochen wurden zahlreiche Schmuggler, die auf Anruf nicht stehen blieben, von Grenzbeamten niedergeschvssen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. Sept. 1921.

Straßenreirrigung und Müllabfuhr.

Auch der Hausbesitzerverein hat zu dem Entwurf einerOrtssatzung über die Erhebung von Gebühren für die Reinigung der Straßen und Fußsteige und für die Ab­fuhr von HauSkehricht" eine Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung gerichtet:

»Der von der Stadtverwaltung geplante Ent­wurf einer Ortssahung betreffs der Erhebung von Gebühren für die Reinigung der Straßen und Fußsteige und für die Abfuhr von Hauskehricht hat in allen Kreisen der Bürgerschaft sehr überraschend gewirkt und bei unseren Mit­gliedern um so mehr, als in dem Entwurf (§ 4) vorgesehen ist, daß die Gebühr von den Grund­stückseigentümern erhoben und daß diese wiederum verpflichtet werden sollen, die einzelnen Anteile von ihren Mietent einzuziehen. Unzählige Streitfälle zwischen Mietern und Vermietern würden die unausbleib­liche Folge dieser Erbebungsart fein. Wir erkennen wohl an, daß die Stadtver­waltung notgedrungen, infolge der steten Bewil­ligungsbereitschaft der Stadtverordnetenversamm­lung, immer wieder neue Einkommensquellen er­schließen muß: wir sind im Prinzip auch mit der Erhebung einer Gebühr für die Kosten der Straßenreinigung und Kehrichtabfuhr im Inter­esse der städtischen Finanzwirtschaft einver­standen. Gegen die Art der Erhebung durch die Glundstückseigentümer jedoch müssen wir ganz entschieden Widerspruch erheben. Wir geben der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die Stadt­verwaltung im Falle der Annahme des Entwurfs dafür Sorge tragen wird, daß die geplante Er­hebungsweise in unserem Sinne abgeändert und daß die Gebühr seitens der Stadtverwaltung von den Zahlungspflichtigen direkt erhoben wird. Zur Mitwirkung bei der Feststellung der Gebühren­sätze erklären wir uns hiermit bereit.

Herbst.

Herbsteinzug ist heute. Die Sonne tritt in das Zeichen der Wage, deren Schalen gleich tief hängen. Tag wie Rächt beginnen um 6 Ähr, haben gleiche Länge.

Die Welt wird mählig welk. Leiser Blät­tertanz gaukelt durch die milchige Dunstluft des Herbstes. Auf rund gespannten Marienfäden spielt der Wind sein Lied von herbstlichem Welken, von Blätterfall, von Entfärben und Vergehen. Des Sommers Tage sind hin. Das Leben ist müde und erschöpft. Es will aus­ruhen und Atem holen in der Erde und neue Kräfte sammeln fürs nächste Jahr.

*

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 16. September der Diener an dem anatomischen Institut der Landesuniversität Friedrich Delloff zu Gießen zum Amtsgehil- fen an diesem Institut.

** Der Verband der Bauvereine in Hessen hielt am Sonntag seinen Verbands­tag in Gießen ab. Rach dem vom Vorsitzen­den, Oberbaurat Klump-Darmstadt, erstatteten Geschäftsbericht besteht der Verband zur Zeit aus 38 Dauvereinen, die großenteils die Bau­tätigkeit wieder ausgenommen haben. In den beiden Baujahren 1919 und 1920 wurden 392 Wohnhäuser mit zusammen 745 Wohnungen auf gemeinnütziger Grundlage errichtet, und zwar 226 Einfamilien-, 118 Zweifamilien- und 48 Drei- und Mehrfamilienhäuser. Im Hinblick aus'die außer­ordentlich großen Schwierigkeiten, die allgemein der Belebung der Bautätigkeit in der Rachkriegs­zeit entgegenstanden, sei dieses Ergebnis recht befriedigend. Auch für das Baujahr 1921 wurden die Aussichten für die gemeinnützige Bautätigkeit als günstig bezeichnet. Don besonderem Interesse waren die Ausführungen des Vorsitzenden über das Wohnungsabgabegesetz vom 26. Juni 1921 und über die den Hessischen Landtag demnächst beschäftigende Ausführung dieses Gesetzes sowie die Wirkung der Kapit.ckert.ags-, Körperschafts- und ckmsahsteuer auf die Bauvereine. Während die beiden erstgenannten Steuerarten in Aner­kennung der Gemeinnützigkeit Erleichterungen bie­ten, wird die Gemeinnützigkeit der Bauvereine nur dann anerkannt werden, wenn die erbauten Häuser nicht bloß den Mitgliedern, sondern all­gemein auch Richtmitgliedern zugute kommen. Die­ser Fall liegt bei der weitaus größten Zahl der bestehenden Baugenossenschaften nicht vor. so daß 'durchweg die Umsatz steuerpflicht be­steht. Zum Schluß der Verhandlungen sand unter Führung des Bauleiters, Architekt Hamann, zeine Besichtigung der von der gemeinnützigen Baugenossenschaft 1894 in Gießen _ errichteten Kleinwohnungskolonie an der Licher Straße statt.

**DieKartvffelpreiseimReich. Vorgestern wurden in den größeren deutschen Städten folgende Preise für den Zentner Kar­toffeln" notiert: Barmen 6575 Mk., Bochum 60-65 Mk., Berlin 4050 Mk., Bremen 53 bis 56 Mk., Breslau 5456 Mk., Chemnitz 5560 Mk., Dortmund 5575 Mk., Dresden 5560 Mk., Frankfurt 7578 Mk., Königs­berg 50 Mk., Hannover 50 Mk., Hamburg 58 bis 70 Mk., Leipzig 5358 Mk., Magdeburg 5560 Mk., München 55 Mk., Nürnberg 50 bis 60 Mk., Stettin 4454 Mk.

** Im Gießener Fröbel-Seminar fand dieser Tage in Anwesenheit des Prüfungs­kommissars Ministerialrat Dr. Dach und des Kreisschulinspektors Pros. Dr. A11 e s die st a a t- liche Prüfung der Kindergärtnerin­nen statt. Alle 10 Prüflinge bestanden ihr Exa­men. Am 15. September konnten auch 7 Schüle­rinnen der Kinderpflegerinnen schule nach bestandener Prüfung entlassen werden. Am 15. und 16. September stellten die Schüle­rinnen ihre Arbeiten, die sie im Laufe ihrer Aus­bildungszeit angefertigt hatten, aus. Fast alle Arbeiten zeigten, daß man mit etwas Phantasie und einer gewissen Handgeschicklichkeit gar man­ches Hübsche und Zweckmäßige aus verhältnis- mäßig billigem Material Herstellen kann. Be­sonders sehenswert war der Raum, in dem ge­zeigt wurde, was im Werkunterricht gearbeitet war. Papparbeiten, Laubsägearbeiten, Rohr- und Baslslechtereien wechselten miteinander ab. In einem anderen Raum waren die Fröbelschen Be­schäftigungen ausgestellt: im Nebenzimmer leuch­teten in frohen Farben Ausschneidebilder und aus Ton modellierte Gegenstände. Daß auch im Handarbeitsunterricht fleif.'n geschafft worden war, bewiesen die Kleidch n. Schürzchen, Hemdchen, | Stickereien usw. Die Ausstellung erfreute sich

1 eines außerordentlich regen Besuches. Auch an dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, daß die neuen Kurse am 11. Oktober beginnen.

Wettervoraussage

für Samstag.

F.ühnebel, vorwiegend heiter und trocken, tags warm, nachts kühl. Winde aus westlichen Rich­tungen.

Vom Kanal bis nach der Donau erstreckt sich ein schmales Hochdruckgebiet und bedingt das heute klare und trockene Wetter. Heber England fällt wieder das Barometer. Die bestehende Witterung wird sich jedoch noch nicht wesentlich ändern.

Bornotizeu.

Tageskalender für Freitag: Felsenkeller, 8 ckhr, Beamtenversammlung der So­zialdemokratischen Partei.

Das neue Strafrecht. Aus Ver^ anlassung des Hessischen Richtervereins wird der als Strafrechtslehrer unserer Universität hier von früher her bekannte Professor Geheimerat Dr. Ritter von Frank, jetzt Rektor der Univer­sität München, am Montag den 3. und Dienstag den 4. Oktober L Is., nachmittags von 46 Uhr im Hörsaal 44 des Univerfckätskollegiengebäudes zwei Vorträge über den Entwurf eines neuen deutschen Strafrechts halten. Die Vorträge sind nicht nur für Juristen, sondern für einen größeren Kreis von Zuhörern bestimmt. Bei der großen Bedeutung des Strafrechts für alle Bevölkerungs­kreise, namentlich im Hinblick auf die zu erwar­tende vermehrte Hinzuziehung von Laien in der Strafrechtspflege, kann der Besuch der Vorträge allen Personen beiderlei Geschlechts empfohlen werden.

Die Deutsche Demokratische Par- t e i veranstaltet am Sonntag in Nidda im Saale des ..Gambrinus" den Parteitag des Pro­vinzialverbandes Oberhessen. Vormittags 10 Uhr ist Vcltreterversammlung mit folgender Tages­ordnung: Bericht des Vorsitzenden über die Vor­bereitungen zur Landtagswahl: Aufstellung der Kandidatenliste: Wahlprogramm. Nachmittags 2 Uhr in öffentlicher Versammlung wird Rektor Fischer-Gießen überDie politische Lage im Reich", und Minister Henrich- Darmstadt über Sie Arbeiten des seitherigen und die Aufgaben des künftigen Landtags" sprechen. Zur Vertreter- versamlung haben nur Parteimitglieder Zutritt: zu der öffentlichen Versammlung jedermann.

Kameradschaftliche Zusammen­kunft ehemaliger XVIII 28er. An dieser Stelle sei nochmals auf die kameradschaftliche Zu­sammenkunft aller ehemaligen Angehörigen des Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillons XVIII/28 in Wetzlar hingewiesen. Morgen Abend ist, wie uns mitgeteilt wird, Kommers bei Kamerad Schmidt, GasthausZum grünen Laub", am Sl nntagmorgen Frühschoppen bei Kamerad Ort- lieb,Gasthaus zum Riesen", nachmittags gemüt­liches Beisammensein in Göths Garten. Weitere Anmeldungen sind umgehend an Kamerad Max Spalte in Wetzlar, am Goethebrunnen, zu richten.

Ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Oberschlesierspende wird im Theater- CafeEmst Ludwig" morgen, Samstag, 24. Sep­tember 1921, abends veranstaltet. Adolf Falken, Hannover, früheres Mitglied des Gießener Stadt- theaters, wird dabei, wie im gestrigen Anzeigen­teil mitgeteilt wurde, mitwirken.

Landkreis Gießen.

ri. N i e d e r - B e s 7 i n g e n, 23. Sept. Die Arbeiten des Anschlusses unseres Orts und des benachbarten Oder-Bessingen an die Ueberlandzentrale nähern sich jetzt ihrem Ende. In kurzer Zeit wird eine Gegend des Kreises Gießen, die bis jetzt noch dunkel lag, in Hellem elektrischem Licht erstrahlen.

ri. Lich, 23. Sept. Unser Straßenbild be­kommt eine Verschönerung dadurch, daß die ka­tholische Kirche in der Bahnhofstraße mit einem Vorgarten versehen wird.

-.- Watzenborn-Steinberg, 21. Sept. Auch die hiesige Gemeinde mußte durch die tm Jahre 1917 erfolgte Beschlagnahmung der Glocken eine Kirch^nglocke und zwei weitere kleinere Glocken abliefern. Am vergangenen Sonn­tag sand nun die feierliche Einweihung einer von der Glockengießerei Rincker in Sinn bezogenen Bronzeglocke statt. Die Weiherede wurde von Pfarrer D i 11 m a r - Hausen gehakt >n. Beson­ders verschönt wurde die Feier durch die Männer­chöre der Gesangvereine Eintracht, Germania, Jugendfreund und Sängerkranz, sowie durch die Liedervorträge einer Schulklasse. Die Glocke klingt ohne störende Nebenklänge gut an und aus und bildet ein harmonisches Geläut. Die Glocken- ulschrist lautet:Bete und arbeite." Um ein tie­feres Geläut zu erzielen, war auch die Beschaf­fung einer h 1-Glvcke in Erwägung gezogen wor­den. Man nahm absr, da dann durch das be­deutend hohe Gewicht dieser Glocke die Trag­fähigkeit des Glockenstuhls ohne vorherige bau­liche Veränderung in Frage gestellt war, von diesem Plan Abstand.

Kreis Büdingen.

Ortenberg, 23. Sept. Eine sehr er­freuliche, rege Bautätigkeit herrscht zur Zeit in unserem Städtchen. Es befinden sich nicht weniger als vier Häuser im Bau. Sehr erfreulich ist. daß man wieder zum schmucken, farbigen Holzfachwerkbau aus dem Lande zurückkehrt. Die Wohnungsnot besteht trotz der Neubauten un­vermindert weiter. Einen günstigen Pachtver­trag schloß die Stadt mit einer Schweinfurter Firma, welche den B a s a l t st e i n b r u ch am Dörrnstein auf eine längere Dauer von Jahren pachtete. Die Gesellschaft muß sich verpflichten, jährlich mindestens 10 000 Mark Pacht zu zahlen, der Stadt unentgeltlich jährlich 10 Kubikmeter beste Pflastersteine zu überlassen und in erster Linie Ortenbcrger Arbeitskräfte und Fuhrwerke einzu­stellen.

Kreis Lauterbach.

Grebenhain, 22. Sept. Am Sonntag wurde das Kriegerdenkmal für die im Weltkrieg Gefallenen eingetoeibt. Frank-Crainfeld hielt die 'Weiherede. Musik- und Gesangsvorträge verschönten die Feier, zu der auch die Krieger­vereine der umliegenden Orte mit umflorten Fah­nen erschienen waren. Das Denkmal ist in der Mitte des Dorfes errichtet und nach dem Ent­wurf des Kreisbaumeisters Pfeiffer von der Ober- hessischen Steinbruchindustrie ausgefübrt worden. An beiden Seiten sind die Namen der 38 Ge­fallenen aufgeführt.

rr. Schlitz, 21. Sept. Fabrikant <$>. H. Schmidt aus Bukarest, ein gebürttger Schlitzer, hat bei seinem kürzlichen Hiersein für das zu errichtende Ehrendenkmal für unsere Gefallenen 2000 Mk. und außerdem 1000 Mk. für die Armen unserer.Stadt gestiftet.

Kreis Schotten.

A Laubach 22. Okl. Die beiden, von der Gemeinde neuerbauten* Wohnhäuser an der Wetterfelder Straße sind am verflosse­nen Sonntag vorn Gemeinderat besichtigt worden und werden demnächst bezogen werden. Acht Familien werden hier wohnen.

Hessen-Nassau.

Billige Kartoffeln.

X. Hanau, 22. Sept. Der Kurhessische' Landbund und die Landwirtschaft«: kammer für den Regierungsbezirk Kassel haben einen ge­meinsamen Aufruf erlassen, in dem die kur- hessische Landwirtschaft zu einer großen Hilfsaktion in der Kartoffelver- s v r g u n g der gering bemittelten Bevölke­rung (Kleinrentner, Kriegerwitwen usw.) auf­gefordert wird. Es ist ein Preis von 30 Mk. für den Zentner angenommen worden.

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Rm. Fellingshausen, 22. Sept. Schon seit Jahren macht sich in unferm Dorfe der Mangel an einer guten Wasserleitung empfindlich bemerkbar. 3m vergangenen Herbst batte man schon am Nordostabhang des Dünsoerges an verschiedenen Stellen nach einer ergiebigen Quelle geschürft. Leider hatten aber die Arbeiten nicht den gewünschten Erfolg, und man gab schon die Hoff­nung auf, am Dünsberg überhaupt Wasser zu finden. Da hat die Gemeinde den Rutengänger Damm aus Hagen kommen lassen, der das Ge­lände mit der Wünschelrute abging. An einer für die Anlage einer Wasserleitung sehr günstigen Stelle, an der man kein Wasser vermutete, soll nun eine sehr wasserreiche Quelle vorhanden sein. Hoffentlich haben die Schürfungsarbeiten, die so­fort in Angriff genommen wurden, den gewünsch­ten Erfolg. -- In der vergangenen Woche wurde an der Staatsstraße das Ob st versteigert. Es wurden Preise geboten, wie noch selten zuvor.

s ] Marburg, 22. Sept. Gestern wur­den die Arbeitslosen im Rathause vor­stellig. Sie verlangten Erhöhung der Un- t e r st ü tz u n g um 25 Prozent und Winter­kartoffeln.

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Die Explosionskatastrophe in Oppau.

Eine Erklärung der Aabrikdircktion.

Ludwigshafen, 22. Sept. (Wolff.) Die Direktion der Badischen Anilin- und Sodafabrik teilt folgendes mit: Leider müssen wir die Wahr­nehmung machen, daß die Explosions-Katastrophe, von der unser Oppauer Werk heimgesucht wurde und die schwer genug ist, in der Presse vielfach stark übertrieben wird. So finden wir im gestrigen Abendblatt desMannheimer Gene­ral-Anzeiger" Berichte eines Redaktionsmitglie­des, das sich phantasievollen, maßlosen und un­verantwortlichen llebertreibungen hingibt. Um die schon zu stark in Mitleidenschaft gezogene Be­völkerung vor weiteren Qlufrcgungcn zu bewahren, richten wir an die Presse die dringende Bitte, nur verbürgte Tatsachen mituteilen und von der Wie­dergabe der im Umlauf befindlichen zahlreichen unkontrollierbaren Berichte abzusehen. Wie wir gestern, so werden wir auch weiter jeweils Nach­richten geben, sobald über die Entstehung und Wirkung der Explosion weitere Tatsachen fest­gestellt sind, die bei der Art und dem Umfang der Katastrophe naturgemäß einige Zeit in An­spruch nehmen. Rach einer bei uns bis gestern abend zugegangenen Rachricht sind bis jetzt 2 4 4 T o t e zu beklagen. Mit einer weiteren Ver­mehrung der Zahl der Toten und Verwundeten ist zu rechnen, zumal da 70 Leute vermißt find. Die Mitteilung, daß die ganze Fabrik Oppau zerstört sei, ist unrichtig. Die eigentlichen Fabrikations­einrichtungen sind verhältnismäßig wenig beschä­digt Wir hoffen daher, die Herstellung von Am- moniakwasscr schon in einigen Monaten wieder aufnehmen zu können. In den Werken in Lud­wigshafen laufen die Betriebe ungestört.

Beileid und Hilfe.

Darmstadt, 22 Sept. (Wolff.) In seiner heutigen Sitzung beschloß der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtages: Die Regierung wird ersucht, sofort alles in die Wege au leiten und zu veranlassen, was nötig ist, um die durch das ilnglücf bei Ludwigshafen ent­standene Rot nach Kräften lindern zu helfen. Zu diesem Zwecke wird ihr ein K r e b i t t?o n e i n e r Million zur Verfügung gestellt. Außerdem werden Regierungs- und Finanzausschuß des Landtages eine allgemeine Sammlung im ganzen Lande veranstalten und unterstützen. .

Berlin, 22 Sept. <Wolff.) Der Reichs­präsident richtete an die Regierung in Speyer nachstehendes Telegramm: Tieferschüt­tert durch die Rachricht von dem furchtbaren Un­glück im Oppauer Werk spreche ich den bedauerns­werten Hinterbliebenen der getöteten Arbeiter und Angestellten meine herzlichste Teilnahme aus: ich hoffe, daß es ärztlicher Hilfe und Pflege ge­lingt, die so zahlreichen Verletzten, deren ich in aufrichtigem Mitgefühl gedenke, au retten. Der materiellen Rotlage gegenüber den von dieser schweren Katastrophe Betroffenen vvrzubeugen, wird die dringliche Aufgabe der Reichs- und Staatsbehörden und der menschenfreundlichen Hilfe der Volksgenossen sein. Der Reichspräsident bat den Reichskanzler, mit tunlichster Be­schleunigung die Hilfsaktion für bie Opfer der Katastrophe in die Wege leiten.

Berlin. 22. Sept. (WTB.) Der Reichs­kanzler richtete an den bayerischen M i - n i st e r p r ä s i d e n t e n ein Telegramm, worin er namens der Reichsregierung die Bildung eines Hilfskomitees zur Linderung der durch das Oppauer ilnglücf entstandenen Schäden vor­schlägt. In dem Komitee sollen auch die baye­rische, die badische und die hessische Re­gierung entsprechend vertreten sein. Von dem Vorschlag der Reichsregierung wurde zugleich der badische Staatspräsident und der hessische Mini­sterpräsident verständigt. Falls, wie zu erwarten ist, die befragten süddeutschen Regierungen ein­verstanden sind, bittet die Reichsregierung die bayerische, badische und hessische Regierung, zu einer weiteren Besprechung Vertreter auf den 24. September nach Berlin zu entsenden, wo vormittags 10 Uhr im Reichsarbeltsministerium die erste Sitzung des vorgeschlagenen Komitees stattfinden werde.

Berlin, 22. Sept. (Wolff.i Der Reichs­präsident überwies aus seinem Dispositions­fonds den Betrag von 250 000 Mark für das Hilsswerk für die Opfer der Katastrophe von Oppau.