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Erster Blatt M- Jahrgang Dienstag, 25. August (921

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dm<f und Verlag: vruhl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei K Lange. Zchnstleitung, Sefchästrstelle und vruckerei: Zchulfttatze 7.

Die Schuld an der Teuerung.

Don Wilh Dusche, Mitglied deS Reichstags.

Don sozialdemokratischer Seite wird in ein­zelnen Gegenden Deutschlands versucht, die Teue­rung zu parteipolitischen Zwecken auSzunuhen und eS so hinzustellen, als ob die bürgerlichen Parteien die Schuld an dieser Teuerung hätten während die Sozialdemokraten besonder- bei der Beratung deS Gesetzentwurfs über die Bewirtschaftung des Brot­getreides der diesjährigen Ernte im Sinne der Derbraucher gehandelt hätten. Da ich als Mitglied des Ausschusses für Dolkswirtschaft an all diesen Derhandlungen teilgenommen habe, möchte ich kurz den Hergang schildern.

Bereits vor Einbringung des Gesetzes über die Bewirtschaftung von Brotgetreide der dies­jährigen Ernte hatte daS Kabinett e i n st i m m i g eine Erhöhung deS Drotpreises um 50 Prozent vom 15. August d. I. an beschlossen. Auch sämtliche sozialdemokratischen Minister hatten diesem Entschlüsse zugestimmt. Bei der Be­ratung deS Gesetzentwurfs stellten die bürgerlichen Parteien den Antrag, es sollte nur eine Erhöhung des Drotpreises um 40 Proz. stattfinden. Dieser Antrag der bürgerlichen Parteien wurde angenom­men. Rach Annahme desselben hat der Ernäh­rungsminister Hermes auch inz^Kabinett den glei­chen Deschlub durchgeseht. Mithin ist es das Der- dienst der bürgerlichen Parteien, daß nur eine 40prozentige Erhöhung des Preises für das ihn- lagebrot stattgefunden hat und nicht, wie zunächst auch alle sozialdemokratischen Minister wollten, eine 50prozentige Erhöhung. Bei der Abstimmung über diesen bürgerlichen Antrag enthielten sich die Mehrheitssozialdemokraten der Stimme, dagegen stimmten fast sämtliche Llnabhängiae. Sine Er­höhung des Brotpreises war besonders erforder­lich. weil wir nicht mehr in der Lage sind, die Reichszuschüsse zur Derbilligung des AnslandS- getreides zu leisten wie bisher.

Die Stellungnahme der Fraktion der Mehr- hcitssozialdemokraten zur Freigabe der Getreide- bewirtfchaftung war keine einheitliche. Zunächst haben maßgebende Abgeordnete, wie Hermann Müller, der jetzige Wirtschaftsminister Schmidt, Käppler und andere, erklärt: Die Zwangswirt - schaft geht nicht mehr, es muh freie Wirtschaft einaeführt werden. Sodann hat die Fraktion der Mehrheitssozialdemokraten vier Tage lang die Umlage bekämpft, und endlich hat man der Re­gierung zu verstehen gegeben, man wäre für eine Umlage von drei Millionen Tonnen zu haben. Wenn die Mehrheitssozialdemokratie eine Mehl- menge von 260 Gramm pro Kopf und Tag für dir versorgungsberechtigte Bevölkerung forderte, so muh daran erinnert werden, dah der sozial­demokratische Minister Schmidt es war. der An­fang 1920 vor Errichtung des Ernährungsministe­riums die Mehlration von 260 Gramm auf 200 Gramm heruntergeseht hat. Eine Derbesser mg in ber Mehlversorgung ist in der Zeit erreicht wor­den, als auch meine Partei mit in der Regierung war, dadurch, dah 200 Gramm Kochmehl wöchent­lich verabreicht worden. Diese Verbesserung wird auch jetzt aufrecht erhalten werden. Dah eine Ausgleichung einer etwaigen Teuerung in der Form einer Lohn- und Gehaltserhö­hung herbeizuführen sei, haben die bürgerlichen Parteien rechtzeitig erkannt. Sie haben deshalb bei der Verabschiedung des Gesetzes über die Be­wirtschaftung des Brotgetreides der diesjährigen Ernte eine Resolution eingereicht, die sich mit die­ser Frage beschäftigt. Auf Grund der Annahme dieser Resolution der bürgerlichen Parteien schwe­ben in der Regierung Verhandlungen über Er­höhung bei Deamtengebälter usw Gegen die Preise, die für das Umlogegetreibc ber neuen Ernte gezabl' werden, hat in der Inderkvmmission, die zur Hälfte aus Verbrauchern besteht, nicht ein einziger Verbraucher gcft mml Unter den Ver­brauchern befindet sich eine erhebliche Anzahl von bekannten sozialdemokratischen Vertretern der Konsum-Vereine, des Gewerkschaftsbundes und des Landarbeiterverbandes. Auch ick bedaurc, dah die Preise für das umlagefreic Getreide, wie auch andere Rahrungsmittel in einzelnen Gegen­den so hohe geworden sind. Ich wünsche, dah. wo es nötig ist, der W u ch e r p a r a g r a p h mit seiner ganzen Schärfe angewandt wird. Ich hoffe, dah die Preise sinken werden durch Einfuhr von Getreide, die bereits freigegeben ist, und auch da­durch. dah in nächster Zeit grohe Mengen von Getreide auf den Markt kommen, wie wir cs be­reits aus den letzten Berliner Börsenberichten er­sehen. Allerdings muh man berücksichtigen, dah die Einfuhr immer schwieriger wird, je mehr unsere Mark im Werte sinkt, und dah es leider nicht mehr so ist, wie der Reichskanzler Dr .Wirth vor einigen Wochen erklärte, dah die Mark im allgemeinen im Inlandc noch den Wert eines Groschens be­sitze. während sie im Ausland weniger wert sei. Die Kaufkraft der Mark ist seitdem auch im In- lande leider bedeutend gesunken. Die Sozialdemo­kratie war es vor allen Dingen, die erklärte, wenn das Ultimatum angenommen sei, würden wir nicht nur Oberschlesien behalten, von den Sanktionen befreit werden, sondern es würde alsdann auch unsere Valuta ständig steigen. Wir haben auch tn Letzterer Beziehung das Gegenteil behauptet und recht dabei gehabt. Mithin ist cs auch eine der unheilvollsten Wirkungen der Annahme des Ultimatums, dah durch die ständig sinkende Valuta die Ernährung verschlechtert und die notwendige Einfuhr besonders von Getreide immer schwieriger wird. Zu dieser schlechten Valuta kommt die auher- vrdentliche Dürre dieses Jahres. Ich glaube, dah, wenn wir beides gehabt hätten unter der Zwangs­wirtschaft, dann die Verhältnisse noch viel schwie­riger sein würden, als sie leider Gottes jetzt schon sind. Die Dürre dieses Sommers hat in außer-l deutschen Ländern, ich will nur an Jugoslawien, besonders an Ruhland erinnern, anherordentlich |

schlimme Verhältnisse hervorgerufen. 3n Ruhland um so mehr, weil die sozialistische Wirtschaftspolitik des Bolschewismus sich als vollständig unfähig erwiesen hat.

Ich habe in diesen Tagen einige Wünsche an den Reichsminister Hermes gerichtet, deren sofor­tige Derüctsichtigung mir zugesagt ist. Ich verlange strengste Rachprüfung der Preise für das Umlage­brot. Vor dem Kriege bekam man fast überall für ein Pfund Roggen im Umtausch ein Pfund Brot. Demnach mühte bei den jetzigen Preisen mit 105 Mark für den Zentner Roggen ein Vierpfundbrot nicht 6bis7Mk., sondern 4bis5Mk. kosten. Ich gönne selbstverständlich den Müllern und Bäckern angemessenen Verdienst, verlange jedoch, dah die Reichsgetreidestclle so billig aroeitet wie möglich, dah kein Kreis und keine Kommunalverwaltung sich am Drotpreis bereichert. Ich verlange ferner strengste Kontrolle darüber, dah Umlagebrot in gutem Zustande geliefert wird. Es muh weiter strengste Kontrolle geübt werden, dah keine Le­bensmittel, vor allen Dingen kein Brotgetreide, nach dem Ausland gehen. Jeder ehrlich denkende Mensch in Deutschland hat die Pflicht, sobald er über derartiges verbrecherisches Treiben etwas Bestimmtes erfährt, sofort Anzeige zu erstatten. Ich freue mich, dah trotz der finanziellen Rot, angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse bis zum März n. I. nochmals drei Milliarden aus Reichs­mitteln zur Senkung der Auslandsgetreidepreise bereitgcstellt werden. Es muh in allen Kreisen so verfahren werden, wie ich es unter anderem vom Kreise Rortheim höre, bah bie Aufkäufer, bie ben Landwirten für Kartoffeln und andere landwirt- schaflliche Erzeugnisse unverhältniSmähig hohe Preise bieten, unnachsichtlich einer gerechten stren­gen Bestrafung zugeführt werben, mit ihnen auch die hoffentlich wenigen Landwirte, die nicht wissen, bah übermäßige Preise, vor allen Dingen bei Kar­toffeln unb Drotgetreibe als ben unentbehrlichsten Rahrungsmitteln, besonders auch der ärmeren Schichten, böse Folgen auch für die Landwirtschaft nach sich ziehen müssen.

*

Getreidepreise und Ernteaussichten.

Von halbamtlicher Stelle wirb uns ge­schrieben :

Der Umbau ber Getreidewirtschaft hat als unliebsame Folge zunächst ein starkes Anziehen der Preise für jenes Brotgetreide, das seit Mitte Juli im freien Verkehr gehandelt werden darf, mit sich gebracht. Der starke Kaufandrang und die dadurch verursachten Preisüberbielungen Ha­den inzwischen aber nachgelassen. Geht man nun den Gründen für das Hinaufschnellen der Preise nach, so erkennt man, dah bie Gefahr einer er­heblichen Getreide- unb Drotverteuerung in Zu­kunft doch nicht so grvh ist, wie es zunächst ben Anschein hat. Der Hauptgrund für die Steigerung der Preise lag nämlich darin, dah zu Beginn des freien Handels bei den Unternehmungen, die Brot­getreide benötigten, den Getreidehändlern, Mül­lern ii. Rährmittelfabrikanten, keine Vorräte vor­handen waren. Es ist zu verstehen, dah alle diese Getreideinteressenten ihr früheres Kunden­geschäft, das ja unter der Zwangswirtschaft ganz aufgehört, oder zum wenigsten beträchtlich ge­litten hatte, wieder aufbauen wollten und an­fingen, in starkem Matz stabe Getreide zu kaufen. Da aber ber hierdurch verursachten starken Rach- frage nur eine begrenzte Menge Inlandgetreide gegenüberstand, so überstiegen zunächst die Preise im freien Verkehr den Umlagepreis, teilweise so­gar den Durchschnittspreis für Brotgetreide aus dem Weltmarkt. Unter den Käufern für Roggen befanden sich anfangs auch diele landwirtschaft­liche Produzenten von Weizen und Gerste, die einen finanziellen Vorteil hatten, wenn sie Roggen als Umlagegetreide ablieferten, ihre Weizen- unb Gerstenbestände aber zu den Preisen 'des freien Marktes absehten.

Der durch diese Umstände emporgetriebene Brotgetreidepreis lieh nun die Fvrdenmg nach Freigabe der Einfuhr ausländischen Brotgetreides immer lauter werden. Die Reichsregierung hat sich den Vorstellungen aus fachmännischen Kreisen nicht verschlossen und ungeordnet, dah vom 18 August d. I. an ausländisches Brot­getreide eingefüßrt werden kann Diese Maßnahme wird bewirken, dah der Vorrat an Brotgetreide oebeutenb zunimmt, und dah andererseits ber Preis für ausländisches Getreide von der Preisgestaltung im Ausland startbe­einflußt werden wird. Im übrigen hat der In- landpreis ohnehin in letzter Zeit eine bemerkens­werte Senkung erfahren. Denn einmal Heß die übertrieben starke Rachfrage nach, well in der ersten Zeit des freien Handels genügend Ein­käufe getätigt waren, und dann bereitete auch die Beschaffung der gewaltigen Summen, die heute zu Detreidegeschäften benötigt werden, den Auf­käufern bedeutende Schwierigkeiten. Zum Bei­spiel sucht die Mühlenindustrie, die bei Beginn der freien Wirtschaft sich noch nicht aui bie neuen Verhältnisse eingestellt hatte, nunmehr burch Zusammenschluh ber schwierigen Situation Herr.zu werben.

Die Einfuhrfreiheit für ausländisches Brot­getreide bringt aber noch einen anderen Vorteil mit sich. Sie macht uns nämlich bis zu einem gewissen Grade von dem Ausfall ber In­landsernte unabhängig. Rach den neue­sten Meldungen aus den hauptsächlichen land­wirtschaftlichen Bezirken Deutschlands läßt nun zwar im allgemeinen die Ernte infolge der Dürre der letzten Wochen etwas zu wünschen übrig; doch ist z u besonderen Befürchtungen fein Anla ß gegeben. Der Saatenstandsbericht für Anfang August ermöglicht eine ziemlich ge­naue ileberfidjt über bas voraussichtliche Ergeb­nis ber kommenden Ernte. Die in Frage kommen­den Ziffern lauten folgendermaßen

Preußen: Deutsche- Reich:

Winterweizen 2,5 2,4

Sommerweizen 2.8 2,8

Winterroggen 2,6 2fi

Sommerroggen 3,2 2,9

Hierbei bedeuten die Ziffern: 2 gut, 3 mittel. Wir haben also im kommenden Versorgung-jahr im großen ganzen mit einer guten Mittel­ernte zu rechnen. Besonders Mecklenburg hat nach den bisherigen Ermittelungen gute Ernte­aussichten. Es steht zu hoffen, daß die D r u sch­er g e b n i s s e die Zahlen der Reichsstatistik be­stätigen oder gar noch übertreffen werden. Dabei Ist im Auge zu behalten, baß auch bie Beschaffen­heit ber Getreidefrucht im allgemeinen nichts zu wünschen übrig lallen soll.

Was bie Versorgung mit Futtermitteln anlangt, so ist bie seit langem herrschenbe Rot aus diesem Gebiet Gegenstand eingehender Bera­tung im Reichsministerium für Ernährung unb Lanbwirtschaft gewesen. Dabei würbe festgestellt, baß trotz ber großen Schädigung burch bieTrocken- heit eine Gefährdung ber Ernte nicht zu befürch­ten ist. Rur gewisse Gebiete haben unter ber langanßaltenben Dürre "stark zu leiben gehabt; anbere Gegenden sind nicht so stark in Mitleiden­schaft gezogen worden.

Der neue Dreibund.

L o n d o n, 22. Aug. (Wolfs.) In einer Hnter- rebung mit einem Vertreter berTimes" erklärte ber australische Premierminister Hughes, die Abrüstungskonferenz könne ihren Zweck, die Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen, nicht erreichen, wenn nicht zuvor bie Probleme des Pazifischen Ozeans gelost worben fei. Dies bebeute, baß ein modus vivenbi, eine Allianz ober eine Entente, wie man es auch nennen möge, zwischen dem britischen Reich. Japan und Ame­rika gefunben werben müsse.

Conbon, 22. Aug (Wolff., Reuter melbet aus Washington, bie amerikanische Re­gierung sei wahrscheinlich vollkommen bereit, ein Alebereinfommen mit ©roßbritan- n t'e n abzuschließen, solange bies geschehen könne, ohne irgenbeine Verpflichtung zu einer Allianz zu übernehmen, gegen die bas amerikanische Voll Einspruch erheben könne.

DieMorning Post" melbet aus Washington, daß bie von Lloyd George zum Ausdruck ge­brachten Hoffnungen auf ein britisch-ameri- lanisch-japanisches Einvernehmen und ein Abkommen bezüglich des Pazifischen Ozeans in den Vereinigten Staaten kühl aus­genommen und als Danaer-Geschenk betrachtet werden.

Havas über die Haltung Japans.

P a r i s , 22. Aug. Havas meldet aus Genf: Vicomte Ishh, der V o r s i tz e n de des V ö 11 c r- bundrates, wird Donnerstag in Gens er­wartet. Bei dieser Gelegenheit wird bemerkt daß die Vertreter Japans im Obersten Rat so­wohl wie im Dolkerbundrat sehr überrascht wa­ren, über die Art und Weise, wie die Stellung­nahme Japans zur oberschlesischen Frage beur- teilt wurde. Sie scheinen Wert daraus zu legen, daß am Vorabend der Sitzung des CBölterbunb- rates keinerlei Mißverständnis in dieser Hinsicht bestehen und von keiner der beiden beteiligten Parteien ausgebeutet werden kann. Man bestrei­tet vor allem, baß ber japanische Vertreter im Obersten Rat, Baron Hajashi. offen für eine ber beiben gegenüberstehenden Auffassungen Partei ergriffen habe und man erkläre, man würde um­sonst in den Riederschriften über den Verlauf der Sitzungen irgendeine Ausführung des japanischen Vertreters ftnben, welche bitfe Behauptung unter- stützen könnte. Zum Ueberfluß weist man noch darauf hin, daß sogar Lloyd George sich nicht vorbehaltlos auf bas Zeugnis bes Barons Hajashi berufen habe, benn als man darauf anspielte daß auch Japan seine Auffassung unterstütze erklärte er: Dies ist, wenn ich nicht irre die Aus- faffung des japanischen Vertreters Wie dem auch sei, bie japanischen Vertreter werden in den Beratungen, in denen die oberschlesische Frage zur Erörterung kommen wird, vollständige 11 r * teilssreiheit haben, wie cs bisher auch stets der Fall war. Weder Baron Hajashi noch Vicomte Ishij sind irgendwie durch eine Weisung ^e9}erun9 gebunben. So erklärt man mit aller Bestimmtheit, die japanische Regierung hegt nur den einen Wunsch, daß die Streitfrage in gerechter und billiger Weise gelost werde. Es steht also fest, sagt Havas zum Schluß, daß der l apan i sche Vertreter als Mitglied und Vorsitzen - der des Völlerbundrates in vollkommener Unab­hängigkeit und Unparteilichkeit sich an den Be­ratungen in Genf beteiligen werde.

Frankreich will mit Hapan einen Schacher beginnen, indem es ihm vermullich feine Unter­stützung bei der Washingtoner Konferenz anbietet.

London. 22 Aug. iWTB., Aus Tokio wird gemeldet: Der Minister des Aeußern U ch i d a veröffentlicht eine Erllärung, in der es heißt, die bevorstehende Washingtoner Konferenz fei für Japan von le^nswich- tigerer Bedeutung als die Friedenskonferenz. Der amerikanischen Regierung sei bargelegt worden, wie wichtig es für Japan fei. das Problem der Konferenz zunächst kennen zu lernen. Entsprechende Derhandllmgen feien zwischen Japan und Amerika im Gange.

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(£ttt Eisenbahnstreik in Polen.

Danzig, 22 Aug (Wolff.) Seit heute früh streiken die Eisenbahner in den ehe­mals preußischen Teilgebieten der

Republik Polen. Der Eisenbahnverkehr ist so gut wie unterbunden. Die polnische Eisenbahn- Verwaltung versucht den Verkehr durch Transit- und Fernzüge von Ostpreußen nach dem Deutschen Reich durch den Korridor aufrecht zu erhalten Der Eisenbahnverkehr innerhalbTes Danziger Gc bieteS ist, soweit er sich auf Lokal- und Vorort- züge erstreckt, ungestört, dagegen ist der G ü t c r verkehr vollkommen unterbunden Der Streik, an dem 3 Eisenbahnerverbände Wcst- polens beteiligt sind, ist auSgebrvchen. weil die polnische Regierung bie Forderungen der Eisen- bahner nicht erfüllte. Heule vormittag setzten bereits Verhandlungen zwischen der pol nischen Regierung unb ben brei Verbänden rin um eine schleunige Wiederaufnahme deS Eisen bahnbetriebcs zu erreichen.

D a n z i g, 22. Aug. (WTB.f Rach mehreren Rachrichten beschränkt sich der Eisenbahner- streik in Pvmmercllen unb Posen auf ben Aus­stand ber Lokomotivführer in den Bezirken Dir- schau. Brvmberg unb Thom. Der gesamte Korri- dvrvcrkehr unb ber Verkehr auf "ber Strecke Schneibemühl-Marienburg und Czersk -Marien­werder wirb ausrecht erhalten. Sämtliche auch über Danzig lausenden Züge nach und von Berlin (Linie DanzigKönigsberg) verkehren ebenfalls DieVerleumduugstaktik dcSTcmpS".

Oppeln, 22. 2Iug. (WTB ) Der,Temp S'' vom 21. August bringt an ausfallender Stelle die Meldung, daß im Kreise Grvß-Strehlih in Ober­schlesien bisher 60 Polen, die nicht an dem Aufstand teilgenommen hätten, von den Deut­schen ermordet worden seien. Wie vorauSzu- fehen, ergaben die angestellten amtlichen Ermitte­lungen, baß diese nachweislich auf böswillige Au^ ftreuungen von polnischer Seite zurückzuführende Behauptung jeder Grundlage entbehr«. Wie fest gestellt, stammt die ungeheuerliche Behauptung von dem polnischen Kveisbeirat des Kreises Grvß- Strehlih.

Rathenau und Louchenr

Berlin, 22. Äug. Laut »Dossischer Zeitung^ begibt sich Minister Rathenau am Donnerstag zu einer Begegnung mit Loucheur nach Wies­baden. Der Murister wird von dem Staatssekretär Guggenheimer begleitet fein.

Deutsche Auswanderer.

Bordeaux, 22. Aug. (WTB.) Zwei- unddreißig Deutsche, die aus Ber­lin über KölnParis in Bordeaux eingetrof­fen find, um sich nach Benezuela einzu- schiffen, sind derart entblößt von allen Mit­teln, daß die Polizei sie in einer Herberge unterbringen mußte.

Die Besetzung von Aünskircheu durch ungarische Truppen.

Budapest, 23. 2lug. (WTB.) Wie bai ungarische Korrespondenzbureau meldet, sind die Truppen des »Generals von SooS in Fünf- k i r ch e n eingezogen. Die Truppen wurden von der Bevölkerung mit unbeschreibllchcr Begei­sterung empfangen. In der Stadt herrscht vollkom­mene Ruhe und Ordnung.

Aus Bulgarien.

P a r i s, 22. Aug. Rach einer Havasmeldung aus Sosta, melden sich trotz der Anstrengungen ber Regierung keine Freiwilligen für das Heer. Die Bcmken, Gefängnisse, Muni- tionsdepvts unb bie Grenzen würben bald ohne Verteidigung fein. Heute wird eine öffentliche Versammlung veranstaltet, in der Abgeordnete Reden über die Rotwendigkeit der Bildung einer freiwilligen Armee halten werden.

Rach einer HavaSmelbung aus Sofia hat dic Parlamentsmehrheit beschlossen, die Handelsfrei- beit für Getreide wieder herzustellen, obschon diese Maßnahme eine Dreishausse Hervorrufen und Schwierig leiten für die Ernährung deS Lan­des mit sich bringen würde

Die Beisetzung des Königs Peter.

Belgrad, 23. Aug (WTB.) DaS Leichenbegängnis König PeterS fand gestern in feierlicher Weise statt. Rach dem Trauergottesdienst in der Savorkirche begab sich der Leichenzug zum Bahnhof. Um 6>, llfcr abends verkündeten Kanonenschüsse und das Geläute sämt­licher Glocken, daß -der König in Topola zur letzten Ruhe bestattet wurde

Der griechische Vormarsch.

Paris, 22. Aug. Rach einer HavaSmeldunH aus Konstantinopel geht der griechifcheDor- marsch weiter, ohne auf ernsthaften Widerstartz zu stoßen. Der Sakharia-Fluß sei überschritten Poladli besetzt und die Griechen versuchen jetzt dic Gegend von Svrdium einzukreisen. Türkische Krell" glauben nicht, daß Mustapha Kemal Pascha An­gora aufgebe, ohne eine große Schlacht geliefert zu haben

Paris, 22. Aug. iWTD.- Wie die Abend­blätter aus London melden, sind die beiden eng­lischen Heberbreabnougbtö6mbe- rot of 3nbia unbÄing ®eorge V." nuf bem Wege nach Konstantinopel

Aus dem Reiche.

Sitztmg des ReichSkabiuetts.

B e r l i n, 23. Aug. Laut ..Lok.-Anz.- be. fchäftigte sich gestern das Reichskabinett in einer Sitzung mit der oberschlesischen Frage.

Der Reichstag.

Berlin, 22. Aug. Rerchstagspräsiderll Loebe, ber gestern von der Stockholmer Kon­ferenz zurückgäehrt ist, wird, der .Deutschen All»