nachts
Noch immer kein Rege«.
Vorwiegend heiter, trocken, warm, etwas kühler; nordwestliche Winde.
auf in Spanien erlegt. Das Erklettern der hohen und dornigen Storchnester ist nicht leicht und wegen der Höhe des Standortes meist gefährlich; natürlich fehlte es nicht an Zuschauern. Sv erzählte Mayhoft von einer Storchberingung im Ohmgrund: .Während ich im Rest hocke, hat sich unten eine Wenge Leute angefammelt, die erregte Fragen ft eilen: .Wieviel Störche sind denn bnn? . . - „Ieyt ist ja noch ein dritter oben." Wit dem .dritten" war der hagere Forscher gemeint. — Die durch den um den Ringdersuch verdienten Lehrer Balzer über den Zweck der Beringung unterrichteten Einwohner, und beton» ders die Kinder freuen sich, wenn sie Rester zeigen, Leitern schleppen und heine Handreichungen cun können. Sie werden dadurch zur Raturbeobach- tung erzogen, schützen .ihre" Aingvögel und verfolgen aufmerffam ihr Wohl und Wehe, ihr Kommen und Scheiden. — Zur Erforschung des Vogelzuges und anderer zoologischen Fragen ist es im Interesse der vaterländischen Aaturkunde wün- schenswert, wenn auch andernorts in Hessen sich Naturfreunde an der Beringung beteiligen; Anleitung und Ringe dazu liefern die Vogelwarten Helgoland und Vos sitten (Ost- Preußen), oder W. Runkel in Marburg (Hessen), dem für seine geplante Arbeit über die Wirbeltierfauna Gesamt-Hessens auch stets Tier-, besonders Vogelbeobachtungen aus der Heimat willkommen sind.
düng diese zurückgenommen und dem Absender zurückgeschickt. Dieser lehnte die Zurücknahme der Sendung ab und verklagte die Post auf Zahlung des AachnahmebetrageS
„Beringte" Vögel.
Wie schon früher, hat auch Heuer der hessische Zoologe W. Tunket in Schwems- berg In Oberhessen, und besonders in unserer Stcwt, junge Stare, Schwalben u. a. Vögel in den Restern mit numerierten Alumtniumfutzringen der Vogelwarten Helgoland und Rossitten (Oft- preuhen) gekennzeichnet. Geraten solche .Singvögel" zufällig wieder in Menschenhand, so labt sich manche Frage aus dem Vogelleb-n beantworten (Wanderstrahe, Zugziel, OrtSbestän- digkeit u. a.). Z. B. wurde ein vom verstorbenen Marburger Ornithologen H.Mayhoff 1912 inKlein- seelheim (Kr. Marburg) beringter Storch kurz dar-
wie gestern.
Landkreis Gießen.
ne. Bellersheim, 20. Juli. Die Sammlung für das Hilfswerk in Oberschlesien ergab 627 Mk. Für die Kinderhilfc konnten 541 Mk. abgeliefert werden. Die Orhösammlung zur Errichtung eines Denkmale für die im Kriege Gefallenen ergab ungefähr 13000 Mk.
u. Heuchelheim, 20. Juli. Die in der letzten Tagen zu Ende geführte HauSsammlung zum Besten der „Kinderhllfe“ ergab 2507 Mark
Kreis Büdingen.
f. Wohnseld, 17. Juli. Gestern abenk fand in der Gastwirtschaft Wenzel eine gut- besuchte Versammlung der Landbewerber statt, in welcher der KreisverernSvorsitzende Bei' geordneter Graf- Gonterskirchen über das Hess Landgesetz, Siedlungstätigkeit, sowie Zwecke und Ziele der Organisation sprach. Die Ausführungen des Redners fanden allgemeinen Beifall. Zum Schluß wurde ein Zweigverem mit dem Anschluß an den Kreisverein aller ßanbbetoerbcr im Kreis Schotten gegründet, dem eine gröbere Anzahl Mitglieder beitrat. Für den Landerwerb tommt eine größere Wicsenfläche in Betracht, die dem hessischen Staat gehört. Roch am selben Abend wurde ein Antrag auf Landzuteilung gestellt.
Kreis Alsfeld.
Up. R u p p e r t e n r o d, 20. Zull- Das Orts' netz unserer Lichtleitung ist fertiggestellt. Zugleich sind die Lichtanlagen in den Gebäuden bis auf die Einmvntierung der Lampen bewerkstelligt worden. Eben hat man die Erbauung des TransformationshäuSchen begonnen, das dreistöckig wird und sich über dem Wasserbett des Dorfoaches am Westende des OrteS erheben soll.
Kreis Schotten.
Up. Stumpertenrod, 20. Juli. Aus den Revieren der Freiherrlich Riedeselschen Waldungen, namentlich deS Zetlwaldes. gehen zur Zeit jeben Tag umfangreiche Brennholzlieserungen nach der Mihnstation Rieder-Ohmen, um nach Den Städten verfrachtet zu werden. Bon hessischen Städten wird namentlich Offenbach damit beliefert.
f. L a u b a ch, 20. Juli. Unsere Gemeinde war trotz der großen Trockenheit der letzten
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 21. Juli 1921.
Annahme vsn Anzeigen bis zum Adens vor dem Ausnahmetage.
Seschastrstunden von 8—VU u. 2—V26Hl)r.
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in Kraft getreten. Dieser willkürliche Eingriff der interalliierten Kommission in den Fahrplan : der deutschen Eisenbahnen hat für das deutsche i Verkehrswesen sehr unliebsame Folgern Diese plötzliche Fahrplanänderung, die binnen 24 Stunden durchgeführt werden muhte, hat an den i tarf besetzten Strecken die Verkehrssicherheit sehr tark gefährdet. An den ülebergangsstationen aber zeigte sich die ülnsicherheit der ganzen Maßnahme in besonders grellem Lichte. Die Zollrevision der Personenzüge ergab selbstverständlich ebenso wenig wie früher irgendwelche nennenswerte Einnahmen. Das pelllniäre Fiasko der Zollgrenze, soweit sie die lleberwachung des Personenverkehrs betrifft, wird nach den neuen verkehrsstörenden Bestimmungen nicht geringer sein.
mc. Höchst a. M, 20. Juli. Mit dem heutigen Tage ist die verschärfte Zollkontrolle eingetreten, die mit rigoroser Strenge gehandhabt wurde. Ohne Rücksicht auf den Arbeiterverkehr muhten die Züge oft über eine halbe Stunde warten und die Zollkontrolle beschränkte sich nicht nur auf Pakete, auch die Eßtöpfe der Arbeiter wurden für staatsgefährlich gehalten und hochnotpeinlich untersucht. Der Erfolg lohnte natür, sich kaum der Mühe. Auf den Landstraßen wurde die Kontrolle ebenfalls verschärft, u. a. wurden mehrfach Doppelposten aufgestellt. Es ist federn Besucher des besetzten Gebietes anzuraten, sofort auf Anruf stehen zu bleiben, da die Posten angewiesen sind, auf Flüchtlinge zu schießen.
„Schwarze am Rhein" — ein Weltproblem ist eine Broschüre betitelt, die, herausgegeben von der .Pfalzzenttale Heidelberg", für welche Prof. Dr. Ritter von Eberlein verantwortlich zeichnet, dieser Tage im Verlag von F. W. Schröder, Heidelberg erschien. — Die Veranlassung zu dieser Arbeit .bildete eine im Verlag von „®. Marechal & Cie., Mahence" erschienene Broschüre „La cam- pagne contre les trouwes noires", die zwar anoym ist, die aber inhaltlich unschwer als den eigentlichen Verfasser die Interalliierte Rheinlandkommission resp. deren französische Abteilung mit Herrn Tirard an der Spitze erkennen läßt. In der von der Dfalzzentrale herausgegebenen Broschüre ist der Text von „La Campagne contre les troupes noires" in deutscher Llebersehung wörtlich zum Abdruck gebracht und ihm die deutsche Erwiderung unmittelbar zur Seite gestellt. Dadurch ist jedem Leser die vollste Möglichkeit gegeben, sich an Hand der beiden S^te ein eigenes Urteil zu bilden über eine Frage von weltproblematischem Charakter, die weit über die deutsch- französische Interessensphäre hinausreicht, zumal die Broschüre eine große Anzahl von Aussprüchen bekannter englischer, amerikanischer, ja sogar französischer Persönlichkeiten enthält, zu denen noch viele Stimmen aus dem neutralen Auslande hinzutreten, die ganz besonderer Beachtung empfohlen fein sollen. Aus dieser Tatsache dürfte Wohl schon hervorgehen, daß die Broschüre „Schwarze am Rhein'" sich wesentlich von allen bisher zu diesem Thema verösfentlichten Schriftwerken unterscheidet, denn sie bringt in der Hauptsache nicht deutsche Anschauungen zur Kenntnis, sondern solche aus den Reihen unferei: Feinde und der Reutralen, schließt dadurch also auch jede irgendwie parteipolitische Tendenz sach- und inhaltgemäß schon aus. Was die Schrift an Tatsachenmaterial enthält, ist genau auf seine Richtigkeit hin geprüft, denn sie will in erster Linie der Wahrheit dienen und tritt auch gegen ilebertreibungen und Unrichtigkeiten auf. wo sich solche in die deutsche Presse oder in irgendeine Propaganda-Aktion ein- geschlichen haben. Aus allen diesen Gründen glauben wir, daß die Broschüre „Schwarze am Rhein" — ein Weltproblem im Interesse der Wahrheit allgemeine Verbreitung verdient.
mit Erfolg. 3n der Begründung wird auSgo« ührl, daß der Absender mit der Einlösung gegen die Post einen Anspruch auf den Betrag nach ven Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, §§ 667 jino 675, erhalte. Der Absender habe auch ein Recht darauf, daß dem Empfänger >uir zwei Möglichkeiten gewährt werden: die Sendung einzulösen oder den Empfang abzulehnen.
•• Die verbotene S o n n t a g s a r b e it in Konditoreien. Der ReichSarbeitsnnnistcr hat in einem neueren Bescheide dahin erkannt, daß das in der Verordnung über die Arbeite zeit in den Bäckereien und Äonbitoreien vom 23. Rovember 1918 ausgesprochene Verbot sich auch auf alle Arbeiten und Vorarbeiten. Erstreckt, die in Gast- und Schankwirtschaften, öbeiieanftab ten aller Art, Warenhäusern, Mühlen und an deren gewerblichen Betrieben xum Herstellen von Bäcker- und Konditorwaren dienen. AlS Gast und Dchankwirtschaften find auch diejenigen Betriebe anzusehen, für die eine Konzes fivns- pflicht nicht besteht. Zu diesen Gewerben rechnet nach der Überwiegenden Rechtsprechung auch
Rordwestliche Witwe haben in der Rächt weitere Abkühlung gebracht. Im übrigen ist mit keiner Aenderung des Witterungscharalters zu rechnen, dal das atlantische Hoch die Wetterlage beherrscht.
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’• Heimatkundliche Studienjahr t. Dom 24. -30 Juli nimmt in Gießen eine vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht veranstaltete, von Universitätsprofessor Dr. Ernst Küster geleitete „Heimatkundliche Studienfahrt durch Hesten" ihren Anfang. Der Lehrgang will seinen Teilnehmern eine wissenschaftlich begründete Anschauung des hessischen Landes und Volkslebens vermitteln und wird nach Wetzlar, Büdingen, Gelnhausen, Mainz, Darmstadt führen. Vorträge haben außer dem Leiter des Lehrganges die Professoren Harrassowitz, Helmke, Kramer und Rauch (Gießen), Dr. Röschen-Laubach, Pfarrer Schulte-Großen-Linden, Professor Red- Mainz u. a. angekündigt. Dr. Alft. Bock wird Proben hessischer Heimatdichtung vorlesen. Der Lehrgang wird wahrscheinlich sehr stark besucht werden, es liegen etwa 115 Anmeldungen aus allen Teilen von Deutschland vor.
** Die Oberschlesier-Versamm- 1 ung am vergangenen Mittwoch im Pvstkeller war start besucht und nahm einen guten Verlauf. Rach einer regen Aussprache wurde Dr. F. A. Whneken zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die weitere Reuwahl ging rasch von statten. Ein Beschluß über Zusammenarbeit mit der Dezirks- grvppe Gießen der V. V. h. O. fand die Billigung der Anwesenden. Die Teilnehmer sprachen sich für ein Verbleiben im Verbände der V.V.H.O. aus. Dadurch wurde die rege Anteilnahme an den Vorgängen in der Heimat bewiesen, da erst am 10. d. Mts. der Beschluß über die neue Konstruktion der Vereinigten Verbände in Breslau gefaßt wurde. Der Festsetzung eines geringen Monatsbeitrages zur finanziellen Unter- stützung folgte die Bestimmung des Versammlungstages, als welcher der 1. Donnerstag im Monat ausersehen wurde. Das dem Deutsch- Amerikaner Dr. Wyneken geschenkte Vertrauen findet nun auch durch vollzählige Beteiligung an den Versammlungen und seine Betätigung, zu mal auch die Ausgestaltung der Zusammenkünfte zu Heimat- und Landsmann-Abenden vorgesehen ist. Dieser oder jener, der noch nicht an der gestrigen Sitzung teilgenommen hat oder tellnehmen konnte, wird auf die weiteren Zusammenkünfte aufmerksam gemacht; denn der Zusammenschluß ist dringend notwendig, damit der gute Wille neue Betätigung findet.
♦* Eingelöste Nachnahmesendungen werden pon der Poft jetzt nicht mehr zurückgenommen, ^noch auch der bezahlte Betrag zuruckgegeben. Zu dieser neuen Anordnung haben gerichtliche Entscheidungen den Anlaß gegeben, durch die die Post an» gehalten worden.ist, eingezogene Aachnahme- beträge unter allen Umständen an den Auflieferer der Sendung abzuführen. In einem ' Falle hatte die Post aus Gefälligkeit 15 bis ’ 20 Minuten nach der Aushändigung der Sen
der Ausschank von Kaffee. Das Verbot der Sonntagsarbeit findet daher auchauf Kaffee- Hauskonditoreien Anwendung.
•• Paßverke hr zwischen Deutschland und Deutsch-Oesterreich Gntspr.'- chend den im Aus toärtigen Ausschuß des Reichstags geäußerten Wünschen soll der Paßverkehr zwischen Deutschland und Deutsch-Oesterreich auf das allergeringste notwendige Maß herabgesetzt werden. Eine völlige Beseitigung des Paßverkehrs scheint noch nicht angängig.
Der Wartburgverein veranstaltet» am Sonntag abend einen Familien» Ab end im Markussaal, wobei Kaufmann Scholz einen Vortrag hielt über „Kraft und Schönheit". Eingehend auf die Rot unseres Volles zeigte der Vortragende, wie auch aus der notbedrängten Gegenwart durch rechte Pflege deS Leibes und der Seele wieder ein Weg aufwärts führen könne, und wie es ernste Pflicht des Einzelnen fei, darnach sein Leben gew ssenhaft einzusttllen. Die Herren Kia Holz und Daubertshäuser erfreuten die Versammlung durch den hübschen Vortrag mehrerer Musik- stücke auf Klavier und Violine.
Bornotize«.
— Tageskalender für Donners tag. Handelskammer, Ausstellung. Der Frie- densdertrag von Versailles. — Lichtspielhäuser
Systems durch eine die Wohlfahrt aller Gesellschaft smitglieder sichernde sozialistische Gemein- -wirtschaft und damit zugleich die allgemeine höchste Steigerung der geistigen und sittlichen Kul- <tur des Volles.
Die wirtschaftspolitischen Forderungen des Programms lauten:
1. Die Sozialdemvftatie geht von dem leitenden Grundsatz aus, daß das Interesse der Allgemeinheit dem des einzelnen oder dem einzelner Er- werbsgruppen voranzustellen ist.
2. Die sozialistische Gemeinwirtschaft erstrebt die Zufammenfassuna der Betriebe und die Ausschaltung des Privatbesitzes. Insbesondere sind bie Bodenschätze und die Raturkräfte der privaten Ausbeutung zu entziehen, um sie im Dienst der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Bei allen Maßnahmen der Gemeinwirtschaft soll die möglichst hohe Ergiebigkeit in der Produktion und die soziale Besserst"llung der Arbeiter und Angestellten gewährleistet werden. ...
3. Staatliche Kontrolle der kapitallssischen Interessengemeinschaften (Kartelle, Syndikate, Trusts).
4. Ausbau der Betriebe des Staates und der sonsttaen ösfentlichen Körperschaften unter demokratischer Verwaltung.
5. Förderung der Verbrauchergenossenschaften, die nicht die Erzielung von Profit, sondern die uneigennützige Wahrung der wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitalieder zur Aufgabe haben.
6. Bewegungsfreiheit für die geschäftliche Leitung der gemeinwirtschafllichen Betriebe unter «ernbaltung bureankratischer Erschwerung. Regelung der Arbeitsbedingungen in gemeinwirtschaft- kichen Betrieben durch Körperschaften, in denen zusammengefaht die Vertreter der Arbeiter und Angestellten in gleicher Weise beteiligt werden tote die Verwaltung der Betriebe. Berufungsmögsich- Teif gegen die Entscheidung dieser Körperschaften an eine Zentralinstanz. Preisregelung unter Kontrolle deS Staates bzw. andrer öffentlicher Körperschaften durch Vertretungen der Berufsmitglle- 6er der weiterverarbeitenden Gewerbezweige und der Verbraucher.
7. Entschädigung bei der äleberführung des Privatbesitzes in Gemeineigentum an den bisherigen Besitzer im Umfange des tatsächlichen Aufwandes der geiftinen und körperlichen Arbeit.
Das neugeMjaffene Agrarprogramm fordert für den Kleinbesih den genossenschaftlichen Betrieb unter enger Gestaltung der Beziehung der landwirtschaftlichen genossenschaftlichen Unternehmungen zu den Konsumvereinen der Städte, ferner Allmähliche lleberfübrung des Großgrundbesitzes ftn eine genossenschaftliche Detriebsform und Ver- /leihung eines weitgehenden Enteignungs- und Berkaufsrechts gegenüber dem Grundbesitz zugunsten des Reichs, der Länder und der Gemeinden.
Aus ein ausführliches Fi n a n z pr v gr am m wird mit der Begründung verzichtet, daß der Versailler Friedensvertrag nur eigen schmalen Weg für eine selbständige Finanzpolitik freilasse. Unter Len verfastungs- und verwaltungsrechtfichen Forderungen heißt es: „AblehnungjederDlk- jatur einer Minderheit und der Verdrängung icr demokratischen Volksvertretung durch berufs- . ständische Organisationen. Ausgestaltung des toirt- ^schaftlichen Räteshstems. durch da« die Arbeiter -und Angestellten die Mitbesttmmung im Wirtschaftsleben erhalten."
Die Kommunal- und sozialpolitischen Grundsätze enthalten nichts Reues. Hinsichtlich der Gesundheitspflege wird die Ülebemahme deS gesamten Heil- und Gesundheitswesens unter Eingliederung der Aerzte, Hebammen, Pfleger usw. in den Gemeinbetrieb unter Beseitigung jeglicher kapitalistischen Wirtschaftsform verlangt. Das Wohnungswesen soll geregelt werden durch Vergesellschaftung des Grund und Bodens und des Wohnungswesens an sich, sowie die Sozialisierung Les Baugewerbes und der Baustoffindustrien. Eine neue sozialistische Rechtsordnung wird gefordert, bei der in allen Zweigen der Justiz gewählte Volksrichter Mitwirken sollen: die Frauen sollen zu allen Iustizämtem zugelassen werden. Für den Zivilprvzeß wird u. a. verlangt bie Regelung der Rechtsvertretung ohne Beschränkung auf Anwälte und unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitersekretäre. Die Kulturpolitik wird gekennzeichnet durch die Sätze: ^Alle Erziehung ist Aufgabe der Gemeinschaft, Familienerz'ebung anvertraute Gemeinschaftsanf- gabe. Das Ziel der Erziehung ist der sozialistische Mensch." In den Bestimmungen, die von den Völkerbeziehungen und der Internationale handeln, finden sich die alten Utopien der deutschen Sozialdemokratie wieder.
Aus dem beseelen Gebiet.
Die Zollrevision auf der Eisenbahn.
Darmstadt. 20. Juli. Der neue Fahrplan, der bekanntlich an den ilebergangäftattonen von dem besetzten ins unbesetzte Gebiet für alle Personenzüge eine Wartezeit von 20 M i - nuten vorsieht, ist mit dem heutigen Tage
Die Rothersteins.
Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner & Comp., Berlin W 30. 12. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„Was fällt Ihnen ein!" hatte Magelone sachend erwidert. „Ich bin doch noch in Trauer."
Mehr konnte Anneliese nicht verstehen, denn die beiden entfernten sich aus ihrer Rähe.
Aber es war genug, um sie mit Mißtrauen gegen diese plötzliche Wiener Reise zu erfüllen.
„Du nimmst doch gewiß Dorothea alS Begleitung mit?“ fragte sie nun.
„Dorothea? Rein! Wozu? Es würde die Reise unnötig verteuern und wir müssen jetzt ja sparen, nicht wahr, Rüdiger?" fügte sie mit einem treuherzigen Blick ihrer Kinderaugen hinzu.
Er nickte ihr freundlich zu.
„Gewiß, liebe Magelone."
„ülebrlgens," fuhr Magelone fort, „wohne ich ja auch bei Tante Ulrtle im Damenstift und könnte dorthin nicht gut einen Gast mitbringen.“
Annelieses Mißtrauen beruhigte sich etwas bei dieser Erklärung. Wan sprach noch eine Welle über die Reise, dann hob der Fürst die Tafel auf, und Magelone wollte nach Fürstenhaus zurück, da „die arme kleine Do allein ist. Sie schreibt nämlich wieder einmal einen endlosen Bnef an die Wirtschafterin in MonrepoS und wollte deshalb nicht mitkommem" erttärte sie
„Soll Dorothea nicht während deiner Abwesenheit zu uns nach ©rafenegg übersiedeln?“ meinte die Gräfin.
Aber Anneliese fierfofort ein: „Wozu denn'c
Magelone bleibt ja nur ein paar Tage weg, wie sie tagt, und es fehlt Dorothea im Fürstenhaus an nichts.“
Auch Magelone war dieser Ansicht, besonders, da fie wußte, wie ungern Do nach Grasenegg gegangen wäre.
Auf dem Heimweg holte sie plötzlich Rüdiger ein. Er war etwas befangen und sprach anfangs von allerlei gleichgültigen Dingen, bis er plötzlich hastig sagte:
„Ich wollte dich fragen, liebe Magelone, ob eS dir unlieb wäre, wenn wir die Fahrt nach Wien gemeinsam machten? Ich wollte nächste Woche ohnehin hin, da ich einige neue Maschinen antaufen muß. Run könnte ich, wenn es dir recht wäre, aber ebensogut schon jetzt fahren."
Dieser unerwartete Vorschlag kam Magelone natürlich gar nicht gelegen. Erstens war es dann unmöglich, mit Edith Ruhland zu fahren und sich, wie sie beide vorgehabt hatten, zu amüsieren. Zweckens war eS sehr fraglich, ob sie Ihre Pläne inbezug auf das Gelddarlehen dann würde in aller Ruhe auSführen können.
Andererseits: welche Aussicht, sich Rüdiger dadurch näher zu bringen, ihn vielleicht dauernd zu erobern!? Rüdiger, der nun der allmächtige Herr hier war und — vielleicht doch eine glänzende Zukunft bedeutete . .
Sie lächelte also liebenswürdig und erfreut
„Ader natürlich ist es mir recht Wie reiaenb, daß ich nun nicht allein fahren muß.« Welcher Tag würde dir passen, lieber Rüdiger?"
„Ich richte mich ganz nach dir.“
„Dann sagen wir also — übermorgen.“
„Schön. Wir fahren gleich mit dem Frühzug. nicht wahr?^
„Ja. Kommst du vorher noch einmal zu uns, um Dorothea zu sehend'
„Schwerlich. Ich habe jetzt alle Hände voll Arbeit in der Wirtschaft, llnb da ich immerhin einige Tage in Wien werde bleiben müfien, möchte ich keine Minute unnütz versäumen.“
„Gut. Dann also auf Wiedersehen übermorgen früh.“ —
Do war glücklich, endlich einmal wieder Herrin ihrer Zeit zu sein. Die wohlgepflegten Prome- nadenwege, auf denen Magelone immer spazieren ging, waren gar nicht nach ihrem Geschmack, und sie sehnte sich schon lange einmal nach einem richtigen Spaziergang durch Wiesen und Wald. Besonders lockte sie die Ruine Grausenegg, und dahin wollte sie nun nach Magelones Abreise gleich gehen.
Aber gerade, als sie sich auf den Weg machte, kam Hertha.
„Ich wollte dir ein wenig Gesellschaft leisten,“ sagte sie in ihrer trockenen Art. „Rüdiger meint du würdest dich ohne deine vielbewunderte Wa- gelone langweilen, da versprach ich ihm, mich nach dir umzusehen. Luch läßt dir Papa sagen, du mögest zu Mcktag während Magelones Wwefen- heck in Grafenegg essen. Aber du bist wohl ohnehin gerade auf dem Wege zu uns?"
„Rein," antwortete Do verlegen, denn sie fürchtete, nun um den ersehnten Spaziergang zu tornmen.
„So? Ich dachte, du sehntest dich vielleicht nach ein bißchen Unterhaltung und Menschen, an denen es ja bei unS selten fehlt dank Annelieses und KarolaS großem GeselllgkeitStrieb. Eine Menschenfeindin, tote ich, wirst du fa nicht fein??"
„Ich bin jar leine Menschenfeindin. Aber —“
Do schwieg und Hertha sah sie halb belustigt halb gespannt an. Die neue Kusine, um die sie sich bisher wenig gekümmert hatte, begann sie plötzlich zu interessieren.
„Run — warum redest du denn nicht her- auS, was du Denkst? Zu mir kannst du es ruhig, denn tch tue eS auch. Also?"
„Ich bin überhaupt nicht gern auf Grafen- egg,“ sagte Do. „Ich habe das Gefühl, als — mbgc mich dort niemand."
„So — das hast du also doch schon gemerkt?"
„3a!“ DoS Stimme nahm einen trotzigen Klang an. „Unb ich habe ihnen doch gar nichts getan! Ich wollte ja gar nicht hierher. Ich wettz nicht, was sie gegen mich haben."
„Ra, vielleicht sage ich eS dir einmal. Ietz« aber sage du mir zuerst, wohin du gehen wolltest, alS ich dir in die Quere kam?"
„Hinüber zur Ruine Grausenegg."
„Ah, wirklich! Lind warum, wenn man fragen darf? Der Weg dahin ist närnllch gar nicht gut gepflegt, stell und steinig."
„Desto besser. Ich sehne mich fo sehr nach einem Stück unversälschter Ratur. Die Prvme- nabentoege, die Magelone mich bisher führte, sink mir ein Greuel."
Hertha sah sie forschend an. Dann schob sie ihren Arm In den DoS und sagte in ganz Deränbertem, nicht mehr spöttelndem Ton: „Wtlls du mich mcknehmen? Ich denke, wir könnten uneigentlich besser verstehen, alS ich anfangs dachte. Du mühtest freilich langsamer gehen meinettoegen denn mit dem Steigen hapert eS bet mir . . ich bin nun leider einmal solch elender Krüppel
. wenn dich daS nicht stört?"
k (Fortsetzung folgt) .


