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171. Jahrgang Dienstag, 17. Mal 1921
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Wachsende Verstimmung zwischen Paris und London.
Die Rede Lloyd Georges ßeaen Polen, in der zwischen ben Zeilen natürlich auch die ernstesten Vorhaltungen gegen Frankreich gerichtet sind, hat ein ungeheures Aufsehen gemacht und in Paris geradezu katastrophal gewirkt. Von dem auf die Auseinandersetzuna bezüglichen Notenwechsel zwischen Paris uiw London erfahren wir nur Bruchstücke, aber Briand hat fich Pressevertretern gegenüber sehr chsen und ungeschminkt ausgedrückt. Er will „Auge in Auge" mit England über solche Fraaen verhandeln, und erhobenen Tones erklärt er, Frankreich könne sich als gleichberech- tigt keinem andern Land unterordnen. Briand setzte sich f ob amt ausführlich und entschieden für das Recht Polens auf Oberschlesien ein. Man erkennt aus seinen Ausführungen, wie eng Frankreichs Politik mit dem Polenaufstand in Zusammenhang steht, ben es wahrscheinlich selbst entfacht hat. Die beutf d)en Widerlegungen schiebt der Franzose rundweg beiseite; er bleibt einfach habet, Deutschlands Haltung und gewisse Nachrichten hätten, aus Polen aufreizend wirken müssen.
Viel maßloser noch und herausfordernder sind die Kommentare der Pariser Presse. Sie befindet sich in einem wahren Taumel und Rausch nationalistischer Ueberhebung. Der „Marin" folgert bereits: Wenn am 20. Mai mittags Deutschland nicht dem Ultimatum des Generals Rollet Folge gegeben habe, würden die französischen Truppen in das Ruhrgebiet marschieren. Wir werden, so sagt bas Blatt Id etter, Deutschlanb nicht gestatten, seine Strafte gegen Polen zu erproben. Die alliierten u. assoziierten Regierungen seien von bem französischen Stanbpunkt in Kenntnis gesetzt worden Auf Frankreich ruhe die Verantwortung für die Ordnung in Europa, und, so fd) liefet das Blatt, „wir werden ihr Respekt verschaffen, mit ober ohne Lloyd George"
Pertinax schreibt im „Echo de Paris", die Rede des Herrn der Downingstreet habe bewiesen. daß er augenblicklich nicht genügend Kaltblütigkeit besitze. Es sei also gut, ihm Muße zu geben, damit er wieder Sinn gewinne für das, waS ihm in seinen besseren Tagen eigen gewesen sei. Ein wenig Ruhe und Erholung sei nötig, eine Golspartic aus grünem Rasen unter friedfertigen Hammeln.
„Gaulois" und Oeuvre" nehmen eine ähnlich schroffe Haltung ein, und „Somme libre" schreibt: „Jeder vernünftige Fraw- zose, der die Rede Lstiyd Georges gelesen habe, werde sagen: das ist vielleicht ein sehr intelligenter, sehr geschickter und sehr starker Mann, aber er ist ein Tölpel."
Jacgues Bainville sagt in der „Action Francaise", es gebe nur zwei Mittel, um einen Revanchekrieg Deutschlands zu vermeiden: entweder man gebe Deutschlanb alle im Osten verlorenen Provinzen wieder und streiche Polen von der Landkarte, oder man mache Deutschland sehr schwach und Polen sehr stark. Llovd George wolle weder bas eine, noch das andere. Auf diese sicherste «Weise bereite er das Unglück, bas er befürchte, unb man könne sagen, der zukünftige europäische Krieg werde aus der vierten Teilung Polens, die am Freitag im englischen Parlament angetünbigt worden sei. hervorgehen.
Der „Gaulois" sagt, e5 wäre der größte Irrtum, wenn Frankreich Deutschland auf Kosten Polens verstärken und ihm gegen jedes Recht die Bodenschätze Oberschlesiens zusprechen würde.
Llovd George läßt dagegen in der Londoner Presse, die mit einer einzigen Ausnahme vollständig auf feiner Seite stehl, nur feststellen, die Entente sei in Gefahr. Dem eng^ lisch-französischen Bündnis drohe vielleicht sogar ein Bruch. Man spricht jedoch bereits von einer neuen Zusammenkunft Briands und Lloyd Georges, unb da wird es sehr interessant fein, wer von beiden nachgibt. Deutschland hat im gegenwärtigen Moment allen Anlaß, mit größter Vorsicht und Mäßigung zu handeln, um dem französischen Standpunkt keinerlei Nahrung zu geben. Ob das Programm des Reichskanzlers Dr. Wirch weiter reichen kann als zwei bis drei Wochen, wird sich finden müssen.
Die (Entgegnungen Ertanös.
Paris, 14. Mai. (Wolff.) Minister Präsident Briand hat als Antwort auf bic gestrige Rede Lloyd Georges im Unterhaus einem Vertreter des „Ternps" erklärt, deri Auszug aus der Rede des englischen Premierministers, den er besitze, sei zu unvollftändig, als daß er ein endgültiges Urteil abgeben könne. Er feü jedoch nicht erstaunt gewesen, daß der französische Standpunkt von dem Lloyd Georges wesentlich abweiche. Ter englische Standpunkt werde beeinflußt von derAnsichtdesbritischenKommis- sarsinOberschlesien, der von der Ansicht des französischen Vertreters und auch in gewisser Beziehung von der des italienischen Kommissars abweiche. Es sei wünschenswert.
und das sei auch die Ansicht der französischen Regierung, daß man ben drei Kommissaren die unbedingt nötige Zeit lasse, um ihre verschiedenen Ansichten auszugleichen und gemäß dem Vertrage einen einheitlichen Vorschlag hinsichtlich der Grenzlinie zu machen. Es sei sicher ein Irrtum gewesen, von der Kommission in 3 oder 4 Tagen einen Bericht über eine so heikle Sache zu verlangen, der erst hätte in Angriff genommen werden können, nachdem das Ergebnis der Abstimmung Gemeinde für Gemeinde endgültig habe bestimmt werden können. Es seien drei verschiedene Berichte erstattet worden, die die Alliierten noch nicht hätten gemeinsam prüfen können. Das sei der Grund der Unruhen: abet auch die falsche deutsche (nein, polnische! Red.) Nachricht über den endgültigen Charakter der Zusprechung des Industriegebietes an Deutschland entgegen dem Ergebnis der Volksabsriml- mung trage die Schuld daran. Das Hebel könne wieder vollständig gut gemacht werden, denn die interalliierte Kommission habe chre volle Pflicht getan, ohne in irgendeiner Weise mit den Aufständischen zu paktieren, noch einen Waffenstillstand mit ihnen abzu- schließen, wie es die deutsche tendenziöse Propaganda, die die Welt überflute, gesagt habe. Die französischen unb italienischen Truppen hätten Verluste an Toten und Verwundeten gehabt unb ihren ganzen Einfluß aufgewandt, um die Unruhen zu bekämpfen. Die Ruhe sei beinahe wieder hergestellt, man habe einen direkten Kampf zwischen den Deutschen und polnischen Banden verhindert. Er glaube, daß man bald wieder eine normale Lage, wie sie der Friedensvertrag vorgesehen habe, erreichen werde.
Dem Vertreter des „T emps" erÄärtc Briand weiter, er glaube, baß man bald wieder eine normale Lage, wie sie der Friedensvertrag vorgesehen habe, erzielen werde, da die polnisch-' Regierung die Grenze gesperrt unb jeden Durchgang von Freiwilligen nach Schlesien verhindert habe, vorausgesetzt allerdings, daß man nicht ine Erregung der deutschen Banden &u befürchten hätte, die sich immer zahlteiclrr an der schlesischen Grenze bildeten (!), die deutscherseits oftengelassen worden sei. Es sei sicher, daß, wenn man die Deutschen ermutigt hätte, mit Gewalt in Schlesien räv,u* greisen, eine höchst ernste Lage geschaffen worden wäre. Die französische Regierung habe nicht unterlassen, die cmftefte Aufmerkamkeit der Berliner Regierung auf ihre Verantwortung zu lenken, denn ein direktes deutsches Vorgehen würde eine verhängnisvolle Gegenwirkung in Polen *ur Folge haben und vielleicht eines der wesentlichsten Ziele des Kampfes und des Gerechtigkeitssinnes in Frage gestellt haben, was feine der Mächte dulden könne.
Ter englische Premierminister habe, nach den Presseberichten zu scUteßen, getagt, Oberschlesien fei Kit Jahrhunderten ct.t dattsckes Land rntb die polnische Bevölkerung fei erst f.'i kurzem hinzugekommen Historisch fei eine solche Behaupt Tuno unrichtig. Schlesien habe einen Tell des Königreiches Böhmen gebildet und könne nicht als ausgesprochen deutsch angesehen werden, da seine Bevölkerung sich aus slawischen Und germani- i'dxn Bestandteilen zmammenfttze. Wenn man in den berühmten deutschen Atlas ton Andree aus dem Jahre 1914 einen Blick werke, so sehe man, daß ganz Oberschlesien blau hervorgehoben sei, um die polnische Sprache zu markieren mit kleinen rosa Jn'elchen, die die deutsche Sprache bezeichneten. Deshalb habe seinerzeit die alliierte Kommission für die polnischen Angelegenheiten nach achtmonatiger Arbeft die Zuteilung Oberschlesiens an Polen beschlossen unb deshalb sei in tem den Deutschen übergebenen unb von ben Verbündeten einmütig festgesetzten Vertrage das Griffet ben Polen als regelrechtes Eigentum yigeivrodm worden. Erst später und imt Rücksicht aus die deutschen Forderungen, habe der Oberste Rat be* schlossen, zur Volksabstimmung zu greifen.
Ans eine Anfrage über die gelinge Rebe Liovd Georges erklärte er, Lloyd George habe die Lage out feine Weife aufgelegt Aber, so fuhr Briand fort, wir sind srereLänbcr, große Länder, die Auge in Auge zusammen sprechen. Kern Land darr dem anderen Befihle erteilen. Der englische Premierminister tann allem nichr bic Initiative ergreifen, um ben deutschen Truppen zu erlauben, in Oberschle'ten einzudnngen llcbngen- ilt^m seiner Rede eavas Aehwiches nicht getagt. Tte These Llovd Georges ist, dag 'Boten icfb't gerat* sein müsse. Tas ici eine gerechte These^ er billige sie vollkommen, aber sie nrime für Tenrfckland wie für Polen wahr sein Frankreich bade »u große Anstrengungen gemacht, um ben Frieden sicher zu stellen, als daß er durch Rellamakimen großer deutscher Minenbesitzer gestört werde' könne. Es seien Uimorii.dmg*ei:en begangen werden. Man habe Teichchlani» hören lassen, wenn es das Ultimatum der Alliierten annehme, werde es Vorteile daraus ziehen. Darüber hätten sich die Polen erregt.
Notenwechsel zwischen England und Frankreich.
Paris, 16. Mai. (Wolff.) In der Antwort der französischen Regierung auf die an sie gerichtete englische Note über Ober- schlesien wird nach dem „Petit Parisies" u. a.
noch gesagt: Wenn auch in gewissem Maße Polen die Verantwortung für die Ereignisse in Oberschlesien zufalle, so habe die polnische Regierung doch cute korre kte Haltung beobachtet unb die Grenze gesperrt. Die Note erinnert auch an die fi)er an t w or tli ch- keil'Deutschlands unb brückt Verwunde rung darüber auH daß die englische Regierung noch nicht.die von der Botschafterkonferenz be schlossene Demarche in Berlin aus geführt habe Die französische Regierung bestätigt formell, daß der Vertreter Frankreichs in Oberschlesien niemals die Politik der vollendeten Tatsache ermutigt unb auch keinen Waffenstillstand mit den Aufrührern unter Festsetzung einer Demarkationslinie abgeschlossen habe. Endlich leugnet man, französischer! eits jemals die Absicht gehabt zu haben, bas gesamte obeschlesische Becken nötigenfalls gewaltsam den Polen zuzusprechen. Die französische Regierung erklärt schließlich, daß, wennDeutschlandin Oberschlesien mit Waffengewalt eingreife, Frankreich keinesfalls passiv zusehen könne.
„Pettt Parisien" fügt hinzu, ein bewaffneter Eingriff Deutschlands in Oberschlesien werde notwendigerweise als eihe Verletzung des Friedensvertrages von Versailles, also als ein casus belli angesehen.
Line neue Zusammentunst.
London, 16. Mai. (Wolff.l .Wie Reuter erfährt, werden Lloyd George und Briand in etwa einer Woche in Boulognc ober Lympn« Zusammentreffen.
London, 16. yiai. (WTBll.Jn einem diplomatischen Bericht des „Daily Telegraph" hrißtteS, bisher fei der g.enaue Zeitpunkt des Zu- tantmentreffenä zwischen Lloyd George und Briand noch nicht festgesetzt. Die end- ojiltigen Abmachungen müssen in gewissem Maße notwendigerweise davon abhängen, ob die Zusammenkunft den Charakter nichtformeller Unterredungen ober einer Vollsitzung des Obersten Rates annehmen würde. In letzterem Fall würde der neue amerikanische Botschafter in England Mr. Georges Harvey zum erstenmal in seiner Eigenschaft als „Beobachter" daran teilnehmen. Ini Hinblick daraus, daß der Beschluß bezüglich der endgültigen Abgrenzung Oberschlesiens Großbritannien, Frankreich und Italien angehe, würde die Anwesenheit des italienischen Vercreters als sehr natürlich und wahrscheinlich erscheinen. Belgien habe zwar keinen Sitz in der interalliierten Kommission in Oppeln, es fei jedoch im Obersten Rate ebenfalls vertraten, >oenn deutsche Probleme zur Erörterung stünden. Daher würde die Gegenwart des belgischen Verttetcrs ebenfalls gegeben erscheinen. Weiter heißt es, Lloyd Georges Rede am Freitag sei zweifellos auf den Wunsch ?,urückzuführen, die lange verzögerte Streitfrage zur Entscheioung zu bringen.
Paris, 16. Mai. (Wolff.) Ministerpräsident Briand blieb entgegen seiner ursprünglichen Absicht, den Pfingstsonntag auf dem Lande zu verbringen, in Paris. Er halte am 15. Mai mit dem aus Belgien zurückgekehnan polnischen Mi- nister des Aeußern Sapieha eine längere Un t er rebung, der der polnische Gesandte in Paris, Graf Zameyski, beiwohnte.
Maßlose Erbitterung in Warschau.
Warschau, 16. Mai. (Wolff.) Tie Warschauer Presse äußert sich in rn a ß l o s e r Erbil t e r u n g zu der Rede Lloyd Georges über Oberschlesien.
Das Echo in der englischen presse.
London, 16. Mai. (WTB.> Die gesamte Presfe besaßt sich eingehend mit den durch die oberichlefisch? Frage geschaffenen Meinungsverschiedenheiten zwischen den alliierten Regierungen, insbesondere zwischen Frankreich unb England. Tie „Time s" überschriebt ihre 9lusftchrungen: „D ie Entente in Gefahr ^,D a i l y Telegraph" erklärt, in den Raten der alliierten Mächte betriebe eine ernste Spannung. „Daily Expreß" sagt, die e n g l i s ch - f r a n z ö s i s chen Beziehungen seien so schlecht, wie nie seit F e s ch o d a, und erwähnt die Möglichkeü eines endgültigen Bruches. „Daily Chro- nicle" spricht von akuten Mrinungsverfchieben- heften zwischen der britischen unb franzöfi'chen Regierung unb von bet Gerahr, baß bei deutsch-pol nische Streit sich in einen ernsten französisch-englischen Konflikt auswächst, der den Bestand der Entente selbst ge'ährden könnte. Tas Re> cherungsblatt zweifelt leboch nicht daran, baß die Meinunosverichiedenbeiten zwischen Frankreich unb England überbrückt werden
Außer der „Morning Post", die Lloyd George heftia angreift und ihm vorwirft, daß ferne polen- feindliche Politik ihm von seinen jüdischen Ratgebern eingegeben fei. stimmen alle Blätter, selbst der „Taily Heralb" Lloyd Georges Politik gegenüber Polen zu. Letzteres Blatt erklärt, Lloyd George, der bisher an den Rockfchößen der französischen Räuber gehangen habe, stehe endlich aus eigener Füßen.
Italienischer Unwille über Polen.
Rorn, 14. Mai. (Wolff.) Agenzia Srefaui. Sojorl nach feiner Rückkehr aus London
empfing Graf Sforza ben polnischen sandten, dieser sprach erneut fein tiefes Bedauern darüber aus, daß während des oberschlesischen Ausstandes 19 italienische Soldaten getötet övorden seien Graf Sforza wies auf die Notwendigkeit hin, jebe Möglichkeit neuer Husam menstöfee auszuschalten. Steuer- dings hätten die Italiener feine Verluste mehr gehabt, aber die militärischen Unternehmungen gingen weiter und trotz der besten Absichten könnten sie doch zu neuen Verlusten führen Tie italienischen Truppen befäben sich kraft eines internationalen Mandats in Oberschlesien. Im Interesse herzlicher Beziehungen zwischen Italien und Polen telegraphierte Graf Sforza der italienischen Otefanbtfd)nft in Warschau, sie solle der polnisäjen Regierung f e ft und energisch zu verstehen geben, M» Art die Gefühle der Italien ifeben Regierung und der öffentlichen Meinung Italiens feien. Italienisches Blut dürfe aus keinen Fall wieder Dera offen werden lieber die Zal)lu>ig von Entschädigungen an die Opfer bestehe kein Zweifel; sie müsse so bgld wie möglich erfolgen.
Der Fortgang öe$ Ausstande;.
Paris, 16. Mai (WTB.) Ter Sonde» beriditcritxüter der „Chicago Tribüne" met- bet seinem Blatt, der .lbommandanl der cnglifdiet Truppen im Bezirk von Beuthen lobe seine Entlassung angeboten, weil er feine Stellung als unhaltbar ansehe und sich selbst als überslüssia be» trachte. Britische und italienische Offiziere hätten ihrer Scham unb Entrüstung über den militärischen Erfolg der polnischen Aufstäw- bifdjen offenen 4luSdruck gegeben. Ein britischer Offizier habe geäußert, die Deutschen hätten gewiß recht, wenn sie erklärten, die Verbündeten übten Verrat an ihnen, wenn sie die Entwaffneten auf Gnade ober Ungnade Jten Polen aus lieferten Ein italienischer Offizier habe leftgestellt, daß bet französische General Dr Brantes täglich mit Korfantyverhandelte, währenft italienische Offiziere unb Mannschaften durch Soldaten flknx santys getötet worden seien.
Beuthen, 16. Mai. <WTB) Auf Veranlassung des Milftärbesehlshabers smd wegen der umlaufenden Gerückte über einen angeblich geplanten U eber fall auf'die Stadt Beuthen Verfügungen erla'sen worden, nach denen die Lokale, Xfcater, unb ÄinoS am heutigen zweften Pfingstseiertag bereits um 8 Ubr schlietzeu muffen unb der Bettehr auf ben Straßen nur bis 9 llhr abends gestattet ist.
Per Heid)sfan)kr über die Lage.
Berlin, 14. Mai. >WB.) Tre „Germania^ reröffentlüht ein Interview ihres CT’errebafteuri Tr. Hom mcrich mit bem ReichSkwizler Dr Wirth, der u a ausführte: To 5 Jawort der Regierung soll nicht nur im Wrib verchallen, hinter ihm stehe vielmehr der feste Wille, durch Leistungen sowvlst in der Frage der Envvafsmmg wie frnanzilllem Qtettet zu zeigen, ban was in M en schon kr äs ten steh«, am gellten roerbe, um bte Welt von bem guten unb festen Willen TeiitschlaubS zur Erfüllung seiner ihm aufertegten Derpffich- rungen zu überzeugen. Ter RllchS!anzle> betonte, es hieße feine Auftastung ton ben toli ficken Erfordernissen der gegentoartigen Zeit au verkennen, wenn man annehmen i tollte, baß die verlangten Leistungen erst mft ben durch das Ultimatum gehetzten Terminen getätigt werden sollten. Mft Nackbruck wies tvr Reichskanzler daraus bin, daß an das aufrichtige und ehrlich: Zawort der Regierung Trine Bedingung im Sinne oo-n fcn> malen Mo nft ruft tonen, tne seine 2lu'rick.ngkeit ein- fchränken könnte, geknüpft werde. Er werde, was in feinen Kräften stehe, dahin wirken, daß die Entwaffnung und Leistungen an Sackgütern, wie an Gelb, alsbald getätigt werden und hoffe, daß bereits in der nächsten Woche Weisungen ergehen können, bic ben Alliierten zeigen, daß Deutsch and unter Aufbietung aller Kräfte zu Taten bereit ist. Er hoffe, daß die baldigen Leistungen auch auf bem Gebiet der Entwaffnung, die große Enti'pan- n u n g der üv.ematimafen Lage, die, to t ec. glaube, durch die Annahme des Ultimatums bereits herbei- geführt fei, vollenden. So Gott es wolle, werde man ba£o ’agen tonnen in irr Welt5Legt die Flinte weg und kehrt auch zum Pstug und Amboß zurück.
Bezüglich der oberfchlesischen Frage, oft nid-t nur Deutschlands Woh.'abrt ärgere, bn* oern für bas Schicksal ganz Mittefeuropas ent* scheidenb Sn, 'führte der RrichsSanzlec aus, bas deutsche Volk könne fick zwar damit abfenben, bap, unter ben Grundsätzen und Garantien te- Friedensnertt-ages unter geredxer Würdigung des Webfirfts bte oberschfeiiche Frage tvi den Alliierten durch Schiedsspruch geregelt werde, es werde sich aber memals einer Tt.tatur polnischer 3nfurgenten beugen können. Deutschlarft» verlange unter allen Umstanden, baß in der oberschlrifichen Frag« mit ihm faires Svtel gerrieren werbe. Nur die aufrichtige Anerfennung des Reck-tsstcwdpunktes kann ine entzweiten Völker einander toi/ber näher bringen. Ich bin über^ugt, fÄ-oß der Reichskanzler, daß die Well dft ooerscklesn'che Frage gerecht töten muß, wenn sie es ermt meint mft der Wiederauftichtung der Weitwirtscha t, bte allriq neuer Wohl fahr: entgegenführen tarn.


