Ausgabe 
16.12.1921
 
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Reich den Treueid zu (cifien, so hätte ile das nicht getan, tixil fte sich vor einer Wiederauf- nähme des Krieges fürchte, sondern well He über­zeugt sei. ba6 dadurch die Vereinigung -wischen Ulster und dem Rest von 3rlanb ermöglicht werde. Wir hoffen alle, sagte Churchill, daß Ulster eines Tages die en Schritt aus freien Stüden tun wird. Das wäre ein grost?r Vorteil für das Reich, für Irland und für Ulster selbst. Churchill tarn hierauf auf die Einzelheiten des 2tt>fommenb zu sprechen und sagte: Offenbar machte England sehr groste Zugeständnisse an Irland. Roer in Zukunft würden sich daraus Vorteile für das britische Reich ergeben. Alle britischen Kolonien billigten das Abkommen. Churchill schlotz mit den Worten, die Regierung glaube fest, datz sie in dieser Sache auf die tätige und energische Unterstützung der drei grosten Parteien rechnen könne. Rachdem der 2lbg. Mac Reil gegen das Abkommen gesprochen batte, ergriff Von ar Law. der zum ersten Male seil seiner Krankheit wieder im Hause erschienen war, das Wort, und trat mit Wärme für da- Abkommen ein.

London. 15. Dez. (WTD.) Der Pre­mierminister von Ulster erklärt m seinem Antwortschreiben an Lloyd Ge­orge, es sei für Ulster unmöglich, je­mals dem irischen Freistaat beizu- treten. Es liege nicht im Interesse Grvtz- britannienS oder des britischen Reiches, dah Allster der allirischen Union untergeordnet werde. Die Revision der Grenze würde einen Bruch des Gesetzes von 1920 bedeuten. Ulster behalte sich das Recht vor, der Ernennung der Grenzkvmmission nicht zuzustimmen.

London, 15. Dez. (Wolfs.) 3m Oder­haus eröffnete die Debatte über Irland Lord Morley, langjähriger Voriämpser für di? Ein­führung von Homerule in Irland. Er sagte, die Haltung des Königs habe welonllich zu den Aus­sichten auf eine Vers öhnung zwischen Eng­land und Irland beigctragen. Er würdigte die Verdien r e Lloyd Georges

Lord Eurzon stimmte Morley zu, datz daS Hauptverdienst für die Regelang aus britischer Selle Lloyd George zusalle, der im kritischen Augenblick niemals geschwankt habe und nicmalS verzweifelt sei. Riemand könne daran zweifeln, datz die Verständigung für England Stiebe und Ehre bedeute. Irland bl-ib? inerhalv des bri­tischen Reiches und alle (Gewalt der Krone werde aufrecht erhallen. Die Sicherheit deS Vor-- einigten Königreichs und die Integrität dcs brit-ischen Reiches feien gewährleistet.

Lin besonderes Merkmal in der Debatte im Oberhaufe war der überaus scharfe Angriff CarsvnS aus die Regierung. Carson sprach von einer glänzenden Totenfeier. Die llnionistische Partei sei tot und mit Glanz be­graben, um die Riederlage und die Erniedrigung zu verdecken, die in Irland erlitten worden sei. Die Partei sei erdrosselt worden von ihren Füh­rern. die in die Regierung gesandt seien, um sie zu stützen. Diemals sei ein gröbere« De r - b rechen an der verfassungsmäßigen Freiheit versucht worden als jetzt durch die Koalitions­regierung. Die Inszenierung durch die Regierung sei vorzüglich gewesen. Das Veste, was die Re­gierung tun sollte, sei, das Land zu befragen, was eS von der sogenannten Regeluna denke. Car­son sagte, alles dies komme daher, datz die Koa­litionsregierung so lange im Amte bleibe. Die De- dingungen des Vertrages seien von der Regie­rung angenommen worden, indem ihr die Pistole auf die Brust gesetzt worden sei. Die Regierung habe ihn angenommen und sei von den Sinn- .feinem geschlagen worden. England erkläre sich, von den Gewehren der Mörder auf die Knie ge­zwungen, bereit, auS Irland wegzulausen und die- jentgen, die England nicht unterstützen, aus zarter " 'Barmherzigkeit den Mördern zu Überlassen. Wie olle anderen, so habe auf die Regierung Ulster beraten.

Die Debatte im Oberhaus wurde hierauf vertagt.

Die Unruhen in Indien.

London, 15. Dez. (Reuter.) AuS Bombay wird berichtet: Dei den Unruhen in Indien vom 17. bis zum 20. Rovember wurden zwei Europäer, ein Amerikaner und zwei ParsiS getötet und 83 Polizisten ver­letzt. Auf Setten der Aufständischen gab es 53 Lote, 298 Verwundete und 341 Personen wurden verhaftet. Drei Straßenbahnwagen wurden zerstört und 157 Wagen beschädigt. Vier Gastwirtschaften wurden etngeäschrrt und 35 beschädigt.

Aus dem Reiche.

Hitzung deS ReichSrateS.

Berlin, 15. Dez. (WTD.) Der Reichs rat hielt nachmittags eine Vvll-

Anzengruber als Witzblatt-Redakteur.

Ser größte Tragiker unserer Zeit, Der muh ein Witzblatt machen: Ein tragischer Witz, bei meiner Seel', Man möchte Tränen lachen!" Mit diesem bitteren Vierzeiler hat Rosegger daS LoS seines ZreundeS Anzengruber beklagt, der viele Jahre seines Lebens sich einen wichtigen Teil seines Unterhaltes als Mitarbeiter und Redak­teur von Witzbl lttern verdienen muhte. Der Schöp­fer des .Vierten Gebotes" hat Rosegger sehr wür­dig auf seine Klag« geantwortet: ..Ich bitte Sie, Pegasus Int Joche mutz froh sein, dast er im ZirkuS durch den Reisen springen darf das ist immer noch Kunst." Unb wirllich sind die witzigen Im­provisationen in VerS und Prosa, die der Dichter allwöchentlich zu verschiedenen Wiener Witz­blättern beisteuerte, ein vollgültiges Zeugnis seiner geistreichen, humorvollen, satirisch-liefsinniaen Be­gabung, die auch auS diesen flüchtigen Ech^'fun- gen deS TageS noch Kunstwerke gestaltete. Die Dei- träge Anzengrubers zu ben Witzblättern, an benen er ständig mitarbeitete oder bie er leitete, sind zum erstenmal setzt -usammengesteilt in der er­schöpfenden Aufgabe seiner Werke, die Professor Eduard Castle im Verlag von Hiss« und Beller zu Leipzig herauSaeaeben hat. Diese Gesamtaus­gabe, deren Test überall mit den Handschriften verglichen ist, bleiet un- erftdenganzen Anzen- S>er dar, unb da darf auch der »Witzblatt- rtfani", der gütig nachsichtige unb d?ch bitter mb« Chronist der alltäglichen Wiener Eitel­keiten unb RarrHelten, nicht vergessen werden.

sitzung ab. Zum bevollmächtigten Reichs rat wurde der braunschweigische Ministerpräsident Zunke ernannt. Ausgeschieden ist der frühere braunschweigische Ministerpräsident Oerter. Dei folgenden vom Reichstag angenommenen Gesetzentwürfen sah der ReichSrat von einem Einspruch ab: Abänderung des BSrsenge- seyeS, Gesetz betreffend die Wahlen nach der Reichsversicherungsordnung, Abänderung des Tabaksteuergesetzes, vierte und fünfte Ergän­zung des Besoldungsgesetzes. Der Reichsrat nahm ferner mit geringen Abänderungen den Entwurf der deutschen Arzneitaxe für 1922 und die Teuerungszuschläge für Arzneimittel sowie unverändert bad Gesetz betreffend Ver­schärfung und Erfassung der Preistreiberei, des Schleichhandels und der verbotenen Aus­fuhr lebenswichtiger Gegenstände an.

Dir Gebührenvorlage

der Post- unb Telegraphen Verwaltung.

Berlin, 15. Dez (Wolff.) Der AuSfchuh beS Reichstages befaßte sich mit der Gebühren­vorlage ber Post« unb Telegraphen­verwaltung. Es fand eine längere Aussprache statt, bie zu dem Ergebnis führte, bah ber AuS- schuh es für erwünscht hält, die Vorlage, wenn irgend möglich, vor Weihnachten zu erledigen. Zur weiteren Förderung ber Angelegenheit ist ein iln» terausschuh eingesetzt worden, in dem jede Partei Vertreter haben wird. Der UnterauSfchutz tritt heute nachmittag zusammen. Morgen früh wird ber AuSfchuh weiterberaten.

Die Unterstützung der Kleinrentner.

Berlin, 15. Dez. (Wolf»./ Der Haupt- a u s s ch u st des Reichstages nahm nach län­gerer Debatte einen Antrag an, worin ersucht wird, bah die Regierung in Soeben der Unter- stützung der Kleinrentner bie Vcrhanbl.in- gen mit den Ländern unb Gemeinden beschleu­nigt. um eine möglichst schnelle Auszahlung ber Unterstützungen herb; iz fuhren.

DaS OriSklassenverzeichniS.

Berlin, 15. Dez. (Wolff.) Der ReichstagS- ausschust für Beamtenangelegenheiten nahm einmütig einen Qlntiag an, wonach die erste Nachprüfung des Ortsklassen Verzeich­nisses bis spätestens 1. März 1922 beendet sein muh. Für die bei dieser Rachprüsung höher ge­stuften Orte und Ortoteile sind bie Beträge rück­wirkend ab 1. April 1920 nachzuzahlen. Das Orts klassen Verzeichnis ist spätestens bis zum 1. April 1925 neu aufzust Kien. Wenn bei Reichs­rat vielem Anträge zustimmt, erfolgt die Aus­zahlung noch vor Weihnachten.

Aus Hessen.

Die Deutsche Dolkspariei unb die Regierungs­bildung.

Darmstadt, 14. Dez. Der Geschäfts­führende AuSschust der Deutschen Volks- Partei, verstärkt durch die KreiSvorsiyen- den der LandeSorganisatton, hielt eine Sitzung ab, an der auch die Landtagsfraktion teilge­nommen hat. Rach lebhafter Aussprache wurde die WillenSmeinung der Partei einmütig wie folgt festgestellt:

Die Bedeutung der letzten Landtags­wahlen liegt darin, datz die bisherige Re­gierungsmehrheit um 15 Mandate geschwächt wurde. Dagegen ziehen die Fraktionen der bisherigen bürgerlichen Opposition um bat Doppelte gestärkt in den Landtag ein. Eine Regierungsbildung, die diesen klaren Tat­sachen nicht gebührend Rechnung trägt, könnte keinen Anspruch darauf machen, Ausdruck des Volkswillens zu sein."

Aus Stadt und Land.

Dietzen, ben 16. Dez. 1921.

(Veld, das nur gesammelt wird.

Die Prägung von R o t g e l d, die in einem gewissen Umfange in unfern schweren Zeiten eine wirtschaftliche Rotwendigkeit ist. wird in neuester Zeit immer mehr zu reinen Händler- und Sammlerzwecken mißbraucht, so daß dieses Geld überhaupt nicht mehr als Zahlungsmittel in den Umlauf kommt, sondern nur noch gesammelt wird. Gegen diese Uebcr- tretbung wendet sich der bekannte Münzen- kenner und frühere Direktor des Berliner Münzkabinetts Julius Menadier in einem temperamentvollen Aufsatz desSammler", den erDeutsche Schandscheine" überschreibt. Er erzählt von einem Sammler, der damit den Anfang machte, einen besonderen Rot­schein zu schaffen, der im werktätigen Leben

Hatte Anzengruber schön während feiner Äomö- diantenzeit allerlei komische Phantasien unb Paro­dien geschrieben, damit in bie Futztapfen feiner Vorgänger, ber Wiener Volksdichter tretenb, so würbe er zuerst ständiger Mitarbeiter an dem von O. F. Berg herauSgegebenenKikeriki", bei dem er, tote alle anderen Mitarbeiter, ein Hono­rar von zwei Kreuzern für die Zeile erhielt. Als sich die Leute den Kopf über den Verfasser des so grotzes Aussehen erregenden ,Pfarrers von Kirchfeld" zerbrachen unb Berg dessen Inkognito enthüllte, da lieh er ben .stolzgewordenen Mist- kratzer" ein Rad schlagen, in dem ber (Harne ,L. Gruber" Anzengruber- Pseudonym zu Ufat war. Und darunter stand die Bemerkung: .Hundert unb mehr gelungene Artikel hat der L. Gruber, der Verfasser des Volksschauspiels .Der Pfarrer von Kirchfeld". für mich geliefert, ohne bah bas Publikum eine Ahnung davon ge­habt bat. O Menfchentorheit I Der schärfste Denker Wiens." In dem vornehmsten Wiener Witzblatt, den .Humoristischen Blättern", lieferte bann An- ^engruber von 18731874 wöchentlich aktuelle G stanzeln. für die er die Figur cme4 zither­schlagenden Dauemburschen. des ,Hansl", erfand. Hier löste er zum erstenmal die Aufgabe, eins der Ereignisse ber Woche fcharf herauszuheben und lustig zu glossieren.

1884 übernahm et bann bie Herausgabe bei -Figaro", der damals als daS vornehmste Witz- Dlatt btt österreichischen Hauptstadt galt. Unter ben stehenben Figuren bieIm . Älgonr auftraten, gehört Anzengru^r bie Maske des .Hof-Sängers Huber", eine- x* ben Haus Höfen spielenden unb

nit Verwendung fand, aber trotzdem cm ge­suchtes Tauschobjekt abgab. Die Händler nah­men sich der Sache bald im grohe.r an.So trat im beständigen Wachstum der Gesamt­zahl." schreibt er.ein Rotgeldhändler dem andern zur Seite, und den rührigsten unter ihnen gelang eS, an die 30 Hilfskräfte zu beschüfttgen. Sie alle betrieben mit Eifer, ihre Rotgeldsammlerschaft von Tag zu Tag zu mehren, aber in gleichem Maße muhten sie auch an die zur Ausgabe von Aotgeld be­fugten Behörden oder Unternehmer mit Mas­senankäufen herantreten und neue Av-gaben veranlassen, nicht etwa um dem Mangel an Kleingeld für bie täglichen Zahlungen auf Strahe und Markt zu steuern, als vielmehr einzig und allein, vm die unselig gezüchtete Sammelwut zu befriedigen und dauernd von neuem zu reizen. Es entstand ein Blatt für Rotgeldsammler nach dem andern, zumeist freilich nut auf kurze Zeit, aber das lang­lebige wie das Eintagsblatt gleichmähig dar­auf gestellt, den Kreis der Leser und Samm­ler zu erweitern, und auf der andern Sette abhängig von der Mehrung nicht nur der An­gebote der Händler, sondern auch der Anzeigen neues Rotgeld ausgebender Körperschaften." So verlor dieses Äotgeld allmählich völlig seinen Geldcharakter, wurde eine Ware, die angevriesen, gehandelt und zu möglichst hohen Preisen verkauft und weiterverkauft wird. Es entstand eine allem bisherigen Papiergeld durck-aus fremde Masse, die schließlich nur noch für die Gewinne der Händler und die Freuden der Sammler da war. ES wurden große Prunkausstellungen deutschen unb frem­den Rotgeldes geschaffen, und schließlich kam es dazu, das) die Gemeinden selbst den Rot- geldhandel in die Hand nahmen, um ihre Finanzen aufzubessern und dadurch wieder den erbitterten Widerspruch der Händler hervor- riefen. Um die Samrnclobjekle immer zu ver­mehren, wurdeir noch so geringfügige Ab­weichungen in der Farbe der Gutscheine als vermeintliche Zeugnisse mehrerer Ausgaben gehandelt und schließlich ganze Folgen von Serien geschaffen und bann noch Serien von Serien, bei denen jede Ginzelserie ein beson­deres Bild hatte unb alle Einzelbilder einen inneren Zusammenhang besahen. Damit ging auch der letzte Rest des Geldcharakters v r- loren, der stets in einer gewissen Beständig­keit und Gleichförmigkeit der Münzen gelegen hat. Damit ist das Rotgeld nach MenadierS Anschauung zur Ansichtspostkarte oder zum Liebig-Bild" seligen AngedentenS herabge- sunken, zu bunten Papieren, die kein Geld mehr sind, sondern nur noch der Sammel­leidenschaft dienen.

Zinszahlungen aus dem Staatsschuldbuch. Die am 2. Januar 1922 fälligen Zinsen der Hessischen StaatS- schuldbuckr-Forderungen werden von den hessi­schen Kassen unb den Reichsbankanstalten vom 19. Dezember 1921 ab gezahlt bzw. von der Hauptstaatskasse durch die Poft oder auf ReichSbankglrvkvntv Überwiesen.

* Die gestrige Abendfeler ber Studentenhilse im Katholischen _Vereins- häufe bot ihren Besuchern eine solche Fülle äflbe- tischer Genüsse, datz wohl keinem der Gedanke kommen konnte, mit seiner Anwesenheit ein gutes Werk zu tun, sondern vielmehr Ipar eS wohl ein Gefühl tiefer Dankbarkeit ben Mitwirkenden gegenüber für ihre nicht mehr alS D'ilcttanten- arbclt anzusprschenben Leistungen, das die An­wesenden beherrschte. Die beifallsfreudigen Zu­hörer gaben ihrer Befriedigung reichlich Aus- brud unb bewiesen auch hierdurch, datz diese- Werk ber studentischen Selbsthilfe zum mindesten ide.llen Eftolg hatte. Anfang unb Ende der Feier bildeten Trios von Beethoven unb Haydn. Geheimrat Krüger erfreute wieder in gewohn­ter Welle durch fein meisterhaftes Geigensviel, daS an Technik und Innerlichkeit gleich hoch zu toevten ist. Auch Herr Sch liep hake (Cellos und S\err Delp (Klavier) zeigten ungewöhnliche Fertigkeiten, traten aber hinter ber führenden Violine nicht so hervor. 3m Mittelpunkt der Darbietungm stanb Werner BergengruenS Spiele ..Verkündigung", daS gellem seine Uraufführung erlebte. Dem Offnen des Vor­hangs ging bav Ansagen ber Drei Könige vor­her: bann sah man bas auch szenisch gut bar- gestellte Lagerfeuer ber Hirten, bie ans ihrer trüben Stimmung durch bie Heilsbotschaft des Engels geriffen werden unb in Bethlehem die neue Hoffnung Israels finden. Richt allein bas Motiv der Handlung kommt ber Stimmung bieser singenden alten Harfenisten. 3m Tone dieses wackeren Bänkelsängers versaht er z B eine amü­sante Elegie auf den .letzten Spritzenschlauch- schleuberer", dessen staublöschenbe Dienste burch eine Maschine erseht werden sollten. Gr gibt eine .Mehlspeisklage" über daS Schlechterwerden dieser Wiener LieblingSgerichte: er singt eine .Giftige Wurstballabe", bie aus bie teuren Zleischprelse mit ber und heute recht verstänblichen AnsangS- strophe anspielt: .Wenn so teuer ist ein Braten, Datz selbst AolhschUb zahlen kann Rur in mo­natlichen Raten Eine solche Summe kann, -- Kostet s Dollasch einen Gulden. Stürzt, wer .Beinsleisch" iyt mit Kohl, Sich auf Lebens­zeit in Schulden, Was tut bann der Arme wohl?" Er muh, wie Anzengruber weiter beweg­lich klagt, zu schlechter Eriatzware greifen unb kann bann, wie jüngst ein Maurer, an .Wurstgist" sterben. Deshalb schlietzt unser Sänger mit ber Rlahnuna: .Denn nicht alles. waS du als Wurst itzt, Dars, o Mensch, auch Wurst dir fein! Wenn er schon Im Jahre 1887 ein .Beschwerde- lieb" über bie immer blobsinniger werdende Wie­ner Operette anftimmt, so wissen wir wirkltch nicht, was er ent beute sagen würbe. Auch noch aus anderen Der Reibungen läbt ruber feine wehmütig luftige Stimme erklingen Da ist .Da olti ^>an.s.Michl', ein bejahrter Bauer, der zu dem Treiben ber Grohftabter und ber Jugend feinen kahlen Kops schüttelt: ba ist .Herr Zacha- riaS DoSnickl", der ftch in keckerer Weife über bie Ungereimtheiten des Lebens luftig macht Unter der Rubrik .Grab lef iH" hat Anzengruber allerlei Stohfeustzer unb Herzenserleichterungen

Tage, die ün Zeichen ber Vorbereitungen zum WeihnachtSscsie stehen, entgegen, sondern tiefer noch wc.dern wir berührt von ben Klagen ber Hi ten. die für bie heutige Lage deS deut'chen Dolles fast mehr gelten alS fwr die damaligen Zustande im Bollr ber Juden. Zwellcllos ist diele Parallelifierung auch die Ablicht des Dich- lers getreten. Unb gern möchten wir btt Hoft- nur.g der Hirten, bah ber neugeborene König ba» geeinte Doll Israel zu neuem Glück führt« tLx.bc, auch unS insoweit zu eigen machen, datz die starken unb guten Kräfte unfereS BvckeS unter schmutzigem Schaum in der Tieft ruhen, unb es nur des rechten Anstotzes bedarf, um ein einiges Volt zu äußerer unb innerer Griundung zu führen. Unter den Darstellern, die durchweg ihren Bollen gewach'en waren, find vor allem Dr. Kling und Dr. v. Faber du Faur zu nennen. Der Verlaus des gelingen Abends läfit unS den Wunsch äuhern, bah es sich mtt dieser Veranstalmng nicht um einmalige Feier, sondern um btt erste einer Reihe von wetteren handeln möge.

^DieGiehenerWaldbühne erfreute gestern hn Katholischen Vereins Hause eine zahl- icicbe Zuhörerichatt, Grotze unb Meine, durch öle Wiedergabe des Festspieles ,W e i h n a ch - len im Zaubertoatb' von Ludwig Rei- nicke. Sämtliche Tlitirirtciibcn waren Kinder, es war eine rechte Freude, zu sehen, mit welchem Eifer gespielt wurde. Der Darsteller sind zu viele, als dah man sie alle nennen könnte, obwohl sie cs verdienen. Es feien daher nur die Träger bsr Haupttollen. Christa Rebel C2Lina), Irm­gard Glitsch iMarie). Henni Rink (Zwcraen- föuigtnj. vor allen aber der drollige Hein, iGlS- deth Jager) und die böse Here (Trude H c tz) ge­nannt. Dr. L i st alS Spielleiter hatte dafür gesorgt, datz die Ausführung gut gelang. Herr Kühne bc «leitete mit feinem Verständnis die von Heinen Mitairienden reizend gesungenen altvertrauten Weihnachtslicber. Ein besonderes Lob txrbtenat die von Fräulein H o r n e f f e r einstubierten Tänze. Sie hatte cs oanlenswerierweile vermie­den. ben Kindern ihrem Gesühl femliegcnde, ge­künstelte Figyren cinzustudieren, die doch nur mcch-anisch tri:bcrgcpet-en worden wären, 'onberu hatte mit viel Elüa Reigelttänze gewählt, bu denn auch wirklich anerkeimenSwert sauber ge­langen, toobei alS Vvrtänierin Lulu Weil eigens genannt werden muh. Der Saal war erireulich gut besetzt.

Liornotizc«.

Tageskaf enber für Freitag Stabftb ater 7 Uhr Der Vetter aut Dinasda* Asto a-Vi t pi le De geh.-m is?' flc D? ch" unb Harpentie. - Lempf y" LtchtspielHauS, Bahnhosstrahe. bis einfchliehlich Sonntag: .Papa kann's nicht taffen und .Das Erbe ber van Diemen".

-Männer-Turnverein. Die W e l h - nachtSkneipe findet morgen (Samitag)abend im Hotel Köhler statt.

Ärci» Schotten.

lg. Gedern, 15. Dez. Die Märchen- erzä hierin Frl. Wurdemann stattete unsere Schule einen Besuch ab. Ihre Dar­bietungen, in der Hauptsache bestehend aus Märchen neuerer Dichter wie Manfred Kyber u. a., fanden infolge des feffclnbcn Vortrags, der allen Stimmungen gerecht wurde, leb­haften Beifall.

Hesfcn-Na^au.

mc. Frankfurt a. M, 15 Dez. Der Ma­gistrat bcfchlotz. für bie vorbereitenden Arbeiten ber Ausplanung der Linienführung des Set - Fulda-Main-Kanals den Betrag von 80 0CO Mk zur Verfügung zu stellen in ber Vor­aussetzung, datz auch bie anderen an bem Kanal- Projekt beteiligten Stabte sich anttilmätzig be­teiligen.

Gerichtssaal.

Das Urteil im Lpcycrer Bilderstürmerprozetz.

Frankenthal, 15. Dez. (Wolff.) DaS Urteil im Speyerer Bilder st ürmer- prozest wurde gestern abend nach dreitägi­ger Derhandlung gefällt. Unter Ablehnuna der Bewährungsfrist wurde gegen 10 Angeklagte auf Gefängnis st rasen von 4 bis 8 bAv. 10 Monaten erkannt. Bier Angeklagte wur­den freigesprochen.

spd. Frankfurt a M.. 15. Dez Die Straffammer verurteilte heute ben Redak- trur ber ,D o l k s st i rn m e" wegen öffentlicher Beleidigung durch üble Rach rede zu einer Geld­strafe au 1000 Mark. In einem Im Sommer dieses fablet In berBolksstimme" erschienenen Artikel war ber Vorsitzende ber Frankfurter Oris- gruppe der Deutfchna'ionalen Dollsparlci^Se' natspräsident Dr. Heldmann, als die .Krone

unlergebracht, di? ibm bei irgendeiner Zeitungs­nachricht in den Sinn kamen Bismarck spielt da­bei als der. der .an allem schuld' ist, keine kleine Rolle. So hcitzt es z. B.: .Die Japanesen wollen bei ihren Poli .ei-Einrichtungen importieren! Dar­um denn nachher nöt frag i bd urfrlgen? n Kopf last ich mir abschneiden, wann» nrt wieder a Stück! vom Bismarck is! Grschtens: bringt ber übraU ferne Leut hin, zweitens wann ihm aner net »' G sicht steht, fo avanschieri er gleich bis nach Japan, wo S a hübsch warm sein soll, drittens: nagunnt er aner andern Mach«, wann V a so bifrrunbet mit ihm wär, wie mir ja fein tun. tan solchen Esport unb vierien- werd n mer schon sehn, datz noch wa- dahinter steckt, wie allenveil beim BlSmarck^ nur weist Ich noch selber ait, waS." Ein andermal fragt er dir Eharakterloftn, auch heute wieder scitaenÄH: _3n welcher Valuta Wechseln Sie Ihre Gesinnung?" Roch auf feinem Sterbebett arbeitete Anze^g^urer für den . Figaro" und schrieb einen Tag vor seinen' Tobe an bie Redaktion: .Ich bitte Oie, sich mit dem Ueberfat) zu Helsen, mir fällt nichts ein, ich bin ein armes Hunderl." Am Sterbetag sand sich in feinem Bapierkorb ein kleine- Scherzgedicht' .Behielten Die Aerzte auch wirllich noch recht, - Dast dauerndes Zappeln und Treten Am menschlichen Beine das Muskelgeslocht Boll- ständig vermocht zu entfetten, So stellte die Gleichheit in höherem Sinn Sich her ohne Spott unb ohn' Schaden: Das Weib, es ver­liert durch die Rähmafchin', Der Mann durchs Bicycle -- bie Wadenri