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Die Getreideausfuhr der Vereinigten Staaten nach

Europa.

Don O. P. Austin.

©tatiflilcr der Reuyorker Itational Litt) Darrt

Die Vereinigten Staaten entäußern sich ihrer GetreidevorräLr in nie dagewofenem Um ang an Europa; wenn dieser Versand von Weizen, Mars, Reis und anderen Dodenfrächten wettergeht wre bisher, |o wird der zum eigenen Gebrauch übrig bleibende Rest der seit vielen fahren niedrigste sein.

Das gilt vor allem vom Weizen. Die Weizenaussuhr in den ersten acht Monaten des Kalenderjahres 1921, über die seht Berichte vor- liegen, beläuft sich aus insgelamt 257 000 000 Dushels (einschließlich Weizenmehl) gegen nur 165 000 000 Dushels in den gleichen Monaten des Dvrsahres; von den 257 Millionen Dushels entfallen allem 67 000 000 Dushcls aus den Mo­nat Äugust gegen 32 000 000 im August 1920. Sollte die Ausfuhr in den restlichen vier Monaten des Jahres in dem Maste der ersten acht Monate weitergehen, so käme die Defamtaussuhr des Jahres 1921 aus 400 000 000 Dushels, nach dem Maste der Äugustausfuhr sogar aus 500 000 000 Dushels

Aus jeden Fall steht schon heute fest, dast die Weizenausfuhr des Jahres 1921 der Quan­tität nach Die jedes früheren Jahres wett über­trifft, und dast der für den einheimischen Konsum verbleibende Rest weit unter dem sonstigen Jahresdurchschnitt liegt. Rach Abzug der Aus­fuhr von der gesamten Inlandserzeugung plus Einfuhr verblieben in den letzten zehn Jahren (einschließlich Saatgut) rund 6 Dushels pro Kops der Devöllerung. Dieser Durchschnitte betrag dürfte in diesem (Zähre auf nur 4 Dushels Pro Kops sinken.

Die Gelamternte des laufenden (Zahres an Weizen schätzt das Handelsdepartement aus 757 000 000 Dushels, den Überschuß von der letz­ten Ernte auf rund 100 000 000 Dushels, und die Einfuhr des Jahres auf 25 000 000 Dushels, das ist eine für das Kalenderjahr 1921 verfügbare Menge von 882 000 000 Dushels. Führen die Der- einigten Staaten hiervon 450 Millionen Dushels aus, wie wir nach obigen Derechnungen wohl an­nehmen dürfen, so verblieben für die Bereinigten Staaten nur 430 000 000 Dushels für Rnh-^ungs- zwecke und für die Aussaat. Das hieste; pro Kops rund vier Dushels gegen runb sechs Dushels pro Kops im Durchschnitt der früheren (Zahre. So verkürzten die Bereinigten Staaten ihre Weizenration um 33 Prozent, um die nach Eu­ropa gehenden Quanten zu erhchnr. die faktisch neun Zehntel der gesamten Weizenausfuhr der Bereinigten Staaten betragen.

Die Tendenz, den Weizenkonfum einzuschrän­ken. wird dadurch gefördert, dast die Kartoffel-, Reis- und Maisernte des letzten Jahres abnorm grob, und die Preise dafür gering waren, und dast die Reigung bestehl, diese weniger kostspie­ligen Rabrungsmittel in stärkerem Umfange zum (Inlandskonsum heranzuzicchen als früher, durch welch' beides eine größere Menge Weizen zum Transport frei wird. Sin subjektives Moment, das bei dieser massenhaften Weizenausfuhr eben­falls mitgesprvchen hat, war der Geschäftseifer der Exporteure, die aller Rückwirkungen auf die Vorräte des Landes nicht achtend, den Weizen den wartenden Märkten zugeführt haben. In Durchschnittsjahren belief sich der zur Ausfuhr gelangende Teil der Inlandsernte auf 2030 Prozent, nur einmal in dem Rechnungsjahr 1915 auf 37,3 Prozent, während wir für dieses Jahr nach allen bisherigen Anzeichen mit einem Satz von weit über 50 Prozent rechnen müssen.

. Auch in anderen Getreidesorten ist die Aus­fuhr abnorm stark. Die bis zum 31. August exportierte Menge von Mais beläuft sich auf 86 <700 000 Dushels gegen 10 000 000 in der glei- dyn Jett des Borjahrs; im August allein wur­den 13'/, Millionen Dushels ausgeführt, wonach wer für dieses Jahr mit einer gesamten jährlichen Misfuhr von Mais in Höhe von 125 000 000 Dushels rechnen dürfen das ist mehr als das Doppelte ber größten Ausfuhr im letzten Jahr­zehnt. Auch die Ausfuhr von Reis, den die Bereinigten Staaten in den letzten Jahren in großem Mahstab angebaut haben, ist die bisher bet weitem größte; sogar die Ausfuhr der Kar­toffel, wenngleich diese Frucht für den Export weit weniger in Frage kommt, übersteigt bereits die Rusführ in den entsprechenden Zeiten des Jahres 1920 und 1919 um rund 50 Prozent.

Dast diese Ausfuhr |m einer Gruppe von Rahrungsmitteln, die fast ausschließlich nach Eu­ropa geht, ein hohes Vertrauen bedeutet zu Eu­ropas Fähigkeit, Mittel und Wege zu finden, für seinen Bedarf zu zahlen, das wird ersicht­lich auch aus den jüngsten amtlichen Zahlen, Lenen zufolge die Verkäufe der Bereinigten Staa­ten an Europa in den ersten sieben Monaten des Jahres 1921 dem Werte nach rund drei­

einhalb mal so groß waren wie die Waren, die es nach den Vereinigten Staaten zum Ver- fanb gebracht hat; die Ausfuhr nach Europa hatte in den genannten sieben Monaten einen Wert von 1473 000 000 Dollars, während die Einfuhr von dort in der gleichen Zeit nur einen solchen von 433 000 000 Dollars hatte

Aus Stabt und Land.

Diesten, den 14. Oft. 1921.

Schutz der Kriegshinterbliebenen gegen Zwangsvollstreckung.

Rach Ablauf der zuletzt bis zum 1. Juli ver­längerten Gültigkeit des zum Schuh der Kriegs­teilnehmer gegen Zwangsvollstreckung erlassenen Gesetzes ist von einer Verlängerung dieses Schutz- gesehes abgesehen worden, da nach übereinstim- menber Ansicht der zuständigen Reichs- und Lan­desstellen der Zweck des Gesetzes durchaus er­reicht war. Die Kriegsbeschädigten sind, wie uns von zuständiger Stelle geschrieben wird, inzwischen in den weitaus meisten Fällen wieder in der Lage, ihre wirtschafllichen Verhältnisse allein zu regeln; ein weiterer gesetzlicher Schuh würde ihrer Selb- ftändigleit und auch ihrer Kreditfähigkeit Abbruch tun. Anders stehen in dieser Beziehung die Kriegshinterblieb enen da. Schutz ist ihnen daher gewährt worden, zwar nicht in Ge- sehesform, wohl aber durch die Einführung eines zweckentsprechenden, den wirtschaftlichen Verhält­nissen Rechnung tragenden Zusammenwirkens zwi­schen den Prozeßgerichten und den Fürsorgestellen der sozialen Kriegsbeschädigtenfürsorge. Auf An­regung des Leichsarbeitsministers hat der Reichs- justizminifter am 29. April 1921 ein Rundschreiben an die Landesjustizverwaltungen gerichtet, in wchem die Gerichte veranlaßt werden, von sich aus Feststellungen zu treffen, ob es sich bei Beklagten um schutzbedürftige Kriegshinterbliebene handelt. Kommen solche in Frage, dann werden die Ge­richte hinfort den Fürsorgestellen Mitteilung machen und diese Stellen dadurch in die Lage versehen, mit größter Beschleunigung zu prüfen, ob ein Eingreifen der Fürsorge nach Lage des Falles notwendig erscheint. Die erforderlichen­falls alsdann sofort einsetzende Tätigkeit der Für­sorgestellen hat dahin zu wirken, dast durch Ver­handlungen mit den Gläubigern erleichterte Zah­lungsbedingungen. Stundung, Herabsetzung b»r Schuldsumme usw. vermittelt werden. Sie hat ferner für Bereitstellung von Mitteln unb Her­gabe von Darlehen Sorge zu tragen, aber auch anderseits der pünktlichen Innehaltung der für die Verpflichtung erwirkten günstigeren Zah­lungsbedingungen Beachtung zu schenken.

Soweit ausnahmsweise einzelne Kriegs­beschädigte zur Führung ihrer Angeleg-m- hetten, einschließlich etwaiger Prozesse, nicht in der Lage sein sollten, werden die Fürsorgestellen der sozialen Krieasbeschädigtenfürsorge ebenfalls ohne weiteres eintreten und -ihnen Schuh und Hilfe angedeihen lassen.

Die Wählerliste

für die LandtagSwcchl liegt in der nächsten Woche auf dem neuen Stadthause in Steins Garten zu jedermanns Einsicht offen. Näheres über die Zeit der Einsichtnahme ist aus einer Bekanntmachung des Anzeigenteils ersichtlich. Einsprüche sind bis zum Ablauf der AuSlegungSfrift schriftlich anzuzeigen.

Die in der Wählerliste bereits verzeich­neten Wahlberechtigten wurden durch eine Postkarte des Wahlamts von ihrer Ein­tragung benachrichtigt. Wer eine solche Post­karte erhalten hat, besitzt also die Gewähr, in der £;fte eingetragen zu sein und braucht da­her nicht zu reklamieren. Dagegen ist allen denen, die keine solche Benachrichtigung er­hielten, anzuraten, rechtzeitig ihren Wahl­anspruch auf der Bürgermeisterei geltend zu machen.

Im übrigen ist baß Wahlverfahren im wesentlichen das gleiche wie bei den letzten Wahlen.

Der Gießener Mielerverein hielt gestern-abend im Saale des Cafß Leib eine öffentliche Versammlung ab. Rach einer kurzen Einleitung durch Vorstandsmitglied Heß sprach der Vorsitzende des Hess. Landesverbandes der Mieterschutzvereine Wolff (Mainz) über die T'agung des deutschen Mieterbundes in Dresden, Miet st euer und Reichs­mietengesetz.

Der zweite Redner, Prof. Michel (Gießen), wandte sich gegen die Zustände am h esigen Miet­einigungsamt, bei dessen Entscheidungen mehr soziclles Empfinden wirken m;iffe. Bei den Verhandlungen müsse von jeder Partei ein Sachverständiger gehört werden, Kosten dürften

dabei nicht gescheut werden. Die Mieterhöhungen müßten vom Hausbesitzer einwandfrei begründet werden. Prof. Michel sprach dann gegen die ge­plante Erhebung von Gebühren für Straßen- reinigung und Müllabfuhr. ES sei ihm von sehr ernsten Leuten vorzeschlagen worden, die Reinigung wieder dem Hausbewohner zu über­tragen, doch sei dies nicht durchführbar. Der Red­ner empfahl die Reinigung durch Kehrmaschinen, doch dürften dadurch Arbeiterentlassungen nicht stattfinden, überflüssige Arbeitskräfte sollten zu Äulturarbdten, Erweiterung des Straßennetzes usw. Verwendung findem

Im Anschluß an die beiden Referate be­richtete Vorstandsmitglied Heß über die vom Wieterverein bezüglich des MieteinigungSamtes sowie der geplanten Abgabe für Müllabfuhr und Strahenreinigung unternommenen Schritte. Die hierauf einsehende Diskussion zog sich bis nach Mitternacht hin. Folgende zwei vom Vorstand über die Forderungen der beiden Refe­renten vorgeschlagene Eingaben an die Stadt­verwaltung wurden mit kleinen Adände ruug en gutgeheißen.

Der Gießener Mieterverein nimmt zu dem in Rr. 217 des »Gießener Anzeiger" vom 16. Sep­tember 1921 veröffentlichten Entwurf einer Orts­satzung betreffend Erhebung einer Gebühr für Straßenreinigung und Müllabfuhr folgende Stellung ein:

»I. Der Mieterverein vertritt die Ansicht, daß durch Dereinsachung der Sttaßenreinigung und Anschluß des ganzen Betriebs an die Betriebe der Konalreinigung und der Kläranlagen bedeutende Ersparnisse gemacht werden können. Frei werdende Arbeiter könnten von der Stadt anderweitig be­schäftigt werden, wozu die Herstellung von Siede- lungsgelände angesichts der Wohnungsnot reichlich Gelegenheit bietet.

II. Die Erhebung einer Gebühr, die sich aus den Miet- ober Pachtwert der einzelnen Woh­nungen gründet und durch den Grundstückseigen­tümer von seinen Mietern oder Pächtern erhoben werden soll, hält der Mieterverein für ungerecht und unsozial. Er wünscht statt besten: 1. Die Er­hebung einer gleichen Grundgebühr und zwar einer solchen für sämtliche Steuerzahler der Stadt Gießen, die keine Grundeigentümer sind, und einer solchen für sämtliche Grundeigentümer, wobei der Wert des Objektes nach der letztmaligen Veran­lagung zur hessischen Vermögenssteuer für 1919 zu Grunde gelegt werden könnte. 2. Zuschlag für solche Gewerbetreibende, die durch ihr Gewerbe für Verunreinigt! ngder Straßen und ösfenllichen Plätze sowie zur Müllerzeugung besonders bei­tragen. 3. Uschlag nach dem fteuerbaren Ver­mögen, wobei zunächst das Reichsnotopfer zu Grunde gelegt werden konnte. 4. Gänzlichen oder teilweifen Erlaß der Gebühr auf besonderen Antrag für solch: Steuerzahler, Die nachwttsen, daß sie nur ein Einkommen bis zu einem noch zu be­stimmenden Betrag besitzen, wobei die Kopfzahl der Familie zu berüctsichtigen wäre, und überhaupt in allen Fällen, in denen die Erhebung der Gebühr eine unbillige Härte bedeuten würde."

Der Gießener Mieterverein verkennt nichi die Schwierigkeiten, die das Miete tnigung samt der Stadt Gießen andauernd zu überwinden hat, wenn es den Interessen der Vermieter und Mieter in gleicher Weise gerecht werden will. Gerne erkennt er auch an. daß durch die Anordnung vom 15. September 1921 den Mietern die RLg- lichlcit gegeben ist, ihre Interesten besser zu wahren, als es ihnen vorher möglich war. Er verweist jedoch hierbei auf eine Vorschrift, die dem Vermieter zur Pflicht macht, die Rot- Wendigkeit der Mietsteigerung dem Mieter ge­genüber durch zahlenmäßigen Rachweis feiner Mehrausgaben für die betreffende Wohnung aus­führlich und einwandfrei zu begründen. Auch sollte dem Mieter G l.genheit g geben sein. Ein- Wendungen gegen die b.attragte Erhöhung der Miete beim QItict.iugungd-.-unt mündlich vor­zubringen, ehe dir Vorentscheidung get.o f en wird. Bezüglich de§ ganzen Verfahrens wascht der Mietervrrein, daß dieses mehr, als es bisher üblich war, daraus ang'legt werde, zum Zwecke eines billigen Ausgleichs zwischen den Parteien zu vermitteln. Was insb Io adere die Begutachtung der in Betracht kommenden Woh­nung durch Sachverständige anlangt, so wünscht der Mieterverein, daß hierzu in Zukunft zwei Sachverständige herangezogen werden, einer aus HauLbcsitzerkreisen und einer aus Mieterkreisen, und zwar Persönlichkeiten, denen außer der er­forderlichen Sachkenntnis auch das nötige soziale Empfinden für die persönlichen, häuslichen und beruflichen Verhältniste der Mieter nicht abge- sprrchen werden kann."

* Amtliche Personalnachrichten. Am 30. September wurde Fräulein Amalie Kel­ler zu Darmstadt zur Referentin für Frauen- angelegeuheiten im LandeS-ArbeitS- und Wirt­

schaftsamt mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 an ernannt Am 3. Oktober 1921 wurde der Förster Jkt Forftwa tei OhmL.Julius Schmidt zu Ohmes, in gleicher Diensteigewchast in die Forstwartei Üben bauten, Oberförsterei Grebenau, versetzt liebertragen wurde am 3. Oktober dem Lehrer Heinrich Imbescheid zu Kefenrod die Lehrerstelle an der Volksschule zu OrleShau- s e n. KreiS Büdingen; am 5. Oktober dem Schul- am »anmärter Karl Reinhardt aus Hungen die Lehrerstelle an der Volksschule zu Hitzllrchen. KreiS Büdingen.

Der öffentliche Zettelanschlag in Gießen ist bekanntlich durch eine Polizeiver­ordnung geregelt, die neuerdings wieder im Amtsverkündigungsblatt veröffentlicht wird, da sie in letzter Zeit vielfach übertreten wurde

Sein 25jähriges Dienstjubi­läum feiert morgen der AmtSgehilfe Ludwig Schäfer am chemischen 11 n i b er f i t ä t S laboratorium.

Die Ringkämpfe im Einhorn hat­ten gestern abend folgendes Ergebnis: Der ge- wandte Sachse Opitz rang gegen Gerber (Hessen) 20 Minuten unentschieden. Ebenso blieb auch das Treffen zwischen den beiden starken Ringern Zilch und v. Berg ohne Resultat. Was der Oester­reicher an Kraft voraus hatte, ersetzte v. Berg durch größere Ruhe, welche ihm auch in gefähr­lichsten Situatwnen ermöglichte, sich zu befreien Wider Erwarten endete der Entschgidungs- kampf zwischen Achner (Bapern) und Altmeister Hitzler schon «ach einer Gesamtzeit von 33 Mi­nuten mit dem Sieger Achners. Dieser faßte Hitzler mit Untergriff hon hinten und warf ihn direkt auf beide Schullern. Hitzler schlug dabei mit dem Hinterkops so unglücklich auf eine dünne Stelle des Teppichs, daß er bewußtlos weg- getragen werden mußte. Heute Freitag sind aus- gelofl: v. Berg gegen Achner, Gerber gegen Christensen, sowie im Entscheidung-kamp) Opitz gegen Hitzler. Der wertvolle Gvldpokal füi den 1. Sieger der Konkurrenz ifl im BlumenhauS Dietz, Seltersweg. ausgestellt.

Vornotizcn.

TageSkalender für Freitag Etadtthstter, 7 Uhr. .Der Liebestrank' Saf£ Amend, 8 Uhr, Wvhltätigkeitskonzert zugunsten der Oppaufpende. Hotel Einhorn, 8 Uhr, Ring­kämpfe und Variete.

Aus dem Stadttheaterbureau. Auf zahlreiche Anfragen fei festgestellt, daß vor­läufig noch für alle Plätze Karten $umHanne­lore Ziegler-Gastspiel" zu haben sind Bei dem starken Andrang werden Interessenter gut tun, sich bei Zeiten Plätze zu sichern.

tdettervorauefage für SamStag

Frühnebel, dunstig und wolkig, meist trocken. Tag etwas kühler. Rächt kall. Winde auS nörd­lichen Richtungen.

liebet Skandinavien liegt ein starkes, ausge­prägtes Ties und bringt uns heute nacht merkliche Abkühlung. Diesem nach Rordvsten ziehenden Ties folgt von ber Biskaya hoher Druck. Die Witte­rung wird sich nicht wesenllich ändern.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar. 13. Ott Der hiesige Spar- und Dauverein hat jetzt Gebäudebesitz in der Babelsberger-, Rauborner. Helgebach-, Moritz-. Waldschmidt-, Formerstrahe und in der Stoppelbergerhobl. Die Gebäude enthalten zu­sammen 224 Wohnungen, und zwar. 3 Ein­zimmer-, 62 Zweizimmer-, 96 Dreizimmer- und 63 Vierzimmerwohnungen. Von den Vrerzimmer- wohnungen sind alle bis auf drei Einfamilien­häuser.

Heffen-Nafia«.

Lohnbewegung der Eisenbahner.

fpd. Frankfurt«. M. 13. Oft. Eine außer» ordentlich stark besuchte Versammlung des Deut­schen Gisenbahnerverbandes nahm nach ausgie­biger Aussprach? über die Verteuerung der Lebenshaltung und der daraus folgernden Lohn­erhöhung Sine Entschließung an, in der für jeden Eisenbahner eine einmalige Wirtschaft-- beihilse von 2500 Mk., ei« Erhöhu na der Stundenlöhne für Männer um 2 Mk. und für Frauen um 2,50 Mk., eine Erhöhung ber Be­amt engehälter bis zur siebenten Gehalts klasse, eine Erweiterung der Rechte der Betriebsräte und die strikte Wahrung des Achtstundentages bzw. der Achttindvicrzigftundenwvche gefordert werden. Die Versammlung wandte sich auch mit Schärfe gegen die Bestrebungen, die deutschen Eisenbahnen dem Privatkapital in die Hände zu spielen und ließ darüber keinen Zweifel, daß derartigen Bestrebun­gen von den Eisenbahnern der schärfste Wider­stand entgegengesetzt werde.

Keine Derftändigtmq in der chemischen Industrie.

sd. F r a n k s u r t a. M, 13. Oft Der Höch­ster SchlichtungSausschutz tagte aber-

Alt-(Siebener Iugenderinnerungen.

Bon D r. Fried r. Roack (Schluß.)

IV.

Einen Höhepunkt der Gartenfreuden bildete im Herbst das Cinkochen des Zwetschen- ii n b Birnenhonigs in dem großen Kupfer­kessel der Waschküche, den wir Knaben nach er­folgtem Ausschöpfen des süßen Produkts vollends auskratzen dursten. Das Dorspiel zum Hvnigkechen bestand am Tag vorher in einem Miszug zur Stadt in Begleitung unseres alten ©artentag- löhnerS Johann Müller und des Dienstmädchens. Da brachten wir auf einem Wägelchen den Dimen- vorrat in die Hintergasse, wo irgend jemand eine Kelterpresse zur Benutzung vermietete, und da das Keltern den ganzen Bormittag in Anspruch nahm, so durften wir, was ein besonderer Genuß war, mit Johann Müller Brot und Käse früh- stücken und einmal an seinem Schnäpschen nippen. Dieser Taglöhner, der den väterlichen Garten bestellen half, war unser ältester Kindheitsfreund; er lehrte uns unsere eigenen Beetchen umgraben und mit Kressen besäen, die wir später aufs Butterbrot legten, machte unS mit der Bvgelwett und mit den Gartenschädlingen bekannt, zeigte uns, wie man aus Holzstäbchen und Ziegelsteinen Maulwurfsfallen machte, lehrte uns aus Wei- denzweigen Pfeifen schneiden nach dem Vers Gibt's fei' Pfeif, so gibt's c Farz", und hundert andere nützliche und luftige Dinge mehr An Sonntagen kam er manchmal im dunkelblauen Schößenrvck und hohen schwarzen Filzhut vvrs Dalltor spaziert, sah sich im Garten um und

überlegte mit den Eltern, was demnächst zu schaffen war. Eines der wichtigsten Gartenge- fchäfte und zugleich ein Fest für die Kinder war die Kartoffelernte. Wenn wir dabei brav ge­holfen hatten, so durften wir nachher mit dem Kart off elstrvh ein Feuerchen anzünden, und Jo­hann Müller zeigte uns, wie man in der heißen Asche Erdäpfel schmorte, die bann viel besser schmeckten, als wenn sie aus der Küche in an­deren Gestalten auf den Tisch tarnen.

Der Herbst brachte noch andere Freuden. Wenn die weiten Wiesengründe, die sich zwischen unserem Garten und der Stadt ausbreiteten, die sogenannten Gänsäcker längs der Wiefeck und die Wiesen der Schwarzlach zum zweitenmal abge­mäht waren, dann konnte die Jugend sich darauf herumtummeln, ohne das Einschreiten des Flur­schützen Mallomesius fürchten zu müssen, der uns mit seinem fuchsroten struppigen Bart gewaltigen Respekt einflößte. Einige von unseren Kameraden hatten auch ein böses Gewissen vor ihm wegen früherer Beutezüge auf demAeppelwieschsn" am Rodbsrg. Einmal war ich auch mit dabei ge­wesen, doch war es mir nicht gelungen, das 7. Gebot zu übertreten, denn in dem Augenblick, als ich die srevelnde Hand nach einem rotwangigen Apfel ausstreckte, fiel mir von dem Daum herab ein kleines Insekt inS Auge und peinigte mich stundenlang, worin ich begreisiicherweise die ver­diente Strafe der Vorsehung für meine böse Ab­sicht sah. Wenn wir auf die geschorenen Wiesen .'.ogen, um dis selbstgemachten Papierdrachen an langer Kordel steigen zu lallen, dann brauchten wir den Mallomesius nicht zu scheuen; manchmal jedoch kamen wir in die Lage, feine Hilfe an» «urufen. Denn unter der Jugend, die sich dort herumtrieb, gab es auch böse Buben, die den länderen gern einen Schabernack spielten und. ehe

man sich's versah, eine Drachenkordel durchge­schnitten hatten, so daß man dem vom Wind davongerri.'benen Flüchtling eine gute Weile nach- laufen mußte, wenn man ihn überhaupt wieder einfing, denn es lauerten auch fremde Hände auf ihn. Im Winter war dann die Eisfläche der überschwemmten Wiesen oder der zugefrvrenen Löcher der Ziegeleien an der Schwarzlach, bevor die Eisdecke der Lahn fest genug war. ein will­kommener Tummelplatz fürs Schlittschuhlaufen. EiSvercin und künstlich gepflegte Bahn waren damals noch unbclarmt, man nahm mit den Ge­legenheiten vorlieb, wie die Ratur sie bot

Einen Anlaß, über den alltäglichen KreiS der nächsten Umgebung hinaus die Anschauungen von Welt und Menschen zu erweitern, boten die Zahrmärkte auf dem .Oswalds Garten" und vor dem Lahntor. Da strömte die Bauernschaft von weit her mit ihrem verkäuflichen Vieh zusam­men und machte auf dem Markt oder in den Läden ber Stadt Einkäufe für den Hausbedarf. Auch die Bürgerschaft selbst war gewöhnt, von dieser Ein- kaussgclcgenheit reichlich Gebrauch zu machen, ob­gleich der Markt, abgesehen von den Karussells, Schieß-, Schaubuden und Moritaten nichts mehr barbot, aB was man täglich in den Ladengeschäften haben konnte. Es war nun einmal altes Herkom­men, daß man auf den Markt zog; die Kinder hatten ja auch ein historisch geheiligtes Anrecht auf ein .Marktstück'. Sie rückten also nach dem Mit­tagessen mit der Mutter und dem Lieschen oder Bettchen, das einen großen Waschkvrb mitnahm, aus und kehrten, nachdem sie einigemal Karussell gefahren waren, die bluttriefende Darstellung der neuesten Mordgeschichte, die wvhlpropvrttonierte Riesendame und die Seiltänzer angestaunt hatten, gegen Abend mit ihrem Markt stück, einer Peitsche oder irgendeinem Lärminstrumeitt, seelenvergnügt

nach Hause zurück. Außergewöhnliche Jahrmarkts» genüsse waren manchmal die zeitgeschichllichen und geographischen Panoramen, in denen man durch ein paar Gucklöcher in der geheimnisvollen Lein­wand für drei Kreuzer die großen Schlachten in der Lombardei vom Jahre 1859 mit ansehen oder im Bilde eine Reise durch die südamerikanischen Kordilleren machen konnte. Wenn'S hoch kam, schlugen .Englische Reiter" einen ZirkuS auf OS- waldsgarten auf, und für wenig Groschen konnte die ganze Familie in atemloser Bewunderung dix leichtgeichürzten Retterinnen durch die Reisen fbringen, die Akrobaten auf den Händen laufen und lebendige Pyramiden stellen und die abgerich- toten Pferde. 5fd, Affen und sonstiges Getier ihre Kunststücke vvrführen sehen. Ein solches ungewöhn­liches Schaustück beschäfttgte die Gedanken der Kin- der für viele Wochen und' erfüllte ihre Ein­bildungskraft mit den wundersichsten Vorstellungen von merkwürdigen Dingen, die es außerhalb Gie­ßens in der wetten Welt gab. und sie träumten wochenlang von den neuen Wundern, die der nächste Jahrmarkt bringen würde.

Man war genügsam m der guten allen Zett vor 60 Jahren; mit ein paar Groschen oder Sech­sern konnte man der lieben Jugend Freuden be­reiten, an denen sie lange Zeit zehrten. Die dauer haftesten und gediegensten Freuden aber fanbei wir als Kinder kostenlos in dem Verkehr mit de Ratur bi der schönen Umgebung der Vaterstadt in Wald und Feld auf Streifzügen zum Sammell von Blumen, Käfern, Schmetterlingen, und wii waren glücklicher dabei als die verwohnten Kindet des 20. Jahrhundert« mit ihren teueren und aus­geklügelten Spielsachen.

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