m. Jahrgang
Erstes Blatt
örtlich 55 Pf., ausmärt* 65 ‘Pt.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite'250 Pf. Bei platz. Vorschrift20 ^Aufschlag. Haupischristlelter: Äug. Goetz Verantwortlich für Politik: Äug. Goetz; für den übrigen Teil i D.: Äug. Goetz; für den Anzeigenteil: Han» Beck, sämtlich in Diehen.
Ur. 241
Per Lietzener Anzeizer erscheint täglich, autzer Sonn, und Feiertags. Monatliche Vervgrpreife: Mk. 5.50 einschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 6.50 einschl Bestell- gelb, auch bei Nichterschei- nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fern sprech. Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen.
Postscheckkonto:
Srflwtfiri a. M. 11686.
Zreilag, 14. Oktober 1921 Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 34 mm Breite
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrLhl'fche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.
Gewissensnöte des Völkerbundes?
Genf, 13. Oft. (WTD.) ®8 ist hier bereit# deutlich zu verfolgen, dah man sich in den Kreisen d«s VölkerbunbeS der groben Schwie- r lg fei t en bewirfst wird, in die der Völkerbund und die Werbekraft des VöllerbunbSgeban- fen# durch die Entscheidung in der oberschle- fischen Frage geraten ist. Daraus erklären sich gewisse Bemühungen, die seit einigen Tagen hier einsehen, um die Verantwortung für die politische Grenzlinie hauptsächlich dem Obersten Rat zuzuschieben. Diese Bemühungen sind vor ollem in der amtlichen Mitteilung von gestern abend erkennbar, in der offen zugegeben wird, hast daS Wirtschaftsgebiet ein einheitliches Ganzes bildet und dah die Teilung auS Rücksichten auf die Würtsche und Hoffnungen erfolgen nutzte, die daS Plebiszit erweckte und zu denen es ermutigte. Damit wird ausgedrückt, dah der Friedensvertrag und die durch ihn aufgeworfenen nationalen Fragen in Oberschlesien im schärfsten Diders^nlch zu den wirtschaftlichen Lebensbedingungen des Landes stehen. Das gebt mit fast noch gröberer Schärfe aus den Snftruftionen des Viererrates an die Sachverständigen hervor. 2hif der anderen Seite bemühen sich hier weilende Ententepersönlichfeiten, diese Verantwortung von den Entente- Regierungen auf den Völkerbundsrat abzuwäl- zen. Sie erklären, da Halle Ratsmitglieder ohne Instruktionen ihrer Regierungen und in ihrem eigenen (Hamen gehandelt haben und datz. da der Oberste Rat sich von vornherein zur Annahme des Volke'bundsentscheideS verpflicht t^, die Ber- anttoortunn ci'^schließlich beim Dölkerbundsrat liege und die 'h.'gierunqen sich auch in ihren Parlamenten auf die ? Tatsache b rufen könnten Dcm- qc - nüber ist auf Grund der Verhandlungen festzustellen, dah die Ratsmitglieder ständig im Auftrage ihrer Regierungen und in unaufhörlichem Kontakt mit den Regierungen arbeiteten, wie andererseits der Oberste Rat unter seiner eigenen Verantwortung das Gutachten des Völkerbundes eing-'forbert und hierauf unter seiner eigenen Verantwortung das Gutachten als bindend anerkannt habe.
Die privaten Beziehungen zwischen dem Obersten Rate und dem Völkerbundsrat können daher an der Tatsache nichts ändern, da nach dem Friedensvertrage die Entscheidung bei dem Obersten Rat liegt, gleichviel, ob er gegen zustehende Befugnisse Überweisungen an eine andere Instanz vornimmt oder nicht.
Ebenso wird von Kreisen, die dem Völkerbunde nahestehen, zugegeben, hab natürlich auch der Völkerbundsrat sich nicht auf die durch den Friedensvertrag oder die Haltung der Grob- Mächte geschaffenen Vorbedingungen berufen kann, da es ihm vollständig freistand, nach der Erkenntnis der wirtschaftlichen Unteilbarkeit des Gebietes eine mit dieser Erkenntnis unvereinbare Ausgabe abzulehnen.
Die Mitteilung des Ents i eids an die Negierungen.
Paris. 13. Oft. (WTB.) Wie die Havas- agentur mittelst, hat Ministerpräsident D r i a n d als Vorsitzender des Obersten Rates heute vormittag durch einen Sonderkurier des Völkerbundes die am Mittwoch vom Völk.-rbundsrat gut- gehcitzene Empfehlung hinsichtlich der Teilung Ob'rschlesiens im Wortlaute erhalten. Ministerpräsident Briand hat dieses Dokument alsbald den alliierten Regierungen mittei- I c n lassen und zwar durch Vermittlung ihrer Dotlchalter, damit die Maßnahmen zur Ausführung dieser Empfehlung entsprechend den Beschlüssen der letzten Pariser Konferenz getroffen werden können. Rach dem . Journal des Debats" besteht das Dokument des Völkerb indsrates aus einem Handschreiben, einem Voi-wvrt, in dem auseinandergesetzt wird, wie die Arbeit des Völkerbundes vor sich gegangen ist. aus einer Wiedergabe des Arguments und der Belegstücke, auf die sich der Völkerbundsrat bei der Festsetzung der Grenzlinie gestützt hat, und schlietzlich aus der Anführung £er Gründe Wie das Blatt mitteilt, weib man noch nicht, ob die Ratifikation durch den Obersten Rat oder durch den Dotschafterrat erfolgen wird.
Moralische Druckmittel?
Genf, 13. Oft. (WTD.) In hiesigen politischen Kreisen erwartet man die Veröffentlichung des amtlichen Textes über die Lösung der ober- schlesischen Frage mit grösster Spannung, weil auf Grund der gestern erfolgten Mitteilung des Völkerbundssefretariats noch ernste Zweifel darüber bestehen, ob der Versailler Vertrag überhaupt den Obersten Rat hazu berechtigt, Deutschland und Polen die Annahme der in der Losung vorgesehenen Wirtschaftsabkommen uid die Kontrolle durch ei ne neutrale Kommission aufzuzwing en. Von unterrichteter Seite wird dazu bemerkt, datz man die Annahme dadurch zu erreichen glaubt, datz Deutschland gewisse Zugeständnisse nationaler Ratur gemacht werden, mit deren Hilfe es dann einen starken Druck ausüben könne. Ebenso sollen Klauseln Vergünstigungen für die Bevölkerung der ob- getrennten Gebiete enthalten. Diese Klauseln wären aber nur dann in Kraft treten wenn Deutsch- land das Abkommen annimmt; dadurch würde ein neuer starker ni oralischer Druck aus Deutschland zugunsten der polnischen Wirtschaftsinteressen ausgeübt werden.
Die Kabinettsfrage.
Berlin. 13. Olt (Privattel.) Heber die Auffassung der Regierung hinsichtlich der politischen Lage erfahren die Blätter von zustän
diger Stelle, dah die Regierung sich die Ent-1 fcheidung über die Frage des Rücktritts des Kabinetts noch Vorbehalten bat. Sie wird diese Entscheidung nicht treffen, ehe nicht die tatsächliche Grundlage für die Reubilduna des Äabinett# vorhanden ist, sowie ein Ausblick, in welcher Richtung die Weiterführung der Politik zu erfolgen hat. Für diese Stellung der Regierung war der Gedanke mabgebenb, bab es km Zeitpunkte der gröbten Gefahr nicht zu verantworten wäre, das Reich ohne feste Leitung zu lassen. Die Geschichte der bisherigen Regierungskrisen zeigte die groben Gefahren, welche die im Drange des Augenblicks vollzogene Demission mit sich bringt. Das Kabinett im Zustande der Demission hat keine ausreichende Aktionsfähigkeit. Das jetzige Kabinett halte es daher für seine Pflicht, solange am Ruder zu bleiben, bis die Entscheidung des Obersten Rates über Oberschlesien gefallen fei und dann die Aussprache im Reichstage über die mögliche neue Politik ftattgefunhen hat.
Berlin, 13. Oft. (WTD.) Der Reichskanzler hatte heute vormittag mit dem Führer der Deutschen Dolkspartei, Stresemann, eine llnlerrehung. Auch zwischen dem Reichstagspräsidenten und dem Abg. Spahn fand eine Besprechung statt. Wie der „Lokal-Anzeiger" aus parlamentarischen Kreisen erfährt, tritt abends der Aeltestenrat des Reichstages zusammen, um Beschlub zu fassen, wann das Plenum zusammentreten soll. Die Deutschnationale Reichstagsfraktion richtete ein Schreiben an den Präsidenten des Reichstages, worin sie diesen ersucht, sofort den Reichstag zu einer Sitzung mit der Tagesordnung „Oberschlesien" einzuberufen.
Zur Frage der Demission hesReichs- kabinetts schreibt das „Derl. Tageblatt": Durch die Teilung Oberschlesiens sind die materiellen Voraussetzungen für die Durchführung der Finanz- und Sachleistungen zu einem Teil entfallen. Daraus wird das Kabinett die Konsequenzen zu ziehen haben und dem Parlament die Demission anbieten müssen. Der Reichstag wird dann zu befinden haben, ob das Demissionsgesuch begründet ist, ob eine neue Regierung und gegebenenfalls eine neue Koalition für die völlig veränderte politische Sachlage gebildet werden mutz. Das Zentrum und die Sozialdemokratie lietzen bisher Feinen Zweifel, hab sie Wirth nach wie vor Vertrauen schenken. Auch weite Kreise der Demokraten sind der Ansicht, datz Wirth der geeignetste Mann für die Bildung eines neuen Kabinetts wäre. Dieses neue Kabinett wird, wie es auch aussehen mag, sich vom Reichstage ein neues Mandat geben lassen müssen. Dieser Auftrag kann unter den gegebenen Verhältnissen nicht anders lauten, als nunmehr mit allen Mitteln auf die Revision des Revarationsultimatums ijin- zuarbeiten. Für eine solche Politik, die dem Auslande gegenüber mit starkem Willen und grober Tatkraft geführt werden mub, kann die parlamentarische Basis nicht breit genug fein.
Der Neill'staq.
Berlin, 13. Olt (WTD.) Der Aelte- stenrat des Reichstags hielt abends eine Sitzung ab, um sich über die Einberufung des Reichstags zu verständigen. Da die amtlichen Grundlagen für die (Beurteilung der jber- schlesifchen Frage noch fehlen, wurde von einer sofortigen (Berufung des Reichstags Abstand genommen. Der Aeltestenrat des Reichstags wird spätestens am Montag vormittag zu einer Sitzung zusammentreten. Die Mitglieder des Reichstags ftnt> aufgefordert worden, sich auf eine rasche Einberufung des Reichstags einzurichten.
Der Reichskanzler, der an der heutigen Sitzung des Aeltestenrates teilnahm, stellte fest, bab nach einmütiger Auffassung des Kabinetts ein Rücktritt der Reichsregierung vorläufig nicht in Frage kommt, damit in dieser schwierigen Zeit eine aktionsfähige Regierung im Amte ist.
♦
Eine Kundgebung des Preußischen Landtags.
(Berlin, 13. Oft (Wolff.) (Bei Eröffnung der heutigen Sitzung des Preutzischen Landtages verlas der Präsident ßeinert vor dem Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung namens aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten undberU SP., in der gegen die Entscheidung des Völkerbundes in der ober- schlesischen Frage entschieden Stellung genommen wird. Die Parteien protestieren darin gegen die Vergewaltigung des Selbstbestimmungsrechtes des oberschlesischen Volkes und gegen den Druch des Friedensvertrages von Versailles. In der Erklärung heißt es weiter, dah der Preubifche Landtag gegen die Ausführung der vorbereiteten Losung in der oberschlesischen Frage Stellung nehmen müsse, und datz er mit unwandelbarer Treue zum oberschlesischen Volle stehe, das nicht von der Gesamtheit des deutschen Dolles getrennt werden dürfe.
Das Urteil Salomos.
London, 13. Oft (WB) Das Parlamentsmitglied Kenworthy, das soeben aus Oberschlesien zurückgekehrt ist, erklärte in einer Rede, die fegen. „Losung" der vberschlesischen Frage sei ebenso furchtbar wie das Urten Salomos gewesen. Wenn es durchgeführt worden wäre, hätte man das Kind in zwei Teile geschnitten. Es würde dies nicht furchtbarer gewesen fein, als die augenblickliche Regelung des oberschlesischen Problems. Kenworthy sagte: Die ausgeklärten oberschlesischen Arbeiter, die an tortgeschrittene Arbeitergesehe gewohnt sind und in reinlichen, gutverwalteten Städten gelebt Haden.
werden den Polen ausgehändigt, die in Degradation und Schmutz leben. Das ist dasselbe, als wenn ein Rolls-Reyce- Wagen (beste englische Automobilmarte) einem australischen Wilden übergeben würde. Die ober- schlesischen Arbeiter werden damit den Kommunisten in die Arme \ getrieben und man kann sie deswegen nicht tadeln.
Hcrv^ über die militärischen „Sanktionen".
Paris, 14. Oft. (WTB.) Gustave 5>erDe schreibt im „Oeuvre", die deutsche Demokratie mühte mit der demnächstigen Aufhebung der militärischen Sanktionen rechnen können. DaS verstehe sich nach der Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen; denn die Besetzung von Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg habe keinen anderen Zweck gehabt, als den Sperr-Ring aufrechtzuerhalten. Der Gendarm habe den Zollbeamten unterstützt. Nachdem der Zollbeamte fort fei, diene der Gendarm zu nichts mehr.
Regierungswechsel in (England?
London', 13. Oft. (Wolff.) Lord Robert Cecil richtete an Oberst Ellis ein Schreiben, in dem er unter Bezugnahme auf Lord G r e h s letzte Angriffe auf die augenblickliche Koalitionsregierung fragt, ob Grey der richtige Mann fei, an der Spitze einer neuen Regierung zu stehen. Eecil erklärt, er persönlich sei bereit, mit Grey zusammenzuwirken. Die Lage im In- und Auslande sei sehr kritisch. Seiner Ansicht nach bestehe wenig Aussicht, dah die augenblickliche Regierung der Lage erfolgreich begegnen könne. Alle Personen, die so dächten wie er, welcher Partei sie auch angehörten, mühten sich zusammentun, um dem Lande eine Regierung zu geben, die die Sicherheit nach innen wieder herstelle und dem Ausland Vertrauen einflöht.
Englische Arbeitslosenkundgebung.
London, 13. Oft. (WD ) Heute fand hiev cire grobe ArbeitSlosendemonstratron statt, an der viele Tausende von Erwerbslosen teilnahmen. Hunderte von Prl z sten hielten d e Ordnung aufrecht. Die ilmg?bung der Downing- street wurde für den Demonstrationszug gesperrt; doch wurde eine Arbeitslosenabordnung vom Sekretär Lloyd Georges empfangen. Der Trafalgar-Platz war vollständig von Polizisten umrinat, und keinerlei Verkehr aus dem Platze zugela'sen. Jin großen und ganzen verlief die Kundgebung ruhig. Es wurden nur einige Personen verhaftet.
Eine österreichisch-ungarische Einianng.
Budapest, 13. Oft. (Wolff.) lieber die Einzelheiten der Vereinbarungen in Venedig erfährt der nach Venedig entsandte Sonderberichterstatter des llngarifchen Korresponbenz- bureaus folgendes:
Acht Tage nachdem die interalliierte Generalkommission die erfolgte Entwaffnung festgestellt hat, wird in Oedenburg und .Umgebung, Agen- dvrf und Brennberg unter Kontrolle einer Kommission die Volksabstimmung abgehalten. Was die infolge der llebergabe Oesterreichs gegenüber erhobenen finanziellen Forderungen Ungarns betrifft werden in dieser Frage in vierzehn Tagen die Verhandlungen in Wien eröffnet. Wenn diese binnen vierzehn Tagen nicht zu einem Ergebnis führen, wird gemäss den Bestimmungen des Friedensvertrages von Trianon ein gemischtesSchieds» gericht über diese Frage entscheiden.
Aus dem Reiche.
Eisenbahnerstreik?
Berlin, 13. Oft. (Privattelegr.) Im Eisenbahnbezirk Halle droht infolge einer Neuregelung der Arbeitszeit der Ausbruch eines Eisenbahner st reif S. Heute finden im ReichSverkehrSministerium mit den drei Verbänden, dem Deutschen Cisenbahnerner- hand, dem Allgemeinen Eisenbahnerverbanü und der Gewerkschaft deutscher Eisenbahn- bediensteten Verhandlungen zur Dellegung der Differenzen statt.
Aus Hessen.
Aus dem Finanzausschuß.
rm. Darmstadt, 13. Oft Der Finanz- ausschuh des Landtags beriet heute nochmals die aus der Plenarversammlung zurückverwiesene Vorlage bett, die Tagegelder für (Beamten und beschloß, diese auf 150 Prozent zu erhöhen. Die Regierung wird habet ermächtigt, bis zur demnächstigen Regelung durch das Reich die Vergütung möglichst den Reichssähen entsprechend vorzunehmen. Die Regierungsvorlage bett, die Regelung der Brenn Holz frage wird angenommen, ebenfo die Anträge der Abgg. Reiber und Reh bett. Tarifhol; und Losholz nach dem Vorschlag des Abg. Reh. Zwei Anträge zu der Desoldungsvorlage. welche die Stteichung des Zusatzes, nach der die Kinderzulage vom 21. bis 24. Jahr nur bei Bedürfnis gezahlt werden foll, werden angenommen.
Die geplanten Erhöhungen der Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren.
Berlin, 13. Olt. (WTB.) 3m Reichs* Postministerium wurde gestern und heule mit bessern Verkehrsbeirat unter dem Vorsitz deS ReichSpvstministerS und auf Veranlassung der Reichsfinanzverwaltung im Reichspostministerium der inzwischen ausgearbeitete vorläufige EntwurfderneuenPv st - .Telegraphen- und Fernsprechgebühren durchberaten. Nach diesem, dem Reichsrat und dem Reichstag vorzulegenden Entwurf werden unter anderem die folgenden neuen Ge-4 bührensäye in Vorschlag gebracht:
Für Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gr. . Mk. 0.75 über 20—250 Gr.............1.—
im Fernverkehr bis 20 Gr....... . 1.—
über 20-100 Gr.............1.50
über 100-250 Gr.............2.—
Für Postkarten im Ortsverkehr .... „ 0.50
im Fernverkehr............. „ 0.75
Für Druckfachenkarten......... „ 0.25
Für Drucksachen bis 50 Gr....... , 0.30
über 50—100 Gr.............0.50
über 100-250 Gr.............1.-
über 250—500 Gr.............2.-
über 500 Gr. bis 1 Kilo....... „ 3.-
Für Geschäftspapiere (ebenso wie für
Mischfendungen) biS 250 Gr..... . !.—
über 250-500 Gr.............2.-
über 500 Gr. bis 1 Kilo . ...... „ 3.—
Für Warenproben bis 250 Gr..... „ 1.—
über 250- 500 Gr.............2.-
Für Päckchen bis 1 Kilo ........ „ Z.-
Für Pakete in die Nahzone bis 5 Kilo „ 4.—
über 5 bis 10 Kilo...........8.—
über 10 bis 15 Kilo.......... w 14.—
über 15 bis 20 Kilo............20.-
Für Pakete in die Fernzone:
dementsprechend Mk. 6.—, 12.—, 22.—, 30.- Die Gebühr für Postanweisungen soll (mit
Einschluh des Bestellgeldes) betragen:
bis 50 Mk........ . 1.-
über 50 bis 250 ......... 2.-
über 250 biS 500 ......... 3.-
über 500 bis 1000 „ ....... „ 4.-
über 1000 blS 1500 . ........ 5-
über 1500 bis 2000 „ ....... . 6-
Die Zeitungsgebühr soll für eine ZeitungS- nummer betragen:
bis 20 Gr...............3'/, Pf.
über 20 „ 30 ...............4 w
„ 30 „ 40...............5 ,,
»40 „60. ..............7 „
und für jede weiteren 30 Gr. 2 Pf. mehr.
Berlin, 13. Oft. (WTB) Der Entwurf hei Verordnung betreffend die Erhöhung der AuS - landspo st gebühren gestaltet sich in einem Verhältnis für die Gebühren von einfachen 3n- und Ausländsbriefen von 1:J2, so dah die Gebühren im Weltpostverkehr sich tote folgt stellen werden: Für Briefe bis 20 Gramm aus 2Mk., füt jede weiteren 20 Gramm auf 1 Mk; für Postkarten auf 1^0 Mk., bei Druckfachen auf 40 Pf. für j« 50 Gramm.
Der Entwurf des Gesetzes zur Aenderung deS Postscheckgesehes sieht eine Festsetzung der Zahl- kartengebühr auf 50 Pf. bei (Beträgen bl« zu 50 Mark, bei Beträgen über 50 bis 500 Mk. l,50Mk„ bei (Beträgen über 500 bis 1000 Mk. 2 Mk., bei 'Beträgen über 1000 bis 2000 Mk. 3 Mk., bei 'Beträgen über 2000 Mk., ferner bei baren Auszahlungen durch Postscheck tritt eine Erhöhung bei festen Gebühr von 30 auf 50 Pf. ein.
Nach dem Gesetzentwurf übet die Aenderung der T-lgraphengebühren soll die Wortgebühr für Tel gramme künftig betragen: Bei gewöhnlichen Telegrammen 50 Pf, mindestens 5 Mk., bei Presse- telegrammen die Hälfte dieser Sähe.
Der Entwurf der Verordnung betreffend die Aenderung der in den §§ 3, 4 und 8 des Fern- sprechgebührengesetzeS vom 11. Juli bestimmten Gebührensätze sieht eine Erhöhung von 20 v. H. dieser Sähe vor.
Gegenüber diesem letztgenannten Entwurf er- klärte der Verkehrsbeirat, dah eine abermalige Erhöhung der Fernsprechgebühren schon mit dem Inkrafttreten der geplanten übrigen Vorlagen, ihm verfrüht erscheine.
Der Entwurf eines Gesehes bett, die Aenderung der ^elegraphengebühren wurde vom Verkehrsbeirat mit überwiegender Mehrheit angenommen; ebenso der Entwurf des Gesetzes zur Ae.ide- rung des Postscheckgesehes mit einer Aendenng
Berlin, 13. Oft. (WTB ) Zu dem Entwurf des Gesehes über die Postgebühren beantragte der Derkehrsbeirat. die Postkartengebühr im Ortsverkehr auf 40 Pf., im Fernverkehr auf 60 Ps. zu ermäßigen und die Gebühr für Drucksachenkarten auf 20 Pf. herabzusetzen; ferner die Gebühr für schwerere Drucksachen über 250 bis 500 ©ramm auf 1,50 Mk., und über 500 Gramm bis 1 Kilogramm auf 2 Mk. zu ermäßigen. Den Vorschlägen her Postverwaltung über eine Erhöhung der durch die Postordnung festzusehenden Nebengebühren hat her Derkehrsbeirat §ugeftimmt, jedoch empfiehlt er, die Einschreibegebühr von 2 (Bit auf 1,50 Mk. herabzusetzen. (Bei her Durchführung der vom Postbeirat zu dem Postgebührengefchentwurs gestellten Anträge würden aus den Gebührenerhöhungen die zu erwartenden Mehreinnahmen um mehr als 200 Millionen Mark verringert werden. Die Entscheidung über die endgültige Gestaltung des neuen Posttarifes muh hiernach ben gesetzgebenden Faktoren überlassen bleiben; sämtliche Vorlagen werden nunmehr dem Reichsrate zugehen, nebst einer Uebersicht vom Postbeirat über hie beantragten Amderungev


