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Söhnen nicht mehr eine Hochschulbildung bieten Dänen. Einer unsrer ersten Gelehrten -muh seine Bibliothek verkaufen, weil er das Geld für eine entsprechende Wohnung nicht mehr aufbringen kann. Diese Kreise, die am meisten ringen müssen, stehen vor der Gefahr von Verhältnissen wie in Wien und im übrigen Oesterreich, wo allmählich ein Verhungern der geistigen Mittelschicht vor sich geht. Wir müssen zu einer Stabilisierung der Mark kommen. Dazu können Sachleistungen an Stelle des Devisenkaufs dienen. Frankreich hat erklärt, dah es selber so sehr in Sorgen sei, wie es seinen Fran­ken halten könne, und fordert, dah uns unsre Sach­leistungen, wenigstens für die ersten Jahre, nur zum Teil gutaeschrieben würden. Man begrüßt bei uns die Tendenz des Wiesbadener Abkommens, aber man kritisiert die Richtanrechnung der über­wiegenden Mehrzahl dieser Sachleistungen. Ich be­zweifle, dah diese Bestellungen alle in Deutschland gemacht werden, besonders bei der großen all­gemeinen Arbeitslosigkeit in Frankreich Doch das ist Sache des Herrn Loucheur. Das Wies­badener Abkommen, das sich bemüht, den Verhält­nissen gerecht zu werden, um eine weitere Ent­wertung der Mark zu verhindern, kann von uns ^billigt werden.

Ern Sozialist gegen den Achtstundentag.

3n denSozialistischen Monatsheften" schreibt Kaliski:

Man spricht diel von den Opfern sür den Wiederaufbau Deutschlands. Aber werden sie denn wirklich gebracht? 3n Wahrheit steht es so, dah ein jeder nimmt und errafft, was er zu­sammenbringen kann: und das gilt für jede Klasse. Opfer sind Leistungen, die b7wuht ge­bracht werden. Wo sind die Unternehmer oder Arbeiter, die in diesem Sinn der Aation Opfer bringen? Eines ist gewiß: Die Partei, die von den von ihr vertretenen Gruppen solche wirk­lichen Opfer offen und rückhaltslos als Dienst am Volk verlangte, würde vermutlich zunächst ungeheuer unpopulär werden, und doch würde sie die Herrschaft im Reich gewinnen und auf die Dauer unangefoch'en behalten, weil sie eine ein­zige wäre, die wirklich Sachwerte schüfe. Für die Arbeiterklasse ergibt sich hieraus die un­abweisbare Forderung: ihre Lei st ungen zu st e i g e r n. Man darf nicht einwenden, dah eine Schichtverlängerung im Hinblick auf die ungün­stigen Lebensbedingungen der Gegenwart abge­lehnt werden müsse, weil sich sonst drohend die Gefahr einer Verkürzung der durchschnittlichen Lebenszeit erhebe. Die Arbeiterschaft muh sich zu einer Steigerung der Leistungen entschließen, weil sonst die durchschnittliche Lebensdauer der kommenden Generation um ein Mehrfaches ver- Lirzt würde. Ein Verzicht auf die Ar- beitssteigerung bedeutet den Ver­sal! des ganzen Volkes, namentlich des Nachwuchses des Proletariats. So muh also unter allen Umständen bewirkt werden: auch unter Zu­rückstellung sozialistischer Errungenschaften, na­mentlich des (allzu schematisch aufgefaßten) Acht­stundentages, einer Einrichtung, die als ziel­weisende Forderung ihre große historische Be­deutung im Klassenkampf der Arbeiter hatte, die aber bei ihrer Durchführung größter Diffe­renzierung der Arbeitsarten, was Inten­sität, Kontinuierlichkeit und faktischen Kräftever­brauch anlangt, strengster Scheidung von wirk­licher Arbeit und bloßer Arbeitsbereitschaft be­darf, wenn sie nicht noch in guten Zeiten zu schlimmer Ungerechtigkeit und Ungleichheit zwi­schen den einzelnen Arbeiterkatcgorien in Zeiten wie der jetzigen zu einer schweren Schädigung der Wirtschaft selbst werden soll."

Die Mißernte in Rußland.

» Kopenhagen. 10. Ott. lWB.) Einem Äelegramm aus Moskau zufolge veröffentlicht Das statistische Zentralbureau folgende Zahlen für das Ernteergebnis dieses Jahres: Die '»Ernte in Brotgetreide in Rußland und der Ukraine beläuft sich auf *2 Milliarden Pud. Rach dem Abzug des Saatgetreides verbleiben IVa Milliarden Pud. Man hatte geschäht, dah die Ernte im Hungergebiet 133 Millionen Pud größer sein werde, als sie in Wirklichkeit war. Zum Ausgleich müssen 50 Millionen Pud Ge­treide auS dem Auslande eingeführt werden.

Aus dem Reiche.

Gm Trauer- und Opfertag in München.

München. 9. Oft (Wolff.) Der heutige Trauer - und Opfertag für die im Welt­krieg gefallenen 13 000 Münchener gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung Die Stadt hatte schwarzen Flaggenschmua angelegt. Rach der kirchlichen Feier sammelten sich die Teil­nehmer, darunter die bayerischen Kriegervrreine und die studentischen Korporationen auf dem Königsplatz. Der Trauerakt wurde mit Fanfaren- klängen und Musitvorträgen eingeleitet. In An­sprachen wurde die ernste Bedeutung des Tages hervrrgehobrn und das Gelöbnis abg-g^brn, für die Hinterbliebenen und Kriegsinvaliden nach besten Kräften zu sorgen. Der Ertrag des Opfer­tages wurde zur Schaffung eines Ebr enden k- m a l s für die Gefallenen und zur Unterstützung bedürftiger Opfer des Krieges bestimmt.

Die Steckbriefe wegen des Kapp-PutfcheS.

München, 10. Oft (WTD.) Den Blättern zufolge ist der wegen Hochverrats im Zusammen­hänge mit dem Kapp-Putsch steckbrieflich ver­folgte Arzt Georg Schiele aus Raumburg a. E. in München verhaftet worden.

Aus Hessen.

AuS dem Finanzausschuß.

tra. Darmstadt, 10. Oft. Der Finanz­ausschuß des Landtags erledigte heute sämt­liches noch rückständiges spruchreifes Material Der größte Tell betraf Vorstellungen zu der Besol­dungsordnung, die meist für erledigt erllärt, oder der Regierung als Material überwiesen wurden. Zu der Vorstellung der Gemeinde Bad-Rauheim erklärt sich der Ausschuß mit der Umwandlung der Realschule in Dad-Rauheim in eine Ober­realschule unter der Bedingung einverstanden, dah die Gemeinde Dad-Rauheim sich verpflichtet, sämt­liche entstehenden Mehrkosten außerhalb der Be­stimmungen des Gesetzes über die Kosten höherer Schulen dauernd zu Übernehmen. Dann wird noch eine Regierungsvorlage, durch welche eine Summe von 500 000 Mark zur Bildung eines Hilfsfonds für wohltätige und Kunflzwecke usw. angefordert wird, unter der Bestimmung angenommen, daß

über die Verwendung der Beträge nur das Ge­samtministerium mit dem Finanzausschuß zu ent­scheiden hat

Hessische LandtagSkandidateu.

Darmstadt, 10. Oft. Im Frankfurter Ge­werkschaftshause fand am Sonntag die Aufstellung der Kandidaten der Mehrheitssvzialisti- s ch e n Partei für die Hessischen La.:rdtagLwah- len statt. Lieber die politische Lage in Hessen sprach der Landtagsabaeoronete Adelung- Mainz, der ausführte, daß 31 hessische Land­tagssitze unter 70 Mandaten von Sozialdemokra­ten besetzt seien. Es bestehe große Gefahr, dah die von der Rechten herbeigesehirten Zustände von ehedem wieder eintreten, wenn nicht alle Wähler ihre Pflicht tun. Der Wahlkampf müf'c mit aller Schärfe gegen die Rechtsparteien ge­führt werden. Beim Zentrum zeige sich die Klas- senscheidung: ebenso schwierig liege die Situation bei den Demokraten, denen zu den sonstigen Miß­helligkeiten jetzt auch der Heber tritt Dr. Streckers zu den Sozialdemokratenin die Parade" ge­fahren sei. Die Konferenz stellte sodann dis Lcuw- tagskandidaten auf. Spitzenkandidaten sind für die Provinz Starkenburg: Ulrich, Staatspräsident- Darmstadt, Reumann, Präsident der LandeSver- sicherunasanstalt-Darmstadt und Redakteur Georg Kaul-Offenbach, für die Provinz Oberhessen: Gast­wirt Cur -Meder-Florstadt, Ministerialdirektor Raab- Pfungstadt, Gewerksch^ftsbeamter A l - bin Mann-Gießen, und Bürgermeister Rechtien -Vilbel, für Rheinhessen: Bürger­meister Adelung-Mainz.

Em parlamentarischer Abend.

rm. Darmstadt, 11. Oft. Der Staats- Präs ident hat jetzt die Abgeordneten zu einem parlamentarischen Abend auf kommen­den Donnerstag eingeladen. Am Freitag dürften dann die Beratungen der Kammer nach Erledigung der allerdings umfangreichen Tagesordnung zu Ende gehen.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 11. Oft. 1921.

Gartenarbeit im Oktober.

Im Monat Oktober ist die Arbeit im Gar­ten sehr groß. Vor allen Dingen muh die Obst­ernte beendet werden. Das Verpflanzen und Ver­vielfältigen der Beerensträucher hat in diesem Monat zu erfolgen. Je ausgereifter das junge Holz, desto besser gelingt die Umpflanzung. Jo­hannis- und Stachelbeersträucher eignen sich vor­züglich zur Herbstpflanzung, Himbeersträucher mehr zur Frühjahrspflanzung. Die Anpflanzung von Obfl bäumen ist jetzt auch zu empfehlen doch muß dabei der Boden berücksichtigt werden. War­mer. lockerer Boden ist für die Herbstpflanzung unbedingt notwendig. Bei der Anpflanzung eines Baumes ist darauf zu achten, daß er 10 Zen­timeter höher zu stehen kommt, als er vorher gestanden. Die Wurzelschnitte müssen dem Boden zugekehrt fein. Jede verletzte Wurzel ist vor dem Einpflanzen glatt abzuschnerden. Das geschieht am besten abends vorher. Heber Rächt müssen dann die Bäume im Wasser stehen. Rach der Reupflan­zung ist ein Beschneiden der Zweige durchaus nicht ratsam, Umgraben und Auflockern der Erde unter den Bäumen ist nötig. Große Sorgfalt ist auf den Schuh gegen die Frostschmetterlinge zu legen. Die dicken flügellosen Weibchen erklet­tern die Obftbäume und legen an den Frucht­knospen ihre Eier ab. Im Frühling entwickeln sich daraus die gefährlichen Spannerräupchen. Jedes Weibchen kann bis 300 Eier legen. Die jungen Raupen beginnen sofort nach dem Aus­kriechen ihr Zerstörungswerk an den Blüten­knospen. Es ist daher dringend notwendig, der Raupenplage schon in diesem Monat entgegen­zutreten. Leim- und Teerringe an den Bäumen, Abkratzen der Bäume, Beseitigung alles Abfalls unter den Bäumen und das Bestreichen der Bäume mit Kalkmilch ist notwendig. Die Ge­müsebeete werden abgeerntet, gedüngt und ge­graben. Mistbeetkästen werden bereitgestellt und gelüftet. In den Blumenbeeten werden die Ein­räumungsarbeiten ebenfalls festgesetzt

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'** Amtliche Perfonalnachrichten. Ernannt wurde am 21. September der Kreis- amtmann Landamtmann Dr. Hermann Braun zu Bad-Salzhausen zum K r e i s a m t m a n n beim Kreisamt Gießen. Am 29. September wur­den die Forstwartaspiranten Hch. Hamel aus Rainrod, Rudolf Graulich auS Ulrichstein und Heinrich Welker aus Vadenrod zu Förstern ernannt. Am 28. September wurde der Ober- landmefser im Katastervermessungsdienst Rech­nungsrat Julius H e i n e ck zu Friedberg auf sein Rachsuchen vom 16. Oktober in den Ruhestand versetzt.

"ReueEilzügeohne Zuschlag. Wie dasD. T." meldet, wird der neue Winter­fahrplan neue Eilzüge ohne Zuschlag insofern bringen, als er zum erstenmal in größerem Um­fange Personenzüge einführt, die nur auf größeren Stationen und Knotenpunkten halten. Es gibt also in Zukunft Verfonenzüge für den Weitverkehr und foRt)e für den Lvkal- verkehr. Die beschleunigten Personenz'"'ge dienen hauptsächlich dem Verkehr zwischen den Stab'en und halten auf kleineren Stationen nicht mehr. Für die Bedienung dieser Stationen dienen Lokal- züge.

** Sine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses findet am Freitag vor­mittag 9Uhr im Sitzungssaal des Regierungs- gebäudeS statt Auf der Tagesordnung stehen: Versorgung der Gemeinde Ettingshausen mit elek­trischer Energie: Einspruch gegen den Voranschlag der Gemeinde Climbach für 1921; Einspruch gegen den Voranschlag der Gemeinde Grünberg für 1921.

** Oberhessischer Kunstverein Die graphische Ausstellung ist nur noch morgen M tt= woch von 111 Uhr geöffnet. Von da ab bleibt die Ausstellung wegen Vorbereitung der Sonder­ausstellung von Werken des Verbandes bildender Künstler Hessens und der Vereinigung Darm­städter Künstler einige Tage geschlossen. Dieser Ausstellung wird dann eine besondere Eröff- nnungsfeier vorausgehen.

* Di e Ring- und Boxkämpfe im Hotel Einhorn brachten gestern abend als Reuheit den ersten Boxkampf. In einem Ring aus starken Tauen, der umständlich und unter viel Vorbereitung (wohl um die nötige Spannung im Publikum zu erzeugen) hergerichtet wurde, traten sich Sportlehrer Karl Fürst- Frankfurt und der auch als Ringer bekannte Däne Christensen gegenüber. Zwei hitzigen Kampfhähnen gleich standen die Boxer da, scharf darauf lauernd, daß sich der andere eine Blöße gebe, um dem

Gegner bann blitzschnell einen ober wenn möglich mehrere schwere Hiebe versetzen zu können. Hauptangriffsziel war dabei des Gegners Kops. Daß diese Schläge anders denn sanft ausfielen, bewies das blutende Gesicht des Dänen. Auch wurde jeder einmal durch mehrere besonders saftige Kopfschläge für mehrere Sekunden an­scheinend bewußtlos hingestreckt. Jeder konnte sich jedoch vor Ablauf der vorgeschriebenen Sekunden- zahl wieder erheben so daß bet Kampf nach sechs Gängen unentschieden endete. Beiden Käm­pen stand ein Sekunoant zur Seite, dessen Aus­gabe vor allem darin bestand, seinem mattgekämpf- ten Partner in den kurzen Zwischenpausen mit einem Handtuch Kühlung zuzufächeln, ihn mit einem nassen Schwamm zu bearbeiten, Walser zu reichen usw. Außerdem wurden gestern zwei Ringkämpfe ausgetragen. Zunächst ent­spann sich ein heißer Kampf zwischen Achnet und Hitzlet, bet nach 20 Minuten unentschieden abae- brochen wurde. Der Bayer wirkte vor allem wieder durch seine massige Körperkraft, der Hihler jedoch erfolgreich seine katzengleiche Behendigkeit entgegenstellen konnte. Als zweites Paar rang van Berg-Baden mit dem Hessen Gerbet, bet nach 13 Minuten butch einen überraschenden Griff aus dem Stande auf die Schultern gelegt wurde. Von den Sonntagskämpfen ist nachzutragen, dah Achnet gegen Zilch und Christensen gegen Opitz 20 Minuten unent­schieden rangen. Gerber wurde auch an diesem Wend nach acht Minuten mittels Kopfgriffs aus dem Stand besiegt, und zwar von Hitzlet.

Wettervoraussage

fürMittwoch:

Vorwiegend heiter und trocken. Tag mild, Rächt kühl. Wechselnde Winde.

Die Wetterlage hat sich nicht wesentlich ver­ändert.

Bornotizen.

Tageskalendet süt Dienstag: Stadttheater, 7 Uhr,Was ihr wollt". Hotel Einhorn, 8 Uhr, Ringkämpfe und Variete.

Aus dem Stadttheaterbureau. Auf das einmalige Tanzgastspiel von Hanne­lore Ziegler am Montag, 17. Oktober, sei ganz besonders hingewiesen, da es für längere Zeit das letztemal sein wird, daß man die berühmte Künstlerin in Deutschland sehen kann, da sie vor einer längeren Amerikareise steht. Fräulein Ziegler bringt diesmal ein gänzlich neues Programm, das sie im Sommer in Rau heim zum ersten Male und zwar mit ganz außerordent­lichem Erfolge vvrgeführt hat. Karten für den Gastabend werden bekanntlich schon von jetzt ab an der Theaterüisse ausgegeben

Sie großen Weltumwälzungen und deren Ausgang." lieber dieses Thema wird, wie im gestrigen Anzeigenteil mitgeteilt ward, heute abend 8 Uhr. Herr P. Kreß aus Dortmund einen Vortrag halten.

Landkreis Gießen.

X Langsdorf, 10. Oft. In unserem neuen Rathaussaal fand gestern als erste Ver­einsveranstaltung ein Abend des E v a n g e l. Bundes statt. Ein Vortrag des Ortsgeistlichen wies in einem Gesamtüberblick über die äußere und innere Lage des deutschen Protestantismus und der evangel. Kirche auf die Wichtigkeit der Bundesarbeit hin. Es wurden weitere Veranstal­tungen unseres seit 1911 bestehenden, jetzt neu organisierten Zweigvereins in Aussicht gestellt.

g. Rüddingshausen, 9. Okt. Heute feierte unsere Gemeinde in der bis auf den letzten Platz gefüllten, und von den Konfirmanden mit Blumen reichlich geschmückten Kirche ihr Ernte­dankfest. Der Gemischte Chor half die Feier verschönern.

Kreis Schotten.

b. Schotten 9. Oft. Gestern nachmittag wurde hier die Obst- und Ackerbau aus - stellung des Kreises Schotten in der Turnhalle, die mit Erzeugnissen des Obst-, Gar­ten- und Ackerbaues bis auf den letzten Platz ge­füllt war, feierlich eröffnet Oekonomierat Brei­denbach. der Vorsitzende des Landwirischafts-- kammer-Ausschufses von Oberhessen, begrüßte alle Gäste, dankte allen Spendern von Preisen und Mithelfern an dem schönen Werk. Kreisdireftor Boekmann sprach in ähnlichem Sinne namens des Kreises. Als Vertreter der Regierung war der Präsident des Landesernährungsamtes, Herr Hebel, petsönlich erschienen, um den Dank und die Freude der Regierung über die wohlgelungene Ausstellung und die vom klimatisch ungünstigen und in diesem Jahr so ausgetrockneten Vogels­berg dargebotenen Höchstleistungen auszusprechen. AuS feinen Worten sprach ein warmes Herz für die Landwirtschaft und der Wille, eine gesunde ProduktionSpolitik fürderhin zu treiben. Sin Rundgang schloß sich an die Ausführungen, bei dem man aus den zahlreich ausgestellten Sorten belehrt wurde, dah bei richtiger Pflege des Obst­baues man auch in unseren höheren Gebirgs­lagen reichlich Edelsorten ziehen und ernten kann. Außerordentlich reich war die Ausstellung be­schickt, wohl alle heimischen Obstsorten waren vertreten. Prächtig waren die vielen verschiedenen Zusammenstellungen die aus Erzeugnissen des Ackerbaues und der Gartenbewirtschaftung aus­gestellt waren. Die aeräumige Halle war febr ge­schmackvoll dekoriert und bot ein farbenfrohes Bild. Der Besuch war besonders am Sonntag außerordenllich stark, die Besucher ~ an vielen Erfahrungen und Belehrungen reicher äußerten sich sehr lobend über das Gebotene.

X Feldkrücken. 10. Okt. Am Freitag brach hier bei dem Landwirt K. Rühl IV. ein Schadenfeuer aus, das bei der großen Trockenheit sehr leicht auf die ganz eng zusammen- stehenden Rachbargebäude hätte überspringen und unabsehbares Unheil herbeiführen können. Ein mit Heu und Reisern gefülltes Gebäude brannte unter mächtiger Rauchentwicklung ab. Zum Glück konnte durch das tatkräftige schnelle Eingreifen beherzter Manner, die die Brandstelle mit zwei Schlauchleitungen bekämpften, das Feuer auf feinen Herd beschränkt werden. Die Rachbarhäufer blieben unversehrt. Heber die Ursache des Bran­des verlautet, daß er durch den Funkenaus­wurf einer in der Rähe stehenden Drefch- mafchine entstanden fei. Die elektrische Lichtanlage geht auch hier allmählich ihrer Vollendung entgegen. Das Ortsnetz wird in Kürze ausgebaut fein, dieser Tage wurde mit dem Bau des Transformatorenhäuschens begonnen. Hoffentlich sind auch die HauSanschlüsse bald fertiggestellt.

x Ulrichstein, 10. Olt. Unserem zweiten Lehrer, G. Gau b. der nahezu 8 Jahre hier ge­wirkt bat wurde eine Lehrerstelle an der Volks­schule in Laibach übertragen.

Starkenburg und RHeinheffeu.

Darmstadt, 11. Okt DasDarmstad- ter Tageblatt", dieHessische Landes­zeitung" und derTägliche Anzeiger", die gestern nach zehntägigem Richterscheinen wie­der yerauskamen. veröffentlichen eine Erilärung. in der es u. a. beißt:Rach zentraler Regelung war eS. ohne nach dem Muster der Gehilfen gleich­falls einen Tarllbruch zu begehen, den Arbeit­gebern Darmstadts nicht möglich, sich mit den Ge­hilfen an den Verhandlungstisch zu fefien. Die in dem Ultimatum der Gehilfen gesetzte Frist muhte dementsprechend ohne Verhandlungen ablaufen. Rachdem die Gehilfenschaft anerkannt hat. unter Tarifbruch in den Streik eingetre ten zu fein, erklärte sich die Prinzi- palität unter Hinzuziehung des Prinzipal- und Gehllfenvorsitzenden des Kreises III Frankfurt a. M. zu einer Besprechung zur Wiederherstellung des gewerblichen Friedens vor dem Demobil- machungskommissar für Hessen bereit. Sie führte dazw daß die Gehilfenschaft heute früh geschloffen die Arbeit wieder ausgenommen hat.

Heffen-Nanau.

Die Ausländer auf der Frankfurter Mess«.

mc. 5rantf ur t a. M 10. Oll. Der Aus­länderbesuch auf bei Frankfurter Herbst­messe, der während der früheren Messen nicht besonders start war, hat überrascht. Die Aus­länder kamen in großen Scharen, beson­ders aber stellte Holland, die Schwei-, Itollen, Spanien, die nordischen Staaten und Frankreich das Hauptkontingent. Mich die Aussteller waren sehr zahlreich aus dem Ausland gekommen, so vor allem auS Oesterreich, Tschechien. Frankreich, Eng­land, Ungarn, Schweiz und einige Firmen ivgar aus Rordfrankreich. Wie in einer Sitzung des Presseausschusses mitgcteUt wurde, kommen zum Frühjahr zwei große Reubauten zur Vollendung. Der Technik wird eine große Halle errichtet, und weiterhin ist dem wchuh- und Leder­handel "seine bisherige Untedunitsftättc zu llein geworden. Man will auch hier unter Ausbrin­gung des Daukapitals durch eine Anleihe einen Reuvau errichten, der bis zur nächsten Messe fertig sein soll. Bemerkenswert ist. daß die Schuh­industrie Frankfurt als den aussichtsreicheren Meßplatz wie Leipzig bevorzugt.

Einsatz der Technischen Dothilfe tu Hanau.

tn. Hanau. 10. Okt Die Technische Rot- Hilfe mußte in den Dunlopwerken in Ha­nau mit 63 Rothelfern die Enlladung einer größeren Anzahl mit Braunkohlen gefüllter Eisen- oahnwaggons vornehmen, da die Eisenbahndirek­tion diese über eine Woche dem Verkehr ent­zogenen Wagen im öffentlichen Interesse dringend benötigte. Dank dem anerkennenswerten Fleiß der eingesetzten Rothelferschast ging die mühsame Arbeit flott vonstattcn. Leider waren alle Versuche, die Arbeiterschaft selbst zur Lei' stung dieser Rotstandsarbeit zu veranlassen, ver­geblich: doch muß anerkannt werden, daß sie der eingesetzten Rothelferschast gegenüber eine über­aus besonnene Haltung em na bin.

Aus dem AmtSverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 143 vom 10 Oktober enthalt: Versorgung der Kranken mit Zusatzlebensmitteln. Eigentum ehemaliger russischer und serbischer Kriegs- und Zivilgefangener. Heimschaffung der russischen Kriegsgefangenen. Die Strafregister. Woh­nungswechsel des AmtsveterinärarzteS. Toll­wut in Langsdorf. Apparat zur Vertilgung von Ungeziefer. Viehseuchen.

Wohnungswechsel des Amtsvetc- rinärarztes. Vom 15. Oktober ab befindet sich die Wohnung des Amtsveterinärarztes D>. Stein zu Gießen im Hause Henselstraße 4. Rümmer feines Fernsprechers ist nach wie vor 1080.

In Langsdorf ist in der Hofreite des Will) Scheid I. bei einem Hunde die Tollwut fest- gestellt worden. Ein anderer Hund aus Langsdorf, 3 Monate alt, zirka 30 cm hoch, rötlich-braun. Mischrasse, Wolsstyp, stark der Tollwut ver­dächtig. ist entlaufen.

Schweinerotlauf in Gießen In dem Gehöfte Roonstrahe Rr. 22 hier ist Schweinerot­lauf amtlich fest gestellt worden. Sperrmahregeln sind angeordnet.

©erid>t5facil.

DaS Urteil hn Mordprozeß Hemberger.

Berlin, 10. Oft. (WTB.) In dem Mord- Prozeß Hemberger haben die Geschworenen bei Protze nur die Schuldfrage nach Totschlag, bet Frau Hemberger nur die Schuldsragen nach Be­günstigung nach der Tai, Urkundenfälschung und Abgabe einer salschen eidesstattlichen Versicherung bejaht. Bezüglich der Frau Weite wurde die Frage nach Begünstigung bejaht Der Staatsanwalt beantragte gegen Protze zehn Jahre Zuchthaus, gegen Frau Hemberger 3i ? Iabre Gefängnis und gegen die Angellagte Weise 3 Monate Gefängnis Das Urteil lautete gegen Protze auf 5 Jahre Zuchthaus unter Anrechnung nun einem I hre vier Monaten der erlittenen Untersuchungshaft, gegen Fi au Hemberger auf 21 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 1 Jahr 3 Monaten Unter­suchungshaft und gegen Frau Weise auf einen Monat Gefängnis. *

Berlin, 10. Oft. sPriv.-Tel.) Gegen den Pclizeiunterwachtmeister Erven und den Pvlizel- hauvtwachtmeister Meyer von derHundert­schaft zu besonderer Verwendung' wurde ein Ver- fahren wegen Mordes cingeleitet Es wird ihnen zur Last gelegt, am 15. Juni den Oberwachtmeister Buchholz ermordet zu haben, um zu ver­hüten, daß Buchholz, gegen den das Verfahren wegen Unterschlagung eingeleitet war. die poli­tischen Machenschaften der Hundertschaft verrate. Der Prozeß kommt in der nächsten Schwurgerichts­tagung des Berliner Landgerichts 3 zur Verhand­lung. Die Angellagten bestreiten jede Schuld.

Vermischtes.

Berlin, 10. Oft. (Wolff.) In einem Hin- terhausderChorinterstraßeim Rorden Berlins, wurde der Kurbelsticker E r n st in einer Blutlache ermordet aufgefunden. Ernst war von den Hausbewohnern zum letztenmal am Sonn­tag vor acht Tagen gesehen worden. Der Kleiüer- schronk und die Schubladen in der Wohnung waren erbrochen.