Ares Stadt und Cattb.
(Sieben, den 11. Ium 1921.
Tie Wochenmärkte
peftmders die am Dienstag und SamStag zeigten tmdkt solch lebhaften Lande! tote inVoririeg^etten. So war auch dec heutige Markt so reichlich befahren, baß das vorhandene Gemüe, Salat, evenso auch Shutter und Eier nicht völ nm Ab atz sanden. Trotzdem war >edoch ein Rückgang der .Preise nicht $u bemerken In anderen Gegenden, auch rn Tarrn ftnbt, Frankfurt, ist die Butter bet weitem Lilltger. In Darmstadt wurde B. für prima Landdutter 22 Mk. gefordert, und dmnock> fand sie keinen Abatz. Unsere Lausfrauen dürften mit dem frühen Einkauf zu Begnn des Marktes auch etwas zurücklmltender sein, und ntchr lri>en geforderten Preis zahlen, zumal am Schildes Marktes noch genug Ware vorhanden war. Die Preise waren folgende: Svargel 1—3.50 Mk., Spinat 60—80 Pf., röm. Kohl 50 Pf., Meng- gemüse 50 Pf, Wrrsrng 1.50 Mk., Dlumrnkodl 2—7 Mk., Gel verüben, Bund 1—1.20 Mk., Kohlrabi, pro Stück 70-100 Pf , Rhabarber 1.20 Mark, Kern erben 2 Mk., Gurken 2—7 Mk.. Land- Lutter 24—26 Mk., Eier 1.45—1.55 Mk., Käse !pro Stück 80 Pf , xxxnig 3—3.50 Mk., Geflügel, Enten und Hühner, pro Pfund 10 Mk.
Wegen die -lutoraserei.
Das hessische Innenmrniflerürm weist in einer fifofarrnfmadjaing erneut auf strenge Beachtung der Vorschriften über die Fahrgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge hin. Die Po- lizciorgane seien angewiesen, Uebertrctungen un- nach'ichklich anzuzeigen und gegebenenfalls die Entziehung der Fahrerlaubnis zu veranlassen.
xticacrvo raus tafle
für Sonn tag und Montag:
Wolkig bis h.iter, meist trocken, nachts kühl, nörblidx später nad) Südwesten drehend« Wind«, dann wärmer und Niederschläge.
Ter über Skandinavien und bcr,JDftec nach Osten abziehenden Teprefsion folgt ivtcber eine neue Depreision im Westen Gwßlnitanmens. Nach vorübergehender Aufheiterung unter dem (Sinflub des Lock-druckkeils ist nnoder mit Zunahme der Bewölkung und wärmerem Wetter und Niederschlägen Wu rechnen.
*
LU. Von der Landes-Universität Gießen. Der Privatdozent an der Universität Berlin, Lic. Karl Ludwig Schmidt, hat den an ihn ergangenen Rui als Nachfolger des nach Marburg gehenden ordentlichen Professors für Neues Testament D. Bultmann angenommen. Ferner nahm der außerordentliche Professor in Tübingen Dr. L a n s Schmidt einen Ruf äl§ Nachfolger des gleichfalls nach Marburg gehenden ordentlichen Professors für Altes Testament D. Hölscher an.
* * Zum Pv stmei ster befördert wurde Postsekrrtär Appel, langjäHriger Vorsteher des Postamts Lollar.
* ’ I m Oberhessischen Kunstverein wurden heute noch Gemälde von Prof. Koberstein .u. a. neu ausgestellt. Die gesamte Ausstellung bleibt nixr noch kurze Zeit hier. $m übrigen vereisen wir auf die Besprechung in ocr heutigen Nummer. Die Ausstellung ist täglich (außer SamStag) von 11 bis 1 Uhr (vöifnct.
* * T4e dtechährig« öffentliche Impfung in der Stadt Gveßen wird ant Mittwoch, 15., Mittwoch, 22., und Mittwoch, 29. Juni, iedeSmal nadm 3 Uhr im Jmpflokalc — Turn- bafle der Stadtnurddien schule, SMlerstrafee 8 — abg«ha!t«n. Jmpfpsliditig im lausenden Kalender- jab e sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder sowie die rückständigen aus fi über en Jahren.
* * Die Warenausgabetabelle des Lebensmittelamtes für di? nächste Woche ist im heutigen Anzrigentril veröffentlicht: ebenso die Wod-enbekanntmachung des städt. Brennstoff amteS.
Vornotizen.
— Tageskalender für Samstag: Waldbühne, 7 Uhr. „Das Marienkind". — Restau- vanl Leckmann, 8 Uhr, M itgliederversammlung der Vereiniaung eliemaliger .Mrta&ieiangenet der Provinz Oberhessen. — Lichtspiel!>aus, „Masken" und „Pumps u. Co ". — Lichtspiele Seltersweg, „Der Retter ohne Kopf".
— Tageskalender für Sonntag: Schisfenberg, 8 Uhr vorm., Waldgottesdienst. — Oberhesiischcs Museum und GaUiche Sammlungen, 11 Uhr, öffentliche Führung im Saale der Laus- tnbuftric und in der Banernabteilung. — Liebig- itmseum, II'/« Uhr, Bortrag des Pros. Darrassowitz über die geologischen Grundlagen der Lahntalindustrie. — Brchlers Hardt, 21/* Uhr, Beginn des Rcit- und Fahrwettbewerbs. — Lichtspieltheater, wie gestern.
— Liehigmuseum Gießen. Im Rahmen der Vortragsreihe über die Lahntalindustrie wird morgen vormittag Prof. Dr. Varrasso - witz im Gebäude des Liebig-Museums über die geologischen Grundlagen der Lafrntal- uitnmrie sprechen.
— Zur 7 5. Jubelfeier des Bereinigten Mannerchores Harmonie-Gemütlichkeit, die am 18., 19. und 20. Juni auf der Liebi^sl-öhe stattfindet, wird im heutigen Anzeigenteil das Festprogramm bekanntgegeben.
— Der Kriegerverein Gießen lädt feine Mitglieder für morgen vormittag zu einer Besichtigung des Gießener Bvaunsteinbergwerkes ein. 81/2 Uhr ist Abmarsch am Viadukt Ludwrg- strafe«.
KreiS Büdingen.
na. Nidda, 10. Ium. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch versucknen Einbrecher in das Gasthaus von Hofmann am Bahnhof Geiß- Nidda eiierbringen. Sie öffneten das Sdiloß der Haustür von außen, obwohl der Schlüssel von Innen im Schloß steckte, wurden dann aber durch die Sicher hei tske lte am Eindringen gehindert. Durch das Geräusch, das hindurch entstand, wurden die Bewohner des Hauses geweckt und die Einbrecher verscheuckst. — Der Einbruchsversuch hat eine große Ärmlichkeit mit dem kürzlich in der Fahrradbondlung von E. Wrisfraupt in Nidda verübten, wo ebenfalls das Schob trotz des von innen steckenden Schlüssels von außen geöffnet wurde. Die Vermutung liegt deshalb nah«, daß die gleichen unbekannten Täter in Betracht kommen.
Kreis Friedberg.
* Fri ebbe r g. 10 Juni. Am Sonntag (19.) fmbet in Friedberg im „Mainz-r Rad" eine zwang- lose, kameradschaftliche Zuiammcnkunst zwecks Gründung eines kameradschaftliche Regiments- Vereins ehem. 117er statt Alle Kameraden des ehemaligen Inf.-Leibregiments 117, sowie aller Truppenteile, die demselben angt frört haben bzw. aus demselben h?rvorgegangen sind, werden freundlichst eingeladen. Auf das heutige Inserat wird hingewiesen.
Kreis Wetzlar.
* Wetzlar, 10. Juni. Der „Wetzl. Mz." schreibt: Der Verdacht einer widerrechtlidien, gewaltsamen Entführung wurde durch eine Handlung erweckt, von der wir in letzter Minute «rockt Kenntnis erhalten. Danach hat ein von Wetzlar kommendes ünd in der Rechtung nach Braunfels fahrendes rotes Auto, in dem sich eine Krankenschwester und noch eine weibliche Person befanden, gegen U3A Uhr ein von Steindorf kommendes Mädchen gewaltsam in das 91 u t 0 gebart t imb ist mit ihm davon gefahren. Der Vorfall wurde von mehreren Personen beobachtet, die die hiesige Polizei verständigten.
Hessen-Nassau.
Abbruch einer Acppclinhalle.
mc. Frankfurt a. M., 9. Juni. Mit dem Abbruch der großen Frankfurter Zeppelinhalle wurde freute begonnen. Sotpeit als möglich sollen einzelne Teile derselben bet andern sozialen Bauten Verwendung finden. Von dem auf- getauchten Plan, die Zeppelinhalle für eine Großmarkthalle rm Osthafen mit verwenden zu können, scheint man endgültig ab gekommen zu fein.
Vom Schwiegersohn erschossen.
X Schlüchtern, 9. 3 uni. In Salmünster weilte vorgestern abend eine Higeuner- gescllschaft, die untereinander Stveit an fing. Der iur Gesellschaft gehörende Handelsmann Willi ireiwald aus Gießen mußte aud der Wirtschaft lüchten und lies auf die offene Straße. Er wurde von dem Bräutigam seiner Tochter, dem Artisten Karl Lieberum verfolgt und mit zwei Pistolenschüssen bedacht. Ein Schuß ging ihm in den Kops und führte fernen sofortigen Tod herbei. Der Täter ergriff nach der Tat die Flucht, und zwar in Begleitung seiner Braut, der Tochter des von ihm erschossenen Willi Freiwald.
«vberhMcher Uunstverei».
Gießen, 11.Juni 1921.
Wenn in diesen troprsch-freißen Tagen das AuSstellungsaebäude am Brand außerordentlich regen Besuch auszuweisen hatte, so spricht das für die Güte der Ausstellung und den Geschmack der Besucher. Seit langer Zeit hat man auch wieder einmal Gelegenheit, einen guten Meister der Landsck)aft gleichzeitig in einer größeren Zahl von Arbeiten zu beurteilen. Der Karlsruher Volkmann ist keine umstrittene Persönlichkeit mehr, Problematik liegt ihm auch ferne. Dafür bietet er eine reife, bodenständige Kunst, voll innerer und äußerer Harmonie. Er arbeitet gerne mit gedämpften Tönen, in der Graubraun-Stimmung der „Hcrbstfeuer", die dennoch von verhaltener Buntheit glüht. Manchmal dagegen fängt er das Sonnenlicht selbst ein, wie in dem „Klaren Herbst abend". Die beiden glücklich nebeneinander gehängten Bilder sind für die Art Dolkmanns sehr bezeichnend. Die leise Schwermut, die oft deutscher Landschaft eigen ist, trifft er evenso gut wie das Schclmenlachen, das plötzlich ihr Antlitz aufbellcn kann. Daß Vollmann sich auf bae Lachen versteht, bekunden kleine Federzeichnungen, nianche von deutschem Humor erfüllt, manch aller, dings auch nur von einer gutgemeinten Einfall.
Seit Tongern zum ersten Male wieder bekommt man in Gietzen auch einen Pellar zu Gesicht. Der Darmstädter bewährt seine stärkste Eigenart immer noch in der fabelhaften Leuchtkraft, die von all fernen -Farbtönen aus geht und den dekorativen Ausbau seiner Rokokoszenen überlistet. Tie beiden Stücke, mit denen er die Ausstellung beschickt hatte, fanden denn auch gleich ihre Liebhaber.
Bon dem regen Kun steifer junger Gießener Talente legen die übrigen Arbeiten Zeugnis ab. Heckr 0 th und Steinbach sind noch mitten in bet Gärung. Es ist gewiß nicht uninteressant, einen Einblick in ehrliches Wollen zu tun. Experimente, die zu Mlstverständnissen führen können, sollten jedoch der Oefsenllichkeit vorenthalten bleiben. Hierher rechnen die linearen Bildnisver- iuck.« HeckrotfrS, di.- farbige Spulerei der „Freunde" und die teckmisch noch nicht durchgereiften Lino- leumschnitte. Dagegen sind die impressionistischen Blätter „Verfolgung" und „Tanz" ausgezeichnet und die radierten Köpfe ebenfalls voll originaler Ausdruckskraft. Zu sehr guten farbigen Ergebnis!«,! kommt Steinbach besonders in „Abend" und einer „Composition". In Müller-Leutert stellt sich ein neuer Plastiker vor, der zwei Büsten auS- Itcllt, einen realistischen Frauen ko ps und irine außerordentlich weich behandelte Astbeit „Traum".
TL.
(fierid)t>faal.
Die KritflSverbrechrrprozksie.
Leipzig, 10. Junr (Wvlft.s In dem KnegS- prvzcß gegen den ehemaligen Angehörigen der geheimen Feldpolizct Max Ra m dohr beantragte Der Reichsan walt eine Gef ängrs stra s« wn insgesamt zwei Jahren.
Leipzig, 10. Zu. r. (WM.) 'Im R am- dohr-Prozeß führte der Berteünger, Dr. Kaiser aus, die Kn?gspvo«sse dienten nicht der Gerechtigkeit, sondern der Rache. Tte feindlichen Staatsmänner müßten genau, daß Entg'ei ungen überall vorgekommen sind. In feiner Erwiderung stellte der Reichsanwalt fest, daß dies nrht den Tatsachen entspreche, daß die Verfolgung d.i Knegsverbreck^er au, Be ckhi der Gi deute geschfre, fte erfolge aus Grund der deutschen Gesetzgebung. ES entiprerfje dem deutschen Rechtsempfinden, daß strafbare Handlungen auch zur Bestrafung gezogen werden.
Turnen, Spiel und Sport.
— N«it-undFahrspvrt. Morgen wirb Gießen der Schauplatz eines sportlichen Ereignisses ersten Ranges fein: des um 2y< Uhr nachmittags auf Brchlers Hardt statt findenden Reit- und Fahrwettbewerbs. Tas vielseitige Programm verzeich- nct neun verschiedene Nummern, zu deren jeder eine große Zahl Meldungen, auch von anerkannten auswärtigen Vertretern und Vertreterinnen des Reit- und Fahrspvrts eingegangen sind. Die Wettbewerbe werden daher äußerst interessant und spannend sein. Auf dem Turnierplatz konzertiert außerdem eine Kapelle und Reftaurationsbetrieb ist eingerichtet. Der Kartenporverkauf schließt freute abend 6 Uhr.
Vermischtes.
Gtoßfeucr.
l.m. Cochem, 10. Juni (WB.) Gestern nachmittag brach in dem Mvselorte Treis Großfeuer aus, dem die Kirche und zwei Wohnhäuser zum Opfer fielen. Die Kirche brannte bis aut die Grundmauern nieder, lieber die EntstehungSursach« ist noch nichts Mannt. Auch zwei Feuerwehckeute wurden verwundet.
St. Mori'tz, 9. Jmn. (Wolff.) 'Bet bem gefi-ngen Gro ßseuer m dem Unter-<kngadt'l»r Torf S«n t sind 50 Hairer innerhalb LV» Stunden nieder gebrannt, bis Hilf« kam, da die D.wöli- fenmg aui den Feldern und im Wolde be]d)äfhgt war. Dre Gebäude waren versichert, dl-.' Fckfrr- frabe dagegen nur wenig. Es ist großer Vrckhbesland verloren gegangen. Ter Brand soll durch Kannn- scßaden entstanden fein. 150 Personen srnd obdach- los geworden.
Auf eine Mi ne nelanfen.
Athen, 10 .Jmn. (Wolff / Havas beruhtet: Ter Dampser ,.B u b 11 lina" ist, von Smyrna vommend, auf eine Mine gelaufen und getan* f en. Bon den 240 Passagieren, di« ich an Bord befanden, formten nur zwei von der Besammig des Panzerkreuzers ,^c mnod" gerettet wervcn.
Zwölf Dörfer zerstört.
Paris, 10. Juni. (WB.) Wie aus Sansal- vador gemeldet wird, hat ein heftiger Sturm im Bezirke San Miguel großen Sa-aden verursacht. Zwölf Dörfer sollen rerstott sein. Mißerdem ivurhen in der Stadt El Sranfito 5 4 Häuser zerstört. Die Ernte soll vernichtet sein.
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Berlin, 10. Jmn. Wie der „Lokalanzergeri' aus Clbenbürg meQxt, stießen bei Lohne ein Schül er zu g und ein Güterzug zu ammen Viele Personen wurden verletzt, darunter füm Beamte schwer. Der dRaterialschaden t|t erheb ich.
Herrn Collins Mentener.
Roman von Frank Heller.
32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Und Sie Wollen an Bord der . . .?" „Natürlich, Laverttsse! An Bord der . . . Und dann frale ich noch für zwei Tt ige zu sorgen: ich muß unfern Freund Gral-am zum Zug begleiten und ihm ein Biuctt nad) Neapel kaufen. Tort soll er . . . aber daS tut nichts zur (5adx! Und dann ist mir ivock> edvaS ci igciallen, Laverttsse. Fiirdcir Sie nicht, daß ivir uni em vDcelforgn frier ui der Gemeinde schm äh. ich vernachlässigt haben ? >)ch rtnbe cs idwn, und üx er morgen werde ich den alten Ehrenmann auf suchen und ihn um EM- schuldigung bitten!"
D!. S-Ot>eiti fe starrte seinen längs ährt nm Freund uich Arbeitgeber an als nxnui er ernst- bait an finge, an seiner gesunden Vernunft zu zwcr- seln, und V«rr Collin schentte ladxnb ihm und nch einen neuen Grog tu.
Mein Tagebuch an Bord der „Emvreß. os Oceanra".
20 Oktober.
Mein Tagei uch! Es ist toafrrfraitij lange her, seit ich errcS führt« — und warum langt ich es letzt an? Ich weiß eS nickt. Vr-lleid-t treibt mich meine Nervosität bawi; in "1 r. mn ' >•
erttsck-ieden ist, dasselbe X^eiÜJ!. daS tuten >azu bringt, Zeitungen z>t oer.uiiigen une Gesp.äck/.' mit fremd:n Personen Kia mit 1 n M süiltren, während man beim Arzt wartet, dessen Urteil man fürd*.t.
9fber ich glaube, es ist Her Gedanke an ku betben andern, meine Z-reunde, dn mich »um Sckaeiben veranlaßt. Ich will, daß fte, wenn nicht
direkt von mir (wenn alles gut gebt), so indirekt aus diesen fEagebudjblättern (ich kann wohl [über sein, daß sie publiziert werden, tvenn mein Plan mibimgti — ich nnll, daß sie in irgendeiner Wxche den Verlauf meines Ver.uches eriafrren, die Etn- zelheiten, meine Gefühle, — meine Besorgnisse, meine Furcht.
Ja, Furcht! ES ist lächerlich: cm Mann wie ich, mit einer langiübrigen Erfahrung von mehr oder weniger Derbrertxri dm, mehr ober nxmt.icr abenteuerlichen Sdsimtbd- ku — mir zittert fak- lisch die Hmid bn dieser letzten, die weder schwo- rcr nvck riskanter ist alS di? anbem . . . Tieser letzten habe ich geschrieben. Ist das cm« unwillkürliche Prophezeiung, bie ich mir sei ost mache 'f Eine Warnung? Fange ich an für solche Tuge zu alt zu werden? Ich stell« nur diese Frage und em Tutzend anderer, jlync Antwort ju bekommen, ohne mir selbst eine andre Antwort geben zu können, alS daß eS dumm, lächerlich, ab urb ist: nichts an dem Plan, den ick u;u> nurte Freunde letzt ausgedacht haben, ist geiäfrrlidicr, als b.i irgendeinem der inxm-tg andern, die wir schon misgeheckt und ins Werk ge etzt haben. Und die Belohnung, die unser wartet, ist um so viel großer: Hrmdcrttauiend. . . Und doch! . . .
Dir sollten um drei Uhr morgens von den TockS ab'eqcln.. Es war regmcrifch, btc Docks sahen
in V
nem nackten Schmutz, als ich ffrn \t e eljen habe, laj einmal einnt ÄuSdruck ’tn irgt; xinem Bnch oder einer Zeitung, ich i.'riß ni . mt'frr reo London, durch seine grauen ?' et 'ge,'?.
wie ein Alptraum von der Uioigku Zch mußte unwillkürlich bar an denken, während ick
m meinem Cab I.ierfrerfufrr, ein Alvttaum von der Eivigkeit — aber genug mit diesen icniimcn* taten Ergüssen, ich werde doch nicht dieses Tago luch führen, um mich von L. und G. auslack-en zu lassen.
Also, wir fuhren um drei Uhr ab. . . erne Reihe von Umständen, bic ist nicht vorauSsehen tonnte, hatten mid) veriitndert, bei den „Drei Matrosen" zu fein, wo L. mich enoarten sollte, um mir Bescheid $u geben, ob das Erwartete lvirk- lich an Bord petommen war. 'Uirm Gab hatte eine uiigeivöhnlick mi erable Schindmähre und einen nickst viel besseren Kutscher. In Nile Enb Road glitt das Pierd richtig in der Straßen- fcucc aus und stürzte, und alle Anstrengungen des Kutschers tonnten es nicht itneber aui die Beine bringen. Ein anderer Gab war natürlich in einer ioldien Gegend weit und breit nickst zu sehen, und es war wirklich noch Glück im Unglück, daß es mir schließ.i:> gelang, einen uralten Tazst aui* zngabeln und überhaupt noch zum f?fbgang des Srfrisles zu reckst ju kommen. Es fehlten kaum mdfrr als jefrn Mümten, und ich hatte absolut ferne Zeit, zu den „Drei Matrosen" zu gehen. L mußte sedoch irgendwie erraten haben, daß etwas passiert war, denn im letzten Augenblirt tarn er an gelaufen, als To ckar beiter verkleidet, und sand mick heraus. Ick'stand natürlich aui "bem ’^- rbed und lugte nach ihm aus. Er kam gerade, al5 man den Landungssteg ctn&og, ^nb mackste nur eine Grima ie und eine Geste, deren Bedeu- mng ich 'berftano: all right. Tas Erwortctt ist idommen irtb wartet nur aui Sie . . . ich nickte r>ck zurück und ging in mtt.te Kajüte, wo tch , ’Bi lifte und dies schr^Oe. ,
Noch habe ich keine Zeit gehabt, das Terrain
Sitzung Oer Stadtverordneten.
Gießen, den 11. Juni 1921.
Der Stadtvervrdnetensaal bot bei der gestrigen Beratung eist ungewohnt festliches Bild. Bon den Wänden wallten rings dicht bei dicht Flaggen in den Farben schwarz-weiß-rvt und weiß-rot nieder, so daß man eine patriotische Veranstaltung feierlichsten Stiles vermuten konnte Der Wandschmuck bezweckte aber lediglich die Probe, ob durch eine Stoffbespannung der Wände die schlechte Äkustu des Saales sich bessern lasse. Die wirren Schallaeräusche sind zwar damit aufgefangen, die Verständlichkeit der einzelnen Redner ist jedoch immer noch nicht so deutlich, wie man es wünschen muß.
Die Tagesordnung brachte ^rnächst btt langersehnte Geschäftsordnung. Trotz gründlicher Borberatttng in ben Kommissionen wurden noch eine Reihe Abänderungsan träge gestellt, die zu einer ausgedehnten Debatte führten.
Den Kernpunkt der Sitzung bildete die ausführliche Boranfck)lagsreoe des Oberbürgermeisters, in der er die erfreuliche Feststellung machen formte, daß die außerordentliche Steigerung, nxldx die Voranschläge der beiden letzten Jahre aufgewiesen haben, nicht mehr wiederfohren, sondern in Zukunft eine gleichmäßigere Entwicklung des städtischen Bedarfs Platz greifen wird. Immerhin verzeichnet der Voranschlag einen auSzugleichen- den Fehlbetrag von 4,7 Millionen Mark. Bei der Teckungsfrage trat der Oberbürgermeister nachdrücklichst der verkümmerten Steuerautt>- nomie der Gemeinden entgegen und forderte im Lebensinteresse der Städte eine klare Grenzscheidung zwischen den Steuern des Reichs, der Länder und den Gemeinden. Allgemeine Zusttmmung fand auch feine Kritik an der Lastverteilung für die höheren staatlichen Schulen.
Bei der Einzelberatung des Etats" wurde eine große Anzahl von Sonderwünsehen ge. äußerl, die teils als besondere -Anträge an bie Ausschüsse gingen und auf den Plan der nächsten Tagesordnung wiederkehren werden. Einschneidend war ein Antrag der Unabhängigen, bei Titel Wohlfahrtspflege 100 000 Ml. mehr einzustellen, um den In- validen-, UnfaNsventnern und Kriegsbeschädigten für den Wntter 10 Zentner Kohlen zu liefern, sowie ein zweiter Antrag der Unabhängigen, für Wohnungsneubauten statt zwei Mmionen vier Miluonen einzusetzen. Im übrigen wurde der Voranschlag glatt ge. nehmigt.
Der Rest der Tagesordnung brachte außer untergeordneten Punkten den Beschluß tzur Erhebung einer Vergnügungssteuer, dre mit einem kleinen Abänderungsantrag des Stadw. Krausmüller gemäß der Regierungsvorlage beschlossen wurde.
Anwe'end sind Oberbürgermeister Keller, die Beigeordneten smoic 34 Stadtverordnete
Etlaß einer Grichgfloordnung
für bie Sladivtrorbneten Versammlung.
T«r Oberbürgermeister bittet, tu tr den Ausschüssen gründlich buicfrb-.Tatene Borüige möglichst ohne Anstände an.^undymen.
Abäitt« .ungSanträge w.rden ge.'el t von den Stadtverordneten Mann, Simon, strausmüler. Schmalst, Beckmann, Fourier. Dre Anträge werden teils angenommen, teils abgeldfrnt Von Interesse ist die Annahme cmcs Antrags d«S Rechts- auöschrisses, ivonad) die Beschluß ähmkeit ernei Versammlung erst eine Stunoe nach B-gmn fest- gestellt hxrben füll, sowie die Str.i lmng etn«6 Paragraphen, wonach ZuwOerfand.'ungen aeget die Geschästsordnung mit Sträte von 20 Mark ober Ausschluß für eine befhmmte Zeit geahndet werden kann.
Die Geschäftsordnung wird angtrxmtmoL Doranschlageredk des Dbcrbürgermeifter5
Der Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1921 schlicht in bet Bettiebsreckmmrg ab mit drn Betrage von 19,5 Mi-livnen Mark gegenüber einem Bedarf von 17,5 Millionen in Rechnung- ahr 1920. Tee Steigerung bei Bedarfs um 2 MÜttonen oder 11 vom Hundert gegen das JBorjafrr bcnxgt sich annähernd in den Grenzen des pnoienlualen An- wachens der Voranfcktäge in Frieoensiafrren, Jo daN erhofft werden darf, daß die au&erorbentlidjo Steigerung, welche btc Voranschläge der beiden letzten Jahre aufgenücfen frohen, nicht mehr wiv- bert frren, sondern in Zukunft eme glridnnäfeigere Entwicklung des ftäbtiidjcn BckdarfS Platz greifen
zu rekognoszieren, damit mutz Id) bis morgen warten, und eS hat ja auch keine Eile.
Hol's der Teuiel! ^ch zünde mir eine Pfeile an und gdfre aufs Teck! Ich bin zu nervös — eS ist lächerlich, mefrr als lädiettich Hunderttausend und kein besonderes Ri'i.'o.
20. Oktober, 12 Ufrr Mitternacht. Ich frabi mit den übrigen Passagieren erster Klasse und dem Kapitän Dekannnchaft gemockst. Ich habe gegessen, Whisky getrunken und mit dem Pastor aus Malta Sck^ach gtipielL Ich bin "i frt mefrr so nervös, aber ick» bin auch ntchr schläfrig, und um mir die Zeit zu vertreiben. . .
Ter Pastor aus Malta! Ja, das ist em go hmgener Kauz! Oder was soll man van einem n«eii.fravngen altcnGei tlick^n agen, t«r bie Lungen- fkhlvindsucht hat und an allen Gliedern üttert, lutrnn es von einer Türe zr^ht, und mm nach Malta fährt, um sich begraben zu lassenr Ja, tatsächlich, um |ith begraben zu lassen — er hat den Grav- stein mit an Bord ! Ein 10ürWflo&, tagte der Kapitän, wiegt ti.ien halben Zeittner oder mefrr. Er will zivar noch sehen, was das Klima für tfrn tun tann, und frosit, daß es Wunder wirken nnrb, ater fein Nesi«, der mit ihm ist, sckzrint keine Hoffnung zu baten. Jedesmal, wenn der alte Pfarrer von dcr Lust spricht und dem munbtrbaren Emiluß, den sie aui Personen gehabt hat, bte er kennt, sckmttclt der Neue nur verstohlen den Kops wemr ct auch versucht, so hoffnungsvoll als möglich auSzusefren, sowie der Alte im ansreht. Ater während dieser noch so vom Klima und allem andern spricht, betommt er plötzlich rwbet einen Hustenairfall, und roerai er vorüoer rft, keucht er:
z,©oorgie, mein Junge, eS war doch das beste, daß ich den Grabstein geEft habe!" (Fori,, jolgie)


