Ausgabe 
10.10.1921
 
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nefische Regierung Sicherung

im ist

® e bl e t räumten. D'e chinesische sei bereit, sofort Maßnahmen für die der Eisenbahnlinien zu treffen.

Ans Indien.

Der Mittelrheinische Fabrikanten- Verein

hielt in Gemeinschaft mit der Süddeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl-Indu­strieller am 6. Oktober d. Zs. in Mainz unter dem Vorsitz des Herrn Vergrat Dr. Groebler- Wehlar eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Der Geschäftsführer. Syndikus Meesmonn erstattete zunächst einen Bericht über den Stand wirtschafts" und sozialpolitischer Fragen, ins- beiondere die Stellungnahme des ReichLvrrbandes der Deutschen Industrie zu den neuen Reichs- steuergesetzenttoürfen, die Durchführung der Re­parationen und über die Aktion des ReicfB- verbandes in bezug auf eine Kredithilfe für das Reich. Ferner berichtete er über die in Aussicht stehenden neuen Tariferhöhungen in E ftndahn-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesen und schließlich über die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen", die aber erlauft sei mit der Ein­führung einer interalliierten Kontrolle der Gin- und Ausfuhr des besetzten Gebietes

Graf Lerchenfeld in Stuttgart.

Stuttgart, 9. Ott. (WTB.) Amtlich. Der bayerische Ministerpräsident Gras Ler­chenfeld ist am Freitag in Begleitung des OberregierungSrateö Schellhorn vom baye­rischen Ministerium für auswärtige Ange­legenheiten zum Besuchs der würllembergischen Regierung in Stuttgart eingetroffen. Lerchen­feld wurde am Bahnhof von dem württem- bergischen Staatspräsidenten Dr. Hieben emp­fangen. Abends fand beim Staatspräsidenten ein Essen statt, an dem sämtliche württem- bergische Minister tellnahmen. Am Samstag vormittag wurde eine Reihe schwebender poli­tischer und wirtschaftlicher Fragen besprochen. Darauf reifte der bayerische Ministerpräsi­dent nach der Pfalz weiter.

Ludwigshafen a. Rh 10. Oft. Mini­sterpräsident Graf Lerchen selb ist gestern abend in Oppau eingetrvffen, um sich über den Fortgang der Wiederaufbauarbeiten zu unterrich­ten. Er wird Noch andere pfälzische Städte be­suchen und dabei weitere Fabrikanlagen besich- tigen. Den Betriebsräten wird Gelegenheit ge­geben werden, ihre Wünsche unmittelbar vor­zubringen.

London, 8. Ott. (Wolff.) DerMvrning Post" wird unterm 7. Ottobn? aus Ealcutta gemeldet, daß 200 Mopla Hs einen ikberfall auf die Dörfer Ponnani und Paluk gemacht haben. Reun Personen seien getötet und 6 verwundet worden. Man meldet die Ankunft neuer Flücht­linge in der Hauptstadt.

Hollub, ist infolge eines Schädelbruches Krankenhaus gestorben, der andere schwer verletzt.

Hessen-Nassau.

mc. Frankfurt a. M.. 9. Oft. 3n

Der belgische Ministerpräsident in Paris.

Paris, 9. Oft (WTB.) Dach einer Blättermeldung aus Brüssel wird in dieser Woche der belgische Ministerpräsi­dent Eartvn de Wiari in Paris ein­treffen, um sich mit Briand über die Wa- shingtvner Konferenz und über die französisch-belgischen Interessen zu verstän­digen.

fpd. Friedberg, 9. Oft. Heute früh gab es viel Gelächter in dem Friedberg Homburger-Siebenuhrzug, dem in R o d h e i m baß Zugpersonal verlo- r e n g i n g. Durch irgendwelche Umstände ver-

Anton Bruckner

(18241896.)

Vor 25 Jahren, am 11. Oktober 1896. verschied in Wien eine ganz eigenartige künstlerische Persönlichkeit. Eine breitgedrungene Gestalt, schwarz gekleidet, einen Riefenschlapphut auf dem Kopf, die Beine in wunderlichen, weiten Hosen, so wandelte sie jahrzehntelang durch Wien! Es war Anton Bruckner. Professor am Kon­servatorium, Organist an der Hofkapelle und Komponist Einen langen mühseligen Lebensweg hatte er ,'urüdlegcn müssen, bis er aus der ober- österreichischen Stille in das stürmische Leben der Musikstadt Wien verpflanzt wurde. Aber auch dort blieb er der Provinzler, der Mann auS der Heimat der Religionsromane Ennca Handcl-Mazzettis wo behäbige Rester, nach überstandenen Geschichtssturmen, sorglos versunken dahindämmern. Kaisertreue und christlicher Glaube bfiebai die ethischen Merkmale der oberösterreichi- schen Menschen.

Dort, in AuSfelden, wurde 1824 Anton Bruckner als Sohn des Lehrers geboren. Schulmeister! Das war damals mehr, als der Dame sagte, der Schulmeister lehrte die Geige leitete die Kirchenmusik und spielte die Orgel ünb so kam es. das; der kleine Anton, ehe er noch schulpflichtig wird, auf einer Kindergeic» spielt und sich bald des väterlichen SptnettS be­mächtigt. Sein Schönste« aber ist. wenn er mil andern Buben und Mädchen auf dem Chor mit fingen durfte In der ärmlichen Welt der kath Dorfkirch? beginnt Bruckner der Musiker Di Orgel steht am Anfang seiner Laufbahn, ihr Klan, ßt sein ArerlebuiS. Sein erster Lchrer ist sein

Gerichtssaal.

Eia Kowmuuifteuprozeß.

Dessau, 10. Oft. lWB.) Das Schwur­gericht fällte nach dreitägiger Verhandlung da« Urteil gegen zehn der kommunistischen Arbeiterpartei angehörige Arbei­ter, die sich im März dieses IahreS bei den Märzunruhen eine« Dhnamitanschlages schuldig gemacht hatten zu dem Zweck, die mehrheitS- sozialistischeVo lkswacht" in Bernburg und eine Eisenbahn st recke in der Rähe dieser Stadt in die Lust zu sprengen. Der Hauptradelsführer, der Vorsitzende der K. A. P. in Dernburg, der 2 3jäb r ig e A r - beiter Brandenburger, wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Gegen fünf wei­tere Angeklagte wurde auf Zuchthausstrafen von I1/2 bis 7 Jahren erkannt. Vier Angeklagte wur­den freigesprochen.

Sodann hielt Herr Dr. Tschierschkh- Derlin, Herausgeber der Kartellrundschau, einen Vortrag über bie neuere Entwicklung des Kartellwesens. Der Redner legte die aus der veränderten Wirtschaftslage sich ergebenden Probleme dar. Während in der Vvrkriegswirt- schaft die bisherige Struktur und Politik der Kartellocganisation befitebigte, fordere die neue Zeit mit ihren hohen Preisen und schwankenden Konjunkturen durchgreifendere Organisation. Ins­besondere würden die Kartelle "über ihre Auf­gabe einer Preissicherung hinaus Produktions- und Absatzpolitik treiben müssen. Auch werde ihnen die Aufgabe erwachsen, weit stärker als früher, Erportorganisationen zu schaffen. Soweit die genossenschaftlichen Kartelle diele Aufgaben nicht leisten können, würden sie durch kapitalistische Organisationen, Interessen gemeinschchten, Fu­sionen, Deteiligungsgrsellschasten, abgelöst wer­den, obwohl von wirtschaftlichen und sozialen Ge­sichtspunkten aus eine weitgehende Amerikani­sierung der deutschen Industrie nicht zu schen ist.

Angora, 8. Oft. (Wolfs.) Havas meldet: Der Feind, der eine Verteidigungslinie bei Eski Schehir zu erreichen sucht, ist 'm seinen Arbeiten durch unsere Angriffe beträchtlich geftört worden. Trotz der fortdauernden Regengüsse sind unsere Truppen im Abschnitt Afium Karahissar in ständigem Vorr ücken. Sie haben die Linie SulimanlhKara Karslan, zehn Kilometer von Afium Karahissar, genommen. Der Feind hat sich auf die unmittelbaren Zugänge der Stadt zurückgezogen.

Chinas Antwort an Japan.

Pari«, 8. Ott. (Wolfs.) Rach einer Havas- Meldung aus Peking wurde die chinesische Antwort auf die japanische Rote zur S ch a n- lungfrage am 5. Oktober dem japanisch«: Gesandten übergeben. Die Rote besagt, daß China idiS jetzt keine Verhandlungen mit Japan habe aufnehmen können, weil die chinesische Regierung unb chinesische Bevölkerung vollkommen gerecht­fertigte Einwände gegen die Grundlagen des ja­panischen Derhandlungsvorschlages erhöben. Außerdem habe Japan zwar unbestimmte Er­klärungen über die Schantungfrage abgegeben, aber keinen entschiedenen Plan aufgestellt, der für China annehmbar wäre. Die chnesllche Re­gierung stehe auf dem Standpunkte, das) K i a u t - schau bedingungslos zurückaegeben werden mühte. China habe bereits die Absicht kundgegeben, die Bucht von Kiautschau für den Handel zu öffnen. Der Abschlutz eines Abkom­mens mit Japan über die Einrichtung eines Fremdenviertels in dieser Bucht komme infolge­dessen nicht in Betracht. China bestehe darauf, dah die j a p a n i s'ch en Truppen das chi-

Vvn 1855 an fährt Bruckner regelmäßig nach Wien, um bei dem berühmten »Simon öedjter zu studieren. 1861 beendet er bei ihm seine (etwas trockenen und pedantischen) Studien und findet nun in Linz, zu fernem Glück, einen Führer und Freund, einen praktischen Musiker, eine unbe­rühmte, aber lebendige, der Sechterschen entgegen­gesetzte Persönlichkeit in dem Theaterkapellmeister Kitzler. Hat er bei Sechter die Fuge kennen ge­lernt, so wird er nun in die Sonate, die Sinfonie und die Ouvertüre ein geführt: er lernt, dah die Instrumentationslehre nicht bei Meyer beer auf- bört AIS neue Sprache kommen ihm jetzt Wag­ners Werke zum Dewuhtsein. Wagner, der Auf­stachle r und Erreger, berührt den Sinnenmenschen Bruckner, und nun entstehen die ersten wirklich groben Werke, die^Moll-Messe" und dieC-

Im Jahre 1868 übersiedelt Bruckner nach Wien. Er hat dort die Stelle des verstorbenen Simon Sechter erhalten, die er 22 Zähre beleihen sollte. 22 Zähre des Kampfes mit Publikum und Kritik, mit dem Hohn der Höhnischen und dem Hatz der Gehässigen: aber alle Kunst ist leid geboren. Die Wende in Bruckners Heldenkampf tritt durch feine Erfolge in Deutschland ein, wo besonders Levi, Richter, Mucf, Ochs^Rickisch und Sternfeld für ihn eintreten. In Wien arbeitet besonders Herbeck für ihn, und gegen das Ende seines Lebens werden ihm nun noch mannigfache Ehrungen zuteil: er erhält den Franz-Iofephs- Orben, und 1891 ernennt ihn die Wiener philos. Fakultät »um Doktor honoris causa. Bald aber neigen sich feine Tage Am 11. Oktober 1896 verschied er. Die Einsegnung fand in der Karls- ttrche statt, unter den Trauernden auch

rengeschäfts Frau L. Hanau Wtw, Ecke Kaiserstrahe und Iudengafse, sowie die beab­sichtigte Ausraubung des Kassenschrankes und Ladens zu verhindern und die Täter vor der Ausführung der geplanten Verbrechen zu ver­haften. Die Verhafteten sind: Kaufmann Walter Hauten, geb. 29. 4. 95 zu Vohwinkel. Wilhelm Eckhardt, geb. 3. 10. 01 zu Hungen, Kreis Gießen, und der Erwerbslose August Kaiser, geb. 20. 9. 93 zu Oberthulba, Kreis Bissingen. Gin 4. Kom­plize, namens Kaufmann, formte bisher noch nicht verhaftet werden. Die Verbrecher hatten sich schon längere Zeit mit diesem Plane getragen, sanden aber noch keine günstige Gelegenheit zur Aus­führung. Dieses lange Zögern sollte ihnen ver­derblich werden: denn inzwischen warnte ein Mit- wisser die bedrohte Frau Hanau, die sofort die Polizei benachrichtigte. Als nun das Trio am letzten Samstag endlich die ersehnte Gelegen­heit erhalten au haben glaubte, ward eS zu seinem Erstaunen schon vor der Wohnung der Frau Hanau von den sorglichen Armen der Po­lizei in Empfang genommen. Man fand bei den Verbrechern außer den üblichen Diebeswerkzeugen Betäubungsmittel. Wie erst jetzt bekannt'wird, wurde in Bad Rauheim vor einiger Zett ein Verbrechen ausgeführt, das in seinen Einzel­heiten eine solche Aehnlichkeit mit diesem ver­eitelten Plane aufweist, dah man den Verhafteten auch jenes bisher noch unaufgeklärte Verbrechen zur Last legt.

Johannes Brahms. Dann kehrte Bruckner in sein Heimatland zurück, er fand seine letzte Ruhestätte unter der Orgel von St. Florian.

Bruckners Werk bildet eine geschlossene reli­giöse Welt, ähnlich der DachS. Er kennt nicht ton- sessionslose Musik, kennt nicht das QIrtiftentnm unserer Zeit, er schafft auS kraftvoller Demut, und über allem könnte stehen:Te De um lau damus Es ist ein wahrhaft naiver, im iln- betoufiten aufgehender Drang, der ihn zu der höchsten, seinem Genius erreichbaren Höhe hinan« leiten muhte, und mehr als einmal ist ihm in der Sinfonie gelungen, das Höchste zu erreichen, toai die Sinfonie nach Beethoven überhaupt erreichen konnte. Bruckner hinterlieh 9 Sinfonien, 3 Messen, Tedeum, Psalm. Männerchöre, gemischte Chöre und Kammermusik.

Die grösste, gewaltigste feiner Messen ist di» »k--Moll-Messe" die der Madern. Gesangverein Ende Februar zur Aufführung bringen will. Stilistisch gehört die Messe einem üppigen Spät­barock an, inhaltlich ist sie das höchst subjektive Bekenntnis eines kindlich gläubigen Gemütes. In technischer und musikalischer Beziehung bietet sie grobe Schwierigkeiten, so daß sie bisher nur in ganz grvs.en Städten zur Ausführung gelangt ist In diesem Winter wird sie z. B. in Frankfurt und Stuttgart gesungen werden. Hm so anerken­nenswerter ist es bah der Akad. Gesangverein uni der Konzertverein sich entschlossen haben all« Schwierigkeiten, auch gan^ besonders die mate­riellen, mit Freuden auf sich zu nehmen, um das so selten zu hörende Werk eines aaiu Größen auch hier ertönen zu lassen. W. .

schen Truppen Rieben fünf Tage auf dem west­lichen Ufer deS Scckaria, ohne dah sich der Feind gezeigt hätte. Erst später versuchten feindliche Lruppenabtei langen den Fluß zu überschreiten, wurden aber von den Griechen aufgerieben. Bis gnx Besetzung der neuen Stellungen östlich Esttr Schehir und Aftun Karahissar unternahm der Feind keinen Angriff. Erft in den letzten Tagen herbe der Feind mit den griechischen Truppen wieder Fühlung genommen. Ein härterer feind­licher Angriff in der Richtung auf Afium Kara- biffar vor drei Tagen endete mit einem Erfolg der griechischen Truppen. In der Schlacht am Sakaria machten die griechischen Truppen 5000 Gefangene, während die Türken nach den Aus­sagen gefangen genommener türkischer Offiziere über 17 000 Mann verloren.

Aus dem Reiche.

Die Münchener DerkehrSkonfereuH.

I Berlin, 8. Ott. (Priv.-Tel.) DasCBeri. Tageblatt" meldet auS München- Die Mehrzahl er Teilnehmer an der Verkehrskonferenz Sach sich, nachdem RegierungSrat Hornberger

n Reichsverkehrsministerium die wirtschaftliche IriebSlage des verreichlichten Verkehrswesens eingehend bargelegt hatte, für baß Verbleiben des Verkehrswesens beim Reiche und gegen den Uebergang in Privatbetrieb aus.

München, 8. Ott. (Wolff.) Die Korrespon­denz Hoffmann meldet amtlich: Unter dem Vor­sitz des Reichsverkehrsministers fand am 7. Ok­tober eine Besprechung sämtlicher deutscher Eisenbahndirektions -Präsidenten statt, woran eine grobe Zahl Leiter und Präsi­denten früherer Länder-Eisenbahnen teilgenom- men haben. ©egenftanb der Besprechung war die wirtschaftliche Lage der Reichseisenbahnen, sowie die Frage, ob etwa durch eine Aenderung ihrer Organisationsform insbesondere durch eine Ueber- führung in einen Privatbetrieb, eine durch­greifende und schnelle Besserung erzielt werden könnte. Die Beratungen trugen lediglich akademi­schen Charakter. Irgendwelche Beschlüsse wurden nicht gefaxt

Rater, dann lernt er bei Vetter Weih, der ein tüchtiger Musiker war, die Grundlagen zur Orgel. 1837 entsteht sein erstes WerkAbendklänge". Im selben Jahre stirbt Bruckners Vater, und nun bringt Detter Weih den Buben alsCängcrtna- ben nach St. Florian bei Linz". Dort beginnt nun die eigentliche Brucknerwelt. Gr findet die Stätte, die, allen Anlagen entgegenkommend, seiner Ratur Entwicklung und Richtung gibt Die Stiftsgemeinde von St Florian wird feine Familie und bleibt es auch bis zu seinem Ende. In St. Florian wttd Bruckner zum Präparanden­kurs vorbereitet. denn er will, der Tradition gerneh Lehrer werden. Auherdem hort er aber auch Harmonie- und Generalbahlehre: in zwei Linien bewegt sich feine Entwicklung, Lehrer Musiker. 1841 wird er Schulgehilfe in einem kleinen Dau ern­test, 1843 wird er in einen größeren Ort versetzt, wo sogar ein Dauer ein Spinett hatte. Run be­ginnen seine Wallfahrten ums Wissen, um die Musik. Er wandert von Kronstorf nach Ems, wo ein berühmter Organist war. Im selben Jahre wird er aber wieder in seine eigentliche Heimat, St. Florian, zurückversetzt, wo er nun auch als Stiftsvrganist angestellt wird. Allmählich ent­stehen die ersten größeren Kompositionen ein .Reguiem" usw. Im Jahre 1856 ftirbt der Üinzer Domorganist, und Druckner erhält, nach einer Konkursprüfung, die Stelle. Dreißig Jahre dörf­licher und stiftischer Idylle sind nun zu Ende. Bruckners Orgelspiel trägt seinen Rainen bald hinaus und gewinnt ihm Gönner und Freunde, vierzehn Jahre dauert, ttn ganzen übersehen, sein Aufenthalt in Linz, wovon die zweite Hälfte 18615) Erfolg und Aufstieg, die erste Hälfte aber Studium, von neuem Studium bedeutet.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 10. Ott. 1921.

** Fahrraddieb st ah l. Dieser Tage, abends zwischen 7 und 9 Ahr, wurde hier ein Fahrrad MarkeM öhe hn Werte von 700 Mark aus einem Hausgang entwendet. Es hat schwarzen Rahmenbau, gelbe Felgen, ohne Schutzbleche und Satteltasche, fast neue, graue Bereifung (Peters Union), stark verrostete Lenkstange und Freilauf mit Rücktrittbremse. Bor Ankauf wird gewarnt.

** DieSchuldverschreibungenher Stadt Gießen, die am erstell Januar 1922 zurückzuzahlen sind, wurden am 22. September auögelost. Einzelheiten enthält der Anzeigen- tell.

** Die Allgemeine Ortskranke n- kass ^Gießen veröffentlicht im Anzeigen­teil eine Liebersicht über die derzeitigen Bei­tragsanteile der Versicherten zur Kranken- und Invalidenversicherung.

" Die Sperrzeit für Tauben dauert vom 12. Oktober bis 10. November. Näheres enthält der Anzeigentell.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Postkeller, 8l3 Ahr, Versammlung der Schuh­macher-Zwangsinnung. Hotel Einhorn, 8 Uhr,

Box- uns jttngfampTe forme Variete. Astoria- , Lichtspiele, ad heute bis einschl. Donnerstag: ,Le , grartb jeu", 2. Teil,Auf den Schienen der ; Rallway" undHeiratsbureau Süßlein". Licht- spielhaus ab heute bis Donnerstag einschließlich: Der Teufel auf Schloß ömerauöe' undDie junge Mama".

Lettow-Vvrbeck spricht! Am Donnerstag wird, wie uns geschrieben wird Ge- nerolmajor von Lettow-Vorbeck hier in der Aula der Hnioerfbät einen Vortrag über feine Erlebnisse in Deutsch-Ostafrika hal­ten. Die Leistungen der Keinen Schutztruppe, die nur schlecht und unvollkommen ausge- ;rüftet war und den Ansprüchen, die an f u herantraten, nicht im entferntesten genügte, waren über jedes Lob erhaben. In einmütiger Zusam­menarbeit von Führung und Truppe wurde jede sich in den Weg stellende Schwierigkeit überwun­den: was an Ausrüstung fehlte, holte man sich vom Feinde. Treu unterstützt von den anhäng­lichen und kameradschaftlichen Eingeborenen konnte in den jahrelangen Kämpfen jri>er liebermacht ftandgehalten werden. Man kann sich eines Lächelns nicht enthalten, wenn man Lettow-Vor­beck berichten Höri, was die Engländer alles auf- geboten haben, um die kleine deutsche Schar nie» derzuringen: aber ihre Bemühungen waren ver­geblich, denn jeder noch so geschickt angelegte Plan jätet mit noch so großen Mitteln in Szene ge­fetzte De'.-fuch, die Schuhtruppe zu bezwingen, wurde dank der genialen Führung immer recht­zeitig vereitelt. Erst der Waffenfttllstand machte dem Zuge der Deutschen durch Afrika ein Ende unbesiegt mußten sie die Waffen strecken, und empfanden, trotz der Achtung, die ihnen und ihrem Führer von den Engländern entgegen gebracht wurde, das Demütigende der ihnen zuteil wer­denden Behandlung b.'sonders schmerzvoll. Cet- tow°Vorbecks Bericht über feine Erlebnisse wirkt in ferner Schlichtheit auf jeden Zuhörer ganz außerordentlich nachhaltig: er entrollt ein Bild deutscher Tatkraft und beutfeßen Heldentums, das uns heute, in dieser Zeit, besonders schmerzlich berührt, aber doch auch erhebend und zuveriicht- lich, da es uns die Gewißhett gibt, daß das, was die deutsche Schuhtruppe in Afrika vermochte, nicht auSgeloscht worden sein kann, sondern im Innern des deutschen Volkes fvrtlebtl Der Vor­trag ist veranstaltet von de'- Deutfchnatio- nalenVolkspartei. Räßeres siehe Aczege.

Wettervoranstiagc

für Dienstag:

Vorwiegend wollig und trocken: mild, Winde aus West und Südwest.

Landkreis Giehen.

M. Muschenheim, 7. Okt. Das dies­jährige IahreSfsst des Gustav-Adolf- Zweigvereins findet in hiesiger Ge­meinde am 16. Okwber statt.

Kreis Friedberg.

Vereitelter Raubüberfakl in Friedberg.

Friedberg, 10. Ott. Am Samstagabend gegen 9 Llhr gelang es der Umsicht der hiesigen Polizei, einen beabsichtigten Raub überfall auf die Inhaberin des Gold- und Silberwa-

r eng t n g. Durch irgendwelche Umstände ver- folg, daß sie zu je 14 Tagen Gefängnis verur- anlaßt, dampfte nämlich der Zug weiter und teilt wurden. Außerdem haben sie die cr^b* ließ die verdutzten Schaffner mit dem Zugfüh- lichen Gerichtskosten zu zahlen.

Gasfabril in der SolmSstraße sollte dieser Tage ein Heizkessel aufgeladen werden. Beim Oeffnen des stvckwerkhohen Kessels entstand infolge angesammelter Gase eine heftige Ex­plosion. Die bedienenden Arbeiter wurden an die Wand geschleudert und der Schorn­stein des Ofens wurde samt einem Stück Dach eingerissen. Trotz der Heftigkeit der Explosion wurde jedoch niemand verletzt. Der-Schaden ist nicht unbedeutend.

fpd. Frankfurt a. M., 9. Okt. Dor einer Woche protestierten Hausbesitzer und Mieter in getrennten Bersammlunaen gegen die hohen Steuerbelastungen und beschlossen, sich mit allen erdenklichen Mitteln dagegen zu wehren. Heute traten sämtliche Vereine Frankfurts durch i^re Vertreter auf den Plan und forderten in einer stürmischen Sitzung, bei der harte Worte gegen die Stadtverwaltung fielen, eine sofortige Herabsetzung der nach ihrer Memung zu hohen Lustbarkeits- steuern. Man will gegebenenfalls in einen Vereins streik eintreten.

fpd. Frankfurt a. M., 9. Okt. Die hie­sige Firma Philipp Holzmann A.-G. hat den Auftrag zum Wiederaufbau der durch die Explosion in Oppau zerstörten Verwal­tungsgebäude der Ammoniakwerke Oppau- Merseburg erhalten. Es handelt sich um ein Objekt von etwa 5 Millionen Mark.

[[ Marburg. 7. Ott. In der letzten Zeit wurden die Klagen über mangelhafte Milchzufuhr immer stärker. Der Landrat hat jetzt folgende Mahnung erlassen: Die Mllch- anüeferunp der Landwirte in die Stadt Mar- bura verringert sich fortgesetzt. Die täglich in die Stadt kommende Literzahl nimmt andauernd ab. Die Händler formen ihre Kundschaft, selbst solche, die Kinder haben, nicht mehr voll beliefern. Wenn der Milchrückgang Wetter zunimmt, schweben unzählige Kinder in der Gefahr, infolge mangel­hafter Ernährung zu erkranken. Ich bitte deshalb die Landwirte dringend, die Milchnot der städti­schen Kinder unb ihre schrecklichen Folgen sich klar zu machen unb alles daran zu setzen, baß die Milchzufuhr in die Stadt zunimmt."

fpd. Eronberg, 9. Ott. Einem jungen Mädchen aus einem Rachbardvrfe ßatter männliche und weibliche Klatschbasen ehrenrührige Dinge nachgesagt,'so daß sich die Beleidigte zur Erhebung einer Klage ver­anlaßt sah. Vor Eintritt in die Gerichtsver­handlung machte der Richter auf Veranlas­sung des jungen Mädchens einen Vergleichs­vorschlag, auf den vier Frauen eingingen und sich zur Zahlung einer erheblichen Butzsumme bereit erklärten. Mehrere Männer ließen es auf das Gerichtsurteil ankommen mit dem (3t-

rer in Rodyeim zurück. Die Hoffnung, daß der Verlust bemertt und der Zug sogleich wieder zurückkehren würde, erfüllte sich nicht. Da blieb den Verlassenen nichts anderes übrig, als sich in ihr Geschick zu fügen und zu warten, bis sich ihnen Gelegenheit zur Weiterfahrt bot

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 10. Okt. Ein Rad« motorunglück ereignete sich am Samstag in der Dieburger Straße. Zwei Studenten, ein Schwede und ein Rorweger, erlitten bei starker Fahrt einen Raddefät und wurden m einen Baum geschleudert. Der eine, von