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schaftlichen Diktaten der sogenannten Friedensverträge sich abzuwenden, richttg verstehen und würdigen zu können, muß man sich in die Lage hineinversetzen, in die daS Inselland seit 1918 eingetreten ist. Der amerikanische Finanzmann D a n d e r l i p veröffentlicht gerade darüber in seinem Buche „W aS Europa geschehen i ft“ (Drei-Masken-Verlag, München) die interessantesten und wichtigsten Informattonen. Seine Reiseerfahrungen liegen zwar schon zwei Jahre zurück, aber gerade jetzt verblüfft sein scharfes Erkennen und seine klare Zusammenfassung der wirtschaftlichen Zusammenhänge den Leser, der alle Prophezeiungen deS Amerikaners heute bestättgt sieht. Wir geben aus dem wichttgen Kapitel „England“ mit Kürzungen folgenden Ausschnitt wieder:
Seit der Geburt des modernen Industrialis» inus ist England auf dem Gebiete der internationalen Industrie führend gewesen. Sein großer industrieller Vorteil beruht in seinen Kohlen und seinen Arbeitern. Die Bevölkerung ist zu zahlreich, um sich von einheimischen Vorräten ernähren zu können, und verdient ihren Lebens
umgepflanzt worden, die sich die Mühe gemacht hatten, ihn mit Stangen zu stützen, da sie glauben, daß es „der Daum der Erkenntnis des Guten und Dösen", von dem in der Genesis erzählt wird, ist. Das Dorf Kurna liegt am Ufer öeiS Tigris, und in seiner Rähe teilt sich der Schat-el-Arab in den Tigris und Euphrat. Es ist nicht groß, aber dicht bevölkert: die Einheimischen leben in Hütten aus an der Sonne getrockneten Lehmziegeln, in bereit Dau sie sehr geschickt sind, und ihre Hauptbeschäftigung ist die Dattelzucht. Eine andere Frucht, >ie hier gesunden wird, ist die Feige, die im Ueber- luh wächst: wenn sie in den Tagen von Adam und Eva ebenso reichlich vorhanden war, so habe« diese in der Tat keine Schwierigkeiten in der 25- ung der Kleidersrage gehabt. Ratürlich wird man nicht erwarten, den Garten Eden so zu finden, wie wir ihn in der Dibel geschildert sehen. Ich kann nur bestimmen, daß er nicht so ist, sondern ehr trocken und überhaupt nur eine geringe Aehn- lichkeit mit einem Garten aufweist. An beiden Ufern des Flusses stehen an dieser Stelle ein paar »undert Meter ins Land hinein Dattelpalmen, darüber hinaus erstreckt sich, soweit daS Auge reicht, nur sandige Wüste. Das Klima ist sehr heiß. Während der Sommermonate sind Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius im Schatten ganz gewöhnlich: diese hohe Temperatur hält bis zum September an, dann beginnt es viel kälter zu werden, und zur Weihnachtszeit sieht man wie in Europa gar nicht selten Schnee. Bei den Besuchen aller dieser Stätten, die in unserer Vorstellung eine so große Rolle spielen, nicht nur bei diesem vermeintlichen Garten Eden, sondern auch an den historischen Stätten von Babylon, Rineve und anderen in Mesopotamien muh man eine starke Phantasie aufbieten, um sich vorzustellen, daß diese unfrucht« bare Wüste einst der Ort einer hochentwickelten Kultur gewesen ist.
Mamhmal belehrt mich mein Glauben tn einem am>ern Sinn, und ich möchte gegen den Irrtum, fhp räq>en zu wollen, schreien und euch anflehen, dieses schrectllche Band zu zerbrechen, das ihr zwischen die Leiden zu setzen versucht.
Es ist eine schwere Last für mich, das Recht «worben zu haben, so scharf zu ttchten. Es ist nicht jebem gegeben, einmal im Leben zufällig ein Wesen vollständig genug geschaut zu haben — sei es auch nur daS eines Tieres — um zu sehen, daß es wenig wahre Verschiedenheiten unter denen gibt, die leiden Banen.
Es ist schwierig, die Wahrheit zu sehen und he un Auge zu behalten. Es braucht dafür eine Vorbereitung und auch ein Zusammentreffen von Estanden. Im Lause der Tage verwirrt sich alles. Der Irrtum bekommt ein Harles Gewicht, und wir ' JJH® J? klein, daß unsere kleinen Gedanken unS das Unendliche verbergen.
Ich streifte die Tatze, die zu leicht auf Erde lag, und meine Finger vermischten sich .....
den halb herausgestreckten Krallen. Diese Krallen! Sie waren es ... Er hatte sie getötet, sie, mit den Krallen. Er hatte ihr östliches Fleisch mit diesen häßlichen und verbrecherischen Krallen be- udelt.
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men und preßte ihn zitternd an mich, während er einen Kopf auf meinem Herzen ruhen ließ!
Da sah ich wie ein Schlafender, der erwacht, wie ein befreiter Blinder, die Wahrheit ihre Form ändern. Ich begann schrecklichere und süßere Dinge zu entwirren, als ich bisher fähig war, auch nur ; u begreifen: den unberechenbaren Wert des Lebens, der Bewegung, alles dessen, was ich durch eine dumme Richterentscheidung in den Schmutz getreten hatte, in die Verwesung, in den Staub.
Ich hatte diese älnbeweglichkeit der andern hinzugefügt — der dieses Reinen Engels, der da unten lag tote ein Gekreuzigter. Ich hatte den Tod unerbittlicher und gemeiner gemacht.
Alles war schlimmer als vorher. Der Mord
Flüssige Gase.
, Verflüssigung der meisten Gase bereitet be tzutage feine ScAvierigkeiten mehr, seitdem Xl’ tl-a! Temperaturen zu erzeugen.
2?fkPt ^stiert eine bestimmte Tempera- ,rL^rLf^tf?C^rnt>eratut)- oberhalb deren es £4 Das - selbst unter Anwendung Drucks - flüssig zu machen. Ie tiefer die Gastemperatur unter der ktttischen liegt, um so leichter geht das Gas in den flüssigen <ju|rano über, d. h. um so weniger Druck braucht man um es zu kondensieren. So ist die kritische Temperatur der Kohlensäure rund 31 Grad Cel- huÄ; es ist unmöglich, Kohlensäure von beispielsweise 3o oder 40 Grad in eine Flüssigkeit 3“ wohl aber gelingt dies bei 25 oder
© ^Ul? ^egt die kritische Temperatur der Kohlensäure (und auch die einer Reihe anderer i^ale tote Ammoniak und Schwefeldioxyd) durchaus nicht im Bereiche niedriger Wärmegrade: im Gegenteil. 31 Grad ist höher als unsere normale Lufttemperatur, und die kritische Temperatur des Ammoniaks 132 Grad, ist es erst recht, aber bei Luft. Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoft liegt Ar tief, nämlich bei 140 bzw. 119, 146 und 235 Grad unter Rull. Die letztgenannten Gase sah man früher als permanent an, d. h. als unkonden- herbar: seitdem aber Andrews (1869) den Grund für das Mißlingen der Verflüssigung in dem Um- fianö gefunden hatte, daß Druck allein nicht ge- migt sondern durch Temperaturerniedrigung erst die Grenze zwischen Gas und gesättigtem Dampf hergestellt sein muh, dauerte es nicht mehr lange, bis auch sie bezwungen wurden. Pictet und Cail- letet (1877) stellten flüssige Luft her, ebenfalls Linde (1896), Professor in München, dessen Er- ftndung einer Kältemaschine (Anwendung des Gegenstromprinzips) den Weg zur Herstellung tiefer Temperaturen bahnte und damit zur Verflüssigung auch der „permanenten" Gase. Olszewski verflüssigte den Wasserstoff bei minuS 244 Grad und einem Druck von 1 Atmosphäre und im Iahre 1911 gelang Kamerlingh-OnneS so^ gar die Verflüssigung von Helium, und zwar bei rund 269 Grad unter Rull, der niedrigsten bisher erreichten Temperatur.
des Weibes und der Mord des Löwen hatten gar keinen Bezug zueinander, gar keinen. In einer außerordentlichen Anstrengung versuchte ich. diese Trauerspiele einander näher zu bringen, sie einander zu fügen, eines mit dem andern zu
. . . Ich sah ibn besser und bester, mehr und mehr: mein Blick stieg in ihn hinab wie in einen Brunnen. Ich betrachtete ihn tote einen Schatz. Ich bewunderte seinen so einfachen Ruhm, seinen Eifer, seine wilde Liebe zum Leben, die drohende Fülle seines Schlafes, und das geschmeidige Dehnen seiner Muskeln, die Feier seiner Schritte und die toilbe, angeborene Gewohnheit der Wüste ihren Luftspiegelungen, dem Licht, den Oasen, Rächt und den Sternen.
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Rache.
Von Henri Barbusse*).
In der Künstlerloge des Zirkus, inmitten des ärmlichen, verschwenderischen Flitterwerks, der großsprecherischen papierenen Ankündigungen, der Ueberrefte von Dekorationen, lag die kleine Tierbändigerin starr ausgestteckt. Man hatte sie auf Wandbehänge und Vorhänge wie auf eine Art Fahnen gelegt; und ich toad)te allein, noch im Kostüm des Tierbändigers.
Mein Schmerz half nichts mehr. Sie war tot, mein Kamerad, mein Weib, mein Kind, sie, die für mich so viele gute Worte, so viele schöne Blicke gefunden hatte. Seit den Stunden, da der Schimmer der Kerze über sie hin zittette und ich schluchzte, wurde ihr kleines Gesicht starrer und starrer.
Es war die letzte Rächt, die sie auf der Erde verbrachte. Diese Rächt noch war sie, wenn auch tot, da, neben mir. Diese Rächt noch, obschon tot, lächelte sie: ihre ruhigen Züge hatten ihre wahre Form, ihre Gewohnheit wieder angenommen, und da hatte sie natürlich begonnen, mir zuzulächeln. Diese Rächt noch würde ich sie berühren können. Aber morgen senkte man sie in die Erde: bann würde sie, verborgen und allein, sich verändern.
Und all' meine Trauer, meine Ohnmacht wiederholten sich in dem einen unnützen Gebet, der Anrufung eines Popanzes, die ich zitternd vorbrachte :
»Oh! Wenn dieses Trauerspiel nicht gewesen wäre! Wenn sie nicht in den Käfig eingetreten wäre! . . . Oh, mein Gott!, wenn . . ."
llnb ich dachte in einem fürchterlichen Schauder an den, der sie getötet hatte . . . an ihn . . ."
Den großen Löwen.
In einem Winkel des Käfigs, — ich weih nicht wie es zuging: das Grähllche pastierte so schnell, — hatte das riesige Ungetüm einen Schlag voll rätselhaften Zornes nach ihr geführt, und sie war sofort tot gewesen.
Trotzdem war sie so heiter, so frisch! Während ich hier sah, und im Gedanken an die wenigen Augenblicke, die wir noch hatten, die Qhigen nicht
•) Entnommen aus dem im Züricher Verlag von M. Rascher erschienenen Rovellen- buche „Wir andern", das den ftanzösi- schen Dichter als einen höchst empfindsamen Meister der Rovelle offenbart, während er in seinen großen Rvmantoerken doch wohl etwas überschätzt I worden ist. I
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sind, die Aufgabe der Regierung darin bestehen würde, fünf oder sechs Millionen englischer Bürger in die Kolonien oder irgendwohin zu exportieren, wo sie nahe an der Lebensmittelquelle sind, da die englische Industttemaschine jetzt auf einer Dasis aufgebaut ist, die ungefähr den ganzen Bedarf der konttnentalen Märtte vorausseht, um genug Ertrag für den Einkauf der Lebensmittel zu gewinnen, die die Engländer zum Leben brauchen.
Man muß ein Rarr sein, um sich zu rächen. Warum? Weil ein Hngtücf ein anderes nicht aus- toischen kann. Warum? Ich weiß es nicht; aber die Rache ist kekne menschliche Sache
Weil er starb, trotz der Unendlichkeit und Stärke meines Bedauerns, während ich, in einem armen Fiebertraum, mich nicht enthalten konnte mir zuzustammeln, daß er ins Paradies eingegangen sei!
Seitdem bin ich jahrelang umhergeirrt . . . Aber so unglücklich ich geworden bin, ich habe in mir doch £ine unvergleichliche Erkenntnis behalten. Es gibt etwas Tiefes, was ich weiß und was ich gesehen habe; ich, der ich jemand getötet l>abe — nein, nicht jemand. . . doch, jemand! — ich behielt eine solche Achtung vor dem Leben, daß ich mich niemals mehr darüber täuschen werde, daß die Frage recht vielseittg ist und wenn ich, abseits in einem Feld, unbeweglich wie eine (Bogel- cheuche, Säger sehe oder vielleicht Kinder, die nach Schmetterlingen jagen ober selbst Fischer, die nicht so viel davon wissen wie ich, so bebaute ich diese
®tn Besuch im ©arten Eden.
Mesopotamien ist immer ein Land der Mühen gewesen so schreibt ein englischer Reisender, wenn wir auch daran gewöhnt sind, von ihm von dem Ande zu sprechen, in dem Milch und Honig stießt. Wenn man in Basra ankommt, wird man sehr cbncl! Don dieser Milch- und Honig-Theorie bekehrt. Eines Morgens ging ich in ein kleines Fluß- boot, um einen Besuch in den „Garten Eden" zu. machen. Die Reise den Hchat-el-Arab hinauf, ist in der Tat sehr interessant, aber die Bilder sind recht verschieden von denen, die wir in Europa zu sehen gewohnt sind. Die Ufer sind dicht bedeckt mtt Dattelpalmen, und in den Monaten März bis September kann man die Dattel in großen Büscheln an den Gipfeln der Bäume hängen sehen. Hin und wieder erblickt man Kadaver von Ochsen Mauleseln, Schafen usw., die den Fluß hinabtrei- 6en, und wenn ein solcher an das Ufer getrieben wird, so stürzen sich zahlreiche Schakale und Geier auf ihn. Ein anderer interessanter Anblick war der Harem eines alten Araber-Scheiks, von dem erzählt wurde, daß er 190 Frauen hätte. Als wir in Kurna, das von vielen Qtutoritäten und von den Arabern als der ©arten Sden angesehen wird, eintrafen, gingen wir an Land, und das erste,' was wir sahen, war ein alter Daum, der äugen- cheinlich schon seit vielen hundert Iahren abgehoben war. Dieser Baurn war von den Arabern
Vvn ihr zu wenden wagte, hatten mich ihr Lächeln und ihre Anmut am meisten gequält Ich wurde £^101101 der Feinheit ihrer Stimme, der Leichtigkeit chreS Ganges, der Kleinheit ihrer Hande. Und ich sträubte mich
Der Löwe . . . Der Löwe!
Da, gegen Mitternacht wurde ich von einem Anfall verzweifetter Wut gegen den verfluchten groben Löwen gepacht. Ein Gedanke schoß mir ^Pf: mich zu rächen, ihn zu töten!
Unö wankend erhob ich mich, um ihn zu töten, durchlief einen Gang, die schräge Leinwand des Zirkus entlang, und kam zu den Käfigen, mtt der brennenden Lampe in der einen Hand und meinem Revolver in der andern.
Ich entsinne mich der Einzelheiten nicht mehr. Gam hinten, gegen die Gitterstangen zu, bewegte sich die riesige Masse. Dann, in der Souveränität seines Schlafes gestört, stand der Lowe, sich dehnend, auf, feindselig, wild; seine Klauen zerfetzten die Planken, ein heiseres Grollen kam aus der Tiefe seiner Kehle.
Ein rasender Zorn stieg in mir hoch. Ich streckte den Arm aus. Einmal, zweimal, sechsmal feuerte ich
Der scheußliche, riesige Schatten sprang hoch auf tote ein Haus, das durch eine Mine in die Luft fliegt Er schüttelte sich fürchterlich, und ließ toie ein Orkan den Käfig und all' die Daracke ringsum, ja, man konnte fast sagen, die Erde selb erzittern.
Darm stieß er ein leises klagendes Miauen aus, aus dem man das tiefste Leid heraushorte. Er schnaufte, wälzte sich, und ich hörte ihn seine Wunden lecken.
Das Herz mußte ihm zerfetzt sein von den Kugeln. In einem Augenblick erfüllte sein Dlut den Käfig und tropfte nach außen.
Ich stand erstarrt, stumpfsinnig; ich wußte nichts mehr.
Aber plötzlich bemächtigten sich meiner scharfe, jammervolle Gewissensbisse. Ich trat in den Käfig ein. ging zu dem Tier hin, kniete vor ihm nieder und horte, wie meine Lippen es um Verzeihung baten. Es horte auf, sich zu lecken, blieb einen Augenblick unbeweglich, dann stützte es sich leise gegen mich, zeigte mir seine riesige Wunde, aus der das Dlut toie aus einer Quelle floß.
So blieben wir beide nebeneinander, ohne verstehen zu Eönnen.
Der große Leib fuhr fort, sein Dlut zu verstromen und ein ganz leises Röcheln, verschleiert, erstickt, als wäre es nur für mich allein bestimmt, hören zu lassen. Ach! Dieser zu schwache Schrei, der ganz leise zu mir zu sprechen schien! . . . Das gesträubte, riesenhafte Gesicht, voll Dunkel, neigte ich nach und nach der Erde zu, und toie eine Lampe sah man die grünen Feuer feiner Augen tnfen.
Gebückt, hingeworfen über ihn, sah ich ihn an und tour de von einer Art höchster Verwunderung ergriffen, ihn so groß, so stark und so schön ge- chaften zu sehen.
Ich forschte im dämmernden Smaragd seines Dlickes, ich betrachtete ganz aus der Rähe die Formen seines Leibes, stark, fest und toie aus Holz geschnitzt unter ihrem dichten Samt: der betoun- i >ernswürdige Körper schien für ein außergewöhnlich^ Geschick voller Abenteuer und Siege be- timuit Ich streckte die Hand aus und berührte einen Kopf, Den riesigen unbeweglichen und dunklen Kopf, der trotzdem eine Welt war.
2ch hatte vierzehn Tage Zeit, die Arbettsver- hättnisse vom 1. Februar ab zu beobachten. Zu der Zeit lähmten Streiks in der Hintergrund- und Vorortbahn das Verkehrssystem vvn London. Als ich in den ersten Maitagen nach London zurückkehrte, fand ich die Lage so verändert wie nur möglich. Der gesunde Menschenverstand, der dem englischen Volke innewohnt, hatte sich bewährt. Die Einsicht der Arbeiterklassen und die Haltung der Regierung, des Publikums und der Unternehmer gegen die Arbeiterschaft hatten sich in einer wenigstens zeitwelligen Losung vereinigt, die anscheinend jede unmittelbare Gefahr einer gewaltsamen oder revolutionären Entwicklung be- settigt hat. Während dieser Zeit war durch die tatsächliche Beilegung der Schwierigkeiten ein wesentlicher Fortschritt gemacht worden. Aber von viel größerer Bedeutung war die allgemeine Atmosphäre; es handelte sich nicht so sehr um bloße Zugeständnisse als um die gemeinsame allseitige Anerkennung einiger grundlegender Prinzipien. Diese war erfolgt angesichts oder viellächt wegen einer rapid anwachsenden Armee von Arbeitslosen, die in dem Maße zunahm, als die Demobilisierung des Heeres fortschritt. Diese Armee erreichte um den 1. Mai die Zahl von über einer Million, die von der Regierung eine wöchentliche ttnterstühung in Sjö&e von neunundzwanzig Schilling pro Mann nebst einer Zulage für minderjährige Kinder erhielten und die dem Staate über eine Million Pfund wöchentlich kosteten. Damit war die Gesamtsumme des Aufwandes für Arbeitslosigkeit seit dem Wasfenstill- stand auf über fünfzehn Millionen Pfund gestiegen.
Die Arbeiterführer, mit denen ich gesprochen habe, machten auf mich einen tiefen Eindruck. Es waren Leute, die sich von unten herauf- gearbeitet hatten; aber sie waren keine Agitators. Alle stimmten darin überein, daß der Flügel der Arbeiterpartei, der es für wünschenswert hielt, die gegenwärtige Ordnung des kapitalistischen Staates zu überwinden und durch eine kommunistische Gesellschaft zu ersehen, nicht mehr als zehn bis fünfzehn Prozent der organisierten Arbeiter betrug. Die Unternehmer fangen an, sich zu fragen, ob nicht die Industrie kurzsichtig gewesen ist, als sie die Arbeiter dauernd in einem Zustand der Sorge über die Sicherheit ihrer Lage ließ, und zum mindesten zu erwägen, wenn nicht geradezu zuzugeben, daß die Industrie bei einem System von Arbeitslosenversicherung besser fahren würde. Die Ansprüche der Arbeiter auf einen größeren Einfluß in der Leitung der Industrie sind mtt Aufmerksamkeit aufgenommen worden, und es herrscht überall die Ansicht, daß in Zukunft die Arbeiterschaft einen größeren Anteil an dem Ertrag der Industrie haben wird und gerechtertoeife haben sollte, sei es in der Form vvn Gewinnanteilen, oder, was wenigstes für die Gegenwart praktischer scheint, durch Mindestlohne die sich über dem Minimum des Lebensbedarfs halten.
Vielleicht das Bedeutsamste, was sich für mich aus diesen Besprechungen ergab, war der Eindruck von einem zähen Optimismus in der Gesinnung aller Kreise, einem Glauben in die Macht und Intelligenz Englands und der Engländer. der mehr oder weniger bewußten Lieber- zeuguna, daß sie schließlich ein Verhältnis zwischen Arbeitern und Kapital ausarbeiten würden, in dem alle scheinbaren Opfer, die das Kapital au bringen hätte, mehr als wettgemacht sein würden durch die erhöhte Leistung eines befriedigten Arbeiterstandes.
Immerhin war der Kampf um die neutralen Märkte so scharf, daß er mit wachsendem Gewicht auf England lastete. Der selbstverständliche Weg, die Preise niederzuhallen, war nach Ansicht der meisten Fabrikanten der, die Löhne niederzuhalten. Dem widersetzte sich die umfassendste Gewerkschaftsorganisation der Welt. Fünfundachtzig Prozent der Industriearbeiter Groh- bvttanniens sollen in Gewerkschaften organisiert sein, und die Führerschaft ist tm allgemeinen sehr hochwertig. Im ganzen haben sich die Kräfte die die Löhne niederhielten, tn den zwanzig Iahren vor dem Kriege ungefähr so stark gezeigt wie die Kräfte, die sie zu erhöhen suchten, llnd der Erfolg fit während dieses Zeittaums der gewesen, daß sich entsprechend den erhöhten Llnterhalts- kosten die ßebenSführung der Arbeiter keineswegs gehoben hat, tm ganzen glaube ich sogar, zurückgegangen ist. Was auch immer die Zahlen der Statistik besagen mögen, mindestens zwei große Tatsachen stehen fest: Eine von diesen ist oer gesundheitliche Rückgang. Die Gesundhetts- stattstik, die daS militärische Iahrbuch veröffent- ltcht, zeigt, daß ein Drittel der männlichen Bevölkerung tm kampffähigen Alter den militärischen Anforderungen nicht gewachsen war.
Die andere große, auffallende Tatsache, die den Lvhntaris der britischen Industrie für ein Existenzminimum als unzureichend kennzeichnet, zeigt sich tn dem großen nationalen Wohnungsproblem. Die nackte Wahrheit ist, daß die englischen Arbeiter während der letzten Generation so unteraahU worden sind, daß sie nicht imstande waren, sich ebt Dach über ihrem Kopse zu schaffen.
Der Vorsprung, den England tn der letzten Generation tm Vergleich mit Amerika und, ich glaube, tn mancher Hinsicht mit Deutschland besaß, war der Vorsprung eines Lvhntarifs, der durchschnittltch tiefet war als das Minimum, bet dem die gesundheitlichen Kräfte der Arbeiter erhalten werden konnten. Um erfolgreich auf neutralen Märkten konkurrieren zu können, hat die ^britische Industrie einen Vorschuß vvn der Zukunft genommen, einen Vorschuß auf die Gesundheit ihrer Landsleute, einen Vorschuß, der ihren ^ohnungsbestand aufgezehrt hat; dieser Vorschuß muß jetzt wieder ausgeglichen werden zu Lasten der Ration. Das bedeutet, daß der Vorsprung, den die britische Industrie hatte, zum größten Teil aufgehoben ist. Gäbe es nicht die Hoffnung, die Güte der Produktion zu steigern, so wäre der Ausblick für die britische Industrie in dieser Beziehung sehr düster; denn sobald der Vorsprung der niederen Löhne verloren ist. ist Englands Konkurrenzfähigkeit, besonders mtt Amerika, ernstlich gehemmt.
Die Faktoren, die ich betrachtet habe, sind tn den Verhältnissen vor dem Kriege begründet. Der große Abnehmer Englands war der Kontinent von Europa, und das englische Leben ist in einer Weise organisiert, daß Europa als Markt für feine industrielle Produktion unentbehrlich ist, wenn es jenen Ueberschuß erwerben soll, den es braucht, um seine Rahrungsmitteleinfuhr aus anderen Andern zu bezahlen. Es tft nun eine kaum zu übersehende Verwirrung auf dem europäischen Markt eingetreten. In einem anderen Kapitel habe ich einiges über die kontinentale Industrie gesagt, über den Zusammenbruch des einheimischen kontinentalen Transportshstems und über das Chaos der Währungen und des Kredits. Diese desorganisierenden Faktoren in das exakte Gleichgewicht des kommerziellen und industriellen Mechanismus eingeführt haben aus ihm eine solche .Ruine gemacht, daß verglichen mit dem materiellen Schaden, den der Krieg unmittelbar verursacht hat, das Hebel nach dem Kriege weit einschneidender ist als die direkte Zerstörung durch Bomben und Granaten.
ES ist wesentlich für die Fortsetzung des britischen industriellen Lebens, daß es seine europäischen Märtte wieder^gewinnt. Das bedeutet, daß die Rachfrage auf diesen Märkten effektiv gemacht werden muß dadurch, daß man den Käufern den Kredit gibt, den sie haben müssen, um ben kommerziellen Kreislauf wieder in Gang zu bringen. Das kann nicht mit Erfolg geschehen bevor die Industrien Europas selbst wieder in ^Betrieb genommen und die müßigen Hände wieder an die Arbeit gelegt sind, so daß Europa selbst dazu helfen kann, zu einem normalen Industrieleben zurückzukehren. Es kann keinen dauernden internationalen Handel geben, es sei denn daß beide Parteien beim Geschäft etwas zu bieten haben. Europa kann nicht von England kaufen, ohne daß Europa etwas hervvrbringt womit es die außereuropäischen Staaten bezahlen Tarnt. Englands Aussicht, die europäischen Märtte wiederzugewinnen, hangt infolgedessen davon ab, daß die europäische Industrie wieder in Gang kommt. Wenn das nicht schleunig geschieht und eine kontinentale Rachfrage nach englischen Waren wieder hcrgestellt wird, wird Englands Industrie- tage kritisch werden. Hnd in der Tat hat mir einer
Verbrecherisch? . . . Rein! Unschuldig, gab nur einen Schuldigen: mich! . . .
Hnb fasst ausgestreckt auf dem Tier, dessen Herzschläge aussetzten, unendlich wurden, umfing ich den riesigen sterbenden Körper mit meinen Ar-


