Ausgabe 
5.7.1921
 
Einzelbild herunterladen

teilt bie Bestimmung ber religiösen Erziehung beS i Kindes von ber freien Einigung ber Eltern ab»

Schluß gegen 6U4 Uhr.

»» folgt btc zweite Beratung beS 2lnt _ ber bürgerlichen Parteien über bte religiöse Ain-1 dererziehung. Der ©efcljcntteurf des Ausschusses I

junvea von oer freien (Sintgung ber Eltern ab» hängig machen. Ohne weitere Debatte wirb ber Ausschuhantrag und bamit bas Gesetz in zweiter und auch in britter Lelung angenommen.

Aächste Sitzung morgen nachmittag 1 Uhr. An» fragen. Zentrums» unb sozialdemokratische Inter» pellatton zum Falle Iagow, kleinere Vorlagen unb Ausschuhberichte.

Aus Stobt unb ßanb.

Gießen, den 5. Juli 1921.

Wettervoraussage für Mittwoch.

Wolkig bis heiter, trocken, wärmer, norbbft- liche TDinbe.

Einzelne Randwirbel ber im Rordosten liegen» den Depression können vorübergehend Trübungen mit leichten Dieberschlägen verursachen.

Sozialpolitisch sinb auf ber anderen Seite I zahlreiche ßanbbetoerbungen als durchaus be- I ^echtigt anzuerkennen, wenn auch oft nur in engeren Grenzen, als sie gestellt werben. Daß unsere ländlichen Handwerker, Dahn» unb Post­beamten unb weiter auch btc auf bem Lande ansässigen Fabrikarbeiter benachbarter Städte ge- nuaenö Grundbesitz für Gartenzwecke erhalten, ist durchaus anzustreben. Bedenklich wäre es aber' wollte man zu Gunsten dieser in den meisten Säuen landwirtschaftlich völlig ungenügend vor- gebilbeten Kreise durch eine über die Grenzen einer Gartenkultur hinausgehenden Landzuteilung der Großproduktion auch nur einen Hektar Boden entziehen. Die Arrondierung deS Besitzes von j Landwirten, die als solche im Hauptberuf tätig sind, zu lebenskräftigen bäuerlichen Kleinbetrieben muß dagegen als außerordentlich'wünschenswert bezeichnet werben. Wie gesagt, kommen zur Be» friebigung biefer mannigfachen Ansprüche in un­serer Gegenb keine Güterzuschlagungen und Reu- hebelungen in Betracht, sondern die Schaffung von Anlttgeisiedelungen durch Abtrennen des er­forderlichen Landes von den den Ortschaften be­nachbarten Hosaütcrn. Bemerkenswert ist nun bah in zahlreichen Fällen die größten Dauern auch die weitestgehenden Ansprüche auf Land­zuteilung stellen, tote im allgemeinen die For» I berungen der Landbewerber nicht selten dix Größe des Hosgutes, bas diese Forderungen befriedigen sollte, um ein mehrfaches überstiegen So ver­langte man von einem 965 Rorrn.-Mor^rn hal­tenden Gut die Abgabe von 22C9 Dorm -Morgen em anderesmal von 718 Dorm.-Morgen 11J7.

Die derart sich kreuzenden Interessen von Landbewerbern unb Ganblicfercrn miteinander in Einklang zu bringen unb unter ihrer möglichst allfeitiger Wahrung die Landverteilung durch- zufuhren, ist die gewiß nicht beneidenswerte Auf» 6abe des Siedelungsamtes. Sie wurde ihm sicher- V? bedeutend erleichtert werden, wenn man von allen Seiten darauf verzichten wollte, immer wie» ber völlig unsachliche Momente in die Diskussion hineinzutragen und damit die Siedclungsfrage zu parteiagitatorischen Zwecken auszuschlachten.

Die Besichtigungsreise des Siedelungsaus- schusses des Deichswirtschaftsrates, dem sich Ver­treter der hessischen Regierung unb Tier Reichs- regierung Mitglieder der Hessischen Volkskammer des Preußischen Landtages unb der Presse an- geschlossen hatten, zeigte auf allen Seiten ernsthafte Bemubungen zu einem Interessenausgleich zu korn- men. St egab auch ausgiebig Gelegenheit an Ort unb Stelle mit den Sanübetocrbem Rücksprache zu nehmen. Der Besuch ber Felder zeitigte recht er­freuliche Resultate. Gutsland wie Siedelungsland versprachen durchweg eine gute Ernte. Eine Reihe Hofguter konnte allerdings mit selten schönen Schlagen paradieren, was jedem Unbefangenen in die Augen fallen muhte. Um so bedauernswerter sind die Einbußen, die viele von ihnen schon er- j litten haben unb anderen noch drohen. Wenn ein Hofgut mit besonders vollständigen unb aus­gezeichneten Baulichkeiten ein Drittel feiner Ge­samtfläche zur Bcfriebigung deS Landhungers fünf umliegenden Ortschaften hergeben mußte, so be­deutet daS eine schwer zu rechtfertigende Entwer­tung des Restgutes, die um so betrüblicher er- scheint, als das Gut seit 117 Jahren in derselben Familie ist. Es ist dies sicher ebensowenig im Sinne deS Rcichssiedelungsgesetzes, wie die drohende Verkrüppelung eines in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht durch hervorragende Ackerwirt- schaft, erstklassige Viehhaltung, wie ausgezeichnete Ansiedelung der Gutsarbeiter vorbildlich wirken­den Musterguts, welches als solches weit über die Grenzen unseres Hessenlandes hinaus bekannt ist Ein ähnlicher (Sinbrud schien sich auch vielen Herren bes Reichswirtschaftsrates auszubrängen. Im Interesse unserer Voltsernährung wie im nicht geringeren Interesse des landwirtschaftlichen Fort- lchritts ist nur zu hoffen, baß ähnliche Harten des folgt die zweite Beratung beS Antrages | M anerkannt schwierigen Verfahrens vermieden Fiuwwi-r»*»« <n at- ...... . oder doch abgeschwächt werden.

Kunst und Mssenschast.

Gegen die Aufführung desReigen" in Frankfurt.

mc Frankfurt a. M, 4. Juli. Bekannt­lich wird im Reuen Theater Schnitzlers nicht für die Bühne bestimmter .Reigen" aufgeführt trotz des Protestes ber Presse, an dem sich auch die .Frankfurter 3eitung" beteiligte. Run c.ldh der ..Bühnenvoltsbund" einen weiteren Prolef gegen die Reigenaufführungen, in bem cS u. a. rcißt' .Prefsenachrichlen zufolge beadsicht g^ Herr Direktor Hellmer vom Reuen Theater die Aus« ührung von Schnitzlers .Reigen". Ihn bestim­men keine künstlerischen Absichten, sondern nur der Wunsch, mit diesem Werk. daS überall die tärtfte Ablehnung aller anständigen Kreise cr- fahren hat, ein gutes Geschäft zu machen. Ein Protest gegen die Ausführung dieser Obszönität genügt nicht. Wir sehen uns gezteungen, öffent­lich zu erklären, bah wir mit einem Theater, bai Schnitzlersfeigen öffentlich auftührt. Vorstel­lungen für unsere Theatergemeinde nicht mehr vereinbaren." DaS ist klar und deutlich, und der Leitung des Reuen Theaters dürfte die Sache doch nicht so ganz angenehm sein, denn 10C00 Besucher mit einem Schlag zu verlieren, ist in heutiger Zeit keine Kleinigkeit.

Der Antrag ber U.S.P. auf Gewährung der Erwerbslosenunterstuhung wird abgelehnt.

Ebenso werden alle sozialdemokratischen und deutschnationalen Abänderungsanträge abcclebnt Die Vorlage wird vielmehr in der Ausschuhfassung angenommen. u

-Kirchenkonzert. Wir wollen nicht ver- I säumen, in letzter Stunde nochmals auf das heute abend in ber Stabtkirche ftattfinbenbe Kirchen- I oon Eh. Kruse aufmerksam zu machen. Es ist sicher zu erwarten, baß weite Kreise unserer Bürgerschaft bie Gelegenheit des seltenen Genusses eines Orgelkonzertes nicht unbenutzt vorübergehen lassen, zumal bas Konzert noch von anerkannten Künstlern veranstalte ttoirb, bie unserer Stabt ent­stammen. Dazu kommt noch, daß ber Reinertrag bes Abenbs dem hiesigen Studentenheim zu­gute kommen soll was sicherlich ebenfalls allseitige Teilnahme erfordert. (S. Anzeige.)

I Der Alice-Schul-Verein für Frauenbildung und Erwerb hält am Freitag den 8. ds. Mts., 6 Uhr, seine ordentliche Mitglieder­versammlung. Das Arbeitsfeld des Vereins ist seit Ostern wesentlich erweitert durch die An- gtieberung des Kindsrgärtnerinnen(Fröbel)-Semi» nar« nebst Kinderp l^ge irnenschule und Kinder­garten. lieber den Beginn der neuen Kurse siehe Anzeige.

Landkreis Gießen.

Lauter bei Grünberg, 4. Juli. Die Kirschenernte ist in vollem Gange. Es gibt doch mehr Kirschen, als man früher nach den starken Frühjahrsfrösten hoffen durfte. Das Pfund Kirschen gilt 3 Mk. Ein Händler aus Gießen hat die gesamte Ernte aufgekauft.

Kreis Büdingen.

' Nidda, 4. Juli. Der Streik der Arbeiter bei den Himmelsbachschen Säge­werken in Ridda und Eichelsdorf ist nach einer Dauer von 13 Wochen heute beendet wor­den. Es waren daran etwa 350 Arbeiter be­teiligt. Die geforderte Lohnerhöhung ist nicht bewilligt worden. Die Arbeit kann erst nach und nach wieder in vollem Umfang ausgenom­men werden, b; infolge des langen Stillstandes zuerst die Maschinen und Werkzeuge in Ord­nung gebracht werden müssen. DerKriminal- polizei in Frankfurt ist es gelungen, die vier Einbrecher, die vor etwa sechs Wochen aus dem Weishauptschen Laden in Ridda vier Fahrräder gestohlen hatten, zu verhaften. SS find junge Leute aus Frankfurt.

Kreis Lauterbach.

Dann wirb das Altrentnergeseh in britter Le­sung ohne Aussprache angenommen.

Es folgt die zweite Beratung bes Fernsprech- gebuhrengeseheS.

In seinem Ausschuhbericht erklärt ber Ab- geordnete Allekotte (Zentr.). bie Verwaltung habe zugesagt, baß mit bem Gebührengeseh auch eine wesentliche Verbesserung des Krnsprech- betriebes verbunben sein soll. Das Gesetz wird darauf in zweiter unb dritter Lesung ohne be­sondere Debatte angenommen.

Es folgt bie zweite Beratung bes Wehrmacht- veisorgungsgesetzes.

-. *^2sr^en (11.) lehnt bie Vorlage ab. 0ic fei eine Verschleuberung deS Reichsgelbes an den gegenrevolutionären Militarismus. Die Geld- surnmen bie hier an viele gesunde entlassene Offi­ziere unb Unteroffiziere gezahlt werben sollten, seien viel zu hoch. Seine Partei beantrage, bah ben I entlassenen Offizieren unb Unteroffizieren ber -^hrnmcht einfach bie gesetzmäßige Erteerdslosen- unterstuhung gezahlt werben solle, bie nach Ansicht ber bürgerlichen Parteien ja sehr reichlich sei.

- Dlc t t n er lehnt < luchf.Ns bie Vorlage ab. bie er als eine Provokation ber Arbeiter unb Angestellten bezeichnet.

Reichswehrminister Dr. Gehler: Wir wol­len ein Heer auS denselben Gründen, aus denen ©ie (zu den Kommunisten) es nicht wollen (Zuruf Äommuniften: Also ein Klassenheer!) Rein! Ein Heer zum Schutze ber Verfassung. Die Unterschiebe zwischen ber Versorgung ber Offi-1 ziere und der Mannschaften seien dadurch begrün-1 bet. bah ber Offizier sich für eine viel längere Zeit verpflichten müsse als ber Unteroffizier ober ber Mann.

** Auf Veranlassung der (5t- fassungSab teilung des Reichs­schatzministeriums in Bad-Rauheim fanden in Gießen umfangreiche Ermittelungen nach verschobenen Automobilen statt. Die Er­mittlungen hatten zur Folge, daß am Samstag mehrere Verhaftungen vorqenommen wurden Die Staatsanwaltschaft hat die Angelegenheit übernommen. An den Schiebungen sollen noch weitere hiesige und auswärtige Personen be­teiligt fein.

©ine Oberschlefier-Dersamm- l u n g. einberufen von ber Bezirksgruppe Gießen Vereinigten Verbände heimattreuer Ober- schlesier. fand gestern abend im Postkeller statt. Vach einer lebhaften Aussprache folgten An­träge unb Vorschläge. Ein Beschluß über ben Fortbestand ber Ortsgruppe soll am kommenden Montag gefaßt werben, dabei ist gleichzeitig Reu- I besetzung des Vorstandes in Aussicht genommen. Herr Grisce von der Dezirksgruppe unb Ober» regierungsrat Weicker hoben bie Bebeutung des Sommerfestes bes Vereins für das Deutsch» tum im Auslände hervor, dessen Ertrag zur Hälfte den Oberschlefiem zuflieht unb empfahlen zahlreichen Besuch. Herr Grisce erstattete Bericht über bas Ergebnis ber bisherigen Sammlung, durch die es ermöglicht wurde, bah 7000 Mk. in bar unb 3000 Mk. in Lebensmitteln nach Breslau abgehen konnten. Rach stillem Gedenken für bie Gebliebenen des Selbstschutzes wie auch der deutschen Jugend endete bie Versammlung.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag Stadtkirche, 71/» Uhr, Kirchenkonzert. Aqua­rium, 8l/, Uhr. Vortrag über ©teuerfragen des gewerblichen Mittelstandes. Lichtspielhäuser wie gestern.

Siebelungspolitik in Oberhessen

Die Studienreise des Unterausschusses für I ländliches Siedelungswesen in vorläufigen Reichs- I teittschastsrat gab auch in diesem Sommer Ver­tretern verschiedenster interessierter Kreise Ge- I legenheit zu einer Besichtigungsfahrt durch Hessen und Hessen-Rassau. Der erste Tag der Exkursion aalt vornehmlich ben Arbeiten des hessischen Sie- I delungsamtes in unserer näheren Umgebung. Es handelt sich hier in ben weitaus häufigsten Fällen I nicht um Siebelungen im lanbtäufigen Sinne, sogenannte Reusiebelungen. Die Zerschlagung. I ganzer Güter, aus ber derartige Reusiebelungen I gebildet werden, unb wie sie das Reichssiede- lungsgesetz vor allem in Aussicht nimmt, kommt für Oberhessen nicht in Betracht. Bei uns hanbelt es sich allermeist um sogenannte Anliegersiede- lungen, bie burch Abtrennung einzelner Lanb- ftreifen von benachbarten Gütern und Hinzu-1 schlagen zu schon bestehenden Kleinbetrieben ge-1 schaffen werben.

Von vornherein verdient festgestellt zu wer­den, baß Hessen eine überaus glückliche Boden- I Verteilung zwischen Groh- unb Kleinbetrieb auf- wrist. Rach ber letzten Reichsstatistik von 1907 entfallen auf Güter unter 2 Hektar 12,40 Proz., auf solche von 25 Hektar 21.50 Proz., von 520 Hektar 50,7 Proz., 20100 Hektar 10,90 Prozent unb solche von 100 Hektar unb barüber nut 4,50 Proz. Die großen Güter ber letzten Älaffe. bie in Oberhessen 900 Morgen meist nicht überschreiten, bleiben hinter dem Reichsdurch- schnitt um 18 Prozent zurück. Rur Bayern zeigt noch eine für ben Kleinbetrieb ähnlich günstige Bodenverteilung. Von einem volkswirtschaftlich bedenklichen llebertoiegen des Großbetriebes kann also in unserer Provinz keine Rede sein. Im Gegenteil, bie Erhaltung der bestehenden Hofgüter I hegt im größten Interesse ber Allgemeinheit. Es Jft ganz zweifellos, daß diese Hofgüter für bie I Ernährung unserer Städte von ausschlaggebender Bedeutung sind. Ihr Betrieb ist in überwiegen- bem Maße auf bie Probultion für ben Markt eingestellt. An ihrer Erhaltung unb zwar in einer Gröhe, wie sie eine rationelle Wirtschaft er,ordert, haben demnach die städtischen Der- braucherkreise das höchste Interesse.

Hochschulna ^richten.

Deutscher Studententag.

; . X Erlangen. 3. Juki. Der 4. Deutsche Studententag wird in unserer Stadt ab- gehalten. Vertreter der Universitäten von ganz Deutschland, aus Deutsch-Oesterreich und Deutsch-Döhmen, aus der Schweiz. Holland und den nordischen Staaten sind eingetroffcn, thre Zahl betragt etwa 700. Rach dem Ve- grußungsakte in der Aula der Universität fand die Eröffnungsfeier im Stadttheater statt. Geh^mrat Prof. Dr. l f fl i n - München sprach über Dürersche Kunst, V e r g st r a ß e r- München über das Wesen des Studenten der Gegenwart, Dr. Gerber-Hamburg über Studenten und Volksgemeinschaft. 3n der zweiten Vollsitzung wurden Vorträge gehalten und wirtschaftliche Beratungen gepflogen. D--r Vertreter der freien Gewerkschaften. Kn oll, begrüßte die Tagung als die neue Phase der bewußten Verknüpfung von Wissenschaft und Arbeit. Professor Wolters »Marburg for­derte eine Ablehnung des heutigen Menschen, das Zurückfinden zum heroisch-tragischen Menschen, der auch den Untergang nicht scheut. In der Tagung des Hochschulringes wurde mit wenigen Aenderungen die vorlie­gende Verfassung in folgender Form be­schlossen.-Wir bekennen uns zum deutschen Volke. Wir erstreben die deutsche Volks­gemeinschaft und ein starkes Deutsches Reich, das in sich alle Kräfte gemeinsamen Volks­tums und gemeinsamer Geschichte zusammen­faßt. AIS deutsche Studenten schließen wir uns im Deutschen Hochschulring zusammen, um stark zu werden zur Arbeit in der deutschen Volks­gemeinschaft und um unsere Pflicht zu er­füllen durch das Beispiel, in der UebertPtn- düng der Zerklüftung voranzugehen.

Tine Stiftung japanischer Aerzte.

CBerlin. 4. Juli. (WTB.) In Tokio über­gab am 1. Juli Professor Prisawa narnenS 5 0 Iapan 1 scher Aerzte, die ihre Studien in Deutschland machten, dem deutschen Dottchaster 490 000 Mark, bie als Stiftung für die medi­zinischen Fakultäten deutscher Uni- ferfi täten bestimmt sind.

Gerichtssaal.

F r a n f f u r t a. 0R.. 4. Juli. Vor dem hiesi- gen öepteurgeriebt begann heute früh ein großer Falschmunzerprozeh. wo abermals nicht weniger als acht Personen auf der Anklagebank sitzen. Die Angeklagten haben falsche Scheine gedruckt bzw. vertrieben. Die Verhandlung dürfte !lch 23 -iagc hinziehen.

Vorsitzenden Linck-RudingShain. Sodann wurde ein Schwank, verfaßt von Peter Fuchs- Offenbach, vom Offenbacher V. H. E. auf. geführt.

Kreis Friedberg.

(bin deutsches Kolonialnmseum.

mc. 2 a b - Rau h e i m. 4 Juli. Auf denk Johannisberg soll bie Veste Mpapua ein von ben Deutschen im Innern Ostaf rikas sernerzelt errichtetes Stationsbaus neu er» Jteben unb als Kolonial-Mufeurn Verwenduno sinden. Der Plan rührt von bem alten Afrikaner 5ond per besten ur^'angreiche Sammlungen augenbltckltch in Dab-Ilcauheim gezeigt werden Das Kolonialmuseum wird, wenn es ausgesührt ist. bas Anbenken an bie deutschen Kolonien bester und wirksamer aufrecht erhalten, als Bücher und Ochilberungen, zumal es sich in feinen Sammlun­gen nicht auf die Kolonisationstätigkett befchrän» ken. vielmehr auch ernste Forscherarbeit in ben deutschen Kolonien veranschaulichen soll Die Stabt hat das zum Dau des Museum- notwendige t JoftciVrci 8Ur Verfügung gestellt Man hofft, daß es dem jüngst gegründeten Verein zur Forderung eines deutschen Kolonialmuseums recht bald gelingen möge, die zum Bauen des Museums notwendigen (Selber zusammenzubringen.

«

EjSrtebberg, 4. Juli. Im Anschluß an bas 26. Hauptschießen deS Mitteldeutschen SchutzenverbandeS fand am 2., 3. und 4. Juli das Schützenfest dieses Verbandes statt. Am Samstagabend fand auf dem Festplatze, >er städt. Seewiese, die Vorfeier statt, die durch Massenchvre^ der hiesigen vereinigten Gesangvereine und Reigenausführungen belebt wurde. Am Sonntagnachmittag bewegte sich der stattliche Festzug durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatze, wo sich bald ein buntes Treiben entwickelte. Direktor Phi­lipps hielt eine vaterländische Ansprache. Für Darbietungen mancher Art. Feuerwerk und einen stattlichen Vergnügungspark war gesorgt. Ein Gabentempel enthielt prachwolle Preise für die glücklichen Schützen. Der BIumentag. der ebenfalls am Sonntag zum Vesten der Kriegerehrung stattfand, er­gab den ansehnlichen Betrag von 5300 Mk.

Sb. Schlitz. 4. Juli. Vom 22.23. Juli erhält Schlitz Einquartierung in Starke von 28 Offizieren, 385 Mann und 41 Pferden. Es handelt sich um das Inf.-Regt. Rr. 15, welches auf einem Marsche vom Trupven- 1 Uebungsplatz Ohrdrufs sich befindet. Auch Hu -dorf, Fruurombach und Pfordt erhalten an diesen Tagen Einquartierung.

- 1 3uli- Hier hat sich mit vor-

laufig 50 Mitgliedern eine Ortsgruppe deS Inter­nationalen Bundes derFreundinnen junger M ä d ch e n" gebildet. Gestern abend hielt der Verein seine erste, sehr gut besuchte Versammlung ab. Gräfin Elisabeth von Schlitz die Bezirksvorsihende, hielt habet einen sehr tn- tereflanten Vortrag über die Ziele des Ver­bandes.

Kreis Schotten.

,, -Schotten, 4. Juli. Gestern fand unter zahlretcher Teilnahme des ganzen Vogels- berges das diesjährige Hoherodskopf- fest statt, begünstigt vom herrlichsten Wetter. Tausende strömten zu Wagen und zu Fuß herbei. Um 12 Uhr trug Herr Schirmann- Lauterbach einen poetischen Festgruh vor. Hierauf folgte die Festansprache des zweiten

Deutscher Reichstag.

130. Sitzung, nachmittags 1 Uhr.

Berlin, 4. Juli 1921.

Aus die Interpellation der bürgerlichen Par­teien wegen der Regelung des Lehrlingsgewerbes im Handwerk erfolgt regierungsseitig die Srklä- rung, baß die Antwort innerhalb der gesetzmäßigen Frist erfolgen wird.

Eine Reihe kleinerer Vorlagen wird den Aus­schüssen überwiesen bzw. debattelos genehmigt. Der Staatsvertrag betr. den Uebergang der Wasser­straßen auf das Reich wird in zweiter und dritter Lesung genehmigt. Es folgt der Rachtragsetat des Reichsteehrministeriums beim Titel Marine.

2lb8. K u h n t (11.) polemisiert gegen bie. die bestrebt seien, immer neue Mittel der Marine zu­zuwenden. obwohl sie selbst diese Marine als er-! barmlicb bezeichnet haben. Für den Küstenschutz be-1 nötigten toir keine Marine, das hätte ein Marine- sachverständiger selbst zugegeben. Der einzige Zweck der Marine sei ein polizeilicher Daher habe ne feine Existenzberechtigung mehr Dazu komme, daß der tatsächliche Bedarf der Marine nur 13 Millionen betrage, im Rachtrag aber 102 Millio­nen gefordert würden. Redner fragt dann weiter, ob die Entblößung Kiels von jeder Marinegarni­son etwa politische Gründe habe. Der Reichswehr­minister habe dies zwar bestritten, die Anzeichen sprechen aber dafür. Statt dessen würden die Trup­pen in kleinen Garnisonen verzettelt und eine ge­nügende Kontrolle könne daher nicht mehr aus- geführt werden. Der Redner fragt dann nach dem Stande des Daltikumabenteuers unb wie e« mit bem Verfahren gegen den Admiral Scheer stehe, der mit der Erschießung von mehreren Ma­rinemannschaften Im Jahre 1917 einen Justizmord begangen habe. ZweiffelloS seien die Akten heute nicht mehr vorhanden.

Es wird sodann eine Reihe von Etatsartikeln genehmigt.

Zu Artikel 13 Sanitätswesen bemängelt Abg Dr- Mose« (11.) bie zu große Zahl der Aerzte unb Sanitätsmannschaflen, die im merkwürdigen Gegensatz zu der Fürsorge für die breite Masse stehe.

Reichswehrminister Gehler erwidert, alle Positionen seien von der Reichsfinanzvertealtung nachgeprüft worden. Im übrigen vergesse ber rredner, bah auch die Familienmitglieder der ärzlllchen Fürsorge unterstellt seien.

Der Rest des Etats wird sodann genehmigt Es folgt der Etat deS Auswärtigen Amtes Frau Abg. Wurm (U.S.P.) bekämpft die Hergabe von Reichsmitteln für bie Zentrale für den Heimatdienst.

Dr. Cremer (D. Vp.) schildert die Tätigkeit ber Zentrale und weist nach, daß von den 35 000 Mitgliedern allein 27 000 zur sozial­demokratischen Partei gehören. Genau so wenig wie die äußerste Linke sei auch die Rechte hierbei, berücksichtigt worden. Seine Partei habe sich | wahrend ihrer Regierungstätigkeit aufrichtig bc* nacht, hier eine wirklich objektive Amtsstelle zu schaffen. Leider sei das Gegenteil erfolgt. Er sei auch überzeugt, daß ein Umbau wenig Aus- 'Uyt habe vielmehr könne nur ein vollständig neuer Ausbau in Frage kommen. Dementsprechend nm &ic Rechtsparteien ihre Anträge gestellt.

, "ypQ- Dr Rkumm (Deutschn.) erinnert daran, öaü seine Partei schon lange den Kamps gegen mese Organisation führt. Seine Partei sei aber letzt bereit, einen Waffenstillstand zu schließen , um zu versuchen, etwas Reues unb Besseres zu schaffen, das über ben Parteien stehe und allein t das Staatsinteresse im Auge habe.

. 2ll>g. Sollmann (Soz.) erklärt die ilr- f teile der Frau Wurm als einseitig, von einer I Korruption könne keine Rede sein. Gerade wäh- ' Lc.nb Kapp-Putsches habe die Institution im ©inne ber Regierung gearbeitet. Wenn sich ein­zelne Parteien über mangelnde Berücksichtigung beklagten, so sei es ihr eigenes Verschulden

Der Ausschuß beantragt eine Entschließung, btc Reichszentrale derart umzugestalten, daß sie einen parlamentarischen Beirat erhält unb in diesem alle Parteien vertreten sein sollen.

Die Abgeordneten Cremer und Mumm beantragen Schließung der Reichszentrale zum 1. Oktober 1921.

Abg. Rosenfeld (U.S.P.) ironisiert die Entrüstung der Rechten über diesen Fall. Wie könne der Abgeordnete Dr. Mumm eine über­parteiliche Arbeit von ber Reichszentrale er» I »arten. Redner bekämpft den Ausschußantrag Der parlamentarische Beirat würde für bie Reichszentrale nur ein Feigenblatt sein.

Die Abstimmung wird vertagt.

Der Reichstagsetat wird darauf debattelos 1 bewilligt.

Aus dem Stadttheaterbureau. Der letzte Walze r", der hier Mittwoch gegeben wirb, hat bereits vor einiger Zeit am Berliner Theater bie 200. Ausführung erlebt. Das Werk, das über alle Bühnen Deutschlands gegangen ist, ist auch bereits von England und den Vereinigten Staaten von Rord-Amerika er­worben worden. Bei der hiesigen Ausführung wird das staatliche Kurorchester Dad-Rauheim mitteirfen, unb alle Vorbereitungen sind getroffen daß eine flotte Aufführung zustande kommt.