Ausgabe 
5.1.1921
 
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Bnid und Verlag: vrühl'sche Umo.-Vuch und Steindruckerei B. Lange. Schriftleitnng, SeschSstsftelle und Druckerei: Schulstratze 7.

zu 4 00 M k. Geldstrafe verurteilt.

aus un-

Echeidcmann an den ungarischen Ministerpräsidenten.

Berlin, 4. Jan. Wie derVorwärts" Kassel erfährt, ha! Scheidemann an den

qSg» U Meder Mfr der Trupven bau ^gebotm. In der Wenb dks Taqes

Nr. 3

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voftschecktonto:

Frankfurt a. M. 11666

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brechens gegen das Sp.eugstoftgesetz vom Land­gericht

Braunschweig, Schneider August Mergcs, avsging, der gegenwärtig die Urkunde besitzt Aufreizung zum Klassenhatz.

Berlin, ö. Jan. Am 5. 11. v. Zs. erschien in derNoten Fahne" ein von otno m- i c iv unterzeickmetcr Aufruf a:t "bte Proletarier aller Länder, in dem dazu ausgcwrdert imirde, Munitionszuge der Feinde RußanLZ in die Lust zu sprengen und die bürgerliä-en Of t irre un­schädlich zu machen. Wegen dieies Artikels wurde gestern der vermr:wörtliche Rcdikieur d.'rRo:en Fahne",?ä,'er, ro:gcn Ausrerzu g z:rm Masen- l- und Aufforderung zur Begebung emes Per-

Schärfe zurück. In der Antwort heißt es:Es steht Ihnen nicht an, die Menschlichkeit und Zivili­sation anzurufen."

Die Lage in Rußland.

Kopenhagen, 4. Jan. (WTB.) Berlings. Tidende meldet aus HelsingsorS: Tor finnische Geologe Dr. Dans Hansen, der sich 1918 zum .Zwecke einer wissenschaftlichen Expedition nach der :Nongolei begab, ist jetzt nach reichen Erlebnissen nach Finnland zurück gekehrt. Gegenüber dem Lev«

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Verspätete Erkenntnis.

Neupork, 4. Jan. (WTB.) Wie der Chicago Tribüne" aus Washington gemeldet wird, hat das Kongreßmitglied Britten eine Resolution eingebracht, in der Präsident Wilson aufgefordert nrirb, fick an Frank- reich und den Völkerbund zu wenden, um die Zurückziehung der französischen schwarzen Truppen aus den besetzten -Gebieten Deutschlands zu erlangen.

Die wirtschaftliche Lage in Nordamerika.

Der soeben eingetroffenenLincoln Freien Presse" entnehmen wir die nachstehenden Einzel­heiten aus Berichten über die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten:

Die Gouverneure und die neuerwählten Gou­verneure von mehr als der Hälfte der Staaten de« Landes beschlos'en auf ihrer Jahreskonferenz, sofort mit einer Untersuchung der beunruhigenden Lage der Farmer zu beginnen.

Die Oberhäupter der Staaten, deren Vorgehen ohne Beisoiel in der amerikanischen Geschichte ist, werden dem Kongress solche Maßregeln Vorschlägen, durch welche denjenigen Farmern, die ihre Er­zeugnisse des fallenden Marktes wegen augenblick­lich nur mit Schaden losschlagen könnten, und die pleilbwohl des baren Geldes dringend bebürfen, Stundung ihrer Schulden, für ein Jahr oder mehr ^gewährt wird, so daß sie ihre Verluste einholen Rinb aus Anziehen des Marktes warten können.

Ein zweiter dem Komitee gleichfalls von Dar- "dina vcrgelegter Vorschlag betrifft die Organi­sation einer Körverschaft für den Auslandshandcl, !vm den Verkauf amerikanischer Farmprodukte an !das Al sland zu finanzieren, welches wegen man­gelnder Geldmittel den amerikanischen Märkten ^sern bleibt.

Gouverneur Robertfon von Oklahoma erklärte, daß die Erzeugung von Nahrungsmitteln im Missi- sivpi-Tale in den nächsten zwei Jahren einfach aufhören werde, wenn keine Aenderung der Ver­hältnisse ein trete Er sprach über die gewaltigen Getreide- und Baumwollen-Vorräte, welche die fiaoerMiffer des Südens fürten. die wegen Man­gels an Güterwagen Nicht versandt werden konnten, als die Preise gut waren, während die jetzigen Preise nicht hinreichend seien die Produktions- imb Transportkosten zu bestreiten. Dieselben Be­fürchtungen wurden von den Gouverneuren Bart­et. Nero Hampshire und Cooper, Süd-Karolina, ausgesprochen, welche hinzufügten, daß dieselben Befürchtungen hinsichtlich anderer Farmprodukte gültig seien.

I I Brauer von Neuhork befürwortete vor dem Kom'tee bte Gewährung eines Kredits von einer Milliarde an Deutschland Außer Brauer begünstigten auch andere Delegaten den Schritt, eS wurde aber darauf aufmerksam gemacht, daß zur Ausführung d'efes Planes besondere Gesetzgebung nötig sein würde .Die Baumwollzüchter des Sü­dens sind der Ansicht, daß einem weiteren Fallen der Baumwollvresie bald vorgebeugt werden könne, wenn die deutschen Fabrikanten in den Stand geletzt würden, größere Bestellungen auf Kredit hier zu machen Im Verlaufe des Verhörs wurde betont, daß Farmer in einigen Gegenden von Nebraskas gedroht Haben, daß sie Mais und Wei­zen in biei'em Winter als Feuerungsmaterial be­nutzen würden, da sie kein Geld Haben, zu den jetzigen Hohen Preisen Kohlen einzukaufen.

Die siebente Federal Reserve Bank von Chi­cago meldet in ihrem Bericht, daß die Arbeitslosig­keit tm mittleren Westen, der die Staaten Illinois. Indiana. Iowa. Wisconsin, Michigan, Missouri und Teile von Kansas und Nebraska einschließt, frir genommen bat In der Stahl-Industrie ist das Angebot bedeutend stärker als die Nachfrage. Im Bauwesen sind 50 Prozent der Arbeiter beschäfti­gungslos. Arbeiter, die sich in Massen nach den Großstädten begeben hatten, um dort lohnende Beschäftigung zu finben. haben sich nach ihren früheren Wohnorten zurückbegeben. Der Arbeits- lohn ist stark zurückgegangen: hier imb da sind Konzessionen gemacht worden, um Massenentlas- fungen zu Derrn eiben. Die Zahl der Angestellten in den Bahnwerkstätten ist verringert worden Der Umiatz im Autogeschäft ist gering, so daß mek Autofabnken geschlossen wurden. Von den Bahngesellschaften wird gegenwärtig nur wenig Rohmaterial angeschafft. Fast alle Geschäfte ver­kleinern ihre Warenlager, indem sie Svezialver- köufe ansetzen Man lebt von.her Hand in den Mimd. Fabrikanten beschweren sich, daß viele Be- stellungen rückgängig gemacht werden Die Mail- Order-Häuser klagen über schlechte Geschäfte Far­mer bringen ihre Getreide nicht auf den Markt weil sie keine Preise dafür erhalten können: 40 Prozent der letztjährigen Wcizenernte befinden sich in den Händen der Farmer.

Die kanadische Regierung hat eine Verordnung erlassen, welche die Einschränkung der Einwande- rimgvon Handwerkern Künstlern und Arbeitern ^bezw^kt. indem sie die Einwanderungs-Gebühr von 50 Dollars auf 250 Dollars erhöht Ties ist geschehen, .uni die Zustände zu erleichtern, die in Bezug aut Beschäftigungslosigkeit jetzt in Kanada herrschen.

tretet von Hufvudftadsbladet teilte er über seine Eindrücke vom Bolschewismus mit, es sei ferne Uebeneugung, daß der Sowjetstaat früher oder später zusammen brech en müsse. Er könne sich die Möglichkeit nicht denken, daß eine Entwicklung Platz greife, die allmählich die Leninschen Staatssormen umbilden und festigen würde. Es müsse gelegentlich eine Er­hebung kommen, die die jetzigen MachstI>abet stürze. Moskau habe das Aussehen einer a u s g-e p l u n - betten Stadt. Dr. Hansen befand sich in ?>rkusk, als Admiral Kvltschak von den Russen hingmichtet wurde. Die Wteilung Soldaten, die Kvltschak erschießen sollte, roe teerte sich zunächst, dem Befehl nachzukommen Schiedlich gelang es, die Soldaten zum Gehorsam zu zivingen. Auf die Hinrichttcng Koltschak folgte ein fnrdübam Massen­mord aller KvltschaVoffiziere. Diese wurden ent­weder niedevgeschossen, wo man sie traf, ober sie verschwanden spurlos in den sibirischen Steppen.

vom allrussischen Rätekongretz.

M o s k a u, 3. Jan (Wolff) Der allrussi­sche Rätekongreß befiäigte d'e Beendigung des Krieges und den lieberrrang zur Friedensarbeit. Uebri.iens beschäftigte er sich hauptsächlich mit der Bekämpfung des Wirtschaftsverfalls und der Schaf­fung der technischen Grundlagen für das kommu­nistische Svstem. In der Agrarfrage wurde beschilossen, die Bauern mit dem notwendigen Saat- getreide zu versehen, um die Anbauflächen nach Möglichkeit erweitern fru können und arte Kräfte zur Wiederaufrichtung des Bauernstandes heranzu­ziehen. Sodann wird man an die Elektrisie- tu n g d e t I n du str i e gehen. Der Kongreß be­schloß, in erster Linie das Donezbecken und das Uralgebiet mit Elektrizität zu verfv'-gen. da die Gewinnung von Heizmaterial und Eren besonders wichtig ist. Einstimnrg wurde auch der Plan für die Organisation der Schwerindustrie angenommen Zusammenhängend mit der Bändi­gung des Bürgerkrieges wes Kali-'in darauf hin, daß der achte Rätekongreß die Opfer und Ent­behrungen und der Helden des grausamen Bürger­krieges nickst vergessen darf. Namens des .Kon­gresses verkündete er, daß bei der ersten Gelegen- heit der geringsten Berbcsseruna b-r wirtschaft­lichen Lage die Sowjetmacht den Arbeitern.Bauern, Verwundeten und Invaliden zu Hilfe komme.

Maxim töorfi unter strenger Bewachnng.

Kopenhagen, 4. Jan. (Wolff.)93er- lingske Tidende^" meldet aus Helsingsors: Das Exekutivkomitee in Moskau hält Maxim Gorki unter strenger Be­wachung, da man befürchtet, daß er versuchen wird, aus Rußland zu flüchten. Alle Per­sonen, die (Sforfi besuchen wollen, müssen den Behörden den Grund des Besuches mit­teilen und das, was Gorki gesagt hat.

Der englisch-russische Handelsvertrag.

London, 4. Jan. (Wolff.) Amtlich. Ter Handelsvertrag zwischen England und Rußland ist zur Unter^ichnung bereit. Einige technische Schwierigkeiten werden sich binnen kur­zem überwinden lassen. Sir Robert Hornc und Krassin sind auf einem gemeinsamen Standpunkt angelangt, welcher unbedingt zur Verständigung führen wird.

Ein kommunistische» Komplott bei Belgrad.

Belgrad, 4. Jan. (Wolffs Die Blätter veröffentlichen Enthüllimgen über ein kommu­nistisches Komplott und die Regierung be­sitzt Beweise dafür, daß das Komplott einen Um­sturz der Reyiernna zum Ziele hatte. Den Anfang sollte ein Generalstreik der Bergarbeiter in Bos­nien und Slowenien machen, der sich bann auf arte Arbeitergewerkschaften des Landes ausdchnen sollte. Auch die Ermordung mehrerer Minister war vorgesehen. Die Regierung trifft strenge Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ord­nung und zur Vermeidung von Blutvergießen. Das Lokal der Kommunisten in Belgrad wurde besetzt und ihre Zeitung verboten. Bisher sind zehn Kommunisten verhaftet worden.

3nrut)me von 2n,etien für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Derdindlichkeit. Preis für l mm tsöhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame« Anzeigen von 70 mm Brette 150 Pf Be> Platz. Vorschrift 20° f Aufschlag. Hauptfchriftletter: Aug. voetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Doetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenteil: H. Deck, sämtlich in Dietzen.

Volk in Hot.

Gießen, 5. Januar. , lieber dieses Thema sprach gestern abend im überfüllten großen Einhoni-Saale der deutschnationale Führer und Reichstags­abgeordnete Graf Westarp. Er legte in dreistündigen fesselnden Ausführungen die beiden Wurzeln der deutschen Not klar, näm­lich die Wirkungen des Gelvaltfriedens, und die innerpolitische Mißwirtschaft. Der Redner erklärte selbst, daß er sich der Versammlung nicht als Typus eines preußischen Junkers vorzustellen habe, wohl aber als guter und überzeugter Preuße, der, in den Traditionen eines pflichteifrigen und unbestechlichen Be­amtentums groß geworden, den übrigen deut­schen Stämmen wohl auch etwas von preußi­scher Größe und preußischer Mission sagen dürfe. Die Hingabe an den Staat, die Unter­ordnung jedes einzelnen Volksgenossen unter das Gesamtiitteresje sei in den Nöten und Ge­fahren der preußischen Lande durch hie Ge­schichte schärfer und fester herausgearbeitet worden, als in den übrigen Reichsgliedern. Der Redner wußte durch seine Sachlichkeit und kurze treffende Bemerkungen einzelne linksradikale Zwischenrufer auf der Galerie prompt abzuführen und schließlich zum Schweigen zu bringen. In manchen Einzel­heiten, zum Beispiel in der Frage der Regie­rungskoalition, konnte der Redner wohl ntcht alle Anwesenden überzeugen, aber es war doch ivohl, abgesehen von den vereinzelten Zwischenrufern, niemand im Saale, der den klassenversöhnenden, von der Liebe zu Volk und Vaterland getragenen Charakter dieser auch in der Form hochstehenden Rede nicht anerkannt hätte.

Graf Westarp wies zunächst auf all ba5 Un­glück hin, das der Versailler Vertrag umschsiehe. Dieser Vertrag, das Schicksalsbuch des deutschen Volkes sowohl ivte jedes einzelnen D.mtschen, drücke aber trotz allen Elendes, das er heute schon, über das deutsche Volk brachte^ immer noch nicht mit ferner vollen Last. Der Versailler Vertrag bedeute vor allem eine unerhörte Fremdherrschaft über bas deut­sche Volk, eine Fremdherrschaft, wie sie in der ganzen Weltgeschichte einem großen Volke noch niemals auserlegt wurde. Die Provinzen Westpreußen und Posen seien, wenn auch' ein Teil ihrer Bewohner polnisch spreche, doch däitsches Land, dem Deutsch­tum erworben durch jahrhundertelange Arbeit, durch deutt'chen Fleiß und Tüchtigkeit und durch die Arbeit einer deutschen Verwaltung imb deut­schen Kultur Ebenso lei Obersckzle'ien erst durch die deutsche Kulturarbeit zu einem der großartig­sten Industriezentren der Welt gt rootb.it. Denn auch die Polen mit roher Gewalt bas Abstim­mungsergebnis zu ihren Gunsten zu gestalten suchen, unterstützt von der parteiischen Stellung­nahme der interalliierten Kvimirission, Jo dürfe dock) erwartet werden, baß auch der oberschlesische Abstimmungstag ebenso ein Lichtblick für daS nationale Leben Deutschlands sein werde, wie der Tag von Flensburg und die Abstimmung in Masuren. Der Verlust deutschen Landes sei der schwerste, der uns überhaupt treffen könne, das seien Wunden die sich nie wieder schließen werden.

DieWiedergutmachun>as"-Beratungen in Brüssel seien von der Feindpvesie als vielver- spreckend und aussichtsreich begrüßt worben ein schlimmes Zeichen für uns. Das amtliche Wort .Wiedergutmachung" sei übrigens eine große Würde loiigkeir, denn ,.roi b?rgutAtresien" hätten wir doch wahrhaftig nichts. Die wörtliche lieber* setz'mg vonReparation" sei auchWiederher- ftertimg"; sinngemäß richtig sei allein KrieaSent- schädigung Diese .striegsentschLigung müsse be­kanntlich rach dem Friedensvertrag bis znm 1. Mai 1921 festgesetzt werden, doch werde wahrschinlich auch dann noch keine bestimmte Summe genannt, sondern mi der jährlichen Festsetzungnach der Leistungsfähigkeit Deuticklands ' fe'gehalten wer­den. Für diese Leistungsfäh gleit sei aber weniger die Lage unserer Finanzen im Innern ausschlag­gebend, sondern einzig bte Gestaltung unser r Han­delsbilanz. Für die kommenden Jahre ro.tbe aber DeutsMand. selbst wenn es die Einfuhr auf die allernotwendigsten Lebensmittel iwd Rohstckfe be­schränke, bod> damit rechnen müssen, baß die Ein- ftihrwerte etwa 40 bis LO Mi la der, mehr betragen als bie Ausfuhr. Wie Deutschland da überhaupt in der Lage sein sollte, nur für eine Milliarde Goldmarf, geschweige denn für drei Milliarden jährlich fremde Währung aufz'ikousen und an die Entente abzuführen, sei unerfindlich.

Verfehlt sei es aber, dem Feindbunbe die Un- möglickikcit der Erfüllung seiner Forderungen erst nacyzam'eisen. Diesesunmöglich f" kenne er und herauf sei gerade die französische Politik aufgebaut. Frankreich wolle sich für immer am Rhein sestsetzer» Knb hoffe durch die Mhterjülluoü des Friedens-'

Erster Blatt W. Jahrgang Mittwoch. 5. Januar 1921

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

garischen Ministerpräsidenten ein Tele­gramm des Inhalts gesandt, daß die Todesurteile gegen frühere Volkskommissare Entsetzen erregten und Empörung bei der alle Gewalttaten ablehnen­den sozialdemokvatischen Arbei crsckaft erweckten. Politische Einsicht und die Ge ü!hle der Menschlich­keit sprächen gegen die Vollstreckung der Urteile.

Berlin, 4. Ian. Wie verschiedene Blätter wissen wollen, verlautet aus be nächsten Umgebung des ungarischen Ministerpräsidenten, daß die U r- teile gegen bie Mitglieder der bolschewistischen Regierung Ungarns nicht vollstreckt würben.

Bubapest, 4. Ian. (WDB.) Angesichts rus­sischer Drvhimgen, bei der Verurteilung der Volkskommissare bte ungari'chm Kriegs­gefangenen ähnlich zu behandeln, erklärte Minister­präsident Teleki, daß die ungarische Regierung im Interesse bet Rettung dreier Personen der ^oroietregiening Verhandlungen angeboten habe. Dieser Entschluß wurde bisher gehsim gehalten, um die^Rechtsprechung des Gerichts nicht zu beein­flußen. Die Sowjetregierung erklärte sich zu Be r- h an blun gen bereit.

au, 4. Ian. (Wolff.) In dem russisch- unganlchen Streit wegen der beiderseitigen Gei­seln wies Tschitscherin neuerdings die Vor­würfe d« Wgariicheu ateauow mU cdbtt

21u* dem Reiche

Zum Tode Bechmann.HollwcgS.

Hohenfinow, 4. Ian. (Wolff.) Die Reichsmini st er des Auswärtigen und des Innern haben an den Sohn des verstorbenen Reichskanzlers v. Bethmann-Hollweg Bei­leidstelegramme gesandt. Der Reichs­minister Dc. Simons telegraphierte:Er­schüttert durch die völlig unerwartete Nach­richt vom Hinscheiden Ihres Vaters spreche ich Ihnen zugleich im Namen des Auswär­tigen Amtes die wärmste und aufrichtigste Teilnahme aus. Deutschland wird auch im Unglück nie vergessen, mit welcher Hingabe er das Beste für sein Volk erstrebte." Das Telegramm des Neichsministers Koch lautet: Mit tiefstem Schmerz habe ich den Tod Ihres Vaters vernommen. So schwer die Zeiten wa­ren, in denen er aus dem Amte schied, die Geschichte wird die ungeheuerlichen Hinder­nisse, die sich seinem Mühen um den rechten Weg entgegenstellten, zu würdigen wissen. Aber nicht nur die Geschichte, auch die Mit­welt kennt den Adel seiner Gesinnung und die Lauterkeit seines Wissens, die heiße Vater­landsliebe und die tiefe Weltweisheit an, die diesen hervorragenden Mann auszeichneten. Sein Andenken ist mir unvergeßlich."

Hohenfinow, 4. Ian (WTB.j Aus SchloßDoornist folgendes Telegramm an den Sohn des Verstorbenen von Bethmann Hollweg eingegangen: Ich spreche Ihnen und Ihrer Gräsin Schwester meine herzlichste Teilnahme bei dem so unerwarteten Hinscheiden Ihres Herrn Vaters, meines früheren Reichskanzlers Dr. von Bethmann Hollweg, aus Der mm Verewigte war ein edler Mann. Sein Verdienst und seine Sorge um das Wohl des Volkes war von ehrlichster Ueberzeugung getragen und von dem Mifrichtigsten Willen zum Guten. Sein Wirken gehört der Ge­schichte an. Sein Gedächtnis wird von mir hoch geachtet bleiben. Ich habe meinen Sohn Prinzen Oskar beauftragt, dem Verewigten in meiner Ver­tretung die letzte Ehre zu erweisen. Wilhelm.

Die Einberufung des Reichstag; abgelchnt.

Berlin, 4. Ian. (WTB.) Der Aeltesten- rat des Reichstags hat den von den unab­hängigen Sozialdemokraten eingebrachten Antrag auf sofortige Einberufung des Reichstags abgelehnt und dagegen die möglichst baldige Einberufung desAusschusses für auswärtige Angelegenheiten befürwortet.

Die Zentrumskandida^en zur Preußenwahl in Hessen-Naffau.

mc. Gießen, 4. Januar. Am gestrigen Montag tagte hier der P-rovftn-ial-Aus-. schuß der Zentrunisvartei für Hessen-Nassau, der nach stundenlangen Verhandlungen folgende Kan­didatenliste für die am 21. Februar stattsindende Wahl zum preußischen Landtag beschloß: 1.Sani-> ltätsrat Dr. Karl Stemmtet, Bad Ems. 2. Amts­gerichtsrat Riehl, Fickda. 3. dlbgevrdneter H. Her­kenrath, Limburg. 4. Stadtrat ^ofef Fink, Wies­baden. 5. Landwirt Gnau, Stausebach 6. Arbeiter Lenz, Niederlahnstein. 7. Frau Else Alken, Haus­frau, Frankfurt a. M. 8. Edmund Schleß, In­genieur, Kassel. 9. Volksvereinssekretär Roth, Montabaur. 10. Oekonomierat Jakob Schmitt, Molsberg. 11. offen für Kur Hessen. 12. £)ber= postsekretär Sebastian Trageser, Frankfurt a. M. Außerdem wurden noch sieben weitere Kandidaten, meist aus Naffau und dem Westerwald, benannt. Das Zentrum hatte bisher in Hessen-Nassau fünf Sitze inne.

Die Beanttenbesoldung.

Berlin, 4. Jan. Vom Sechzehner- Ausschuß des Deutschen Eisenbahnerverban­des, der Reichsgewerkschast Deutscher Eisen­bahnbeamten, und -Anwärter, der Gewerk­schaft Deutscher Eisenbahner und Staats- .bediensteter und des Allgemeinen Eisenbahner­verbandes wird einAufrufandieEisen- bahner veröffentlicht, worin es heißt: Die Regierung hat die Bereitwilligkeit ausge­sprochen, innerhalb der Grenzen des Mög­lichen alles zu tun, um die Notlage der Be­amten und Arbeiterschaft zu beheben. Sie ist auch gewillt, die Verhandlungen zu beschleu­nigen und im Benehmen mit den Ländern so rasch wie möglich eine Vorlage an den Reichs­tag zu bringen, der sie gleichfalls mit Vorrang verabschieden wird. Wir forbern sämtliche Eisenbahner auf, das Zustandekommen befrie­digender Vereinbarungen jetzt nicht zu stören und deshalb Aktionen zu unterlas­sen. Müßte es zu solchen kommen, so rufen die Organisationen rechtzeitig dazu auf.

Die Abdankungsurkun-e des Herzogs von Braunschweig.

Braunschweig, 4. Jan. lWolff.) Wie dieBraunschweigische Landeszeitung^' mel­det, wurde dem braunschweigischen Staats­ministerium bekannt, daß die A b d a n - kungsurkunde des Herzogs Ern st August von Braunschweig vom 7. November 1918 dem herzoglichen Hause in Gmunden zum Kauf angeboten rmirbe. Die Nach­forschungen hatten ergeben, daß das Angebot von oau früjFJxn ftwjihalten des Freistaates