Ausgabe 
4.11.1921
 
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twrtqen englischen Ätitanjlonscrn fiegt een Q&igcbot vor, daS sich auf 25 Milliarden Pa- ptermarf beläuft.

Die Vos der (Entente bedrohte« deutschen Werke.

Berlin, 4. Nov. < Pr'ivatteleqr.) Wie die Morgenblätter berichten, hat die sozial­demokratische Reichstagsfraktion eine Inter- Vellattvn eingebracht, in der gefragt wird, was die Reichsregierung bisher getan und was sie weiter zu tun gedenke, um den Forderungen der Entente nach Zerstörung der Deutschen Werke zu begegnen. Die In­terpellation dürfte im Laufe der nächsten Woche zur Beratung kommen. 3m Reichswirt­schaftsrat wird heute die Angelegenheit der deutschen Werke zur Besprechung gelangen.

Berlin. 4. Rov. Die Arbeiter­schaft der Deutschen Werke in Spandau nahm gestern in zwei großen Der- sannnlungen zu den ZerstörungSforderungen der Entente Stellung. ES wurde mitgeteilt, daß voraussichtlich in den nächsten Taaen eine Arbeiterkommission bei dem General Rollet vorsprechen wird, um ihm über die Wahrheit und die Forderungen der Arbeiter zu berichten. Sollten die Verhandlungen ohne Erfolg sein, dann lehnten die Arbeiter es ab, irgendwie an der Zerstörung der Werke mit­zuarbeiten. Keine Schraube solle von einer Maschine entfernt werden, kein Stein wea.ge- bracht, kein Hammer für die Entente berührt werden. Sollten Arbeiter nach Spandau kom­men, um für die Entente die Arbeit zu leisten, wolle man ihnen gründlich heimleuchten. Alle Arbeiter Deutschlands mühten in dieser An­gelegenheit solidarisch sein.

Die Anterstühnug von Rentenempfängern.

Berlin, 3. Rov. (WTB.) Der Reichs- ra t nahm in ofkn'Iidrr Sitzung unter dem Vorsitz deS Rcftchsministers des Innern Dr. Köster den CMebcriinirf über ti? Rots andsmahnahmen zur Antrrstützung von Rentenempfängern au3 der Invalid-eiversicherung nach den Tc ch'üstcn des Ausschusses mit der Aenderung an, bah auf An­trag Preußens beschlossen wurde, 10 Prozent der Kosten den Gemeinden und 90 Prozent dem Reiche aufzuerlegen.

DaS Att»ntat auf Auer

Berlin, 4. Rov. Wie aus München ge­meldet wird, hat der bayerische LandtagSab- gcordnete Auer eine Anzahl weiterer D r v h- triefe erhalten. 3n einem der Briefe heißt es, daß Auer Weihnachten nicht mehr erle­ben werde. Gegen den früheren Einwvhner- wehrführer Kanzler ist ein Ermittelungs­verfahren wegen Aufforderung zum Morde eingeleitet worden.

Aus Stabt und Land.

Dietzen, den 4. Rov. 1921.

* Amtliche Personalnachrich­ten. Am 31. Oktober wurde der Oberassistent Karl Hirsch zu Darmstadt zum Sekretär bei der Bibliothek der Zentralstelle für die Ge­werbe mit Wirkung vom 16. April 1921 an er­nannt.

** Invalidenversicherung und Heilverfahren. Die La desve'sichrrurgs- anstalt Helsen schreibt und: Vom 1. Oktober 1921 an sind die Beiträge zur Invaliden- und Hinter- bliebenenver sichern ng erheblich erhöbt worden. Sie betragen von diesem Tage ab wöchentlich zwi­schen 3.50 und 12 03 Mark, gegen bisher 183 biÄ 2,80 Mark. Diese wesentliche Verteuerung ber Beiträge können manchen freiwillig Ver­sicherten veranlassen, nicht mehr, wie er es bisher flewn fjat, für jede Woche eine Beitragsmarke zu kaufen und sie in die Quittung starte einzu­kleben. fonbern künftig nur das Mindestmatz an Beiträgen zu leisten, was das Gesetz zur Erhal­tung der Anwarlschaft verlangt. Run genügen allerdings 20 Wochrnbftt'äge, die innerhalb zweier Jahre, vom AuLsttllu-gZtage der Quit- tungskarte an gerechnet, entrich et werben, zur Erhaltung der Anwartschaft auf die gesetzlichen Leistungen ber Invaliden- und Hinterbliebenen­versicherung. Die gesetzt chen L istunge.i be­stehen in Gewährung von Alters-, In­validen- und Hinterbliebenenrenten. Ra- lürlich sind diese Renten, wenn alle 2 Jahre nur 20 Beitragsmarken verwendet werden, nie­driger, als wenn für iede Woche eine Beitrags­marke gellebt würde. Die Höhe der Rente richtet sich neben der Höhe der Beiträge hauptsächlich nach der Anzahl ber W^chenbeiträge. die geklebt wurden. Wer nur das Mindestmaß an Beiträgen leistet, hat aber keinen Anspruch auf die frei­willigen Leistungen der Landesversicherungs­anstalt. insbesondere nicht auf daS vorbeugende Heilverfahren. DaS Heilverfahren Mir Mwendung drohender, oder zur Beseitigung bereits bestehen­

der 5ntxUtDrtat t't aber mindestens ebenso wert­voll, wie die Rente. Für bte jüngeren Versicher­ten, die das Leben noch vor sich haben, ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit, resp. Arbeitsfähigkeit sicherlich von größtem Ruhen, wie ber Bezug einer Rente. Die Landes- ve ft ich: ru i'^sanst allen, die das Heilverfahren im Interrs e ter Ce und^rhallung ihrer Ver icherten schon von jeher gepflegt und dadurch Hundert - tausenden EeiunbheU und Arbeitsfähigkeit er­halten oder wiebergegeben haben, können unter den heutigen Verhältnissen, die eine ungeheuere Steigerung ber Kosten mit sich gebracht haben, ihre Ausgaben auf dem Gebiete des Heiwerfah- iens nur bann erfüllen, wenn ihnen Beiträge in entspreche'.der Höhe zufll.ßen. Kostet doch heute die Durch, ührung ei es einzelnen Heilv:r,'ahre.is mehrere taufend Mark. Die Landesversicherung bringt deshalb ihren schon vor Jahren gefaßten Beschluß, caö sie das Heilverfahren nur für die Versicherten übernimmt, die jährlich mindestens 30 Wochenbeiträge geleistet haben, erneut zur Ketmtnis der bei ihr Versicherten. Dieser Be­schluß ist besonders wichtig für die Personen, .bte als unflä big D.schä.tig e cder alZ freitoiCij Versicherte nicht regelmäßig B^it.äae entrichten. Im Interesse dieser Personen wird deshalb drin­gend ersucht, der Versicherung größte Aufmerk­samkeit zu schenken und wenn es die Verhältnisse nur irgend gestatten, möglichst jede Woche eine Marke zur Invaliden- und Hinterbliebenenver- sicherung zu verwenden. Sie schützen sich dadurch am besten und sia.e sten vor späteren Anannehm- lichkeitm und Ablehnungen.

**WinterkleidungfürMinder- bemittelte. Die Firma Karl Frensdorf in Gießen hat der Stadtverwaltung 50 Herren- Winter-A st:r zur Verteilung an die minderbe­mittelte Bevölkerung und Kriegsbeschädigte kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit Rück­sicht auf die in der Bevölkerung herrschende große Kleidernot ist diese Gabe ganz besonders dankenswert.

* Falsche Hundertmarkscheine. Wie aus Fran s rt gemeldet wirb, sinh dort falsche Hundertmarkscheine mit dem Datum vom 1. Ro­tz ember 1920 ausgetaucht, die sich insbefVndere durch Fehlen dec Faserstre'f n kennzeichnet». Vor­sicht beim Einwechseln ist geboten.

** Dorsicht beim Baumfällen. Von zuständiger Seite wird uns geschrieben: In der Zeit des Baumfällens werden an den Straßen und in den Ortschaften die Reichs-Telegravhen- und Fernsprech'e.tungen durch umstür^ende Bäume oder durch herabfallendc Aeste häufig beschädigt, weil die Personen, denen das Vaumsäl'en obliegt, in der Regel die zur Sicherung der Telegraphen­anlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vor­kehrungen überhaupt nichr oder in ungenügendem Maße treffen und es unterlassen, von den bevor­stehenden Arbeiten der nächsten Postanstalt recht­zeitig Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigungen ber Telegraphenanlagen im 5 3 8 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, wirb ben Daumbesitzern empfohlen, bie nächste Postanstalt von ber bevorstehenden Daum- fällung so zeitig zu benachrichtigen, bah bie Ent­sendung eines Beamten zur Sicherung ber Leitun­gen veranlaßt werben kann. Daburch erspart sich der Daumbesiher Angnn eh mlich'eiten. alle Kosten für die Sicherung dec Telegraphenleitungen trägt außerdem in diesem Falle die Tetegraphenper- waltung.

** Der Gießener Eisverein hiell am Montag eine Sitzung ab. 3m Hinblick auf bie ungünstigen finan ie len Verhältnisse bes Vereins unb bie außerorbentlich gestiegenen Kosten und Löhne sah sich ber Vorstand genötigt, die Mit­gliedsbeiträge nicht unerheblich zu erhöhen, und zwar wurden festgesetzt: Eintrittsgeld auf 3Mk, Mitglicbsbftlrag auf 15 ML. Deila ten auf 2 Mk. (die erste frei) Tageskarten auf 3 Mk. (für Kinder unter 12 Jahren 1 Mk.), Kunstlauf- (arten auf 3ML Ohne tiefe Echo ung wäre das Fortbestehen des Vereins gefährdet.

Bornolizeu-

TageSkalender für Freitag: Stadtthcater. 61/? Ahr:Die Postmeisterin". Zohanneskirche, 8 Ahr: EvangeliiationS- vortrag. Hotel Einhorn, 81 4 Ahr: Vortrag der Deutfchnationalen Volkspartei. Hotel Grvhherzog, ab heute bis 14. November, 9 Ahr vorm. bis 5 Ahr nachm.: Gemäldeausstellung.

Die GemäldeausstellungDeutsche Kunst" (Werke der Malerei, Plastik und Graphik Münchener, Pfälzer und hessischer Künstler) wird heute nachmittag im Saale des Hotels Grvßherzoa von Hessen eröffnet.

-Dichter-Abend: Paul Ernst. Die Literarische Gesellsch ft bittet uns, nochmals auf den am Sonntagabend in ber Reuen Aula statt- finbenben Dichter-Abend aufmcrlfim zu machen. Es sei bringenb zu wünschen, bah ber Gesellschaft ein voller Saal beschieben ist Denn bie Gesell­schaft muß. ben Zeitverhältnisfen Rechnung tra­gend, für ihre Darbietungen eine weit größere Summe ausbringen, als es bisher der Fall ge- w.scn ist. Ihr Weiterbestehen ist aber nur bann

möglich, wenn alle Kreise das kleine Opfer bringen, durch ihren Besuch und Beitritt die Gesellschaft lebensfähig zu erhalten. Rur bann kann sie ihr Programm, das sie für den Winter aufge-'teUl bat. durchführen. Ist es ihr doch gelungen, eine Leihe l hervorragender Schriftsteller unb Dichter nach i Gi hen zu gewinnen. Will Delper. Paul Keller.

W.lh.lm ton Scholz. B.austwll er. Fcr e. i'l c.ne Dante - Gcdächtnr.f'ier unb ein Gastivie.

Mainzer Stadttheaters vorgesehen. ,S. Aa-,cizc.)

Wie wlr bereits mittellen tonnten, findet morgen ade rd 8 Ahr im Saale hes Hotels Einhorn ein Wohltätigkeitskonzert zu Dun­sten derRotleidenden von Oppau statt, wobei Kammersänger Lieder, der gefeiertfte Loewe-Ir.tecprel, die schönsten Perlen des Loewc- schen BalladenlchatzeS zu Gehör bringt. Die ge­samte Einnahme abxücl. der geringen An losten für Saalmiete usw. flieht den Rolleidenden von Oppau zu.

Wahlversammlung. In der am nächsten Montag. Z. Rovember, abends 8l t Ahr. im Katholischen Vereinshaus staUftndenden öffent­lichen Versammlung der Deutsch-Demo­kratischen Partei wird Finanzminister Henrich über die Bedeutung der Landtags­wahlen am 2Z. Rovember sprech:n unb im Zu­sammenhang damit auch bic ReichSpolirik be­handeln. Das zweite Referqt .Die Frau in der Politik" hat Frau Martha Dönhoff über­nommen.

Das Lanbst - Inf. - Batl. Dietzen (XVin, 9) hält am lo nmenden Sonntag hier eine Zusammenkunft ab. Vrrm t ags findet aut b;m Reuen Friedhof eine Gedächtnifteier. nachmittags eine Veriammlung auf ber LiehigShöhe statt.- heres siehe im Anzeigenteil.

Wettervoraussage für Samstag:

Wollig, strichweise Regen, kühl. Rordwcst- Winde. Aebec G ohbritannien hat sich ein Tief­druckgebiet entwickelt unb zieht langsam ostwärts. Morgen liegen wir auf feiner Rückseite unb haben mit wolkigem, regnerischen Wetter zu rechnen.

Landkreis (Yictzcn.

Lonbvrf, 3. Rov. De'ern abend sprach hier im Bönge eschen Saale Lehrer Hui aus Gießen in einer demokratischen Wähler- Versammlung als erster Redner zur dies­jährigen Landtagswahl. Der Redner gab einen Ae'oerblick über die Arbeiten des verflossenen Landtages. Seine Ausführungen fanden in der Versammlung lebhaften B.ifall. Bei (Srcfrnung ber Aussprache meldete sich kein Gegenrebner zum Wort.

x Wieseck, 2. Rov. Die Liga zum Schuhe der beutschen Kultur eröffnete mit einem Vortrag des früheren Sowjetbeamten E r t e [ Berlin über die Hungersnot in Ruß­land ihre Winter arbeit in unserer Gemeinde. Als Leiter der hiesigen Ortsgruppe konnte Pfarrer Sattler nur einen kleinen Hörerkels begrüben mit einem Hinweis auf die Arbeit und Ziele der Liga. Gespannte Aufmerksamkeit folgte den an­schaulichen Aussühru gen des Vortragenden, tie Herr Wendel- Gießen nych vom volkswirt­schaftlichen S andpunkt aus ergänze Ein Redner, dec der ASP. angehorte, machte ben Krieg unb bie russische Ankultur sür bie Hungersnot verant­wortlich: in weitxn Kreisen Däitschlanbs sei Hungersnot ohne Bolschewismus. 3m Schluß­wort wiberlegte ihn der Referent mit dem B ich eines seiner Genossen.

Kreis Büdingen,

kl. Hirzenhain, 3. Rrv- Der Zweig- Verein HirzenhaindesD. H. C kann dem­nächst auf fein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Ec beabsichtigt daher am Samstag, den 12. Rov.. abends 8 Ahr. in der Kantine Der Eisenwerke eine diesbezügliche Feier zu veranstalten, bei der auch Kapc'lm.istc - QL Hermann von O.te b rg feine Mitwirkung z.uacfagt hat. Außerdem wird der Abend au g füf:t mit civnt Theat rstück: ..Heitere Bilder aus dem oberhessischen Gemeindrleben". sowie mit humoristischen Vorträgen. Ferner sinh vorgesehen einige Reigen sowie Gcsangsvortcäge. Von den Drüabrrn bes Vereins finb hier noch wohnhaft Lehrer-Bürgermcister Hensel sowie Gastwirt G. L a n b m a n n. Auch die Zweig­vereine ber Umgegend sind zu der Feier etnac- laden.

Kreis Lauterbach.

sb. Aus dem Vogelsberg. 1. Rop. 3n Hochwaldhausen wird nächstes Jahr eine rege Bautätigkeit emsetzen. Mehrere Kriegsbeschädigte von auswärts, die vorläuft z zur Miete in 3lves- hausen wchnen. find die Bauherren Die Bau­plätze hat ihnen Herr Berlit von K is'el. der Grün­der von Hochwaldhausen, unentgeltlich überlassen.

Kreis Friedberg.

bz. Rieder-Rvsbach, 2. Rvv. Gestern verunglückte der Landwirt An ton Seibel infolge Durchgehens feiner beiden Pferde so schwer, datz er nach dem Fried­berger Bürgerhospital gebracht werben mutzte. Außer fönst gen Verlehun en hat er sich einen schweren Beinhruch zugezogen.

Starkenburg und Rheinhesse».

o. O s f e n b a ch. 2. Rov. 3a der Leberwaren- fabril JM>n Eebr. Strauß cntiiar.bc.i zwilchen dem Werkführer und dem Ta.lebeobmann Drf'-renzcn. die d<c Arbcitcrichaft der Firma t>eranlah:cn. am Montag ohne Anrufung b.r tariflichen Schlich- tungäir.fianc.i bie Arbeit niederzulegen Die Arbeiter wollen nicht eher in ben Betrieb zurückkchceri. bis der Weat^hrer entlaßen ist. Dieser wilde Streif hat, da es siw nur um etwa 10 Arbeiter handelt, na.ürlich auf die 2k- teftslagc in der Offenbacher Lederindustrie »einen Einfluß.

m. Rüsselsheim, 2. Rod. Rach einem Beschlüsse des Gemeinderats sollen ?air Vermei­dung von unlauteren Preistreibereien bei der Reuverpachtung ber Gemeinde­grundstücke, die demnächst zur Verpachtung gelangenden Gemcindcgrundstücke unter Zestset- .ung eines normalen PachtyreiseS öffentlich verlost werden. Zur Verlosung werden dieöaul auch Landbewerber zügela' cn, di. bisher noch nicht im Besitze uud Trutzitießung von Acker- und Pachtland gewesen find.

d Mainz. 2. Rov. Die R h e i n s ch i f s - fahrt ist durch den verlchlechker ea W-asserstand teilweise brach gelegt. Es bilden sich überall Sandbänke, die durch den aufgeliekac.i Level die Sicherheit ber Schiffe ccfäbrbcn. Dar Argeboi in Schleppkraft ist erheblich »urüdeeg ingen. Das Angebot in Leerraum ist über Bebarf groß. Die Talschi pplöhne find in kurzer Zelt von 333 auf 400 unb jetzt auf 600 dis 650 Pcozeni über Nor­maltarif in die Höhe gegangen.

w. Worms. 2 Ro v Tödlicher An­fall. 3n ber Heyl schen Fabeck Speyecdom ver­unglückte bei Beginn ber Arbeit ber 14i't Jahre alte Fe-brikarbeiter Hotis Deich Der junge Menfch stand auf der stillsteber.ben Ausreckmasch ine. um bas Getriebe zu ö:cn. 22äd- renb befkn ließ ein gleichzeitig mit ber Fütztung ber Maschine betrauter Mitarbeiter den Motor anlaufen, wodurch die Walzen, auf deren De'.chei- mann stand, in Bewegung tarnen, was zur Folge hatte, baß er umftel und unglücklich rweifr mit dem Kopf zwischen die beiden Walken geriet. Mit zercfuctschtcm Kopf fiel er bann tot b tob. Da Zahrläfsjgkeit seitens deS Führers corzu- liegen scheint, wurde sofort eingehende Unter- fuchung ctngelcltcL

Kreis Wetzlar.

w. Hömshe i ni. 2. 0Iov. Aus Anregung von Dr. Koch unb Bürgermeister Schneider wurde hn Anfang dieses IahreS in unserem Ort in« Schwei nczuchtstation des te cbelten Land- schweins für die Rh:i.p.ovin; er bezogen 19 Mutterschweine und einen Eher von einer anerkannten Zuchtstation der Rh inprvvin^, allerbestes Zuchtmaterial. Vorige Woche wur­den die Tiere von Oeloncnücrat Delinger und Dr. Koch besichtigt und in das Stammbuch ein­getragen. Die Herren sprachen sich 'e5r anevfen- nend über daS vorzügliche Zuchtmaierial ouS.

Hcüeu-Raüau.

mc Frankfurt a. M., 3. Rvv. Auf bei Taunushöhen find in ber 2lacht vom Mitt» woch zum Donnerstag erneute Schneefälle emgetreten, bie sogar sehr stark gewesen si id. Auch die Rhön unb der Schwarzwald nicken Neuschnee. Es scheint also doch mit dem frühen Win ter Ernst zu werden.

g. Frankfurt a. M., 3. Rov Gestern nachmittag um 4 Ahr wurde ber ermordete FuhrmannRik in Enkheim auf dem dortigen Friedhof beerdigt. An ber Trau.r.Her rahm ein gro.er Teil der Einwohnerlchast teil. Pfarrer Kaiser wies in feiner Grabrede auf bas scheußliche Verbrechen hin, dem ein braver arbeit au.ee Mann zum Opfer gefallen fei. Er sprach bic Hoffnung aus. bat bet Täter feiner gerechten Strafe nicht entgehe. An bcm Grabe wu ben ^aßlrc.che Kränz« nicbergelegt. 3n ber Anterfuchuna lind dis jetzt neue Momente nicßt zutage getre cn. Die Cinwohrerichaft von E^.theim »üh t l bjaflc Klage über bie A. s.cherhell, die in bca letzten Tagrii in ber Amg dang des O.t . herrscht Seit der Mordtat find ber its v riftiebentlich Personen aus bcm Wege nach En.h^im ange­halten worben.

spd. Frankfurt a. M.. 3. Rov. TdK wir hören, wirb auch für ben Stablbnirt Groß- Frankfurt ebi gener.lle; Verbot des Kar­nevals und tar evalifti cher Au tu g n tixliy rend ber fommenden Kar. eriakze t cr.af en.

m. Biebrich, 3. Rvv. Ein umfang­reicher Brand brach tu der letzten Rocht kurz vor 2 Ahr auf ungef ä ti Weft. im Pap'er­läget der 3emcntfabrit Dycker hoff & Widmann auä. Das Feuer fand in den '^apiervorrutea reiche Rahrung und griff so sch e.l um sich, daß der Bau in kürzet Zeit eingoischert war. Rur dem raschen encn:gischen Eingreifen bet Freiwil­ligen Feuerwehr Biebrich unb einiger Fabrik- wehren ist eS zu txrdanfcn. baß das Feuer au feinen Herd beschränkt blieb.

g. Wiesbaden. 3. Rvv Rach einer Sta­tistik des Be t hrsbureaus wu den in Wiesbaden in ber Zeit vom 1. Iarwar bis 31. Oliotxrr ki i,s IabreS 113 008 Fremde gezählt und zwar 39636 Kurgäste und 93322 Passanten.

Frankfurter Uraufführung.

Ludwig Berger:Griseldis".

Frankfurt, 3. Rov. 1921.

Dem mittelalterlichen, von Boccaccio in die Weltlilera'ur cingeftchrien. Sag-nftoff der ,,©ri- feldU hat der jüngste Bearbeiter Ludwig Ber­ger eine neue, psychologisch vertiesende Wen­dung gegeben. Verschiedene Mott', e. die im Zeit- * unbedinnien grenzenlosen Herrenrechrs

des Mann S rerstä.idlich fein mochten, f nd falfcn- aclaneu: nicht mehr, um die Treue und Ergebung seiner Gemahlin in harten Proben zu prüfen quält und verstößt ber Herzog D iselbis. fonbern JretoüUg verlaf t diese bas Herzegsschloß, weil fte sich ein moderner Zug - ihrem Manne innerlich fern suhlt unb bei dem Verlust des Kindes seine Hilfe schmerzlich entbehrt. Die vor nicht- zu ücklattenbe Ei e such, des Herzogs die ihn an bic Eitern der Griseldis und ben neu­geborenen Sohn, ja sogar an das Heimatstal feiner Gemahlin nur mit Mißgunst und Reid denken läßt, wird erst in langer Trennung und ganz allmählich geheilt. Durch ihr bei den Mön­chen aufgAvachse'eS Si .b Fftrian kommen Mann und Frau wieder zusammen, und die wilde Liebe der Griseldis, ihre herrliche Mütlerlichkell für Sohu und Gatten löst den Konflikt zu reiner Har­monie

Diese innere Entwicklung hat Ludwig Berger bt seinem oicraltigen VvlksstuckGriseldis geschildert ES ist ganz gewiß mehr ein auf bic Bühne gebrachter Ehrvnikausschnitt als ein nach

den Regeln der Technik zusammengefügtes Drama, es gebt in diesen 21 Bllbern äußerst grablinig unb ohne jede Gegenaktion vor. And trotz- bem sei bem De snsfer fein Werk gedankt. Er bat den naiv volkstümlichen Ton einer primitiven Zeitform recht glücklich getroffen, unb seine Knüttelverse haben Klang unb. Wobllaut. Auch Humor steht ihm zu Gebote, unb bei ber liebens­würdigen Belebtheit, die viele Szenen erfüllt, sieht man gern über einige Sentimentalitäten und Anwahrscheinlichkelten hinweg. Doch wären, besonders im 2. Teil, wo bie Versöhnung ber beiben Gatten gar zu träg unb doch von jedem Hörer lange vorher erkannt sortfchreitet, ent­schiedene Kürzungen anzuraten.

Der Dichter selbst, sonst Regisseur am Ber­liner Stadtttzeater, war l.irem Werk ber belle Degeberciter, unb bas Frankfurter Schauspiel­haus ging auf seine künstlerischen Ab ächten in feinfühligster Weise ein. Die Aufiührung wirtte in prachtvoller GeschloNcnheit. Gerda Müller, deren Griseldis von hohem S eien adel getragen war, und die In schlichtesten Tönen bis Hohelied bes reinen Weibtums erklingen ließ, gab eine ihrer schönsten, bcm Gedächtnis verbleibenden Leistungen, und neben ihr rang der Herzog, von ®arl Ebert mit voller Kunst gespielt, aus ben Tiefen seines Zweifels um Licht unb Liebe Auch der prächtige Adl von TUerunder Eng lS, ber Vater Elaus Rodert Taudcs. ein Pdlloioph deS guten Herzens, unb bie köstlich: Eharatterlype ber Frau Hartmann als Renata seien mit aller An­erkennung genannt. Eindrucksvolle Bühn ndUd.l

stammten von Max Beffeckcr. Die Aufnahme bes Publikums äußerte sich zuletzt in starkem Beifall für bie Darsteller und vielen Hervor­rufen bes Dichters. Dr. G e o r g S ch o t t.

Die getrocknete Bibliothek. Der berühmte Ehinakenner Di'. G. E. Morrison hatte während fcänes langjährigen Aufenthalte- im Reich der Mftte die vollständigste Sammlung von Ehinalitcratur zusammenoebracht, die c- bisher gegeben. Diese Bibliothek, die auch viele seltene Handschriften enthielt, wurde nach Morrilon- Tode von den Mitsuis. den japanischen RotschlldS. angekauft. die für diese Bücher schätze eine eigene Bit liothek erbauen unb sie?um Mittelpunkt elnc- 3nstituts für orientallschr Forschung machen wol­len. Bevor dieser Plan aber ausgeführt werden konnte, bat bie einzigartige Bücherfammlung ein ungewöhnliches Schicksal gehabt Die kostbaren Bände wurden glücklich ?u Schiff von Peking nach einem japanischen Hafen gebracht und lagerten dort in zahlreichen Kisten in einem Speicher Anglückliche.weise kam kl ylich ehe Aeberchwem- murg, die den Speicher überflut te unb die ganze Bibliothek mit Sectoafler burchirantte. 3m Abend­lande toä-.be man wohl daraufhin diele kostbaren Schätze für verloren angesehen haben. Aber bie MtisuiS gaben die Bücher nicht auf, sondern sie ließen alles an Löschblättern zusammenhringen. waS in Japan aufoutreiben war, und beschäftigten viele Taufende von Händen so lange, bis jede be-1 schädigte Buchfeit« mU einem Löschblatt bedeckt war. Dann wurde der ganze Syifcnfdi mit ben |

kostbaren Büchern belegt, die nun mit größter Sorgfall in der Sonne getrocknet wurden. So wurde die Bibliothek gerettet, wenn sie auch freilich chre alte Pracht nicht toicbererlangt hat.

Sin Meister der Spitzenkunst. Der bedeutendste Lehrer unb Anreger auf dem Gebiet der Tertilkunst, den Deutfchland besaß. Ist vor kurzem mit Albert Forkel babingc- qangen. Wie wir einem In ber .Kunstchrcmik" verösfenllichlen Nekrolog entnehmen, strebte er mit seiner ganzen Persönlichkeit nach dem Reuen unb Schöpferischen. daS an die Stelle der schlechten Arbeit de- 19 Jahrhundert- Icbmdlg d Hand­werk und beseelte Maschinenkunst fetzen lcllte. Sein Hauptgebiet war die Spitze, und ffy: bie Ver­edelung der solange verachteten Ma chinenspltz« hatte er al» Direktor der Kunstfdule für IcitU- Inbuftrie in Plauen sowie als Qeiter ber Vogt- ländischen SticLer-Fach chule ScrDcrra;,e.'.b<5 ge­leistet. Bekannt wurde fein Rame zuerst durch die Brüsseler Ausstellung von 1910. Damals wurde da- Ausland auf ben Mann aufmerksam, ber bie MaschinenspiUe in so ebser Form barbot, bah ihr kein Makel oer mechanischen Hrrstelluna mehr anhaftete. Forkel bat als erster erkannt, bah bie maschinelle Herstellung die Soitze eben- sowenig zu schädigen braucht wie irgendein an­dere- Gewebe. Die Mängel der Maschlnenspitze sah er hauptsächlich in bcm geistlosen Qlacba^men der alten handgearbeiteten Spitzen, unb so schuf er denn neue Formen, bie die durch die Maschine bedingten besonderen Gebundenheiten berücksich­tigt«'